Notizbucheintrag vom


Ich (der Schreiber, der immer wenn er schreibt eigentlich nur liest (sich selbst) und immer wenn er nicht schreibt ebenfalls nur liest (das Feld umher aus seiner Sicht) ) sehe in dem mir Vorliegenden (je näher desto eher) leider oft gar nicht das, was wirklich ist, sondern/aber das Potential von dem, was darin befindlich ist oder doch daraus entstehen könnte; sich gar in Verbindung oder Anklang mit einem weiteren Vorliegenden möglich wäre. Demnach erkenne ich auch hier doch wieder nur weniger das darin bereits tatsächlich Befindliche, als vielmehr zunächst nur das Potential, also das Mögliche des Befindlichen.
Kommt es dazu nicht, also, daß es sich entsprechend zuträgt oder entwickelt (denn selten kommt alles Potentielle tatsächlich zur Gestalt) denke und vermute ich mit fast ebensolcher Gewissheit, daß ich mich getäuscht habe, was manchmal kaum etwas ausmacht, doch manchmal kaum zu ertragen ist, und eben wegen der Gewissheit zugleich schwere Zweifel auslöst (die gar bis in die Bereiche des Vorliegenen vordringen und diesen dann im Anfluge einer zweifelhaften Ahnung berühren können)

Viel gewisser bin ich mir, wenn es sich bei dem Vorliegenden nur um Worte handelt – das macht in den meisten Fällen auch weniger aus und ist viel leichter zu ertragen.

Falls diese Fähigkeit nur eine unausgereifte Begabung ist, hat es besonders in den beschwerlichen Zuständen zuletzt nur mit einem selbst zu tun, da sich die eigenen Ängste oder Mängel hierbei untermischen können (oder untermischen könnten, die man in der durch Reife erlangten Klarheit oder durch Klarheit erlangten Reife dann aber differenziert betrachten könnte und sich bald immer weniger untermischen würden). [Klammer ohne Inhalt]

Daher kann ich (wenigstens solange diese Unklarheit noch mitwirkt), nur ein Schreiber sein, wollte ich mir selbst auch mal etwas Gutes/Angenehmes/Erträgliches antun, da ich auch nur hier aufgrund meiner bemerkbaren Glaubwürdigkeit jederzeit getrost aufgesucht werden kann. Allein, das wird nicht oft sein und die Leserei inspiriert, befördert oder nährt allenfalls den „Geist“ (auch das schon ein zu großer Begriff -bleiben wir doch zunächst einmal im Hirn – das natürlich wiederum auch mehr ist als nur ein Gehirn), und ja nicht Körper und Seele – demnach das wirklich und auch über die Sinne erfahrbare Befindliche.

Und so wird das Introvertierte zwar extrovertiert, es führt aber nicht, jedenfalls auf der Schreibe-Lese-bühne nicht, zu irgendeiner Erleichterung innerhalb des hinter dem Schreiber befindlichen Menschen, zumal es ja den hinter dem Lesenden befindlichen Menschen noch viel weniger im Grunde berührt oder berühren kann und daher ist das ganze Geschreibe also eigentlich nichts wert.

Zumindest ist das Wertvolle darin, solange vorhanden (vorhanden ist auf dieser Ebene eigentlich hinterhanden), nachhaltiger als das Körperliche, worin wiederum, sofern vorhanden, die Seele auch ist, oder das Wirkliche, eigentlich das Leben.

Nachtrag:

Schreiben im Ausnahmezustand ist nicht der Normalzustand. Das ist der Unterschied zum derzeitigen Gesellschafsleben. Der Ausnahmezustand ist der Normalzustand geworden. Wobei schon der Normalzustand krankhaft genug war. Denn das ist ja nicht der natürliche Zustand (den es wiederum so nicht gibt, insofern als daß es nicht „steht,, (Zustand) sondern stets in Bewegung ist). Normal ist der Norm entsprechend, und es wird fortwährend genormt. Damit es bloß unter Kontrolle bleibt. Sicherheitsdenken contra Freiheitssinn, etc. Man kannt das ja alles.
Aber der Ausnahmezustand im Schreiben wäre eigentlich der „natürliche“ Zustand. Erstens entweicht man der Norm, den Vorgaben, den Erwartungen, den vorgelegten Mustern. Das ist immer gut, „umgehend“ davon abzuweichen. Zweitens wäre man hierbei näher an den Sinnen. Sie benötigt man eigentlich in der Natur oder im Leben an sich, auch im Alltag selbstverständlich. Beim Schreiben ist es aber nicht anders. Die Informationen sind nur eingelagert worden, die Schreibfeder ist der Kanal, die Tinte die magische Flüssigkeit, die, wie als hätte man eben alles aufgesogen – und der Organismus verarbeitet dann die Informationen. Man schreibt im Grunde dem hinterher, was man im Leben „aufgelesen“ hatte, ob bewußt oder unbewußt. Ist der 6 Sinn noch halbwegs funktionfähig (der gehörte dereinst ganz „normal“ zu den üblichen Sinnen dazu, meine ich), so schnappt man natürlich auch diese Aspekte auf; ich meine solche, die in der Luft liegen, in Gedanken ungedacht sind, im Herzen Bewegungen erzeugen, in den Nerven Erregungen, in den Zellen Verbindungen und Spaltungen. Diese kommen aufgrund ihrer Undefinierbarkeit in Bildern, Metaphern an. Man schreibt sie mal schlecht mal recht heraus, mit den ohnehin schon nie ausreichenden Mitteln der Sprache. Nochmal verfälscht oder verklärt werden sie durch eigene Traumata, denn wo das eine etwas traumhaftes ist, ist das andere etwas alptraumhaftes, Ängste kommen aus dem zweiten, Hoffnungen, Vorstellungen, aber dann auch wieder leider Erwartungen aus dem ersten. Ich denke übrigens gerade in diesem Augenblick gar nicht. Ich sehe nur meine Finer über die Tatsatur tippeln. Es kümmert mich nicht, ob es „wahr“ ist was ich schreibe, ich schreibe nur was kurz danach schon gelesen werden könnte. Mehr geschieht hier nicht, es ist ein Zwischenfeld. Ich weiß jetzt schon, daß ich nachher nicht mehr weiß, was ich eigentlich geschrieben habe. Das gilt für alle Texte und Gedichte die im Ausnnahmezustand geschrieben bzw. getippt wurden.