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Meine lieben Tausend Freunde,

ich wollte nur mal anmerken: DAS (die sog. WIR-Karte )ist ein soziales Netzwerk, an dem man sich dem gemeinschaftsdienlichen Sinne nach beteiligen könnte*;

*(wenn man gewillt ist, seine Daten wie Vor- und Nachname, Wohnort, PLZ, Land und E-Mailadresse preiszugeben. Zwar gibt WIRkarte.de „deine Daten auch nicht an Werbetreibende weiter“, wie facebook das ja macht, und „Data Mining, Robots oder andere Programme zur Datensammlung oder Extrahierung um die Informationen des Portals oder der User zu erfassen, ist ohne die Erlaubnis von WIRkarte.de nicht erlaubt,“ jedoch steht dies erstens in einer Allgemeinen Geschäfts-bedingung und weiß man zweitens nie, wie sich gewisse Dinge manchmal durch die Hintertür verflüchtigen können, um dann mit einem völlig anderen Gesicht plötzlich zum Vordereingang wieder reinzukommen, daher ist zu hoffen, dieses große WIR mit der großen Vision möge nicht größenwahnsinnig, käuflich oder vonseiten der zu erwartenden anklopfenden Interessengruppen gegenläufig und zum Schaden der Teilnehmer umgepolt werden, sondern eine Vorlage zur Beschleunigung neuer, freigeistiger Entwicklungen sein und bleiben)

… das also ist ein soziales Netzwerk, dem man sich anschließen könnte, eher jedenfalls, als jenem Egoclub alldorten,
diesem soziokulturellen Notstandsghetto für vermeintlich privatpersönliche Menschen – diesem Anzugspunkt angeblicher Freigeister,
diesem Erfüllungsgehilfswerk für zahlreiche Selbstbestätigungszwänge,
dieser Anlaufstelle für alle, die immerzu ach so gerne geleaked geliked (und getaggt) werden möchten,
diesem unkreativen Sammelbecken für angehende bis auslaufende Künstler, Buchautoren, Dichter, Denker, Nachrichtenschreiber, Politaktivisten und Propheten aller Art, die sich hier mühelos ihre Fan- und Gefolgeclubs konstruieren, um nach Erhaschung möglichst vieler Facebücklinge glauben zu können, sie seien dem Gemeinwesen umso dienlicher gewesen, je mehr Facebücklinge sie samt derer Abziehbildchen angehäuft haben, derweil sie vor lauter Opportunismus ihrerseits und gleichzeitigem Zuspruch vonseiten ihres Follow-Me-Gefällt-Mir-Fanclubs nicht bemerken, daß sie hierdurch der freischaffenden Internetgemeinschaft und dem holden Freigeist an sich elementar zuwider laufen; ach nein, wie beachtenswert die Stasitistik meiner anderweitigen Internetpräsenz doch nach oben gestiegen ist – … seit ich mich dazu entschlossen habe, mich und mein Gefolge den Allgemeinen (und hintenrum einhergehenden) Geschäfts!-bedingungen genau solcher Institutionen, Konzerne und Gesellschaften zu unterwerfen, die ich eigentlich doch bekämpfen, bzw. wenigstens verhohnepiepeln oder schlichtweg habe mit Mißachtung strafen wollen, Menschenskind!

So, und nun hoffe ich inständig, daß die Erfinder und Betreiber von WIR (eine Anschauung zum WIR-Projekt folgt am Ende dieses Artikels) nicht auch wieder eine facebook-Seite eröffnen werden!

Bitte tut das nicht, schließlich wird es wohl so sein, daß die meisten der WIR-Beteiligten ohnehin schon darin verfangen sind, also bitte fügt nicht auch IHR wieder jene unflätigen Facebook- und Googleplusminusnull-Buttons hinzu;

denn siehe (nochmals*):

„Nicht Facebook ist das Netzwerk, sondern das Internet ist das Netzwerk, Facebook ist bloß eine Masche darin. Und zwar eine ins Gesamtgewirke nachträglich eingeflochtene Masche, bestehend aus fadenscheinigen Fäden, die aus der Masche eine Laufmasche machen, die dann zum sogenannten „Zusammenhangsverlust“ des Gesamtgewirkes führen kann, und zwar per Kettenreaktion:

„Unter leichtem Zug setzt sich dieser ‚Zusammenhangsverlust‘ in einer Kettenreaktion nach unten fort, man spricht von einer Laufmasche.“ Zitat wikipedia

Nur daß im Gegensatz zur herkömmlichen Laufmasche, die das Gesamtgewirke zunichte macht, Facebook fortwährend neue Fäden zieht, um hiermit ein neues Netz über das alte Werk zu spannen.

Und da sprechen wir von einem sozialen Netzwerk? Schadet diese Form eines klebrigen Spinnennetzwerkes nicht eher der Struktur eines bereits vorhandenen Gemeinwesens, also in diesem Fall des Internets?

Waren wir denn nicht schon längst alle Teil einer weltumspannenden Netzgemeinschaft?

Gut, anfangs, da hätte man dieses Facebook-Konstrukt vielleicht noch als einen harmlosen Egoclub betrachten können, doch mittlerweile hat es sich ja zu einem Spinnenmonster sondergleichen entpuppt, dessen klebrige Spinnenfäden bereits die ganze Welt umspannen!

Wo soll denn das noch hinführen? Jeder popelige Schuhladen hat ja mittlerweile eine Facebook-Seite und es ist mittlerweile zum allgemeinen Gesellschaftszwang geworden, dort angemeldet zu sein (wie du bist nicht bei facebook?!) – doch wage bloß nicht, auf diese Frage mit einem deutlichen Äh-Nein zu antworten, dann wirst du nämlich so verständnislos angeschaut, als handele es sich bei dem nicht vorhandenen Facebook-Account um einen nicht vorhandenen Internetzugang!

Ja, ist denn Facebook neuerdings die Zulassungsbehörde, wo man sich erst eine Zugangsberechtigung für das Gemeinwesen erstellen lassen muß? Und welche Rolle spielt Google dabei? Anfangs war es für uns eine Suchmaschine mit der wir alles Mögliche herausfinden konnten, und nun? Sucht sie jetzt nicht uns, um über uns alles Mögliche herauszufinden?

Wundert das jetzt wirklich jemanden? Ich meine, was hat man denn all die Jahre vorher geglaubt, geschweige denn getan, wenn man im Internet surfte oder mobil telefonierte? Ist diesen Leuten die ganze Zeit entgangen oder ist es ihnen etwa egal, daß sich neben den popeligen Schuhläden auch viele skrupellose Großkonzerne, gierige Ausbeuterfirme, kapitale Kreditinstitute und verschiedenste Bagatell-Betrüger bei Facebook und Co. zum geliked werden angesiedelt haben – unbedingt darauf zählend, daß sich jeder einzelne privatpersönliche Menschen als Mittelpunkt eines mindestens 200 Mann starken Freundesclubs betrachtet, während er in Wirklichkeit bloß als Verteilerkasten solcher Ausbeuterfirmen fungiert und dem Monster sämtliche Daten zum Fraß vorwirft; und zwar nicht nur die eigenen, sondern insbesondere die des jeweiligen privaten bis „sozialen“ Umfeldes?

Wird hierbei nicht jedem Nutzer das größte aller asozialen Verhaltensmuster abverlangt – nennen wir es mal Verrat von Freund und Familie? Merkt denn keiner, daß jeder neben dem geliked werden auch immer fleissig geleaked wird? (to leak: auslaufen, undicht sein, etw. durchsickern lassen, jmd. etw.zuspielen) Wozu überhaupt immer dieses geliked werden wollen? Möchte da etwa mal wieder das Ego frohlocken?

Besonders gern geliked werden ja vor allem so manche Künstler und Propheten, ja, für sie ist es ganz besonders wichtig, gelobt zu werden, vor allem in einer Zeit, in der keiner mehr so recht weiß, wie spät es eigentlich ist.

Und da wir uns in dieser wackeligen Zeit aufgrund weltumgreifender Auflösungsprozesse immer öfter fragen, ob wir wirklich die sind, die wir sind, oder ob man wirklich der Künstler oder Prophet ist, für den man sich bislang gehalten hat, sichert man sich durch Gründung einer Fanpage einstweilen die Zustimmung derjenigen, bei denen man sich für jedes eingestellte Bildchen und jedes Wagnis einer selbstausgedachten Meinungsäußerung eines hochgestreckten Gefällt-mir-Daumens sicher sein kann.

Solltest du also mittlerweile ein populärer Prophet sein oder ein Künstler von kostbarer Coleur, vielleicht ein Maler, vielleicht ein Schreiber oder meinetwegen sogar ein richtiger Buchautor, so lasse dich nicht von den Gefällt-Mir-Bewertungen deiner Gemeinde blenden, denn meistens entspricht die Anzahl der Clicks nicht etwa der Anzahl der Bücher, die du verkauft hättest, sondern dem Teil der Auflage, die der Verlag hätte verrammschen müssen – wenn er das Buch überhaupt gedruckt hätte!

Es ist zwar verständlich, daß man sich immer in der Gemeinschaft am wohlsten fühlt, in der man fleissig gelobt wird und gewiss mag es in irgendeiner Form erhebend sein, wenn einem regelmäßig per Knopfdruck eine allgemeine Zustimmung zuteil wird, wo einen die Freunde auch mal ein bißchen kritisieren dürfen.

Doch was wäre, wenn plötzlich ein Eisbär in der Antarktis den Datenschrank von Facebook umschmeißt und auf der Suche nach Tiefkühlhonig alle dort hinterlegten Akten zerfleddert?

Würden mir die mühelos zusammengesuchten 387 Freunde nunmehr vielleicht aufmerksame Briefe schreiben? Würden sie überhaupt noch rekatapultieren äh rekapitulieren können, mit wem sie sonsten alles befreundet waren? Ach was bin ich nun plötzlich so allein in der Welt! Und was ist mit meinem Kanarienvogel? Wird wenigstens er nach Verlust seines Facebook Profils noch weiter existieren?

Sollte nicht lieber jeder statt einer Facebook-Seite schlicht eine Internetseite eröffnen? Zwar ist man dort ebenso wenig vor dem allgegenwärtigen Schnüfflertum gefeit, doch wäre nicht der Aufwand, den sie hierzu betreiben müßten, allein um zum Beispiel den jeweiligen Marktwert der jeweils zu verkaufenden Personen erheben zu lassen, nicht um ein Vielfaches größer?

Man stelle sich das einfach mal vor: Statt daß mehrere Millionen Leute ein eingepferchtetes Dasein in einer einzigen globalen Ghettosiedlung fristen (seid umzingelt Millionen!) gäbe es nun mehrere Millionen unterschiedlich lackierte Bloghäuser überall verstreut. Das wäre doch viel bunter und interessanter, finde ich! Und wieviel mehr neue Schreiber es dann erst gäbe! Millionen!

Diesen künftigen Millionen wollte ich nebenbei gesagt sowieso schon länger mal drei Dinge zur Ermutigung zurufen:

Erstens: Es ist nicht wichtig, ob ein Blogbeitrag von tausend Leuten gelesen wird oder bloß von einem, so wie bei mir meistens. Wichtig sollte für den Schreiber nur sein, daß er irgendwo etwas schreiben kann, so wie es ja auch für den Leser nur wichtig ist, daß er irgendwo was lesen kann.

Zweitens: Wenn in solchen Artikeln stets viele kluge Dinge stehen und viele neue Erkenntnisse verteilt werden, so sind nicht etwa allein die Schreiber zu den jeweiligen Erkenntnissen gekommen, sondern sind sie lediglich diejenigen, die es aus unterschiedlichsten Beweggründen noch zusätzlich aufschreiben – während es hunderttausend anderen Menschen schon längst zu Bewußtsein gekommen ist.

Vielleicht würde ein massenhafter Facebook-Austritt gekoppelt mit einem massenhaft individuell gestalteten Internet-Auftritt die Entwicklung des Internets ja wieder auf die richtige Bahn bringen. Zur Zeit befindet es sich jedenfalls auf einem ziemlich bedenklichen Kurs, so wie sich überhaupt das ganze Medium auf Irrfahrten befindet. …“

*(„Denn siehe…“ ist ein Auszug aus dem Artikel ‚Biete Senf aus eigener Herstellung zur Verköstigung von Meldungen der Deutschen Presswurst Agentur‘)

Interessiert mich einen Scheißdreck, du verdammter Idiot!


Hier also nun die vortreffliche Anschauung bezüglich der WIRkarte


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