Kapiertel soundsoviel der Abhandlung ‘Wer ist in meinem Fall schon ich’

Entwurf vom 25. Dez 2012

.. Je einsichtiger das literarische Ego des Schreibers, desto weniger schreibt er, um ein bestimmtes Ich auf dem Papier zu errichten, sondern um ein bestimmtes Ich zerfliessen zu lassen wie Tinte, oder es (also das Ich) wenigstens erstmal wörtlich auseinanderzunehmen.
Somit schreibt man nicht nur an sich selbst, sondern schreibt man sich auch selbst ab. Und wenn ich mich selbst abschreiben will, so frage ich nicht Was machst du denn, was machst du denn? – sondern schau ich erstmal in den Duden.
Da steht unter Abschreiben dann folgendes:

Abstriche machen, fallen lassen, aufgeben, verloren geben, sich abtrennen, entsagen, absagen, versagen, zurücktreten, Abstand nehmen, sich etwas aus dem Kopf schlagen, etwas zu Grabe tragen, an den Nagel hängen, in den Mond, in den Schornstein, in den Wind schreiben…

In den Mond, in den Schornstein, in den Wind schreiben. Das klingt in meinem Zusammenhang erstmal ziemlich destruktiv, doch geht es ums Ego-Ich, so ist es nur gut. Schreibe dich selbst in den Wind. Denn als Schreiber gilt es wohl diesem Ich, diesem unfaßbaren Wort Ich, erstmal schreibend zu begegnen, sowohl der Nähe wegen, als auch der Entfernung wegen.
Von welcher naheliegenden Sache entferne ich mich, wenn ich mich in der Funktion eines Schreibers mir entfernten Dingen zuwende? Entferne dich heimlich von dir selbst, dann kommst du dir unheimlich näher.