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Während alle Welt derzeit verständlicher Weise die Ereignisse in der Ukraine medial begleitet …

– und hierbei gleichsam deutlich wird, welchen Medienschaffenden es entweder am Willen, an der Macht oder schlicht am nötigen Verstand mangelt, wahrheitsgemäß zu berichten, und welchen eben nicht –

… bleibt am Rande des ganzen Weltentumultes leider so manches regionale Ereignis fast unbemerkt im lokalen Zeitungswesen hängen, obwohl es ebenfalls von öffentlichem Interesse wäre und ein bundesweites Medienecho durchaus verdient hätte.

So nämlich protestieren derzeit die Schüler und Lehrer einer kleinen Förderschule in dem kleinen Städtle Wangen gegen die Telekom, welche da vorhat, einen 9 Meter hohen Sendemast auf dem Dach eines unmittelbar neben der Schule befindlichen Gebäudes auf etwan 19 Meter Richtung Himmel zu verlängern. Dies will die Telekom so haben, um ein paar weitere für das allgemeine Menschenwohl unverzichtbare Errungenschaften dranhänken zu können, wie zum Beispiel ein sogenanntes „GSM“, oder ein zusätzliches „UMTS“ und einen offenbar für neuwertige Smartphones und Tablets nötigen „LTE-Sender“  – was eben Begriffe sind, die mir kaum etwas sagen, über deren Funktion und Wirkung man im folgenden Bericht aber näheres erfährt:

 Martinstorschule macht mobil gegen Mobilfunk Schwäbische Zeitung vom 13. März 2014

Da ich nun zu den wenigen Aussätzigen im Land gehöre, die nicht von einem Smartphone besessen werden und ich zudem aufgrund meiner Unverträglichkeit gegenüber internetfeindlichen Zonen auch keinem sozialen Netzwerk angehöre, bitte ich alle, die sich darin hin und wieder ganz widerborstig einzubringen verstehen, den oben vermeldeten Zeitungsbericht mit viel Zustimmung zu beachten, dannenhero aufzugreifen und in all jene Sphären zu versenden, die dem Netzwerk seither untergeordnet sind, auf daß er recht vielfach gelesen, geliked und gelobet werde…

Denn je mehr Leute davon erfahren, daß es noch Lehrer gibt, die sich aktiv für das körperliche und geistige Wohlbefinden ihrer Schüler einsetzen, und eben deswegen gegen einen turmhohen Telekommunikationsriesen protestieren, desto weniger allein gelassen wird sich ein solches Zwergenhäuflein dann fühlen und sich vielleicht darin bestärkt finden, den Protest umso inbrünstiger fortzusetzen.

Eine mediale Unterstützung ist auch deswegen zu erhoffen, weil sich die eigentlichen Turmherren wahrscheinlich nicht von ihrem Gesamtvorhaben abbringen lassen werden, was vonseiten eines Telekomsprechers leider auch schon indirekt bestätigt wurde:

„Wir haben leider keine Alternative für einen Standort in der Altstadt bekommen. Das ist kein böser Wille, aber der Standort muss eben ins Netz passen.“

Muss eben ins Netz passen.

Wie die Kinder, die müssen schließlich auch ins Netz passen, bzw. früh genug dergestalt angepasst werden.

So sagt es der Telekomsprecher zwar nicht, dennoch entspricht seine Argumentation natürlich der neuzeitlich vorherrschenden Denk- und Handlungsweise: Einem beschwichtigen Gejodel im Voraus, dem jeweiligen Vorhaben würde schließlich „kein böser Wille“ (sondern mitunter sogar ein „humanitärer“) zugrunde liegen, kann man nämlich so ziemlich jede Schandtat nachfolgen lassen – sofern man mächtig genug ist oder genügend Marionetten für die Tatumsetzung in der Hand hat. Die Bedürfnisse, Wünsche, Sorgen und Forderungen derjenigen, die dann darunter zu leiden haben, sind hierbei zweitrangig, selbst wenn es Kinder sind.

Demnach dürfte sich die Telekom bei ihrem Vorhaben der politischen Rückendeckung gewiss sein, besonders wenn man bedenkt, daß jene hochgelahrte Klüngelbande eigens dazu einbefördert wurde, so ziemlich jeden Unfug zu beschließen, den es gibt, bzw. derartige bereits beschlossenen Vorhaben unentwegt durchzuwinken. Und wenn es einmal im Vorhinein verfassungsbedenkliche Einwände (Gewissensfragen) gibt, wie zuletzt in diesem Fall, wird das Gericht sie im Nachhinein schon aus dem Weg räumen. So brauchen dann die Täter auch kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.

Da bleibt dann dem widerspenstigen Zwergenhäuflein natürlich nur noch „der Schritt in die Öffentlichkeit und die Hoffnung, dass sich die Telekom einsichtig zeigt“, wie der Schulrektor gegenüber der Schwäbischen Zeitung abschließend noch sagte – was mir in Anbetracht der circa 80 rings umherspringenden Protestkinder ehrlich gesagt ziemlich ans Gemüt ging. Daher teile ich dies berichtenswerte Ereignis der weiteren Öffentlichkeit nochmals mit und entspreche damit zum ersten Mal in meinem Leben sogar den Wünschen eines Schuldirektors.

Vielleicht finden sich ja noch andere verantwortungsbewußte Schulen ein, die ihre Solidarität bekunden möchten. Vielleicht möchten sich noch weitere Schüler dem Protest anschließen oder moralisch unterstützend mitwirken, vielleicht indem sie ihre Netzwerkbeteiligung dahingehend nutzen, ähnliche Protestparolen quer durchs Land zu posten, und zwar mit soviel Wehemenz und Nachdruck, daß die Handymasten vor lauter widerspenstigem Funkverkehr bald die Welt nicht mehr verstehen, zu glühen anfangen, einen Knoten kriegen, in sich zusammenschmelzen und irgendwann vollständig den Geist aufgeben, oder was auch immer geschehen soll – ich finde jedenfalls, dieser vorbildliche Zwergenaufstand sollte im ganzen Lande Schule machen. Schon allein aus pädagogischen Gründen.