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Entwurf vom 10.01.2018

Daß einem als Admin eines blogs unter wordpress.com, wie unter anderem hier und hier zu vernehmen, allmählich die Lust sowohl am blog als auch am gesamten Internet-Getue vergeht, kann ich gut nachvollziehen, schien wordpress doch immerhin noch einer der wenigen kreativeren Gestaltungsbereiche in diesem vermeintlich freien Gebiet Internet zu sein, deren Mitgestalter alle Internetseitenbetreiber sind und deren Verhalten schwerwiegend dazu beiträgt, wohin oder in was dieses (Gottseidank sowieso nur künstliche und daher völlig unbedeutsame) Konstrukt sich entwickelt.

Mit wordpress.com zu arbeiten macht jedenfalls schon länger keinen Spass mehr, spätestens nachdem man dem Bearbeitungsbereich (dashboard) ein plinky-pinky Administrations-Babywindeltisch entgegensetzt hatte, was vermutlich die meisten Autoren als besonders vorteilhaft erachteten, weil diese aufs smartphone wie aufs guugle-net ausgerichtete Funktionalität ihnen noch mehr clicks versprach.

Ohnehin dürften viele Internetseiten inzwischen als altmodisch gelten – feststehende Flächen sind nicht mehr besonders reizvoll, sondern muß man im Kopfbereich raumfüllende Bilder haben, die wie ein Theatervorhang hinauf und hinab sausen, je nach dem, in welche Richtung der Leser (Eventparkbesucher) scrollt, außerdem zur Ankurblung der nötigen ohnehin nicht mehr natürlich ausgerichteten Aufmerksamkeit nach links wie rechts wegfleuchende oder übereinanderhuschende Wechselbilderchen, die für die nötige Schiebetür-flutschflutsch-Begeisterung sorgen, wenn wir sie auch nur mit dem linken Zeh der Maus aus Versehen berühren.

Dazu drückbare Symbole und lustige Motivknöpflein statt geschriebener Hinweise, die nämlich deswegen ohne Worte auskommen, weil es dem Reifegrad der meisten Besucher im Angleich an die moderne Welt – im Grunde der Gesellschaft – jedoch allerdings ganz gewiss nicht dem der Blogbetreiber entspricht, deren spirituelle Begnadung oder auch politische Gelahrsamkeit schließlich weitaus höher steht und es ihnen nicht nur erlaubt, sondern gerade zu gebietet, jeden stylishen Unfug mitzumachen, dazu auch immer noch ein fake-book-konto zu haben, mit amazon-partnerprogrammen zusammenzuarbeiten, google oder allein das UnWort googeln zu benutzen, wenn sie Internet oder Recherche meinen, kurzum sich mit all dem gemein zu tun, dem sie angeblich kritisch gegenüberstehen oder dem sie, aufgewacht wie sie sind, selbst-verständlich immer einen Schritt voraus sind, ebenso wie der Leserschaft, die noch nicht so weit ist, wie der Richtung Licht voranschreitende oder gar directe aus dem Wahrheitsbottich heraus bloggende Pionier.

Zum Zwecke der Wahrheit oder wenigstens der Aufklärung ist alles genehm. Durch die Nutzung der dargereichten neuen Flutsch-Technik bereitet der blogger seiner Leserschaft nämlich per parallaxähnlichen Scroll-Effekten eine noch desto bessere Fläche zur erforderlichen Auferweckung, insbesondere wenn er ihnen seine Kenntnis von spirituellen Themenbereichen (die sein nach spirituellen Anfangschritten bereits angeknackstes Ego per Umschulung und ausgiebiger Studienreise durch esoterische Gebiete wieder zur Vormachtstellung verhelfen) zur Überflug-Lektüre anbietet.
Aber auch der politische Aufklärungsblogger findet allein durch seine überdurchschnittliche Durchblickerei die Rechtfertigung, jedweden Auswuchs der modernen Slider-Technik nutzen zu können, gar förmlich zu müssen, denn die Wahrheit, in deren Kenntnis er sich ja befindet, ist der Technik immer einen Schritt vorausgeschlitten; was ihm durch die stets hinterherhinkende Leserschaft auch regelmäßig bestätigt wird.

Allerdings muß er auch regelmäßig – mindestens alle Tage (denn die Hoffnung, es sei noch nicht aller Tage Abend, ist zu nähren) – einen neuen Happen auswerfen, sonst verliert das Rudel schnell das Interesse an ihm, bzw. der hellen Strahlkraft dieses Aufgewachten, die dann aufgrund der fehlenden Reflektion durch die Leserschaft auch schnell wieder abnimmt.
Und plötzlich ist es wieder dunkel im Kämmerlein, bis auf das technische Gerät, das um ihn herumber noch desto heller leuchtet und bunter blinkt, vor allem im Dunkeln, was immerhin die Einsamkeit event/uel erträglicher macht.

Deswegen überleg ich z. B. auch schon länger, ob ich nicht doch meine Internatseite mal wieder öffnen sollte.


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