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Verfasst am 01. März 2017


In Anlehnung:
Meine Rede auf dem Medien-Zensur-Symposium „IN MEDIAS REST“


Relationsschreiben zu unserer freiwilligen Mitarbeit bei CORRECTIV und der Überlegung eine hierzu erforderliche fakebook-Seite zu gründen

dem erschrocknen Leser zur Beruhigung ausführlich kund getan
und allen Wahrheitszeitungen zuliebe in gleichsamiger Entwirrung weiterer Weltengeflechte
mit unterschiedlichen Abschweifungen in diese und jene Gegend
ergänzt und beschrieben
von

Jermain Foutre le Camp
anni domino 2017


Die Skandalmeldungen um die Ultimative Freiheit Online reissen offenbar nicht ab. Nur wenige Monate nach dem verheerenden Publikationszwischenfall kursiert bereits ein neues Gerücht um unseren Hang zur selbstverherrlichenden Publikationspraktik. Eigenen Wahnvorstellungen zufolge hätten wir jetzt nämlich auch noch die Gründung einer facebook-Seite in Erwägung gezogen, was ja auch stimmt – aber doch nicht, um der arg gebeutelten alternativen Medienszene zur Seite zu stehen! Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben schließlich die Seite gewechselt und möchten den Mainstream-Medien zugehören und dafür ist ein Facebook-Beitritt unabdingbar. Deswegen machen wir das doch nur – um der geliebten Wahrheit willen!

Zu diesem Zweck hatten wir uns zunächst mit der Censoren-Companey „Correctiv“ in Verbindung gesetzt, um gemeinsam mit ihnen und ihrer Handvoll Mitarbeiter auf sogenannte fake-news bei facebook Jagd zu machen. Da sind wir übrigens nicht so schwach aufgestellt, wie es zunächst den Eindruck macht. Welcher Rückendeckung ich mir bei der Zusammenarbeit mit Correctiv nämlich versichert sein darf, kann man inzwischen → in diesem Bericht¹ nachlesen; unterdessen erzähle ich hier schonmal ein bißchen weiter:

Nach dem ersten Vorstellungsgespräch (das zunächst auch ganz im Sinne meiner Vorstellung abgelaufen ist) kamen wir jedenfalls überein, daß unsere Zusammenarbeit nur dann ihren Erfolg zeitigen würde, wenn wir es nur richtig anfüngen. Lediglich gab es einige Differencen bezüglich der Begriffs-Bestimmung, insbesondere bei der Wortconstruktion fake-news, ein Begriff, der mich sehr stutzig machte. Denn wenn ich über eines verfüge, dann über eine ganz ausgeprägte Begriffsstutzigkeit, was mir auch schon häufig bestätigt wurde!

Und diese unterschiedliche Art der Begriffsauslegung war dann auch der Grund dafür, daß die gedachte Zusammenarbeit zwischen mir und correctiv letztlich scheiterte. Schade eigentlich, daß sie nicht auf mich hören wollten, als ich ausführte, man müsse doch beim Auslöschen von Lügenberichten zunächst zwischen fake-news und false-news unterscheiden. So sei es zwar nicht ganz falsch, fake zu sagen, doch wäre es richtiger, false zu sagen, also falsch; um nicht zu sagen: falsch ist das richtige Wort. Und wenn falsch das neue Wort für richtig wäre, dann wäre das Wort richtig falsch. Das heißt, falsch ist richtig und richtig ist falsch, das sei schließlich worum es in dieser Welt doch ginge. Aber das wollten die letztlich nicht verstehen.

Na, wie auch immer! Wenigstens werden nun alle Autoren, Schreiber und Textproduzenten, als auch alle Federspitzer, Tintenkleckser, Tastentänzer und sonstigen Schmierfinke, die über facebook gänzlich andere Nachrichten zu verbreiten versuchen, als die führenden Medienhäuser, erstmal aus diesem sozialen Netzwerk verbannt. Das finde ich sehr erstrebenswert, denn auf diese Weise kommt alsbald zusammen, was zusammengehört.
Ja, ihr habt euch richtig verhört: Mir ist das einerlei, daß die nun bei facebook aufräumen und ich hätte so gerne dabei mitgemacht, einem Lügenbold nach dem anderen das Licht der Schreibti-schlampe auszuknipsen.
So hatte ich das übrigens auch in meinem Bewerbungsschreiben formuliert, was die Herren offenbar so gut fanden, daß sie mich gleich zum Essen einladen wollten. Dachte ich erst! Sie meinten aber nach Essen, wohin ich dann auch stracks meine Reise antrat; und so vereinbarte man mit mir als Treffpunkt eine neutrale Lokalität Nähe des Bahnhofs, allwo ich dann zunächst einem Abgesandten als Vertreter des Correctivs vorstellig werden sollte.

Diese Lokalität aber war entgegen meiner Hoffnung weder ein italienisches Restaurant, so wie sich das für consperative Treffen ja gehört, noch wenigstens eine gemüthliche Gaststube, sondern eine von jenen neon-pink-türkis belichteten Puffduft-Wasserpfeifen-Zentrifugen, allwo die luftblubbernde Schicki-Yuppie Gemeinde auch schon wieder als eine dementsprechende Pfeifenkopf-Gemeinschaft beisammen stund und ein orientalisches – mir sonst durchaus gefälliges – hier allerdings nur idiotisch nachgeäfftes (fake!) Lebensgefühl zu erleben glaubte; zumal anstelle handgeknüpfter Perserteppiche nur wieder die Flachbildschirme hingen, worin sich die üblichen a la mode Stars und Sternchen so aufdringlich nach außen projiezierten, daß sich die im Raume Anwesenden gleichsam anschickten, als deren ebenbildliche Contrafecte noch desto geiler aufzufallen, derweil jene, dem gedachten kulturellen Ambiente gestaltsam eher zugehörigen Figuren, sich auch nicht gerade sonderlich original-orientalisch gebärdeten, sondern in blutengen bis über die Knöchel hochgeklappten Jeans-Strumpfhosen auf die ebenso in Tütenwurst-Hosen gezwängte Frauenwelt starrten, so daß sich mir vor allem diese Männerschaft bestehend aus internationalen und deutschen Helden (von denen nicht wenige mit ihren entweder glattgewachsten Designerbärten oder sonstwie hochaccurat rausgeschnitzten Guillotine-Gesichtern aus diesem rosa Dunstnebel besonders repräsentabel hervorleuchteten) gemäß der drei gängigsten Wasserpfeifen-Varianten in Standard-Köpfe, Einloch-Köpfe und Power-Bowl-Köpfe als eine dementsprechende Ansammlung von hohläugigen Pfeifenköpfen dann auch insgesamt darstellte, ja sisha!

Auch gab es entgegen meiner bald beigesetzten Hoffnung nichts weiter zu essen, als die üblichen scharfspitzichten Natschos und auf leuchtende Plastikstäbe gesteckte Oliven, die nicht nur aussahen wie von Autoreifen abgefallene Gummi-Noppen, sondern auch so schmeckten!!!

Und so, wie mir damals diese im LED-Licht beständigen Nebulschwaden der unterschiedlichsten Puffdüfte die Nebenhöhlen in vernebelte Höhlen umgewandelt hatten und ich deswegen sehr unconcentriert nebel mir saß, kann ich heute auch nicht mehr versichern, ob das Gespräch mit dem Abgesandten von CORRECTIV auch wirklich genauso abgelaufen ist, wie ich es mir hiermit nun aus der Erinnerung zurückrufe:

Der Abgesannte begrüßte mich kurz und bat mich, ihm also darzulegen, welche Ambition ich denn hätte, ihrem Journalisten-Verbund beizutreten. Dazu sagte ich, daß ich zwar bereit wäre, ihnen als Journalist ein wenig zu helfen, doch kämen sie nur in Genuss einer solchen Unterstützung, wenn man mir ein Positiönchen in dem Projekte zusicherte, bei dem es darum ging, Jagd auf fake-news bei facebook zu machen.

„Denn“, so führte ich aus: „ich finde, die fake-news gehören aus dem asozialen Netzwerk verscheucht, vor allem damit es wieder sozialer werde. Sozial bedeutete doch schließlich insgesamt dies: barmherzig, mitmenschlich, gemeinnützig, gesellschaftlich, uneigennützig, selbstlos, human, karitativ, politisch, hilfsbereit, fürsorglich, wohltätig. Und da es nun in unserer Gesellschaftsform in diesem Sinne sozial zugeht, muß von den Behütern dieser Wertegesellschaft darauf geachtet und systematisch dafür gesorgt werden, daß es in einem sozialen Netzwerk ebenso zugeht, vor allem wenn es sich hierbei um einen gesellschaftsrelevanten Bereich mit 1,86 Milliarden Mitgliedern handelt.“ Eine gemeinschaftsdienliche Zusammenarbeit, so führte ich weiter aus, könne schließlich nur gewährleistet sein, wenn alle sich nach den vorherrschenden Gesellschaftsnormen richten, gleiches gilt für die politisch soziale Betätigung. Jeder mit gegenteiligen Ambitionen und alle, die darinhalben den sozialen Frieden gefährden, hätten daher zunächst aus facebook zu verschwinden. Das werde in der Gesellschaft schließlich ganz genauso unternommen. Ein soziales Netzwerk, zumal von dieser Größe und internationaler Bedeutung, müsse daher auch genauso gestaltet sein, wie unsere Gesellschaft, denn es ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft, und so müsse es auch ganz logischer Weise in der gleichen Art und von denselben Lenkern dirigiert werden.

„Und das ist doch, was Sie von Correctiv ebenso meinen, auch wenn Sie es vermutlich anders ausdrücken würden, oder?“, schloss ich also, was mir der Abgesandte, die Brille per Zeigefinger zurecht-tippend, mit einem „Das ist korrekt“ aber auch sofort bestätigte.

„Schön. Und da es so ist, daß gemäß wikipedia (das sollte als Richtlinie doch genügen) ‚Laut einer Langzeitstudie der TU Darmstadt und der TU Dresden im Jahr 2014 in Deutschland rund 91 Prozent aller Online-Nachrichten der Mediengesellschaften über die Facebook-Like und Teilen-Buttons verbreitet wurden‘, kann es für Sie, die Sie in erster Linie Journalisten sind, zunächst nur das gesellschaftsdienliche Ziel sein, hiervon die fakenews zu vertreiben und unsere führenden Medienhäuser als Hauptinformationsportale wieder besser zu etablieren, schließlich werden diese von den gleichen Firmen und Institutionen finanziert oder subventoniert, denen zu dienen jeder facebook-User insoweit stillschweigend zugestimmt hat, als daß er als persönlicher Verteilerkasten entsprechender Waren- und Meinungswerte benutzt werden darf.
Ist das korrekt soweit?!“

„Ja, das ist soweit korrekt.“

„Und während über diesen Weg durchaus auch fragwürdige Produkte umworben und verkauft werden dürfen, darf es bei Nachrichten und daraus entstehende Meinungen nicht so sein, da diese ja kein Geld oder nicht ausschließlich Geld einbringen, derweil über Warenverbreitung durchaus auch immer die Meinungen an den Mann gebracht werden können, die unsere Gesellschaft gerade am nötigsten hat. Und das dürfte doch auch in etwa dem entsprechen, was Sie in etwa so denken. Auch korrekt?“

„Auch korrekt.“

„Sehen Sie! Und deswegen brauchen Sie meine Hilfe.“

„Wieso?“

„Wieso „wieso“?“

„Hm?“

„Naja, wieso auch nicht? Jedenfalls wollte ich sagen, daß dieses recht aufwendig erscheinende Unterfangen zwar im Prinzip sehr leicht zu bewerkstelligen ist, vor allem aufgrund und mithilfe der bereits ins facebook platzierten und wechselseitig installierten Verbund-Elemente. Doch können Sie mir nicht erzählen, die facebook-Säuberung sei ihr hauptsächliches Ziel – ich meine, das kann ja nur die erste Phase Ihres gesamten Vorhabens sein. Weil, das ist doch Unfug. Man posted die Fake-Artikuln schließlich zunächst auf eine richtige Internetseite und von da aus geht der Schitt mit zweidrei Clicks ins fakebook. Demnach man eigentlich die Internetseiten zensorieren müsste. Ist doch so, oder Herr Zensemorienmeister?“

Endlich sagte er dann, er wisse nicht so ganz, worauf ich hinaus wolle. Die „Korrektur-Arbeit“ sei eigentlich nur eine Nebensache. In erster Linie sei Correctiv ein Verbund von ernstzunehmenden Journalisten, meinte er, um dann, in sein Heftchen blickend, wiefolgt fortzufahren:
„Wir wollen aufklären. Wir sind das erste Recherche­zentrum in Deutschland, das unabhängig, werbe­frei und nicht-gewinnorientiert ist. Nach unserem Verständnis ist der Kern des Journalismus, Miss­stände aufzudecken. Deshalb recherchieren wir zu Korruption im Gesundheits­wesen, zu Machtmissbrauch von Politikern, zur wachsenden sozialen Ungleichheit und zu einer Oberschicht, die glaubt, Regeln würden nur für andere gelten. Damit wir arbeiten können, brauchen wir Menschen, die uns unterstützen. … “ [1]

„Ich vermute über Mitgliedsbeiträge und Spenden der Mitglieder?“, fragte ich zwischenrein, was er sogleich bestätigte. Aber nicht nur. Mehr Geld käme von den Stiftungen. Zum Beispiel von der „Brost-Stiftung in Essen, die uns in den ersten drei Jahren mit insgesamt drei Millionen Euro unterstützt hat. Weitere bedeutende Förderer sind die …“

„Moment habe ich das richtig gehört! Eine Million pro Jahr? Wie kommt man denn an soviel Geld?“

„Das habe ich doch gerade vorgelesen. Von der Brost Stiftung.“

„Ja,ja ich weiß. Aber die Stiftung. Woher bekommt die denn das Geld?

„Woher die Stiftung das Geld bekommt? Ich weiß auch nicht. Ich kann Ihnen aber versichern, daß sie nur mildtätigen Zwecken dient. Frau Anneliese Brost, als deren Gründerin, ist nämlich eine sehr anständige Dame gewesen.“

„Ich weiß, das finde ich auch. Mit der Anneliese Brost Stiftung hatte sie wirklich nur Gutes vor und das auch alles im übersichtlichen Rahmen. Auf ihrer schönen Webseite wird das schließlich auch so gesagt: Die Anneliese Brost-Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar mildtätige und gemeinnützige Zwecke. Sie fördert insbesondere die Jugend- und Altenhilfe sowie Kunst und Kultur in Essen und im Ruhrgebiet, heißt es dort.“[2]

„Ja, nicht wahr, Herr le Camp? Eine feine Dame mit Herz.“

„Auf jeden Fall. Das war sie bestimmt. Dann aber gibt es ja noch die Brost-Stiftung. [3] Diese Stiftung wurde am 1. Juni 2011 gegründet, also 8 Jahre nach der im Jahr 2002 von Anneliese Brost gegründeten Anneliese Brost Stiftung. Und 9 Monate nach ihrem Tod.
Von welcher der beiden bekommen Sie denn nun Ihr Geld?“

„Äh von der Brost-Stiftung. Mein‘ ich jedenfalls.“

„Aha, sehen Sie, das wollte ich doch nur wissen.“

„Das hätten Sie aber auch auf unserer Webseite nachlesen können.“

„Weiß ich doch. Hab ich doch. Die Webseite finde ich zwar weniger schön, wegen diesem neumodischen Klipp-Klapp-Wischiwischi-Unfug, aber ansonsten bin doch sehr beeindruckt von der Anziehungskraft, das Ihr Unternehmen auf stiftungswillige Institutionen ausstrahlt. Deswegen wollte ich das ja auch gerne nochmal mit Ihnen besprechen:
Das Jahr 2015 war schon nicht übel, aber im Jahr 2016 gings ja erst richtig los. Allein schon die 925.000 € von der Brost-Stiftung sind eine Menge Holz. Dazu 114.000 € von der niederländischen Stiftung Adessium und 103.900 Euro von der Schöpflin Stiftung, da kann man schon was mit anfangen – oder sind diese Zahlen nicht korrekt? Dann korrigieren Sie mich bitte.“

„Doch, die sind korrekt.“

„Gut! Dann noch:
54.750 € von der Deutschen Bank AG,
51.900 € von der Stiftung Vielfalt und Partizipation für Lokaljournalismus,
35.000 € von der Rudolf Augstein Stiftung,
19.350 € von der Bundeszentrale für politische Bildung,
18.500 € durch die GLS Treuhand e.V
und 10.000 € vom Journalismfund.
Immer noch korrekt soweit?“

„Ja doch.“

„Desweiteren 10000 Ören von Google Germany GmbH, 12.000 Tacken von RTL Television GmbH und 30000 Eier von der Open Society Foundation. Auch korrekt?“

„Nein, das ist nicht ganz korrekt, da haben Sie die Angaben auf unserer Internetseite wohl einfach gerundet: Es waren 9.758 € von Google Germany GmbH, 12.014 € von RTL Television GmbH und 26.884 € von der Open Society Foundation.“ (die wiederum obigen Journalismfund fördert)

„Komisch.“

„Wieso?“

„Bislang waren das alles immer recht glatte Beträge. Warum auf einmal so plötzlich derart krumme Zahlen? Zumal die nächsten kleineren Beträge ja auch wieder glatt sind:
5.000 € vom ZDF,
5.000 € vom Verband der PSD Banken e.V.,
4.760 € von der Deutschen Gesellschaft für Informationsfreiheit e.V.,
4.250 € von Pro Rauchfrei e.V.,
4.000 € von der Konrad Adenauer Stiftung,
3.000 € von Rotary Hilfe e.V.,
3.000 € von der Stiftung Erneuerbare Freiheit,
2.000 € vom Zeitenspiegel Reportagen Reinhardt & Partner,
1.785 € von Gruner + Jahr GmbH & Co KG und
1.500 € von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
Alle weiteren unter 1500 lassen wir mal weg.“

„Ich verstehe nicht.“

„Na wo die glatten Summen schön,
sind schief die krummen anzusehen.“

„Hä?“

„Na hier: 9.758 € von Google, 12.014 € von RTL, 26.884 € von der Open Society Foundation und 2.571 € von der Heinrich Böll Stiftung. Alle anderen enden aber auf Null oder Fünf. (Angaben gemäß Correctiv [4] und einprozent.de [5])
Sind das vielleicht nur symbolische Zahlen, sowie vielleicht mancher Kleinbürger mal lustige 33 Euro 77 spendet, statt glatte 35 €? Oder ist das eine vielleicht brutto und das andere netto?“

Tja, und als er daraufhin zum Handy griff, um vermutlich die Sache nochmal nachzufragen, da schrawante mir schon, daß es mit meinem Bewerbungsgespräch wohl kein Gutes Ende nehmen würde, denn kaum hatte er seinem Telefonpartner unseren Gesprächsverlauf geschildert, gab er nur noch so kleinlaute Verlautbarungen von sich, wie „…verstehe, ja.., ok, …gut, …verstehe, ja… mache ich“ und wirkte, so mit gesenktem Haupt dasitzend, auch arg niedergeschlagen.
Dann holte er tief Luft und wandte sich nach viel Räuspern wieder an mich:

„Herr le Kamp, wenn Sie mich als Vertreter von Correctiv interviewen wollten / dann hätten Sie dies auch so anmelden müssen / Aber wir verstehen das / es ist kein Problem für uns – Wir sind vollkommen transparent / Und haben nichts zu verheimlichen / Da Sie sich aber bei uns bewerben wollten / wäre es / in Vertretung Ihres vielleicht künftigen / meines aber noch gegenwärtigen Arbeitgebers / eigentlich an mir gewesen / vorab gewisse Eingangsfragen an Sie zu stellen / Statt mich von Ihnen gleich so einlullen zu lassen –
So ein Mist.“

„Oh bitte um Verzeihung, ich wollte Ihnen da keine Unannehmlichkeiten bereiten. Ich finde das nur so spannend bei Euch und hätte noch soviel mit Ihnen zu besprechen. Aber Sie dürfen ja nicht! Am besten Sie rufen nochmal da an, dann reisse ich Ihnen das Handy aus der Hand und spreche selber mit dem.“

„Sie sind ja lustig. Neinnein, das geht nicht.“

„Ach kommen Sie schon. Es wird schon nichts passieren. Sie werden am Ende auch vom Chef wieder gelobt werden. Daß Sie es überhaupt im Gespräch mit mir derart lange ausgehalten haben und so. Außerdem findet das meiste davon wahrscheinlich sowieso wieder nur in meiner Phantasie statt, so war das bis jetzt immer. Na los, wählen Sie schon. Sagen Sie ihm einfach, ich hätte Sie unter Androhung von Gewalt dazu gezwungen.“

„Sie wollen mir doch nicht drohen?“

„Ach iwo denn! Ich hab doch Argumente. Vielleicht kriege ich die Sache ja auch noch hingebogen. Wir stehen doch alle miteinander auf der Seite der Guten.“

Tja, und so hatte ich dann wohl den Chef persönlich an der Strippe und er wirkte sogar recht freundlich auf mich, vor allem auch aufgrund von wegen seim Akzent. Lediglich wollte er sich von der Unabdingbarkeit meiner Beihilfe nicht gleich überzeugen lassen. Inzwischen hatte er nämlich meine Person überprüfen lassen und dabei rausgefunden, daß ich ja selber nur unglaubwürdige Dinge schrübe und fake-news verbreiten tät! Nun, das stimmt ja auch, wendete ich da ein!
„Gerade da“, führte ich dann aus, „liegt das Kind doch begraben! Das ist nämlich der springende Hund! Man muß das Pferd nur eben von hinten aufbäumen oder wie das heißt. Verstehen Sie?“

„Nein, ich glaube Sie wollen uns nur auf den Arm nehmen.“

„Stimmt! Beziehungsweise das wirkt nur so. Ich will Ihnen nur sagen, Sie gehen die Sache völlig falsch an. Sie stechen die Falschen aus dem facebook raus. Sie sind der Wahrheitsbewegung gehörig auf den Leim gegangen.“

„Quatsch.“

„Doch. Denn nicht die Großen sind das Problem, sondern die Kleinen. Will sagen: Die Großen sind die Kleinen. Die Großen tun nur so. 8000 Leser am Tag, 20000 Zugriffe! Da denken Sie doch, die muß man zuerst cashen oder nicht? Große Zugriffszahlen, viel Publikum, an die muß man ran. Oder? Hallo? Ich habe Ihnen eine Frage gestellt. An die muß man ran. Oder? ODER!!?“

„Ist ja schon gut. Jaja, sicher.“

„Sehen Sie! In Wirklichkeit stimmen diese Zahlen aber nicht! Sie haben sich blenden lassen! Was Sie da weglöschen sind Peanuts. Derweil liest die große Menge bei den vermeintlich kleinen blogs.“

„Ach was, Sie spinnen.“

„Nicht im Leben! Sie wissen doch selbst: Diese Internetseiten verbreiteten fake-Nachrichten. Die Informationen sind hauptsächlich alle falsch, wie Sie ja wissen. Aber alle anderen Angaben lassen Sie ungeprüft? Sie sind vielleicht naiv. Wo bleibt Ihr Sinn fürs Correctiv?“

„Wie meinen Sie das?“

„Na, Sie haben doch mit links herausgefunden, daß mit meiner Internetseite fake-news verbreitet werden. Soweit ist alles klar. Jetzt werfen Sie aber mal einen Blick auf meinen Besucherzähler. Na?“

„Knapp 55000.“

„Klicks. 55000 Klicks in 7 Jahren. Peanuts, was?“

„Kann man so sagen. Nicht gerade viel. Geradezu unbedeutend.“

„Und nun hängen Sie nochmal 4 Nullen dran. Und?“

„Fffü…boh!“

„Genau. Jetzt hat’s Click gemacht, was?“

„Sie meinen Sie hätten… Sie haben doch nicht etwa…“

„Die Zahlen gefälscht? Selbstverständlich. Das ist ja der Trick. So, jetzt wissen Sie wenigstens schonmal, mit wem Sie es hier zu tun haben. Und was die vermeintlich Kleinen können, das können die vermeintlich Großen schon lange, nur umgekehrt. Caprese?“

„Hä?“

„Na, ob Sie das kapiert haben, verdorrinocheins!“

„Ah, ich glaub Sie meinen capisce.“

„Ja ist doch alles derselbe Salat. Wissen Sie nun von was ich rede?“

„Mh: nicht nur deren news, sondern auch die Besucherzahlen sind gefaked?“

„Na klaro! Alles fake! Falsch ist Richtig und Richtig ist Falsch. Das wissen Sie doch selber.“

„Herrje! Und wat nu?“

„Keine Panik auf der Titanic. Und keine Satire auf dem Papiere. Weil jetzt komm ich ja ins Spiel. Verstehn Sie? Ich gehe auch nach facebook. So ein facebook-Konto ist schnell eingerichtet und der zum allgemeinen Erwachen der Menschheit erforderliche Verteilerkasten-Fan-Club ja innerhalb weniger Wochen aufgebaut. Nichts leichter als das. Haben ja alle anderen auch gekonnt. In Nullkommanichts hätte ich meine erstunkenen Berichte, Lügen-Postulate, cabinet-Nachrichten und unglaubwürdigen Circularschreiben auch dieser Gemeinde fortan unter die Nase gerieben, diesmal aber mit dem Endergebnis, daß sie als Unwahrheiten endlich mal offiziell anerkannt und nicht mehr wie vorher von etlichen tausend Lesern unkritisch geliked und gelobet, sondern von zwei ehrbaren Denunzianten an die entsprechenden Instanzen gemeldet werden. Um dann nämlich was zu tun? Jetzt sind Sie wieder dran. Na los schon.“

„Was zu tun? Ich weiß nicht.“

„Na nichts. Nachdem ich denunziert worden bin, verkünden Sie schlicht, diese Schriften sind nicht fake-news, mögen sie im facebook bleiben. Folge: Meine Gemeinde wäre geschockt. Denn wenn Correctiv öffentlich aussagt, meine Artikel müssten nicht gelöscht werden, dann sind es ja Artikel, die den Mainstream-Ansichten weitestgehend entsprechen. Woraufhin dann alle etlichen tausend, die mein Geschwurbel vorhin noch für die alternative Wahrheit gehalten haben, mir geschockt den Rücken zukehren!

Und nicht nur mir, ihrem persönlichen Wahrheitsboten, würden sie fliehen, sondern auch allen in meinem Wahrheitswind mitsegelnden Internetseiten, die ich mir inzwischen wie Fanwimpel an den Karren gehängt hätte, würden bald ihre Leser verlieren. Denn wenn man schon der führenden Wahrheitsseite kein Wort mehr gläuben kann, wie kann man dann noch dessem Anhängsel und anderen Wahrheitsrandgruppen trauen, die zudem ja den Großteil nur nachplappern? Sehen Sie? Wenn Sie mich nicht löschen, verliere ich an Glaubwürdigkeit bei meiner Weltengemeinde und die entflieht mir dann. Das sind aber Hunderttausende, wie ich Ihnen ja gerade schon erklärt habe.“

Und so, wie ich ihm meine Vision also grundehrlich darlegte, blieb ihm vor lauter curiöser Bewunderung offenbar das Wort im Halse stecken, lediglich sagte er nur ab und zu „Naja, sehen Sie…“, oder „Ja schon, aber…“, doch das interessierte mich alles gar nicht mehr, so gut war ich inzwischen in Fahrt mit meiner Rede.

Irgendwann hat er dann wohl aufgelegt und wie ich dem Abgesandten sein Handy zurückgeben wollte, war der auf einmal verschwunden, stattdessen saß ich plötzlich inmitten von den ganzen Pfeifenköpfen. Und da quatscht mich dann auch noch einer von der Seite an, ob alles gut sei, worauf ich aber sofort erwiderte, ob er etwa mit mir redet oder was!?


In Anlehnung:

Meine Rede auf dem Medien-Zensur-Symposium „IN MEDIAS REST“

false oder fake: Ein Plädoyer für das Durchzensieren von facebook

Empfehlung:

Der Bock gärtnert: Correctiv soll FakeNews für Facebook „jagen“, sciencefiles vom 17.01.2017

Verweise Im Text:

[1] http:// correctiv.org/recherchen/

[2] http:// anneliese-brost-stiftung.de/die-stiftung/unsere-foerderung/

[3] http:// www.broststiftung.ruhr/stiftung/

[4] http:// correctiv.org/correctiv/foerderer/

[5] https://einprozent.de/correctiv-das-zensurwerkzeug-der-elite/

Nachtrag seit VÖ:

Journalistenwatch vom 09. Januar 2018 → „Correctiv“: So arbeiten die selbst ernannten Richter der neuen Fakenews-Inquisition | Jouwatch

propagandaschau vom 03. Mai 2017 → Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant: David Schraven (Correctiv)


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