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Siegwurtz, geschrieben von JFlC, Schreibknecht zu Diensten im Junii anni Domino 2013
Titel geändert in 2017, der vormalige Titel
Kurtzes und Ordentliches Tractat, worinnen vom neumodischen Zeitungsschreiben gehandelt wird…“ etc wurde vorläufig in die Entwurfsabteilung verlegt

Einmal, wie ich mich auf die Suche nach einem gleichbedeutenden Ersatzwort (welches von den Lateinern Synonymum und lange vorher bei den Griechen syn-onymon genannt wurde) für das Wörtlein Internet machte, da stieß ich selbst nach gründlichster Durchforstung des selbigen nicht auf einen besseren Begriff, den ich ersatzweise auf jene sonderliche Sphär, namentlich Internet, hätte verwenden können.

Zwar darf man es allgemeinhin ein ‚internationales Computer-Netzwerk‘ oder ein ‚weltumspannendes Hochgeschwindigkeitsnetz‘ nennen, doch dergleichen Umschreibungen sind nur umständliche Phraseologia, die dem Schreiber allenthalben als Notbehelf dienen, den Mangel besserer Worte zu übertünchen; was vom Leser aber desto ungeduldiger gelesen wird, je mehr Sylben er darauf anzuwenden hat, sonderlich dort, wo es sich bei dem Begriffe bloß um gebräuchlichste Dinge handelt;

Diese nämlich werden zumeist ebenso knapp benannt wie sie dem Stammwort nach benützt werden, als da wäre: Stuhl, Bein, Tisch, Tuch, Bier, Glas, Tür, Knopf, Hand, Schuh, Geld und Sack, was Begriffe sind, die bei weiterer Anwendung dann als Stuhlbein, Tischtuch, Bierglas, Türknopf, Handgeld und Schuhsack entweder schlicht zusammengesteckt oder je nach Belieben beisammengeschoben werden können, wonach zu schließen ist, daß selbst die längsten und vielsylbigsten Wörter aus Wörtern mit bloß einer Sylbe bestehen – und falls nicht, so sind es höchstenfalls zwei Sylben, wie bei der Hose und der Tasche, woraus dann entsteht eine Hosentasche, was auf deutsch insgesamt heißt: schau erst nach, was gebraucht wird, bevor du ein newes Wort dazu erfindest oder woanderst entlehnst.

Soviel zu den Einsylben, sobald wir aber zwei bis mehr Sylben auf ein Wort verwenden wollen, so bedienen wir uns zur Expansion Erweiterung der Stammworte schlicht des Buchstabens E, der in der deutschen Sprach ja so ebenso häufig auftritt wie das Gaensebluemchen auf der Wiese.

Nun gäbe es hierzu noch mehr zu sagen, doch wollte ich in diesem Artikul mehrstenteils von dem dreisylbigen Wörtlein Internet was Hilfreiches vermelden und zwar dies allein zum Zwecke der Befriedung zweier sich gegenseitig anspeiender Gruppierungen – nämlich den Gegnern des Anglizismus so wie auch denen des übertriebenen Deutschthums. Da sei viel Obacht geboten, denkt man, dabei sollten sich doch beide Lager allein nach kurzer Betrachtung des Internets längst zufriedengelegt haben, schließlich dient das Internet nicht nur im Werk der verständigen Völkerverbindung, sondern tut es dies allein schon im Wort – ein Wort, das eigens aufgrund seiner weltweiten Verwendung so kurzgehalten wurde, damit ein jeder auch versteht, was ein jeder benutzt.

Zum Trost der Deutschliebhaber will aber vermerkt sein, daß sich das Wort Internet nicht nur aus drei Sylben sondern auch aus drei Sprachen zusammensetzt, nämlich aus dem Lateinischen, dem Englischten und – man will es kaum merken, besonderlich aus dem Deutschen. Zwar entspringt es auf den ersten Blick bloß der englischten Wortkonstruktion interconnected network, was ein miteinander verbundenes, verflochtendes Netzwerk bedeuten soll, doch entfernen wir hier die Konnexion und das Werk, so bleibet bloß noch das Inter und das Net übrig – womit wir aber nicht gleich wieder gegen die Engländer den Harnisch auftragen sollten. Denn im England entlehnt man das Wort Net im Grunde nur wieder zurück aus dem müttelhochdeutschen Wort netze und dem althochdeutschen Wort nezzi, während das lateinische Wort Inter nicht ungleich ist vom altindischen antar – und während das alte Deutsch ja in Würklichkeit dem alten Indisch enthüpft sein soll, bedeutet das indische antar im Deutschen soviel wie zwischen. (wonachhin wir es auch hätten Indernet nennen können)

Daherwegen wird dieser Ansatz auch vom allgegenwärtigen Enzyklopedium proletarium, sogenannt wikipedia, aufgegriffen, indem es uns als ein weiteres kurzgehaltenes Ersatzwort nun endlich den Begriff Zwischennetz anbietet, um uns gleichdrauf sogar noch viel wohlgefälligeren Synonyma unter die Nase zu halten, so nämlich die schönschlichten Worte Internetz oder Weltnetz;

Diesem Angebot wiederum läßt man sogleich eine Warnmeldung nachfolgen, nehmlich daß wir auf der Suche nach dem rechten Wort stets ganz wachsam sein sollen, denn „Eine besondere Verbreitung findet der Begriff Weltnetz in rechtsextremen Kreisen“, ei der Daus!

Wenn es aber nun so ist, daß die Anwendung eines im Grunde vollkommen härmlosen Wortes zur Folge haben könnte, daß ich damit unversehens ins rechtsextreme Eck abtransportiert werde, so stürzt mich dieser Umstand doch sehr in Zweifel, ob ich statt des deutschen Wortes „Begriff“ nicht vielleicht besser den Begriff „Terminus“ hätte verwenden müssen!?

Doch ebenso wenig wie ich andauernd ins Römerverließ gesteckt werden möcht‘, ebensowenig will ich mich fortwährend darum kümmern müssen, welches einstmals heile Wort entweder nicht mehr erlaubt ist oder einstweilig noch unverboten bleibt … hauptsach wir schreiben keine Sauzoten gegen andere hin, die auch mit Recht keinem gefallen.

Ansonsten aber dürfte im heiligen dämlichen Reich zusammengestauchter Nationen doch jedes Wort erlaubt sein, zumal jede europäische Sprache schon so viefältig ist durchgemischet worden, daß es wohl nirgends keinen Unterscheid mehr machen dörfte, von welcher Wurzel welches Wort im Anfang herrührte.

Denn ebendso wie viele von frembden Sprachen herkommende Worte nicht mit neuen teutschen Worten umgenennt zu werden bedürftigen, ebenso wenig sollen wir unsere alten Stammworte nicht willfährig gegen außerländische Worte ersetzen – reicht es doch allzeit aus, sie schlicht zu verdolmatschen; um nicht zu sagen; wenn aus dem heimatlichen Erdboden eine Siegwurtz gewachsen ist, so müssen wir sie bei der heimischen Gartenarbeit nicht Victoria Radix, Victoria el radical¿ oder gar Victory Roots nennen, zumal man dergleichen Worte gar nicht da anzuwenden benötigt, wo man sich um ausländische Dinge sowieso nicht bekümmern möchte.

Was demnach die letzten Worte nun genau bedeuten sollten, das weiß ich gerade selber nicht, es könnten aber Worte von der Art sein, welche dem Auctoris noch während des Schreibens unversehens zuwiederfahren pflegen, da er im Gedancken schon beim nächsten ist – was nämlich das Schreiberdasein im Internet wäre, wo eben ein sorgfältiger Informator immer dahin trachten sollte, ob er seinen Lesern bloß oberflüssige Gedancken einflössen möchte oder ob er nicht vielleicht etwas Besseres damit im Sinne hat.

 


Update Fortschreibung 23.Juni 2013: Die Deutsche Bahn will Anglizismen künftig vermeiden (tageschau.de)