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VÖ am 12.03.2020
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„Verordnungen wegen der Pest und anderer anklebenden Seuchen“


Die von Ihro Majestät Corona Impfluencia Pandemica höchstnötigst Aufgestellte Grundverordnung wider die landesweit grassirende newe Seuchkrankheit der Freiheit, Selbstbestimmung, Ausgelassenheit und Fröhlichkeit / mitsamt einer Auflistung der widerwertigsten Schriften majestätsbeleidigender Tintenkleckser denselben Conspiranten Einhalt zu gebieten
anni domina zwölfter Mars zwanzigzwanzig

Wir, von GOttes Gnaden gekrönte königliche Majestät Corona Impfluencia Pandemica, Herrscherin des gesamten eiligen dämlichen Reichs vereinheitlicher Nationen, dermalen in specie Großbevormunderin zu Toscana, Venetiam und Italiam insgemein, unterzwischen auch Welschland und sonstigem Umland, aber auch etlicher Provinzteile von Asiam bis Persiam, zudem new-erklärte Oberbevormundering der medici, pharmaci, hysteri und allen desinfoctionsanstalten quer durch Europam,

entbieten allen uns zutiefst hochgeneigten Hoheiten von und zu Herrschaftszeiten, Landsherren, Bürgermeistern, Stadtkämmerern (sowie ohnehin allen prätentiösen Platzhirschpotentaten und sonstigen schmiergelackten Saubermännern mitsampt dero goldgierigen Gattinen) was Würden, Stands, Amts, oder Wesens sie in Unseren genannten Reichs- und Erb-Landen seyn, Unsere Königl. Gnade!
und geben denenselben gnädigst zu vernehmen, wasmaßen die zahlreiche, von Unseren Regierungs-Vorfahren noch immer nicht ausgedünstete Pestilenz der Freiheit, Selbstbestimmung, Ausgelassenheit und Frivolität unsrer Inwohner und Unterthanen erneut um sich greiffet und in Europam – nunmehro anni domino 2020 – desto hervorsprotzender zu grassieren begönnte, wofern wir nicht darauf achten, die alte Ordnung zu erhalten und nötigenfalls mit Gewalt durchzuringen –
zumalen uns solche uns zutiefst belastenden Beschwerlichkeiten noch desto beschwerlicher fallen, sobalde durchs lebensfreudige, gar wohl in bälde auch noch sonnenbadende, Volk leichtsam eine Contagion ins Land gebracht werden mochte, auf welche die gesamte Meute anspringet, wofern wir ihrer Bewegung nicht mit Schranken begegnen und es abermahl hin und wieder von den Aussätzen der Freiheit heimgesuchet und von der schweren Pestilentz der selbstbestimmten Gesinnung dieses trällendern Gesindels hingerissen werde;

Nachdemahlen also die betrübte Pest-Seuche seuchen [solchen?, Anm. d.Verf.] freiheitlichen Herumvagierens und seelenerfüllenden Traumwandels bekandter massen annoch hin und wieder grassiret … So sind alle unsere Unterstehenden Obrigkeiten, Amtsleute,  Bürgermeister, angeordnete Abgeordnete, etc allergnädigst bewogen worden, nicht allein Unsere jüngste Verordnung hiedurch abzunicken, sondern auch dahin zu befolgen, daß in Unserer gesamten Residenz, so auf dem Lande, in Städten und Dörfern, alle offentliche und privat-Frölichkeiten gäntzlich eingestellet und zu unterlassen sind,
wannenhero alle umliegende Obrigkeiten nicht nur ernstlich aufgefordert sind, ihre Unterthanen eifrigst anzumahnen, sondern auch gute Fürsorge zu tun, damit solche ansteckende Seuche nicht mutwilliger und frevelender Weise in die noch reinen Örter getragen werden möchte: weßwegen auch fast jederman vor solchen Pestilentzischen Kranckheit furchtsam ist, auch Mittel und Wege suchet, derselben zu entfliehen oder aber sich und die seinigen mit dienlichen Præservativ-Mitteln zu versehen.

Solcherlei Præservative seien nun wiefolgt erkundbar und anwendbar; daß man möchte die Untertanen gegen alles was ihnen schadet immunisieren, derweil sie zeithero glaubten, das es ihnen gut tat; hernach demselbigen die Wahl bleibt, das richtige Mittel möglicherweis auszuprobieren, sobald die Proben von der Auctorität freigegeben. Demnach haben wir beschlossen zunächst von allen Teilen entsprechende Probierstücke und Folgemaßnahmen zum Guten auszustreuern, zugleich auch dasjenige zu benennen, was dem Volke schadet.

Folget nun und ohne Ordnung nach der Wertigkeit ihrer Materie, dasjenige, was wir an Maßnahmen für das Volk erdacht und was ihm zu tun angeordnet:

In der von Uns königl angeordneten Zeitphase vor dem anfälligen Stubenarrest
hat der Untertan sich nur mit dem Proviant einzudecken, das der königlichen Gesundheit (welche somit dem Volke gleichsam eingeimpfet) zuträglich ist: Als da wäre: 18 Kilo tiefgefrorenes Hackfleisch gemischt, 8 Büchsen Mexikanischer Feuereintopf, 7 Büchsen Serbische Bohnensuppe, 11 Lagen haltbarer Schinken, 7 Ellen Leberwurst, 2 Fass Cocacola, etliche Tiefkühlwaren mit Haltbarkeit auf 2-4 Jahren und oder sonstige Nahrungsmittel, die allem was wir ihm sonst an göttl Gnad einzuflössen gedenken der beste Wirt sein möchten.
Nicht besorgt werden sollten: Zitronen, Limonen, Ingwer, Acerolakirschen, Äpfel, etc. Vom Selbstanbau div Gemüse, Obst und Kräuter (Salvei, Thymian und sonstiges das Decorationsmatereium verdrängende Tee- und Suppenkraut) wird ganz abgeraten, da ihn all dieses zum Herumspringen durch Stadt, Land, Feld und Wiese und anderen lusthaften Unternehmungen anregen würde, was insgesamt unserem Willen aber zuwider läuft.
– Auch andere Quacksalverei sei inskünftig verboten, derweil unsre Hinwendungen der Sache desto zuträglicher sind [N]

In der von Uns königl angeordneten Zeitphase während des Stubenarrests gilt das Folgende:
– Zum Schutze der Kranken, Gebrechlichen und Unterversorgten sollen alle gesunden bis halbwegs noch gesunden Untertanen nicht nur bis auf obrigkeitlichen Widerruf vorsorglich zu Hause bleiben, sondern sich gleichsam anschicken, alldorten nicht in sündliches Gebahren zurück zu verfallen und mit dem Rauchen und Saufen wieder anzufangen, zum Beispiel aus Frust.
– Menschliche Kontakte unter Menschen sind den Menschen untersagt
– Kontakte zu andern Men-schen sind nur noch über unsere willigen und hörigen Fürstentümer wie whatsup, facebook, amarschzone, google, etc erlaubt. [Nachtrag]
– Anderer kranker Menschen Bedürftigkeiten sind derzeit Unsern Gnäd. Majest. Verordnungen unterzuordnen, selbige gleichsam hochzuwerten, insbesondere von solchen die stets unsern Medaillenspiegel begutachten, um zu sehen, welches Land am stärksten in den Armen Ihro Majestät liegend geschunkelt wird [Nachtrag]
– Alle die von der Seuche der Freiheit, Selbstbestimmung etc und pipapo nicht befallen werden oder sie nicht verbreiten möchten, haben einen Mundschutz zu tragen, zum Ausdrucke ihrer vertrauensvollen Hingebung in Unsere wohlmeinende Regierung und ihrer ent-sprechenden Unmündigkeit [Nachtrag]
– Die Untertanen haben unentwegt in den Briefkasten zu schauen und die darin befindlichen Meldungen der Obrigkeit Folge zu leisten. Hierbei dürfen andere Post und Schriften nicht eingesehen werden, die dem neuen reinlichen Stubenmenschen von Conspiranten oder Quacksalbern zugestecket werden.
Exempel davon geben wir mit nachfolgender Auflistung bekannt, nicht ohne Warnung, dass diese Ketzerschriften dem Volke insgesamt und dem Einzelnen im Besonderen nichts angehen sollen, alldieweil sie Ihro Majestät am meisten schaden:

Auflistung der widerwertigsten Schriften majestätsbeleidigender Tintenkleckser wider Ihro Majestät Königin Corona Impfluenzia Pandemica, welchelbige Conspiranten Schrifttümer mitnichten für das gemeine Volksauge gedacht sind und tunichts darvor verborgen werden müssen, dannenhero an diesen befremdlichen Ort verfrachtet worden:

Corona Conspiranten Compendium


Anmerkung

Der obige Text wurde, allerdings in geringem Maße, mit kurzen Satzteilen und Formulierungen alter sogenannter „Verordnungen“ bestückt. Hierbei handelt es sich um Verfügungen von königlicher, kaiserlicher oder andrer Herrscherklasse Seite an ihre jeweiligen hörigen Potentaten, oder um Verordnungen, die von eben diesen Fürsten, Herzögen, Räten, Bürgermeistern, etc. ebenso dringlich verfasst wurden, um die jeweiligen Einwohner des betreffenden Gebiets über neue rechtliche Beschlüsse oder andere Sachverhalte (mindestens) in Kenntnis zu setzen.
So haben wir es mit einem sprachlich insgesamt recht einfallslosen, inhaltlich aber sehr varientenreichen Fundus von Verordnungen zu tun, als da zum Beispiel wären:
Münzwesenverordnung, Cantzley-Ordnungen, Reichsordnungen, Gerichtsverordnungen, Apothekertaxverordnungen / Handwerksgesellen-Ordnungen, Gesinde-Ordnungen / Zuchthaus-, Gassen-, Strassenordnungen / Handels-, Zoll-, Güterordnungen, oder auch Kleider- und Perückenordnungen oder gar Würfelspielordnungen bishin zu „Gottesackerverordnungen“ oder „Außerehelichen Beyschlafverordnungen“.

Viele dieser Verfügungen und Verordnungen (manchmal auch Edict, Constitionium, Befehlschreiben oder „Treugemeinte Warnungen“, usw. genannt) unterscheiden sich in Wortwahl und Form kaum voneinander (man findet in den unterschiedlichsten Archiven landesweit gewiss Hunderttausende davon), und sind wie nach Vorlage, so jedenfalls hat man fast den Eindruck, nur an die gewünschte Intention angepasst worden. Für obigen Text haben wir uns demnach von folgenden (zum Teil eben Pest-) Verordnungen sprachlich inspirieren lassen und ihn im etwa gleichen Stile entsprechend angeglichen:

-Wir Maria Theresia von Gottes Gnaden, Römische Kayserin … Entbieten allen und jeden Inwohneren, und Unterthanen, was Würden, Stands, Amts, oder Weesens sie in Unseren Königl. Böheimischen Erb-Landen seynd, Unsere Kayserl. und Königl. Gnad; Und geben denenselben gnädigst zu vernehmen, was massen die zahlreiche, von Unseren Regierungs-Vorfahreren … um das Müntz-Weesen in guter Ordnung zu erhalten … publicirte ernstliche Patenten und Mandaten genugsam an Tag legen, wie sorgfältig sie die Unterschiebung des schlechten Gelds anstatt des guten, welches sodann außer Land geführet wird, verhütten haben wollen … : Geben in Unserer Stadt Wienn den Sechs und zwantzigsten Monaths-Tag Maji, im Siebenzehen hundert sechs und viertzigsten … Jahre
Wien 1746

-Von Gottes Gnaden/ Friderich Carl/ Hertzog zu Würtemberg/ etc. Administrator und Ober-Vormunder. Unsern Gruß zuvor/ Liebe Getrewe. Euch wird annoch erinnerlich seyn/ was so wohl/ wegen Außschaffung deß rauberischen Ziegeiner-Gesindes/ vor eine Anstalt und Verordnung in Unser publicirten Lands-Ordnung pag. 67 tit. 28. enthalten […]
Stuttgart, 1683

-Von Gottes Gnaden Wilhelm Friederich, Marggraff zu Brandenburg, … Demnach die Zeit- und Läufften dermassen schwer und müßlich, … daß man höchste Ursach hat, den Allmächtigen Gott, … nicht mehrers zu erzürnen, … Als befehlen Wir … daß in Unserer Residenz, und auff dem Lande, in Städten und Dörffern, … alle offentliche und privat-Frölichkeiten, … gäntzlichen eingestellet und unterlassen … : [Signatum unter hievorgedrucktem Hoch-Fürstl. Canzley-Secret-Insiegel, Onolzbach, den 24. Octobris, 1703.]
Onolzbach 1703

-Friederich der Vierte von Gottes Gnaden, König zu Dennemarck, Norwegen, der Wenden und Gothen [et]c. Hertzog zu Schleswig, Holstein, Stormarn … Thun kund hiemit, nachdemahlen die betrübte Pest-Seuche bekandter massen annoch hin und wieder grassiret … So sind wir allergnädigst bewogen worden, nicht allein Unsere jüngste Verordnung hiedurch zu erneuern, sondern auch, … dahin zu erweitern, daß die bey den Pforten der Städte Oldenburg und Delmenhorst … wacht habende Ober- und Unter-Officiers keine Frembde, … ein- oder durchlassen … sollen … : Geben Oldenburg … den 5. Februarii
Oldenburg 1710.

Und selbstverständlich:

-Johann Jacob Bräuners Pest-Büchlein, Oder Kurtzer/ doch gründlicher Unterricht Von der jetztmalen über Teutschland schwebenden gefährlichen Seuche der Pestilenz
Inwelchem wohlmeynend gezeiget wird/ Woher solche kommet/ wie sie ansteckend und fortgepflantzet/ auch wie sich […] welche mit solchen Pest-inficirten Patienten umgehen müssen/ auch sonst jederman darbey zu verhalten habe: Nicht weniger auch/ wie man solche Seuche von sich durch Gottes Gnade abwenden/ und darwider glücklich præserviren und curiren kan
Frankfurt (Main), 1714


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