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Werte wortgewalt’ge Weggefährten, sinnverwandte Seelenscribenten, tugendreiche Tintenkleckser, deutsch-didaktische Daseinsgenossen und alle anderen, die auch so gern die formidable Feder führen

Es mag bei dem ganzen Weltentumult dort draußen wohl kaum ins Gewicht fallen, jedoch muß ich leider sagen, daß sämtliche dieser Geschehnisse, sobald sie in den Zeitungen stehen, mich seit geraumer Zeit nur noch in einem Maße erreichen, als fänden sie allesamt irgendwo auf der Milchstrasse statt – die von hier aus gesehen so fern entlegen scheint, daß man halt hin und wieder vergisst, ein Teil davon zu sein.

Nicht also, daß es mich gar nicht berührte und nicht, daß es mich alles gar nicht kümmerte, im Gegenteil, vielmehr fahren einem die Auswirkungen aller Ereignisse beizeiten derart tief ins Gemüt, daß man am liebsten nur noch schweigend verharren möchte, bis das gesamte Getriebe an einem vorübergezogen ist.

So mag es vielleicht von einiger Bedeutung sein, wenn derzeit ausgiebig davon berichtet wird, wie eine immerzu sich im Kreis drehende Turbogesellschaft nunmehr (gemeinsam mit Ralf Schumacher) im Koma liegt, weil sie sozusagen sinnbildlich mit dem Kopf voraus gegen ein Hindernis gefahren ist.

Von ähnlich bedeutsamer Symbolkraft sind wohl auch die Berichte über das Forschungsschiff Akademik Schokalskij, das neulich in Vertretung der gesamten festgefahrenen Wissenschaft blödsinniger Weise im polaren Eise stecken geblieben ist – und das auch noch in Zeiten globaler Klimaerwärmungen.

Und während uns der Mainstream solche Ereignisse beständig zum Widerkäuen vorlegt, vermitteln uns einige Schreiber aus dem alternativen Bereich, wir befänden uns inmitten einer Zeit allgemeiner Bewußtwerdung. Das ist wohl nicht anzuzweifeln, was aber wäre den vorgenannten Berichten denn außerdem noch abzugewinnen, wenn nicht der Hinweis, daß neben den medial-prominenten Abziehbildern auch sonst jeder Mensch derzeit verstärkt an seine Grenzen stösst?

Sollte zu dieser Zeit nicht ein einsichtiges Innehalten dringender vonnöten sein, als sich immer nur den äußeren Geschehnissen zuzuwenden? Und würden die Leser nicht etwas falsches vermuten, wenn ich nicht ausdrücklich betonte, daß ich hiermit weniger sie meine, als vielmehr die schreibenden Zünfte? Insbesondere die Schreiber laufen schließlich derzeit verstärkt Gefahr, in Ausübung ihrer Tätigkeit zu der erkenntnisführenden Ahnung zu gelangen, meistenteils ja doch nur von sich selbst geschrieben zu haben, während sie sich über die Zuwendung an das Äußere bloß vom Inneren abzuwenden versuchten, um nicht allzu deutlich gewahren zu müssen, woran es bei ihnen selbst noch haperte.

So schwirren unter Bekanntgabe vieler kluger Dinge zwar fortwährend die interessanten Schriftstücke durch den ungeklärten Raum, in denen mitunter auch die ganz besonders essentiellen Aspekte des Gesamten betrachtet werden, doch da ein Großteil dieser bewerkstelligten Beiträge bei belehrender Behandlung bestrittenener bis bezweifelter Begebenheiten bestenfalls bildliche Bedeutungen bezüglich bestimmter Bewußtseinsbeleuchtungen beinhalten, beziehungsweise betreffende Bedeutungen bei behelfsmäßig bordierter Bemäntelung bald bogenreich beschreiben, bald buchstäblich beredsam begleichen – bisweilen bevorstehende Bekenntnisse binnen beschwerlicher Begehungen besonderer Bewußtseinsbildungsbahnen besonders bange befürchtend – bleiben benannte Begebenheiten bedauerlicherweise bundesweit bestehen.*¹

Dabei dürfte unser deutschtümelndes Dasein als Dichter und Denker doch einst dazu erdacht gewesen sein, daß wir die Werthaftigkeit der Sprache auf die wahren, wertvollen und unbezahlbaren Aspekte des Lebens anwenden, um dann unsere Eindrücke in einer Weise veräußern zu können, als würden wir noch während des Schreibens entlang wundersamer Wege wallen, über weitläufige Wiesen walküren oder quer durch wilde Wälder wandern, während das allgemeine Politicum uns nur noch hin und wieder auf den Kopf klatscht, nämlich so, als hätte gerademal ein erschrockener Vogel im richtigen Moment von oben runtergeschissen.

Vielleicht könnten wir ja künftig diejenigen Schreiber wieder nachzuahmen beginnen, die das äußere Ereignis ganz bewußt als Sinnbild ihres inneren Prozesses aufzufassen versuchten und hierbei zu ihren ebenso einsichtigen wie aussichtsvollen Beschreibungen gelangten.

In Anbetracht meiner bislang verschossenen Tintenpatronen, mit denen ich hauptsächlich (denn es ist ja die Sache des Hauptes) gegen das allgemeine Politicum zielte, erscheint es mir doch zunehmend sinnvoller, wenn ich mich fortan weniger um die Austreibung des Bösen aus unserem Lande kümmere, als vielmehr mich erstmal selbst wieder Heim ins Reich zu holen, wie man so schön sagt – auch wenn mit man solchen Begrifflichkeiten ja hierzulande aufpassen muß.

Auf einem Feld aber, auf dem ich wortwährend nur mein eigenes Reich beackere, werde ich wohl selbst die unerlaubtesten Begriffe in meinen eigenen Kontext bringen dürfen, was in den Streitschriften gegen die fehlgeleitete Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und andere Verschwörungen ja eher gewisse Risiken in sich birgt. Womit ich allerdings nicht sagen will, daß eine in sich gekehrte schriftliche Auseinandersetzung nicht zu mindestens ebenso brisanten Erkenntnissen führen könnte.

Und damit manche Schreiber nicht auch Ihre herausgeschriebenen Ichbeleuchtungen ungewollt nach Außen kehren, oder aus Versehen veröffentlichen, unwissend, daß es eben solche sind, wann immer sie etwas schreiben, hier noch ein Ratschlag: Man bedenke, daß fast alles, was geschrieben wird, insgeheim vom Auctor selbsten erzählen könnte, egal worum es vorgeblich handelt oder mit welcher Absicht es geschrieben sein mag. Zudem, und da bin ich ganz besonders gespannt, wie vielen Schreibern dies in den nächsten Monaten heimlich auffallen wird, beruht der Entschluß, das jeweils Geschriebene veröffentlichen zu wollen, meistens (und so auch bei mir) auf dem Willen des Egos, oder, sobald dies einmal eingestanden wurde, zumindest nach Absprache mit demselben.

Und manchmal, wenn es immerhin vom Geiste angeleiert wurde, das Geschriebene zum Lesen bereitzustellen, so um das Ego herauszufordern, sich selbst zu betrachten; sei es letztlich durch die Augen des Lesers. Diese besonders essentiellen Aspekte des gesamten Komplexes vollziehen sich zur Zeit verstärkt und dürften noch so manchen Schreiber, wenn sie es sich denn eingestehen, in eine (erforderliche) Krise stürzen.

Eine mehrseitige Abhandlung zu diesem Thema habe ich im Übrigen unlängst niedergeschrieben, doch kann die Lektüre desselben aufgrund unzureichender Einsichten, bei gleichzeitigem Überhang noch ungeklärter Absichten, erst auf spätere Zeiten in vollständige Aussicht* gestellt werden. Ich und mein Ego hoffen aber, so bald wie möglich damit fertig zu werden.
*(Nachtrag April 2016: das ist nun geschehen, siehe dazu diesen Kommentar: https://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2014/01/01/vorsicht-grenzubergang-eine-pro-c-dur-in-b-moll/#comment-1015 )


¹*Zusätzliche Anmerkung 04.01.2014

Und während ihrer viele bei der Ankreidung politischer und gesellschaftlicher Mißstände bloß insgeheim der spirituellen Arbeit an sich selbst zu entfliehen versuchen, gibt es den einen oder anderen, der zwar bereits sein spirituelles Wesen beschaut, doch vor lauter Überwältigung ob seiner angelesenen Erkenntnisse nicht bemerkt, daß er sich innerhalb seiner vermeindlichen Aufklärungschriften bloß in einem monologischen Widerstreite mit sich selbst befindet, je mehr Leser er dazu benötigt, desto exzessiver.
Und manch einer, der lieber mal keinen blog selber eröffnet, hat dennoch viel zu sagen, um sich dann ausgerechnet an die Internetseiten dranzuhänken, deren Autoren evtl. schon so manche Erkenntnisfalle aufgedeckt und überwunden haben, und deren Lesern dann dieser oder jener Prophetengeselle mit kurz eingeworfenen Weckwarnungen oder mancher gern unter fortwährend wechselnden Namen¹ und himmelsposaunigen bis teufelstrompetigen
Ausführungen/ Mahnungen² mit seinen ellenlangen holpersteinigen Wanderungen  durch die unterschiedlichsten Studienbereiche ziemlich auf den Geist geht, ohne zu merken, daß er sich, trotz oder vielleicht obwegen seines möglicherweise umfangreichen und unter anderen Umständen gewiss anzuerkennenden Spezialwissens (auf dem Gebiet der Mystik, des Okkultismus, der Religion, der spirituellen Grenzgebiete) dennoch weiterhin bloß in den Hirnwindungen seines Egos befindet.
Für andere Gesellen trifft das auch zu, so auch für mich, die meisten aber bemerken nicht, daß sie sich innerhalb ihrer spirituellen Aufklärerschriften noch in ihrem fortwährend weiterschwafelnden, nunmehr aber in Sachen Spiritualität ausreichend ausgebildeten Ego befinden. Und glauben obendrein, nur weil sie es geschrieben haben, seien sie noch vor denjenigen die es nachlesen, daraufkommen (dabei haben diese schlicht nicht das Bedürfnis, das aufzuschreiben, was sie eh schon wissen) und halten sich dann aufgrund der zum Teil ausgeleuchteten Regionen auch noch für so gut wie erleuchtet. Eiter raus äh Ei der Daus.

¹′² Die vormaligen eindeutigere Verweise, um welchen Bibelmeister es sich hierbei gehandelt haben könnte, habe ich nunmehro mit einiger Selbstschämung wieder weggelöscht, da Verwiesener nur als Beispiel Vieler und so auch meiner selbst diente, was ihm gegenüber recht unrecht gewesen ist.


Post Scriptum:

Bei obigem Text handelt es sich um eine postprekär produzierte, phrasenweise prolongierte, punktuell perfektionierte und um ein paar populistische Parolen paraphrasierte Proklamation eines  privatpersönlichen Partizipativ-Postulats, das ich am 12. Oktober 2013 noch in geringerer Form anderstwo veräußert hatte, alsdann jedoch lieber anhero abgesondert haben wollte.


Prost Kipp’um:

Hinweis für Liebhaber des intonierten Lesens: Die Pro-c-dur darf gerne auch als Protz-E-Dur vorgesungen werden.


 

 

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