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Klimatisierter Alptraum-Gipfel (Stand: 23 zitierte Passagen)
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So, heute tippe ich mal ein paar Passagen aus dem (nahezu prophetischen) gesellschaftskritischen Werk „Der klimatisierte Alptraum“ von Henry Miller ab, weil es so schön aktuell ist.
Geschrieben hatte er es bereits im Jahre 1945, wo es selbstverständlich gleich wegzensiert worden ist, was bei Henry Millers Büchern ja nicht selten vorkam – der angebliche Vorwurf: Pornographie und Sexismus. Selbstverständlich war das nur ein Vorwand, was man gleich weiter unten anhand der erstaunlichen, einzigartigen und selten gelesenen Stücklein aus dem genannten Buch schnell merken wird.
Die Gefahr kam bei Miller nämlich von ganz anderer Seite her, und die allgemein vorherrschende Prüderie war den Zensuristen im Namen des Systems nur ganz recht. In Deutschland kam das Buch übrigens erst 1977 auf den Markt – klar – in den Siebzigern war ja alles erlaubt. Meint man jedenfalls, stimmt natürlich gar nicht. Vielmehr herrschte auch im Deutschland der 70er Jahre die totale Heuchelei vor, nur hatte sie diesmal Blumen im Haar.

Und somit war Deutschland nun bereit. Nicht etwa für Millers komplette Durchleuchtung des System, der Bloßstellung der darin wirkenden Kräfte und der Offenlegung der Antriebe der niederträchtigen führenden Mächte (Eliten) – nein, nicht deswegen war Miller in Deutschland nun gern gelesen, sondern weil dessen pornographische Buchpassagen nicht nur dem freizügigen Gerudel in alle Richtungen entsprach, sondern diese angebliche Freiheit den Widerlichkeiten des Systems nicht nur nicht etwa widerspricht, sondern ganz und gar entspricht.

Mit Love & Peace und freedom for all hat dieses Kaninchen-Gerammel und Geschmiere nämlich nichts zu tun, sondern mit der Ablenkung vor dem >Kaninchen-Bau; da sollte man eben lieber nicht hinsehen, sondern sich stattdessen in sinnesbreiten belustigenden Exzessen verlieren und bloß nicht nach wirklicher (zunächst innerer) Freiheit verlangen, sondern nur die Freiheit bloß der Ego-Gelüste übers Äußerliche schön freien Lauf lassen und unter währendem Gerauche, Gerudel und Gebimmel und Gebammel ganz frei von Verantwortung gegenüber den tatsächlich heilenden energetischen Kräften nämlich noch viel unfreier werden – wie eben die Religionsgläubigen auch nur ins Himmelreich zu gelangen sich wähnen, wenn sie dies und jenes tun.
Das einzige aber was bei dieser Form der Suche nach „>Wahrheit„, Erkenntnis, innerem Frieden, Glück und „selbstlose“ Liebe (was natürlich schon ein Widerspruch in sich ist) herauskommt ist u.a. >hier reimerisch ungefähr ins Holz geritzt worden.

Ja, auch Love & Peace ist nur eine Religion und alle religionskritischen Leute verlieren sich dann eben darin, oder in anderem Esokram oder angeblichen Nicht-Religionen wie jene völlig verdrehten Schwurbeltheorien aus dem Osten. Womit ich nicht den nahen Osten meine, und auch nicht den ganz nahen wie Rostock, sondern mehr Asien, man sieht ja an Indien und China, wo das hinführt.
Und während man sich dann wie die Kinder im Schlamm suhlte und von Hendrix, um nur einen zu nennen, eigentlich überhaupt nichts begriffen hat, wurden die wirklich wirksam wirkenden wenigen Freigeister genauso übergangen, fertig gemacht oder eben schlicht umgebracht, wie es schon seit jeher der Fall war. Oder etwa nicht? Tja, da konntest du dir die Blumen im Haar gleich wieder herauspflücken und über die Gräber streuen. Und auch sonst hat das Getanze die Herrschenden Ober-Egoisten kaum gekümmert, vermutlich gar eher arg belustigt.
Stimmt doch, ist zwar nur eine Annahme, aber stimmt doch.
Nimm doch zum Beispiel allein diejenigen, die unter dem Label „Only the good die young“ aus dem Weg geräumt wurden – und das waren ja nicht nur Musiker, die hier augenscheinlich von Gott persönlich aus dem Leben geholt wurden, weil sie ihren Auftrag – jung wie sie sind – nunmehr erfüllt hatten.
Klar! Es gibt für alles eine Erklärung. Nur: >sieh lieber hin, was vorliegt, und nicht was man ansonsten drumherum vorlügt, wozu sich Erklärungen aller Art eben gut eignen: „Nein, an der Impfung ist er nicht gestorben, sondern an Corona, das beweist das Testergebnis.“ – Ja klar. Und wenn du es immer noch nicht siehst, zum Beispiel im genannten Fall die vielen eher jüngeren toten Künstler, dann frag dich mal, wie viele von den jungen Menschen sind denn nicht gottbefohlen gestorben? Wohl die absolute Mehrheit. Waren sie etwa nicht gut, nicht gut genug, um schön jung sterben zu dürfen? Waren sie gar eher tendenziell böse vielleicht? Ja, sicher einige wenige auch das, also Grund genug, vor allem diese am Leben zu lassen, denn sie sind systemrelevant.
Aber alle anderen waren weder relevant noch irrelevant, sondern schlichtweg nur harmlos. Und die Masse hoppste wieder mal mit, for Love and Peace forever.
Heute sind die meisten davon totale Spiesser oder linksvernebelte Intellektuelle und das waren sie auch schon vor 10-20 Jahren, bzw. sind etliche viele von diesen auch damals in den 70ern schlicht nur dem Trend nachgelaufen.
In Wirklichkeit lebten sie nicht Freiheit und Liebe, sondern ließen sie einfach nur ihren kindischen Zügen freien Lauf, mehr haben sie nie begriffen. Man sieht eben auch da, was ist.

Aber – genug jetzt durch die Rosensträucher gestrauchelt, kommen wir endlich zu den aussagekräftigen Passagen von Henry Miller, der Leser wird erstaunt sein (obschon: wer die U-F-O aufmerksam liest dürfte längst solches und ähnliches gewohnt sein):

Vorliegendes Buch
Henry Miller:
Der Klimatisierte Alptraum
The Air-Conditioned Nightmare, 1945
Deutsche Erstausgabe 1977 im Rowohlt Verlag
978-3-499-11851-7
vergriffen, keine NA


Lesenswerte, be-merkenswerte und bedenkenswürdige Passagen:
(fette Hervorhebungen, >Links, Anmerkungen von Jermain Foutre le Camp)

-1

Ich erinnere mich, als das Radio auftauchte, dachte jedermann: Wie wundervoll! Jetzt werden wir mit der ganzen Welt in Verbindung1 stehen! Und Fernsehen – wie herrlich!2 Jetzt werden wir sehen können, was in China, in Afrika, in den entlegensten Teilen der Welt vor sich geht! Ich glaubte immer, daß ich vielleicht eines Tages ein kleines Gerät besitzen würde, mit dem ich durch Drehung einer Skala Chinesen sehen würde, die durch die Straßen von Peking oder Schanghai schlendern, oder Wilde im Herzen Afrikas, die ihre Initiationsriten feiern. Was sehen und hören wir heute wirklich? Was die Zensoren uns zu sehen und zu hören erlauben, weiter nichts. […]
1 „in Verbindung“: >Falsch verbunden
2 „Fernsehen – wie herrlich!“: Und >FernseherInnen, wie fraulich!

-2

Durch Film und Rundfunk bekommen wir ungefähr ebenso viel an Information über die anderen Völker dieses Erdballs, wie die Marsbewohner über uns.
[…]
[Der Amerikaner] sieht aus, als sei er von einer Universität mit Hilfe einer Ladenkette für Herrenbekleidung kostümiert worden. Einer sieht wie der andere aus, genau wie die Autos, die Rundfunkgeräte und Telefone. […]

-3

Geld wird seine Bedeutung einbüßen. Schon jetzt können wir uns die Nichtigkeit des Geldes vor Augen führen. Wären wir nicht das Waffenarsenal der Welt1+2 geworden und hätten dadurch den gigantischen Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems hinausgeschoben, dann hätten wir vielleicht das Schauspiel erlebt, daß die reichste Nation auf Erden inmitten des aufgehäuften Goldes der ganzen Welt verhungerte. Der Krieg ist nur eine Unterbrechung des unvermeidlichen Desasters, das uns bevorsteht. Wir haben noch ein paar Jahre vor uns, und dann wird das Gebäude zusammenstürzen und uns unter sich begraben. Einigen Millionen wieder Arbeit zu beschaffen, indem sie Vernichtungsmaschinen herstellen, ist keine Lösung des Problems.
… [S.44-45]

1 „Waffenarsenal der Welt“: >Wenn es eine Achse des Bösen gibt, dann ist die USA wohl das Kugellager.
2 „Waffenarsenal der Welt„: „Zugegebener Maßen ist es aus Sicht der USA ein guter Grund, immer dort nach der Achse des Bösen zu suchen, wo es am meisten Öl gibt. Schließlich ist man ja als Eigentümer des größten Kugellagers auf Erden bekannt und benötigt eine passende Achse dazu. Damit alles reibungslos funktioniert, muß natürlich auch beides gut „geschmiert“ sein „…>Kaum zu glauben

-4

[Die Handlungsreisenden] kaufen und verkaufen, kaufen und verkaufen. Dazu brauchen sie die besten Zimmer in den besten Hotels, die schnellsten, bequemsten Flugzeuge, die dicksten, wärmsten Mäntel, die größten fettesten Brieftaschen. Wir brauchen ihre Pappschachteln, ihre Knöpfe, ihre synthetischen Pelze, ihre Gummi-Waren, ihre Strümpfe, ihren Plastik-Kram. Wir brauchen den Bankier, seine Begabung, sich >mit unserem Geld zu bereichern. Den Versicherungskaufmann, seine Policen, sein Gerede von Sicherheit1 und Dividenden – auch ihn brauchen wir. Brauchen wir sie wirklich? Ich sehe nicht ein, daß wir einen dieser Aasgeier brauchen. Ich sehe nicht ein, daß wir diese Städte brauchen, diese Höllenschlunde, in denen ich gewesen bin. [S.35]

1 „Sicherheit“: >Sicherheiten gibt es nicht, verlass dich drauf

-5

Nirgends bin ich einer so stumpfen, monotonen Lebensstruktur begegnet wie hier in Amerika.1 Hier ist die Langeweile auf die Spitze getrieben.
Wir sind gewohnt, uns als befreites Volk zu verstehen. Wir sagen, wir seien demokratisch, freiheitsliebend, ohne Vorurteile und Haß. Dies ist der Schmelztiegel, der Schauplatz eines großen menschlichen Experiments. Wunderschöne Worte, voll edlen, idealistischen Gefühls. In Wirklichkeit sind wir ein ordinärer, drängelnder Haufen, der in seinen Leidenschaften von Demagogen, Presseleuten, religiösen Scharlatanen, Agitatoren und dergleichen leicht zu mobilisieren ist. Dies eine Gesellschaft freier Völker zu nennen ist Blasphemie. Was haben wir der Welt zu bieten, außer der überreichen Ausbeute, die wir unbekümmert der Erde entreißen in der wahnsinnigen Selbsttäuschung, daß diese verrückte Aktivität für Fortschritt und Aufklärung stehe? [S.18]

1 Offensichtlich war Miller noch nie in Deutschland.

-6

Amerika ist kein Land für einen Künstler: Künstler zu sein bedeutet hier ein moralisch Aussätziger, ein wirtschaftlicher Versager, ein sozialer Passivposten zu sein. Ein mit Mais gemästetes Schwein genießt ein besseres Leben als ein Schriftsteller, Maler oder Musiker. Sogar ein Kaninchen hat es noch besser. [S.14.]

-7

Unsere Welt ist eine Welt der Dinge. Sie besteht aus Bequemlichkeiten, Luxusgütern – oder jedenfalls dem Wunsch nach ihnen. Was wir angesichts des drohenden Debakels am meisten fürchten ist, unsere Spielsachen, unsere Apparate, alle die kleinen Annehmlichkeiten, die uns soviel Unannehmlichkeiten gebracht haben, aufgeben zu müssen. Nichts an unserer Haltung ist tapfer, großzügig, heroisch oder hochherzig. Wir sind keine friedlichen Seelen. Wir sind überheblich, furchtsam, mäkelig und verunsichert. [S.15]

-8

Ich verließ Griechenland in heiterer Stimmung. Wenn jemand auf Erden frei von Haß, Vorurteil und Bitterkeit war, so glaubte ich das zu sein. Ich war zuversichtlich, daß ich zum erstenmal in meinem Leben New York und was dahinter lag ohne eine Spur von Abscheu oder Haß betrachten würde.
[…]
Der Anblick von New York – des Hafens, der Brücken, der Wolkenkratzer – trug nichts dazu bei, meine ersten Eindrücke auszulöschen. Zu dem Eindruck öder, erbarmungsloser Häßlichkeit, den Boston vermittelt hatte, gesellte sich nun noch ein vertrautes Gefühl des Schreckens. Als wir bei Anbruch der Nacht ganz nah am Ufer entlang um die Battery herum von der Flußmündung in die andere glitten, waren die Straßen mit Insekten besät, und ich empfand, was ich für New York schon immer empfunden habe: daß es der schauderhafteste Ort auf Gottes Erden ist. [S.10-11]

-9

Ein großer Wandel war in Amerika vor sich gegangen, darüber bestand kein Zweifel. Noch größere Veränderungen standen bevor, dessen war ich sicher. Wir waren nur die Zeugen des Vorspiels zu etwas Unvorstellbarem. Alles war aus den Fugen und geriet immer mehr durcheinander. Vielleicht würden wir auf allen vieren enden und kreischen wie die Paviane. Etwas Verheerendes war im Anzug – jedermann fühlte das. Ja, Amerika hatte sich gewandelt. Der Mangel an Spannkraft, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, die Resignation, die Skepsis und der Defaitismus – ich traute zuerst kaum meinen Ohren. Und überall der gleiche falsche Glanz eines einfältigen Optimismus – nur jetzt entschieden angeschlagen. [S.12]

-10

Die schönste Frau, der ich begegnet bin, eine Königin in jedem Sinne des Wortes, war die Frau eines Negerdichters1. […]

1 Aber aber, werter Herr Miller, Sie werden hier mit dem „Negerdichter“ doch hoffentlich nicht die >Neger*Innen exkludiert haben wollen?!

-11

Keine politische Partei ist in der Lage, das Reich des Menschen einzuleiten. Die Arbeiter der Welt werden vielleicht eines Tages, wenn sie nicht sie nicht länger auf ihre mit Scheuklappen versehenen Führer hören, eine brüderliche Menschheit organisieren. Aber die Menschen können keine Brüder sein, ohne zuerst Ebenbürtige zu werden, und das heißt Gleichrangige in einem königlichen Sinn. Was die Menschen daran hindert, sich als Brüder zu vereinigen, ist ihre eigene verächtliche Unzulänglichkeit. Sklaven können sich nicht vereinigen; die Unwissenden können sich nicht vereinigen1. Nur indem wir unseren vornehmsten Impulsen2 gehorchen, können wir uns vereinigen. […]

1 für die wahren Werte jedenfalls nicht, sondern nur für die Warenwerte
2 Ich kenne den O-Ton nicht, aber vielleicht hätte man als Übersetzer statt vornehm auch fein einsetzen können

-12

Wenn wir uns nicht bemühen, die Wahrheiten, die in uns sind, klar zu erkennen, werden wir immer wieder scheitern. Als Demokraten, Republikaner, Faschisten, Kommunisten stehen wir alle auf gleicher Höhe. Das ist einer der Gründe, warum wir uns so prächtig bekriegen können. Mit unserem Leben verteidigen wir die kleinlichsten Prinzipien, die uns trennen. Für die Verteidigung des gemeinsamen Prinzips, nämlich die Errichtung des Menschenreiches auf Erden, rühren wir keinen Finger. Wir fürchten jeden Antrieb, der uns aus dem Dreck ziehen würde. Wir kämpfen nur für den Status quo, unseren speziellen Status quo. Wir schlagen uns mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen. Tatsächlich gibt es niemals einen Status quo, außer in den Hirnen politischer Dummköpfe. Alles ist im Fluß. […]

-13

Diese Welt, die im Entstehen begriffen ist, erfüllt mich mit Angst. Ich habe sie aufkeimen sehen – wie eine Blaupause kann ich sie vor mir sehen. Es ist keine Welt in der ich leben möchte. Es ist eine Welt, geeignet für Monomanen, die von der Idee des Fortschritts besessen sind – aber eines falschen Fortschritts, eines Fortschritts, der stinkt. Es ist eine Welt angefüllt mit zwecklosen Gegenständen, die als nützlich anzusehen man Männern und Frauen beibringt, damit man sie ausbeuten und erniedrigen kann. Für den Träumer, dessen Träume nicht auf Nützlichkeit ausgerichtet sind, gibt es keinen Platz in dieser Welt.
Was immer sich nicht dafür eignet, gekauft und verkauft zu werden, sei es im Bereich der Dinge, Ideen, Prinzipien, Träume oder Hoffnungen, wird ausgeschlossen. In dieser Welt ist der Dichter Anathema, der Denker ein Narr, der Künstler ein Flüchtling vor der Wirklichkeit, der Visionär ein Verbrecher. […]

-14

Eines der seltsamsten Dinge an diesen unseren Vorfahren ist, daß sie zwar erklärtermaßen Frieden und Glück, politische und religiöse Freiheit suchten, aber erst einmal die Rasse1 der dieser riesige Kontinent gehörte, beraubten, vergifteten, ermordeten, ja nahezu ausrotteten. Später, als der Goldrausch begann, machten sie dasselbe, was sie den Indianern angetan2 hatten, mit den Mexikanern. […]

1 „Rasse“: Schlimmes Wort, das muss unbedingt grün angestrichen werden, oder bunt!
2 „den Indianern angetan“ >Dr(ei)ecksverhältnisse

-15

Sind wir jetzt erfolgreich und in Sicherheit, wie es sich so viele törichterweise erträumen? Ist irgendwer unter uns, selbst unter den Reichsten und Mächtigsten, sicher, daß nicht ein widriger Wind1 unsere Besitztümer, unser Ansehen, die Furcht und den Respekt, den man uns zollt, wegfegt?
Diese überhitzte Betriebsamkeit2, die uns alle, reich und arm, schwach und stark, unter der Fuchtel hält – wohin führt sie uns? Es gibt im Leben zwei Dinge, die alle Menschen, wie mir scheint, erstreben und nur wenige jemals erlangen (weil beide von ihnen in den geistigen Bereich fallen)3 – und das sind Gesundheit und Freiheit.4 Der Apotheker, der Arzt, der Chirug – sie alle haben nicht die Macht, Gesundheit zu schenken; Geld, Macht, Sicherheit, Ansehen geben keine Freiheit. Eine Ausbildung kann niemals Freiheit verschaffen, ebensowenig wie die Kirchen Religion oder Reichtum Glück oder Sicherheit Frieden zu vermitteln vermögen. Welchen Sinn hat unsere Betriebsamkeit dann? Welches Ziel? 5 [S.26]

1 „widriger Wind“: >Fenster aufgelassen / >Oben im Himmel entlädt sich eine gewaltige Energie und wir haben noch nicht einmal Strom für den Toaster.)
2 „überhitzte Betriebsamkeit“: >Und das alles nur für ein PaarRadieschen
3+4 Genau, und nicht in den Körperlichen. Der Körper ist stets gebunden, bzw Materie ist etwas Gebündeltes. Der bereits zum Körper gebündelte Geist ist umso gesünder und bindet sich (und andere an sich) umso weniger an andere Körper/Materie, je freier der Geist ist. Ab einem gewissen Zustand ist es dann so: Je ungesünder er ist, desto mehr bindet er sich (in unausgewogener Abhängigkeit, nicht in freier Verbindungsweise) an andere, indem er andere an sich bindet und macht sie auch deswegen krank, womit ich sagen will, daß die Mächtigen/Herrschenden es deswegen sind, weil sie selbstverständlich geisteskrank sind. Sonst wären sie es nicht.
5 „Welches Ziel?“: Entweder Flucht vor der Macht. Oder ebenfalls Macht.

-16

Dreiviertel der Goldreserven der Welt liegen in Kentucky verborgen. Erfindungen, die weitere Millionen arbeitslos machen würden – da durch eine seltsame Ironie unseres Systems jede potentielle Wohltat für die Menschheit zum Übel wird, – liegen ungenützt1 in den Regalen des Patentamts oder werden von den Mächten, die unser Schicksal bestimmen, aufgekauft und vernichtet. Das Land, das … in verschwenderischer, ungesteuerter Weise einen riesigen Überfluss jeder Art produziert2, wird von seinen Besitzern beherrscht, einer bloßen Handvoll von Männern, die weder die hungernden Millionen von Europäern, noch die hungernden Horden unseres eigenen Landes versorgen können.3
Ein Land, das sich lächerlich macht, indem es Missionare4 in die entlegendsten Teile des Erdballs sendet und von den Armen Almosen bettelt 5, damit es das christliche Werk irregeführter Teufel6 aufrecht erhalten kann, die so wenig Christus vertreten, wie ich den Papst.

1 seit der Umstellung des Patentrechts nicht mehr „ungenützt“, sondern dienen auch diese nun ebenfalls der Ausbeutungsmethodik
2 daher wird propagiert, „Wachstum“ sei erstrebenswert
3 gar nicht „versorgen“ wollen, sondern ausbeuten, um von ihnen und deren Energie leben zu können
4 Oder Philanthropen
5 oder über die Patente erschleicht und ausbeutet
6 „Teufel“, „Satan“ (Energie-Erschleicher): >hier mehr dazu

-17

Wir können die Verwandlung einer friedlichen, verträumten Insel wie Manhattan in die häßlichste Stadt der Welt nicht den Indianern anlasten.

-18

Vor weniger als zweihundert Jahren ist auf diesem jungfräulichen Kontinent ein großes soziales Experiment begonnen worden. Die Indianer, die wir enteigneten, dezimierten, an den Rand drängten und erniedrigten – genau so wie es die Arier mit den Drawida in Indien machten-, standen dem Land voll Ehrfurcht gegenüber. Die Wälder waren unberührt, der Boden war reich und fruchtbar. Sie lebten in enger Verbindung mit der Natur auf einem, wie wir es zu nennen belieben, niedrigen Niveau, Obwohl1 sie keine geschriebene Sprache besaßen, waren sie zutiefst poetisch und religiös. Dann kamen, auf der Flucht vor ihren Unterdrückern, unsere Vorfahren und begannen, die Indianer mit Alkohol und Geschlechtskrankheiten zu vergiften, ihre Frauen zu vergewaltigen und ihre Kinder zu ermorden. Die Lebensweisheit der Indianer verachteten und verunglimpften sie. Als sie schließlich ihr Werk der Eroberung und Ausrottung beendet hatten, trieben sie die kümmerlichen Reste einer großen Rasse in Konzentrationslagern zusammen2 und fuhren fort, die geistigen Kräfte, die ihnen noch geblieben waren, zu zerstören.

1 „obwohl“ oder weil?
2 „Rasse in Konzentrationslagern“ >Dr(ei)ecksverhältnisse

-19

[…] In der New Yorker Untergrundbahn kann man den anderen Typen finden, den Zeitungssüchtigen, der in sozialen und politischen Theorien schwelgt und das Leben eines Arbeitssklaven1 führt, wobei er sich törichterweise einbildet2, er sei, weil er nicht mit seinen Händen arbeitet, mit seinem Gehirn übrigens auch nicht, besser dran als die armen Weißen des Südens.
[…] und dann gehen wir wieder unserer Arbeit nach oder greifen zu Drogen – zu Drogen, die weit schlimmer sind als Opium oder Haschisch – ich meine Zeitungen3, Rundfunk, Kino.4

1 Arbeitssklaven: >Arbeit macht frei (Ausbruch aus der Gewissenhaft)
2 den Gebildeten, bzw. >Intellektuellen also. Von denen viele eben nicht „denken“ können. Sie lernen nur automatisch auswendig, was man ihnen mit der Bezeichnung ‚gut‘ oder ‚wichtig‘ vorlegt.
3 … Und dann rollt er sie zusammen, geht ins Büro, und handelt mit Hedgefonds. Manche sagen zwar, nur der Nachrichtenkonsument wäre der Welt gegenüber aufgeschlossen und der Grund für sein tägliches Zeitungswälzen wäre ein aufrichtiges Interesse am Weltgeschehen, doch für mein Dagegenhalten ist das natürlich hochtrabender Unsinn! .. >Medium in Delirium (Information verabreicht)
4 Medien an sich also

-20

Das Schrecklichste an Amerika ist, daß es kein Entrinnen aus der Tretmühle gibt, die wir geschaffen haben. Es gibt nicht einen furchtlosen Kämpfer für die Wahrheit in der Verlagswelt, nicht eine Filmgesellschaft, die sich der Kunst statt dem Gewinn widmet. Wir haben kein Theater, das diesen Namen verdient, und was wir an Theater haben, ist praktisch in einer Stadt konzentriert. Wir haben keine Musik, über die es sich zu sprechen lohnt, außer was wir den Negern1 verdanken, und kaum eine Handvoll Schriftsteller, die man als schöpferisch bezeichnen kann. Wir haben Wandmalereien als Schmuck an unseren öffentlichen Gebäuden, die dem ästhetischen Entwicklungsstand nach etwa von High School-Niveau sind – […] Wir haben Kunstmuseen, die zum größten Teil mit leblosem Plunder vollgestopft sind. […] Wir haben einen architektonischen Geschmack, der dem Nullpunkt2 so nahe gerückt zu sein scheint, wie dies überhaupt möglich ist.3

1 Aber aber, werter Herr Miller, Sie werden hier mit den „Negern“ doch hoffentlich nicht die >Neger*Innen exkludiert haben wollen?!
2 „dem Nullpunkt nahe gerückt“: Man könnte auch sagen: >Ground Zero. Der Grundstein war schon gelegt.
3 was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dann zu beweisen war >Kaum zu glauben (Nine-Eleven, die Kurzfassung)

-21

Die Autos, die wir vor den Walzwerken1 und Fabriken parken, bieten den traurigsten Anblick von allen. Das Auto ragt für mich heraus als das eigentliche Symbol von Lüge und Illusion. Da sind sie, Tausende und Abertausende2 von ihnen, in solchem Überfluß3, daß es scheinen möchte, als sei niemand zu arm, eines zu besitzen. In Europa, Asien, Afrika blicken die schuftenden Menschenmassen mit feuchten Augen auf dieses Paradies, in dem der Arbeiter im eigenen Wagen zur Arbeit fährt.4 Was für eine herrliche Welt der unbegrenzten Möglichkeiten5 muß das sein, so denken sie bei sich. (Wenigstens möchten wir gerne glauben, daß sie das tun!) Nie fragen sie, was man für diese große Annehmlichkeit tun muß.6 […] Sie wissen nicht, daß die bestmöglichen Bedingungen (im amerikanischen Jargon) die größten Gewinne für den Boss bedeuten, die äußerste Versklavung für den Arbeiter, die größte Verwirrung und Desillusionierung für die Öffentlichkeit im allgemeinen. Sie sehen nur einen wundervollen, lackglänzenden Wagen, der wie eine Katze schnurrt. Sie sehen endlose Asphaltstraßen, so glatt und makellos, daß der Fahrer Mühe hat, sich wach zu halten. Sie sehen Kinos, die wie Paläste wirken, sie sehen Kaufhäuser mit Schaufensterpuppen, die wie Prinzessinnen gekleidet sind. Sie sehen den Glanz und die Tünche, die Nippsachen, die Haushaltsgeräte, die Luxusgegenstände; die Bitterkeit im Herzen, die Skepsis, den Zynismus, die Leere, die Sterilität, die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit, die am amerikanischen Arbeiter nagen, sehen sie nicht. Sie wollen das nicht sehen – sie stecken selbst im Elend. Sie wollen einen Ausweg; Sie wollen den tödlichen Komfort, die Annehmlichkeiten, den Luxus. Und sie folgen unseren Fußstapfen – blind7, kopflos, rücksichtlos.

1 Was ist ansonsten denn noch ein Grund für das alltägliche Erscheinen dieser etlichen Zeitungen, wenn nicht einzig und allein der Wunsch nach dem Fortbestehen eben dieser gegenwärtigen Medienwelt? Wozu das allnächtliche Herauspressen vermeintlich stets neuwertiger Informationen im Eildruckverfahren, das unaufhörliche Rattern und Rotieren tausender Laufbänder dort in den monströsen Druckhallen der Wissensgesellschaft? Wozu dieser Aufwand?.. >Medium in Delirium (Information verabreicht)
2 >Kollektiver Stau
3 Kein Grund zu weinen also, man kann auch andere Autos sehr gut fahren oder mit anderen Handys telefonieren; oder überhaupt mal darüber nachdenken, was man neben solchen für die Menschheit unverzichtbaren Werten wie Autos und Handys sonst noch so Sinnvolles erfinden könnte… >Zur Diktatur in 13 Schritten
4 Du hast vielleicht einen Job, oder übst gar einen richtigen Beruf aus, du hast vielleicht Geld, kannst dir ein Auto leisten, das du brauchst, um zur Arbeit zu fahren, doch bist du genauso wenig frei, wie derjenige, der dies alles nicht mehr hat.
Der unfreie Arbeitslose befindet sich lediglich in anderen Abhängigkeitsverhältnissen als derjenige, der sich gewisse Freiheiten erkaufen, erstreben oder erschleimen kann und hiermit genauso wenig unabhängig oder eigenständig ist. Er steht vielleicht auf eigenen Füßen, doch mit diesen Füßen steht er ebenfalls nur auf den Schultern anderer. > >Arbeit macht frei (Ausbruch aus der Gewissenhaft)
5 „unbegrenzte Möglichkeiten“: bzw. >Begrenzte Unmöglichkeiten
6 „was man für diese große Annehmlichkeit tun muß“: Unter anderem nach Öl suchen und Kriege führen
7 > Blindes Huhn

-22

Dies ist das goldenen Zeitalter der Information.. […] Wenn man über die Ereignisse in der Welt falsch informiert werden will, kaufe man sich eine Zeitung- oder lausche Präsident Roosevelt, wenn er wieder einmal eine seiner kleinen Plaudereien am offenen Kaminfeuer darbietet.

-23

Meine Güte, wenn ich heute ein junger Mann wäre, wenn ich mit einer solchen Welt konfrontiert würde, wie wir sie geschaffen haben, ich würde mir eine Kugel durch den Kopf jagen. Oder vielleicht würde ich, wie Sokrates, auf den Marktplatz gehen und meine Samenkörner auf den Boden streuen. Bestimmt würde ich nie daran denken, ein Buch zu schreiben, ein Bild zu malen oder ein Musikstück zu komponieren. Für wen? Wer außer einer Handvoll verzweifelter Seelen vermag ein Kunstwerk zu erkennen? Was kannst du mit dir anfangen, wenn dein Leben der Schönheit geweiht ist? Möchtest du riskieren, den Rest deines Lebens in einer Zwangsjacke zu vollbringen?

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>Wahlvieh macht auch Mist, 03.10.2009
>“Lies keine Zeitungen, laß dich nicht impfen und reg dich nicht auf „, 11.03.2021

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