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verfasst am 22./25.05., veröffentlicht 31.05.19


So, jetzt, nachdem alle wählen gegangen sind, kann ich meinen Text ja endlich veröffentlichen. Nach folgendem Inhalt:

I.
Natürliche Nationalstaaten zum Wohle Europas
II.
Abhandlung von dem Nationalstolze aus Vaterlandesliebe,

dem Grunde zur wahren Größe, und zum Glücke der Staaten,
verfasst im Jahre 1788


I.
Natürliche Nationalstaaten zum Wohle Europas

 

„In Manchem Staate hat es der quälende, verderbliche Erfindungsgeist schädlicher Finanztyrannen so weit gebracht, daß bloß das Denken, und Athemholen noch von Imposten [eine Art Steuern/Abgabe, z.B. wie bei der CO2-Steuer] frey geblieben ist.“
Leopold Freiherr von Hartmann, 1788 1

„Je weniger durch erleuchte, gelinde, und wolthätige Gesetze die Freyheit des Menschen gefesselt wird, desto glücklicher ist der Regent, der Staat, und seine Bürger. – Denn Freyheit ist der Saame, aus welchem Volks- und Staatesvollkommenheit [nein, nicht Verkommenheit] aller Art sowohl im moralischen als politischen Verstande hervorsprotzet. Wo hingegen viele, wo erkünstelte Gesetze sind, wo Zwang allgemein herrscht, dort ist der Unterthan der Sclaverery nahe.“
Leopold Freiherr von Hartmann, 1788 2

„[…] Regieren heißt in dem wahren, und nach den eigentlichen Grundsätzen des Naturrechtes unabänderlichen Verstande den Unterthan lieben, dessen Leben, Hab, und Gut beschützen, sein Vermögen, und dessen häusliche Umstände verbessern.“
Leopold Freiherr von Hartmann, 1788 3

Hervorhebungen und [Zugaben] durch Jermain Foutre le Camp


Es ist doch alles recht seltsam! Entweder habe ich Tomaten auf den Augen und Radieschen in den Ohren, daß ich davon nichts mehr gesehen noch gehört habe, oder dem kollektiven Menschenverstand ist in letzter Zeit tatsächlich ein ganz entscheidender Merksatz verlustig gegangen. Wie oft hieß es doch vor einiger Zeit noch an jeder Ecke „Gegen Ausländerfeindlichkeit!“. Und gerade jetzt, wo dem Polit-Gockel der rechte Flügel exorbitant in die Länge zu wachsen droht, der linke aber so tut, als schrümpfte er demgegenüber zurück auf die Größe eines Kükenflügels, gerade jetzt kräht kein Hahn mehr danach, sich gegen Ausländerfeindlichkeit auszusprechen. Offenbar ist die Verwendung des Begriffs Ausländerfeindlichkeit nicht mehr politisch korrekt. Stattdessen wird angeraten, sich vom Nationalbewußtsein abzukehren und das nationale Denken zu überwinden.
Dabei ist
so etwas wie eine Nation, ein Nationalstaat oder das Nationalbewußtsein an sich zunächst einmal gar nichts Übles. Das sieht man ja schließlich auch: 70 Jahre lang Frieden im vereinten Europa; das ist jedenfalls, was uns die politischen Friedens-Tauben andauernd anzeigen, allerdings stellen sie es so dar, als ob wir es der NATO zu verdanken hätten. Dabei ist es ja umgekehrt. Von 70 Jahren mehr oder minder friedlichen Zusammenlebens der Nationalstaaten in Europa beteiligt sich die europäische Union seit geraumer Zeit wieder an humanitären Kriegen und allgemeiner Ausbeuterei entwicklungsfreudiger Staaten; wenn auch außerhalb des Glaspalasts unseres scheinheiligen römischen Reiches vereinheitlichter Nationen.
Ohne Kriege im Ausland geht’s nimmermehr, derweil die Ausbeuterei auch innereuropäisch genehm geworden ist, siehe z.B. in Griechenland. „Den Griechen“ sind schließlich nach teils selbstverschuldeter Mißwirtschaft Finanzhilfen in astronomischen Höhen zugeführt worden, doch den Menschen geht es schlechter und deren Lebensstandard ist weiter gesunken, während die gewaltigste Geldzufuhr aller Zeiten von internationalen Gremien kontrolliert und durch die geldgebenden und darüber wachenden Institutionen wissentlich vollzogen wurde.
Man gibt mehrere hundert Milliarden Euro in ein Land und die wenigen Millionen Einwohner leben schlechter als davor? Da kann etwas nicht stimmen; da kann von Hilfe in der Not keine Rede sein, da ist uns eine ganz gewaltige Untat als etwas Gutes verkauft worden, man könnte auch sagen, das ist Betrug. Da brauchst du jetzt gar nicht zu sagen, das könne man nicht einfach so behaupten, so einfach wäre das alles nicht. Doch, mein gelehrter Medienkonsument – so einfach ist das!

Fortbildungskasten

Rubicon → Die Propaganda-Wahl
Politikblog → Rede am Europatag zum EU-Imperialismus
Addendum → Europa, wie hältst Du's mit der Nation?
Voltairenet → Die Europäische Union auf kurze und auf lange Sicht
Voltairenet → Die Europäische Union ist gezwungen an 
US-Kriegen teilzunehmen

Man kann sogar auch sagen: Eine neumodische Form von Imperialismus hat sich mithilfe Europams längst in der Welt etabliert. Zumindest stimmt das EU-Parlament doch immer mal wieder über (ihnen bereits vorgelegte) Gesetze und Beschlüsse ab, die nicht in erster Linie der Menschlichkeit, der Verantwortung gegenüber der Umwelt (Natur), der Völkerverständigung, der Minderung von Armut und Elend, usw., dienen. Es geschieht dies auf Kosten und zu Lasten der Bevölkerungen, wobei die Bürger & Bewohner der ärmeren und wirtschaftsschwachen EU-Länder am meisten leiden, aber gleichsoviel ausgenutzt werden, wie die der stärkeren Nationen; bezeichnend genug ist dabei schließlich, daß der Großteil der EU-Nationen nicht etwa im gemäßigten Wohlstand lebt, sondern mehrstenteils übermäßig verarmt ist.
Wohlstand und Frieden seien „nicht selbstverständlich“, gibt die CDU immerhin auf den Wahlplakaten zu; es könnte aber auch eine Warnung sein. Für wen trifft das mit dem Wohlstand denn wohl am meisten zu, und wer fühlt sich diesbezüglich wohl unwohl? Die Beantwortung der zweiten Teil-Frage dürfte millionenfach getätigt werden, seit Jahrzehnten schon.
„Wohlstand, Umweltschutz, Frieden, blablubb,“ so lauteten auf den Wahlplakaten also die ausgemachten Tätigkeitsfelder der meisten der Parteien, womit auch diese Angelegenheit insoweit aufgeklärt ist, als daß es da nicht mit rechtmäßigen Dingen zugeht, da mußt du nur mal durch die Glaswand ins außereuropäische Umland schauen und in Erwägung ziehen, daß das Elend dorten nicht wenig von der EU mitverursacht wurde. Dochdoch, so einfach ist das.
Lese er doch mal die Texte im Fortbildungskasten oben und vergleiche die Inhalte mit diesen Bilderchen:

Na gut, Wahlprogramme sind Zielsetzungen und Vorhaben, und an Vorhaben kann man gewissenhaft arbeiten. Gleichfalls, und allein aufgrund der bestehenden Machtverhältnisse, sind es Versprechungen. Angelockt davon wählen wir dann affektiv ein EU-Parlament, das wiederum der EU-Kommission unterstellt ist und über die von ihr eingebrachten Gesetzesvorschläge lediglich abstimmen darf. Und abstimmen heißt in dieser Konstellation: immer dann fleissig abnicken, wenn es der eigenen Partei-Linie zuträgliche Gesetze sind, denen wir wiederum durch unsere inländische „Wahlbeteiligung“ zugestimmt haben, ohne daß wir daran wirklich mitbestimmend beteiligt wurden. Mit anderen Worten:

Je weiter wir in der Machtvertikale nach oben gehen, desto größer die Fassade, desto geringer unser politischer Einfluss. Was auf lokaler, kommunaler Ebene noch hinreichend funktionieren kann, wird spätestens im Bundestag zur Farce. Im supranationalen Gebilde der Europäischen Union wird es schlicht zum Witz.“
Weiterlesen → Rubicon News: Das Elitenprojekt I.

Dabei wählen wir erst einmal nur ‚unsere‘ nationalen Abgeordneten für das Europaparlament. Wir wählen keinen Kommissionschef, auch keine neue Politik – selbst wenn die Spitzenkandidaten das behaupten. Das Europaparlament ist nur eine von drei großen EU-Institutionen – und leider bei Weitem nicht die Wichtigste. Den Ton gibt mehr denn je der Rat an, also die Vertretung der 28 Mitgliedsstaaten.
Weiterlesen → Lost in EU: Was die EU jetzt braucht, eine Wahlempfehlung II

Diesen Ton geben die wortführenden Staaten Deutschland und Frankreich an, die als die stärksten Kräfte den Karren Europa dann vor die Wand fahren. Innereuropäisch sind Aufstände oder, wo eben nicht, totale Resignation bis zur Verelendung nach vorausgegangenem Sittenverfall (dazu unten mehr) vorprogrammiert. Die Gesetze gelten schließlich europaweit, also auch für Griechenland oder Rumänien. Oder wenn es ihnen zuliebe bloß Richtlinien sind, die auf ihre jew. Lage abgestimmt sein sollen, so handelt es sich hierbei dennoch um Erpressung, jeden Falls solange ihnen bei etwaiger Nichterfüllung oder bloßer Nichtbefolgung Sanktionen erteilt werden. Da ist also nichts mit Freiheit mehr.
Und auch wird da mit Frieden nichts mehr sein. „Kommt, wir bauen das neue Europa“, hieß es auf den Wahlplakaten der Grünen, angereichert mit der Parole von Frieden, Freiheit, Gleichberechtigung blablubb. Wohin es aber eigentlich führt, dieser grüne Schein, das sagt uns der ehemalige Staatsminister Willy Wimmer:

Es gibt keine deutsche Partei, die von der ersten Sekunde ihrer Existenz an, so auf Amerika ausgerichtet gewesen ist, wie die Grünen. Und man kann, gerade vor dem Hintergrund der grünen Rolle bei dem Jugoslawienkrieg, sagen: Die Grünen sind die geborene deutsche Kriegspartei. Das verheißt für Deutschland nichts Gutes. Und wenn ich sage ‚die geborene deutsche Kriegspartei‘, dann richtet es sich unter den gegenwärtigen Umständen in erster Linie gegen unseren großen Nachbarn und das ist die Russische Föderation. Wir haben es durchgehend bei allen grünen Amtsträgern in der Bundesregierung gesehen, dass hier fast bedingungslos dem gefolgt wird, was in Washington als ‚westliche Politik‘ gegenüber Russland ausgedacht wird. Das führt uns so ins Elend, wie es uns 1914 und 1919 auch aufgezwungen worden ist.“
Weiterlesen → World Economy: Wir haben gerade ein politisches Erdbeben erlebt. Werden wir in einem völlig anderen Europa aufwachen? – Prof. Alexander Sosnowski im Gespräch mit Willy Wimmer, Staatssekretär a.D (26.05.2019) III

Dieses neue Europa – bekräftigt durch unsere Wahlbeteiligung, die bloß unsere Bestätigung eines solchen verheerenden Modells ausdrückt – dieses neue Europa ist, wie ich finde, eine größenwahnsinnige Idee. Denn das Ziel kann ja nur sein, Europa zur Weltmacht zu etablieren und in der Konkurenz zu Rußland/China oder sonstwen (schließlich herrscht dieses Denken in der kapitalistischen Marktwirtschaft weiter vor) die USA abzulösen. Es kann in der immer noch vorherrschenden krankhaften Denkweise von Wachstum=Fortschritt und Weltpolitik=Machtkonzentration nur diese Entwicklung angestrebt werden. Da dies aber nicht gelingen wird, es sein denn man entwickelt ein noch aggressiveres System, als es die USA seit Worldwar II. spätestens sind, wird es zur absoluten Angleichung Europas an die US-Politik führen, bei Inkaufnahme des völligen Zerwürfnisses mit Rußland. Sowohl die eine Entwicklung als auch die andere würden allerdings erst dann vollzogen sein, wenn eben das neue Europa gebaut und das alte versaut, bzw. weggewischt worden ist. Und eben dazu ist es erforderlich, die alten Identifikationsmodelle durch ein einziges neues zu ersetzen, Motto: Kommt, wir bauen das neue Europa.


Natürliche Identifikation

Eine Rückbesinnung auf die Stärke aus sich selbst, das heißt aus einem gesunden National- oder Landesbewußtsein heraus, begründet auf der kulturellen Identität, ist zwar noch keine Gefahr, aber ein Hindernis für ein solches Übermacht-Konstrukt und deswegen gilt es nicht etwa nur noch als politisch rechtslastiges Gedankengut, sondern inzwischen als faschistisches und menschenfeindliches Denken a la Nationalsozialismus, wenn man der imperialistischen Denk- und Handlungsweise dieses EU-Systems kritisch gegenübersteht. Das ist aber weit gefehlt, wie wir hier noch herausarbeiten werden, die Kritik ist berechtigt und es hat durchaus etwas mit grüner Politik zu tun; allerdings giftgrün und nicht naturgrün. Mein sehr vermisster Herr und Brötchengeber Urbald Freiherr von Oberhand hat zum Beispiel einmal gesagt:

„… Das Wort Natur/natura ist nativ lateinisch und das ist ja nicht gleich der Umwelt, die auch unnatürlich sein kann, derhalben ich den Begriff Natur vorziehe, genauso wie ich dafür halte, durchaus sowohl Land, als auch Nation sagen zu dürfen, da wir gemäß Adelung unter „Natio, die eingebornen Einwohner eines Landes, so fern sie einen gemeinschaftlichen Ursprung haben, und eine gemeinschaftliche Sprache reden“ IV verstehen dürfen. Zwar erscheint die Nation als etwas künstlich konstruiertes, enthält aber über die Wurzel nat das native, natürlich geborene, gewachsene, daher man zu früheren Tagen, als Deutschland noch kein Nationalstaat [und kein NATo-Staat] im heutigen Sinne war, häufig sagte, ich bin von nation deutsch und gleichsam bei Elteren unterschiedlicher Herkunft auch sagen kann, er sei von nation deutsch-türkisch, deutsch-italisch, deutsch-griechisch und desgleichen Herkömmens mehr. Wer aber den Begriff Nation vermeiden will, soll gleichsam auch das Wort Natur vermeiden [was die Klima-Ideologen ja auch tun], es sei denn, er fasst Nation eben so weit wie Natur; und berücksichtigt bei beidem vor allem die Wurzel. … „
Quelle → Von der Einbürgerung ausländischer Worte in den deutschen Sprachgebrauch, 7.5.2016

Dieser weisen Ansicht steht nun die aktuelle Denk- und Meinungsvorgabe gegenüber, daß nicht nur der Nationalstolz, oder die Vaterlandsliebe, etwas Schlechtes oder Gefährliches sei, sondern inzwischen auch das Nationale an sich, doch entspringt diese Warnung selbstverständlich der Angst unserer großmächtigen Weltenbeherrscher vor der Rückbesinnung der einzelnen europäischen Mitglieds-Staaten eines bereits verein-ten Europas auf ihre jeweilige kulturelle Identität, als Ausdruck ihrer Mentalität; schließlich ist Kultur nicht nur eine Angelegenheit der Kunst, sondern auch die der Landwirtschaft, geht also durch Geist und Körper.
Diese Entwicklung einer landestypischen Kultur, die in der Grundlegung über die mit dem Lande verwurzelten Geschöpfe (Bäume/Sträucher/Menschen aber auch Bananen) zum Wohle der Allgemeinheit wächst und gedeiht, stellt ein ständiges Hindernis für jene dar, die nicht die Gleichberechtigung der europ. Staaten, sondern eine Gleichmacherei der europäischen Völker anstreben, um diesen identitätslosen Haufen besser für ihre Zwecke steuern und instrumentalisieren zu können, statt ihnen politische und staatswirtschaftliche Unterstützung bei der persönlichen Identifikation, spirituellen Wiederfindung oder natürlichen Vereinigung mit weitestgehend natürlichen, wahren Werten und Gegenständen zu bieten, über deren weiteren Austausch ein wahrhaft kräftiger, allerdings friedlicher, Staatenbund erst entwickelt werden könnte. (Dieses Thema haben wir bereits in unserem Findelgarten beackert; etwa hier → Von der Einbürgerung ausländischer Worte in den deutschen Sprachgebrauch, 7.5.2016 …)
Stattdessen werden aus dem heutigen Heuchel-Gebilde EU aber keine wertigen Früchte erwachsen, sondern bestenfalls Frucht-Attrappen, oder bald Schädlinge oder eben, um zur Politik zurückzukehren – Bomben. Die fallen dann außerhalb Europas aus der Luft oder werden halt stücksweise zerlegt in andere Länder verhandelt, die nur noch den Zünder draufschrauben müssen, während die wirkliche kulturelle Vielfalt, die innerhalb Europas bereits herrschte und für die Weiterverbindung mit noch entfernteren Kulturen durchaus offen wäre, maßlos abgehandelt wird, da sie für jene Mächte gefährlich ist, die zum Ersatze mit wertlosen Identifkationsmodellen aus ihrem Mischmaschwarenkatalog aufwarten, die wie bunte Gesträuche von Knallerbsen an jeder zweiten Ecke dieses EU-Dschungels dann durch die Gegend wuchern. 

Schwierige, aussichtslose Debatte

Selbstverständlich kann man daran erinnern, daß die Form des (übersteigerten) Nationalbewußtseins erst zu den Kriegen und Machtkämpfen innerhalb Europas geführt hat, da hieraus diktatorische Regime erst entstanden und mächtig geworden sind. Bei aller möglicherweise mit aufkeimenden Gefahr vor neuen Hitlers, Mussolinis und anderen National-Sozialisten und Faschisten, die heutzutage rechts wie links zu finden sind und rechts wie links ihre Parolen und Ideologien verbreiten, sollte der Begriff der nationalen Gesinnung/des National-Bewußtseins dennoch nicht als etwas Furchterregendes/Furchtbares verschrien, sondern als etwas Fruchtergebendes/Fruchtbares befördert werden, was sich aber nur im besten Sinne vollzieht, wenn man diesen Begriff in seiner Gesamtheit auf seine Wurzel zurückführt. Daß sich um diesen Stamm herum allerhand Übeltäter, aber auch  Wohltäter herumtummeln, ist klar und war auch auf den Wahlplakaten abzulesen – diese Aufhänger haben aber ohnehin nichts mit dem zu tun, was auf das Wohl des Einzelnen und des Gesamten abzielt.

Daher möchte ich dem Leser nun ein Plädoyer für den Erhalt europäischer Nationalstaaten aufzeigen, das unter dem Titel Abhandlung von dem Nationalstolze aus Vaterlandesliebe, dem Grunde zur wahren Größe, und zum Glücke der Staaten von Leopold Freyherr von Hartmann (1734-1791), einem „Ritter des königl. schwedischen hohen Vasa Ordens, churpfalzbajerischem adelichen geheimen- und Regierungsrathe beständigem Vicepräsidenten der Gesellschaft sittlich- und landwirtschaftlicher Wissenschaften zu Burghausen, etc.“ im Jahre 1788 verfasst wurde.
Auch wenn mancher Aspekt darin selbstverständlich nicht mehr zeitgemäß ist, so ist es doch zur einsichtsvollen Analyse hilfreich, um herauszufinden, daß die Überwindung oder Verwischung der Nationalstaaten innerhalb Europas nicht so heilversprechend ist, wie sie uns schmackhaft gemacht wird, schon gar nicht bei einer solchen Regentschaft, wie wir sie sowohl in den einzelnen Staaten, als auch in dem ihnen übergeordneten Konstrukt derzeit vorfinden. Aber lesen Sie doch selbst.


II.
Abhandlung von dem Nationalstolze aus Vaterlandesliebe, dem Grunde zur wahren Größe, und zum Glücke der Staaten, verfasst im Jahre 1788.

von Leopold Freyherrn von Hartmann (1734-1791), Ritter des königl. schwedischen hohen Vasa Ordens, churpfalzbajerischem adelichen geheimen- und Regierungsrathe beständigem Vicepräsidenten der Gesellschaft sittlich- und landwirtschaftlicher Wissenschaften zu Burghausen, verschiedener Academien, und Gesellschaften Mitgliede

Die Freiheit ist das höchste Gut

Daß die Freiheit das höchste Gut der Einzelnen, der Völker aber auch der Staaten ist, wird kaum einer der hier lesenden Besucher anzweifeln; solche Floskeln dürfen ja trotz steter Nichtbefolgung ständig wiederholt und weiterhin ungestraft ausformuliert werden. Es wird manch einem sodann aber desto zweifelhafter vorkommen, daß der nachfolgend herbeizitierte Leopold (Freyherr von) Hartmann, als ein Befürworter des Fürstenstaats, diese Freiheit nur durch die Aufrechterhaltung eines Nationalstaats bei gleichzeitig gelebter Vaterlandsliebe gewährleistet sah, wofür man ihm heutzutage am liebsten gleich den Mund verbieten würde, denn sich diese Freiheit in der Rede zu nehmen, ist heutzutage ja eher nicht mehr so gern gesehen.
Auf die Gefahr hin, einmal mehr ins rechtsextreme Eck gedrängt zu werden, möchte ich seiner teilweise polemisch wirkenden Argumentation dennoch folgen, um dann zu dem Ergebnis zu kommen, daß seine Worte tatsächlich eine Anleitung für jeden einzelnen Bürger, aber auch für den Regierenden eines solchen Systems darstellen könnten, welche sich dann  – vorausgesetzt sie wären tatsächlich in redlicher und tugendhafter Weise darum bemüht oder daran interessiert, ein gesellschaftpolitisches System zu entwickeln, das dem Allgemeinwohl des Einzelnen und des Gemeinwesens dient – von der (Forderung zur) Überwindung der allzu nationalen Nationalstaaten abkehren müssten.

Um schrittweise auszuarbeiten, was es bei der Wahl einer Regierung, durch die sodann die Geschicke der Völker gelenkt und verwalten werden, in erster Linie zu bedenken gäbe, ist es zunächst erforderlich, Leopold Hartmanns Umschreibung des nötigen Umstands eben bezüglich der Freiheit wiederzugeben:

(Hervorhebungen und alles in [Klammern] durch Jermain Foutre le Camp)

„… Ohne moralische Freyheit würde er [der Mensch] entweder der traurigste Sclav der niedrigsten Leidenschaften seyn, sich von schädlichen Begierden tyrannisch beherrschen lassen, schwach, und verächtlich leben, oder sich in das Joch des Unsinnes, des Fanatismus, des Aberglaubens, der Bigotterie, (welche allemal, und durch jedes Zeitalter die Urquellen des Elendes, der Verfolgung, der Dummheit, und der Barbarey waren), aus erbärmlichem Zwange beugen, und den Vorschriften jedes Träumers, jedes Scheinheiligen [Alles gut? – Alles gut!], jedes Schwärmers, jedes schlauen, mit Bonzenreligion sich brüstenden Bösewichtes, welcher diese, oder jene Verwegenheit hätte, sich über ihn eines Ansehens anzumassen, blind, und mit kriechender Ergebung folgen müssen.
Ohne bürgerliche Freyheit würde er ein armes niedergebeugtes Geschöpf,  […] seyn, und unter Zähren [Tränen], und Kummer an die Bande willkürlicher Befehle, und härtester Gesetze sclavisch gebunden, oft selbst seines schwer errungenen Vermögens durch höhere Macht beraubet, die elendesten Tage dahinleben.
Nichts ist daher unentbehrlicher, und für jeden weise beherrrschten Staat wichtiger als die Aufrechterhaltung der Freyheit. Sie ist, und war durch alle Jahrhunderte jene Stütze, auf welcher Ehre, Ruhm und Wohl eines jeden Landes, der ächte Stolz, und das wesentliche Glück jeder Nation, und ihrer Beherrscher standhaft, und unerschütterlich geruhet hätten.
[…] „Denn Freyheit ist der Saame, aus welchem Volks- und Staatesvollkommenheit aller Art sowohl im moralischen als politischen Verstande hervorsprotzet. Wo hingegen viele, wo erkünstelte Gesetze sind, wo Zwang allgemein herrscht, dort ist der Unterthan der Sclaverery nahe. Geist, und Muth wird dadurch entkräftet, und jedes edle Gefühl ersticket, woraus Nationalstolz, und Vaterlandsliebe durch manche Zeitalter gedeihlichst [das ist Kultur] entsprungen waren.
4

Ich möchte dabei noch einmal anmerken, daß mit der hier noch öfter erwähnten „Vaterlandsliebe“ und dem „Nationalstolz“ in allererster Linie und fern einer politischen oder ideologischen Vorstellung nur die Bindung an die natürliche Identitität eines Landes gemeint sein kann und von Leopold Hartmann auch gemeint war, aus der, beschwungen von der jeweiligen Mentalität, die landestypische Kultur (geistige und landwirtschaftliche) wächst, die von der dann politisch nationalen Staatsführung nüchtern und unideologisch (eben anders als unter Hitler) schlicht geschützt werden muß, um über sie in den Austausch mit anderen Kulturen (nicht den Austausch der Kultur durch eine andere) zu gelangen. Denn nur mit dieser Ansicht vom Verständnis, was Nationalität eigentlich bedeutet und beinhaltet, wäre auch Leopold Hartmanns Argumentation besser zu folgen. Ein Schlüssel dazu ist tatsächlich die Form und das Ausmaß der Gesetzgebung, ohne die eine solche gewisse Freiheitspanne nicht gegeben wäre, im andern Fall aber auch völlig eingeschränkt werden könnte. Eine Gesetzgebung kann bedächtig sein, sie kann aber auch ausarten und auf diesen Umstand kommt LH zu sprechen, bei gleichzeitiger Analyse welcher Zustand auf nationaler Ebene dem zugrunde liegt.

„Man binde mit despotischer Gewalt den Bürger an das Joch harter Gesetze, derer Triebfedern bloß Habsucht, Eigennutz, Egoismus, Privatinteresse [der Konzerne und Banken], und Unterdrückung sind, so ist dem ganzen Volke der Muth, und die Begierde zu großen Thaten, und auszeichnenden Handlungen benommen. – Nationalstolz, und Vaterlandsliebe verschwinden von selbst [was sie ja heute sollen], sie werden unbekannte Gegenstände, das sämmtliche Volk fühlet sich in Staub niedergedrücket, verliert Herz, und Vermögen [Volksvermögen].“ 5

Es mag nun desweiteren sein, daß seine Abhandlung besonders immer da verklärt wirkt, wo er an eben diesem Punkte recht schwärmerisch von den alten „Germanen“ als eine „Nation“ spricht, die bis zu der Unterwerfung durch die Römer tugendhaft und sittlich lebten, die „Vaterlandsliebe“ aber allmählich verloren, nachdem sie zum Opfer einer übergeordneten (römischen) despotischen Herrschaftsregierung geworden waren:

„Zur nämlichen Zeit, da der rühmlichst bekannte römische Geschichtsschreiber TacitusV [siehe Quelle V] von unseren redlichen, biederen, deutschen Urältern schrieb, […], daß bei denselben die löblichen, guten, und reinen Sitten mehr geltend seyen als bey Römern, und anderen Nationen die größte geschriebener Gesetze, eben zu jener Zeit waren die Deutschen viel glücklicher, als die durch Reichthum, Schwelgerey, und Wohllüste verzärtelten, durch eingebildete phantastische Vorzüge ausgearteten, und durch die Menge der Gesetze bey häufigen Unterjochungen fremder Völkerschaften ihrer eigenen Freyheit merklich beraubten Römer; […].“ 6

„[…] Aber kaum ließ sich die deutsche Nation von fremden Sitten, und Gebräuchen beherrschen, änderte mit ausländischer Kleidertracht ihre männliche gesetzte Denkungsart, verließ ihre reine Gesinnungen, opferte ihre Mäßigkeit, und schönste, tugendhafte Charakteristick der Ueppigkeit, und Schwelgerey auf, so wurde sie feig, lasterhaft, weich, und verzärtelt, und sank gänzlich ausgeartet, und entnervet in ihr Verderben dahin. Vaterlandsliebe, die unsere Urältern begeisterte, erlosch; Nationalstolz verschwand; Falschheit, Ränke, und Tücke, vormals bei den biederen unbekannte Gegenstände wurden zur scheußlichen Mode; Laster, und Unthaten zogen im Triumphe einher; die Nation wurde durch falsche Vergnügungen, und tändelnde Gegenstände gefesselt, welche die verschraufte [?] Politick erfand, um das Volk durch Genuß blendender Dinge zu täuschen [Damals schon? Was würde er dann heute erst sagen?], und eben dadurch den Nationalstolz zu untergraben, folglich Muth, und Freiheit vollkommen zu vernichten. 7
– […] das Volk ward elend, und dumm; Aufklärung war systemwidrig, […].
Unterdrückung ganzer Völkerschaften ward durch die Anzahl häufig geschriebener Gesetze befestiget, welche entweder dem politisch erkünstelten, mit falschem Anstriche überkleisterten Eigennutze der Gesetzgeber, oft blindem Zufalle, oder der Unwissenheit, nicht selten dem Aberglauben […] ihren Ursprung zu verdanken hatten; heilig beschworene Landesverträge trat man hingegen mit Füssen; […].“ 8

Leopold Hartmann übergeht hierbei zwar, daß die „alten Deutschen“ (Germanen) sich einerseits sicherlich in häufigen Stammesfehden befanden und überdies gar keine „Nation“ bildeten, auf die sie stolz hätten sein können, sondern allenfalls ein Volk ähnlicher Natur und (somit!) ähnlicher Sprache, das (auch daher) unter der Regierung der Naturgesetze, der heidnischen Götter und eben der engbegrenzten Ausrichtung ihrer Stammesfürsten und Könige stand, und keinen Staat im eigentlichen Sinne bildeten, sondern eher im Sinne einer Kleingartenkolonie, in deren weiterer Umgebung sich derjenige noch am besten auskannte, der die Wünschelrute führte. Doch eben diese Zugewandheit an das Natürliche ist für ihn in gewisser Weise bereits eine Nation. Es dürfte dann aber ein Zusammenhalt geherrscht und keine Stammesfehden gegeben haben, was die einzige Nachlässigkeit ist, die seiner Argumentation anzukreiden wäre.
Diese Stammesfürsten bezeichnet er letztlich aber als weiser und gerechter als die Fürsten und Regenten/Regierenden seiner Zeit bis um 1788, die ihre Kleinstaaten innerhalb der Nation teils eben so despotisch betrieben, wie vormals das übergeordnete römische Reich die Welt regierte. Daß nun 140 Jahre später einer wie Hitler und seine Mitbevollmächtigten, vorausgesetzt sie hätten L. Hartmanns Schrift gelesen, dieselbe völlig falsch verstanden haben und umgekehrt benützt haben, dürfte klar offen liegen; schließlich waren sie versucht, unter dem Vorwand der Rückbesinnung auf nationale Werte ein neues Reich nach römischem (und eben nicht germanischem) Vorbild zu bauen. Auch vor einem solchen Größenwahn und Mißbrauch warnt L. Hartmann übrigens ausdrücklich; die Textpassage liefere ich ggbf. an dieser Stelle noch nach.

Sitte und Sittlichkeit

Leopold Hartmann ist dabei allerdings kein Kritiker einer hirarchischen Ordnung (vom Untertanen über Fürsten, Grafen, Herzoge bishin zum Obermächtigen Kaiser), sondern ein Beobacher des Sittenverfalls der Untertanen, herbeigeführt allerdings durch die sittenwidrigen und untugendhaften Charaktere ihrer Obertanen.

„Ohne sittliche Ordnung kann die wirthschaftliche sich nicht erhalten; weil die Blüthe eines Staates, die Glückseligkeit jeder Nation geradezu von der Güte der Sitten abhängt, ohne landwirthschaftliche hingegen kann auch die sittliche nie bestehen, weil ohne zureichenden Vorrath von Nahrung keine menschliche Gesellschaft je vollkommen glücklich werden kann, so wie ohne Sitten selbst der größte Überfluß dem Menschen nur ein unedles, bloß thierrisches Leben verschaffet.
In einem Staate, in welchem der Unterthan nicht willkührlich durch fürstliches Privatinteresse [oder das Interesse der Lobby, die er vertritt] unterdrücket, oder despotisch behandelt wird, wo die Gesetze zu dessen wahrem Wohl abzielen, und nicht auf Egoismus gegründet sind, wo Tugenden allgemein blühen, werden gewiß alle Stände auch in dem wirthschaftlichen Gesichtspunkte den glücklichsten Fortgang gewinnen, und der Wohlstand der Nation sich täglich vergrößern.“ 9

Dieser Verfall wiederum entsteht durch ihren Mangel an Vaterlandsliebe und ihrem Hang zur egoistischen Selbstermächtigung (wie eben auch die Politik unserer Zeit sich ständig selbst ermächtigt), dem Eigennutz und final dann ihren despotischen Denk- und Handlungsweisen. Dazu weiß sogar wikipedia mal etwas Verständiges zu vemelden: „Despotie ist aber nicht auf die Monarchie beschränkt, denn auch in einer Republik können Gewalthaber [!] zeitweise despotisch auftreten, wenn es ihnen gelingt, lediglich nach ihrem Willen die Geschicke des Volkes zu bestimmen. Daher entspricht in der moderneren Typologie politischer Systeme die totalitäre Diktatur der Despotie.“ VI

Privatinteresse, Eigennutz der Herrschenden

Somit empfehle ich L. Hartmanns Text so zu lesen, als seien die hier erwähnten Regenten eines Fürstenstaates mit den Ministern (Dienern!, ministre, lat. = dienen) und ihnen übergeordneten eigentlich regierenden Häuptern (im Sinne egoistischer Privatinteressen) gleichzusetzen.

„In manchem Staate hat die Politick verschiedene öffentliche Lustbarkeiten und Ergötzungen erfunden, um dadurch dem Volk den Druck des Despotismus unfühlbarer […] zu machen, folglich jeden Gedanken an quälende Mißhandlungen durch angenehme Zerstreuungen gleich in seiner ersten Entstehung zu ersticken. – Doch welche Nation sollte wohl eigentlich so dumm seyn, nicht zu fühlen, daß Ketten allemal Ketten seyen, ob sie nun vom Golde, oder geradezu vom Eisen sind, da man ja bey einer sochen unseligen Lage, selbst im herrlichsten Palaste eben so wie in der dunklen, elenden Hütte Sclav der Mächtigen, und ihrer harten, auf Egoismus, Eigennutz, und fürstliches Privatinteresse gegründeten Gesetze, und Befehle wird?“ 10

„Nichts schlägt hingegen den Nationalstolz, und die Vaterlandsliebe mehr danieder, als wenn bloß wenige, einzelne, oft unverdiente Männer, welche am Staatesruder sitzen, auf dem Postamente des Ansehens, und der Ehre stehen, aber den Bösewicht im Busen tragen, in einem leichtsinnig regierten Staate das Ganze ausmachen, da mittlerweile alle übrige Bürger, selbst die verdientesten, aufgeklärtesten, redlichsten Patrioten unangesehen, verachtet, und verfolget leben müssen, die meisten Unterthanen maschinenmäßig behandelt werden, und  Volkesglückseligkeit nebst Gesamtwohlfahrt durch Privatinteresse gänzlich verdrungen wird.“ 11

Das Problem, das dieser Entwicklung zugrunde liegt ist u.a. also die Gesetzgebung, sagt Hartmann und hat nicht Unrecht. Und wer ist der Gesetzgeber in unserer Nation Deutschland? Zum einen die Minister (Stammesfürsten) zum andern die übernationalen Herscher (Rom) in Europa. Daher würde die Vernichtung der Nationalstaaten in den Sittenverfall aller europäischen Völker übergehen und nur dem Interesse ihrer wenigen Herrscher/Regierenden dienen, die ein vorbildliches Mehr an Tugend gar nicht im Sinn haben. Und die wenigen Fürsten oder auch Wirtschaftsfürsten, die das Allgemeinwohl tatsächlich im Auge haben, werden durch ihre Diener hintergangen, wie folgt:

„Erhabene, rechtschaffende, großmüthig denkende Minister werden […] nie niederträchtige Schmeichler, elende Dummköpfe, oder gefährliche Bösewicht [zu Fürsten] zu erheben suchen, welche, leider! in manchem Staate ohne gesammeltes persönliches Verdienst durch Bestechungen, oder Heucheley nicht selten ihr Glück gemachet haben. – Die tägliche Erfahrung beweiset es, daß derley zu öffentlichen Aemtern angestellte schädliche Leute nicht ihrem Fürsten, sondern geradezu ihrer Börse dienen [LOBBYISMUS!].“ 12

„Denn derley schädlich gesinnte, gefährliche Leute sind im Stande, Fürsten, Vaterland, Freunde, und Anverwandte gleichgiltig aufzuopfern, wenn sie nur dadurch Privatvortheil erhaschen, Geld erobern, und sich mit elastischem Gewissen bereichern können.“ 13

Es ist also durchaus übertragbar. Nationalstolz oder die Vaterlandsliebe verhindert das Treiben despotischer Obertanen dann, wenn sie nicht auf den Schultern einer oder zwei Nationen ihre Ziele verfolgen können, sondern auf den Schultern eines ganzen Staatenbundes; man muß inzwischen schließlich größer denken. Und das eben ist die Entwicklung die sich abzeichnet, so daß der heutige Zustand weiterhin mit alten Worten beschrieben werden kann:

„Bey diesen traurigen, schaudervollen Ereignissen wird Nationalstolz aus Vaterlandsliebe unter einem solchen unglücklich gemachten Volke nie mehr im Ganzen aufleben können, und die zu Zeiten im Einzelnen erscheinenden Spuren werden bloß der Fußstapfe eines verirrten Fremdlings seyn, auch sich allemal der seltene, wahre Patriot mit dem ungerechten Namen eines Sonderlinges gestempelt, unbilligst herabgesetzet, äußerst verfolget, und genöthiget sehen, oder zu schweigen, oder sich freywillig aus seinem Vaterlande zu verbannen, damit er nicht die Zielscheibe der Kabale, und öffentlichen Verfolgung werde.“ […] „Dieß dörfte die Hauptursache seyn, daß es in manchem Staate durch viele Klassen der Stände statt ehrlicher, verdienstvoller Männer Bösewichte, Betrüger, Verräther, Schurken, und Tartüfe gebe, die den Untergang des Vaterlandes, und ihres Fürsten geflissentlich zu befördern suchen, sonderbar, wenn sie sich dadurch bereichern, und ihren schändlichen Eigennutz unterstützen können.“ 14

Daß die Vaterlandsliebe/der Nationalstolz nichts anderes ist, als eine Bekenntnis zur eigenen Natur, aus welcher die Kultur erst entsteht, die ihre Gleichberechtigung neben allen anderen natürlich Kulturen enthält, und eben nicht dem wahnhaften Nationalstolz der NationalSozialisten entspricht, das wird von L. Hartmann zudem ausdrücklich beschrieben und als Credo seiner Abhandlung auch im Ganzen deutlich.
Berücksichtigend die Umstände seiner Zeit, konnte er seinen Text denn auch
mit einer hoffnungsvollen Aussicht* beschließen, die aufgrund der Konstellation und der heutigen Umstände für uns leider nicht mehr besteht. Daher wird das moderne Europa, an welchem die Grünen nunmehr bauen, nach dem Abbau des alten Europas, zuletzt und nach etlichen Leidübertragungen in andere Länder und Kulturen katastophal untergehen. Holadiho.


*
„Hoffnungsvolle Aussicht“ – die hier aber weggelassen wird, stattdessen nehmen wir einen anderen Teil für unseren Beschluss:

„So lange einzelnes, und allgemeines Wohl der Unterthanen der redliche Wunsch, die eifrigste Bemühung, die ununterbrochene Sorge, die wärmeste Lieblingsneigung der Regenten war, und ertheilte wenige, wohlthätige Gesetze, weit entfernt von dem Privatinteresse der Fürsten, bloß, und allein zum Glücke der Völkerschaften abzielten, und keinen Bürger mißhandelten, eben so lange waren auch die Nationen glücklich, frey, und nicht an das Joch harter, oder willkürlicher Befehle sclavisch gefesselt. – Aber kaum wurden diese schönen Verfassungen, diese ersprießlichen Absichten mittelst unächter politischer Staateskunst, und machiavelischer Grundsätze verdreht, und zu einem eigenen, höchstschädlichen Systeme verkünstelt, so wichen solche von dem Grunde, auf den Gott die Wohlfart der Menchen gesetzet hatte, und das Glück der Nationen sank stufenweis dahin. – Despotische Regierungen, auf Eigennutz, und Egoismus abzielende Gesetze schlugen ganze Völker danieder, Vaterlandsliebe wurde entnervet, jeder patriotische Trieb ersticket, und Nationalstolz gieng zertrümmert zum Grabe.“ 15


Quellenverzeichnis

Internetseiten:

I Rubicon News: Das Elitenprojekt, https://www.rubikon.news/artikel/das-elitenprojekt
II Lost in EU: Was die EU jetzt braucht, eine Wahlempfehlung, https://lostineu.eu/was-die-eu-jetzt-braucht-eine-wahlempfehlung/amp/
III World Economy: Wir haben gerade ein politisches Erdbeben erlebt. Werden wir in einem völlig anderen Europa aufwachen? – Prof. Alexander Sosnowski im Gespräch mit Willy Wimmer, Staatssekretär a.D (26.05.2019), URL: https://www.world-economy.eu/details/article/wir-haben-gerade-ein-politisches-erdbeben-erlebt-werden-wir-in-einem-voellig-anderen-europa-aufwach/ (Stand letzter Aufruf 27.05.2019)
IV Adelung Wörterbuch, http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Adelung&mode=Vernetzung&lemid=DN00589#XDN00589
V Tacitus, Germania http://www.latein-imperium.de/include.php?path=content&type=&contentid=100
VI https://de.wikipedia.org/wiki/Despotie

Schriftwerke:

1 Hartmann, Leopold Freyherr von: Abhandlung von dem Nationalstolze aus Vaterlandesliebe, dem Grunde zur wahren Größe, und zum Glücke der Staaten, … Schriftenreihe: Abhandlungen der landwirtschaftlichen Gesellschaft zu Burghausen; 1788, Seite 8
2 Hartmann (1788): S. X
3 Hartmann (1788): S. 23
4 Hartmann (1788): S. 1
5 Hartmann (1788): S. 5
6 Hartmann (1788): S. 17
7 Hartmann (1788): S. 20
8 Hartmann (1788): S. 21
9 Hartmann (1788): S. 24
10 Hartmann (1788): S. 20-21
11 Hartmann (1788): S. X
12 Hartmann (1788): S. 11
13 Hartmann (1788): S. 13-14
14 Hartmann (1788): S. 29
15 Hartmann (1788): S. 27

Detailierte bibliographische Angaben zu Hartmanns Abhandlung:

Autor: Hartmann, Leopold (1734-1791)
Titel: Abhandlung von dem Nationalstolze aus Vaterlandesliebe, dem Grunde zur wahren Größe und zum Glücke der Staaten : … /
Untertitel: von Leopold Freyherrn von Hartmann, Ritter des königl. schwedischen hohen Vasa Ordens, churpfalzbajerischem adelichen geheimen- und Regierungsrathe beständigem Vicepräsidenten der Gesellschaft sittlich- und landwirtschaftlicher Wissenschaften zu Burghausen, verschiedener Academien, und Gesellschaften Mitgliede
Schriftenreihe: Abhandlungen der landwirtschaftlichen Gesellschaft zu Burghausen; 1788
Anmerkung: In Fraktur
Vorlageform der Veröffentlichungsangabe: Burghausen, gedruckt bey Jakob Lutzenbergers, churf. Reg. Buchdr. sel. Erbinnen. München, zu finden bey Joseph Lentner, Buchhändler unter dem schönen Thurme
Seitenanzahl: (34)*
Erscheinungsort: Burghausen [u.a.]
Verlag/Drucker: Lutzenberger [u.a.]
Erscheinungsjahr: 1788
Fundort/Standort: Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Signatur: 8 OEC I_609_2_9
Online-Ausgabe: http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN583147666
Titeldaten, OPAC: http://opac.sub.uni-goettingen.de/DB=1/PPN?PPN=583147666
Angaben zum Autor:

*Hartmanns Abhandlung umfasst 34 Seiten.
Dem folgen nach: Schwelgerey Seite 34-52/Ueber Lektüre S. 53-91/ Von den Maykäferwürmern S.


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