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„Die Arte-Doku „The Brussels Business“ macht es sich zu einfach. Sie beschränkt sich auf die Industrie-Lobby. Zudem sind die Regisseure eher auf der Suche nach Schuldigen als nach Wahrheiten.“

So schrieb heute die FAZ in Reaktion auf eben genannte Dokumentation, die  kürzlich mit dem Zusatztitel „Wer steuert eigentlich die Europäische Union?“ vom Fernsehsender arte einigermaßen waghalsig in den Äther gepfiffen wurde. Im Windschatten dieser Sendung hat sich die FAZ nun also auch mal ein bißchen getraut, die Worte Lobbyismus und Brüssel in einem Satz hinzuschreiben. Daraufhin begibt sich die FAZ selbst zwar weder auf die Suche nach Schuldigen noch auf die Suche nach Wahrheiten, doch erstens ist das heutzutage sowieso nicht mehr das Anliegen der öffentlichen Medien und zweitens muß man auch bedenken, daß die FAZ in der gleichen Stadt vor sich hinbrüten muß, in der auch die Europäische Zentralbank ihr Tag- und Nachtwerk verrichtet, nämlich und namentlich im sogenannten Euro-Tower.

Vor diesem Hintergrund einen gesunden Euroskeptizismus an den Tag zu legen, das wäre wohl zu viel verlangt,  doch immerhin wurde hier einmal wenigstens etwas erwähnt, das einen nach Verlassung von vorgefertigten Medienmeinungen zu eben diesem Skeptizismus verleiten könnte. Hierzu in gewisser Weise indirekt von den Medien inspiriert zu werden, tja, also „das allein ist bemerkenswert, tun sich die aktuellen Medien doch oft schwer, den Lobbyismus in Brüssel zu thematisieren – nicht zuletzt, weil beide Seiten eng zusammenarbeiten. Schließlich wird so manche Exklusivgeschichte gezielt von Lobbyisten gestreut,“ so die FAZ.

Also, ich finde, das klingt doch schonmal ganz gut. Bestimmt weiß die FAZ auch ganz genau, wovon sie da eigentlich schreibt, schließlich dürfte es sich beim heutigen Journalismus mittlerweile ganz ähnlich verhalten wie beim guten alten Lobbyismus: “Es liegt in der Natur des Lobbyisten, dass er Entwurf und Verabschiedung neuer Gesetze meist möglichst jenseits der öffentlichen Wahrnehmung zu beeinflussen versucht. Die Öffentlichkeit wird erst gesucht, wenn alles andere misslungen ist.”

*Was natürlich nicht heißt, daß die Manipulation der Öffentlichkeit damit abgeschlossen wäre.


Quellink:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/lobbyismus-in-bruessel-hinter-jeder-tuer-lauert-eine-verschwoerung-12059388.html

zum Thema:

Oeconomicus→ vom Kuschelrittertum der EU-Claqueure