I don’t believe that …ehm.. I dont believe, that he died because he was a druggy … its [unverständlich] because he scared too many people… [Pause] – We leave it there. [belassen wir es dabei/mehr sag ich dazu nicht]
Stevie Ray Vaughan über Jimi Hendrix


Life without Stevie Ray Vaughan 3.10.1954 – 27.8.1990

Inhaltsübersicht:

I. Vorwort
II. Ansage | Going Down, 1990
III. Ausssage | „Message to the world and blinking eyes“ – Life Without You 1987, Love Struck & Rude Mood 1987
IV. Einleitung | Testify, Little Wing, Voodoo Chile, (grenzüberschreitend), Reaktion/Analysen.
V. Ausleitung | Dirty Pool (grenzüberschreitend!), Texas Flood und andere Reinigungsarbeiten
Anhang1 | Gastspiele
Anhang2 | Tempo (Mary had a little lamb, beste Version), Texaner in Japan ( Scuttle Buttin, coolste Version), Piano (Riviera Paradise, schönste Live-Version),
Life Without You, am ganzen Stück und mit Wort en anbei

little intro

I. Vorwort


Stevie Ray Vaughan (SRV) kam am 27.08.1990 im Alter von 35 Jahren bei einem >Hubschrauberabsturz ums Leben (übrigens neben Covid19 eine der seltensten Todesursachen überhaupt). Ein Denkmal wurden ihm bereits gesetzt und etliche kleine Hörmäler und Siehmäler in Form von Ton- und Bildaufnahmen noch dazu. Ein paar davon habe ich hier zusammen(hin)gestellt; vielleicht doch als ein Denkmal.
SRV sah sich selbst allerdings gewiss nicht als Heilsbringer oder Weltverbesserer und er hatte auch keine Botschaft zu überbringen, durchaus aber etwas mitzuteilen. Das läßt sich in wenigen Sätzen sagen und lautete etwa wie folgt: Pass auf dich auf/kümmere dich um dich selbst, denn so kannst du auch für andere da sein. Gib dem anderen soviel du kannst, denn wenn alle geben, braucht keiner mehr zu betteln. (im Original siehe unten) Eine einfache, jahrtausendalte Botschaft also, die gerade heute allerdings ad absurdum geführt wird, wenn sich die Selbstfürsorge nur noch aufs Einspritzen von ‚Wundermitteln‘ beschränkt, bei gleichzeitigem Mißtrauen vor den Mitmenschen, zuletzt dann vor allem denen gegenüber, die für sich selbst entschieden haben, nicht an so einer Nadel hängen zu wollen.

Wie auch immer, spätestens nach seinem Zusammenbruch im Jahr 1986, wußte SRV schließlich, worauf es im Leben ankam: Selbstverantwortung zu übernehmen (statt sich in Abhängigkeiten zu begeben), nämlich, um für seine Mitmenschen da sein zu können, statt durch ständige Selbstflucht es immer weiter zu treiben, ihnen damit bald unnötigerweise zur Last zu fallen und sich noch umso abhängiger von der Pharmazie zu machen.
SRV lebte praktisch dauerhaft auf Tournee, wo er tat-sächlich immer alles gab, allerdings unter stets zunehmendem >Konsum von Koks und Whiskey, vielleicht, um der ständigen Herausforderung und diesem Anspruch an sich selbst überhaupt standhalten zu können, was im Jahr 1986 dann zum Kollaps führte und ihm fast das Leben kostete. Nach seiner Heilung oder Befreiung von der Drogensucht in 1987, kam er zurück auf die Bühne, eindeutig „clean & sober“, wie man sagt. (Oder auch cleaned up: hier in eigenen Worten) https://www.youtube.com/watch?v=1p7ipPvzMoE Bei seinen nachfolgenden über 300 Auftritten bis zum Todesjahr 1990 wendete er sich stets mit der besagten kleinen „Rede“ an das Publikum, die manche als eine Botschaft oder gar message to the world auffassen, doch finde ich, es ist keine Botschaft, sondern eine Aussage. Mehr dazu also im Kapitel III. ‚Aussage‘ in Life Without You gefolgt von Love Struck (you knock me off my feet); 1987.
Beginnen sollte man aber mit einer Ansage, Anfang der 90er Jahre.


Ab hier gilt wie immer unser bewährter Rat:
Zum vollständigen Ermessen aller Höhen und Tiefen innerhalb der Öhren am besten den ganzen Kopf einstöpseln

II. Ansage
Stevie Ray Vaughan, I’m Goin‘ Down. Alpine Valley,15.07.1990

Wir sehen hier einen Ausschnitt aus einem der letzten Konzerte von SRV, ein paar Wochen später kam es zu dem Hubschrauberabsturz. Dem einschlägigen Liedtitel Going Down mag in diesem Kontext etwas Mysteriöses anhaften, doch das Zustandekommen des Liedes (vermutl. in Zusammenarbeit mit Jeff Beck) und die schmalen Textzeilen entkräften das Gerücht, hiermit habe er das kommende Unglück vorausgeahnt. Es soll auch weniger um derartige Legenden gehen, als vielmehr um den satten Sound des Gitarrenspiels, der trotz der schlechten Tonqualität hier noch herausströmt. Man stelle sich dies nur live und klar und deutlich aus der Nähe vor.
SRV war definitiv bereit für die kommenden Jahre und seine mit diesem Stück angedeuteten künftigen Beiträge hätten den 90ern sicherlich gut getan; von da an ging es ja überall bergab; seine Wurzelarbeit, die er ja vor allem über den Blues verrichtete, wäre aber weiter vorangeschritten; dem Blues blieb er treu, seinem Kleidungsstil offenbar auch, und sich selbst sowieso – in meinen Augen ist dieses Stück also eigentlich eine Ansage. 

https://www.youtube.com/watch?v=3Z0oBg9VLSI

Screenshot Kommentare


III. Aussage
A. Life Without You, Daytona Beach 1987
B. Love Struck (mit drangehängtem Rude Mood), Daytona Beach 1987

SRVs Technik, Qualität und der einzigartige nicht nachahmbare Sound (mehr dazu unter Einleitung) sind unbestritten. Was er spielt, ist auch mehr als „bloß Blues-Musik“, sondern bereits weiter entwickelt, inspiriert von Jimi Hendrix, aber eben nicht nur. Daß SRV es verstand, auch in die Sphären vorzudringen, die Hendrix erstmals eröffnete, mag sein, ihn aber mit Hendrix zu vergleichen, finde ich unangemessen. Dazu meinte er auch selbst: ‚Jimi spielte alles aus sich heraus, was in ihm steckt. Ich spiele alles aus mir heraus, was in mir steckt‘. Stevies Musik ist (auch) daher ebenso unvergleichlich, wie die von Hendrix, und von den Vorangegangenen können die Nachfolgenden stets etwas lernen.
Nun war Hendrix Lebensführung allerdings nicht unbedingt vorbildlich, wenn wir den möglicherweise anfänglich noch beschwingenden Drogenkonsum als das Erkennen wollen, was er ist: Schadhaft und verheerend. SRV hat dies bald erkannt (it eats you inside out/ it takes away the love) und sich davon befreit, allerdings muß man auch sagen, daß er nicht unbedingt glaubte, Hendrix sei am Drogenkosum gestorben. (s.o.) Irgendein ein politisches Engagement und hieraus erzeugte Botschaften (Love&Peace) sind wiederum bei SRV gar nicht zu finden, (wir verzeihen ihm den Ausrutscher bei der Bush-inaugoration). Eine Botschaft finden wir bei Hendrix hingegen schon, was natürlich auch dem jeweiligen Zeitgeschehen und Zeitgeist geschuldet ist – eigentlich war man seinerzeit als Rockstar schon automatisch Teil der Love&Peace Bewegung, egal worüber man dann sang. Genaugenommen war ein Großteil der Menschen auch auf solchen Konzerten schon damals das, was sie auch heute wieder sind: Mitläufer. Gestern Love&Peace heute Mask&Pieks.

So bleibt als Vergleichsobjekt eigentlich nur die Gitarrenspielkunst, und in meinen Augen und Ohren sind da die Unterschiede doch gewaltig. SRV war wohl fähig, Hendrix teilweise zu adaptieren (mehr dazu unten) doch es lag ihm fern, ihn zu kopieren, was ohnehin nicht möglich ist; man kann nur nachäffen oder etwas lernen. Heutzutage ist nachäffen angesagt. Von Stevie aber lernen wir: Sei keine Kopie, sondern du selbst in allem was du tust. Und was das covern betrifft: Für mein Hörempfinden sind die Cover-Versionen von Hendrix Vodoo-Chile (s.u.) oder dem zunächst sehnsüchtigen Flug Little Wing mit seinen dann unfassbaren Turbulenzen, Abstürzen und Aufstiegen (oder umgekehrt?) (s.u.) sogar „besser“ als das Original, jedenfalls gefallen sie mir weitaus besser. SRVs Spiel hat hier mehr als nur Hand und Fuß, die Noten und Töne trifft er auf den Punkt, die Kraft strömt durch alle Fasern auch im Raume drumherum, und die Ausuferung ins unerträgliche Gejaule und Geschraddel kommt bei ihm nie vor, gleichwohl er häufig improvisiert und sich oft Freiheiten in der Variation einzelner Passagen nimmt.
Desweiteren ist SRVs Musik überhaupt nicht psychedelisch (bis auf die Hendrix-Adaption Third Stone From The Sun) und schon gar nicht ist seine Musik intellektuell. Er kommt schließlich aus Texas.

Ein weiterer Aspekt ist wohl auch das körperbetonte Gitarrenspiel, das in vielen Fällen bei anderen Gitarristen Angeberei ist. Bei Hendrix war es das nicht, da war es Expression, und bei SRV ist es weder Angeberei noch expressive Darstellung, sondern nur ein natürlicher Bewegungsablauf, manchmal unter ungeheurem Kraftaufwand, und es ist fast nachzuempfinden, daß er mit dem ganzen Körper spielt, oft aus dem Mark heraus, getragen von der Wirbelsäule.
Es kommt hierbei auch noch etwas Wesentliches hinzu; nämlich das Wesentliche im Wesen. Nur dortheraus strömt letztlich die (fruchtbare) Botschaft und die äußert sich bei SRV immer direkt im Tun auf der Bühne. Große Worte macht er nicht, und seine gelegentlichen Kunststücke sind keine Show, sondern immer Teil des jew. Liedes. So verhält es sich z.B. mit dem Gitarrenspiel auf dem Rücken (was er immer nur bei Texas Flood (s.u.) darbietet, oder bei der kleinen Tanzeinlage mit geschulterter Guitarre im gleich folgenden Stück Love Struck. Das tut er nur in diesem Lied, immer an dieser Stelle.

Bevor ich also im weiteren Verlauf schlicht einige Videoclips einzeln nacheinander und ohne viel weitere Worte aufzeige, die das wahre Können SRV erst deutlich machen, ist es zunächst nötig, das Wort nun SRV selbst zu überlassen und zwar in Form seiner besagten Rede während des Liedes Life Without You. Hierbei möchte ich vor allem auf das spezielle Aufleuchten der Augen hinweisen, womit etwas ganz bestimmtes Wesentliches von SRV ans Tageslicht kommt, nicht zuletzt wohl auch, weil er zum Zeitpunkt dieser Aufnahme gerade „clean & sober“ geworden war, also praktisch neu geboren.

A. ‚Message to the world and blinking eyes’*, aus dem Stück Life without You, 1987

*Leider ist die Rede als einzelner Video-Ausschnitt nicht mehr verfügbar. Es wird hier daher das ganze Lied so eingepflegt, daß es an der entsprechenden Stelle automatisch einsetzt (das Video sollte also nach dem Click auf Play bei min 6:14 starten).

1 Rede
2 Rede

3 Life Without You am ganzen Stück

B. Love Struck, 1987
Lyrics/Text: Love Struck
Der kleine überzogene Part von 2:48 bis 3:18 sei ihm verziehen, da wird er von der hochgradig erfreuten Publikumsstimmung (nicht vergessen, wir befinden uns hier eigentlich bei einem Blues-Konzert) wohl mitgerissen, das darauf folgende Rude Mood musste dann sein.

Stevie Ray Vaughan – Love struck baby / Rude mood 3/25/87, -https://www.youtube.com/watch?v=O4IKddEs5xs


B. Love Struck, weiteres Bewegungsprofil, tobendes Publikum inklusive


IV. Einleitung

Testify, from Live at the El Mocambo
Es ist übrigens niemandem möglich das auf dieser Gitarre so zu spielen. Hier sind die breitesten aller Saiten aufgezogen, zudem mit dem höchstmöglichen Abstand vom board, was offenbar die schwierigste und kräfteraubendste aller Möglichkeiten ist, worauf die Experten in den unteren Analysen noch näher eingehen werden. Damit gleich wie im Gleitflug das Konzert zu eröffnen, ist schon an sich enorm.


Ruhige doch treibende Klänge: das schön sehnsuchtsvolle Little Wing – Analyse
, ‚British guitarist reacts to SRV – Is this the best Hendrix cover ever recorded live?‘

Little Wing, ganzer Flug mit allen unfassbaren Turbulenzen, Abstürzen und Aufstiegen, 1983

Zuschauerreaktion – hochaufmerksam, wie bei einer Lesung

 

Hohe Höchste Kunst – Reaktion eines Laien 

That was crazy! Do you all hear me?! That was absolutely crazy! I’ve never … I have never ever evernever ever ever ever  – ever! seen a guy playing guitar like that- that is some crazy stuff! That is absolutely crazy … that was absolutely amazing … usw.

Höchste Kunst – Analyse
Its like Hendrix is in the background, like telling him what to do“

Ganzes Werk: 

Hier das Original von Jimi Hendrix, live und in Farbe auf irgendeiner Weide mit einem vorbeigaloppierendem Pferd: https://www.youtube.com/watch?v=qFfnlYbFEiE sowie in woodstock: https://www.youtube.com/watch?v=NWJwj4tZMOU 

Warm-Up, Probe
Stevie just waking up, then warming up‘

Stevie Ray Vaughan, offensichtlich gerade erst aufgestanden; schnell nen schön warmen Mantel angezogen und loslegen! (Hinweis an alle Tierfreunde: SRV darf das! Er ist ein Fürst)


V. Ausleitung

Dirty Pool
harte Arbeit, bis ins Mark

Dirty Pool, ganzes Stück, hier zu finden: https://www.dailymotion.com/video/xnovqv

Das Original entstammt dieser Scheibe aus dem Jahr 1973,
Limited to 1000 copies and released in Japan in 2005 to coincide with Marc Benno’s 2005 Japanese tour, this is the previously unreleased album recorded for A&M records in 1973 which features SRV and Doyle Bramhall
Marc Benno and the Nightcrawlers (feat. Stevie Ray Vaughan)“Dirty Pool“

Texas Flood (Official Live From Austin, TX)

Ain’t Gone ‚N‘ Give Up On Love – 9/21/1985 – Capitol Theatre (Official)


Anhang 1Gastspiele

David Bowie

SRV erarbeitete mit David Bowie – kurz nach seiner Entdeckung durch Denselben – etliche Songs, die allerdings nie vollendet wurden. Man findet den ganzen Studiomittschnitt irgendwo bei Youtube. Bekannter ist sein Mitwirken bei D. Bowies Lets Dance.

Stevie Ray Vaughan - David Bowie Let's Dance

1983 – David Bowie – Let’s Dance
China Girl
Let’s Dance
Without You
Criminal World
Cat People (Putting Out Fire
Shake It
Stevie played on most of the tracks on this album, with the exception of Modern Love and Ricochet.

Er wirkte aber auch bei anderen Bowie-Songs mit, u.a. >Heroes oder >Wild as the wind

1986 – Stevie Wonder – Characters
– „Come Let Me Make Your Love Come Down”
BB King also appears on this track / Studio: https://www.youtube.com/watch?v=jL7z5q_GxX4

1986 – Teena Marie – Emerald City
You So Heavy
1985 – James Brown – Living in America
Living in America
1986 – Don Johnson – Heartbeat
Heartache Away
– Love Roulette

Streetwise
1986 – Jennifer Warnes – Famous Blue Raincoat
„First We Take Manhattan” (LP Version)  (3:44)
The 7” (Radio Remix) single of this track was an edited version at 3:32.
Stevie also appears in the video for this track playing No 1

1987 – Dale Dick – Pipeline (with Stevie Ray Vaughan) (King Of The Surf Guitar)
https://youtu.be/ag7XmhG2DzA

1987 – A.C. Reed – I’m in the Wrong Business

Stevie Ray Vaughan - AC Reed I'm in the Wrong Business

I Can’t Go on This Way
These Blues Is Killing Me
– Miami Strut

1990 – Bob Dylan – Under the Red Sky
10,000 Men
God Knows
Cat’s in the Well

u.a.
Quell: https://srvarchive.com/discography/side-projects

Anhang 2

Texaner in Japan
Scuttle Buttin‘

Tempo
Mary had a little lamb, 1985, (beste Version, gefolgt von Cold Shot gemeinsam mit Johnny Copland)

Piano
Riviera Paradise

Studioversion: https://www.youtube.com/watch?v=aWObj5gjfTg

Life Without You am ganzen Stück und mit Worten anbei

Ooh, ooh now baby, tell me how have you been
We all have missed you, and the way you grin
The day is necessary, every now and then
For souls to move on, givin‘ life back again and again
Fly on, fly on, fly on my friend
Go on, live again, love again

Day after day, night after night
Sittin‘ here, singin‘ every minute, as the years go passing by, by, by, by
Long look in the mirror, we’ve come face to face
Wishing all the love we took for granted, love we have today

Life without you, all the love you passed my way
The angels have waited for you so long, now they have their way
Take your place

http://www.songlyrics.com/stevie-ray-vaughan/life-without-you-lyrics/