Der Wahrheitsbegriff in der Ultimativen Freiheit Online

Nachtrag:
Mein Brötchengeber Urbald Freiherr von Oberhand meldete, er möchte unten stehende Definition noch präziser haben. Die Avise, bereits nur Sichwortartig ausgeführt, kam auch aufgrund seiner unsäglichen Sauklaue bei mir aber nicht ganz so gut lesbar an und lautet in etwa wie folgt:
Die Wahrheit ist, daß es die eine Wahrheit nicht gibt, sagen manche. Sie haben wohl recht, auch wenn sie damit was ganz anderes meinen, zumindest, so fügen sie an, könne sie aufgrund des zu schmalen Erkenntnishorizonts vom Menschen nicht erkannt werden, was wiederum nicht stimmt. Denn die Wahrheit im Gegensatz zu dem unentdeckbaren Wahren (Also Gott, wenn Gott so will, oder das große AllesNichtsOder!? oder weiss der Geier wie mans nennt) kann durchaus erkannt werden, denn wie das Wort schon sagt, du Deutscher Held, ist die Wahrheit lediglich ihrem Stamm Das Wahre zugehörig. Sie kann also etwas damit zu tun haben, muß aber nicht, je nachdem eben wie man es auslegt. Sie ist auch schon recht platt, da sie durch den Spalt des Erkenntnishorizonts durchgewischt kommt, Ihre Zugehörigkeit ist also eine Ableitung, ein Abglanz vielleicht. Es mag was Wahres (noch) dran sein, so wie die Frei-heit ein bißchen was mit dem Stamm Frei oder Das Freie zu tun haben mag. Wild.heit, das Wilde, etc… Wer also meint er kennt die Wahrheit, lügt so gesehen nicht, doch kennt er allenfalls nur sie. So ähnlich meinte er wohl.
Und da stimm ich zu. Es gibt denn ja auch mehrere Wahrheiten, im Gegensatz zu dem einzig Wahren; von diesen kann man sich dann eine aussuchen oder mehrere, je nachdem wie man lustig ist. Kennst du eine, kennst du alle. Bist also voll der Durchblicker. Nur hat das mit der Erkenntnis des Wahren noch nichts zu tun, wenn man die Wahrheiten erkennt. Ich fürchte, diese können auch Täuschungen sein. Die Wahrheitssuche ist eine Flucht vor der Erkenntnis, könnte man also sagen. So weit so gut oder auch nicht. Darüber rumzulabern führt ohnehin zu nichts. Hier zu schreiben ebenso wenig. Gleichwohl. Mal sehen wo das demnächst dann mal wieder auftaucht. In heeren Worten.

Vortrag:

Der Wahrheitsbegriff in der Ultimativen Freiheit Online, 01.01.2015

Meines obersten Herrn und Brötchengebers Urbald Freiherr von Oberhand ausreichende Definition von der Wahrheit, im besonderen aus Sicht des Schreibers:

„Während wir aber dem lesenden publikum, als eben der Öffentlichkeit, auf diese Weise die neusten Erkenntnisse in Aussicht stellen, greifen wir unter Vermeinung und Veräußerung, wir hätten Kenntnis von der Wahrheit, immer aufs neuste zur Feder, um der schlaftrunknen Welt durch Bepinselung unserer Tapeten zur heylsamen Erwachung zu verhelfen, allein dadurch, daß sie es lesen. Und je mehr es denn lesen, desto mehr gelangen wir zu der irrigen Überzeugung, unsere Texttapeten verströmten eine balsamische Wirkung, vermittelt durch unsere ‚Wachheit‘, derer man sich auch Jahre später noch vergewissern könnte. (Von dergleichen Einbildungen sind ja viele Aufklärer befallen) Und wenn wir hin und wieder vielleicht nur eine Lüge überklebt haben, so sei dies ganz ‚bewußt‘ geschehen, es schimmerte dortheraus doch die ewig währende Wahrheit.
Doch was da schimmert, rührt von der Rückseite der Tapete her und dahinter ist nichts als eine nackte Wand; über die Jahre vollgekleistert mit weisen Sprüchen und erhabenen Motiven, eine beständige Maculatur seit der allerersten Übertünchung der kalten, nackten Bloßheit; eine Schrifttapete von ansehnlicher Struktur, vornedrauf Tinte, hintendrauf Kleister, und aus diesem Gemisch schimmert die Wahrheit nach vorne, doch schimmelt sie wieder von Hinten – der Kleister, die Absicht etwas darzustellen, läßt nach vorn die Motive verblassen und zöhen wir sie ab, erforderte es einen neuen Klatsch Kleister, der immerhin in die Wände würkte, bis endlich der Wandputz an zu bröckeln fünge, die Mauer zerbröselte und das gesamte Konstrukt bald aus den Fugen geriet; so daß wir die Wand auch hätten können gleich durchschlagen, statt sie mit unseren Vorstellungen, von was denn wohl dahinter läge, beständig zu bekleistern und die Besucher hinter unsere Mauern zu locken.“

Zu finden im Artikel Was heißt hier ‚ohne Unkraut‘? einer der Einführungen der sogenannten > Sumpfgeschicht als Teil des Findelgartens, aus 2016