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Verbesserter und ergänzter Entwurf nach einer Vorlage aus dem Jahr 2015
oder weiß der Geier wann das war

Relationsschreiben
an alle Besucher so sich kürzlich die Finger an unserm Tor wundgeklopfet*/
in ausfürlicher Beschreibung der Umbstände/ derentwegen Schateau d’UFO einst kurzer Hand verschlossen und für so lange Zeit verriegelt ward/
mit rücksichtiger Erwiderung auf wiederholt eingereichte Erlaubnisgesuche/ die ehedem geschlossene und somit  fast der ganzen flüchtigen Welt bislang bereitgestellte ultimative Freiheit online extraordinärri einsehen zu dörfen/
und warum dies nicht gestattet werden könnte

*und evtl. weitere, die ohne anzuklopfen gleich weitergezogen


Geplagter Leser,

Da ich der einzige Bediente an diesem hiesigen Schlosse bin und somit, sobald es mir einmal nicht gut ergeht, das ganze Gebäu in eine schwere crisis gestürzt wird und keinem Besucher etwas neues vor die Augen geschrieben werden kann, hatte mein gnä. Herr & Brötchengeber Wohlhochgeboren Urbald Freiherr von Oberhand einst die Überlegung anberaumt, ob nicht noch weitere ehrbare Kämmerdiener einzustellen solche Notlagen zu überbrücken verhüllfe, doch schon konnte er an meinem Gesicht auch ablesen, daß es mir dann hier insgesamt zu enge würde, zumalen ich gleich nach seiner Aussprache vor Schreck das Tintenfass umschmiss, was ihm offenbar Zeichen genug war, denn gleich sagte er: „Lassen Sie’s nur gut sein, keine Sorge, Sie bleiben mein einziger Hofscribent“.
Auch er hält ja im Übrigen nicht viel davon, mehrere Schreibstuben unter einem Dache einzurichten, da sich, wie er sagte, „der ein oder andere oftmals einen Wettbewerb darüber einbildet, wer im Schatten der großen Hauptfahne jeweils das längste Wahrheitsfähnchen hat aus dem Stubenfenster hangen.“

Zudem gäbe es zwar „die unterschiedlichsten Tinkturen“, doch geschrieben würde bald „mit frisierten Federn“, denn unter der großen Hauptfahne herrsche bald ein stillschweigender Konsens, „aus dessem Schatten kein Fähnchen je heraus ragen dörfte, wollte es nicht zurechtgestutzt werden“.

Wie auch immer,  es blieb dieses Lust- und Leseschloss eben nicht aufgrund des Mangels von Nothelfern verriegelt, sondern aus anderen unterschiedlichsten Gründen, woraufhinne eine große Zahl Besucher sehr bedenkenswürdig zwischen 1 bishin zu 7 mal in Folge um Erlangung der Rechte baten, im dasigen Lesesaal des chateau d’ufo lustwandeln zu dürfen.
Das wäre nun über einen Privatweg wohl möglich gewesen – welcher zwar mit Klettensträuchern zugewachsen ist und ein verriegeltes Gatter erschwert den weiteren Zugang – doch besteht im Reiche WordPress ja die Möglichkeit, jedwedem Ankömmling gezielte Schlüssel unter einen eigens hierzu bereitgestellten Blumentopf zu übermitteln, damit er fortan in sämtlichen Gemächern dieses im Grunde doch schon auf den ersten Blick sehr deutlich als privat deklarierten Rückzugsortes dennoch herumgeistern könnte, ohne daß er (wie es sich unter höflichen Menschen geziemt), gezielt dazu eingeladen worden wäre.

Nun bietet das Reich wordpress jedem an unserm Reichsflecklein vorbeiziehenden Wanderer von sich aus an, reichszugehörig zu werden, jedoch ist die Bewilligung des Lustwandelns innerhalb der einzelnen Herzog-, Fürstentümer, Grafschaften und dergleichen Blogbereiche den jeweiligen „Eigentümern“ dieser Reichsflecken vorbehalten und kann möglicherweise aufgrund dieser unklaren Besitz und Eigentumsverhältnisse nicht vom Beschützer und Mehrer dieses großen Königreichs WordPress selber ausgegeben werden.

Es wird also keinen Erfolg zeitigen, wenn Sie sich diesbezüglich per Bittschrift an Ihro Mäjes. wenden, was ohnehin zunächst eine Zugehörigkeit zum Reiche selber voraussetzte. Daß sich der herrenlose Wanderer und anderes loses Gesindel einen Beitritt in wordpress sehr erwünscht, ist verständlich, wenn man sich einmal das Ausmaß seines Machtbereichs bestaunt ansieht; immerhin powert es inzwischen 27% (neu 2018: 30%) dieser Welt – wer möchte da einem solch großmächtigen Gebiet nicht zugehören?

Doch eben dies kann ich als „Eigentümer“ dieses kleinen Reichsfleckens, auf den mein Herr UFvO einst sein Schatto gesetzt hatte, ja nicht vergeben, so sehr der herrenlose Wanderer es sich auch wünscht. Auch eben deshalb mußte ich Ihnen allen diesen extraordinäri Zutritt verwehren; und eben nicht unbedingt weil ich vermutete, Sie schleppten irgendwelche pestilösen Vira mit ein, sondern weilen ich Ihnen dazu die Reichszugehörigkeit zu wordpress abverlangen würde, während Sie mein Fleckchen Erde wiederum auch ohne diese Zugehörigkeit betreten könnten (was eben auch die herrenlosen unregistrierten Herumstreuner mit einbezöhe, die ansonsten vor meinem Tore verhungerten), wenn ich es nicht als privat deklarierte, sondern mich, bei Verzichtigung auf meine Privatsphäre, als öffentlich dem Reich wordpress zugehörig zum Behufe der sonst verhungernden Herumstreuner diesem Reich noch vor ihnen unterwerfe; usw., welch eine moralische Mühle dies jedenfalls mitunter sein kann, das kann ich dem Besucher gar nicht erklären. 

Daher soll es mir genügen, noch einen anderen Grund für die Versperrung vorzugeben, der nicht minder verzwickt aber besser zu erklären ist. Nämlich konnte ich gar nicht das Tor öffnen, allein aus dem sehr betrüblichen Grunde, daß mein gnä. Herr & Brötchengeber Wohlhochgeboren Urbald Freiherr von Oberhand schon seit langen Monaten nicht mehr am Schlosse zugegen war und es mir Zeit seiner Abwesenheit ohnehin nie gestattet ist, neue Artikuln ans teütschlesende Licht zu stellen oder ersatzweise mein ewiges Bündel längst vergilbter Flugschriften weiterhin vom Balkon zu schleuderen.

Desweiteren, und das ist wohl der ent-scheidende Teil, hatte seine Wohlhochgeborenheit noch vor seiner Abreise ein recht großspurig Schriftwerk* verfasst, doch dürften sich, wie er anordnete, etwaige Besucher erst frühestens nach seiner Rückkunft hero daran erlaben, oder eben – GOtt möge diesen Tag noch lange hinauszögern – im Unglücksfall seines endgültigen Abtretens von dieser jämmerlichen Weltenbühne.
Erst dann also, wenn diese schlimme Befürchtung zur Gewissheit geworden, dürfe ich sowohl seine Hinterlassenschaft publique machen, als auch mich selber wieder ins Werk begeben; lediglich wäre dann der Kummer über seinen endgültigen Verlust so groß, daß ich gar nimmer mehr ein Wort schreiben könnte, außer vielleicht an einem verregneten Sonntag die letzten Verse meines darob unlängst schon begonnten Trauer-Carmens endlich fertig zu komponieren.

Da aber seine ersehnte Wiederkunft längst überfällig ist, hatte ich aus vielen Zweifeln, wozu dies öffentliche Lustgebäu ohne seine Potenz überhaupt noch gut sein soll, einstweilen alle Tore geschlossen und konnte nichts weiter tun, als der unwahrscheinlichen Rückkehr meines vermissten Hrn UFv Oberhand zu gewarten oder um seinen Abtritt zu bangen, was mir eben viele Sorgenfältlein verursacht, da ich seither weder eine Postkarte noch die sonst gewohnten Sendschreiben von ihm empfangen habe.
Mag aber auch sein, daß mich seine Post nur deshalb nie erreichte, weil schlicht sein blöder Botenjung im Sumpf versoffen, von welchen fatalen Untiefen dies Schloss ja fleckenweis umgeben.

Wie dem auch sei, es sind nun ein paar Ahnungen fast zur Gewissheit geworden, und aufgrund dieser ist man nicht mehr genötigt, sich die Finger am besagten Schlosstor noch ständig wund zu klopfen, obschon auch nicht zu erwarten steht, ich könne wieder lustig drauflos schreiben, damit jeder nochmal wüßte, worüber man sich in dieser Welt voll Kummer und Sorgen zu kümmern und zu sorgen hätte.

Erhoffe ich mir hierdurch eher eine vollständige Klärung aller weiteren neblichten Umstände, und mache die Ultimative Freiheit Online in aller erster Linie nur für mich vor alle Augen publique, da ich den Leser doch als Verstärkung brauche beim Michselberlesen („Während du also eigentlich dir schreibst, bist natürlich auch in erster Linie du es, der dich selber liest. Max Frisch hat das einfacher ausgedrückt: ‚Schreiben heißt sich selber lesen‘.“  / Aus dem Text Wer ist in meinem Fall schon ich, 2012, Kap. 5, Das Gesamtwerk eines Autors: Ein Prozent Essenz, 99 Prozent Beiwerk) derweil der nächste Schritt, die Veröffentlichung desselben, eben diese Verstärkung herbeiführt. Darüber werden die führenden objektiven Zeitungen dann gewiss zusätzlich noch weltweit berichten werden, welch ein Lob und Anerkennung das doch ist!; und ach, die vielen subjektiven Lobesbekundigen, Kranzbekrönungen, Fanplakate in fernen Gegenden, wo das Gemeute gleich vor stehen bleibt, als hätten sie ebenfalls nur darauf gewartet, und auch all die Honigtöpfe und allerschönsten Blumentöpfe, die dann hier vorne wieder reihenweise vors Tor gekarrt werden, da kann ich mich ja jetzt schon Pfeifepaffend drauf ausruhen!

Verbleibe daher ein total von diesem Schreibauftrag erfüllter und nur nach außen hin in unerträglich zwiespältiger Ungewissheit hockender Jermain Foutre le Camp, Hofscribent & dienstwilliger Schreibknecht Seines fortgereisten und gerade zuzeiten weltweiter Zerwürfnisse sehr vermissten Wohlhochgeboren Urbald Freiherr Oberhand, der sich den währenden Weltenuntergang vielleicht nun aus der Ferne betrachtet, wo sich aber höffentlich schon wieder neue, ganz anderwertige Aufgänge erheben, usf..

* „recht großspurig Schriftwerk“: zu finden in der Sumpfgeschicht


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