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inwendiges Schreiben a procedere zum Auscurieren für mich selbsten verfasst, als ein Testimonium beschaulich zu Druck befördert und ohne Lachen zu Lesen erlaubt ab dem 28. Jiuno anni Domino 2013

Überdacht

1.0

 (Betaversion / fortwährende Änderungen vorbehalten)

Es müßte etwan am 26. Juno kurz vor Eintritt des Morgens gewesen sein, als hier sonderlicherweise mehrmals ebenso nachdringlich als auch wiederum gar nicht einmal so ungalant gegen das Schlosstor geklopfet wurde, im Ganzen aber doch letztlich so wehement ausgeführet, daß es nicht nur in vielfachen Intervallen quer über den gesamten Schloßhof widerhallte, sondern allzumal jedes untermauerte Gebälk in den inwendigen Gebäudeteilen zum Erzittern brachte und damit sowohl den Torwächter in seinem hohen Turme ebenso maßgeblich erschröckte, wie es auch mir in der abgelegenen Laubenkammer hinter den Pferdeställen noch in den Ohren pochte, allwo ich mich im Rahmen meiner kürzlich erst beantragten Arbeitsniederlegung doch gerade erst so gemütlich zu Quartier gelegt hatte.

Was es nun mit dem Klöpfen insgesamt auf sich hatte, warum der Turmwächter so dull war, daß er nicht sogleich die Pforten öffnete, und wie es also dazu kam, daß ich die Arbeitsniederlegung wieder schneller beendete, als irrsprünglich geplant, das ist nun eine Historia von der ich im folgenden etwas ausführlicher berichten will;

 1.1

Es würde sich wohl jeder andere ebensoviel wie ich darüber gewundert haben, wie man so dermaßen feste gegen ein tausendpfundschweres Holtztor klopfen kann, daß es alle nächtigenden Inwohner bald aus ihren Schlafkammern herauslocken wollte – allein, dazu kam es nicht, und zwar allein deshalb nicht, da neben mir und dem Torwächter gar niemand mehr sonst auf dem Schlosse zugegen war; schließlich hatte sich mein hochedler und wohlgerechter Brötchengeber Urbald Freiher von Oberhand den Umstand meiner Arbeitsniederlegung zu Nutze gemacht, indem er wie über ein hierdurch bereitgestelltes Trittbrett sogleich in seine Reisekutzschen sprang, um gemeinsam mit seinem ganzen unterthänigsten Gefolge „für ein paar schöne Täge und ebenso lustig wie der Sommer in die vergnügte Welt hinaus zu fahren.“

Ich derweil könne ja solange neue Tinte anrühren, Federn anspitzen oder „was einem Schreiber sonst eben einfällt, wenn er sich dabei verhindert sieht, der Ausübung seiner Pflichten nachzukommen.“

Lediglich wies er mich an, Zeit meiner passiven Opposition nicht sämtliche allhie befindlichen Tore, Fenster, Guck- und Kellerlöcher zu verriegeln oder gar mit Vorhängen und Holzlatten abzuhängen, sonst könnten vorbeiziehende Wanderer noch zufällig spekulieren, hier sei die Pestilenz ausgebrochen, oder was dergleichen virale Vermutungen jemandem sonst einfallen, die einem dann auf alle Tage noch nachhänken.

 Die großen Kronleuchter in der Wandelhalle derweil solle ich aber „wiederum einstweilen unentfacht im Dunkeln so hangen lassen“ und demgemäß auch sämtliche andern teuren bis oberflüssigen Lichte abdunkeln, da sich hierdurch große Besucherströme herbeigezogen fühlen könnten, denen ich so allein auf mich gestellt wohl allzu hilflos ausgeliefert wäre.

„Aber kurze Stümpfe von Handkerzen wären schon erlaubt?“, erwiderte ich fragsweise befürchtent, ob mir somit nur Zeit des Schreibens ein Licht zu haben erlaubt wäre und ich sämtliche Streikszeit demnach im Dunnkeln zu verharren hätte…

 „Stumpfkerzen? Durchaus, günstiger Scribent Notre fou le Camp (er versprachwechselt mitunter meinen Namen und ich weiß nie, ob nur als Scherz), durchaus können Sie Stumpfkerzen benützen“, gab er bekannt; da solle ich mir mal keine Sorgen machen; auch „zweidrei“ Ölleuchten könne ich gern in alle vier Ecken platzieren, ganz wie es mir beliebt. Lediglich eine Sache hätte ich tunichts zu unterlassen… und wie ich also fragte, was das denn wäre, führte er das folgende aus:

„Niemalen, Monsieur de la Voucher le Camp, niemalen – und selbst wenn die größte Dunkelheit hereinbräche oder der kälteste Nachtwind durch die Ritzen pfeiffend Ihnen die letzte Stumpfkerze auspustet, niemalen dörfen Sie sich jene fadenscheinige Außenbeleuchtung wieder zu entfachen selbst ermächtigen, die neben, unter oder über jedem Objekt da immerzu prangen, womit ich sowohl die überall herumstehenden fahl flimmernden Fackeln als auch die da fortwährend glimmend gugelnden G+rubenleuchten meine, die anderstwo von mir auswegen gerne weiter prangen dürfen; eben so, als wollte man damit jedes noch so kleine Objekt mitteilsam in die ganze aufgeteilte Welt hinausstrahlen lassen – das mag indweder selbst entscheiden; wir aber, mein mir zutiefst vorgeneigter Votre le Camp Nou, wir wollen unsere lichten Objekte nur eygintlich wie unbemerkt vor das Tor karren, vielleicht sogar nur um das zugestapelte Hirn von demselben Ballast insgesamt bloß freizuräumen, womit ich schlussendlich sagen will, daß wenigstens bei uns derogleichen fahlen Hervorleuchte-Lichte fürderhin nicht unverboten bleiben sollten!“

1.2

Auch wenn ich dergleichen mehrfach umgestülpten Formulierungen meines hochwohnenden Herrn und Brötchengebers Urbald Freiher von Oberhand manchmal selber nicht rechtens verstehe, so befolge ich doch stets seine Anweisungen, zumal er mir oftgenügend erlaubt, im Rahmen meiner beschränkten Möglichkeiten auch hin und wieder aus eigenem Ermessen heraus zu handeln.

Zumal gab mir obgemeldeter Erlaubnisbefehl letztlich auch Ursach, diesen inwendigen Bericht zu schreiben, worin ich mich also nunmehro selbst ermächtige, über meine eigenen Sachen nachzudenken und nicht, wie es seine Hochwohlredenheit nämlich am liebsten sähe, Kraft meiner Feder allzuvorderst so zu schreiben, daß instbesonders dem Gemeinwesen damit gedient wäre.

Was will man aber dem Wesen im allgemeinen dienen, wenn man sich als Einzelwesen demselben im Großen und Gagaganzen gagagar nicht zugehörig fühlt? Wem wäre folglich dabei geholfen, wenn man das Allgemeine zum größten Teil anprangert oder sich selbst zum Schutze wegen nur schreibend dort heraus zu winden versucht? Was will man denn über die gantzen Dümmheiten und Ekelkeiten noch viele Worte verlieren, allzumal sie auch ohne das geschehen? Und wo bliebe der Feinsinn dabei, wenn nicht auf der Strecke? Was will man denn als ein geläutertes Schäfchen auf der buntgrünen Wiese hockend vor schöne Sache schreiben, wenn die umstehende Herde es alles wieder niedertrampelt?

Dergleichen Sachen frug ich mich also unter Anzündung meiner Oppositionskerzen und wenn ich wüßte, daß auch die hiesigen Worte einmal könnten gelesen werden, so würde ich um der geliebten Kürze willen flugs berichten, was es denn nun endlich mit dem Klöpfen gegen das Thor auf sich hatte, zumal die ganze Geschichte ja auch erst an dieser Stelle wieder von Neuem begunte;

1.3

Während ich mich also in die Laubenkammer hinter den Pferdeställen verfrachtet hatte, stund nun das Schloss ebenso menschenverlassen und verdunkelt auf seinem Fleckchen Land, wie ich mich selbst auch fühlte. Es dürfte wohl so verlassen gewirkt haben, wie zur der Zeit bevor mein vielgelobter Herr Urbald Freiherr von Oberhand es sich in liebevoller Kunstsinnigkeit zu seinem Herrenhause gemacht und somit in die Herrlichkeiten längst vergessener Tage zurückbefördert hatte.

So wurde mir dann im Angedenk solch viel schönerer Zeiten auch wieder ganz melaunkholisch zumute, was das Unterfangen, mich von allem gegenwärtigen Unbill zu erholen, widrigenfalls wohl nur erschwerte.

Da aber schlug plötzlich eben obgemeldeter Besucher gegen das Schlosstor an, von dessen Begehr ich allerdings zunächst gar nichts wissen wollte, so sehr es mich auch ziemlich aus dem trübsinnigen Nichtstun hochfahren ließ. Aber ich bekümmerte mich darum nicht viel mehr, als daß ich müde aus dem muldigen Bettkasten herauskletterte und in einen Pantoffel nach dem anderen stieg, kopfschüttelnd darüber, wer denn hier schon wieder in aller Herrgottsfrüh die Aufmerksamkeit des doch offensichtlich völlig überplagten Schreibers einforderte.

Hätte ich aber gewußt, daß es sich hiernbei um einen Postrenner handelte und vor allem was für ein Schreiben er mir da zu übereichen hatte, so wäre ich umgehend das Tor öffnen gekommen, um das gelieferte Schreiben auch sofort zu lesen. Denn anders als der gewöhnliche Landbote oder die von staatswegen gelbleuchtenden Briefzusteller in den Städten, war dieser Postrenner kein Überbringer von einem dutzend quälgeistigen Zuschriften, sondern war er mit einem einzigen Brief unterwegens, den er obendrein per special ordinance aus Richtung eines mir geistig hochbefreundeten Landes zu überbringen losgeschickt wurde.

Darüber, was ferner in dem Brief geschrieben stund, kann ich dem neugierichten Leser nur in soweit was referieren, als daß ich betonen will, wie sehr er mit feinfühliger Feder auf kostbarsten Papiere war geschrieben worden und daß er nämlich von keinen so zudringlichen Tönen durchsetzt war, wie sie vonseiten des eiligen Postrenners noch gegen das Tor vorgebracht wurden.

Allein, zu all diesen Feststellungen kam ich gar nicht so schnell wie hier vorausgekündet – und ich beschreibe dem etwaigen Leser dieses fahrige Hin und Her ganz gewollt so müde machend, wie es sich also zutrug – demnach ich mich, statt das Tor öffnen zu gehen, doch wieder nur unwillig auf die Bettkante hockte und wieder so viel nachgrübelte, wie alle Tage vorher sonst. Zumal befand ich mich augenblicklich nicht etwan allein im Zustand der Widersetzlichkeit zu meiner mir zugedachten Aufgaben als gemeinnütziger Scribent, sondern im bloßen Ausruhen von der vielen geistigen Plaquerey, so man während des Schreibens hin und wieder zu erleiden hat. Dannenhero bringt einen die Verrichtung solcher Werksarbeit umso viel desto mehr in ziemliche Erschöpfung, je düsterlicher die Tinte ist, in welcher die jeweiligen Objekte allezeit abtauchen, um bloß nicht ins Tageslicht rausgeschrieben zu werden, wo sie aber höffentlich desto schneller verdampfen, je fester sie noch gegen die Wahrheit anzustinken versuchen!

GOtt gebe demnach, daß es um diese Zustände alsbald besser werde!

1.3.1

… wird fortgesetzt (je nach Umstand vermutlich um wenige Sätze pro Tag* oder alle 2 wenn nicht gar auch mal drei Tage* oder mehr, denn manchmal dauret es mehr Zeit zu schreiben, als von der Weltengeduld hierfür vorhanden wäre)

1.3.2

Anstelle von „Tagen“ können es auch mal Monate, Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte werden. Insbesondere dann, wenn man bestrebt ist, das jeweilige Ereignis samt der manchmal einschlägigen, meistens aber erst irgendwann eingetrudelten Erkenntnuss in der Weise zu beschreiben, wie es der zu belobigenden Ursache jenes Ereignisses gebührte … . Nämlich: In der bestmöglichen oder schönstmöglichsten Art & Weise, und unter Anwendung der schönst funkelnden Wörterketten, so man zumindest bishero für sich gefunden hat – um diese dann in das allerfeinste Gewebe zu gewanden; es solchermaßen zu tun wenigstens glaubt, befähigt zu sein, gleichsames wenigstens zutiefst immerzu wünscht, und manchmal, beizeiten – trotz aller Bescheidenheit – tatsächlich sogar befähigt ist.

 Doch dies sind nun interaktive Interna, die keinen Leser außerhalb darvon unbedingt interessieren würden. Jene, die es aber vielleicht sind, oder deren Sentiment ebenso zart gesponnen ist, wie das dero hier unbenannten Nämlichen, könnten sich vielleicht fragen, was es mit jenem obigen „einzigen Brief“ auf sich hatte, mit welchem der vorabgemeldete fleissige Postrenner damalen per special ordinance aus Richtung eines mir geistig hochbefreundeten Landes zu überbringen losgeschickt wurde; dahero möchte ich, instbesondere solange ich die obige Geschicht nicht weiter zu schreiben so recht in der Lage bin, diese Leser einstweilen und mit allerliebster Danksagung sowie tiefster Reverenz gegenüber derjenigen Wesenheit, so dergleichen Zuschrift mit güldiner Tinte damalen verfasste, nun auf ebendiese Zuschrift wiefolgt verweisen: Intermezzo

1.4

Nach vielen anstrengenden Monaten der inwendigen Rathsbefragung bezüglich meiner Streikerei, derohalben ich hauptsächlich einige Unterredungen mit mir selbsten gepflegt hatte, kame ich heutigen Tages, den soundsovielten Mai 2015 zu dem guten Stuß, diese kleine Erzählung fortzuführen und den auf stets nachlesbare Beschreibungen von verschiedensten Entwicklungen erpichten Leser über alles weitere wiefolgt aufzuklären:

Es begab sich nämlich, daß ich mir die oberwähnte Zuschrift aus einem mir hochbefreundeten Land, die unter dem titul Intermezzo noch immer dort einzusehen ist, also, daß ich diesen artigen Brief mir sehr zu Herzen nahm und alles nochmal überdachte; doch je mehr ich darüber dachte, desto schlimmer wurde es mit der Selbstbehinderung durch eigene Gedanken, welche wiederum zurückzuführen sind, auf gänzlich andere Umbstände, diese hingegen nicht auf dem Schreibtisch zu finden und auch dort gar nicht zu lösen, sondern im würklichen Leben außerhalb aller Tintenkleckserei.

Zwar fung ich wieder lustig an, einige viele Texte zu schreiben, welche auch aufmerkam wollten gelesen sein, aber eben das sollte mir ja schon wieder verraten, daß es mir vielleicht auch um Aufmerksamkeit ging, die zu erlangen ich mir durch indirekte Anbeteiligung aufmerksamer Leser letztlich herbeischrieb.
Dannenhero war die nächste crisis schon wieder vorherbestimmt, in die ich auch gleich kopfüber hineinfiel – wie einer der durch Matsch Richtung Sumpf stapft und das Hindernis eines Steins nicht sieht, stattdessen drüber stolpert und mit der Nase voraus in den Sumpf fällt.

Ich benötigte somit gar nicht mehr zu streiken, denn wo es mit den Zweifeln schon soweit gedungen ist, daß sich dortheraus eine völlige Unfähigkeit entwickelte, braucht man dem anfänglichen Vorhaben, künftig nicht mehr so viel tun zu wollen, gar nicht mehr viel beizutun.

Diese ganze Begebenheit wurde selbstverständlich auch von meinem Herrn Geschlaucht Wohlhochgebornn Urbald Freiherr von Oberhand skeptisch observieret, und während er meinen kurzzeitigen Streik vorher noch unterstützte, war er nun umso besorgter um meinen Zustand; auch fühlte er sich wohl in seiner höher gestellten Position insoweit übersehen, als daß er keine Regierung weder für noch wider mich mehr ausüben konnte.
Also sah er sich gezwungen, seine Autor-ität obwalten zu lassen und verschiedene Maßnahmen dagegen einzuleiten, was eine Historia ist, der in einer extraordinärri Schrift derzeit sehr ausführlich nachgegangen wird, ob wir sie aber jemalen der Öffentlichkeit zum Lesen geben, ist solange noch fraglich, bis das letzte Wort geschrieben …

1.4.1


 

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