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Titel: Klinkenputzen gilt inzwischen wieder als eine vorbildliche 
Tätigkeit (ursprünglich "Corona sei Dank")
Entwurf vom 10.03.2020
-mit Nachträgen Ende März [N] und hier und da noch eine Spitze
draufgesetzt
- hernach für ausreichend befunden und so belassen noch recht 
zeitig veröffentlicht

Sodele, nun wird also das ganze Land jetzt erstmal frisch ausgeputzt und desinfoziert, was das Zeug hält, das kann ja insgesamt nicht schaden.
Hab sowieso schon seit längerem das Gefühl, daß die ein oder andere Gegend in den letzten Jahren arg verschmutzet und vernachlässigt worden ist, zudem waren da mit einem Male auch plötzlich so viele Menschen haufenweise unterwegens, daß man kaum einmal recht ordentlich mit dem Wischmob dazwischen gehen konnte. Jtzt aber ist in den Einkaufstrassen wieder etwas mehr Platz, was mir besonders gut gefällt, da hier nun die Vorhaben der wenigen vereinzelten Individuen entweder im einzelnen Streben oder im Zusammenspiel um einiges flüssiger ablaufen, als es im Fluss eines Massenstroms jemals möglich wäre, der eben nur in eine Richtung fliesst, von der es auch jeder Zeit sein kann, daß am Ende davon plötzlich ein Gulli offensteht.

Auch an anderen Orten des öffentlichen Lebens geht es ruhiger zu, zumal auf den sonst so stark befahrnen Straßen, insbesondere aber in Bus und Bahn, was auch den Busfahrer freut, weil er nach Erreichen der Endstelle nicht mehr so viel Gesiff wegwischen oder zurückgelassene Dönertüten und Redbulldosen aufsammeln und in die Mülltonne werfen muß. Letztre sollten ohnehin verboten werden und zwar nicht weil sie der Gesundheit nicht förderlich sind – das muß schon jeder selber so für sich herausfinden – sondern allein aus gerüchlichen Gründen. Man könnte sagen, dieses Gesöff röche über die Maßen süßlich; noch eher könnte man aber auch sagen, es riecht über die Maßen extrem dümmlich, und ich muß immer aufpassen, wenn ich jemanden mit so einer Dose in der Hand sehe, daß ich ihn nicht sofort – und ohne weitere Überlegung darüber anzustellen, wo sein Verhalten vielleicht herrühren könnte – als einen dummen Menschen verurteile. Ansonsten können allerdings auch kluge Menschen schnell danach süchtig werden; man sieht ja auch, wie vielen Leuten andauernd im Sitzen die Beine so dermaßen zappeln, zuckeln und zuckern, als würden sie rennen, der schmale Umfang der Dose ist da vorteilhaft, da man sie beim Zittern und Zappeln schön feste halten kann, und sie nicht überschwappt, während ich allerdings Sorge habe, ob derjenige der sich daran festhält, nicht etwa gleich überschnappt.

Kaum daß ich jenes Gesöff jedenfalls nur rieche, und sei es nur die Ausdünstung davon aus zehn Metern Entfernung, steigt in mir eine Form von Verachtung hoch und ich fühle mich in gewisser Weise beleidigt, ungefähr so, als hätte mir jemand auf den Schuh gerotzt. Übrigens hat auch dieses Gerotze insgesamt abgenommen, was komisch ist, wo doch zur Zeit desto mehr Leuten die Nase laufen dürfte und jene, die entweder ohnehin keine Sitte kennen, oder inzwischen die Würde vor sich selbst leider verloren haben, weiterhin auf den Strassen herumhängen, oder herumzuhängen gezwungen sind. Unflätig herumspeien können allerdings auch die Nadelstreifen und andere Köfferträgerlein, die im Namen ihrer Oberherren durchaus auch für Spendenaktionen für das Gesindel offen sind.

Aber gut, vielleicht läßt sich die Feststellung, daß in der letzten Zeit insgesamt weniger herumgerotzt zu werden scheint, auch darauf zurückführen, daß man den Schmodder jetzt direkt in die Elle niessen soll, was beim Nadelstreifen wiederum fatal ist, daher sind solche Leute davon ausgenommen. Was weniger das Niessen als vielmehr das Schneuzen betrifft, da müssen wir nun nicht die Elle vorhalten, sondern neuerdings ein Taschentuch, statt den Rotz wie traditionell gewohnt zum Beispiel durch eines der beiden Nasenlocher auf den Boden herauszubefördern, bei welchem Vorgange dann ja häufig noch einiges davon im Barte hängenbleibt, zumal je länger der nach unten langt.
Daß etwaige Bakterien nicht nur am Barte sondern auch an der Kleidung haften bleiben könnten, ist mir indes eine Warnmeldung, die mir bislang noch fehlt, um meine Freude über einen angenehmen Aufenthalt an öffentlichen, da leergefegten, Orten vollständig zu machen. Schließlich würde es dann sogar weniger stinken überall, jedenfalls da, wo eben von Müffeln schon länger keine Rede mehr gewesen ist; auch hier spielt die Herkunft übrigens keine Rolle, nicht einmal der gesellschaftliche Rang. Wo es unweigerlich bei den ärmeren Leuten dazu führt, daß die HM-Billigkleidung vermischt mit Aldi-Deo, ob nun mit oder ohne Schweiss, ungeuerlich stinkt, da riecht es bei den besser „betuchten“ Leuten nicht wirklich besser, die ähnlich anrüchige Körperausdünstungen eben nur per After Shave, Perfum oder weißichwas für Sprühzeugs zu übertünchen versuchen, worauf sie sich auch noch einbilden, sie röchen nun gut und könnten sich dann demjenigen einwandfrei als Gesprächspartner aufdrängen, der sich ihrer Einschätzung nach augenblicklich nichts lieber wünscht, als ihnen neben einer aufmerksamen Nase noch dazu deren intellektuellem Geseie ein aufmerksames Ohr zu verleihen.

Eine weitere gute Erfindung, auch zur künftigen Abwehr sittenverstossender Leute, sind die nunmehr überall eingesetzten Plexiglasscheiben zum Schutz für die Kassierer und andere Schalterarbeiter, die ab sofort dann auch vor Mundgeruch oder ihnen entgegen regnenden Sprühregenpalaver-Attacken geschützt sind. Was muß das für eine Erleichterung sein! [N]

Die Verordnung, einen Abstand von 1,50m zur Kasse bzw. Verkaufstresen und andern Schaltern einzuhalten, ist damit hinfällig geworden. Ohnehin hat man sich da anfänglich vertan, denn als es noch hieß, es müssen zwingend zwei Meter sein, um vor Corona-Viren sicher zu sein, da merkte man zugleich, daß dann aber die meisten Personen zu kurze Arme für solche Unternehmungen haben, also wurde der Virenschutzabstand kurzer hand auf 1,50m verkürzt, das müßte demnach reichen. [N]

Den Abstand beim Anstellen in der Warteschlange einzuhalten, ist ebenfalls höchst vorbildlich und hätt ich mir hierzulande schon vor Jahren gewünscht, als ich merkte, daß es in andern Ländern selbstverständlich ist, dem andern nicht mehr als 70 cm näher zu kommen. Und der Handschlag kann ohnehin ausbleiben, wie ich finde, sowie die lästige Umarmerei zwischen sich eigentlich sonst gar nicht miteinander vertrauten Menschen oder wohl eben solchen, die sich dann nach regelmäßigen Hin- und Her-gemobbe während der Arbeit dann allersamt beim cometogether afterwork meeting gegenseitig in die Arme fallen wie die rattigen Affen gottseidank hoffentlich auch in Zukunft nicht mehr ausgeübt wird.

Insgesamt kann ich jedenfalls feststellen, daß mit der Abnahme der Menschenmassen auch die Unreinlichkeiten abgenommen haben. Na gut, so in Bahnhofsnähe wird nach wie vor noch recht häufig an die Wand gepinkelt und auch mal hier und da in die Ecke gekackt, aber erstens hat das den Vorteil, daß sich selbst die schmuddelige Antifa nicht mehr in die Nähe solcher Orte wagt und uns deren nicht minder verschissenen Wandgestaltungen somit erspart bleiben. Desweiteren hängt dieser Zustand natürlich auch damit zusammen, daß viele Menschen in Deutschland, einerlei welcher Kultur,  inzwischen auch verarmt sind und es in deren Notunterkünften nicht besser aussieht.
Corona ist für mich ansonsten die Königin der Sauberkeit, ihr zu Ehren darf sich jeder als Reinemacher betätigen, ohne als Waschlappen zu gelten und sogar Klinkenputzen gilt inzwischen wieder als eine ehrenhafte Tätigkeit.


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