Notizbucheintrag vom


Heute bin ich mit den bescheuerten Worten „In Schwimmen zwei Vögel“ förmlich aus dem Schlaf hochgeschreckt. Also im inneren Ohr hatte ich sie und das machte mich wach. „In Schwimmen zwei Vögel“ ist ein Buchtitel der im Original genauso bescheuert klingt: At Swimming two Birds. Autor Flann O’Brien, Übersetzer Harry Rowohlt, der wiederum durchaus ein guter Übersetzer ist und also nichts dafürkann. Aber das Buch hab ich nie gelesen. Weil mich der Titel schon abschreckte. Die Worte erzeugen in mir eine extreme Disharmonie. Und jetzt kamen sie aus dem Nichts und bedeuten mir wieder ein Widernichts. Allein die Vorstellung ist schon ein Graus. Außer bei Schwänen, Enten oder Tölpel, aber das sind ja so eine Art Amviehbien. Vom Himmel nicht viel Ahnung, liegen lieber im Gras herum. Nichts dagegen, aber Vögel fliegen eben und daher vielleicht die klangbildliche Disharmonie.
So unfertige Sätze, Satzteile oder Worte hab ich jedenfalls manchmal urplötzlich im Kopf, also vor dem inneren Auge oder auch im inneren Ohr. Keine Ahnung wo die immer herkommen, vermute letztlich hat es was mit Reizüberflutung zu tun. Also keine Vision. Wobei vielleicht Visionen auch aus Reizüberflutungen entstehen können. (Ja, das ergibt Sinn). Visionen sind aber eher Bilder wie das Wort schon sagt. Die können mitunter noch rätselhafter sein. Bzw. völlig abstrus. Bei den Worten ist es aber nicht weniger abstrus. Im Tiefschlaf waren es beizeiten gar manchmal ganze Texte, sogar fremndsprachliche. Ich kann mich aber an nichts davon mehr erinnern, sobald ich aufwache. Außer daß ich einen ellenlang Text „gelesen“ habe, blieb da nie was hängen. Vermutlich wäre damit eh nichts anzufangen gewesen. Ebenso verhält es sich mit den Satzfetzen. An sie kann ich mich sogar manchmal erinnern, sie kommen eher in der Einschlaf- oder auch Aufwachphase. Man ist also noch/schon halbwegs bei Sinnen und schaltet vermutlich das Sprachzentrum aus/ein, so daß da ein paar Worte noch einmal aufblinken wie einzelne Ioden auf einer Lichterkette mit Wackelkontakt. Sie lauten dann z.B. ‚physis de napoli fractetius‘ oder ‘Reinhold Schüssler, Verantwortlicher der Stenographen-Akademie Mühlheim’, wovon hier irgendwo berichtet wird. Lohnt sich aber gar nicht das nachzulesen, denn es ist damit nichts anzufangen. Sie bedeuten wohl nicht viel, keine Ahnung, klingen aber recht lustig. Und nun das ‚In Schwimmen zwei Vögel‘. Könnte normalerweise genauso ein bedeutungsloser Unsinn sein, den man sich aus der Restinfo der allgemeinen Reizüberflutung zusammensetzte und dann vorm innern Auge/Ohr nochmal aufflackert. Nur gibt es diesen Unsatz ja wirklich. Ein Buchtitel. Ich hab eigentlich keine Lust das zu lesen. Warum sollte ich auch meinen, ich sollte es lesen? Der bescheuerte Titel reicht mir doch schon völlig. Allein die Vorstellung dieses Bildes ist mir schon ein Graus, also wg der Disharmonie insb im dtsch Satz. Es macht mich auch in gewisser Weise wahnsinnig, wenn ich darüber keine Aufklärung erfahre. Beruhigend nur der Gedanke, daß es eben nichts bedeutet, sondern vermutl. nur Resultate von Reizüberflutungen sind. Nur, was hat das wiederum dann zu bedeuten?
Wer lesen kann ist klar im Vorteil, so sagen ja manche. Vor allem die wichtigtuerischen Schlaumeier verwenden diesen pseudolustigen Satz sehr gerne. So allwissende Alleswisser eben, die keine Ahnung haben, wie dumm sie sind. Zumal der Satz ja eben nicht stimmt, ich finde das manchmal einen Vorteil für mich, aber nicht gegenüber anderen. Manchmal auch weder Vorteil noch Nachteil und manchmal einen ziemlichen Nachteil. Denn man hinkt dann oft nur hinterher. Schon im Voraus hinterherzuhinken ist besonders frustrierend. Eigentlich ist die Schreiberei sowieso ein Scheisstalent.