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Entwurf aus dem Notizbuch vom 09.09.2015/August 2013

Apfelmuse
(mit ein paar kleinen Stückchen aus früherer Ernte)

Texterstellung nach dem Prinzip „Erreiche ohne viel Nachdenkens das dir neulich im Hirn eingepauste Wort „Spanferkel“ als allerletztes Wort am allerletzten Ende dieses ja bislang weder geschriebenen noch überhaupt begonnten Textes“

Und los:

Ich, also der Hirnbereich, der von mir offensichtlich noch immer die Vorstellung hegt, ein Schreiber zu sein (allein darüber könnte man, bzw. ich, also der Hirnbereich, der von mir noch immer die Vorstellung hegt, ein Schreiber zu sein, im Grunde ganze Bücher schreiben) habe mich nun einstweilen dafür entschieden, die nachfolgende im frühen August 2013 begonnene Spontanerzählung kurzerhand in mein Notizbuch einzutragen und unter Umständen ebenso weiterzuführen, wie ich einst schlicht damit begonnen hatte; nämlich ohne viel über den nächsten Satz, geschweige denn den weiteren Verlauf großartig nachzudenken oder sonstwie einem vorausgedachten roten Faden zu folgen.

Es wird demnach kaum etwas Zusammenhängendes dort heraus zu lesen sein, dennoch möche ich wohl darauf achten, daß eine gewisse Lesbarkeit gewährleistet bleibt, denn auch der für sich ganz allein in seinem Kämmerlein wohnende Eigenbrödler kann, wenn er nicht schon Richtung Verwahrlosung vor sich dahinlebt, seine Wohnung für eventuellen unerwarteten Besuch (Event-Besuch) halbwegs reinlich halten, ohne gleichsam fortwährend Ordnung halten zu müssen; d.h. es können die Bilder durchaus an den Wänden schief hängen, die Bücher auf dem Boden herumliegen, die Schubladen krumm aus den Kommoden kucken, der eine Fenstervorhang geöffnet, der andere aber verschlossen sein und dergleichen Ordnungswidrigkeiten mehr.
Um solches muß er sich nicht kümmern, solange er sich selber in Alllem halbwegs wohl fühlt, denn alles ist Ausdruck seiner Lebensführung oder seiner derzeitgen Einstellung zum Leben und wofern er nicht gänzlich nachlässig mit sich selbsten geworden ist, wird ihn auch keiner aufgrund mancher Nachlässigkeit krumm ansehen, der noch über ausreichend Verständnis verfügt und erkennt, daß auch ein nachlässiges Wesen Wege gefunden hat, sich halbwegs gesund zu halten, und sich zu pflegen und auch mal zu hegen weiß.

Doch nun bin ich wieder weit von meiner ursprünglich als in die nachfolgende Spontanerzählung angedachte Einführung abgewichen, was aber nichts ausmacht, folge ich doch auch hier wieder nur den mir momentan vom eigenen Nasenwind vor den Augen hin und her wabernden Gedankenwölklein, die mir bis auf die üblichen dortheraus regnenden Unvorhersehbarkeiten (außer nur mich selber nasszumachen ansonsten) nichts weiter anhaben können.

Und so, im Augenblick des Schreibens im gemütlichen Kerzenschein vor dem Papier hockend, hab ich’s doch momentan recht gut; demnach mein inneres Motiv offenbar vielleicht die Flucht aus der herben Realität ist; was eben dasjenige Motiv ist, das jeder sentimente Schreibgesell häufig auch so in sich als Antrieb hat, dem diese Tätigkeit (die in der intensiven Ausübung aber auch mal sehr unerträglich einsam sein kann) als ein Fluchtweg hinaus aus der grauseligen kalten Welt hinein in die sicheren Gefilde des Sinnierens dient.

Genau solchem Sinnieren hatte ich mich im jüngsten August 13 einmal hingegeben, als ich in Betrachtung eines Apfelbaumes zunächst der beiden legendären Gestalten um Adam und Eva gedachte, doch, statt diesen weiter nachzuhängen, mich zunächst lieber dem Baume annähern wollte, und wie ich so auf ihn zu ging und unterwegs einen der faulen Äpfel von der Erde hob, streckte aus dessem bräunlich zermaschten Teil plötzlich ein Wurm seinen Kopf heraus und drohte mir Zeter und Mordio! rufend mit dem Zeigefinger, was ich mir eigentlich erlaube, seine Wohnung so flugs in die Lüfte zu heben, woraufhin er fast im gleichen Atemzug auch schon vor lauter Höhen- und Geschwinde-Angst so dermaßen ausgiebig runter auf die Erde kotzte, daß es nur so plätscherte und in mir ein ziemlich schlechtes Gewissen verursachte, zumal er danach sichtlich erschöpft quer über dem Apfel liegend und langem Kopf nach unten hangend so sehnsüchtig und trüben Auges gen Erdboden hinabblickte, daß mir vor lauter Mitgefühl für dieses Wesensgeschöpf fast gleichsoviele Tränen kamen wie ihm zuvor Gespei.
Aber wo jemandem die Zeit des Mitleidens gegeben ist, da kann er sie auch um ein Nötiges abkürzen und stattdessen dahingehend tätig werden, daß es dem Bemitleideten wieder besser gehe, also tat ich den faulen Apfel genau an die Stelle zurück, von wo ich ihn noch im Augenblicke vorher so unvorsichtig aufgelesen. Ach wie freudig der Wurm da jubelte und schon wieder Seilchenspringend über die buntgrünen Wiesen hüpfte!

Nun, jetzt bin ich doch wieder vom Wege abgekommen und habe die oben längst angekündigte Spontanerzählung noch immer nicht hier eintragen, lasse sie also nun endlich folgen, um dann irgendwann, vielleicht morgen, vielleicht aber auch nie, weitere Wörter in der gleichen unbedachten Weise hintan zu setzen, ohne zu denken, was es werde, oder mir im Nachhinein bedeuten soll, denn was soll man auch ewig deuteln, dünkeln, deuchten, dümpeln oder dimpeln – es sind doch nur geschriebene Worte, und diese sind gedacht nur für den Moment…

7.8.13

Die Legende um Adam und Eva einmal beiseite geschoben, fragt ‚man sich‘ (hier in Vertretung für ich mich) ja man-ich-mal, was die frühen Menschen wohl gedacht haben mochten, als sie zum ersten Mal eines Apfelbaumes angesichtig wurden, der da plötzlich etlich viele Früchte tragend leuchtend auf den Weiden stund.

Zwar hatten sie schon einige Bodenfrüchte und Kräuter kennengelernt, doch von den Bäumen wußten sie bislang nicht mehr, als daß sie in befremdlicher Weise mit den Vögeln gemeinsame Sachen machten, seltsame Klänge erzeugten und manchmal auch furchterregende Grimassen immer dann besonders schnitten, wenn man ihnen die Äste schnitt, die man schon brauchte, um damit Haus und Waffengeräte zu flechten und zu schanitzen.
So furchterregend sie im Dunkeln wirkten, so Frucht erregend wären sie am Tage gewesen, doch im Augenblick überwog im Gesichte der Betrachter noch das Ungewisse und jeder Ast-Beschnitt am Baume erforderte Mut. Das war manchmal ein gruseliges Unterfangen und aufgrund der vielen Bäume, die als ein dunkeldüstrer Wald noch vor den weiteren Weiden standen, hatten sie sich solange nicht nach dorthinaus gewagt, bis der neugierige Kunibert einmal mit langem Speer und mutigem Herzen voran losgezogen war, um zu entdecken, wo die Götter in etwa den Weltenabgrund hinplaziert hätten, oder ob es von dortaus mit den Lebenspfaden nicht vielleicht doch noch ein Stücklein weiter gehen mochte.

wird u.U. forterzählt

Als er dann von einem seiner Erkundungsgänge, einmal mehr lebendig, und diesmal sogar mit der Kunde zurückgekehrt war, daß sich dort noch weitere Weiden befinden, auf denen anderer Arten Bäume standen, als man bisher kannte, da haben sie dann nach vielen langen Unterredungen und Räucherbefragungen der guten Geister einige Krieger ausgewählt, damit sie gemeinsam mit der Seherin zu dieser neuen Welt hinausziehen und die Angelegenheit näher ergründen.
Bald in diesem neuen etwaigen Felde angekommen (ein Feld, das die späteren Römerherren ein terra-in nennen sollten), haben sie sich einem dieser Bäume schrittweise angenähert, die letzten Schritte aber der Seherin allein überlassen, die dann in einer ungefähren Luftlinie von zwei langestreckten Menschenkörpern vor einem der Bäume inne hielt, um von dort aus, ähnlich wie beim heutigen Bocciaspiel oder wie das heißt, ein paar Beschwichtigungsrunen Richtung angedachtes Ziel zu werfen und nach ausführlicher Analyse ihrer Fallposition abzulesen, was mit dem Baum vonseiten der Gottesgeister desweiteren anzustellen erlaubt, wenn nicht gar zu tun, geboten wäre.

Diese ganze Prozedey währte nun aber schon einige Stunden lang und bald wandte sich die Seherin an die Krieger mit den Worten, daß sie zu einem eindeutigen Ergebnis vermutlich erst nach Ablauf vieler weiterer Tage, wenn nicht gar mehrerer Monde gelangen würde; man solle inzwischen im Wald ein Wildschwein erfangen und alles besorgen gehen, das zur Errichtung eines längeren Lagers benötigt werde, was die Krieger sich nicht zweimal sagen ließen und schon bald hatten sie sich in die gemütlichen Wiesen gesetzt, um eins von den mitgebrachten Wildschweinen knusprig zu braten, bestreut mit sauren Beeren und süßem Fichtenhonig.

wird u.U. forterzählt

Als die Seherin gewahrte, wie die Krieger das arme Wildschwein erstechen wollten, um es bald inzwischen von viel bereits glühendem Holzfeuer am langen Spieß knusperig zu braten, da rief sie „Haltet ein!, ihr unterliegt da einem Missverständnis!“
„Wieso?“ riefen die Krieger, denen schon vor Hunger der Sabber am Mundwinkel tropfte, „watn fürn Missverständnis?!“
„Ihr sollt es nicht als wie ein Leckerbissen essen, sondern nur ein biss-chen an uns gewöhnen, wir wollen es dann an der langen Leine voraus in die fremde Gegend schicken, statt daß unserm mutigen Vorprescher Kunibert aus Versehen was zustößt, womit keiner gerechnet. Ihr derweil esset nach wie vor deutsche Bratkartoffeln mit untergemischten Brennesseln und den Spieß nutzet erst wieder, um demnächst das Wildschwein allenfalls zu pieken, damit es auch immer hübsch uns vorweg nach geradeaus läuft.“

wird u.U. forterzählt

Nun war es aber mit dem Hungerleiden der Krieger soweit gedungen, daß ihnen die Gemüthslaune schief hing und bei sich dachten „Die Seherin hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank – was sollen denn nun schon wieder ‚deutsche Bratkartoffeln‘ sein?“ Das aber bekam diese abernatürlich mit, weil sie ja auch sehen konnte, was andere dachten, doch sie zeigte Verständnis für die allgemeine Mieslaune zumal sie selber ihren Fehler erkannte: „Bratkartoffeln, ja stimmt, da bin ich wohl mit den Zeitläufen durcheinander geraten – das kömmpt erst noch auf uns zu in etlichen tausend Tägen. Vorhero aber werden wir sie erst noch Erdlinge nennen, weil sie da wie andere Wurzeln unterirdisch zu Grunde liegen, nachdem sie irgendeiner aus vermutlich englischten Landen auf unseren Platz gebracht und eingepflogen. Da sagten wir dann Erdlinge zu und bald aber auch Erdäpfel, wie mir gerade einleuchtet,“ und flugs entsprang sie mit ihrem wehenden Umhang voller Tatenlust fort in Richtung des Baumes, allwo sie ja noch die Runen zum weiterdeuten ausgestreuert.

Die Krieger kartzten sich verständnislos die Köpfe und begnügten sich mit dem Wenigen, das es im Augenblick zu essen gab, dabei auf ein Wunder hoffend, das sie sich mit der Rückkunft ihrer Seherin immer herbeisehnten.

Als sie auch bald wiederkam, da hatte sie noch mehr zu „vertellen“, wie sie witzelnd sagte, nämlich sei es mit den Englischten dergestalt gewesen, das sie sich die Chose mit den Kartoffeln eher wohl von den Niederländischen Deutschn, welche sie deswegen ja auch Dutch nennten, abgekuckt hatten, welchselbige wiederum lange Zeit von sogenannten Äppeln Stücklein schnitzelten und Bratäpfelchen daraus hervorber brieten. Als selbige aber wegen schwacher Ernte ausblieben und das Volk mürrisch wurde, zupfte der Herrscher irgendwelche Wurzeln beim Schopfe aus der Erde, welchselbige unsere vorgestellten Erdlinge seind, und schnitt sie zu vermeintlichen Erdäpfeln zurecht. Das mundete den Leuten aber noch ungemeiner und gleich sprach sich das auch herumber, bis gar nach gällisch Frankenreich, allwo sie die ganze Chose, weil sie schon Äpfel kannten, Pomme de la Pommes nannten. Ehrlich, so war dat, äh, ich meine in etwa wirds dann wohl so kommen.“

„Und mit dergleichen Fruchtgemüse haben wir es folglich zu tun?“, fragte der neubegierige Waldemar, mit der langen Hand in die fremde Gegend deutend.

wird u.U. forterzählt

… Spanferkel.


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