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Veröffentlicht am 12.06.2019
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Das in den letzten Jahren vermehrte und weiterhin zunehmende Betteln auf den Straßen ist beklagenswert und auch die Herangehensweise hat aufdringlichere Züge bekommen, was eine Begleiterscheinung des allgemeinen Sittenverfalls ist (dessen Ursache wiederum hier bereits aufgezeigt wurde). Fast schon aggressiv wird da mitunter gegen den Angebettelten vorgegangen, doch dies alles ist letztlich noch nachvollziehbar. Ebenfalls nachvollziehbar sind die vermehrt hingehaltenen Bettelbecher und ausufernden Spendenaufrufe vonseiten anderer Menschen und Gruppierungen, die zwar nicht Not leiden, aber ansonsten ihre Arbeit nicht finanzieren könnten, für die sie kaum Lohn erhalten und somit auf ihrer Internetpräsentation nach entsprechender Unterstützung suchen.
Eine ganz schlimme Not scheinen einige unter ihnen aber dennoch zu haben, nämlich solche Internetseiten und webblogs, wo einem andauernd die neuste Wahrheit vorgeschrieben wird. Na, meinetwegen, die kann sogar mitunter stimmen; interessiert mich aber ehrlich gesagt erstmal gar nicht. Mich interessiert vorab nur die zwischenmenschliche Begegnung zwischen Autor/Herausgeber und Leser oder Besucher, und dann kann man weitersehen. Doch bei solchen selbstgefälligen Internetseiten kann man selten weitersehen,  da wird nämlich gleich ein Sperrwall zwischen das begehrte Aufklärungssobjekt und der ganzen bedürftigen Lese-Welt geschoben.
Auf der Straße, dem Ort der Not und des Elends, wo einem die offene Hand nicht etwa nur entgegengestreckt, sondern mir, der ich hübsch dekadent einen Kapputtschino schlürfend im Cafe Sorglos auf der Terrasse sitze, mit etlichen Notstandszeitungen unter der Nase herumgefuchtelt wird, als hätte ich eine Horde Fliegen um meine Tasse kreiseln, die der Bettelnde mir offenbar erstmal beiseite zu wischen gedenkt; na gut, da ist auch diese Zudringlichkeit immer noch verständlich, schließlich geht es ihm ja schlecht, verhältnismäßig noch schlechter als den Fliegen gar.
Auf jenen Internetseiten mit ihren hinterm Schreibtisch hockenden wohlgenährten Schreibtisch-Hintern ist das aber ein Gefuchtel ohne schwere Not und kommt einem dann unangemeldet in Form eines Deckblattes dahergewischt, das nach Anclickung der erlauchten Aufklärer-Nachrichtenseiten wie ein Vorhang von oben nach unten über den gesamten Bildschirm gerollt wird, oder wie eine millitärische Abschirmwand von unten nach oben, oder wie ein Schiebetor von der Seite her angestaucht kommt. Und da steht dann solches und ähnliches drauf: Wir brauchen zahlende Digitalleseer/innen – Bitte Spenden! Rettet den Jorunalismus! Erst clicken dann lesen! 5, 10 oder 50 Euro, etc. Her damit, Arbeit kostet Geld und so weiter und so fort.
Stimmt ja auch! Ist ja auch verständlich! Aber doch nicht so.

Na gut, solche Bittstellerplakate kann man durchaus entfernen, indem man eben anclickt, man möchte lieber kostenlos lesen und später einmal spenden, etc. – was meistens aber gelogen oder Einbildung ist, so wie man sich auch sonst eine Menge einbildet.
Das ist mir sowieso alles einerlei, und was für Offerten die mir anbieten ist mir als Leser gleich schnurzegal! Oder glaubt ihr wirklich, ich drücke auf „Jetzt nicht, ich will weiterlesen“, um nur die Bettel-Tafel zu überwinden und würde dann den Artikel lesen? Weit gefehlt, ich click dann nämlich gleich die ganze Internetseite wieder weg und such sie auch nicht mehr auf! Und wenn doch einmal, dann nur, um nachzuprüfen, ob die Autoren und Admins von ihrem hohen Ross endlich runtergefallen sind, und inzwischen gelernt haben, daß man auch unten links oder oben rechts schlicht nett und sichtbar genug um Spenden und Unterstützung bitten könnte, warum auch nicht. Hinter solchen Riesentafeln aber verbirgt sich etwas anderes als ein blosser Spendenaufruf, und ich werde da nochmal analytischer vorgehen, einstweilen reicht es mir, die Sache einfach mal herausgeschrieben zu haben, man kann ja auch nicht immer einfach immer nur den Mund halten.

Folgt hier eine Liste, wo mir diese Kacktafeln bislang begegnet sind, ohne Rücksicht auf Verlustigung, es gab da einige, die ich nicht erinnere, aber irgendwann stoss ich bestimmt wieder drauf:

  • …*
  • …*
  • …*

*Einsicht: Ich las die weg, man muß ja keine Namen nennen!


Anmerkung: Dieser Text wurde im Affekt geschrieben und ohne weitere Nachprüfung einfach da so hingeschmissen, war also kaum mühsam und muß auch nicht finanziert werden.


Bezeichnender Nachtrag:

Vorbildlich: Kleine Spendenanfrage bei „Griechenland-Blog“: Geradeheraus, deutlich genug, politisch-ideologisch neutral, freundlich, entgegenkommend, sachdienlich, bescheiden und doch nicht arschkriechend

Link

Abschreckend: Riesen-Sperrwall bei „Neues-Deutschland“: Aufdringlich, übertrieben, selbstgefällig, gierig, politisch-ideologisch verbrämt, aktionistisch und pseudowitzig*

* Achtung, total lustiger Witz : Ich bezahle später, versprochen! Doch ehrlich!, Link

PS.: Durch Wegclickung der gesamten Internetseite, statt des Sperrwalls, ersparen Sie sich übrigens „24 Minuten Lesedauer“, und gewinnen damit 24 Minuten Lebenszeit

Sehr bezeichnend.


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