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“Indem man es nicht verschweigt, sondern es aufschreibt, bekennt man sich zu seinem Denken, das bestenfalls für den Augenblick und für den Standort stimmt, da es sich erzeugt. Man rechnet nicht mit der Hoffnung, daß man übermorgen, wenn man das Gegenteil denkt, klüger sei. Man ist, was man ist. Man hält die Feder hin, wie eine Nadel in der Erdbebenwarte, und eigentlich sind nicht wir es, die schreiben; sondern wir werden geschrieben. Schreiben heißt: sich selber lesen.” Max Frisch (1911 – 1991)

Womit geschrieben haben heißen würde: über sich selbst geschrieben zu haben; einerlei worüber man geschrieben hat oder geschrieben zu haben meint.

Und so will ich diesem Zitat gleich noch einige weitere nachfolgen lassen, die in unterschiedlicher Weise vom Schreiben erzählen und aus unterschiedlichen Sichtweisen heraus niemals besser mißverstanden werden könnten als in Zeiten der (allge)meinigen Bewußtwerdung(sepoche).

Zugleich möchte ich mit den nachfolgenden Zitaten sozusagen die Wände meiner hiermit feierlich eröffneten „Onlinepraxis für an sich selbst angewandte Egotherapie“ schmücken, die mir solchergestalten nunmehr als neuste Themenkategorie dienen soll, werde sie vernunftshalber und auch der Kürze wegen unter der Bezeichnung Egotherapie zum Bestandteil meiner Schreibblockade machen; eine Rubrik, die mir als kategorische Ablegestelle für bereits verfasste, unlängst vorgefasste und künftig noch zu verfassende Schriften bezüglich meiner zu ergründenden Schreibverfassungen dienen soll. 

Demgemäß gelten natürlich auch die folgenden Zitate nur als ein Erinnerungsheftchen für weitestgehend mich selbst, denn:

Der Zustand des Schreibenden teilt sich dem wahren Leser sogleich völlig mit.* Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

*(Ergänzung vom 3. April: Hierbei handelt es sich um ein fehlerhaftes Zitat. Erfahre mehr darüber → hier)

Das war also nichts. Aber es gibt ja noh weitere Zitate:

Jeder Schriftsteller schildert sich einigermaßen in seinen Werken, auch wider Willen, selbst. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Satzgegenstand ist allemal der Autor. Manfred Hinrich (*1926)

Das Internet ermöglicht Schriftstellern, regionale Nichtbeachtung in globale zu verwandeln. Manfred Hinrich (*1926)

Es ist leichter, zehn Bände über Philosophie zu schreiben, als einen Grundsatz in die Tat umzusetzen. Graf Leo Nikolajewitsch Tolstoi (1828 – 1910)

Die Philosophen schreiben für die Professoren; die Denker für die Schriftsteller. Emile Michel Cioran (1911 – 1995)

So ist der Satz Thomas Manns, daß Schriftsteller Leute seien, denen das Schreiben schwerer fällt als anderen, auch dahin variierbar, daß Philosophen das Denken schwerer fällt als anderen. Ernst Bloch (1885 – 1977)

Für wen ich schreibe? Sollte ich das wissen? Jedenfalls für mich. Kann ich ahnen, wer lesen kann und vor allem will? Raymond Walden (*1945)

Wer schreibt, sollte sich seiner Verantwortung bewußt sein. Franz Schmidberger (*1942)

Schreiben heißt zu seinen Worten zu stehen. Siegfried Wache (*1951)

Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution*(Gedankensternchen). Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schliesslich für Geld. Jean Baptiste Molière (1622 – 1673)

Die Alten sind uns Neuen überlegen im Büchermachen. Wißt ihr auch warum? Die Alten schrieben nicht des Geldes wegen und druckten nicht fürs Publikum. Jens Immanuel Baggesen (1764 – 1826)

O Glück, unvorstellbares Glück zurückgezogener, gemächlicher Arbeit, bei der man träumen und dummes Zeug nicht nur denken, sondern sogar schreiben kann. Iwan Sergejewitsch Turgenjew (1818 – 1883)

Alles wimmelt von Kommentaren; an Autoren aber ist großer Mangel. Michel de Montaigne (1533 – 1592)

Schriftsteller haben zu schreiben, nichts weiter. Es sind schüchterne und reservierte Geschöpfe – sie bedürfen der Ermutigung. Agatha Christie (1890 – 1976)

Bäte man mich, die gesellschaftlichen Gründe für meinen Seelenzustand zu erläutern, würde ich nur stumm auf einen Spiegel deuten, einen Kleiderständer und einen Füllfederhalter. Fernando Pessoa (1888 – 1935) bzw. Fernando Pessoas „Hilfsbuchhalter Bernado Soares“

Ist man Schriftsteller, so muß man schreiben, genau wie man atmen muß. Anaïs Nin (1903 – 1977)

Ein Schriftsteller, der zu seiner Verewigung eine Bildsäule nötig hat, ist auch dieser nicht wert. Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Für die Nachwelt zu schreiben oder zu malen – das ist nichts weiter als törichte Eitelkeit. Anatole France (1844 – 1924)

Eitelkeit ist allen Schreibenden eigen. Wäre es nicht so, würden wir unsere beschriebenen Blätter zu Schiffen falten, und sie mit dem Wasser treiben lassen. Margot S. Baumann (*1964) / …mein Lieblingszitat

Bei Autoren, find ich, braucht man sich nicht zu bedanken; sie werden zufrieden sein, wenn man sie bewundert. Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Es gehört zur Ironie des Schreibens, daß oft Bücher von Autoren, die absichtslos schreiben, mehr zur Veränderung der Welt beitragen als die Bücher jener, die sich auf ihre Absichten berufen. Heinrich Böll (1917 – 1985)

Es ist eine traurige Tatsache unserer Kultur, daß ein Dichter mehr Geld damit verdienen kann, über seine Kunst zu schreiben oder zu sprechen, als sie zu praktizieren. Wystan Hugh Auden (1907 – 1973)

Man kann nicht schreiben und gleichzeitig einen Beruf ausüben. Fritz Hochwälder (1911 – 1986)

Man erkennt den Autor aus der Schrift vielleicht deutlicher als aus dem Leben. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Bücher liegen in der Luft. Der Schriftsteller ist nur die Brücke zwischen dem Stoff und der Niederschrift. Marguerite Duras (1914 – 1996)

Wir sind schließlich alle nur Plagiatoren des Weltgeistes, Sekretäre, die sein Diktat niederschreiben; die einen passen besser auf, die anderen schlechter: Das ist vielleicht der ganze Unterschied. Egon Friedell (1887 – 1938)

Man muß in der Stille schreiben, ohne Hast und ohne die Absicht, es drucken zu lassen. Graf Leo Nikolajewitsch Tolstoi (1828 – 1910)

Wem nicht jeder Satz, den er schreibt, der wichtigste ist, soll das Schreiben lassen. Wilhelm Raabe (1831 – 1910)

Schreiben Sie, als ob Ihnen der letzte Tropfen Tinte und der letzte Bogen Papier auf der ganzen Welt zur Verfügung stünden. David Herbert Lawrence (1885 – 1930)

Ich schreibe nur durch Eingebung und bin der Sekretär meines Geistes. Emanuel von Swedenborg (1688 – 1772)

Dichter hören keine fremden Stimmen. Sie schreiben sie nur auf.  Erhard Blanck (*1942)

In dem Moment, in dem der Dichter etwas aufschreibt, löst sich der Geist vom Körper. Wolfgang J. Reus (1959 – 2006)

Durch Schreiben wurde ich geboren. Vorher gab es nur ein Spiel der Spiegelungen. Jean-Paul Sartre (1905 – 1980)

Schreiben heißt: sich selber lesen. Max Frisch (1911 – 1991)

Deshalb die Behauptung: Wer sich schreibend verändert, ist ein Schriftsteller. Martin Walser (*1927)

Man kann nicht schreiben, ohne zu lügen. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Auch die Geburt eines geistigen Werkes ist oft mit Schmerzen verbunden. Gerlinde Nyncke (*1925)

Die Feder ist eine starke Waffe. Aber der Mensch kann sich damit sehr viel leichter töten als andere. George Prentice Denison (1802 – 1870)

Ein Schriftsteller ist jemand, dessen Intelligenz nicht groß genug ist, um mit dem Schreiben aufhören zu können. Günter Grass (*1927)

Ich begann erst dann Romane zu schreiben, als ich alles vergessen hatte, was ich in der Schule gelernt hatte. John Galsworthy (1867 – 1933)

Ein Schriftsteller zieht gemeiniglich seinen Leser unvermerkt mit in diejenige Verfassung, in der er sich bei Verfertigung seiner Schrift selber befunden hat. Immanuel Kant (1724 – 1804)

Die Poeten schreiben alle, als wären sie krank und die ganze Welt ein Lazarett. Alle sprechen sie von dem Leiden und dem Jammer der Erde und von den Freuden des Jenseits, und unzufrieden, wie schon alle sind, hetzt einer den anderen in noch größere Unzufriedenheit hinein. Das ist ein wahrer Mißbrauch der Poesie, die uns doch eigentlich dazu gegeben ist, um die kleinen Zwiste des Lebens auszugleichen. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Hat denn der Schreiber Mitleid mit dem Leser? Arabisches Sprichwort

Gute Schriftsteller, die nur schreiben, wenn sie der Geist treibt, sind die wahren Advokaten und Lehrer des Menschengeschlechts. Karl Julius Weber (1767 – 1832)

Öfter muß ich bei einer Autogrammstund‘ mehr schreiben als meine Sturm-Buam. Hannes Kartnig, (*1951) Keine Ahnung wovon der Mann da spricht, hört sich aber gut an

Der Ruf eines Schriftstellers ist sein Leben; er kann es sich leisten, kein Geld zu haben, aber nicht, keinen Charakter zu besitzen. Mark Twain (1835 – 1910)

Der Künstler hat keine Zeit, sich mit Kritikern zu beschäftigen. Nur Möchtergern-Schriftsteller lesen Rezensionen. William Faulkner (1897–1962)

Man schreibt immer wie an jemanden, den es nicht gibt. Stefan Napierski (1899 – 1940)

Das Briefeschreiben ist zwar immer nur ein Notbehelf; aber doch etwas. Deswegen sollten wir es doch nicht ganz unterlassen. Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

Briefe schreiben ist die einzige Möglichkeit, Einsamkeit und Geselligkeit zu verbinden. Lord George Gordon Byron (1788 – 1824)

Jeder, der je geschrieben hat, wird gefunden haben, daß Schreiben immer etwas erweckt, was man vorher nicht deutlich erkannte, ob es gleich in uns lag. Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Man muß ins Dunkel hineinschreiben wie in einen Tunnel. Franz Kafka (1883 – 1924)

Der Schreiber setzt seine Seele ins Dintenfaß. Altes Sprichwort

Ich bin weitestgehend die Prosa, die ich schreibe. Ich entfalte mich in Sätzen und Passagen, ich bin mein Punkt und mein Komma und auf meiner haltlosen Suche nach Bildern ein Kind, das sich in Zeitungspapier wie ein König kleidet, und in dem Maße, in dem ich mit Wortreihen Rhythmen schaffe, kröne ich mich wie ein Verrückter mit verwelkten Blumen, die in meinen Träumen unvermindert blühen. … Ich bin eine Romangestalt geworden, ein gelesenes Leben. Was immer ich fühle, fühle ich unwillentlich, damit ich niederschreiben kann, daß ich es gefühlt habe. Was immer ich denke, wird sogleich zu Worten, verbunden mit Bildern, die es auflösen, in Rhythmen aufgehen lassen, die etwas anderes bedeuten. Durch mein beständiges Mich-wieder-Zusammensetzen habe ich mich zerstört. Durch mein beständiges Mich-Denken bin ich meine Gedanken geworden, nicht aber ich selbst. Ich habe mich ausgelotet und das Lot fallen gelassen; und nun frage ich mich Tag für Tag, ob ich tief bin oder nicht, und habe als einziges Lot nur mehr meinen Blick, der mir klar auf schwarzem Grund im Spiegel eines tiefen Brunnens mein Gesicht zeigt, das mich, es betrachtend, betrachtet. Fernando Pessoa (1888 – 1935) bzw. Fernando Pessoas „Hilfsbuchhalter Bernado Soares“

Es war schon schwierig genug, das Zeug zu schreiben. Verlangen Sie nicht von mir, darüber noch etwas zu sagen. Dylan M. Thomas (1914 – 1953)

*Gedankensternchen zur „Prostitution“:

Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schliesslich für Geld. Jean Baptiste Molière (1622 – 1673)

Zwar geht es bei all diesen Zitaten mehr ums Schreiben und weniger ums Bloggen, doch mit der hier angesprochenen ‚Prostitution‘ ist natürlich auch der Blogger gemeint. Im Zuge solcher Lockrufe vonseiten der Elite gibt es dann die einen¹ Schreiber, die das Spiel sofort durchschauen, es ablehnen und bei ihrer klaren Linie bleiben, da sie hiermit sonst auch ihre Leser verraten würden, dann aber wiederum Werbung für Gold und Silber schalten, derweil andere² Schreiber zwar keine solchen goldigen Werbeplakate einbinden, wiederum aber für die Lockrufe der Elite durchaus empfänglich sind, und ihre Schwäche für die Teilnahme an derartigen Elitetreffen – oder anderen Handlungen, die eine opportunistische Denkweise voraussetzen – durch die Trugkraft ihres bestätigten Egos vor sich selbst und vor dem Leser außerordentlich gekonnt zu rechtfertigen verstehen.

¹ Woran erkennt man, daß man es als Blogger geschafft hat?

² “Blogger” sind auch nur Journalisten – nur eben unabhängiger.

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