Entwurf vom 07. Februar 2017


Die Schriftsprach ist bereits ein Abzweig. Der Schreiber ist ein Abzweiger, und dazu soll er stehen. Am besten auch einsehen, daß er, je mehr er schreibt, am Zweig sägt, er auf dem er sitzt.
Nachdem so lange kunstvoll daran geschnitzt.

zur Überarbeitung in ein neutralum Textum einstweilen hierhin abgezweigt

aus dem Kommentar

An Donnerlicht:

Ich kann es [nämlich] durchaus gut nachvollziehen, wenn man mit dem Urheber-HinundHer nichts zu tun haben will und sich von vornherein also davon ausnimmt. Konsequent dann auch, daß dem Übernehmer auf den Namen des Urhebers zu verzichten erlaubt wird. Aber irgendwie auch schon seltsam, daß dies wieder nur der Urheber so bestimmen kann.

Aber okay,
wenn der Schreiber selber bestimmt, seine Texte (bzw. Text-PRODUKTE…, denn manche wissen gar, wie man Geld damit macht) dürfen nicht nur ohne Namensnennung übernommen, sondern gar umgeschrieben werden, so ist dies eine durchaus anzuerkennende Stellungnahme zu der mühsamen Debatte.
Ernsthaft, ich hatte das auch mal so überlegt, mich aber dann für das absolute Gegenteil entschieden. Warum? Weil es ebensowenig schadet und im Prinzip letztlich deutlicher im Angesicht aller ist. Ich meine auch für den Leser. Den meisten ist es möglicherweise egal, doch würde ich als Leser zum Beispiel bei Familie Glänzer ein schönes Bild entdecken, dem eines Deiner Gedichte anbei gestellt wurde, so dächte ich wohl, dies habe nun Familie Glänzer geschrieben.
Das mag auch noch jedermann egal sein, doch bald käme vielleicht ein Lob von mir, wie schön, ergreifend oder berührend ich insbesondere die Texte doch fände. Ich meine, nichts gegen die Fotos, aber die Zeilen berühren mich doch viel mehr. So wäre meine Rede. Da wäre es nun an ihr (sofern sie nicht, trotz Freifahrtschein den Urheberhinweis vorab gegeben hätte) die Sache aufzuklären. Welch ein Umstand!
Oder man gibt es eben nicht an, auch umstänlich nachträglich nicht, das ist ihr ja – bzw. jedem – freigestellt. Sie könnte es so lassen. Und der nächste dann auch. Z.B. einer, der den Text übernimmt, und zwar mit Foto, denn das gehört ja zu dem Text. Ist doch alles für alle da.
Oder, auch nein, das Foto hat ja einen Urheberhinweis. Dann gilt das wohl auch für den Text? Obschon eigentlich auch wieder nicht. Oder? ach egal, bedient euch, kleistert einfach alles überall hin! Konsumenten, die täglich was Neues vor die Augen brauchen, gibts genug. Anbei verkaufen wir ihnen per Zusatzwerbung Schrott. Das Foto hat alle Qualitäten viral zu werden, bei fakebook zum Beispiel. Das bringt Geld. Am besten mit dem komischen Text, aber leicht verändert, also schreiben wir doch statt „Blumenwiese“ lieber „Arschmattraze“, das zieht mehr Publikum!

usw., und sorry für die Ausfälle, ich rechne nur hoch. Man könnte das jedenfalls noch ewig fortspinnen und Beispiele aufführen, was nicht alles aus anderen Zwecken gestohlen wird.

Wie gesagt, ich habe durchaus inneres Verständnis dafür, das man sich aus diesem HickHack lösen möchte, bzw. erst gar nicht da hineinwill und eben diese Lösung wählt, die Du also vorstellst.
Nach vielen Überlegungen und inständigen Krisen, habe ich mich aber für’s andere entschieden.
Der Kerngedanke hierbei ist aber nicht ein egozentrischer, nach dem Motto, ‚ICH bin er Autor und einzige Erschaffer dieser hochanzusehenden Schrift-Gedanken.‘ Nein, das ist so nicht, denn wer sagt denn, daß der Schreiber selbst seinen Senf besonders schmackhaft findet? Das Gegenteil ist oft der Fall – Zweifel sind immer da, es sein denn, er ist völlig von sich eingenommen.
Die Worte sind nicht seine, aber die Worte, die er wählt, sind sozusagen seine, zudem aus seiner Feder geflossen, und in seinem Kopf zurechtgeformt worden – und dafür, wie für den Inhalt, den er veröffentlicht, damit es gelesen wird (sonst würde er es nicht veröffentlichen) dafür übernimmt er Verantwortung. Wie schon beim Schreiben. Und wie beim Schreiben, so auch beim Veröffentlichen. VerantWORTung. Von wegen Lob und Anerkennung und deswegen das Personalpronomen. Quatsch. Verantwortung. Nicht Schluderei.
Der Name des schreibers (es muß kein echter sein, denn es ist tatsächlich alles KUNST, also künstlich) gehört dazu. Zu dem Kunstwerk. Erstmal jedenfalls, bzw. solange der Künstler, oder Produzent, es noch selber in der Hand hat.
Der Name des Werkelnden gehört zum Werk, finde ich. Es sei denn es handelt sich bei dem Schreiber um Gott „persönlich“. Um den reinen Urgeist, der durch einen schreibenden Menschen strömt. Selbst dann müßte er aber auch das noch wenigstens drunterschreiben. Daß es sich hierbei um Gottes Wort/Werk handelt und nicht um des Schreibenden, der zur Zeit des Schriebs unter Namen ABC dasselbe verrichtete. Ganz Gott, oder eben ein durchweg hohler Channel. Das ist kein Parfüm! Es handelt sich hierbei um Kanalmeister Husibusi in Vertretung von Erzbengel Blabiel. Und mit Gottes Wort oder dem reinen Geist, kann bekannterweise ja jedermann auch anstellen was er will, jaja!
Was natürlich UnFug ist.
Ich weiß, Du bist nun nicht so ein Kanalmeister wie ich gerade aufführte und durch den selben zog. Sondern wohlmehr ein Poet vielleicht oder Schreiber oder wie auch immer. Aber ich finde eben, auch da gälte das so. Ja noch mehr, in der Literatur oder Poesie, etc.

Denn die Schriftsprach ist bereits ein Abzweig. Der Schreiber ist ein Abzweiger, und dazu soll er stehen. Am besten auch einsehen, daß er, je mehr er schreibt, am Zweig sägt, er auf dem er sitzt.
Nachdem so lange kunstvoll daran geschnitzt.

LG
Jermain Foutre le Camp
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zur Überarbeitung in ein neutralum Textum einstweilen hierhin abgezweigt

 

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