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Das nachfolgende Gedicht entspringt dem Buch Friedrich von Schiller – Ein Mord und tausend Lügen von Paul J. Muenzer:

Der ungesühnte Freund
von Franz Jäger

Welch schweigsamer Zug in verlassenen Gassen,
Der Wind weht klagend durch die stille Nacht,
Wer wird so einsam, so weltverlassen
In nächt’ger Stund zu Grabe gebracht?

Tief schwarz verschleierte Männer tragen
Den einfachen dunkelen Leichenschrein,
Und leis unterdrückter Schmerzen Klagen
Tönt aus den düsteren Trägerreih’n!

Doch eilends hasten die Männer weiter,
Nicht Ruh‘ sich gönnend, nicht kurze Rast,
Es war, als ob ein gespenstiger Reiter
Sie antrieb zu scheuer, eiliger Hast!

Kein Freund sprach letzten Gedenkens Worte,
Kein Lied ertönte als letzter Gruß,
Entsetzt wich jeder von diesem Orte
In eilender Hast mit flüchtigem Fuß.

Wer war der Tote, der hier versenket,
Verfehmt, geächtet ins düstere Grab,
Daß keiner der Menschen seiner gedenket
Und jeder sein Herz verschlossen hat?

Schiller war’s, der edle und echte,
Einer der Größten unter den Großen,
Von überstaatlichen tückischen Mächten
Mit Gift in das stumme Grab gestoßen!


Verweise:

→ Eine interessante Betrachtung zum möglichen Mord an Schiller findet sich auf der Internetseite „Das Adelinde-Gespräch“: → Wortkünstler Goethe macht eine Zeugenaussage im Mordfall Schiller

Nachtrag April 2015

→ Friedrich Schiller ‒ oder der Mord, den fast niemand sehen will
Von Urs Bigler – Am 14. Apr. 2015: http://www.neopresse.com/wissenschaft/friedrich-schiller-%E2%80%92-oder-der-mord-den-fast-niemand-sehen-will/

Herbeizitiert: Friedrich Schiller