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Wie jemand zu der Überzeugung gelangt, der Holocaust in Deutschland habe nicht statt gefunden, das habe ich eigentlich noch nie verstanden. Selbstverständlich hat er Statt gefunden. Natürlich kann ich nachvollziehen, daß man es sich einfach nicht vorstellen kann, denn es ist ja schier unbegreiflich, was da geschehen ist. Daher sagen auch viele „wie könnte so etwas nur geschehen“? Insbesondere diejenigen, die es gar nicht anzweifeln, fragen sich das. Aber auch diejenigen, die es anzweifeln, fragen sich das im Grunde und kommen bald zu dem Schluß, daß es dann eben nicht geschehen ist. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Auch sie können es sich einfach nicht vorstellen. Dabei ist es doch eigentlich eindeutig. Selbst wenn jemandem die Faktenlage nicht ausreicht, müßten ihm eigentlich die Indizien schon genügen. Man schaue sich doch einfach nur einmal heute so um, man höre doch nur einmal heute so hin. Leichtgläubige, Ignoranten, Mitläufer, Nachplapperer, wo man nur hinblickt. In den wichtigsten Angelegenheiten ist der Konsens gebildet. Insbesondere bei den Gebildeten und das sind meist die Wortführenden. Die anderen stimmen zu oder, wo nicht, verfallen in die Passivität (bzw. in den Konsum), ziehen sich zurück und beteiligen sich nicht mehr an der Diskussion. Was ich noch gut nachvollziehen kann. Gegen die wortführenden Verfechter vorherrschender Meinungsbilder hat man einfach keine Chance, sie können einen in Grund und Boden reden und, rhetorisch gebildet wie sie z.B. durch das viele Bücher- und Zeitungslesen sind, tun sie es dann auch, wenn ihnen nur ein kleiner Deut nicht ins vorgebildete Meinungszentrum passt, derweil sie kein bißchen von ihrer Überzeugung abweichen, so anzweifelbar sie auch wäre, wenn sie nur einmal etwas genauer hinsehen würden; aber da können sie nicht hinsehen, bei dem, was sie andauernd alles zu lesen haben. Sie sehen nicht genauer hin, sondern plappern nur nach, was ihnen von den Medienstationen und auch etlichen kulturellen Institutionen vorgebeben wird. Wer diesem Modell auch nur im Anflug zuwiderläuft, wird zum Schweigen gebracht oder zunichte gemacht. Die mithetzenden Mitläufer springen da dann auf, die Denunzianten klatschen in die Hände, die Masse bekommts eh nicht mit und wer unter ihnen doch irgendwie, der weicht verschreckt zurück und hält die Klappe. Das mit der Klappe ist wie beim Film mit dem Regie-Assistenten, er folgt der Regie seines Regenten und wirds allzu übel mit der Schlachtszene, blickt er eben solange weg. So wie eben damals schon etliche Milionen weggeschaut haben, als ihre Nachbarn, bei denen sie gestern noch Brot gekauft haben und die sie neulich noch mit einem fröhlichen „Alles gut?“* begrüßt haben, offenbar nun abgeholt wurden. Wer weiß, vielleicht stimmt das ja, was die Meinungsführenden sagen, vor allem wenn es in der Zeitung steht, muß es doch stimmen.

So läuft das in Deutschland heute noch und da fragt sich noch einer, wie das möglich sein konnte? Ganz besonders in Deutschland war das möglich, eher weniger in anderen Ländern, jedenfalls in diesem Ausmaß, denn die hätten das letztlich schon alleine logistisch nicht hinbekommen. Wir sind darin eigentlich ganz gut, man muß zum Ausarbeiten logistischer Pläne auch nur im Rahmen des Plans und nicht unbedingt darüberhinaus logisch denken können. Wir sind auch ziemlich effizient und zudem läuft es insgesamt recht sauber und geordnet ab, darauf achten auch viele, kleine Fehler müssen sofort korrigiert werden, um das Große und Ganze kümmern sich andere schon, insbesondere um das Gute und Böse.

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ich kann es nicht mehr hören, eure bescheuerte Art:

  • Alles gut?
  • – Kann ich helfen? – Nein, alles gut alles gut alles gut.
  • Und dann noch dies: – Danke schön. – Dafür nicht!
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