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Warum hier schon länger nichts erschienen?
Das frage man die Bienen.

Umtriebiger Leser,

mit diesem unvollendeten Gedichtlein möchte ich den geduldichten Leser dahingehend inspirieren, daß er möge darüber fantasieren, warum es hier auf unserem Lust- und Leseschloss zuletzt, also in der letzten Zeit (denn es ist die letzte Zeit), kaum noch etwas Neuartiges zum Lesen gab, die Ultimative Freiheit Online sämptliche Fahnen eingerollt und damit alle Schriftprodukte gänzlich vom Markt der Märkte gezogen hatte.
Es werden sich demnach etliche Leser auch ganz gewiss gefragt haben, warum der Schreiber sich plötzlich ins Schweigetuch an zu hüllen fing, zunehmend verstummelte und bald gar keinen Piep mehr von sich gab.
Warum schreibt er bloß nicht mehr? Ist ihm wohl die Feder geborsten, die Tinte zu Kopfe gestiegen? Will er nicht, kann er nicht, darf er nicht?
Dergleichen Fragen dürften also inmitten des Geläuts aller Weltuntergangsglocken im Schwange gewesen sein, welche ich allerdings nicht aus diesem Grunde überhörete, sondern weil es bislang noch keiner gewagt hat, sie ganz konkret auch mal direkt an mich zu richten. Doch vielleicht war das auch besser so, hätte es mir doch an concreten Argumenten gefehlt, meinen wankelnden Entschluß ausreichend zu zementieren.
In ähnlicher Weise wankt bekanntermaßen auch die Welt, die derzeit offenbar ‚verstärkt‘ aus den Fugen gerät, und da hiermit viele andere Einbildungen ebenso auseinanderbrechen und wir Schreiber nichts dagegen unternehmen können, entsteht vielleicht so etwas wie Unmut.

Ein Grund für meinen andauernden Unmut wäre gewiss das Elend der Welt gewesen oder die fortwährende Unterdrückung bishin zur üblen Abschlächterei alles Lebendigen und Wesenswerten dieser Erde und so die daraus erfolgende oder mithin längst erfolgte Depression in Anbetracht der ausgemerzten und fortan fehlenden inspirativen Elemente im Äußeren, sozusagen die Auskehrung des Musentempels, wasgestalten bei gleichzeitiger Bangigkeit vor den eigenen Ängsten im Innern zu einer der Ordnungsliebe geschuldeten Zuflucht in die Verstandeswelt führte, woraufhin der ohnehin schon stets vernachlässigte innere Sprachgarten zunehmend bald dermaßen verkümmerte, daß sein einstiger Blumenduft verging und insgesamt so sehr nach Fäulnis an zu stinken fing, daß es wiederumb dem sinnesabhängigen Hirn vermittelte, hier auf meinem verkümmerten Hinterhof sei es bald genausowenig noch auszuhalten, wie in der abgestumpften Außenwelt, die wir immerhin noch mit aller einfallslosen Sprachgewalt redlich verfluchen und verurteilen können, bis unser innerer Wesenwert vor lauter herumgespiener Abscheu immer mehr ins Betrübliche rutschte und statt, wie noch einst in Jugendjahren, aus dem holden Gefässe des inneren Quells zu schlürfen, das selbe vor lauter Gespei mit Gift und Galle nach und nach abfüllte, wonach das gesamte Gebräu insgesamt schon wieder nach den Säften der eigenen Ängste schmeckte, die man umso mehr nun verabscheute und eine Selbstinfragestellung verursachte, deren Beantwortung jeder Verstand sich striktemang entzog, damit er nicht gänzlich verloren ginge; sich dannenhero beleidigt verkrochte und auf alle Tage diesbezügliche Aussagen verweigerte, was bald zur totalen Verstummung führte!
pffhh..

Immerhin aber sorgte das für Ruhe im Gebälk, damit endlich Gott, oder wie der nochmal hieß, auch mal wieder zu Wort kümme, was er vielleicht umso deutlicher täte (rätetä!), je stillvergnügter man sich ihm hinzugeben den Mut gehabt hätte, mir allerdings bis heute nicht so recht wollte gelungen sein… usw

Ursachenforschung

Demnach hier nun einige mögliche Ursachen für die fortwährende Schreibblockade sorgfältig erforscht wurden, müssen wir abschließend leider feststellen: es ist dem gar nicht so, wie wir festgestellt haben – schließlich habe ich diese (Ab)Gründe schon oft genug vorgeschoben und möchte das nicht wiederholen. Denn das würde ja bedeuten, ich werde auf alle Tage nicht mehr zum Griffel greifen können, da gleichsam zu bedenken ist, daß die übeltätigen Herrscher uns heutzutage für noch dümmer verkaufen, als schon bereits die vielen Jahrhunderte zuvor und uns jegliche Lebensfreude auch bald restlos werden genommen haben; da ist eine Schreibblockade ja noch das geringste verursachte Übel – Herrschaftzseiten wo darüberhinaus soll denn das noch hinführen!

Nun, wie mir auch sei, in diesen Gedankenstrudeln bin ich offenbar verfangen und wie viel sich darüber auch philosophieren ließe und so oft ich diese Aspekte auch schon untereinander abgewogen, man kommt auf diese Weise ja doch zu keinem rechten Ergebnis; also nicht man, sondern ich; und wir wissen ja was das auf Griechisch heißt.

Diese meine fortwährenden Zweifuln, einmal über die Welt, einmal wieder über mich selbst, entgingen selbstverständlich auch meinem gnä. Herrn Urbald Freiherr von Oberhand nicht und hätte er nicht des öfteren die eine oder andere Unterredung mit mir derhalben gepflogen, so wäre es um meine Verfassung sicherlich noch desto bedenklicher bestellt gewesen.
Er aber, immer guter Dinge, fortwährend in Bewegung und stets mit einem Fuß schon wieder auf der nächsten Reise, sollte bald auch keinen Weg mehr finden, mich in meinem tristen Gemüthe zu erheitern oder meine unterschwellichte desaströse Unruh noch irgend zu befrieden.
Und so kam es bald dahin, daß er selber nach Erholung suchte, um, wie er immer sagt, „für ein verlängertes Wochenende ein wenig durch die vergnügte Welt zu fahren“, was mitunter Wochen andauernd kann, so auch für diesmal, als er zwar bald wieder zurückkehrte, doch nur, um mir kurz die Leviten zu lesen und daraufhin wieder den Hof zu verlassen, und mir einen der größten Haufen Arbeit aufzubürden, der jemals einem Scribenten vor die Schreibstube gekarrt wurde, nämlich seine „General Schreiber-Ordinance wieder die Schreibtisch-Rebellion“, welche ich im späteren Teil noch ausführlich behandeln werde.

Aber ‚egal‘, wie man so schön a la mode sagt, womit allerdings nicht ‚gleichgültig‘ gemeint ist, sondern ‚gleichwertig‘, oder forderte die fragwürdige französische Revolution etwan Gleichgültigkeit, statt Gleichwertigkeit?
Ist mir also gleichwertig, ob ich anhero als Hofscribent diene oder anderswo, lediglich muß ich darüber klagen, daß jeglicher Dienst umso weniger Sinn macht, desto weniger der Dienstherr zugegen ist und seine „verlängerten Wochenden“ manchmal ganze Wochen fortdauren!

Ich unterdes, schon längst die Leere am Schloss gewohnt, habe trotz seiner expandierten Wochenenden bislang nie Zweifel an seine Rückkunft gehabt, doch mittlerer Weile hege ich durchaus große Bedenken, ob ihm nicht doch vielleicht etwas zugestossen; so sehr dieser Gedanke den gemüthlichen Leser auch erschüttern mag.
Es sind nun aber schon mehr als die gedachten Wochen ins Land gezogen und Wohl-hochgeboren noch immer nicht ins selbe zurückgekommen; auch habe ich lange keine Post, keine Zuschrift, keine Kunde und was dergleichen Avisen sonst immer gewesen, von ihm erhalten. Mag zwar auch sein, daß mich seine Post nur deshalb nie erreichte, weil schlicht sein blöder Botenjung im Sumpfe versoffen, von welchen fatalen Untiefen Schatto d’UFO ja fleckenweis umgeben, doch diese Möglichkeit erscheint zunehmend unwahrscheinlicher.

In diesem ungewissen Getrübe verweilete ich nun so lange wie bange und wußte ohne seine Instruktionen keinen Finger zu rühren, geschweige denn mit demselben eine frische Tinkte, um mir dann, ganz wie ein gewissenhafter Vorkoster, den Finger davon abzulecken. Denn – und das ist nur eine von den vielen unentdeckten Schreiber-Spezial-Geheimnissen, die ich dem Leser heute rund um des Schreibers tausend extraordinärri Wahrheits-Erkenntnisse offenbaren werde – wollte also sagen: tatsächlich schreibe ich mit trinkbarer Tinte, bestehend aus 80 Protz-ent Wasser und 20 Protz-ent natürlichen Fingerfarben von Kräutersäften, Gewürzliquör und manchmal auch Honig, je nach dem welche Geschmacksrichtung mir auf der Zunge liegt, aus welcher der ein oder andere Leser es sich wohl insgeheim wünscht, Entsprechendes gleichsam um den Bart geschmiert zu bekommen. Aber man muß auch achtsam vorgehen und nicht gleich mit der gesamten Wahrheit herausgewischt kommen, manchmal ist es wirksamer, der Leser bekommt die Wahrheit nur pö a pö in die Ohren gepaust; denn das setzen wir als Blogger generell voraus: daß alle Leute, die nicht selber regelmäßig aufschreiben und die Welt damit beglücken, was ihnen im Kopfe herumgeistert, ja auch nicht so weit in der Erkenntnis vorgedrungen sein können, wie eben der täglich aus seinem Kopfe zitierende Blogger an sich, der solche klugen Gedanken nachweislich vor allen lesenden Leuten zuerst gehabt, allein, da er sie aufzuschreiben wußte, wannenhero meine Schriften sicherlich die unentbehrlichsten von allen für die allgemeine Welten-Aufklärung sein dürften.

Ganz anders geht da mein vermisster Herr UFvO vor, der übrigens gern mit silbriger Eisengallus-Tinte zu schreiben pflegt, was auf manche Augen aber mehr wirkt, wie ein zähflüssiges Bleigemisch, so jedenfalls der Vorwurf vonseiten des intellektuösen Schreib-adels, welchen eingebildeten Gefilden unser volksnaher Herr ja einst recht unverwandt den Rücken zugekehrt.
Nie aber schrübe er mit Blut, sagte er dabei ganz ohne erkennbaren Zusammenhang, gleichwohl er durchaus der Ansicht sei, der wahre Dichter müsse sich die angespitzte Feder wenigstens einmal im Leben ins eigene Herz gerammt haben, was zwar den Dichtertot nach sich zöhe, dieser ihn jedoch ins wahre Dichtertum erst hinüberführe – all das sei aber nur ganz metaphobisch zu verstehen.

Wiederum muß man auch zugeben: tatsächlich schreibt mein gnä. Hr eher kaum bis gar nicht, sondern läßt er allenfalls schreiben, was eben jene Tätigkeit ist, zu welcher gewissenhaften Ausführung er mich in dieses ehrenveste Schloss einst einberufen.
Weilen ich aber meine Pflichterfüllung zunehmend vernachlässigte und er dies bald als einen schwerwiegenden Verstoss gegen seine Regierung wertete, satzte er sich endlich selber an den Schreibstich, um zu meiner Maßregelung die schon erwähnte „General-Schreiber-Ordinance wider die Schreibtisch-rebellion“ aufzusetzen, die wohl als eines der seltsamsten Werke gelten dörfte, das jemals einer Schreibefeder aus dem Kanal gefleusst.

Wie es zu diesem Schreiben kam, was darin enthalten und sich fortan daraus entwickelte, das ist eine Historia, die unlängst in der nachfolgenden Erzählung abgehandelt wurde, sogenannt

→ Die hochbedenkliche Sumpfgeschicht


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