Hier mal ein hübscher Zitatenstrom aus dem im Jahre 1888 !! erschienenen Buch „Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887“ (Originaltitel: Looking Backward) von Edward Bellamy:

(Hervorhebnungen von mir)

»Eine gleichfalls in Ihrem System liegende Ursache häufiger und immer schwererer Krisen war Ihr Geld- und Kreditverkehr. So lange sich die Produktion in vielen Privathänden befand, und Kauf und Verkauf zur Befriedigung der Bedürfnisse unumgänglich waren, war das Geld notwendig. Es unterlag aber dem augenscheinlichen Einwande, daß es an die Stelle von Nahrung, Kleidung und anderen Dingen einen bloß durch Übereinkommen angenommenen Vertreter derselben setzte. Die Begriffsverwirrung, welche hierdurch begünstigt wurde, führte zu Ihrem Kreditsystem mit seinem erstaunlichen Truge. Schon daran gewöhnt, Geld für Waren anzunehmen, nahm das Publikum demnächst Versprechungen für Geld an und hörte schließlich überhaupt auf, hinter dem Repräsentanten das repräsentierte Ding zu suchen. Geld war ein Zeichen für wirkliche Waren; aber der Kredit war bloß das Zeichen eines Zeichens. Für Gold und Silber, das ist wirkliches Geld, gab es eine natürliche Grenze, für den Kredit nicht, und das Ergebnis war, daß der Kredit, das ist das Versprechen von Geld, aufhörte, in irgend einem festzustellenden Verhältnisse zu dem Gelde oder gar zu der Ware zu stehen, welche wirklich vorhanden war. Unter einem solchen System mußten häufige und regelmäßig wiederkehrende Krisen mit derselben Naturnotwendigkeit eintreten, als ein Gebäude zusammenstürzt, dessen Schwerpunkt über seinen Unterstützungspunkt hinausragt.

Es war eine Ihrer willkürlichen Annahmen, daß nur die Regierung und die von ihr autorisierten Banken Geld auf den Markt brächten, während doch ein Jeder, der für einen Thaler Kredit gewährte, sich in diesem Maße an der Emission von Geld beteiligte, welches ebenso gut wie jedes andere den Geldumlauf anschwellen machte, bis die nächste Krisis eintrat.

Die gewaltige Ausdehnung des Kreditsystems war ein Kennzeichen der letzten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts und erklärt zum großen Teile die fast unaufhörlichen Geschäftsstockungen jener Zeit. So gefährlich auch der Kredit war, so konnten Sie ihn doch nicht entbehren, da er bei dem Mangel jeder staatlichen oder sonst öffentlichen Organisation des Kapitals des Landes Ihr einziges Mittel zur Konzentrierung und Heranziehung desselben zu den industriellen Unternehmungen war. Auf diese Weise steigerte er in hohem Maße die Hauptgefahr des Systems der Privatunternehmung in der Industrie, indem er einzelne Industrien in den Stand setzte, unverhältnismäßige Beträge von dem verfügbaren Kapital des Landes aufzusaugen und so das Unheil vorzubereiten.

Die Geschäftsunternehmungen arbeiteten infolge des ihnen gewährten Kredits immer viel mit fremdem Gelde, welches sie teils voneinander, teils von den Banken und den Kapitalisten erhielten, und das schnelle Zurückziehen des Kredits beim ersten Anzeichen einer Krisis wirkte gewöhnlich darauf hin, dieselbe noch zu beschleunigen.“

(…)

»Es war das Unglück Ihrer Zeitgenossen, daß sie das Gebäude ihrer Industrie mit einem Mörtel aufführen mußten, den ein Zufall in jedem Augenblicke in einen Sprengstoff verwandeln konnte. Sie waren in der Lage eines Mannes, der ein Haus mit Dynamit baut; denn der Kredit läßt sich mit nichts anderem vergleichen.“

Quelle→ http://gutenberg.spiegel.de/buch/ein-ruckblick-aus-dem-jahre-2000-auf-1887-2439/1


Buchangaben: 

Titel: Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887 (Originaltitel: Looking Backward)

Autor: Edward Bellamy
Verlagsmeisterei: Europäischer Hochschulverlag
Komische Nummer: 9783867412735
Schuldgeld: 25,00 Eur[D] / 25,70 Eur[A] / 35,50 CHF UVP
Anzahl der Seiten pro Buch:  240 Stück

Hinweis: Bücher bestellt man beim Buchhändler*, nicht beim Klobürsten– und Blutwurst-Händler

*Und zwar vor Ort im allerkleinsten Buchladen. Falls es aber unbedingt online sein muß, so nutze man beispielsweise diesen: buch7.de, diesen: buch.de, oder bedingt auch diesen: buchhandel.de, welcher sich eher zum Bibliographieren aller offiziell lieferbaren Bücher eignet. Gebrauchte bis vergiftete äh vergriffene Bücher derweil beziehe man von Privat über booklooker.de


Anmerkung 2014:

Die obige Ausgabe ist mitterweile vergriffen, findet sich aber weiterhin als Online-Lektüre hier:http://gutenberg.spiegel.de/buch/ein-ruckblick-aus-dem-jahre-2000-auf-1887-2439/1

Eine weitere Buch-Ausgabe ist hier erhältlichhttps://www.buch7.de/store/product_details/1022274427inwieweit sie sich von der obigen unterscheidet, weiß ich jedoch nicht.


Ergänzung 2015:

Mit freundlichem Hinweis auf Dudes allerneuesten, schon etwas älteren, Artikel (veröffentlicht 2015/geschrieben 2014) → Zum brennenden Blutgeldmoloch Zureich: Was die Schafsmedien verschweigen und die linksautonome Szene übersiehtund seiner dort trefflichen Feststellung

„Der Einsatz gewaltbereiter Antifaschisten ist dem System dienlich; sie gehören dazu, machen ihren Job, leisten einem faschistischen System ihren Dienst genauso wie die Presse.“

hier zur Ergänzung noch ein weiteres Zitat aus Edward Bellamys Buch:

»Dabei möchte ich fragen,« sagte ich, als der Doktor uns einige Abschnitte vorlas, »welchen Anteil die Anarchisten an der Neuordnung der Dinge hatten. Sie machten damals einen beträchtlichen Lärm, – das ist das Letzte, was ich von ihnen weiß.«

»Sie hatten natürlich nichts damit zu thun, außer insofern sie dieselbe hinderten,« entgegnete Dr. Leete. »Sie thaten das sehr erfolgreich, so lange sie existierten; denn ihr Geschwätz widerte die Menschen an, sodaß sie selbst auf die besterwogenen Vorschläge für eine sociale Reform nicht hören wollten. Die Unterstützung dieser Burschen war einer der schlauesten Kniffe der Gegner der Reform.«

»Ihre Unterstützung!« rief ich erstaunt.

»Gewiß,« erwiderte Dr. Leete. »Keine Autorität auf dem Gebiete der Geschichte zweifelt heute daran, daß sie von den großen Monopolisten dafür bezahlt waren, die rote Fahne zu schwingen und von Brand, Raub und Mord zu reden, um durch Einschüchterung der Furchtsamen jede wirkliche Reform zu verhindern. Was mich am meisten in Verwunderung setzt, ist der Umstand, daß Sie so arglos in die Falle gegangen sind.«



Werbeanzeigen