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Bedauernswerter Leser!

Heute ist also der Tag gekommen, für den mein hochgedachter und sehr vermisster Brotkrummengeber Herr Wohlhochgeboren Urbald Freiherr Oberhand einst verfügt hatte, sein großspuriges Schriftwerk in öffentlichen Druck zu geben, demnach dieses Lust- und Leseschloss wieder zu eröffnen; sowie nicht zuletzt ja auch mein Tintenfässlein.

Zwar –

hatte er nie befohlen, dies insgesamt alles zu verriegeln, doch mich eben im Zuge seiner (vermutlich) letzten “vernüglichen Reise in die fernstgedachten Gefilde” recht hilflos zurückgelassen, so daß ich mich – davon stark verunsicherlicht – stracks hinter die hiesigen Mauern verkrochte und einstweilen mucksmäuschenstill im Innern verharrete; nämlich hatte er vor seiner Abreise dies recht großspurige Schriftwerk verfasst, daran sich, wie er anordnete, etwaige Besucher erst nach seiner Anherokunft erkiesen dörften, oder – GOtt möge diesen Tag noch lange hinauszögern – im Unglücksfall seines endgültigen Abtretens von dieser jämmerlichen Weltenbühne.

Es handelt sich bei diesem Schriftwerk um die sogenannte „Nothwendige General Schreiber-Ordinance wider die Schreibtisch-rebellion, etc.“, die Wohlhochgeboren in Ausübung seiner obersten Regierung gegenüber meine geringe Person zur Entkräftung meines fortwährenden Widerwillens gegen die Schreiberei verfasst hatte, vermutlich auch, um damit meinem zuletzt sehr verstärkt aufkommenden Fluchtgebahren ein Ende zu setzen.
Allerdings war er bei diesem Unterfangen bald selber an die Grenzen seiner Schreibefähigkeiten gestossen, im Zuge dessen er offenbar nicht wenig über dem Papier verzweifelte, woraufhin er also mich einberufte, sein Werk an den (etlichen!) Stellen „ein wenig auszubessern und gewissenhaft ins Reine zu schreiben, wo es hier und da vielleicht noch von Nöthen ist“.
Sobald er von seiner Reise wieder zurück arriviert sei, hätte ich es ihm zur Durchsicht vorzuzeigen, auf daß wir es dann gemeinsam herausbrächten. Käme er zum angedachten Zeitpunkt nicht zurück, so solle ich noch ein paar Monate ins Land ziehen lassen, so wie auch er vielleicht noch weiter durchs Land zöhe, dann aber, nach dieser Frist, könne ich vom besagten Unglücksfall seines endgültigen Abtretens von dieser jämmerlichen Weltenbühne ausgehen und jene Schrift als wie seine Hinterlassenschaft publique machen.
Auch könne ich dann – unter Einhaltung aller Bestimmungen, Richtlinien und Verpflichtungen seiner General Schreiber-Ordinance – auf diesem Schlosse walten wie ich wölle, da er dieses ehrenveste Gebäu in meinen Besitz zu überschreiben gedenke, die Vollendung und gleichsame Publikation seines bestimmten Machwerks vorausgesetzt, in welchem er somit testamentarisch verfügt hätte, daß ich in Funktion seines dienstwilligen Hofscribenten dazu verpflichtet sei, es „ohnverzüglich allen gewillten bis zufälligen Besuchern zur trostreichen Befriedung zugänglich machen”, sobald der Zeitpunkt seiner Anherokunft verstrichen und er also verblichen ist.
Erst wenn das getätigt wäre, sei ich im Schreiben frei und könne mich als Herr des Schlosses bezeichnen oder auch davon lösen, um noch freier zu sein, kurzum: mich erst nach Veröffentlichung seines durch mich fertiggestellten Schrieboriums wieder ins eigene Werk begeben; lediglich befürchte ich, es wäre dann der Kummer über seinen Verlust zu groß, und ich könnte gar nimmer mehr ein Wort schreiben, außer vielleicht an irgendeinem verregneten Sonntag die letzten Verse meines darob unlängst schon begonnten Trauer-Carmens fertig zu komponieren, innerlich zerrüttet von den Zweifeln, wozu dies öffentliche Lustgebäu ohne seine Potenz überhaupt noch gut sein soll.

Gleichwohl mir eindeutig klar ist, daß es auch keinen Leser besonders interessieren dürfte, wie sehr ich insgesamt darunter gelitten, seiner Schreiber-Ordinance eine anständige Struktur zu verleihen, geschweige denn seine unsägliche Schmier-Schrift überhaupt zu entziffern, bin ich damit nun regelrecht gezwungen, mich der besagten Schrift hinzuwenden und zeitgleich als wie seine Hinterlassenschaft „in öffentlichen Druck zu geben“, demnach alle mir darin auferlegten Pflichten, als aber auch meine Rechte festzuschreiben, welche nämlich: „vermittelst der untrüglichen Leskraft aller curiösen Liebhaber solcher Werke durch den offenen Druck erst geltend werden.“

Was nun darin enthalten und womit ich zeithero nicht alles im Kopfe zu ringen habe, das sei – noch während ich mich daran abmühe – an diesem Orte einzusehen:

→ Sumpfgeschicht Teil 2: Nothwendige General Schreiber-Ordinance wider die Schreibtisch-rebellion, Kap. I


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