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Notizbucheintrag vom


Die Selbstprojektionsfläche Internet hat als Publikationsbereich und Ort der Selbstdarstellung zunehmend an Attraktion verloren. Die Anziehungskraft scheint gleichwohl noch da zu sein, jedoch strahlt sie dem Publizisten eben nur als ein Licht des Widerscheins entgegen, dessen Ursprung letztlich, wenn er genau hinsieht, in der Bedürftigkeit dieses Mitteilungswilligen (oder im Wollen dieses Mitteilungsbedürftigen) liegt. Getragen oder angetrieben von diesem Bedürfnis/Hang/Drang/Zwang läßt er weiterhin seinen Blick über diese Publikationsfläche schweifen, doch findet er keinen Anknüpfungsort oder keinen freien Feldbereich mehr, der ihm tief genug erscheint, um sein Werklein getrost hineinsetzen zu können, umso weniger, je mehr an dem Werklein bereits Wurzeln hängen, die zurück ins eigene Innere führen. (Oder als verlängerte Abhandlung paralell dazu verlaufen) Dennoch schenkt er dem Bildschirm, aus dem das alles so attraktiv widerscheint, mehr Beachtung als dem Papierbogen (oder als Leser dem Buch) gleich daneben, befüllt jedoch beides nicht mehr; den Bildschirmbereich nicht, der ihm eine potentielle Aufmerksamkeit (vermeintliche Anerkennung) verspricht und auch das Papier nicht, das seit Erscheinen des Internets weniger Attraktion auf ihn ausübt, und allwo es vermutlich nur desto einsamer zugeht. Jedoch eben realistischer, was die angebliche Wirkung seines Tuns betrifft (von wegen Aufklärung, Verbesserung der äußeren Umstände und dergleichen Einbildungen; welchselbige er Zeit des Papierbefüllens nie hatte, und als solcherlei Verlockungen noch nicht vorhanden waren)
Den Mut also, und so die Kraft, sich wieder ins Papier zu begeben, wird er dann aufbringen, wenn er einsieht, daß er dem durch den Bildschirm strahlenden, vermeintlichen Tiefenbereich mit seinen vielfachen Verlockungen deswegen verfallen ist, weil es eben nur diese Verlockungen waren, die in Resonanz zu seinen ebenso vielfachen/vielseitigen Illusionen standen; somit die Anziehungskraft dieses vielversprechenden Bereichs ihn nur noch weiter ins Illusorische führten; zuletzt in die Irre, da er von Anfang irrte, und er, so gut wie jeder andere ebenda, sich bloß als ein Teil-Ausdruck des allgemeinen globalen Irrgetüms gebahrend, durch selbige kreuz&quer irrend, verausgabte. (Deren viele sich im Zuge der Verausgabung bald noch desto mehr haben vereinnahmen lassen)
Wenigstens konnte es in diesem vermeintlich tiefen, in Wirklichkeit aber flachen, oberflächlichen, gänzlich wirkungslosen Bereich Internet zu keinem Schaden in der Tiefe gekommen sein, und selbst wenn es sich ein bißchen so anfühlt, so ist auch das letztlich nur eine Täuschung gewesen, bzw. Einbildung.