Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , ,

Entwurf vom 25. August 2012
Zusammenstellung nach der Erstfassung von 2011-2012,
teilw. Korrektur der Rechtschreibung Ende 2012,
strukturell komplett umgestellt Anfang 2013,
gesamte Aktion frustriert beendet Ende 2013
Anzahl der Wörter: 32817 (18598+14219)

Inhaltsangabe
fette Texte könnten einmal zusätzlich als einzelne Artikel erscheinen

  1. – Einleitung: Hinausgewollt
  2. – Lieber Name entfernt
  3. – Bruch der Verbindung
  4. ? Überschrift fehlt
  5. ? Ich für meinen Teil (für wessen Teil auch sonst?)
  6. ? Überschrift fehlt
  7. Das kognitive Blaue
  8. Das Gesamtwerk eines Autors: Ein Prozent Essenz, 99 Prozent Beiwerk
  9. – Angestossen
  10. – Preisgabe
  11.  – Das kannst du wohl abschreiben
  12. – Die Entfernung des Ich (Literaturpsychologie)
  13. – Merkmale der Literatur
  14. – Ein schriftliches Ab-kommen
  15. Wahrheitsverschreibung
  16. Briefe ins zerbombte Dresden
  17. – Selbstbestätigung
  18. – Zurück zum höheren Selbst
  19. ? Überschrift fehlt
  20. ? Überschrift fehlt
  21. Man selbst
  22. – Bestandsaufnahme anhand symbolträchtiger Fallbeispiele (BasF)
  23. – Die Entfernung der Chemiefabrik
  24. – Himmel Herz und heimatboden
  25. – Heim ins Reich
  26. – Unsere gemeinsame Person hat Sodbrennen

Im Anhang: WERKSABTEILUNG – ZUTRITT AUF EIGENE GEFAHR, Randnotizen 2011

= 18598 Wörter
+ 15274 im Anhang


Wer ist in meine Fall schon ich – eine Abhandlung in vielen Kapierteln

allen schreibenden Personen
sowohl aus den kopfsteinbepflasterten Bereichen des bürgerlichen Proletariats
als auch
der auf Marmor und Granit wandelnden Intellektuellenkaste

und
selbstredend meinem eigenen manipulierten Hirn höchstselbst

in etlichen Teilen mutig vor die Kammer gelegt


Einleitung:
Hinausgewollt

… du erinnerst dich vielleicht noch, wie müßig es schon damals für uns beide war, wenn uns in der Schule die folgende Frage gestellt wurde:
„Welche Intention verfolgt der Autor mit seinem Werk?“
Diese Frage konnten wir ja noch nie so richtig leiden. Wir wußten zwar, worauf sie ungefähr damit hinaus wollten und schrieben auch irgendwas hin, nur haben wir nie verstanden, warum man uns überhaupt solche Fragen stellte. Daß wir obendrein auch noch unter Androhung von Strafen zu Antworten gezwungen wurden, das empfanden wir als vollkommen ungerecht, schließlich hatte sich jemand anders die Frage ausgedacht – soll er sich doch selbst um die Beantwortung kümmern!
Du hattest dich bei der ganzen Thematik ohnehin meistens in der Nase bohrend zum Fenster hinaus geträumt, während ich mich zwar um Antworten bemühte, doch beleidigte schon allein die ganze Vorgehensweise meine Intelligenz.
Manchmal hätte ich am liebsten mit der folgenden Gegenfrage geantwortet:
Welche Intention verfolgt eigentlich die Schule, daß sie mir all diese Fragen stellt?
Warum fragt die Schule mich nicht was Sinnvolles?
Zum Beispiel: Welche Fragen sind es, die dich derzeit am meisten bewegen?
Ich meine, das wäre doch mal eine Grundlage gewesen, auf die man hätte aufbauen können! Dann wäre eine konstruktive Zusammenarbeit mit mir auch durchaus möglich gewesen. Jedenfalls so drei bis vier Jahre lang, denn ehrlich gesagt, ist mir bis heute nicht klar, was mir die gesamte nachfolgende Indoktrinationszeit eigentlich gebracht haben soll.
Wie dem auch sei: Welche Intention verfolgt der Autor denn nun mit seinem Werk?
Es dürfte doch klar sein, wie die Antwort lautet:
Der Autor verfolgt mit seinem Werk die Intention, gelesen zu werden.
Sonst hätte er es wohl nicht veröffentlicht.


VORWORTe

„In den meisten Büchern wird die erste Person, das Ich, umschrieben; hier wird sie beibehalten. Das ist, was den Egoismus anbelangt, der Hauptunterscheid. Wir erinnern uns gewöhnlich nicht daran, daß im Grunde genommen ja doch nur die erste Person spricht.“
H.D.Thoreau, Walden, 1891

„Ich würde nicht soviel über mich reden, wenn ich irgend jemand anderes ebenso gut kennte. Leider bin ich durch die Beschränktheit meiner Erfahrung auf dieses Thema angewiesen. Auch verlange ich von jedem Schriftsteller, zu Anfang oder am Ende, einen einfachen, aufrichtigen Bericht über sein eigenes Leben, und nicht einen solchen über das Leben anderer Leute; einen Bericht, wie er ihn wohl aus fernem Lande seinen Verwandten zukommen ließe; denn wenn er aufrichtig gelebt hat, so muß das fern von hier gewesen sein.“
H.D.Thoreau, Walden, 1891


KAPIERTEL 1.
Lieber Name entfernt

Lieber – (Name entfernt), ich hoffe, es geht dir gut. Obschon ich gleich hinzufügen möchte, daß mir diese Wortwahl nicht so gut gefällt, schließlich sollte es in erster Linie darum gehen, wie es dir geht und nicht darum, was ich mir erhoffe.
Noch unpassender, als zu hoffen, es ginge dir gut, erschiene mir allerdings die Formulierung Wie geht es dir, denn wollte ich das wirklich wissen, dann würde ich dich jetzt einfach anrufen.
Jedoch verhält es sich mit uns ja so, daß wir noch nie sonderlich gerne telefoniert haben; Dieser Art der Kommunikationsform standen wir allerdings nicht erst seit Erfindung oder Einführung des Mobilfunktelefons widerspensig gegenüber, sondern schon zeitlebens nicht. Schließlich liegt der Reiz des Menschendaseins, obschon wir zum Großteil im Geiste exisitieren (weiß der Geier wo das nu wieder sein soll), mitunter auch in der körperlich sinnlichen Gewahrwerdung eines konkreten Gegenübers. Zwar waren wir beiderseits auch diesem sinnlichen Begehren (nach der körperlichen Anwesenheit eines Anderen) kaum noch unterlegen und es drängte uns nur selten danach, doch wenn es uns einmal heimsuchte, so verspürten wir zur ersten Kontaktaufnahme alles andere als den Drang, zur Wiederaufnahme, Aufrechterhaltung oder bloßen Gewahrwerdung unserer ohnehin stets aktiven innigen Verbindung, zunächst einen Telefonapparat zu benutzen.
So ließen wir das Telefonieren folglich bald so gut wie ganz bleiben, und da wir uns zu vielen anderen Personen noch viel weniger jemals verbunden fühlten, während uns all die anderen nachfolgenden Kommunikationsmethoden wie Skype, Chat, Twitter oder Mail ebenso wenig zusagen wollten, hielten wir den Beitritt in ein soziales Netzwerk natürlich für vollkommen abwegig. (wegig, nicht wie manch einer schreibuliert „wägig“, während er aber den Weg meinte und nicht die Waage)

Für uns war dieses ganze Informations- und Kommunikationskonstrukt ohnehin nur so eine Art vorübergehendes weltumspannendes Konglomerat von kybernetischen Übermittlungsanstalten, das wir allenfalls zum Austausch gemeinschaftsdienlicher Informationen nutzen wollten, nicht aber zum Zwecke gegenseitiger Zuwendungsbekundungen und schon gar nicht zur allgemeinen Bekanntmachung vertrauenswürdiger Privatangelegenheiten – welcher Sache sollte damit auch insgesamt gedient sein, außer vielleicht der fortwährenden Befriedigung zwanghafter Mitteilungsbedürfnisse bei gleichzeitigem Ausbau diverser Ego-zentren?

Manch einer mag sich durch die Beförderung seiner Person in derartige virtuelle Netzwerkgemeinden vielleicht einer seligmachenden Verknüpfung mit anderen Knüpfegeistern erfreut haben, wir aber fühlten uns hierbei nie so recht wirklich mit jemanden verbunden, zumindest doch nicht in der Art und Weise, wie wir es noch in der alten Zeit voneinander im besonderen Maße erfahren durften. Die Telefonkommunikation, insbesondere mit der (von Anfang an absehbaren) Folge, bald per Handy auf das zunehmend allgegenwärtige Internet zugeifen zu können, hätte somit für unsere Zwecke gar nicht erfunden werden müssen.

Demgegenüber haben wir die Vorteile, die durch Anbeteiligung des Einzelnen auch für die Gemeinschaft aus dem Internet erwachsen könnten, durchaus erkannt, und lernten das Internet als solches bald sogar als eine lobenswerte Erfindung zu schätzen.
So glaubten auch wir daran, daß ein derartiges weltumspannendes Kommunikationsnetz die Menschheit dazu befähigen könnte, sich Kraft aller individuellen Fähigkeiten über die virtuelle Gemeinschaft bis herüber in der erfahrbare Wirklichkeit zu befördern, woraus sich bald eine sehr verständige Vernetzung auch im alltäglichen Leben wie von selbst hätte ergeben können, wo jeder fortan kreativ an allem mitgewirkt haben könnte, was sowohl dem Einzelnen, als auch der Gemeinschaft von Nutzen gewesen wäre.

Irgendwann aber hatte sich eben jenes soziale Netzwerk ins Internet eingenistet, das sich bald als das Machwerk eines Spinnenmonsters sondergleichen entpuppte und dessen klebrige Spinnenfäden mittlerweile die ganze Welt umspannen – was nur geschieht, um das eigentlich längst vorhandene Netzwerk (nämlich das Internet an sich) nach und nach strukturell umzugestalten und letztlich dergestalt zu übernehmen, daß künftig jeder, der doch längst ein Mitglied einer nonkonformen weltumspannenden Netzgemeinschaft war, sich in diese künftig nur noch einbringen kann, wenn er sich zuvor eine Zugangsberechtigung via facebook (oder googleplus minus amazon slash microsoft punkt com) verschafft hat.

Zwar mag es durchaus nur ein Hirngespinst meinerseits sein, daß dieses Netzwerk eigens ins Leben gerufen wurde, um die (virtuelle) Kommunikationsplattform der Menschheit, das Internet, zu untergraben und ihr das erste oder letzte Mittel, das ihr zur verbesserten Einsicht hätte dienen können, schon wieder abspenstig zu machen, bevor es sich überhaupt recht entwickelt hatte.
Doch selbst wenn dies bloß ein Hirngespinst meinerseits ist, so ist es doch ein tatsächlich vorhandenes Gespinst, und zwar eines mit äußerst klebrigen Fäden, in dessen widrigen Zusammenhängen ich mich wundere, wie es denn sein kann, daß sich mehrere Millionen halbwegs sozialisierte Menschen fortwährend dazu angetrieben fühlen, ihre doch bereits längst existierenden sozialen Umfelde zusätzlich noch in dieses Konstrukt einzuflechten – ja, das ist mir vollkommen unverständlich.
Derweil müßte sich doch wenigstens die Diplompädagogik einmal gefragt haben, ob man ein Netzwerk nicht erst dann ein soziales nennen kann, wenn innerhalb dieser Struktur ein hilfsbereites, gemeinnütziges und wohltätiges Beieinander tatsächlich und beständig gepflegt wird – das sind schließlich die eigentlichen Bedeutungen dieses gruseligen Wortes sozial. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte könnte man sodann vermuten, ein sozial engagierter Mensch wäre jemand, der im Zuge seiner hilfsbereiten und wohltätigen Handlungen in erster Linie dem Gemeinwohl diente, wonach also auch einer Netzwerk-Gemeinschaft erst dann gedient sein dürfte, wenn sich ein Großteil der Benutzer hilfsbereit, gemeinnützig (bzw. nützlich) und wohltätig einbrächte oder wohlbringend betätigte – statt bloß ihr Ego jeweils dort entlang spazieren zu führen.

Verachte hierzu auch die notwendige hochanalytische Schimpftirade darüber was facebuk wirklich ist und wem oder was es tatsächlich dient → DAS ist ein soziales Netzwerk

Sicherlich haben sich einige der dort ansässigen Zellbewohner nur deswegen da eingefunden, weil sie im real existierenden Leben Opfer einer noch viel asozialeren, das heißt, noch weniger hilfsbereiten oder wohltätigen Gesellschaft geworden sind, so daß es ihnen nur gegönnt sein soll, zu erfahren, wie es sich anfühlt, durch ein beständiges Daumen hoch von allen Seiten bekräftigt zu werden oder wenigstens in irgendeiner Form als vorhandene Wesenheit überhaupt wahrgenommen zu werden.
Ich will ihnen diese Art eines vorübergehenden Fluchtersuches vor der völligen Vereinsamung auch gar nicht verleiden, doch sollte sich jeder hierbei einmal fragen, was ihm wohl hypothetisch übrig bliebe, wenn das Internet irgendwann einmal den Geist aufgeben sollte oder wenigstens facebook einmal vor die Hunde geht. Wie wären die etlichen 387 Freundschaften hernach wohl zu pflegen, wie könnte man sich ihnen sonst noch so zuwenden? Würde man sie alle denn regelmäßig besuchen gehen oder ihnen, falls sie zu weit entfernt wohnen, etwa Briefe schreiben, wenigstens Postkarten?

Dies ist schließlich das, um was es hier geht, um das Briefeschreiben, den kommunikativen Austausch per geschriebenem Wort, um den Kontakt mit einem anderen – Geist?.
Doch zum Schreiben an alle diese Freunde wird die Tinte ebensowenig reichen wie das Reisebudget zum Besuchenfahren aller fernverstreuten Freunde. Daher frage ich mich vor allen Dingen eins: Warum in aller schönen neuen Welt trägt man trotzdem seine vollständige Adresse ins Facebook ein, wenn man sich ja doch nie besuchen fahren geht, wenn man sich ja doch nie Briefe an diese Adresse sendet; zumal die wenigen, die tatsächlich enge Freunde, Bekannte und Verwandte sind, längst die Adresse doch wissen! Warum trägt man diese dann aber ins facebook ein?
Wenn man sich einmal fragt, wem meiner Netzwerkfreunde würde ich Briefe schreiben, wen würde ich besuchen fahren, so würde die Zahl wohl auf zwei bis drei Leute abfallen, während alle anderen im Rückblick nur noch als das betrachtet werden dürften, was sie von vornherein waren: Als Anhängsel.

Bleibt mir also fern damit, ich habe kein facebook o.ä, -Konto, denn ich möchte ein solches Anhängsel nicht sein; auch dann nicht, wenn ich vorher ein Freund gewesen bin.

KAPIERTEL 2
Bruch der Verbindung

Fern dieses ausbaufähigen Vergnügungsparks, dieses neuen Tummelplatzes für Trittbrettfahrer aller Art, lernten aber selbst wir das Internet mit der Zeit zu schätzen, und hofften darin so eine Art vorübergehendes Überbrückungskabel zu erkennen, über das die Menschheit sich wieder neu entdeckte und zu verstehen lernte.
Allein durch vernunftige Bedienung des Internets hätte sich jeder an der notwendigen Informationsverbreitung beteiligen können, womit auch dem, was Kommunikation im eigentlichen Sinne bedeutet, gedient gewesen wäre. Darauf hätte man dann aufbauen können, wenn desweiteren verstanden worden wäre, was mit gezielter Information und bewußter Kommunikation alles möglich ist. Kommunikation ist lt. wikipedia zunächst:

„… der Austausch oder die Übertragung von Informationen.
‚Information‘ ist in diesem Zusammenhang eine zusammenfassende Bezeichnung für Wissen, Erkenntnis oder Erfahrung. Mit ‚Austausch‘ ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen gemeint. ‚Übertragung‘ ist die Beschreibung dafür, dass dabei Distanzen überwunden werden können, oder es ist eine Vorstellung gemeint, dass Gedanken, Vorstellungen, Meinungen und anderes ein Individuum ‚verlassen‘ und in ein anderes ‚hinein gelangen‘.

[Wichtig:] Dies ist eine bestimmte Sichtweise und metaphorische Beschreibung für den Alltag. Bei genaueren Beschreibungen des Phänomens Kommunikation wird die Anwendung dieser Metapher (allerdings, Anm. Jermain) zunehmend schwieriger.“

“Zunehmend schwieriger”, so so. Zunehmend schwieriger wird die Anwendung dieser Metapher allerdings eben dann, wenn einer meint, er müsse jetzt unbedingt dazwischen quatschen, wo es für alle anderen gerade anfing, interessant zu werden.
In ganz ähnlich dazwischen quatschender Weise wurde nämlich vermittelst des Mobilfunks plötzlich die Zukunft eingeläutet. Als die Menschen gerade anfingen, sich der Macht und des Potenzials des Internets bewußt zu werden, kam es ausgerechnet zu Beginn des lang ersehnten Zeitenwechsels zur Mobilmachung der Kommunkationstechnik; eben mit der Folge einer regelrecht epidemischen Verbreitung des Mobiltelefons, von denen das sogenannte Smartphone wohl mit die häßlichste aller abscheulichen Fratzen aufträgt, mit welchen jene teuflische Hydra derzeit unsere natürliche und geistige Umwelt aus allen erdenklichen Richtungen bespuckt und verhöhnt.
Und während sich ein Großteil der Menschen zusehends darin verlieren wollte, konnten wir an dieser neuen Technik weder eine Weiterentwicklung menschlicher Geschicke erkennen, noch durch den Umgang mit derselben einen Ausdruck globalen Erwachens entdecken. Vielmehr erspähten wir hinter dem Horizont dieses neu angelegten und aufblühenden Kommunikationsfeldes eine Gefahr für die Freiheit des Geistes aufziehen, der sich nicht mehr als ein großes Ganzes selbst erfassen, sondern milliardenfach aufgespaltet in ebensoviele Zellen gesteckt werden sollte, von wo aus die meisten dieser Zellphone-Insassen glaubten, sie würden nun frei(händyg) kommunizieren, sich in Wirklichkeit aber nur wie die eingesperrten Affen im Zoo von einem Mobilfunkmast zum nächsten schwangen, statt sich hinter dem Dampf einer gemütlichen Tasse Tee auf die Zeit zurück zu besinnen, als man sich noch ohne technische Hilfsmittel zutiefst miteinander verbunden fühlte und den guten Draht zueinander auf gänzlich andere Art und Weise verspüren konnte.

Spätestens im Zuge der weltweiten Verbreitung der handlichen, schnurlosen Funkmobiltelefone und dieser Art der Mobilmachung von seiten der Kommunikationsindustrie gegen den ursprünglich unermeßlich empfangsbereiten und sendungsbewußten Geist, sollte auch diese urwüchsige Verbindung, oder der gute Draht, über den wir uns von Anbeginn der Zeit miteinander verbunden fühlten, bald in weitere Ferne gerückt werden; und zwar, indem man jenes hier nun schon mehrfach kritisierte Konstruktum künstlicher Kommunikationskanäle dazwischen gesetzt hatte, über das wir alle in die Irre geleitet werden sollten.
Diese Entwicklung machte uns beide manchmal recht einsam – allerdings orientierungslos verloren einsam, nicht innigst zuiefst im All-Ein-Sein einsam – waren die innigsten Verbindungen doch nunmehr so dermaßen irritiert, daß man glauben konnte (oder sollte), sie seien gar nicht mehr aktiv.

So, seither im drahtlosen Innern nach dem alten Drahte hilflos suchend, blieben wir ganz uns selbst überlassen alleine zurück und konnten am Telefonieren umso weniger Gefallen finden, je fortschrittlicher die Technik wurde.

Hiervon uns aber zunehmend bewußt abwendend, haben wir bald unsere ewige Verbundenheit zueinander aufs neue zu spüren gelernt und uns auch ohne den Zuspruch einer virtuellen Lach und Spieß Netzwerkgesellschaft stets recht wohl befunden. Ohne Benutzung eines technischen Kommunikationsgeräts brachten wir unsere Verbundenheit zueinander erneut zum Ausdruck, indem wir uns wieder der altertümlichen Methode des klassischen Briefwechsels bedienten, was uns als hinreichender Brückenschlag räumlicher und anderer Distanzen vollends genügte.

Überschrift fehlt

Betrüblicherweise verhält es sich aber mittlerweile so, daß auch unser altbewährte Schriftwechsel seit geraumer Zeit zum Erliegen gekommen ist.

Seither weiß ich weder, wie du dich befindest, noch wüßte ich genau, wo überhaupt du dich derzeit befindest – ich vermute aber, du bist immer noch dort, wo du schon immer warst – lediglich scheinen dich meine Worte nicht mehr zu erreichen.

Auf eine unerklärliche Weise bist du mir von der Seite gewichen; ja du scheinst sogar weiter von mir entrückt zu sein, als die Sonne in der Nacht von der Erde entfernt zu sein – scheint (derweil sie ja tatsächlich trotzdem scheint), und das leider ausgerechnet in diesen wirren Zeiten; es sind die Jahre des Aufbegehrens gegen äußere Umstände, die Jahre der politischen Aktivität und auch die Jahre der spirituellen Offensive, die ebenfalls aktiviert wurde, sich jedoch weniger aktionistisch veräußert, sondern eher passiv, ja passiv reaktionär, während sich jede individuelle Entwicklung zunehmend kraftvoller kohärent zum universellen Vollbewußtsein offenbart – dies gar umso gewaltiger, je länger ihre geistige Grundlage die nötigen Kräfte sammelnd in untergründigen Bewußtseinskammern zugebracht hatte … verstärkt drängen nun von dort aus die Quälgeister nach oben und drücken die Quellgeister einstweilen nach unten, die nun aber umso tiefer auf dem Grund des Seins die längst vergessensten Schätze zu finden unterwegens sind –
Ach, wenn sie doch nur samt aller hellsten Erkenntisse ganz froh und frei bald wieder aus den Urtiefen auftauchen mögen!

Ich für meinen Teil (für wessen Teil auch sonst?)

Du merkst, ich gebe mir redliche Mühe mit meinen Worten, versuche mit aufgesetzter Poesie dich noch oder wieder irgendwie zu erreichen … ich weiß genau, was ich zu schreiben habe, weiß sogar gut bescheid über alles, was ich schreibe, doch heißt dies noch lange nicht , ich hätte auch erfahren, worüber ich zu schreiben weiß … . Derweil wußtest du von diesen Dingen schon immer mehr als ich, schon seit jeher trägst du die Gewissheit von der Wahrheit in dir, derweil ich von allem allenfalls erst dann etwas weiß, bzw. zu wissen glaube, sobald ich das für mich hierzu verständigste Wort entdeckt und an die richtige Stelle gesetzt habe.

So halte ich mich an die äußeren Umstände, insbesondere für die Zeit, die ich deiner Anwesenheit entbehre … erforsche die Welt der äußeren Umstände und je umständlicher sie sind, umso verworrener erkenne ich mich in sie hineinverwickelt – derweil allein der uns allen zugrundeliegende unermäßliche Wortschatz ganz besonders mir als Mittel dient, mich aus denselben Umständen herausschreibend entwickeln zu können.
Ich weiß dann von den Begebenheiten sehr viel zu sagen, denn ich habe sie erforscht, gedanklich wohlgemerkt, das heißt verzögert, doch umso gründlicher, aber per Wort, und nicht etwa intuitiv, so wie du die Dinge eben unmittelbar erkennst – und ich nehme sodann Anstoss an jedem Wort, das nach meinem Ermessen oftmals bloß an der falschen Stelle sitzt – und verliere mich dabei wieder und wieder in auf dem Tummelplatz der äußeren Geschehnisse; leider auch wieder in diesem Brief an dich.

Wenigstens in diesem Brief hätte ich dir doch viel lieber von ganz anderen Sachen geschrieben – immer schon im Grunde habe ich das gewollt; doch nur selten ist es mir gelungen. Und während ich dir übewiegend meine Ansichten zumutete, vergaß ich wohl, auf die deinigen einzugehen, woraufhin du dich zusehends immer weiter fort von mir entferntest.

Vermutlich hattest du bald erkannt, was ich mir lange Zeit nicht eingestehen wollte, nämlich daß es in meinen Briefen an dich stets weniger um dich ging, als vielmehr größtenteils um mich.
Ich denke, man kann das sogar verallgemeinern:
Im geschriebenen Wort geht es nur selten um den Leser, sondern hauptsächlich um denjenigen, der es gerade schreibt.

Bei den meisten Schriftwerken handelt es sich oftmals nur um die inneren Angelegenheiten eines Schreibers, der zwar höchst erfinderisch Bezug auf die verschiedensten Begebenheiten nimmt, doch ist dies im Grunde nur der Subkontext, den er nutzt, um sich über die Betrachtung des beschriebenen Gegenstandes seiner inneren Komplikationen selbstreflektierend anzunähern. Einerlei ob es sich dabei um Briefe, Gedichte, Erzählungen, Romane, Dramen, Bühnenhandlungen oder (man möchte es kaum wahrhaben) um das journalistische Schreiben handelt; worüber auch immer ein Autor schreibt – ob er sich nun um die Darstellung konkreter Sachverhalte bemüht oder sich in literarische Abstraktionen verliert – er ist ja doch nur fortwährend mit sich selbst beschäftigt; lediglich will manch einer eben nicht gern in Betracht ziehen, daß alles, was ihm unter die Feder kümmt, im weitesten Sinne auch etwas mit ihm selbst zu tun haben dörfte.
Ich für meinen Teil (für wessen Teil auch sonst?) wüßte außerhalb des Schreibens allerdings kaum einen anderen Weg, über den ich mich wieder mit dir verbinden könnte – und das ist eben das Dilemma; schließlich hat nicht etwa das Ausbleiben deiner Worte, sondern ein Übermaß der meinigen zum Bruch unserer Verbindung geführt. Dies zumindest steht zu befürchten, denn so sehr ich dich während des Schreiben auch stets in meiner Nähe wähnte, letztlich sorgte ich hierbei für eine immer größere Distanz zwischen uns, ohne zu merken, daß du mir unlängst von der Seite gewichen bist und dich seither lieber woanders rumtreibst, als hier in meinem linksliteralen Sprachzentrum.

Hierbei verhält es sich nun desweiteren so: Du fehlst mir als ein mich ergänzender Teil, während ich dir als ein dich ergänzender Teil fehle, woraus sich ergibt, daß wir uns aufgrund unserer Trennung beide nicht in einem optimalen Zustand befinden.
Das klingt nun wie eine reuevolle Einsicht, der allem Anstand nach eine Bitte um Verzeihung nachfolgen müßte… doch es ist bloß eine nüchterne Feststellung, den momentanen Zustand beschreibend. Dieser Zustand ist dergestalt zu verstehen, daß du mir seither fehlst, gleichwohl ich nicht behaupten kann, ich würde dich vermissen. Vermissen, und dergleichen sentimentalen Zustände, das fällt schließlich in deinen Aufgabenbereich, an mir liegt es nur, die Dinge so festzustellen wie sie sich augenblicklich darstellen.
So wenigstens verstehe ich es derzeit; es zu beschreiben, das ist schließlich meine Aufgabe, du derweil bist zuständig für das Empfinden. Oder nannte man es Fühlen? Ich weiß es nicht. Vielleicht nennen wir es Wissen, doch das beinhaltete ja die ungeheuerliche Möglichkeit, daß du schon vorher immer mehr wüsstest, als ich dachte, was zu der weiteren Schlussfolgerung führen würde, daß ich dich mitsamt eben dem, was ich zu sein glaubte, allein durch meine Beschreibungen von mir fort geschrieben habe.

Überschrift fehlt

Ja, mein lieber Name entfernt; nun habe ich doch sehr weit ausgeholt und bin mit den verschiedensten Themen ins Gericht gegangen ohne mich im persönlichen Wort wirklich an dir und deinem Befinden interessiert gezeigt zu haben.

Ob ich dir momentan schreibe oder nicht dürfte für dich augenblicklich aber auch kaum eine Rolle spielen. So wäre es einigermaßen zwecklos gewesen, mich nach deinem momentanen Befinden zu erkundigen, denn einerlei ob es dir im Augenblick meines Schreibens gut oder schlecht ginge, du könntest ohnehin nicht im gleichen Moment darauf antworten. Eine augenblickliche Antwort wäre von dir über diesen Weg also nicht zu erwarten, daher hielt es anfänglich für angebrachter, bloß zu hoffen, es ginge dir gut, andernfalls hätte man wohl vermuten können, daß ich mir die Frage Wie geht es Dir im Grunde (meines Schreibens) eigentlich nur selber gestellt hätte.

Dies ist für viele Schreiber schließlich eine der Hauptursachen dafür, daß sie überhaupt zur Feder greifen, (bei den Kriminalisten unter uns handelt es sich hierbei vermutlich sogar um eine Triebfeder) einerlei ob sie dem Zustand, oder gar der Ursache ihres Befindens bewußt oder unbewußt auf den Grund gehen.
Ich bin mir jedenfalls darüber im Klaren, daß das Grundmotiv meines Schreibens nur die Erforschung meines eigenen Befindens sein kann, egal worüber ich letztlich schriebe; selbst wenn ich kein Wort über mich Selbst dabei verlöre, in der längst so vielseitig beschriebenen Welt stecke irgendwo auch ich drin verborgen, ich bin der heimliche Leitgedanke meines Schreibens, womit letztlich zwar auch kein großer Blumentopf konnte gewonnen werden, doch die Welt dient mir als eine Quelle der Schöpfung, aus der ich Metaphern und Allegorien zur Erschaffung eines Kunstwerkes ableite, in welchem ich mich bis auf Weiteres verborgen halten kann.

Das kognitive Blaue

Da ich also nicht weiß, ob dieser Brief dich überhaupt noch erreichen wird, schreibe ich ihn jetzt, sagen wir mal, kognitiv ins Blaue hinein;
Insbesondere bei Briefen wäre diese Vorgehensweise hilfreich. An wen man den Brief schreibt, das ist wie gesagt vollkommen egal. Am besten an jemanden, der so fern ist, daß man seine Adresse nicht weiß und der einem zugleich so nahe ist, daß man es aufgrund der darin behandelten vertraulichen Angelegenheiten niemals (anderweitig) veröffentlichen würde.
Solche Briefe können jedoch ziemlich heimtückische Angelegenheiten sein. Denn je näher du dir darin wahrheitsgemäß kommst, desto mehr entfernst du dich von demjenigen, dem du augenscheinlich geschrieben hast – auf dem Papier jedenfalls.
Dort könntest du nämlich merken, daß der, dem du schreibst, am Ende nur der gewesen ist, dem du glaubtest geschrieben zu haben – während du in Wirklichkeit nur dir selber geschrieben hast. (Wenn ich hier übrigens immerzu das Wort du benutze, so meine ich natürlich nicht dich, sondern auch auch wieder nur mich – selbstredend)
Wichtig ist nicht, an wen man schreibt, sondern aus welcher Perspektive man schreibt, um dann zu erkennen, wer es überhaupt ist, aus dessen Perspektive man nämlich schreibt. Besonders für diesen Text trifft es zu.

Meiner kläglichen Erkenntnisfähigkeit nach zu urteilen, geht wohl kein einziger Brief einem Großteil des Inhaltes nach an denjenigen, den man oben im Briefkopf anspricht. Man schickt ihn nur dahin. Am ehesten verschickt man ihn an seine Nächsten. Am ehesten versteht das Geschriebene derjenige, der genauso ist wie du. Am ehesten genauso wie du, bist du. Und falls nicht, brauchst du einen Nächsten.
Doch warum in die Ferne schweifen, der Nächstliegendste von allen Nächsten ist man selbst. Und wenn man als Schreiber davon noch ganz weit entfernt ist, gibt es möglicherweise viel mehr zu schreiben, als man anfangs dachte.

Daher frage ich nicht dich, mein lieber Leser, sondern nur mich, und davon nur den Schreiber, wer bist du im Grunde deines Herzens, wem schreibst du im Grunde deines Herzens, deiner Seele? Nur da ist man sich selbst der Nächste und wenn nicht, so könnte man versuchen, sich daran zu erinnern, wer man eigentlich nochmal vorher war. Das kann man schreibend tun, ahnend, daß man nur sich selber schreibt, egal wohin man das Geschriebene dann hinschickt.

Das Gesamtwerk eines Autors: Ein Prozent Essenz, 99 Prozent Beiwerk

Während du also eigentlich dir schreibst, bist natürlich auch in erster Linie du es, der dich selber liest. Max Frisch hat das einfacher ausgedrückt: Schreiben heißt sich selber lesen.
So ein Satz ist dann die Essenz. Du kannst 100 Romane schreiben, 2000 Briefe und 50000 Artikel, doch von wirklich erkenntnisreichen Sätzen finden sich in deinem Gesamtwerk nur wenige. Aber es gibt sie. Vielleicht mußt du auch erst 100 Romane, 2000 Briefe und 50000 Artikel geschrieben haben, um überhaupt auf solche Sätze zu kommen. Ich nenne sie Plopp-Sätze. Schreiben heißt sich selber lesen ist ein solcher Plopp-Satz. Den hat sich Max Frisch bestimmt nicht vorher ausgedacht, er ist ihm gewiss einfach so passiert. Es ist eine plötzliche Erkenntnis, eine maximale sozusagen und eine erfrischende obendrein.
Sie behandeln einfache Grundwahrheiten und können nicht besser formuliert worden sein. Man überlegt sich solche Sätze nicht, sie passieren einfach. Sie kommen daher wie ein Passant, der plötzlich am Schreibtisch vorbeiläuft und den Hut zum Gruße lüftet. Sie passieren den Geist des Schreibenden und dann schreibt er es en passant schnell hin. Wenn er es nicht hinschreibt, tut es halt irgendwann ein anderer. Im besten Fall passieren dir pro Brief einer bis zwei solcher Sätze und pro Roman vielleicht zehn, der Rest drumherum ist Beiwerk, geistige Ablenkung und Unterhaltung. Und wer es schafft, sich mit dieser Form der Unterhaltung seine eigene Lebensunterhaltung zu verdienen, da er sich nach allen Regeln der Kunst mit sich selber zu unterhalten versteht, der darf sich dann einen renommierten Autor nennen. (renommiert: anerkannt, namhaft, profiliert)

Der Begriff „Unterhaltung“ deutet übrigens nicht darauf hin, daß der Unterhaltende unten gehalten wird, wie viele immer verkünden, sondern verweist es zunächst auf das Vorhandensein einer Einrichtung unterhalb eines Grund und Bodens, die einen festen Halt auf jenem Boden bietet. Dieser dargebotene Unter-Halt führt dann zu einer entsprechenden Haltung des Unterhalteten, und ist ihm darin nicht wohl, sollte er eben diesen Teil des Bodens verlassen, denn daß ihm diese Form der Unterhaltung auf künstlichem Boden eher zum Schaden gereicht, als zu etwas tatsächlich Erbaulichem, das ist gleichwohl zu erkennen, daher will ich den kritischen Umgang mit der sog. Unterhaltung auch nicht allzu abgemildert haben, hält sie den Unterhalteten ja letztlich durchaus unten.

Angestossen

Nicht daß du mich falsch verstehst: Im Grunde meines Tintenfasses habe ich überhaupt nichts gegen das Briefeschreiben, ich bin sogar einer der größten Befürworter des Briefschreibens. Wäre ich zum Beispiel der oberbefehlshabende Schulmeister Deutschlands, würde ich jedem die Hausaufgabe erteilen, sich umgehend auf seine vier Buchstaben zu setzen und sieben Tage lang an einem Brief zu schreiben – zumindest jeden Erwachsenen würde ich das empfehlen, die Kinder bekämen nach der ganzen Schulzwangsgehirnwäscherei erstmal Ferien ohne Ende und sollen nicht schreiben, sondern auf den buntgrünen Wiesen toben.

Jedenfalls, ob man die Briefe dann irgendwohin schickt oder nicht, das ist übrigens vollkommen egal, es müßte lediglich das folgende nochmal verdeutlicht werden:
Wo immer sich ein Schreiber an einen Leser wendet, da wendet er sich über den Leser an sich selbst.

So ist es nicht etwa der Schreiber, der sich dem Leser zuwendet, sondern ist es der Leser, der sich dem Schreiber zuwendet, beziehungsweise dem, was der Schreiber, sich selber lesend, von sich gibt.

In der allgemeinen Literatur ist der Fall ein klein wenig komplizierter. In gewisser Weise (oder auch in ungewisser Weise) tritt der Schreiber während des Schreibens zwar aus sich heraus und so verhält es sich auch mit dem Leser während des Lesens – doch begibt sich letzterer wieder nicht in seine eigene Welt, sondern in die des jeweiligen Schreibers. Darüber dürften sich die meisten Schreiber sogar im Klaren sein.
Zumindest in dem, was man heutzutage Romanliteratur nennt, scheinen mir viele von ihnen nur noch so eine Art Unterhaltungskünstler zu sein, die darum bemüht sind, die Leser in den Bann ihrer Handlungsstränge zu ziehen, indem sie ihre Kniffe immer genau an den Stellen anwenden, an denen wiederum die Leser sie insgeheim natürlich auch erwarten. Hierzu besieht der Schreiber seine eigenen Worte schon während des Schreibens durch das Auge des vorgestellten Lesers, während ihm gleichzeitig so eine Art innerer Lektor über die Schulter schaut, der beständig auf das Einhalten einer gewissen Methodik achtet, die unter anderem auch darauf abzielt, daß sich der Leser dem Handlungsablauf nicht schon frühzeitig entzieht. So schreibt er zwar durchaus aus sich heraus, geht er aber in die Korrektur, und das ist gerade bei Romanen hundertfach notwendig, versucht er das Geschriebene auch durch die Augen des Lesers zu betrachten. Daher wiederhole ich gern: Wo immer sich ein Schreiber an einen Leser wendet, da wendet er sich über den Leser an sich selbst.
Der Leser wird bei der Lektüre des ihm vorliegenden (oder vorlügenden?) Schreibens entweder den einen oder anderen Aspekt für sich nachempfinden (beziehungsweise nur nachvollziehen) oder die Dinge mehr oder weniger voyeuristisch betrachten, da entweder sein eigenes Buch des Lebens augenblicklich nichts Vergleichbares zu bieten hat oder, falls doch, um bei der Suche nach sich selbst ein paar inspirative Denkanstösse vermittelt zu bekommen.

Preisgabe

Nicht selten gibt der Schreiber, bei allem was er so von sich gibt, aber auch einiges von sich preis, nämlich ein gut Teil seines Innenlebens und wenn es ihm gelingt, ein paar Aspekte davon einfallsreich zu verdichten oder irgendsonst wortgewandt zu verkleiden, dann hat er ein belletristisches/literarisches Kunstwerk geschaffen. Ein Kunstwerk verlangt nun wiederum nach einem Betrachter, der jedoch muß erstmal auf das Werk aufmerksam gemacht werden und wo im Allgemeinen läßt es sich am besten um Aufmerksamkeit ringen, wenn nicht auf einem Markte?
In diesem Fall dem Büchermarkt. Gegen diesen ist im Grunde nichts einzuwenden, wäre er doch nur nicht in diesen ungeheuerlichen Ausbeutermarkt eingebunden, der unsere Freiheiten bekanntermaßen über das derzeitige Finanzsystem stranguliert, vor welch letzterem schon im Buch der Bücher, nämlich in der Bibel, als ein Werk des Teufels gewarnt wurde!
Ja, mit solcherlei waghalsigen Gedankensprüngen hätte ich nun selber nicht gerechnet, aber womit sonst, wenn nicht mit derart provokanten Andeutungen, könnte man als Schreiber heutzutage noch auf sich aufmerksam machen?

Und was wäre mit dem Werk desweiteren anzustellen? Wie soll jemand, der das Zeug dazu hätte, von der Schriftstellerei leben zu können, sich zugleich diesem Markte verweigern? Wenn er Kraft seiner Arbeit überwiegend der Geistesfreiheit diente, wäre es dann nur das kleinere Übel, wenn hierbei ein System mitprofitiert, welches das viel größere und ureigentliche Übel ist? Sollte ein Schreiber, dem etwas an der Freiheit der Menschheit liegt, etwa sein schriftlich veräußertes Gedanken- und Empfindungsgut diesem Markte übergeben, im Glauben, er bekämpfe damit die allgemeine Abhängigkeit zum Finanzsystem, dem teuflischen?
Was soll er tun, wenn plötzlich der Mammon gegen seine Tür hämmert, um ihm die Publikation seiner Werke im großen Stile schmackhaft zu machen? Ihm die Tür vor der Nase zuknallen? Nun warum nicht? Wenn man ahnt, in einer Fabrik leckt der Ölhahn, dann bewirbt man sich für eine solche Firma nicht als wandelndes Werbeplakat, sondern erzählt man es draußen herum, um den Druck zu erhöhen, also nicht des Ölhahns, sondern den Druck gegen diejenigen, die nun in der Pflicht stehen, die Sauerei abzustellen.

Also weiter gefragt: Könnte er es denn wagen, innerhalb seines eigenen Werkes das Werk des Teufels beim Namen zu nennen, ohne gleich darauf von ihm heimgesucht zu werden? Wäre die Veröffentlichung seines Werkes im größeren Stile nicht von vornherein ausgeschlossen, sobald er darin auch nur einen Deut seiner kruden Gedanken verbreitet? Muß er den Kern seiner Aussage letztlich wieder nur verdichten und verklären, so daß der eine sie so herum und der andere sie so herum auslegen könnte?
Oder stellt sich diese Frage überhaupt nicht? Es profitiert vom ernsthaften Schreiben ja doch keiner so richtig. Weder die Verlage, noch der restliche Markt, noch der Leser und der Schreiber sowieso nicht, außer vielleicht sein Ego. Geld aber erntet er nicht gerade zuhauf. Also laß ihn doch schreiben; zu was anderem ist er sowieso nicht fähig.

Ohnehin ist der Verdienst von Schreibern (biste Schreiber, verdienste nix) schon seit Ewigkeiten auf dem Niveau eines Hungerlohns angesiedelt, warum sollen nicht auch sie mal auf Kosten anderer, zu Lasten vieler und zur Bereicherung weniger eine müde Mark verdienen. Das macht doch jeder so.

Zuletzt muß ich daher sagen: seid lieber froh, liebe Schriftsteller, daß euch die Anerkennung eurer Arbeit nur in Form von umgerechnet drei Kupfermünzen pro Monat entgegenrollt. Denn während wir glauben, wir dienten der Aufklärung, förderten ein schöngeistiges Sinnieren oder stünden mit unserem Wort für den Erhalt der geistigen Freiheit ein, sorgen wir, wenn wir unsere Bücher über die Finanzwege dieses Marktes vertreiben, mit für die Vertreibung der menschlichen Werte, indem wir nämlich den Unter-halt eines System mitversorgen, dessen Ziel nicht die geistige Freiheit der Menschen ist, sondern die Abhängigkeit der ganzen Menschheit vom Gesamtwerk des Teufels, bzw. des Widersachers der Schöpfung. Reines Wasser in verdreckte Leitungen einflößen, das mag gut für die Leitungen sein, aber das Röhrensystem ist weit verzweigt und ewig lang, da bleibt kein Wasser lange rein.
Und so ist der Markt insgesamt zu einem ziemlichen Dreckstall verkommen; er ist an vielen Stellen derart versaut worden, daß die Fräkalsprache sogar Einzug in die Bücherwelt gewonnen hat, auch in der Literatur gilt es heute als chique, wenn man sich hin und wieder einer perversen Ausdrucksweise bedient – ist ja auch klar, der Markt bestimmt den Trend und wer den Markt bedienen möchte, der muß dem Trend entsprechen – selbst in der sogenannten gehobenen Literatur (der abgehobenen also) muß daher so manche unschuldige Romanfigur mindestens alle 50 Seiten die undenkbarsten Grausamkeiten erfahren und falls sie im weiteren Handlungsverlauf keine Rolle mehr spielen soll, stirbt sie nicht einfach im mystischen Rosengarten schlummernd dahin – nein, erstmal muß sie noch vor den Augen des Lesers ausführlich geschändet und nach allen Regeln der Kunst geschlachtet und ausgeweidet werden.
Für mein Dagegenhalten ist es daher so; wer sein Werk über dieses System verkauft, bedient auch das Werk des Teufels, um nicht zu sagen: er überschreibt es ihm, woraufhin dieser dann ein Wörtchen mitzureden hat und was dabei herauskommt, sehen wir ja: Mord und Totschlag.

Vielleicht verhält es sich aber auch so daß die Literatur nur den momentanen geistigen Zustand der Menschheit wiederspiegelt; es fließt Blut und der Leser ist ebenso wie die Welt im Mark erschüttert. Ach ja, die schöne Mark-erschütterung… wie wäre es mal mit einer Markt-Erschütterung, liebe Mords- Pop- Sex- und Crime Schriftsteller?

Entzieht euch doch mal eurem Marktwert, schreibt etwas Schöngeistiges hin und schenkt es den Lesern, vielleicht erklären sie sich ja bereit, dem Werk die nötige Aufmerksamkeit einfach nur zu spenden, das heißt, dem Schreiber in Form einer Spende die verdiente Anerkennung zukommen zu lassen. Das wäre zwar weiterhin die Fortsetzung der ewigen Durstrecke aller gewissenhaften Schreiber, sowie auch Buchhändler und Verleger, die sich gerade jetzt mit ihrem kleinen Stand möglichst weit vom vorherrschenden Markte positionieren sollten – doch dies vielleicht, um dann irgendwann gemeinsam eine neue kulturelle Landschaft erblühen zu lassen, dem ewigen Geist zum Wohlgefallen, in Schönheit, Anmut, Dankbarkeit und Ewigkeit.

Das kannst du wohl abschreiben

.. Je einsichtiger das literarische Ego des Schreibers, desto weniger schreibt er, um ein bestimmtes Ich auf dem Papier zu errichten, sondern um ein bestimmtes Ich zerfliessen zu lassen wie Tinte, oder es (also das Ich) wenigstens erstmal wörtlich auseinanderzunehmen.
Somit schreibt man nicht nur an sich selbst, sondern schreibt man sich auch selbst ab. Und wenn ich mich selbst abschreiben will, so frage ich nicht Was machst du denn, was machst du denn? – sondern schau ich erstmal in den Duden.
Da steht unter Abschreiben dann folgendes:

Abstriche machen, fallen lassen, aufgeben, verloren geben, sich abtrennen, entsagen, absagen, versagen, zurücktreten, Abstand nehmen, sich etwas aus dem Kopf schlagen, etwas zu Grabe tragen, an den Nagel hängen, in den Mond, in den Schornstein, in den Wind schreiben…

In den Mond, in den Schornstein, in den Wind schreiben. Das klingt in meinem Zusammenhang erstmal ziemlich destruktiv, doch geht es ums Ego-Ich, so ist es nur gut. Schreibe dich selbst in den Wind. Denn als Schreiber gilt es wohl diesem Ich, diesem unfaßbaren Wort Ich, erstmal schreibend zu begegnen, sowohl der Nähe wegen, als auch der Entfernung wegen.
Von welcher naheliegenden Sache entferne ich mich, wenn ich mich in der Funktion eines Schreibers mir entfernten Dingen zuwende? Entferne dich heimlich von dir selbst, dann kommst du dir unheimlich näher.

Die Entfernung des Ich (Literaturpsychologie)

Bei der Entfernung des Ich geht es um den Austausch des Identifikationsmodells Ich gegen das eigentliche wahre Selbst, das durch den ständigen Ausbau des Identifikationsmodells Ich in immer weitere Entfernung gerückt wurde.

Das ist ein allgemeiner Problemfall und jetzt wird bekannt: Auch von Schreibern ist er erlitten worden.
Um also von mir zu sprechen: Die Entfernung zu meinem Selbst verlangt nach der Entfernung des Ich, damit ich meinem in der Entfernung liegenden Selbst endlich wieder etwas näher kümme.

Schaue ich mich ein bißchen woanders um, so entdecke ich, daß manche Leute dieses in der Entfernung befindliche Selbst das höhere Selbst nennen, das wiederum vermutlich näher ist, als man allgemeinhin denkt. Solange man aber eben nur denkt, solange bleibt das Erfahrbare in der Ferne liegen, was intellektuell betrachtet auch wieder ein ziemliches Problem darstellt.

Ob sich dieses spieituelle Problem literarisch lösen läßt, ist sehr fraglich, dennoch werde ich beim Schreiben gelegentlich spirituelle Erkenntnisse streifen, die ich allein durch die theoretische Behandlung im Grunde nur schriftlich entwerte, wenn nicht gar zu Boden niederringe, zumindest solange ich meine Schriftwerkstatt nicht verlasse und ein paar der spirituellen Erkenntnisse nicht auch mal im praktischen Leben anwende.

So ist dieses Schreiben allenfalls eine aus meinem selbstproduzierten Geistesnebel herausflunkernde Selbstoffenbarung, die von keinen unehrlichen Absichten getragen ist – es sei denn, ich entschließe mich dazu, es zu veröffentlichen. Auch mit dieser Frage werde ich schließlich zu ringen haben: Warum eigentlich möchte ich mein Geschriebenes zum Lesen bereitstellen und welcher Teil meines Ich ist es wohl, der diesen Wunsch am meisten hegen könnte?
Die Antwort liegt auf der Hand, beziehungsweise eigentlich im Kopf: Hier befinde ich mich schließlich immer wenn ich schreibe, im Ich-Kopf. Von diesem Ich-Kopf wenigstens bereits wissend, stellt mein Schreiben höchstenfalls den Versuch dar, das Ich zu überwinden und das höhere Selbst zu ermitteln. Man fragt sich ernsthaft wie das gehen soll.

Doch es sind nur Gedanken darüber – bestenfalls ausgedrückte Gefühle in Form von Gedanken, ausgedrückt wie gerauchte Zigaretten, der Aschenbecher quillt über und wir haben mit dem Rauchen längst nicht aufgehört.
Beim Schreiben aber geht es um den Kopf. Da kann einer noch so empfindsam sein, das bloße oder reine Empfinden findet hier nicht statt, es sind alles nur Worte und wenn sie so klingen, als kämen sie direkt aus dem Herzen, sind sie doch im Kopf nachhaltig zurechtgeschmiedet worden, für den schönen Lese-Geist lackiert, für den abzuschreckenden Lese-Geist geteert und gefedert.

Wir nehmen hier nur die regelmäßige Entleerung eines sich hin- und herwindenden Gehirns vor, manche tun dies ganz nüchtern, manche werden polemisch dabei, manche wissen es in wissenschaftliche Theorien einzubinden, manche können sogar Gedichte daraus verlyriken, vielleicht weil sie in gewisser Weise musikalisch sind.
Dies findet also nicht nur während meiner Briefe statt oder im schriftlichen Austausch mit anderen (lesenden Schreibern), sondern auch, wenn ich es über literarische Stilmittel auszudrücken versuche, also prosaisch, erzählerisch, poetisch oder lyrisch werde.
Hierbei sieht sich der Schreiber dann einer Vielzahl literarischer Gattungen gegenüber, in die sein Werk umso eindeutiger eingeordnet werden kann, je mehr er deren Gattungsansprüchen gerecht wird oder deren Gattungserwartungen erfüllt. Diese Umstände bringen zum einen mit sich, daß er seine eigene Persönlichkeit zurücknehmen wird, zum anderen werden ihm darüber aber auch neue Möglichkeiten eröffnet, einige Aspekte seiner Persönlichkeit oder gar seines wirklichen Wesens bewußt oder unbewußt in das jeweilige konstruierte Geschehen einzuflechten.

In diesem Zusammenhang gibt die sogenannte Literaturpsychologie das folgende zu bedenken:

Die Literaturpsychologie befaßt sich mit den bewußt oder unbewußt in ein Literaturwerk aufgenommenen seelischen Vorgängen und Zuständen eines Autors (oder der von ihm dargestellten Personen). …
Sigmund Freud hat die Literatur als Quelle von Erkenntnissen, die in der klinischen Psychologie gelten, intensiv herangezogen. Zu unterscheiden davon ist die Psychologie der Dichter, die allerdings oft das Verständnis bestimmter Werke erleichtert.
Quelle: ..utb

Die Literaturpsychologie ist nun ein Fachausdruck aus der Literaturwissenschaft, bei dessen bloßer Erwähnung wahrscheinlich mancher Schreiber umgehend zusammenzuckt, was ich aber gut verstehen kann; schließlich dürfte es nur in den seltensten Fällen die Intention eines Autors sein, irgendwelche literarisch geschulten Freizeitpsychologen auf den Plan zu rufen, damit sie einen Befund darüber erstellen, welche Aspekte seines Seelenlebens er in welchen Teilen seines Kunstwerkes derart im Verse verschlüsselt beschrieben hat, daß sie nur von Literaturpsychologen entdeckt werden können…

Auch möchte er gewiss nicht aus zweiter Hand erfahren, welche psychisch bedingten Störungen unter Umständen dort herauszulesen wären und was er tun kann, diese auf höchstem literarischen Niveau verdrängten Erlebnisse mithilfe der Psychologen als „Störursachen“ zu erkennen.
Wünschenswert wäre jedoch, daß er diese Störursachen nicht beseitigt, denn sonst würde es der Literaturpsychologie ja an existentiellen Grundlagen fehlen, die sie benötigt, um ihre Arbeit fortsetzen zu können.

Aber gut, sicherlich trifft es zu, daß aus jedem literarischen Werk gewisse seelische Vorgänge und Zustände des jeweiligen Autors herauszulesen sind; das dürfte schließlich einer der Gründe sein, warum er überhaupt schreibt. Inwieweit er sich welcher Sache allerdings bewußt ist oder nicht, daß bleibt seine Angelegenheit und wenn es überhaupt zu Resonanzen führen soll, dann bleibt dieses Feld dem empfindsamen Leser vorbehalten, der nämlich ebenfalls nichts mit dem unerträglichen Geschwafel hochgeschulter Analytiker anfangen kann, die literarische oder andere Kunstwerke intellektuell auseinanderpflücken und am Künstler psychologisch herumdeuteln, ohne sich selbst einmal gefragt zu haben, welcher unbewußte Antrieb es eigentlich bei ihnen ist, der sie dazu antreibt, das Seelenleben anderer unter das Hoheitsgebiet ihres allmächtigens Intellekts zu stellen. Damit nämlich unterstützen sie letztlich genau die Hierarchie, die unsere Weltenseele in den Abgrund führen will – also wenn man das alles mal, apokalyptisch gesehen, vernünftig zu Ende denkt.

Wenigstens wird im obigen Zitat aber zwischen der „Psychologie der Dichter“ und der anderer Autoren deutlich unterschieden. Dies liegt vermutlich darin begründet, daß man nämlich immer dann von Dichtung sprechen kann, wenn es dem Dichter gelingt, seelische Vorgänge und Zustände so deutlich und naturgetreu zu besingen, daß sie eher die Seele eines empfindsamen Lesers oder Zuhörers erreichen, als eben den Intellekt eines Analytikers auf der Basis der Psychologie (also seiner Psychologen-Psychologie).
Nicht zuletzt obwegen dieses rätselhaften Umstandes hegt der Dichter auch eine entfernte Verwandtschaft zu den Musikern, deren Kunst wiederum mit der Mathematik verwandt ist, woraus man letztlich zwar schließen kann, daß sich selbst die Seele rationell erklären ließe, doch wirklich erspüren läßt sich das Seelenleben mit all diesen Methoden eben nicht. Es wäre daher wünschenswert, der Dichter bliebe von den Übergriffen der Rationalisten verschont, deren Erkenntnisse kaum einen Wert haben, solange sie neben ihrer ausführlichen Selbstdefinition nicht auch eine ausführliche Selbstinfragestellung betreiben und das gilt selbstverständlich für alle Wissenschaftszweige.
Außer für den Literaturpsychologen hat somit die Anwendung der Literaturpsychologie meiner Ansicht nach keinen besonderen geistigen Nährwert, zumindest da nicht, wo jemand sie auf bereits verfasste literarische Werke anwendet, an deren Entstehung er nicht selbst beteiligt war. Kurz gesagt: Lies was immer du lesen willst und schreib, was immer du schreiben willst und statt daraufhin ein Forum daraus zu machen, frag dich in beiden Fällen einfach nur, was das alles mit dir zu tun haben könnte.

Bei den meisten Schriftwerken handelt es sich oftmals nur um die inneren Angelegenheiten eines Schreibers, die er gerade für sich zu klären hat; ein Zufall wenn’s einen Leser findet, der auch an diesem Punkt des Entwicklungsprozesses sich befindet; ein Graus für ihn, wenn der Leser diesbezüglich schon viel weiter ist als der Schreiber.

Merkmale der Literatur

Die Literatur ist ein weites Feld, sagte einst Günter Grass. Ich stimme zu. Beschrieben ist es vielseitig worden. Umgepflügt nur selten.

Welche Ansprüche die werte Literatur überhaupt an sich stellen soll, darüber möchten bitte die Intellektuellen verhandeln, möglicherweise sind sie mit allem, worüber man spätestens seit Beginn dieses Jahres (2012) so einiges hätte schreiben können, immer noch ein bißchen überfordert.
Daher erscheint mir (trotz meiner vorherigen Abstrafung) das allgemeine Geblogge in Hinblick auf die aktuellen Umwandlungsprozesse umso wichtiger und nötiger zu sein, während ich die gehobenen Literaten bitten möchte, sich weiterhin für den Erhalt gedruckter Bücher einzusetzen, sich ansonsten aber völlig neue Ziele zu setzen, bzw. sich an ihre eigentliche Bestimmung zu erinnern.
Schließlich hatte die edle Literatur einstmals die Aufgabe, den ewigen Traum, die Vision und die Erinnerung an eine bessere Welt am Leben zu halten, was heutzutage nur durch wenige Bücher wirklich vermittelt wird. Es scheint auch nur wenige Schriftsteller zu geben, die solche Ansprüche hegen – doch an welchen Merkmalen sollte Literatur eigentlich sonst erkennbar sein?
Erfahrene Leser zumindest berichten, daß es sich bei dem ganzen Schriftzeug so gut wie immer um eine Reihe von bereits bekannten Buchstaben handelt, lediglich ihre Zusammensetzung fällt jedesmal ein bißchen anders aus.

Ein schriftliches Ab-kommen

Nun bin ich aber weit vom Thema abgekommen. Könnte man denken.
Wenn du schreibst, geht es um dich. Wenn ich schreibe, geht es um mich. Und ständig steht man sich dabei selber im Weg, besonders während der Suche nach dem höheren Selbst, bzw. dem eigentlichen, grundliegenden, wesentlichen Höchstselbst. Daher ist, wie oben schon ausführlich angedroht, das insgeheime Thema dieses Schreibens die Ich-Entfernung.
Geht es während des Schreibens noch nicht darum, dieses Ich zu entfernen, so steht erstmal das Erkennen bevor, gefolgt vom Definieren, was aber leider mit zunehmender Geschwindigkeit bald in ein Drumherum-Reden, Thematisieren und Intellektualisieren über alles Mögliche ausufern kann. Dem üblichen, verstandesorientierten Intellekt kann man allerdings nicht immer trauen, besonders nicht, wenn man auch mal ein bißchen über die „seelischen Aspekte“ seines Ich schreibeln wollte.
Ist dies dein Antrieb, Stichwort seelischer Aspekt, so gehe, wenn’s dir liegt, erstmal zur freien Dichtung über. Möchtest du hierbei aber irgendwelchen literarischen Ansprüchen gerecht werden, so kann ein Literaturstudium wohl nicht schaden, doch vielleicht willst du ja nur, ganz wie ein singender Wanderbursch, deiner inneren Stimme etwas Gehör verleihen; dann tu es einfach. Und wenn es mehrere Stimmen sind, umso besser, ich zum Beispiel wechsle immer gern zwischen Bariton und Heldentenor – und manchmal, wenn ich mich ganz besonders alleine fühle, tendiere ich zum Mezzomix-Schizzosopran.

So kannst auch du singen und schreiben, wie es dir gerade in den Sinn kommt, und wenn du nur schimpfst wie ein Rohrspatz oder schreibst wie ein Berserker, laß doch erstmal die Pferde mit dir durchgehen:

Im Ton:
Schreibe doch so ungezwungen, als wärst du auf ein Pferd gesprungen,
dann sitz im Sattel ganz salopp, oder tu nur so als ob –
und prescht es fort im Eilgalopp, dann steig ein bißchen in die Bügel,
doch zieh nicht immerzu am Zügel, vielleicht wachsen ihm ja Flügel –
denn das Pferd ist dein Gemüt, und die Seele dein Gestüt,
so bleib im Sattel bis zum Schluß, vielleicht heißt es ja Pegasus?

Wer also gern freiheraus dichtet, der sollte sich nicht gleich entmutigen lassen, nur weil er keinen Verlag findet, der seine geschmiedeten Verse veredeln, veröffentlichen und verkaufen würde. Denn meist ist die Zahl derjenigen, die gerne in Reimen sprechen, größer als man allgemeinhin denkt und zweitens immer in gleichgroßer Relation zu der Zahl derjenigen, die hin und wieder gerne was Zusammengereimtes lesen würden. So ist fernab der offiziellen Leinenbändchenlyrik, also besonders im Internet, eine Art reflexives völkisches Dichtertum entstanden, das sich mehr und mehr zu recht vergnüglichen Dichterparaden versammelt und seit geraumer Zeit einen regen Austausch betreibt.
Neben Reimelaut und Versekunst gibt es aber noch andere Macharten der Schreiberei, die vom einfachen Volk mehr und mehr betrieben werden; auch hier wieder außerhalb der intellektuellen Kastenkrämerei – im allzeit publikationsbereiten Internet.
Dort reimst du dann mal ein Gedicht auf die Schnelle, schreibst hier mal ne Prosa und dort ne Novelle,
oder beläßt es am Ende beim bloßen Versuch und eröffnest stattdessen
dein Tagebuch.
Und so weiter.

Was ich damit sagen will: Falls nicht genügend seligmachende Dichtung aus dir herausgeschrieben kommt und dir die Monotonie deiner Tagebücher schon längst selber auf den Geist geht, schmeiß doch alles einfach in einen Topf und verfertige daraus stereotypische Erzählungen, dein unverkennbarer Stil wird darunter schon nicht leiden, außerdem gibt es zu jedem Schema mittlerweile auch die passenden Blog- Layouts. Wenn du beharrlich weiterschreibst, kannst du dir über den facebook-button sogar eine kleine Fangemeinde aufbauen oder dir im unendlichen Gefilde eines ausgesuchten Literatur-Forums deinen Verkanntheitsgrad immer wieder aufs Neue bestätigen lassen.

Hegst du also keine besonders literarischen Ambitionen und hast trotzdem eine Menge zu schreiben oder mitzuteilen, dann sei froh, daß auch du im Zeitalter des Internets lebst, denn hier ist Platz genug für jeden vorhanden, es treffen überall Aussteiger auf Insider und Einsteiger und Outsider und jeder darf sein Stäpelchen Papier irgendwo ablegen.
Immer beliebter werden zum Beispiel irgendwo reingebloggte ausufernde Lebenserfahrungen; die können durchaus faszinierend sein, doch Vorsicht, es sollten ihnen die gleichen ausufernden Lebenserfahrungen auch wirklichkeitsgetreu in etwa zu Grunde liegen, sonst merkt der Leser das sofort.
Allerdings hat nicht jeder, der viel erlebt hat, unbedingt das Bedürfnis, andauernd davon schreiben zu müssen, derweil viele, die gerne schreiben, oftmals glauben, sie hätten nicht so viel erlebt, als daß sie etwas Lesenswertes zu berichten hätten.
Nun, wieso willst du auch großartig was erleben? Sei doch froh, daß du nach all deinen vielen Leben, die du hier schon auf der Erde zubrachtest, zum ersten mal nix besonderes erlebst. Denn jetzt hast du endlich mal die Zeit, alles aufzuschreiben, was du in den ganzen vorherigen Leben bereits erlebt zu haben dir einbilden könntest oder tatsächlich sogar hast – du mußt dich nur daran erinnern; wenigstens bis zurück ins aktuelle vorherige Leben – und davon dann die Kleinkindphase...
Wundere dich aber nicht, wenn du über die verschlungenen Pfade dieser geistigen (eher seelischen) Rückführung in die entlegensten Bereiche vordringst, die du im derzeitigen Leben nicht mehr unbedingt betreten würdest. Und glaube nicht, sämtliche Figuren, die dort wie aus dem Nichts plötzlich deine Wege kreuzen, hätten mit dir oder deinen Persönlichkeitsaspekten nichts zu tun.
Aber vielleicht gelingt es dir ja trotzdem, daraus eine fiktive Geschichte zu verfertigen. Schließlich verhält es sich meistens für den Schreiber so, daß, wenn er zum Beispiel schreibt: Paul saß gelangweilt in seinem grau tapezierten Spielzimmer und war ein bißchen bedrückt, es meistens auch irgendwas mit dem Schreiber selbst zu tun hat. Es könnte sich bei der dort hingeschmierten bedrückten Person um einen Aspekt seiner Persönlichkeit handeln, den man vorsichtshalber ersteinmal Paul genannt hat, während das grau tapezierte Spielzimmer weiß Gott was symbolisiert. Warum jener dort so ausführlich Hingeschmierte sich langweilt und wovon er bedrückt ist, das muß der Schreiber dann während des Schreibens selbst herausfinden. Ich rate allerdings dazu, sich hierbei nicht nur der Deutungshoheit der Literaturpsychologie zu unterwerfen, sondern ruhig einmal ein paar spirituelle Interpretationsversuche zu wagen, das erweitert ein bißchen die Perspektiven.
Wenn du dir dieser Sachen dann einigermaßen bewußt bist, kannst du es ja immer noch bei bookrix oder tribooks einstellen und dich wenigstens für die Zeit deiner Selbstfindung wie ein richtiger Romanerzähler, Schriftsteller und „Buchautor“ fühlen.
Lasse dich hier aber nicht von den diversen Gefällt-Mir-Kritik blenden, denn meistens entspricht die Anzahl der Clicks nicht etwa der Anzahl der Bücher, die du verkauft hättest, sondern dem Teil der Auflage, die der Verlag hätte verramschen müssen – wenn er das Buch überhaupt gedruckt hätte.

Das alles klingt nun zwar so, als hätte ich keine Achtung vor der Hobbyschriftstellerei, doch dem ist nicht so; im Gegenteil. Ich finde es eine sehr notwendige Gegenbewegung zur etablierten Literatur, vielleicht sogar eine Strömung, die dafür sorgt, daß sich dort auch mal wieder etwas Neues regt. Schließlich habe ich nicht gesagt, ich hielte den gehobenen Literaturmarkt für das edlere Gefilde, im Gegenteil, da ist das Irren ja noch viel größer.
Im Grunde spielt es auch gar keine Rolle, wo du was veröffentlichst, leben wirst davon sowieso nicht können, es sei denn du achtest darauf, daß in deinen Romanen immer ordentlich Blut fließt und überall Organe herumliegen, denn damit stellst du die Götter zufrieden und sie entlohnen dich reichlich, vielleicht wird es sogar verfilmt, viele Leute haben schließlich nicht soviel Fantasie, als daß sie sich das ganze Foltern, Zerstückeln, Abschlachten und Obduzieren allein vor dem geistigen Auge vorstellen könnten, da kannst du es ihnen noch so gnadenlos vor Augen geführt haben, du Kriminalromanschreiber.
Aber vielleicht könntest du deinen detektivischen Blick fürs Detail, deine kriminalistische Spürnase und dein allgemeines Interesse an der Unmenschlichkeit auch zum Schreiben von Reportagen nutzen, um Enthüllungen über tatsächliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzustreben, schließlich ist es ja nicht so, als ob es all diese Mordsfälle, Politthriller und Verschwörungen nicht auch in Wirklichkeit gäbe. Zwar muß jeder selber wissen, ob er namentlich lieber auf einer Bestsellerliste oder lieber auf einer Abschussliste aufgeführt werden will, doch ein mutiges Ausleuchten tatsächlicher Hintergründe ist mindestens erstrebenswert. Ich meine, wenn man schon in die Richtung rescherschiert, wo es etwas aufzuklären gibt, warum muß man das Entdeckte wieder verklären? Wozu dann überhaupt recherschieren? Oder schiert man sich vielleicht nicht wirklich darum?

Um das Erforschen von Hintergründen geht es auch den Schreibern und Blogbetreibern, die im Dienste der Wissenschaft unterwegs sind, da gelangt man sogar von einem Hintergrund zum nächsten, es folgt Hintergrund auf Hintergrund, das kann selbst bis zum Urknall führen und dann geht alles wieder vorne los – was aber auch impliziert, daß auch du wieder ganz vorne anfangen mußt – wieder zur Schule gehen, dann zur Uni Scheine machen und dann ins Forschungsinstitut Eindruck machen. Das allerdings ist ein ewiger Kreislauf durch die immergleichen Dimensionen ohne nennenswerte Weiterentwicklung, während der allgemeine Mensch schon längst alternative Pfade der Erkenntnis entdeckt und erkundet hat.

Deswegen solltest du nach allem Examinieren, Magistrieren und Diplomisieren auch nicht gedünken, du könntest zu der allgemeinen Leserschaft von einem Podest heruntersprechen. Vielmehr betrachtet sie nämlich dich von oben, während sie deine lehrreichen Schriften liest; schwere Bücher liest man schließlich selten auf dem Rücken liegend. Diese Stellung eignet sich eher zum Sonnenbaden oder Meditieren und das Buch könnte man solange als Ablage für den ebenso schweren Kopf benutzen, so kommt man nachher auch wieder leichter hoch.
Vergessen sollte man auch nicht: Wissen ist für alle da und die jeweilige Erkenntnisfolge muß sich dann jeder zu einer eigenen Perlenkette selber zusammenknüpfen. Als Leser geht man damit eine Weile im Lichterschein herumflanieren, doch immer sind neue funkelnde Kügelchen aufzulesen und bald ist die Perlenschnur auch wieder zu kurz. Aber so ist das immer.
Nur wenn der tiefseetauchende Schreiber meint, er sei der einzige, der den Dingen auf den Grund geht, glaubt er sicherlich auch, die Leser stünden am Ufer und erwarteten ihn hoffnungsvoll bangend aus den Untiefen seines Geheimwissens emporsteigen, damit er ihnen die herausgefischten Perlen vor die Füße wirft. Was sie aber bedeuten oder im Grunde ihres Daseins einst bedeuteten, das ist gar nicht so wichtig, wichtiger ist, daß im Zuge der landläufigen Offenbarung sein Name mit einhergeht, vor allem immer dann, wenn sich einmal etwas ereignet, worauf er schon vor Jahren in einem Artikel lääängst hingewiesen hatte.

Ach ja… der mit allen Wassern gewaschene findige Schreiber, was hat er nicht schon alles vorher gewußt! Er ist so sehr von seinem Schreibauftrag eingenommen, daß er gar nicht die Zeit findet, sich zu fragen, ob die Leser das dort Beschriebene nicht vielleicht ebenfalls schon längst bemerkt hätten – offenbar hatten sie lediglich nie das Bedürfnis, darüber erstens zu schreiben und zweitens als diejenigen dastehen zu wollen, die es zu allererst geahnt, gewußt oder prophezeit haben.

Ein gewissenhafter Tiefseetaucher hätte, wenn er doch die Geheimnisse der ewigen Gewässer so gut kennt, die flunkernden Perlen auf ihrem Grund belassen und den interessierten Leuten nur Tauchkurse angeboten, auf die Gefahren mancher Meeresströmungen hingewiesen, ein paar lebenswichtige Atemübungen aufgezeigt, und sie dann ermutigt, selber mal ins kühle Naß zu springen – wer dann welche Perlen entdeckt und was sie ihm bedeuten, das hängt von jedem selber ab.
Ist der Schreiber ein solcher Lehrmeister nicht, so kann er allenfalls die interessierten Leser zum Schreiben ermutigen, gleichfalls von den Untiefen des Schreibens berichten, vielleicht noch darauf hinweisen, daß die vielen Luftblasen, die einem ständig vorm Gesicht rumblubbern, demselben meistens nur aus der eigenen Nase entwichen sind.

Wahrheitsverschreibung

Das Lebendige in einem Text liegt, wenn es solches überhaupt gibt, immer zwischen den Zeilen. Es kann vielleicht mithilfe von Metaphern und klingenden Worten umschrieben werden, wonach den Leser eine Ahnung von dem Lebendigen beschleicht, das im Text weiterhin verborgen liegt. wird aber darauf verzichtet, so bleibt nichts über, denn es ist dahinter nichts, das mit Worten beschrieben werden könnte. Das Lebendige kann allenfalls umschrieben werden, bleibt aber selbst gänzlich ungeschrieben, ebenso verhält es sich mit dem Wahren. Wer also meint, er hätte die Wahrheit geschrieben, der täuscht sich.
Allenfalls hat er einen Versuch unternommen, ihr näher zu kommen, nicht aber um selber zum Lebendigen und Wahren zu werden, sondern der jeweiligen Strahlkraft aus sicherer Entfernung zu gewahren. Es ist damit seine eigene Entfernung aus dem Leben und der Wahrheit, welcher er sich im jeweiligen Moment seines schriftstellerischen Tuns insgeheim verschreibt.

Briefe ins zerbombte Dresden

Geht dir das mit den derzeit geltenden literarischen Anforderungen ein bißchen am Hut vorbei und du spürst trotzdem ständig die edle Tinte in dir wallen, so schreibst du vielleicht ausfluchtsweise Briefe an Freunde oder Blogeinträge in alle Welt, und befindest dich allenfalls auf einem literarisch anmutendem Wandelweg zur Selbsterkenntnis, also auf einem spirituellen Pfad, den man zwar nicht schreibend gehen, aber durchaus schreibend begleiten kann.

Doch sollte ich es von nun lieber nicht mehr Briefe oder Blogeinträge nennen, sondern Feldpost oder Kriegsberichterstattungen. Der literarische Anspruch und Nährwert ist schließlich längst dem Rosinenbomberhagel meiner spirituellen Selbstsuche zum Opfer gefallen, derweil der Verstand aufgrund der vielen seelischen Tretminen traumatisiert ist und sich lieber nicht mehr zu weit nach vorne wagt. Er begrübelt und zerdenkt immer noch alles, doch er kriegt das Herz nicht in den Griff.
Aber das Herz erkennt diese Tretminen als das, was sie sind: als duftende Blumen. Und es fragt mich immerzu, was um alles in der Welt ich am Schreibtisch zu suchen habe, die richtigen Blumen wachsen doch da draußen auf den buntgrünen Wiesen, fern des Schreibtisches, dort findest du sie.
Daher duften aus dem Grunde meines Dichterherzens auch nicht die Blumen, sondern eher die Sehnsucht danach und die Sehnsucht, sie duftet so fein, daran könnte man sich als Erdenmensch immer laben.

Natürlich-, ich könnte jetzt rausgehen und die Blumen wenigstens giessen, statt nur die Sehnsucht, aber das muß jetzt warten. Ich benötige umgehend, dir einen Brief zu schreiben, befinde mich schließlich nicht in Frieden mit mir selbst, sondern augenblicklich in einem Schützengraben in Stalingrad und schreibe von dort aus Briefe ins zerbombte Dresden, Hamburg und Berlin, an alle meine Vertrauten, während ich noch nicht einmal weiß, ob sie überhaupt noch leben.
Deswegen kann ich dich auch nicht anrufen, schließlich sind während des Krieges die Telefonleitungen kaputt oder man benötigt sie anderweitig. Die Verbindung oder die innere Verbundenheit zu ihnen und allem, die besteht sicherlich immer noch, sie vibriert in unseren Herzen, doch alles, was mir einst so nah war, ist mir jetzt so fern, eine tiefe Sehnsucht nach meiner Heimat erfüllt mich, nein, sie zerreist mich, wie die Granaten, die mir hier ständig um die Ohren fliegen..

.. ach, das ist hier ein so elendes Schlachtfeld, ich sehne mich nach einem Spaziergang durch unseren Park, wo wir im Sommer einst so promenadisch unter den Papplen wandelten, so idyllisch beisammen im Cafe Sorglos auf der Terrasse saßen, die Vöglein so lustig von einem Kekskrümmel zum andern hüpften, ach wie luftig und leicht wehte uns damals der Wind ins Sommerhemd und streichelte zärtlich unser Gemüth!

Könnten wir das alles doch im Augenblick nur einmal wieder erleben, aber ich kann nicht, einzig und allein bleibt mir nur, dir diese Zeilen zu schreiben, die Feder wiegt so schwer in meiner Hand, immerzu muß ich hier meinem eigenen Vergehen ins Auge sehen… . Doch aus der Tinte glanzt noch ein Hoffnungsschimmer – ich hoffe du erkennst ihn!

Selbstbestätigung

Meine zwischenzeitliche Befürchtung hat sich nun endgültig bestätigt. Dieses Schreiben kann man schon länger keinen Brief mehr nennen. Vielleicht ginge er noch so gerade als einer durch, wenn ich mich spätestens jetzt dir zuwenden würde. Oder kann das warten? Das kann schließlich noch dauern, bis ich hier fertig bin.

Von Anfang an stimmt in diesem Brief an dich sowieso irgendwas nicht.

Allein schon die häufige Verwendung des Wortes Ich kommt mir äußerst verdächtig vor. Es scheint hier tatsächlich überwiegend um mich zu gehen.
Daher verstehe ich auch nicht so recht, warum Briefe an andere nicht soviel mit dem Wörtlein Ich zugestopft sein dürfen. Man soll sich zurücknehmen, sich wenigstens alle drei Absätze auch mal an den Briefleser wenden, nicht zuviel des Wörtchens Ich verwenden, sich dem Leser mehr zuwenden. Was für eine Heuchelei.

Schließlich bin Ich es, der dir da zu schreiben gedenkt. Ich bin es, der dir schreiben möchte, ich möchte dir gegenüber ganz offen sein, ich habe gewisse Dinge bereits schon länger im Kopf, oder plötzlich im Gemüt, im Geist, auf dem Herzen – die ich dir schon immer mal schreiben wollte, ja, ich, ich, ich, da fragt man sich, was hat das mit dir zu tun, du ferner Leser, du nächstliegendster Adressat, du hochgelobtester Brieffreund, du engster Vertrauter, du?!
Ich schreibe mir, wieso steht im Empfängerfeld deine Adresse, wieso im Briefkopf dein Name? Mein verehrter Briefkopf! Wie geht es dir? Nicht gut? Nun, vermutlich gehörst du zu meinen literarischen Brieffreundschaften. Sozusagen zu meinen ausgelesenen Lesern. Aber Vorsicht, dieser Brief an dich kommt von einem Schreiber. Was auch immer er dir mitzuteilen hat, er redet bei allem insgeheim immer nur von sich. Er nutzt dich nur als seinen Leser. Und der ist für ihn im besten Fall korrespondenzbereit.

Vielleicht sollte ich lieber deinen Namen oben aus dem Briefkopf entfernen, verzeih mir das, aber ich meine, wieso sollte ich auch lügen? Schließlich geht es bei demjenigen der schreibt, immer um denjenigen der schreibt, selbst wenn er nur über Politik schreibt, das sind eben Problemverlagerungen nach Außen, aber augenblicklich interessiert Politik mich nicht, in meinem Fall geht es um mich. Und wer ist in meinem Fall schon ich?
Etwa ich?
Ich neige fast dazu, dies zu vermuten. Wovon sonst wende ich mich wohl ab, wenn ich mich schreibend allem Möglichen zuwende und wer ist ich, der sich da ab und zu wendet, und wieso wendet er sich nicht ab und zu mal mir zu, der in diesem Fall ja auch schon wieder Ich wäre?!
Ja, sage ich, wer schreibt, schreibt von sich, denn er schreibt ja von sich aus und von mir aus kann er auch über alles Mögliche schreiben, über jedweden Umstand meinetwegen, doch schreibt er eben nur unter Umständen über diese Umstände. In Wirklichkeit schreibt er eher ziemlich umständlich über sich selbst, in dem er äußere Umstände dazu benützt.
Die schreibenden Psychologen tun dies in psychologischer Form, die schreibenden Philosophen auf philosophische Weise, die politisch oder sonstwie ambitionierten Schreiber aus politischen oder sonstwelchen Ambitionen, die Literaten selbstredend auf sehr literarische Art, die Poeten allerhöchstens in poetischen Weisen und die wirklich Weisen schreiben vermutlich so gut wie gar nicht. Allenfalls schreiben sie vielleicht irgendwann ein zwei Bücher und dann hat sich die Sache im Grunde auch schon wieder erledigt.

Zurück zum höheren Selbst

Um was es sich bei dem höheren Selbst handelt, das ist bereits von einigen spirituellen Lehrmeistern umfassend beschrieben worden, gleichzeitig darf man aber nicht übersehen, daß die spirituelle Selbstsuche oftmals noch über einen langen Zeitraum vom alteingesessenen Ich, also dem Ego, begleitet wird. Von mancher Seite wird den Menschen, die nach der Erkenntnis ihres höheren Selbstes streben, oftmals angeraten, daß sie sich ihres Egos restlos zu entledigen hätten, was meiner Ansicht nach jedoch einem Aufruf zum Selbstmord gleichkommt, vielmehr sollte es vielleicht darum gehen, die Vormachstellung des Egos in Frage zu stellen und dessen Herrschaft zu überwinden. Schließlich verfügt jeder Mensch über ein Ego, nur wird eben nicht jeder Mensch vollständig von seinem Ego verfügt.
Im klassischen Sinne handelt es sich hierbei auch lediglich um das alltägliche Ich-Bewußtsein eines Menschen, das sich darüber bewußt ist, augenblicklich in dieser Welt vorhanden zu sein. Besonders hilfreich, da besonders naheligend, ist ihm hierbei das Materielle, das Faßbare, das Greifbare und so infizieren äh identifzieren sich viele Menschen auch größtenteils nur mit der materiellen Welt. Ist darin etwas nicht greifbar, so heißt es nicht, daß es verstandesgemäß nicht trotzdem begreifbar wäre und hier hilft der Intellekt, der dazu mißbraucht wird, immer alles wenigstens begrifflich zu begreifen und nach vorneweg ausformulieren zu können, alle intuitiven, höchst empfindsamen, lediglich weniger sprachbegabten Individuen, noch bevor sie an zu leuchten fangen, in Grund und Broden zu reden, ja da muß man schnell sein im Begriffszentrum, sonst ist Holland in Not.

Aber was muß man denn immer alles begreifen? Hin und wieder gibt es äußere Erscheinungen, sowie innere Phänomene, die sind erstmal nicht zu begreifen und da sagt der intellektuelle Verstand zunächst: Na, das ist ja nicht zu fassen. Doch irgendeine Erklärung wird mein Verstand schon finden, die läßt sich schließlich immer für alles finden. Je unerklärlicher ein Phänomen erscheint, desto besser läßt es sich gar vom Intellekt erklären und je mehr liebeskräftige, lebensbejahende, spirituell bis göttliche Energie dem verzwickten Phänomenum innewohnt, desto wortgewandter läßt es sich auseinanderpflücken und auf die Hirn- Ebene runterbrechen. Für diese rational erklärbare Welt wurde ein Ich herausgebildet, daß sich mit jedem Erfolg der vollkommenen Zerdenkung und wortgewandter Zerredung zunehmend davon überzeugt ist, ein intelligentes Ich zu sein, lediglich entweicht es hier der Einsicht, daß Intellekt nicht das gleiche ist wie Intelligenz.
Da es Verstand hat, weiß es zwar sehr bald, daß es selbst nicht der Mittelpunkt ist, um den sich immer alles dreht, doch es beherrscht die hohe Kunst des Denkens, was dem jeweiligen Ich-Bewußtsein immer dort besonders zu Gute kommt, wo es sich im Austausch mit anderen (meist links-) intellektuellen Ichs befindet, die sich jeweils um sich selbst drehend auf vorgegebenen Bahnen bewegen und alle gemeinsam fortwährend das Hohe Intellekt umkreisen, so wie sich eben auch die Planeten sowohl um die eigene Achse als auch um die Sonne drehen.

Betrachtet man allerdings nicht den Intellekt als den Mittelpunkt des Geschehens, so erscheinen sie mir nur wie Kometen, die während ihrer Irrfahrt durchs All zwar einen eindrucksvoll leuchtenden Schwanz hinter sich herziehen, rationell betrachtet aber eigentlich nur verglühende Absonderungen eines einstmals hell leuchtenden Himmelskörpers sind.

Andere Menschen wiederum trauen nicht immer ihrem Verstand, und viele stossen gewiss auch mit ihrem Verstand an die Grenzen desselben. Andere, deren Verstand nicht eng begrenzt ist, wissen wiederum um die Gefahr, die für den Verstand besteht, wenn er die Grenzen des Verstandes mithilfe des Intellekts übertreten möchte; oder besser gesagt, je mehr es jemandem gelingt, desto mehr droht er laut Meinung der anderen Leute den Verstand jedenfalls zu verlieren.

Überschrift fehlt

überflüssiger Teil:
Das Ego ist anfangs lediglich ein anonymes Ich, das sich über viele Vorprägungen, Nachprägungen und laufende Erfahrungen mit der Zeit immer eindeutiger selbst definierte. Aus diesem Ego heraus wächst dann so eine Art von Selbstbewußtsein, das überwiegend nur mit sich selbst beschäftigt ist. Alles was außerhalb davon erkennbar ist, dreht sich nach Meinung des Egos ebenfalls um dieses Ego, ist zumindest aus der Sichtweise desselben zu betrachten und nicht aus der Sichtweise, aus der das Erkennbare kommt.

Bemüht man sich um Aneignung der Sichtweise aus der es kommt, so hat man zumindest einmal die eigene Sichtweise zurückgehalten und kann nun, sogar mithilfe des Verstandes, der einst die Kontrollinstanz des Egos war, viele Sichtweisen annehmen, die das Ego zuvor nicht hatte gelten lassen. Mit Sicherheit ist nun die Perspektive erweitert worden und somit auch das Bewußtsein, zumindest das Ich-Bewußtsein, das zwar immer noch durch eine subjektive Sichtweise besticht, sich aber immerhin schon über das Vorhandensein weiterer Bewußtseinsebenen, von wo aus alles recht anders ausschauen könnte, gewahr geworden sein dürfte.

Ob nun der Anschluß an diese höheren Bewußtseinsebenen eine Überwindung des alteingessenen Ich-Bewußtseins mit sich bringt oder dieses Unterfangen grundlegend voraussetzt, das ist eine müßige Frage, umso müßiger nämlich, je bewußter einem wird, daß man sich die Frage erstmal selber stellen müßte, bevor man sie hier einfach nur hinschreibt…

Denn das ist ja die Krux an diesem Schreiben, in welchem ich mir nur selber diese Fragen stelle, also ich, welcher hier derjenige ist, der seiner an die materielle Welt gebundenen und von theoretischen Glaubenssätzen geformten Persönlichkeit allerdings nur scheinbar entflieht, in dem er literarische Abstraktionen seines „wahren Wesens“ auf dem Papier entwickelt und allenfalls geistige Bestrebungen unternimmt, sich seines höheren Selbstes bewußt zu werden – statt einfach nur damit zu beginnen, es zu sein.

Überschrift fehlt

Zumindest dürfte wohl jedem, der neben mir diese Zeilen liest, unvermittelt klar sein, daß jegliche von mir angewandte Rhetorik nur eine Art Fluchtversuch darstellen wird, über den zu vermeiden versuche, konkret von mir selbst zu sprechen.
Dabei sollte ich als der schreibende Teil mich doch immerzu fragen, was dies alles mit mir zu tun hat und warum ich mich mit welcher Thematik auseinandersetze, wodurch wiederum eine ganz entscheidende Überlegung automatisch mit einhergeht; nämlich stellt sich die immer lauter werdende Frage, warum ich einen solchen Selbstbeschreibungsversuch samt aller rhetorisch ausgearbeiteten Fluchtwege überhaupt zum Lesen bereit stellen sollte.
Einer Veröffentlichung jedweder Schrift liegt immer auch der Wunsch zugrunde, gelesen zu werden – und da muß man sich natürlich fragen, warum? Oder wozu?
Für einen Schreiber sind dies höchst brisante Fragen, mit möglicherweise folgenschweren Antworten, doch ich kann mich, als der schreibende Teil einer solchen Auseinandersetzung nur dieser Sache stellen, während dem vermeintlich lesende Teil kaum etwas davon interessieren dürfte. Allenfalls könnte er an den Absätzen gefallen finden, in denen ich mich von meiner Selbstbehandlung wieder abwende, oder mich über weiß Gott welche Dinge auslasse und sie so darstelle, als hätten sie mit mir überhaupt nichts zu tun..

Das alltagsego ist vielseitig interessiert und es kann im Grunde an allen Themengebieten Gefallen finden. Es läßt sich von sämtlichen Attraktionen gerne begeistern, egal ob man es in den Supermarkt vor eine Fleischtheke stellt oder in die Buchhandlung vor ein Bücherregal, besonders attraktiv für das einsichtige Ego ist die Esoterikabteilung.

Je nachdem wie und womit es geprägt wurde, kann es aber Gefahr laufen, einem noch heimtückischerem Egoismus zu verfallen, also diverse Egoismen in spiritualis auszuprägen; der Ich-Sucht, der Geltungssucht, dem Eigennutz durch die Anhäufung esoterischen Wissens nun in gottzugewandter Manier zu fröhnen und von einem Esoteriker eher zu einem Ego-teriker zu werden. Denn gerade die esoterische Literatur ist oftmals nichts anderes als die pure Egoterik, so sehr spirituell verlockend sie auch dort in den bunten Ecken duftet und jeden betört, der heute mal in die Stadt gefahren ist, um sich ein Buch über sein höheres Selbst zu kaufen.
Dort liest er dann, daß der spirituelle Weg zwar manchmal beschwerlich sein kann, doch meistenteils wird er sich so fühlen, als liefe er mit zwei zwischen die Zehen gesteckten Flipflops entlang der Strandpromenaden dem Sonnenaufgang seiner Selbsterkenntnis entgegen. Dort angekommen glaubt er nun, er sei erleuchtet worden, ist tatsächlich aber nur geblendet worden und mit solchen Augen betrachtet er dann fürderhin auch die Welt. Und da am Ende des Tages die Sonne auch wieder untergeht, wird für ihn zur Überdauerung des Dunkels eine ganze Menge Firlefanz vonnöten sein, womit er auch in den finsteren Stunden sein spirituelles, fast Gottgleiches Dasein ausfluchtsweise zelebrieren kann.
Statt sich wie früher zum Trost einen fetten Teig für zuckerleckeren Marmorkuchen anzurühren, rührt er nun eifrig mit dem Klöppel in der Klangschale herum, wickelt sich unter Umständen noch die Beine um den Hals und verharrt in dieser Stellung, bis alle verfügbaren Organe gemeinsam ein ausgedehntes Resonanzbecken für den Widerhall der klingenden Klangschalenklänge bilden, wodurch bald der Mikrokosmos seines Körpers in gleicher Frequenz schwingt wie die Sphärenmusik im allumfassenden Makrokosmos, was ja zugleich der Ort ist, wo in etwa sein höheres Selbst sich unter Umständen befinden müßte, das zu erreichen er momentan ganz feste gewillt ist!

Sogestalt über vielerlei theoretische und praxisbezogene Spiritualität mit sich selbst beschäftigt, verliert man zwar einstweilen den Bezug zur vermeintlichen Realität und durchschaut somit endlich die ganze
Illusion oder erkennt die Wahrheiten dahinter und das ebenfalls aus illusorischen Vorstellungen bestehende alteingesessene Ego-Ich droht sogar zunächst die Kontrolle zu verlieren – doch so schlau und wendig es ist, erkennt es gewiss, daß es nach einiger Zeit des Entbehrens bald wieder sehr gefragt sein dürfte …, schließlich ist ihm nicht entgangen, daß dieser leidige spirituelle Weg dorthin führen könnte, wo man nicht nur irgendein weltfremdes höheres Ich wiederfindet, sondern in jene Gefilde, wo man lernt, sich selbst wie Gott zu fühlen oder selber wie jener Gott Höchstselbst zu sein – und wenn man es geschickt genug anstellt, wird man vielleicht sogar angebetet, auf jeden Fall aber mit einer ziemlichen Ehrfurcht angesehen. Der spirituelle Weg ist für das Ego also durchaus verlockend, vielleicht könnte man es auch ein spirituelles Weiterbildungsverfahren nennen.

überflüssiger Teil:
Dabei ist es nicht etwa zu allererst notwendig, das höhere Selbst zu finden, wodurch das niedere Ego-Ich automatisch vergehen würde, sondern ist das niedere Ego-Ich zu überwinden, bzw. zu durchschauen, bevor überhaupt ein Schritt in Richtung göttliches Höchstselbst unternommen werden kann.

Hier aber nun käme dann die Frage auf, welcher Teil in einem Menschen eigentlich danach streben soll, das Ego-Ich zu überwinden, wenn das wahre Ich noch nicht integriert ist und erst nach Überwindung des bisherigen Identifikationsmodells gesehen werden kann. Ist es vielleicht das Ego selbst, das erkennen muß, was es ist, und das sich vormacht, dies und das zu sein?
Tja, ich weiß es nit und kann sowieso nur von mir reden; das zumindest weiß ich schon. Bei mir jeden-falls handelt es sich um eine auf die Erde runtergebeamte Erscheinungsform, die mal hier und da nachsehen soll, was sie hier eigentlich zu suchen hat. Dazu gibt es verschiedene Mittel und Wege von denen ich möglicherweise erst einen Bruchteil angewandt bzw. beschritten habe.
Um aber manche Gemüter zu beruhigen, möchte ich beteuern, daß ich durchaus der Theorie glaube und es sogar vollkommen logische finde, daß wir Menschen, wenn nicht gar jedes Lebewesen, das so auf Irden kreucht und fleucht, ein verkörperter (Teil-)Ausdruck eines höheren im ganzen Alldingsbumms herrschenden Vollbewußtseins sind, als dessen Teil wir wiederum selber eine dort existierende Bewußtseinskraft sind, die uns über verschiedene Geburtskanäle in der jeweiligen Form auf die Erde gebeamt hat, damit wir hier da irgendwas damit anstellen.

Die Wortwahl „das höhere Selbst“ klingt allerdings schon so, als befände es sich nicht unbedingt in Griffnähe, obschon man doch annehmen dürfte, daß es als ein Teil von uns näher ist, als man allgemeinhin denkt. Die nach dem höheren Selbst strebende Person hat sich lediglich mit der Zeit mit einem Ich identifiziert, welches aufgrund vieler Umstände zunehmend komplexer wurde. verwickelt, verflochten, verzweigt, zusammengesetzt, beziehungsreich
Manche Ichs sind sogar derart komplex ausgestattet, daß man sagen könnte, sie bestehen aus einem einzigen riesigen Komplex. Man merkt es ihnen nicht an, denn wir alle sind mehr oder weniger verwickelt, verschachtelt und vertrackt in einem Systemkomplex, das von unseren Komplexen lebt, was wiederum daher rührt, daß wir hier nur bestimmte Rollen verkörpern, die uns zugedacht, anerzogen, auferlegt und ausgebildet wurden oder sogar mit viel Zuspruch von uns selbst erarbeitet und vollständig eingebildet worden sind.
Unser wahres Wesen ist derweil so weit von uns entfernt wie der HerrGott Höchstselbst, während die von uns verkörperte Rolle samt aller Rollenverhalten mit uns Selbst eigentlich überhaupt nichts zu tun hat.
Nur manchmal schaut man zum Fenster hinaus und sieht in der Entfernung etwas Undeutliches vorbeihuschen oder man sehnt sich nach einem unbestimmten Land mit grünen Wiesen oder weissen Stränden, das irgendwo dort hinter den Mauern der Stadt liegt. Doch das ist nur eine ungewisse Ahnung, in Worte fassen läßt es sich nicht und außerdem werden wir bei derartigen flüchtigen Blicken nach etwas Ersehntem immer wieder ziemlich abrupt in die alltägliche Norm zurückgezwängt – und schon befindet sich unser definiertes Ich wieder im zelebrativen Austausch mit einem anderen definierten Ich – besonders beliebt ist die Frage, was man denn so arbeitet, ob man schon verheiratet ist oder ob man Kinder hat und falls das meiste davon nicht zutrifft, wird einem mit bemitleidenswertem Blicke auch noch die Frage vorgeworfen, ja aber wieso denn nicht?.
In diesen Fällen können Sie mir glauben … ach nein, das ist ja wieder mal ein Brief an einen Vertrauten, in solchen Fällen kannst du mir glauben, mein Lieber, daß ich auf solche Fragen nicht mehr antworte oder hierzu widersinnige Angaben mache, denn für mich ist allein schon der Grund, solche Fragen zu stellen, mit einer Absicht verbunden, die ich zweifelhaft finde. Ich sage dann einfach, ich wäre Vorwandsvorsitzender bei einer großen Firma, hätte 5 Kinder und wenn er will, könne er zwei davon abhaben.

Dieses ständige Abfragen von Angaben zu Person bezweckt doch nur die Erhebung von Vergleichswerten, um sich über solche „Werte“ die Genugtuung zu verschaffen, daß sich auch die anderen Personen mit ihrem Dasein als Sklave abgefunden haben und so dient auch die Kontaktpflege zu ihnen nur der Vergewisserung, ob auch die anderen sich noch im Zustand des erforderlichen Unterwürfnisses befinden.

überflüssiger Teil:
Es muß sich bei alldem gar nicht einmal um ein negativ ausgerichtetes, destruktives oder niederträchtiges Kontrollinstanzego handeln, das die Führung in einem Menschen übernommen hat; es kann auch ganz friedvoll, gemütlich, unvoreingenommen und stets gut gelaunt daherkommen, doch auch hier wird verstört darauf reagiert, wenn ihm gegenüber das Vorhandensein eines in jeden Menschen gepflanzten Wesenkerns auch nur erwähnt wird, geschweige denn davon gesprochen wird, daß dieser Wesenkern nur durch Öffnung des Bewußtsein gefunden werden kann, bzw. das Bewußtsein die Pforte ist, hinter der dieser Wesenskern vergraben liegt, derweil die Pfade dorthin bei jedem Menschen unterschiedlich angelegt sind. Jedes hierdurch in Frage gestellte Ich wird seine unangefochtene Vormachstellung nicht in Frage stellen lassen, da es nicht einsehen will, daß es unabdingbar ist, diesen Schritt selbst zu unternehmen.

Das Ego selbst muß seine unangefochtene Stellung anfechten, bzw. die Vorstellung seiner unanfechtbaren Stellung aufgeben, denn solange es dies nicht eigenhändig unternommen hat, ist es sogar dazu in der Lage, spirituelle Trends mitzumachen, den spirituellen Prozeß zu begleiten und schließlich in den Bereich zu lenken, aus dem es vielleicht nicht ganz ungeschoren, aber am Ende doch frisch frisiert hervorgeht und wieder ganz ansehlich dasteht. Hier könnte man dann von einem „in Sachen Spiritualität ausreichend geschulten Ego“ sprechen und gerade bei der Suche nach Spiritualität und entsprechenden Begegnungen mit Gleichgesinnten es häufig genug mit einem solchen zu tun bekommen.

Man selbst

Einstweilen geht es hier also erstmal nur um mich und um die leidige Frage, warum ich überhaupt gedenke, schreiben zu müssen, hier an meinem Schreibtisch hockend, innerhalb der Stadtmauern meines von meinem Selbst entfernten Ich, das einem Teil der Struktur zugehörig ist, die das gesamte illusorische Gebilde zum Schaden aller aufrecht erhält.
Da gibt es vermutlich nur wenige, die längst dort sind, wo wir alle im Grunde unseres Seins zwar sind (doch viele sind sich eben darüber nicht bewußt geworden), doch diese wenigen anderen bleiben auch hier außen vor. Über sie schreibe ich nicht, denn über ihren Zustand kann man kaum schreiben, in dieser Abhandlung werden sie kaum eine Rolle spielen, denn das ist, was sie tun; sie spielen keine Rolle mehr.

Um aber nun von mir zu reden, beziehungs-waise, über das, was meine Person betrifft, so hält sie sich ja bekanntermaßen für eine Art Schreiber. Und hierbei verhält sich natürlich so, daß man, sobald man schreibt, stets von sich selbst schreibt, da gibt es kein Entkommen. Worüber man schreibt und an wen man schreibt, ist vollkommen egal. Man muß nur wissen sich nur mal fragen, worum es bei allem, worüber man so schreibt, eigentlich geht. Selbst wenn man nie ein Wort über sich selbst verliert, auch in Vermeidung des Ich schreibt man nur über sich, besonders dann, wenn Ich immerzu man sagt –
Man jedenfalls ist auch wieder so ein Wort, das auf die Dauer genauso verstörend wirkt, wie wenn man andauernd ich sagt.
Manche sagen ja, man soll nicht immer man sagen und das ist wohl ein guter weiser Rat. Doch nur weil man nicht stets man sagen möchte, muß man nicht stattdessen auch noch frau sagen, statt man, – vor allem nicht, wenn man als Frauenrechtler sagen will, was man als Frau oder Frauenrechtverfechter sagen will. Denn wer frau sagt, statt man, der will meinen, das eine wäre das begriffliche Gegenteil vom anderen, dabei ist das Wort man doch lediglich auf das Wort men zurückzuführen, also Mensch. Wo man also man sagt, meint man man und woman zugleich (→ kuckikucki neuer Text), egal wo man herkommt, aus dem männlichen Teil des Geschlechterzerwürfnisses oder aus dem weiblichen. Die Verallgemeinerung man ist zwar ein bißchen ein Von-sich-weisen, während das Ich völlig ichbezogen ist, doch eine gute Mischung aus beidem wird den Esel schon auf den richtigen Weg bringen.

Bestandsaufnahme anhand symbolträchtiger Fallbeispiele (BasF)

Was bleibt am Ende über nach dem ganzen Ich & Du und Müllers Kuh?
Nach allem Geschreibe bestehe ich offenbar immer noch aus Seele, Geist und Körper, wer hätte das gedacht.
In dieser Zusammensetzung bin ich somit, wie alle anderen auch, so eine Art natürliches Wunder. Dieses Wunder bestand – natürlich – von Anfang an – nur mit der Zeit nahm das Unheil seinen Lauf. Der Körper wuchs, der Geist wurde per Schultüte eingetütet und die Seele mit dem Gesicht zur Wand in die Ecke gestellt, denn wenn eine Seele glaubt, sie dürfte in diesem Kopf und Schropf-* Gesellschaftssystem aufmucken, hat sie sich erstmal was zu schämen. *(Schröpfen: Ausnutzen, Abmelken, Ausbeuten, arm machen, um Hab und Gut bringen)

Früher, da war man aber als ein seelisches Wunder noch ganz besonders mit allem im Einklang. Ringsherum und ringsumher standen und bewegten sich ebenfalls alles Wunder, es war alles ganz wundervoll. Doch irgendwann merkte ich, manches ist hier aber auch recht wunderlich und tief im Innern wunderte ich mich, daß fast überall, wo ich meine wundersame Gestalt ein wenig entfalten wollte, es irgendwie nicht ging.
Dabei hatte ich doch gerade erst damit angefangen, so als Kind.
Zwar war ich als kindlicher Jüngling auch noch eine zeitlang lustig mit dabei, Wunder zu erleben, doch schien das alles bald gar nicht mehr so wunderbar zu sein, wie ich anfangs geglaubt hatte. Der wilde Garten hinter dem Haus der Nachbarn war ja gar kein Zaubergarten und der Wald hinter dem Spielplatz war ja gar kein Zauberwald. Zumindest endete beides plötzlich an einer hohen Mauer, was der Phantasie zwar noch keinen Abbruch tat, aber dahinter war eine Autobahn und noch dahinter eine stinkende Chemiefabrik. Das hatte mir bis dato nur keiner gesagt.
Das habe ich erst entdeckt, als ich einmal oben im Baumwipfel spähender Indianer spielte. Vielleicht kam die Straße mir auch damals nur so breit vor, wie das mit Kinderaugen so ist, aber es macht keinen Unterschied, denn mittlerweile ist sie bestimmt so breit geworden, wie sie mir damals schon vorkam. Es war in jedem Fall eine monströse Straße, wir nannten sie die Todesbahn, und dahinter eine noch monströsere Chemiefabrik. Erst dahinter fing der Zauberwald erst wieder an.
Na gut, dachte ich, dann haben sich inmitten deiner Traumlandschaft jetzt zwei große Monster niedergelassen, meine Phantasie ist immer noch groß genug, um mit euch fertig zu werden. Jetzt ist dahinter eben die Todesbahn und dahinter die Wohnstätt des monströsen Monsters, offenbar ist es Zeit für neue Abenteuer.
So ermittelte ich folglich, daß der Schatz jetzt auch nicht mehr in meinem Zauberwäldchen vor Ort vergraben lag, den kannte ich ohnehin schon längst auswendig, sondern von nun an in dem fernen Zauberwäldchen hinter der Wohnstätt des dampfenden Monsters. Dort in den andern Teil dieses einstmals ganzheitlichen Waldes mußte ich also hin – und zuvor galt es natürlich auch noch die Waldfee aus den Fängen des Monsters zu befreien. Sie war, so jedenfalls meinte mein Freund, bestimmt an einen der großen Schornsteine festgebunden.

Mit meinem Schwert der Marke Playbig machte ich mich also direkten Weges durch meinen Zauberwald und kletterte über die Mauer, das heißt, ich kletterte sie auf der einen Seite hoch, robbte mit Bein, Brust und Brustbein über die Schwelle und fiel auf der anderen Seite rückwärts wieder runter – landete aber noch auf den Füßen, machte dann gleich wie im Film mehrere lange Kungfu-Bewegungen in alle Richtungen und stand plötzlich mitten auf der Autobahn. Die war damals noch nicht so vielbefahren wie heute und so ist mir gottseidank nichts passiert, außerdem waren alle meine Engel ja auch noch dabei. Wahrscheinlich haben die mich gleich auf die andere Seite der Todesbahn geschubst, wo ich mich gleich ein bißchen in die Büsche schlug, um dann doch wieder vor einem hohen Zaun zu stehen. Daran hingen Schilder mit Blitzen, Totenschädeln und tropfenden Giftampullen. Ein untrügliches Zeichen – dahinter konnte wirklich nur ein Monster wohnen.
Der Zaun war jetzt nochmal doppelt so hoch wie ich und wie lange man auch an dem blöden Zaun entlang ging, der blöde Zaun nahm nie ein Ende. Das war so öde, daß ich mich immer einsamer fühlte und auf einmal fehlte mir auch ein bißchen mein mutiger Freund, der hatte heute nämlich fünf Stunden Stubenarrest. Das ist ein altes Wort, heute bedeutet das so etwas wie drei Stunden Handyverbot. Besuch hätte er empfangen dürfen, aber ich habe nicht zugesagt und jetzt, allein hier draußen in der Dunkelwelt, dachte ich: Hätte ich doch lieber zugesagt, aber ich konnte auch alleine mutig sein und außerdem wollte ich jetzt nicht an Erdbeerkuchen mit Sahne denken, soll er den doch alleine futtern und sein blödes Telespiel spielen, wo man gar keinen Mut für braucht. Außerdem hatte er sowieso wahrscheinlich nicht recht, vielleicht war die Fee nämlich gar nicht an dem großen Schornstein festgebunden. Vielleicht war sie der Wohnstätt des Monsters entflohen und sang nun zu ihm aus dem Walde:
Liebes Monster stinkestark, dampf doch nicht vor Wut so arg, bei dir ist es mir allzu schaurig, mit deinen Säften säurelaugig und deinen Dünsten duseldumm, mit Grünspan, Chlor und Toxikum, dampfst du zwar immerzu ganz tüchtig und ich verweile derweil flüchtig, doch geh ich vor dir niemals stiften, sondern helf dir beim Entgiften – laß du nur deine Gifte fliessen, ich sorg derweil fürs Blumenspriessen.
So sang die Fee jetzt ganz liebevoll, aber ich wußte trotzdem nicht weiter, setzte mich auf einen Baumstumpf und rammte das Schwert in den Boden, der war aber so hart, daß es verbog und auf einmal war mir noch elender zumute. Mein kaputtes Schwert auf dem Boden, mein Freund irgendwo in Erdbeersahnekuchen versunken, ich allein in der Monsterzone, hinter mir der Zaun, dahinter ein stinkender Giftbach, bald dahinter noch ein Eisengatter und vor mir dröhnte die Todesbahn.
Niemals würde ich mich das trauen, allein die Todesbahn zu überqueren, sagte mein Freund jetzt, jedenfalls meinte ich, er würde das jetzt so sagen, aus seinem Fenster rufend. Und außerdem: wenn dir dann was passiert, meinte auch seine Mutter, also laß es besser.
Und wenn nicht, hab ich dann gesagt und recht behalten, weil mir ist ja nichts passiert. Ok, über die Todesbahn bistu noch drübergekommen, aber du warst nicht auf dem Fabrikgelände, weil, das hast du dich nicht getraut, hat mein Freund dann später gesagt, als ich ihn nachher beim Stubenarrest besucht hatte und wir zusammen Erdbeerkuchen mit Sahne futterten. Der war wirklich lecker, den hat seine Mutter immer gemacht, sobald der Vater arbeiten war, in der Fabrik, Batterien und Kassetten bauen. Vorm Krieg oder danach, ich weiß nicht, da haben die allerdings Farben gemacht oder Gift, ich weiß nicht. Und jetzt machen die immer noch Gift, das steht ja auf dem Schildern und wer nicht aufpasst, der geht tot.
Aber vielleicht hat sich das Monster auch nur so eingezäunt, weil es was verstecken will, sagte ich später zu ihm, als der Stubenarrest aufgehoben war und wir nochmal nur zum Drüberkucken die Mauer hochgeklettert waren. Der Schatz, der ist vielleicht gar nicht im Wald, sagte ich, sondern bestimmt hockt das Monster genau drauf, vor lauter Angst, daß ihm einer den Schatz wegnimmt. Genau, meinte mein Freund, und strullert deswegen vor lauter Angst andauernd seine Giftfarben in den Bach, der Pisser!
Da mußten wir dann beide drüber lachen.

Die Entfernung der Chemiefabrik

Entschuldige meinen Ausrutscher; statt dir hier (etwas über) Romane zu erzählen, hatte ich ja eigentlich vorgehabt, dir einen Brief zu schreiben und bin stark vom Thema abgekommen.
So scheint es zumindest. Denn auch die Entfernung der Chemiefabrik ist nur ein Vergleich, der mir zur Ablenkung dient. Ganz unbewußt ist es mir nämlich geschehen, daß ich nicht etwa von etwas Äußerem schrieb, sondern von etwas Innerem. Es scheint mir hier wohl um den Wunsch nach Entgiftung zu gehen. Entgiftung meines eigenen Geistes.
Natürlich, im gleichen Atemzug die Chemiefabrik auch noch wegzuschreiben, das wäre der guten Absicht geschuldet, und diente der Wiederherstellung des Waldes oder wenigstens einer Wiese. Das ist stets eine der (nebensächlichen) Absichten, die man mit Schreiben verfolgen kann. Doch was ist mit meinen inneren Giften? Anfangs hatte man doch keine inneren Gifte und wollte nur Frieden und Harmonie und Schönheit und Freude und Leben. Nur wie gelangt man dahin, wenn vieles im Unfrieden ist, vieles disharmonisch, vieles – ich will nicht sagen häßlich – vielleicht ungestalt, verformt, auch abgenutzt, ungepflegt, gar verkümmert ist, da vergiftet?
Wie gelangt man dahin, zum friedlichen Selbst, zum harmonischen, zum schönen, vielleicht zum reinen, zum heilen Selbst? In dem man darüber schreibt?

Wahrscheinlich nicht – aber immerhin gelangt man während des Schreibens zu der Frage, warum will man überhaupt dahin? Man möchte es doch so gern, jeder möchte Frieden, Schönheit, Harmonie oder im Einklang mit allem sein, mit allem in nächster Umgebung, mit der Natur und von dort immer weiter bis ins All hinaus; und passen wir jetzt nicht auf, so klingt das sehr esoterisch, aber wieso ist dir diese Angelegenheit überhaupt so fremd? Warum überhaupt in die Ferne schweifen?
Was sehe ich, wenn ich mich umschaue? Wenig Frieden, wenig harmonischen Einklang, wenig Schönheit? Was sehe ich, wenn ich mich umschaue und wer ist ich, der sich da umschaut, wieso schaut er nicht bei sich selbst, der in diesem Fall schon wieder ich wäre?
Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht, ach nein, das ist ja immer noch ein Brief an dich, also, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin jedenfalls fortwährend mit mir selbst beschäftigt.
Wenn man sich nur nicht ständig ablenken ließe.

Himmel Herz und heimatboden

Nun könnte ich mich natürlich fragen, wieso schreibe ich andauernd von anderen Dingen, wenn ich doch eigentlich nur über mich selbst hatte schreiben wollen.
Aber so ist das wahrscheinlich: man verlegt die innere Problematik ins Äußere.
Besonders beim Schreiben ist das so. Ich könnte mich zum Bleispiel auch fürchterlich über die Chemtrails aufregen und fortan meine Beiträge der Chemtrailproblematik widmen, auf daß wir bald wieder unseren blauen Himmel zurückbekommen. Tatsächlich erscheint mir derzeit keine Arbeit sinnvoller zu sein – wirklich, denn wenn man sich schon politisch betätigt und sich zum Wohle der Menschheit um etwas kümmern möchte, dann bitte darum.
Als ein schreibender Aktivist wüßte ich allerdings auch, daß es mir im gleichen Maße nach einem freien Geist verlangt, der aber möglicherweise von künstlichen Wolken und Schleiern noch bedeckt ist und manchmal kümmt es mir so vor, als ob es in meinem Geiste oder meinem Bewußtsein genauso ausschaut, wie oben im Himmel.
Doch gewiss bin ich nicht der einzige, dem es so ergeht, niemand könnte diesen verschleierten Himmel leugnen, jeder der Augen hat, müßte es eigentlich erkennen: da ist etwas völlig Widernatürliches im Gange, da wird versucht den Himmel zuzuschmieren, das Licht zu verdunkeln, etwas Lebendiges zu kontrollieren, denke doch nur mal über die unsägliche CO2-Steuer nach und den heuchlerischen Emissionshandel, da stinkt gewaltig etwas zum Himmel!

Wird dort etwa versucht, das aufstrebende Bewußtsein der Menschen niedrig zu halten? Oder ist umgekehrt das, was am Himmel zu sehen ist, eben der Ausdruck dieses betrüblichen Geisteszustands der Menschheit? Oder ist beides der Fall? Was soll ich dann tun, gemeinsam mit allen anderen, wenn mich der verschmierte Himmel stört und ich ihn geklärt haben möchte? Wahrscheinlich zunächst einmal selber hinsehen und dann ganz im Sinne der Aufklärung des Himmels eine Aufklärung des Geistes betreiben.
Wer also auf politischer Ebene wirkt und wirklich etwas tun will, der sollte sich dieser Thematik zuwenden, sich für den sauberen Himmel einsetzen, die Verschleierung und Vergiftung stoppen. Und wer, so wie ich, eher zu den passiven Aktivisten gehört, also nur schreibt, aber nichts tut, der kann immer mal wieder wenigstens davon schreiben, was ihn wirklich im Inneren bewegt und sich dann fragen, warum es ihn bewegt.
Auch wenn es nach Außen hin erstmal nichts bewirkt, so erweitert es doch den Horizont im Innern. Das kann man schreibend tun. … schließlich bin ich es, der schreibt, meine geistigen Auswüchse ragen in alle möglichen (denkbaren) Richtungen. Wovon auch immer meine geistigen Auswüchse handeln, sie haben alle etwas mit mir zu tun und führen hinab in mein verwurzeltes Selbst, das da drunten hockt in den Untiefen meines ausschlaggebenden Herzens Heimatboden.

Heim ins Reich

Ich habe nun die lange Zeit deiner Abwesenheit damit zugebracht, den Stellenwert unserer gemeinsamen Verbindung herauszuarbeiten und jetzt rate mal, zu welchem Ergebnis ich gekommen bin: Es läuft alles darauf hinaus, daß wir im Grunde gar nicht ohne einander können.
Ist das nicht verblüffend?
Daher ist mir derzeit nichts wichtiger, als dich wieder heim ins Reich zu bringen, wie man so schön sagt, auch wenn man das in unserem Reich vermutlich gar nicht so sagen darf. Doch geht es hier diesmal nicht um das Ausleuchten fehlgeleiteter Politik oder das Aufdecken von Verschwörungen, nein, in diesem Schreiben geht es alleine um uns. Was nicht heißt, daß es nicht zu ebenso brisanten Erkenntnissen führen könnte.
Weißt du zum Beispiel noch, anfangs, als wir beide sehr eng miteinander verbunden waren, das war eine gute Zeit, denn wir befanden uns in einem guten Austausch. So gefühlvoll wie du dich jeder Sache zuwenden konntest, so verständnisvoll wußte ich damit umzugehen; was immer uns begegnete, im gemeinsamen Austausch darüber handelten wir stets richtig oder wir lernten wenigstens daraus, um es das nächste mal besser zu machen.
Dann aber hast du dich nach und nach von mir zurückgezogen. Die Gründe dafür hast du mir nie gut darlegen können, verständlicher Weise, denn gewiss ist es so, wie du verlauten ließest: Rationell läßt sich deine Vorgehensweise nicht erklären.
Deine Beweggründe waren ja schon immer irrational. Es liegt schließlich in deiner Natur, dich hinaus über ungewisse Grenzen zu wagen, was mir wiederum unmöglich war, denn selbst wenn ich gewollt hätte, ich hätte dir nicht folgen können. Eine solche Grenzüberschreitung war undenkbar, es hätte mein Begriffsvermögen überstiegen und ich wäre mit ziemlicher Sicherheit dabei verloren gegangen.
Nach deiner Grenzüberwindung tauschten wir uns noch eine Weile aus – unsere Verbindung, der Austausch, war weiter vorhanden, du versuchtest mir deine neuen Eindrücke mitzuteilen und ich wußte daran Teil zu nehmen, indem ich sie vernünftig einordnete, um später, bei ersten Verdacht des Aufkommens von ähnlichen Situationen, als entsprechende Erfahrungswerte jeweils darauf zurückgreifen zu können. Gewiss war es dir auch ein guter Zuspruch meinerseits, wenn ich dir immer mal wieder mit ein paar verständigen Gedanken zur Seite zu stand.
Gleichzeitig hast du mir oftmals bewiesen, daß hinter mancher Sache mehr war, als ich anfangs dachte. Viele Dinge hast du schon gewußt, bevor sie überhaupt erkennbar gewesen wären und es ist mir bis heute nicht klar, wie du das gemacht hast. Du signalisiertest mir, daß ich mich mit den näheren Umständen gar nicht erst weiter befassen müsse und weitestgehend war dies auch in Ordnung für mich. (Insgeheim tat ich es natürlich trotzdem, nur um ganz sicher zu gehen)
So bist du zu einer Vielzahl von grundlegend neuen Erkenntnissen gekommen, die Erfahrungen aber, die dir zu den Erkenntnissen verholfen haben, diese hättest du vielleicht gar nicht allesamt durchleben müssen, wenigstens nicht bis ins letzte Glied, und schon gar nicht unbedingt noch ein zweites oder gar ein drittes Mal.
Wannimmer du dann Gefahr liefst, dich schon wieder zu verlieren, erstellte ich neue Richtlinien und Vorgaben, die du einzuhalten hattest, allein um undurchsichtige Verstrickungen von vornherein zu vermeiden. Ich denke, dies war nicht zu unserem Schaden, daher frage ich mich manchmal: Ist es dir heute wirklich möglich, sowohl ohne meine Einwände als auch ohne meine Zusprüche auszukommen? Tanzt du wirklich durch die Welt voller Erlebnisse oder hockst du vielleicht irgendwo verängstigt in einer Ecke, vielleicht gar eingeschüchtert von meinen eigentlich doch gut gemeinten, grundvernünftigen Ratschlägen, die unendliche Gefühlswelt, in der du dich doch am liebsten völlig frei bewegt hättest, durch meine Kontrollfunktion verbarrikadierend.
Schließlich muß ich mittlerweile feststellen, daß es seit deiner Abwesenheit hier insgesamt ziemlich trostlos zugeht. Es war gar nicht einmal ereignislos, ganz im Gegenteil, Ereignisse finden schließlich überall statt, doch es fehlte mir etwas Lebendiges darin oder besser gesagt, es war mir, als hättest du die besonderen Merkmale (anhand derer ich die Werthaftigkeit des Lebens nachträglich ablesen und ermessen konnte) samt und sonders alle mit dir genommen.
Alles, was sich seither ringsumher ereignet, ist so leblos geworden, oder wie kann ich das nennen?, so gefühllos? Die Pegel in der Gemütsabteilung zur Ermessung der Gefühlsspanne stehen jedenfalls alle still und die Leuchtioden in der Abteilung für Hochgeistiges zeigen gar nichts mehr an. Gleichsam folgt ein Ereignis dem anderen, man kommt kaum noch zum Luftholen, doch ich weiß letztlich mit Allem vernünftig umzugehen – ohne dich fühle ich mich meiner Sache sogar bisweilen sicherer – doch eben die genannten fehlenden Werte zur Ermessung unseres Ist-Zustandes, führen mich zu der Überlegung, ob wir, über den biologischen Aspekt hinaus, überhaupt noch am leben sind, was ja ein Zustand wäre, der auf Dauer auch dem Umfeld und damit letztlich der Allgemeinheit nicht dienlich wäre. Die Allgemeinheit das ist die Gesellschaft, das sind die Personen um uns herum. Sie befinden sich vermutlich mehr oder weniger in einer ganz ähnlichen Problematik. Schließlich ist innerhalb der Personengesellschaft kein vernünftiger Fortschritt für die Menschheit erkennbar. Im Sinne dessen was für jede dieser Personen Menschsein bedeutet, scheint sich eher vieles rückläufig zu entwickeln. Die Werte sind verloren gegangen oder besser gesagt, die Menschen sind entwertet worden. Allein Kraft des Verstandes wäre das zu erkennen. Wie du dich hierbei fühlst, das wage ich gar nicht zu vermuten.
Ich kann ja schließlich auch gar nichts wirklich fühlen. Um aber, seit Deiner Entweichung, annähernd herauszufinden, wie das so ist, mit dem Herumschwimmen in irgendwelchen Tiefbecken der wahren Gefühlswelt und wie es demnach um dich stehen könnte, habe ich mir bald einige Methoden angeeignet, von denen ich glaubte, daß sie mich in Welten führen, die deinem Bereich nahestehen und dem dort Erlebbaren in gewisser Weise entsprechen. Hierzu habe ich damit begonnen, mich mancher Sekundärinformationen zu bedienen, zum Beispiel begann ich verstärkt in Büchern zu lesen, (am besten empfindsame Literatur) die den jeweiligen Sachverhalt recht zutreffend behandelten, jedenfalls weiß ich immer genau, wovon dort gesprochen wird, denn dies ist dem ähnlich, was du uns damals an Erlebniswerten beschertest. Seit du aber nicht mehr in meiner Nähe bist, kommt es mir vor, als sei diesen Schriften plötzlich etwas Bedeutsames entfleucht. Doch versuchte ich dem ganzen Umstand weiterhin etwas näher zu kommen, in dem ich zum Beispiel Theatervorführungen beobachten ging. Und wenn ich sage ich, dann meine ich natürlich stets die jeweils anvisierten Sinne gemeinsam mit mir, das hatte ich bislang vergessen zu erwähnen: diese Sinne stehen mir natürlich weiterhin zur Verfügung. Das bezeichne ich als ein Vorteil, denn ohne sie wäre ich in dieser Welt vermutlich vollkommen orientierungslos. Im Gegensatz zu dir gehe ich hiermit jedoch relativ kaltsinnig vor; weiß aber aufgrund langjährig gesammelter Erfahrungswerte durchaus zwischen einem gesunden und einem kranken Aspekt zu unterscheiden, und wo nicht, da mach ich halt einen Bogen drum.
Um nun während deiner Abwesenheit zu erfahren, wie du dich so fühlst, suchte ich also verstärkt solche Erfahrungsfelder auf, in denen mir der jeweilige Stoff zur Ansicht vorgestellt wurde, insbesondere auf den Brettern die die Welt bedeuten (Theater) oder auch den Brettern, die den Leuten vor die Köpfe gehalten werden (Fernsehen).
Ich muß sagen, oftmals wurden diese Dinge sogar mit viel Inbrunst und Leidenschaft präsentiert und wenn ich dann dort unterwegs war, hatte ich manchmal den Eindruck, als wärest du mir wieder ganz nahe. Es wurden mir schließlich Kraft großen Aufwandes ganz ähnliche Sachen vermittelt, die mich an die Erfahrungswelt erinnerten, in der du dich bekanntermaßen am liebsten herumtreibst – doch allein diesen Eindruck zu haben, das gehörte natürlich zur Absicht derjenigen, die solche Inszenierungen jeweils veranstalteten, gar nichtmal verschweigend, daß dies nicht die Realität ist, allenfalls ist es eine Abstraktion davon, mal eine tragische, mal eine komische, mal eine tragisch-komische. Was demgegenüber aber die wahre Realtität ist, das verrieten sie widerum nicht und so ist dies alles in Wirklichkeit nur eine trügerische Gaukelei, ein Schauspiel von Sinneseindrücken, von Schauspielern vorgetragen (auf die werde ich später noch zu sprechen kommen)
Dennoch gibt es eine Vielzahl von Bereichen, in denen die jeweiligen Sachverhalte außerordentlich zutreffend behandelt werden, und die auf den ersten Blick sogar mit den bereits von mir gesicherten Informationen deckungsgleich sind. Es mögen darunter also Gefühlsregungen vermittelt werden, die den deinigen vielleicht ganz ähnlich sind – doch letztlich kamen die wesentlichen Erfahrungswerte eben nicht aus erster Hand.
Wozu also soll ich mich weiterhin damit befassen? Selbst wenn wir uns mit der von dem Schauspieler dargestellten Person vollständig identifizieren würden, der wesentliche Kern der ganzen Angelegenheit müßte doch vielmehr in unserer gemeinsamen Person aufzufinden sein. Und dies ist letztlich worum sich eigentlich alles dreht – um unsere gemeinsame Person.

Unsere gemeinsame Person hat Sodbrennen

Unsere gemeinsame Person… du erinnerst dich vielleicht noch an sie? Du würdest sie heute nicht wieder erkennen. Nach deinem Auszug hat sie sich verändert und mittlerweile zieht sie es vor, weitestgehend total unpersönlich zu sein. Mir selbst macht das nicht viel aus, aber wie du dich dabei fühlen würdest, das kann ich mir mittlerweile denken.
Es liegt daher auf der Hand, daß unsere gemeinsame Person das fälschliche Bild, das sie von sich selbst hat, tunlichst wieder von sich entfernen muß, um von der unpersönlichen Person wieder zu einer etwas natürlicheren zu werden. Hierbei die Dinge klar auseinander zu halten, dafür bin weitestgehend ich zuständig, derweil deine Hauptaufgabe darin liegt, Kraft deiner intuitiven Fähigkeiten schon mal auszuspähen, wer unsere gemeinsame Person sonst noch so alles sein könnte. Dem Menschsein würde sie sich jedenfalls erst wieder mit deiner Anbeteiligung annähern können. Um nur noch einmal zu verdeutlichen, um welche Entscheidungsmöglichkeiten es hier geht: Auf der einen Seite steht der wahre Mensch und auf der anderen Seite steht die Ware Mensch.
Zunächst stellt sich aber die Frage, wie es eigentlich zu unserer Trennung gekommen ist und warum ich es seither bin, der hier ständig das Wort führt. Das nämlich war nicht immer so. Anfangs ließ unsere gemeinsame Person immer erst dir den Vortritt, was bei positiven Erfahrungen in Ordnung war, doch weil sie zunehmend auch negative Erfahrungen zu erleiden hatte, wurde ich bald auf den Plan gerufen und verstärkt dazu angehalten, frühzeitig zu intervenieren, um derartige potentiell gefahrvolle Erfahrungen von vornherein zu umgehen.
Weiterhin hattest du zwar ein gleichwertiges Mitspracherecht, doch es kam hierdurch zu endlosen Diskursen, die letztlich nur für allgemeine Verwirrung sorgten. Wenn du ja sagtest, sagte ich nein und da dein ewiges Ja! stets mit unvorhersehbaren Folgewirkungen verbunden war, ging unsere gemeinsame Person letztlich auf Nummer Sicher und die Nummer Sicher, das bin nunmal ich.
So entschied dann bald ich allein (d.h. ohne Rücksprache mit dir), wie mit den jeweiligen Umständen desweiteren umzugehen sei. So wußte unsere gemeinsame Person sich wenigstens auf einen von uns zu verlassen, woraufhin du dich mehr und mehr zurückzogst, was verständlich ist, schließlich wurde dir damit im Prinzip das Vertrauen entzogen.
Das wiederum war ein großer Fehler. Denn vor diesem ganzen Umstand war unsere gemeinsame Person in erster Linie ein Mensch und zu dessen Weiterentwicklung hättest du den Großteil beigetragen. Von deinem Hang zu rigorosen Albernheiten einmal abgesehen, war es insbesondere deine verträumte, unbefangene Art, mit der du grenzenlose Räume und zeitlose Sphären öffnetest, das heißt, nicht nur oben genannte Gefühswelten, sondern auch abstrakte, kalaidoskopische Gegenden, also unbekannte Geistesbereiche, die noch bis hinter die genannten Gefühle wirken und uns eben viel wirksamer erfüllen. (Nur womit? Vielleicht mit Licht? Ich weiß es nit, ich meine nicht) Sphären also, die zunächst aus meiner Sicht sehr risikobehaftet erschienen, doch letztlich könnte es von dort aus möglich sein, eine Art hyperintellektuelle Kommunikation zu betreiben, die durchaus nach verständigen und vernünftig durchdachten Regeln funktionieren könnte, womit eine Art höhersinnliches Denken getätigt werden könnte, bei dem auch meine Fähigkeiten wieder gefragt sein würden, zum Beispiel Form und Struktur zu ermitteln, damit wir uns in einem solchen Hyperbrei auch einigermaßen vernünftig bewegen können.
Man hätte also deine Impulse nicht stets so frühzeitig unterbinden dürfen, hätte dich weiterhin zu Rate ziehen sollen. Denn plötzlich schien sich das Leben nur noch im Kreise zu drehen, zumindest ich drehte mich nur noch um mich selbst, was ich immer dann bemerke, wenn es keine neuen Erfahrungswerte aus deiner Welt zu verzeichnen gibt, die ich doch brauche, allein schon um unsere gemeinsame Person beiseite stehen zu können, wenn sie z.B. einer anderen Person begegnet und diese ihr dann plötzlich Gefühlsdinge erzählt, von denen ich bislang noch überhaupt nix gehört habe.
Dabei soll unsere gemeinsame Person doch auch anhand solcher Erfahrungen zunächst wachsen und reifen können, sonst wirds auch mit den genannten hochsphärischen Aspekten nichts, beziehungsweise wäre man für solche Erkundungsfahrten noch überhaupt nicht klar genug im Kopf, wenn im demselben noch stets die Duft oder Stinkewolken aus nicht überwundenen Gefühlswelten hochsteigen. Unsere gemeinsame Person braucht uns demnach beide im gleichem Maße, denn, vorausgesetzt sie hätte darüberhinaus eine unvergängliche Seele – und davon können wir gemäß neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse (bzw. vorübergehende Schätzungen) wohl ausgehen – möchte auch sie sich im ständigen Wachstum befinden, allein schon um nicht fortwährend in den niederen Bereichen herumdümpeln zu müssen.
Je niederer der Bereich, desto dunkler ist es dort vermutlich und wer immer nur im Dunkeln dümpelt der wird bald selber ganz finster, vom inneren Wesen her, meine ich. Denn wenn es um das Wesen Mensch geht, um was soll es uns im Wesentlichen sonst gehen?
Jedenfalls, ohne deine Anwesenheit glich das Leben unserer gemeinsamen Person bald einer dieser altmodischen runden Keksdosen, in deren Blech die heimatlichsten Motive oder vergnüglichsten Jahrmarktsszenen farbenfroh eingraviert sind, an denen der Betrachter sich rundherum ergötzt, doch während er sie zwar begeistert hin und her dreht, mampft er nur einen spröden Keks nach dem anderen und wenn es ihm dann irgendwann reicht, steckt er den Deckel drauf, trommelt sich noch ein bißchen was auf der Blechdose vor, pfeifft sich ein Lied und streichelt sich den Bauch, als wäre er persönlich auf dem Jahrmarkt dagewesen.
Nun, Gott sei’s getrommelt und gepfiffen!, wie man so schön in Preußen sagt (auch wenn dort vermutlich niemand mehr diesen Spruch kennt) – hiermit kündige ich nun an: Verehrte Krümmelmonster, die Keksdose ist leergefuttert – wenden wir uns wieder dem Leben zu! Genug der spröden Gedanken, genug des müßigen Zermalmens ungesunder Sachverhalte, genug des Versprühens all dieser Gedanken-Kekskrümmel, genug des hinter unseren Lippen klebenden Kekskrümmel-Gedankenschleims, laßt uns den ganzen Mist erstmal in Ruhe verdauen und nach einem universellen Sodbrennen wird es uns dann schon wieder besser gehen.

Seit einiger Zeit gefällt es unser gemeinsamen Person übrigens nicht mehr so gut, daß wir sie eine Person nennen. Sie hat nämlich gehört (u.a. von den Personen A. Clauss, A. Wagandt, A. Popp, usw.), daß wir als Personen einen menschenunwürdigen System dienen, indem wir, allein mit unserem Einverständnis, daß wir Personen sind, den Systemkonstrukteuren die Erlaubnis erteilen, uns nicht wie Menschen behandeln zu müssen, derweil uns das Recht abgesprochen wird, über die Wesensgebiete unseres Menschendaseins zu verfügen, dieser zwar aufgezwungenen Unmündigkeit allerdings durch unser idiotisches Verhalten zustimmend, nichtmal hinterfragend, wodurch und wann genau der Zeitpunkt unserer Systemüberführung einsetzte, da wir ja selber von dem System mitprofitieren.
Was es im Ganzen damit auf sich hat und wir wir aus dem Dilemma wieder herauskommen, das wird derzeit (ich sage mal im Untergrund, siehe oben) sic! heiß diskutiert und nach und nach an die Oberfläche geraten. Diese ganze höchst brisante Thematik ist jedoch nicht auf meinem eigenen Komposthaufen gewachsen und daher weise ich gerne darauf hin, daß man sich bitte an anderer Stelle im Netz (lol) damit befassen möchte.

Für die größten Persönlichkeiten zahlen wir sogar Eintritt. Was für eine Abwertung gegen sich selbst. Warum zahlen wir eigentlich keinen Eintritt, jedesmal wenn wir ins Badezimmer gehen, um uns im Spiegel anzusehen? Natürlich geht es auch da eher um Inhalte, als um die Person. Und wenn jeder den anderen Einblicke in seine Inhalte und Zutritt in sein Wesen gewährt, so entfällt die Sache mit den Eintrittgeldern und wir brauchen keine Kassenhäuschen mehr.
Daher ist es doch intersessant, wie wieviele Leute noch meinen, das Theaterstück beginne erst, wenn der Vorhang sich öffnet. Komische Oper! Eigentlich beginnt das Theaterstück doch schon vor dem eigenen Spiegel! Dort machen sich die Theatergäste genauso zurecht, wie die Dame im Kassenhäuschen und an der Garderobe, um sich dann eine Stunde vor Theaterbeginn gegenseitig die Rollen vorzuspielen.
Dann kommen die Schauspieler und vollführen Kunststücke und die anderen Schauspieler in den Rängen klatschen, als ginge es um ihr Leben…
Tosender Beifall, alle verkörperten Rollen befinden sich nun erfolgreich im Austausch, tosender Beifall, alle zu erwartenden Verhaltensmuster greifen von Anfang bis Finale erfolgreich ineinander über, tosender Beifall, alle Egos sind zufrieden, bis zum nächsten Mal in diesem erfolgreichen Theater. Was aber ist nun wirklich erfolgt? Nichts, wirklich.
Immerhin treffen hier Menschen aufeinander. Das ist gut, so sehr manche Menschen auch darunter leiden, wenn diese besondere Gelegenheit stets ungenutzt bleibt und die Energie tatsächlich sogar von anderen Wesenheiten abgeschöpft wird. Sie rufen uns über das Ego und konstruierte Emotionen. Die wahre Kraft der Begegnung und die wahre Kraft der Kunst wird mißbraucht und keiner merkt es, aber alle fühlen sich toll. Was für ein Tollhaus. Toll, traurig und teilweise unaustehlich ist das Geklatsche und Gejubele dann für manche, vor allem wohl für dich, der du nur authentisches empfindest. Wo dieses fehlt, fehlst du, wo dieses nachgeahnt oder fälschlich ersetzt wird, da wird dir vielleicht übel, im Grunde aber spürst du nichts und wirst leer und ausgelaugt; es erschöpft dich, entzieht dir die gottgleiche Kraft, die Energie. Es herrscht dort auf den Bühnen die pure Begeisterung und Begeisterung, das hat übrigens Fernando Pessoa gesagt, Begeisterung ist geschmacklos.
Was bedeutet geschmacklos? Zweierlei: Ekelig bis pervers oder fad bis leblos. Demnach insgesamt verwesend bis tot.

Es steht wohl für jeden Menschen außer Frage, daß das Wesentliche im Menschen letztendlich wichtiger ist, als das Persönliche. Nur wo ist das Wesen? Wo im Leben, wo im Schreiben? Es gibt sowohl da als auch dort dunkle und helle Wesenheiten, doch bleibe immer beim Wesentlichen und du kannst mit ihnen umgehen, sie sind alle ein Teil von dir – im Gegensatz zu den Masken, die man aufsetzt, um die Rollen in der größten Inszenierung aller Zeiten zu spielen. Film im Film, Kino im Kino, Theater im Theater, Mensch in Illusion, man ist die Täuschung in Person, über die man im Austausch mit anderen Personen sich gegenseitig was vorspielt.
Hockt denn nicht in jeder dieser unpersönliches Personen auch ein wesentliches Wesen? Und wofür ist es da, was ist seine Aufgabe auf Irden?

Um zumindest von mir zu reden, beziehungsweise, über das, was meine Person betrifft, so hält sie sich ja bekanntermaßen für eine Art Schreiber. Seltsam, daß ich hierbei so oft zum Unpersönlichen neige; und ich frage mich, wer ist diese Unperson, die da schreibt?
Mit einem Bein steh ich in der Schrift und mit dem anderen hänge ich irgendwo fest, wie ein in den Himmel Gehängter, aufgeknüpft an der Fußfessel; kopfüber häng ich Richtung Erde, Tinte tropft mir aus dem Mundwinkel, aus der sich unten eine Pfütze bildet – wenn es irgendwann ein See ist, kappe ich das Seil, falle tief, tauche ab und geselle mich zu den Tintenfischen.

ENDE


WERKSABTEILUNG

– ZUTRITT AUF EIGENE GEFAHR


Randnotizen 2011

enthält weitere oben noch fehlende und als sogenannte  „überflüssige Teile“ zu bezeichnende einzufügende Teile, hä? egal!

Radierende Fliegen

Als wir beide die Welt noch mit Kinderaugen betrachteten, da schrieben wir uns natürlich noch nicht. Noch lebten wir in unmittelbarer Nähe zueinander und unsere Verbundenheit äußerte sich täglich im gegenseitigen Miteinander

Auch nach unserer Trennung fingen wir nicht umgehend mit dem Schreiben, es mußte einige Zeit vergehen bis wir zu Feder und Tinte griffen, und unserer Verbundenheit zueinander über diesen Weg Ausdruck zu verleihen

Ebenso ist, so weit es ging, anfangs vermieden worden, den Leser persönlich anzusprechen, denn es wäre unverantwortlich, dem lesenden Teil abzuverlangen, dem schreibenden Teil in all jene dunklen Katakomben zu folgen, die der schreibende Teil nun zu betreten beabsichtigt.

In diese Katakomben bin ich, als der schreibende Teil, gezwungen vorzudringen, denn dort ist eine Kiste vergraben, die es auszuheben und zu öffnen gilt. Es liegt darin eine pompöse Schriftrolle mit einem porösen Gummi drumherum, das beim Versuch, es abzustreifen, sofort zerbröselt, während mir die dicke Schriftrolle sogleich locker aus den Händen fluppt und sich offenbart als eine mehrschichtige Tapetenrolle mit einem Ausmaß von etwan 20 Metern, die ich jetzt nur noch einmal anzukicken brauche und schon fängt sie an, sich auszurollen – hierbei segelt plötzlich ein Beipackzettel von der Größe eines Zigarettenblättchens heraus, wodauf undeutlich geschrieben steht „Wer ist in meinem Fall schon ich“, eine nächtliche Notiz, im Halbwachdusel hingeschrieben, nichtssagend, vielsagend, doch ich denke nur, was für ein Blödsinn, lasse den Zettel los, der dann wie ein fröhlicher Schmetterling im Windschatten der rollenden Tapete den ganzen Flur entlang flattert, an dessen Ende eine Tür aufklappt, durch die ein helles Licht hineinströmt, das mir aber wegen der blöden weissen Tapete ziemlich in den Augen blendet.

Da stehe ich dann mit dem idiotischen Zetttel in der Hand vollkommen ratlos herum, und weil ich nicht weiß, was ich von hier aus sonst machen soll, hocke ich mich hin, klappe meine Schreibmaschine auf, spanne das hintere Ende der Tapete ein und schreibe was ich eben gerade so schreibe…

Doch vielleicht hegt man derartige Verbindungen jetzt anderweitig, die vernetzte Welt bietet eine Reihe von Möglichkeiten, also weg mit den altmodischen Briefen, giessen wir unsere Tinte doch in die unermäßliche Tiefe des Internets. Denn irgendwann zeigte das Internet an: Wir sind alle miteinander verbunden, wir haben uns alle unheimlich viel mitzuteilen, insbesondere unsere Gedanken über das Befinden von Gott und der Welt müssen diesem neuen Geist eingegossen werden.

So kann das in Sachen Spiritualität, Esoterik und BewußtseinsPipapo hinreichend ausgebildete Ego seinen Weg durch die vielen erleuchteten Gedankengänge weiter fortsetzen, beziehungsweise das im Grunde erkenntnissuchende Wesen weg-führend begleiten und hierbei seine nun insgeheim gehaltene Vormachtstellung weiter behaupten.
Anerkennung wird nicht unbedingt gesucht, dieser Begriff bringt im großen und ganzen AnErkennungsfeld auch zuviele Ungewissheiten mit sich, doch ein wenig Bestätigung wird immer mal benötigt, zu dieser verhelfen gelegentliche Schreiben, die zwar aus den unterschiedlichsten Gründen entstehen, mitunter aus hohen Gefilden niedergeschrieben oder aus tiefen Abgründen heraus-geschrieben werden können; was während des Schreibens durchaus ein Vorgang des einsichtiges Bestrebens genannt werden kann, jedoch wird bei diesem Vorgang letztlich nur ein Weg beschrieben, über den man nie zum Licht am Ende des Tunnels gelangen wird – man sagt ja auch nicht umsonst Cognito Ego sumsum oder wie das nochmal heißt.
Dannenhero wirds ab einem gewissen (eher ungewissen) Punkt zum Lesen bereitgestellt, woraus die grundsätzliche Frage folgt, warum wird es eigentlich veröffentlicht, wenn nicht, um gelesen zu werden?
Was ja auch bei mir so ist, demnach ich durchaus bedenke, mich von dem publikativen Schreiben weiter zurückzuziehen, wenigstens von jeglichen Kommentaren, was mir mein gnä. Brötchengeber Wohlhochgeboren Urbald Freiherr von Oberhand im Übrigen erst neulich wieder per Dekret nachdrücklich vorzuschreiben versucht hatte, lediglich ist ihm unterwegs mal wieder die Feder abgebrochen.

Auch die Träger eines im Grunde gutmütigen Herzens und wahrheitssuchenden Verstandes können ihr Ego in Sachen Spiritualität hinreicheind entwickelt haben, eher sogar gerade sie, die eben an tieferen Erkenntnissen interessiert und um Aufklärung Richtung Wahrheit bemüht sind. Besonders eben sie gelangen auf diesem schwierigen, leidvollen Weg irgendwann an eine Grenze, vor deren Grenzgefahrenbereich man automatisch stehenbleibt, weil unterbewußt schon die nächste Läuterung befürchtet wird, was zurecht der Eindruck ist, da nach dieser Übertretung in der Tat eine massive Krisis ausgelöset werden könnte.
Aufgrund der Angst eben davor finden sich an dieser Stelle nochmal alle im Kopfe ansässigen Instanzen zur Krisensitzung zusammen, bevor die Krise überhaupt richtig beginnen konnte, bzw. damit sie gar nicht erst einsetzt.
Um aber weiter im Thema bleiben zu können und sich weiterhin mit allem Erkenntnisrelevanten auseinandersetzen zu können, schließen die Gedankenräthe im Kopf nun einen Kompromiss, der selbstverständlich mal wieder vom zuletzt stark angezweifelten Ego angeleiert wurde, das während des ganzen spirituellen Weges zwar viel abgekommen, aber ebensoviel in Sachen Bewußtseinsdingsbums gelernt hat und seine diesbezügliche Vormachtstellung mit der Zeit hintenrum stetig zu verfestigen wußte.
In einigen Fällen ist es damit sogar soweit gedungen, daß es seinen Hausherrn, den Träger eines gutmütigen Herzens und wahrheitssuchenden Verstandes etc, zu der Einbildung verleitete, das gesamte Haus sei bereits im Innern so gut wie erleuchtet.

Man könnte es sogar nach außen hin erleuchtet erscheinen lassen, hier aber schreitet der Verstand ein, der ja auch bei der Krisen-Sitzung mit am runden Tischen gesessen hatte und sofern der Verstand nicht dumm ist, wird er genau diese Leuchterscheinung nicht offensiv geschehen lassen, sondern dem Ego anraten, diesbezügliche Bescheidenheit zu veräußern oder allenfalls die jeweils in den gegenüberstehenden Häusern erkenntnissuchenden Bewohner zu der vaguen Vermutung verleiten, es könnte sich hierbei, wenn schon nicht um einen Erleuchteten-Haushalt, so aber doch wenigstens um einen Aufgewachten handeln, denn so hell wie das dadrin leuchtet und bei den erhellenden Gedanken, die da immerzu aus dem Hause strömen, kann ja keiner mehr drin sein, der noch in tiefer geistiger Umnachtung am pennen ist.
In vielen solchen Häusern herrscht allerdings nicht das Licht der Wahrheit, sondern hat das in Sachen Spiritualität ausreichend geschulte Ego (DISSAGE) hier alles im (Be)Griff und weiß mit allen üblichen Spiri-Aspekten so umzugehen, daß es so aussieht, als wäre Ego kaum noch vorhanden. Das ist nicht immer einfach, denn vieles muß nun eingebüßt werden, es ist aber die letzte Möglichkeit, um weiter die Führung im Hause zu behalten, außerdem steht man ja auch im ganz guten Lichte da;
man kann sich der schwierigen Aufgabe der grundsätzlichen Mitverantwortung am bereits gewesten wie auch gegenwärtigen Dunkelbösen entziehen und sich stattdessen mit der Gedankenkraft fortwährend um andere Dinge kümmern, wodurch man zwar durchaus vieles umher beeinflußen, gar errichten kann, daß diese Methode aber nichts mit einem wahrhaft schöpferischen Wirken zu tun hat, diese gewagte Annahme kann als eine tatsächliche Einsicht oder Erkenntnis erst nach Verlassen der Gedankenkraft erfolgen, bei gleichzeitiger Hingabe in die Wahrheit, die mit dem Kopf nicht zu erfassen ist.

Wenigstens aber die Annahme könnte per theoretischer Überlegung mithilfe des Verstandes geleistet werden, was eine intellektuell herbeigeführte Einsicht wäre, die immerhin dazu verhelfen würde, das Ego von seinem leuchtenden Königsthron wieder dort hin zu befördern, wo es eigentlich hingehört, nämlich auf den kleinen Schemel neben dem Beistelltisch der Couchgarnitur, wo es auch so viele Erdnussflips essen darf, wie es will.

Aufgrund des einstigen Kompromisses weigert sich der Verstand aber, diese Angelegenheit mal vernünftig zu durchdenken und solang das nicht geschiecht, kommt der Träger des im Grunde gutmütigen Herzens etc. nicht in soweit aus sich heraus, als daß er zur vollständig einleuchtenden Einsicht fähig wäre – und so bleiben die dunklen Ecken im Hause weiterhin unentdeckt; am Ende dreht man sich in einem ewigen Blabla nur noch um sich selbst, läßt es aber so erscheinen, als ob Ego nicht mehr der Mittelpunkt wäre.
Womit ich insgesamt auf ein grundsätzliches Problem abzielen möchte, das meiner Ansicht nach besonders häufig bei um spirituelle Aufklärung bemühten Schreibern auftritt, bzw. durch sie offensichtlicher werden würde, wenn sie es sich denn einmal eingestehen würden:
In der Meinung, sie schrieben über vieles und alles, schreiben sie eigentlich nur von sich selbst, ohne es aber selber zu merken. Daß es auch für den Leser auf den ersten bis zweiten Blick anders erscheint, liegt wieder an der Vormachtstellung des spirituellesoterischen etc hinreichend geschulten Egos, unter dessen Anleitung viele dieser Schriften entstehen, was zwar noch die Möglichkeit zur Direkteinsicht enthält, doch bevor es dazu kommt, wird auf Spezialbewilligung des Egos die Veröffentlichung veranlasst.
Die jeweils veräußerten Erkenntnisse sollen schließlich von außen ‚eingesehen‘ werden – eben das, was man selber im Innern nicht über die Grenze hinaus unternommen hat. Eine solche eher stumme Veröffentlichung ist aber im Prinzip nichts anderes als jedewede sonstige Art der Vermittelung. Es sind nur Lageberichte in währender Erkenntnisfahrt durch den Kopf, bzw. auf der Flucht vor den Gefühlen, dem Leben, der direkten Begegnung mit anderen Menschen. Wenn diese Menschen noch Personen sind, dürfte das im Grunde keine Rolle spielen.

Was diese Unternehmung ein wenig erschwert ist, daß es derzeit Wichtigeres gibt, als bloß darüber zu schreiben. Wenigsten aber gibt es derzeit nichts Wichtigeres (zu schreiben) als eben darüber. Hier gibt es dann soviel Wichtigeres, daß man schon gar nicht mehr weiß, womit man zuerst anfangen soll. Und wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll, fängt man am besten bei sich selbst an.

Selbstverständlich ist hier nur von meinem schreibenden Ich die Rede, ich befinde mich hier schließlich nur auf dem Papier. Dieses schreibende ich ist jedoch spätestens seit Errichtung dieses blogs zu einem politischen Ich verkümmert, das überwiegend äußere Missstände anprangert. Nun sind die meisten Themen erschöpft, und zwar genauso erschöpft, wie ich es bin. Die nächste Quelle ist unerschöpflich, es ist die Quelle der Schöpfung. Ob sich darüber oder dortheraus schreiben läßt, wer weiß. Es würde ja reichen, wenn es einfach nur stattfindet. Bis dahin verharre ich lieber schweigend, das Herz ist gespannt auf das Neue und der Kopf geht mir auf den Geist.
Dich würde meine Einsicht zuletzt sehr freuen, jeder andere würde Leser wohl nur mit dem Kopf schütteln, oder gar (falls es sich beim Leser um einen Schreiber handelt) mit der Faust.

Doch ist damit nicht geklärt, warum jemand überhaupt schreibt. Er schreibt um sich über etwas bewußt zu werden. Je bewußter er sich geworden ist, desto weniger schreibt er.

Ich aber möchte nicht aufhören zu schreiben, ist dies doch die Ausdrucksform, die ich am besten beherrsche. Und beherrschen heißt: Unter Kontrolle haben. Jetzt merkst du vielleicht, worauf ich hinaus will. Beim Schreiben geht es darum, etwas unter Kontrolle zu halten. Das ist das ungelöste Problem. Der Versuch einer Lösung des besagten Problems ist nun der eigentliche Grund meines Schreibens und wahrscheinlich ist es auch (wieder) der (insgeheime) Grund eines jeden Schriftstückes, das man in den weiten Gefilden der Literatur so findet.
Daher ist mir derzeit nichts wichtiger, daß ich mir diesen Aspekt nochmals in Erinnerung rufe, was ich am besten kann, wenn ich dir schreibe, einerlei wann du diese Zeilen liest oder ob du sie überhaupt jemals lesen wirst. Ich halte es für sehr wichtig, wenn nicht gar für existentiell erforderlich, diesen höheren Sinn, diesen wesentlichen Aspekt, der uns stets miteinander verband, uns verständnisvoll und gefühlvoll einander mitzuteilen,
Hierzu müssen wir zunächst in uns selbst wieder zueinander finden und dies ist die Absicht, die ich mit diesem Schreiben verfolge, beziehungsweise in dieser Form zu dokumentieren habe, solange ich mich als Schreiber bezeichne.

Ich möchte dieser Sache gerecht werden und da es sich bei der Sache um mich selbst handelt, könnte man fast denken, diese Maßnahme sei ein selbstgerechtes Unterfangen. In gewisser Weise ist es auch so, denn mein Schreiben (die vorliegende Dokumentation) dient allein dem Selbstzweck; der Zweck aber heiligt (heilt) die Mittel und ich bin mein eigenes Mittel zum Zweck, das heißt, ich muß zunächst heile werden, damit ich den eigentlichen Zweck meiner Bestimmung überhaupt erfüllen kann. Wir sind jedoch alle nur zweckdienliche Mittel für ein System, das uns unterdrückt und es unterdrückt uns vor allem deswegen, weil wir es weiterhin auf unseren Schultern tragen. Um aber einem höheren Zweck zu dienen, müssen wir die Mittel (uns) heiligen, das heißt ihnen Heil zukommen lassen und heil sind wir erst, wenn wir vollständig sind.

Um (nun wieder in unserem Fall) diese Vollständigkeit herbeizuführen, müssen wir beide zunächst wieder zusammen finden, denn nur gemeinsam können wir den Weg zur Vollständigkeit wiederfinden und daher ist mir im Augenblick nichts wichtiger, als dich wieder heim ins Reich zu holen, wie man so schön sagt.
Ich muß nur noch schnell das Heimkehren, dann kannst du bald schon heimkehren
Selbst wenn es scheint, das alles hätte nichts mit uns zu tun, auch diese Angelegenheiten müssen hier behandelt werden, denn sie sind unabdingbar für unsere Beziehung zueinander. Manchmal befürchte ich, sie wäre überhaupt nicht mehr vorhanden. Nur die Logik sagt mir, das sie noch Bestand haben muß, denn es geht gar nicht anders. Es ist uns lediglich nie bewußt geworden, um was es überhaupt dabei geht.

Ich zumindest weiß über das höhere, das in der Entfernung liegende oder sage wir doch einfach das wahre Selbst augenblicklich noch nicht viel zu schreiben. Ich wüßte auch nicht unbedingt, was diesbezüglich die Wahrheit ist und ohne dich weiß ich nicht was die Wahrheit ist, also die allgemeine allumfassende Wahrheit. Wußte allenfalls, was ganz bestimmt nicht die Wahrheit ist, und darüber ließ es sich ganz besonders gut schreiben. Was zu beweisen war – wie man so schön auf lateinisch sagt, nur eben halt auf deutsch gesagt.
Manchmal glaubt man vielleicht auch, wir verbänden uns während des Schreibens nicht etwa mit unserem höheren Geist, sondern würden als ein Kanalrohr sonstwelcher geistigen Wesenheiten fungieren, die Kraft unseres Schreibens dringende Botschaften an die gesamte Menschheit übermitteln. Bei manchen trifft dies zu bei manchen nicht, letztlich entscheidet das der Leser, bzw. wird durch den Leser entschieden, was Bestand hat und was nicht.

Nun habe ich mich dazu entschlossen, mich verstärkt dieser Sache anzunehmen, auch wenn es mich neben der vielen Informationsverarbeitung, die ich ohnehin schon zu leisten habe, sicherlich zeitweise überfordern wird.

Ich kann mir letztlich nur durch die Absonderung (das heißt der schriftlichen Veräußerung) meiner Gedanken, derselben bewußt werden und habe sie stets in die Waagschale der allgemeinen Zuträglichkeit zu werfen.

nicht jeder, der schreibt, hat unbedingt immer den Wunsch, gelesen werden zu wollen. Hat aber jemand diesen Wunsch, so veräußert er ihn durch die Darreichung seines Schreibens, sei es an einen vertrauten Leser, der hinter dem Brief sitzt, sei es an eine anonyme Leserschaft, die hinter Bildschirmen, Zeitungen oder Buchdeckeln das mitgeteilte Wort eines anderen liest.

Hierbei kann es nun nicht anders sein, daß derjenige, der dort etwas hingeschrieben hat, es deswegen tat, weil er die Absicht hatte, gelesen zu werden. Denn wenn sich der Wunsch ohne eigenes Zutun nicht wie von selbst erfüllte, so entsteht aus dem Wunsch oftmals die Absicht, dem Wunsch durch eigenes Zutun zur Erfüllung zu verhelfen. Vielleicht hat er auch den Wunsch, mit der Tätigkeit des Schreibens Geld zu verdienen, wogegen nichts einzuwenden ist; doch das wird ihm nicht gelingen, wenn er nicht eben auch gelesen werden möchte. Und so ginge mit dem Wunsch oder der Absicht mit dem Schreiben Geld zu verdienen, der Wunsch und die Absicht mit einher, gelesen zu werden.

Natürlich verhält es sich aber so, daß nur verhältnismäßig wenige Schreiber durch Ausübung ihrer Tätigkeit wirklich Geld verdienen. Immerhin ist daran zwar zu erkennen, daß es sich beim Schreiben um eine der vielen Tätigkeiten handelt, die allein deswegen nicht adäquat entlohnt werden, weil sie Werte vermitteln oder bedienen, die dem vorherrschenden System nicht immer zuträglich sind. Dennoch gibt es vor allem in unserem Land viele Leute die trotzdem schreiben, wobei der eigentliche Antrieb ihres Schreibens natürlich nicht Trotz ist. Trotz ist wie Rotz und manchmal hat man die Nase voll und ist es nötig, sich kräftig zu schnäuzen. In diesen Fällen handelt es sich beim Schreiben aber nur um eine Reaktion, vielleicht eine allergische Reaktion. so wie vielleicht der Sprayer die Häuserwände anderer Leute mit Parolen besprüht, statt sich zunächst zu fragen, warum er gerne sprüht und welche tiefsitzenden Motive es sind, die er heraussprayen könnte und sich dann neutrale Flächen zu suchen, auf die er sie projezieren kann. Auf diese Weise hätte er Kunst geschaffen und sobald er es schafft, damit Geld zu verdienen, ließe sich die Spraydose sogar steuerlich absetzen.

Zu allererst dürfte jedem Schreiber das Bedürfnis zu Grunde liegen, etwas für sich in Worte fassen zu wollen, Gedanken, Eindrücke und Empfindungen schriftlich auszudrücken und somit in seiner Art und Weise veräußert zu haben. Von da an gibt es noch viele andere Beweggründe, die jemanden veranlassen, zu schreiben, die auch im Laufe dieses Schreibens noch deutlicher werden dürften – warum aber ein Schreiber wünscht, gelesen zu werden, das ist die brisantere Angelegenheit; zumindest für den Schreiber, den Leser dürfte es kaum interessieren.

So ist dieses Schreiben allenfalls eine hinter verschiedenen literarischen Stilmittel herausflunkernde Selbstoffenbarung eines Schreibers, der nicht mit der Frage ringt, ob er sein Geschriebenes zum Lesen bereitstellen soll, sondern warum er es tut.

Glaubensprozess erhoben

Ersteinmal ist es viel und ersteinmal spießt man den Mann in sich auf und friert ihn ein, um ihn nach und nach zu verspeisen. Das ist Kannibalismus, aber der ist zur Zeit ja auch wieder im Kommen und irgendwann ist er sogar chique, tres modern, bon appetit! Dafür möchten die Dunkelmunkelmänner schon sorgen, aber davon handelt diese Abhandlung nicht, dieses Thema als Hauptspeise wäre auch etwas zu viel des Guten, bzw. Schlächten.

Es kommt zwar jetzt allerdings heraus, diese Geschichte, auch diese Geschichte kommt heraus, ich wäre darauf aber niemals gekommen, denn wer kann sich so etwas überhaupt vorstellen? Diese unsäglichen grausamen Dinge… Menschenfleisch und Blut, um da hinzusehen, muß man schon vieles gesehen haben, ich aber bin ein solcher Hinseher nicht, demnach wird auch mein Schreiben davon nicht handeln.

Ich kann an dieser Stelle nur sagen, was mir schon seit jeher äußerst befremdlich vorkam, so nämlich das Beschneiden, also das fand ich schon immer ein äh – Unding. So etwas tut man nicht, man denkt noch nicht einmal so etwas. Babys, Kinder, Heranwachsenden – Menschen generell – ein Stück Fleisch abzuschneiden. Absolut Verdorbenheit! Absoluter Irrglauben! Das kann mit Religion nichts zu tun haben. Allenfalls mit Kosmetik

Dachte ich immer.

Nun aber kommt ans Tageslicht, und manche haben das schon längst vollkommen durchschaut, es hat etwas mit Religion zu tun. Es hat. Es ist Religion. (Gottesverehrung)

Das ist die Krux an der ganzen Sache. Die politische Debatte darum ist nur um zu sehen, wie weit man gehen kann. Das Ziel ist natürlich weiterhin die Entrechtung der Menschen. Entweder geben wir unsere Religionsfreiheit auf oder unser Recht auf körperliche Unversehrtheit.
Aber lieber zurück zu den inneren Glaubensprozessen.

Du sollst dir keine Götzen erschaffen, keine Bilder von Göttern machen, doch du bist esoterisch gesehen göttlich, also nimm dein Selbstbildnis ab, und wenn es nicht geht, nimm es nach und nach auseinander. Das ist manchmal dramatisch, manchmal wird’s tragisch und manchmal auch komisch.

Man möchte bald mehr davon, denn weniger ist mehr, am Ende jedenfalls, wenn einem alles zuviel geworden ist. Ein Bild machen soll man sich also nicht und wenn mal ein Bild angeleuchtet kommt, soll man nicht etwa wegsehen, sondern genau hinsehen. Und erkennen. Der Gottsuche im Innern. Das ist ein langer Prozess. Ein Prozess, den man gegen sich selbst erhebt. Vielleicht ein selbst erhebender Prozess. Erste Folge: Freier Fall. Am Ende Selbstlosigkeit? Keine Ahnung, ich weiß es selber noch nicht. War ja erst beim Aufspiessen.

Mann spießt sich natürlich nur sinnbildlich auf, und das auch nur, wenn man eher der rabiate Typ ist. Eigentlich bin ich das gar nicht, aber als Schreiber muß man manchmal dick auftragen, sonst bleibt nichts hängen. Also Aufspiessen ist rabiat. Manche zerlegen sich lieber fachmännisch in Einzelteile, das sind die handwerklich Begabten unter uns. Manche gehen die Sache erstmal vollkommen theoretisch an und entwerfen Pläne, bis sie auch die wieder verwerfen, und irgendwann verwerfen sie sich vielleicht endlich selbst. So muß man das vielleicht machen. Ein Verwürfnis mit sich selbst begehen. Wie ist egal.

Zum Verwerfen reicht Loslassen und wichtig ist auch Annehmen. Geben und Nehmen. Bedingungslos, was man aber nicht alttestatmentarisch auslegen sollte, sondern bedingungslos wie bedingungsloses Grundeinkommen, wohinter ein kreativer Grundgedanke steckt. Alles was nämlich beim Geben und Nehmen an Bedingungen geknüpft ist, hat nichts mit dir zu tun. Beziehungsweise, wenn ich dir etwas gebe, so sind daran keine Bedingungen geknüpft, denn wären Bedingungen daran geknüpft, so gebe ich es nicht dir, sondern nur wieder mir oder dem Ziel meiner Absicht. Im weiteren Fall, also im Besitzfall, messe dem Ding am besten erst keine Bedeutung zu – oder nur die, daß es seinen eigenen Wert haben mag, daß sogar Liebe darin steckt, denn es wurde mit Liebe gemacht. Na gut, warum soll nicht auch einer mit Liebe ein Auto gebaut haben, einen Mahagoniestuhl geschnitzt haben, eine Perlenkette aufeinandergereiht haben, na gut, sei es mit Liebe gemacht, doch messe den Dingen keine Bedeutung zu, außer den Wert, den es hat, nämlich für alle hat.

Du kannst es zwar besitzen, du kannst es besetzen, dann ist es von dir in Besitz genommen, doch bewahre hierbei alle menschlichen Werte, sonst dreht der Besitz bald den Spieß um, und du wirst von ihm besessen.

das mit dem Besitzfall, das war nicht immer so, das wurde eigens erfunden, eingeführt ins Menschenleben und es soll enden im Menschenbesitzen. Darauf wäre ich nie gekommen, du vielleicht auch nicht, er, sie, es ebenfalls nicht und wir alle wären darauf nie gekommen, daß es ein großer Plan ist und seit jeher war. Die Leibeigenschaft hat es schon gegeben, aber damals hat man nur Blut geleckt und sich heute wieder an den Geschmack erinnert.

Doch wie gesagt, dazu gibt es Bücher, ich habe sie nicht geschrieben, ich kann nur mit Fug und Recht von mir selber reden, mit Datum und Stempel, um für mich zu wissen, was wann war und wieso.

Was anderes habe ich dir nie gegeben, als meine Einblicke in mich selbst. Ob es nun Briefe waren, Gedichte oder Bücher oder Artikel. Und was ist das nun, dir meine Einblicke in mich selbst schriftlich zu gewähren? Ist das nicht egozentrisch?

Ob seicht oder gewichtig,

für wen ist dieses Schreiben wichtig?

Für mich nicht oder dich nicht?

Wer ständig nur über sich schreibt, ist nicht unbedingt egoistischer, als wer ständig über alles Mögliche schreibt. Schreiben ist oftmals eine Ego-Angelegenheit, oftmals aber auch ein sehr selbstloses Unterfangen. Man schreibt sich selber auf und man schreibt sich selber ab, am Ende bleibt nicht viel über, nur die Essenz.

Solange ich schreibe

aber nicht bei mir bleibe,

solange vertreibe

ich den Grund meiner Schreibe.

Wenn man schon unbedingt schreiben muß, ist es zwar auch möglich, aus dem Herzen heraus zu schreiben, doch in der Tat fließt alles kurz vorm Niederschreiben nochmal durch den Kopf.

Und das ist gar nicht einmal so dumm. Hier kann nämlich der Kopf sich wenigstens fragen, woher das Aufzuschreiben-Gewünschte in Wirklichkeit kommt. Was scheint der Antrieb zu sein? Kam es von Herzen, aus dem Bauch oder nur aus dem Kopf? In jedem Fall wird dieses Hinterfragen das ganze Schreiben auf den Kopf stellen. Und der Schreiber wird sich in einem endlosen Labyrinth verquerer Gedanken verlieren. Er wird es dann allenfalls anders herum versuchen. Will er von Herzen schreiben, muß er in Richtung des Herzens schreiben. Seines eigenen natürlich. Schließlich muß er sich keinen Kopf über die Herzensangelegenheiten anderer machen. Will er von der Seele schreiben so muß er in die Richtung seiner Seele schreiben.

Wenn Schreiber ihr Herz öffnen wollen, dann können sie es auch ohne Schreiben tun. Doch ihre Tätigkeit ist das Schreiben. Wie jeder andere Mensch auch, können sie in Ausübung ihrer Tätigkeit offenen Herzens vorgehen. Wie jeder andere Mensch auch, müssen sie aufpasssen, durch die Ausübung ihrer gesellschaftlichen Tätigkeit nicht zum Kopfmenschen zu werden. Aber ein bißchen mal nachdenken sollte man natürlich trotzdem.

Wer schreiben will (oder hauptsächlich nichts anderes tun möchte), der wird sich wenigstens für die Zeit des Schreibens von der Gesellschaft zurückziehen. Allerdings ist dieses Schreibefeld nun sein gesellschaftlicher Bereich, für alles Schalten und Walten innerhalb dieses Bereiches muß er sich verantwortlich zeichnen. Der Rückzugsbereich ist, wohin er sich zurückzieht, doch muß er sich auch fragen, wovon er sich zurückzieht, welchen Bereichen er sich entzieht. Besonders muß er sich das fragen, wenn er erst über die Jahre zum Schreiber geworden ist. Schreiben muß kein Ausdruck von Flucht sein. Möglicherweise hat er etwas erkannt und möchte sich nun damit näher auseinandersetzen. Er möchte sich damit auseinandersetzen, um sich wieder zusammenzusetzen. Möchte den verlassenen Bereich aus der Ferne betrachten, die Teile, die da und dort verloren gingen, besichtigen und wieder in sich integrieren. Sie aus der Ferne betrachten, um sich ihnen zu nähern. Sozusagen aus der Ferne alles genauer unter die Lupe nehmen.

Ein Fernglas nannte man früher ein Perspectiv. Er muß also in Anbetracht seines zu beschreibenden Selbst eine andere Perspektive einnehmen, man könnte es von hier aus betrachten und man könnte es von dort aus betrachten, doch eine andere Sichtweise als die seine wird er letztlich niemals einnehmen können.
Schreiben, aufrichtiges, authentisches Schreiben ist paradox, wirkt schizophren, ist in Sich gehen und aus sich heraus gehen zugleich. Es ist eine geistige Tätigkeit und mit jeder geistigen Tätigkeit stößt man an die Grenzen deselben und dahinter ist entweder Alles zugleich nichtig oder Nichts für immer gültig. So ist das ganze Geschreibe sogar vollkommen bedeutungslos und es gäbe bestimmt Wichtigeres als Schreiben – das denkt und befürchtet man irgendwann sogar als Schreiber.

Doch was soll man tun? Für all die anderen Tätigkeiten ist man ja nicht gerade besonders geeignet. Man hat sich auch nicht eignen wollen – diese ganze Aneignung der eigenen Person durch andere geht einem sowieso auf die Nerven.

Und die ganze Verkleidung, die es draußen aufzutragen gilt, ist auch nicht weniger idiotisch als die Fantasieprodukte meines Selbst. Diese Maskeraden da, die das Ego zum Überleben benötigt, das sind doch nicht nur kurzfristige Verkleidungen für einen Maskenball, sondern führen sie auch zu lebenslangen Identifikationen mit irgendwas und irgendwem und zu Beziehungen, zu Abhängigkeiten und Anhängigkeiten, die alle nicht unbedingt etwas mit einem selbst zu tun haben, sondern allenfalls bedingt.

Sie sind alle in Frage zu stellen, möchte man zurück zur Essenz. Sie stellen sich im Grunde von selbst in Frage, sobald der erste Schritt in die Richtung zum wirklichen Ich unternommen wurde. Doch es klingt entweder sehr esoterisch, oder sehr egoistisch, wenn man vom wirklichen Ich redet und im Grunde ist es das auch beides. Doch ist es weniger egoistisch, als vielmehr ein Ego-Esstisch, man verspeist sich selber, bis einem schlecht davon wird und dann speit man sich selbst aus. Das schwächt, man ist blass wie ein Leichentuch, doch irgendwie erleichtert, es geht einem besser, man merkt, daß man sich selbst satt geworden war. Von nun an hungert es einen auch nicht mehr danach, sich selbst von irgendwem in irgendeiner Weise bestätigt zu finden. Auch das eigene Spiegelbild hat an Bedeutung verloren und im Grunde waren alles immer nur Spiegelbilder.

Aus dem ganzen Wust resultieren Identifikationen mit Dingen, Bezügen, Lehren, Glaubensinhalten und so weiter, die wiederum Bekenntnisse abverlangen und Überzeugungen entstehen lassen und daraus bildet sich das Ich und das Ich bildet sich was ein und manchmal ist das gebildete Ich noch viel schlimmer als das primitive Ich. Die Verhaltensweise sind beim gebildeten nur nicht so grobschlächtig wie beim primitiven, doch umso verlogener, je vornehmer sie manchmal daherkommen.

Apropos vornehm daherkommen: Es gibt ja den Hochadel und den Flachadel, aber im Grunde ist es alles ein Primitivadel, sie machen schließlich immer dasselbe, entwickeln sich nicht weiter und glauben immer noch an den Quatsch von gestern. Um ehrlich zu sein, ich habe nie so richtig verstanden, wieso man sagt, der Adel habe blaues Blut. Nun, jetzt ist die Sache wohl klar. Da hätte man natürlich längst drauf kommen können, was das in Wirklichkeit bedeutet…

Doch das ist nicht mein Thema, es gibt Leute, die haben das alles schon längst durchschaut.

Man könnte auch mit allem, was da kommt, sich wieder identifizieren, die ganzen Masken aufziehen, alle Verkleidungen anziehen, mit allen Utensilien herumhantieren, alle Drehbücher durchlesen und wieder die vorgegebenen Rollen verkörpern. Besser ist aber, davon derzeit gar nichts persönlich anzunehmen, sondern alles vorbeifliegen zu lassen und alles, das uns noch anhaftet, wegflattern zu lassen, denn es stürmt ein göttlicher Orkan durchs Theater und wirbelt alles um, was nach Auffassung der göttlichen Ordnung nicht an seinem richtigen Platz steht.

Am besten wäre es daher sogar, das Theater ganz zu verlassen, denn hier klappt gerade ein Fenster nach dem anderen auf. Dann herrscht Durchzug und in den Ecken Wirbelwind, was wir insgesamt als ein Chaos empfinden, also tritt eine Weile zurück, verlasse am besten die Rolle, die du da spieltest, das ist keine Flucht, nur ein Heraustreten.

Während des Schreibens tut man dies ständig, irgendwie aus etwas Heraustreten, nur hilft es sonst niemandem, außer demjenigen, der da gerade schreibt. Entweder man schmeißt sich selbst in den göttlichen Orkan und bezieht jedes umherfliegende Teil mit in sein Schreiben ein oder man tritt zurück und schaut dem Treiben relativ unbeeindruckt zu. Und man stellt fest, offenbar passiert das alles, auch ohne daß ich darüber schreibe. Allenfalls macht man sich nur schreibend klar, was da geschieht, was davon einen Wert hat und was nicht. Was einem etwas bedeutet und was nicht. Und was einem etwas bedeutet, ob es gefällt oder mißfällt, das hat mit einem selbst zu tun.

Du stehst im Leben, ich auf dem Papier.

Nichts von beidem ist verwerflich, gleichwohl beide Lebensmodelle natürlich auf vielen Illusionen errichtet wurden. Da gibt es kein besser und kein schlechter. Du tappst durch die Illusionsgebilde der sinnlich wahrnehmbaren Welt und verbindest dich dort mit allem, was dir wichtig ist, und ich tappe entlang der geistigen Stränge einer ebenso illusorischen Welt und verbinde mich dabei mit allem, was mir wörtlich in den Sinn kommt. Nur selten stossen wir hier auf die wirklich essentiellen Dinge und das sind selten Dinge in Form von Gegenständen. Das Ding in Form eines Gegenstands hat selbstverständlich keinen Wert, außer der Bedeutung, die man ihm beimißt, und wenn irgendwann die Bedeutung verschwindet, dann ist es als ob der Gegenstand schon immer so bedeutungslos in der Gegend stand.

Es gab mal einen Gegenstand

der genauso in der Gegend stand

wie ich, der ihm entgegen stand

Gleichzeitig hat natürlich alles, was dir begegnet oder worauf du dein Augenmerk (dein Sinnesmerk) richtest, stets etwas mit dir selbst zu tun. Was allerdings, das hängt von der Bedeutung ab, die du der Angelegenheit beimißt.

Aller-höchstens Gott.

Das ist aber nicht Allah, auch nicht Gott, nicht Jahwe oder wie man ihn nennt, außerdem soll man ihn ja nicht benennen. Und der liebe Gott ist auch nicht männlich oder eben genauso wenig mit den entsprechenden Geschlechtsmerkmalen versehen wie zum Beispiel der Stuhl. Gott ist kein er und – obacht – auch keine sie. Gott ist der Wurzel nach ein Das, doch nicht sächlich, wie eben der Stuhl eher sächlich ist, sondern eher er und sie zusammen androgynbeides, sie und er oder beziehungsweise alles drei zugleich, derdiedas, wieso weshalb warum. Aus menschlicher Sicht sind sich diese drei sowieso nie einig, vielleicht ist das ja die Dreieinigkeit.
Soviel zur Theorie.

Schon wieder ein paar Stunden verplempert.

Manche Gefühle die wir einst für etwas oder jemanden hegten, sind nur in soweit keine Einbildung gewesen, als daß es Erinnerungen an unser wirkliches Wesen sind, das wir sind oder einmal waren.

Diese Gefühle sind wichtig, sie wollen uns etwas sagen, so sollen wir uns nicht vor ihnen verschliessen, doch ebenso wie wir uns von demjenigen befreien müssen, der uns Angst macht (damit wir uns nicht in dieser Angst verlieren) sollten wir uns auch von denjenigen befreien, zu denen wir das Gefühl von Liebe verspüren, um uns nicht in dieser Liebe zu verlieren. Natürlich leitete er diese Theorie daheraus ab, daß Liebe der Urzustand sei und nicht die Angst. Vermutlich liegt er damit richtig, denn je weniger Liebe wir erfahren haben, desto mehr ist unser Leben bekanntermaßen von Ängsten bestimmt, bzw. mittels Ängste kontrollierbar, während Liebe wiederum nicht kontrolliert werden kann. Woimmer Kontrolle herrscht, verflüchtigt sich die Liebe (oder setzt alles daran sie zu durchbrechen). Liebe kann nicht als Methode eingesetzt werden, denn wer es tut, der handelt nicht aus Liebe, sondern aus Angst.
Es dürfte klar sein, daß Erwartungshaltungen nichts mit Liebe zu tun haben und ebenso klar dürfte sein, daß jegliche vertragliche Vereinbarung nichts mit Liebe zu tun hat, sondern allenfalls mit Partnerschaft, so daß eine vorab vereinbarte Erklärung wem im Scheidungssfall welche Güter zustehen, bereits aus Gründen des Mißtrauens vereinbart wurden, womit nicht unbedingt bezeugt wurde, Vertrauen in die Liebe gesetzt zu haben.

Diese Vorsorge ist ein Absicherung, die wiederum in Hinblick auf die stets zu befürchtende Enttäuschung nur allzu verständlich ist, der eine Täuschung vorausging, daß das worum es sich hierbei handelte, um die größte empfindbare Liebe handelte. Vielmehr ist es ein Kompromiss mit dem beschlossen wurde, nur einen teil des ganzen umfassenden Ausmaßes der Liebe zu erfahren, die wieerum die Löslösung von allen Ängsten erfordert und wer von uns könnte schon behaupten er habe keine Ängste?
Jegliche Unternehmung, die von niederen manipulativen Absichten getragen ist, wird Gott sei Dank künftig im Sande verlaufen. Je weniger wir uns unseres Selbst bewußt sind und uns somit über die Ursache und die Folgen unseres Handelns nicht klar sind, desto manipulierbarer sind wir und desto mehr dienen wir den wenigen, die sich aufgrund ihrer niederen Absichten auf Kosten und zu Lasten anderer bereichern.

Nun, dies scheint ersteinmal nichts mit uns beiden zu tun zu haben, denn wir, wie so viele andere auch, hegen keine solchen Absichten; dennoch sind wir weiterhin Handelnde in einem solchen System. Wir sind allerdings nicht nur die Leid tragenden in einem solchen System, sondern sind wir die tragenden Säulen dieses Systems. Das Leid, das wir tragen, fügen wir uns durch unser Handeln selber zu, solange wir diesem System dienen. Dies tun wir umso mehr, solange wir im Zustand der Trennung verweilen, nämlich der Trennung, bzw. Abspaltung von unserem Selbst, das ursprünglich einer höheren Sache hatte dienen wollen, was gänzlich ohne Verursachung von Leid stattfinden sollte.

Ich frage mich auch, was ist eine Brieffreundschaft? Und ich wage gar nicht, mich diesem Thema mit Beantwortungsversuchen anzunähern, denn dann könnte herauskommen, daß ich vielleicht noch von Briefen etwas verstehe, doch von Freundschaften überhaupt nicht.

Der Begriff Freundschaft klingt allerdings in meinen schlackernden Ohren auch wieder völlig unzureichend. Ich weiß nicht warum, doch irgendwann begann ich, dieses Wort nicht mehr sonderlich zu mögen. Die Menschen, zu denen ich diese gemeinsame Angelegenheit geteilt zu haben meinte, die habe ich natürlich gemocht, sehr sogar, daß man es teilweise nicht in Worte fassen konnte. Doch das Wort dazwischen, Freundschaft, das war vielleicht einerseits eine Verbindung, zum anderen stand es aber auch im Weg.

Es gibt Menschen, die man mag und Menschen die mag man nicht, in beiden Fällen gilt es sich nicht darin zu verlieren, sondern herauszufinden warum.

Freundschaft so wie sie heute gehandhabt wird, erscheint mir wie ein Abkommen zwischen zwei oder mehreren Menschen, die gemeinsam die Einschränkung aller erlebbaren Möglichkeiten betreiben. Als Kind war dies noch nicht so; verbunden über ein undefiniertes Freundesband zog man gemeinsam in die fremde Welt hinaus, um dort Abenteuer zu erleben oder sogar zu bestehen. Heute geht man sich allenfalls mal gegenseitig besuchen, ab und zu oder von mir aus auch regelmäßig geht man gemeinsam ins Kino oder zum Squash und trifft sich dann zusammen mit den Freunden der beiden jeweiligen Freunde in Kneipen und seit es diese nicht mehr gibt in Cocktailbars. Irgendwann hat es aber auch damit ein Ende, eine Weile geht man sich weiterhin noch gegenseitig besuchen und genießt ein privatgemütliches Beisammensein in trauter Verzweitheit, doch irgendwann ist es damit auch vorbei und bald reicht man sich allenfalls nur noch gegenseitig die jeweiligen Kinder hin und her. Diese Kinder werden dann vielleicht Freunde, sie fangen an ihren Eltern zu entfliehen und erleben Abenteuer ihrer Fantasie, während die Eltern ins Theater oder Kino und lassen sich die Gesamtbreite aller erlebbaren Gefühle von Schauspielern vorspielen, weil man selbst keine Zeit oder keinen Mut mehr hat, sich ohne jegliche Rückversicherungen ins Abenteuer Leben zu stürzen, so wie man es als Kind noch tat.

Von Freundschaft und Pflege derselben weiß ich gar nichts zu schreiben. Ich kann nur sagen, daß es mir beim Schreiben ums Schreiben geht, nicht um das Pflegen von Freundschaften. Leider weiß ich wie unsensibel das jetzt auch wieder klingt

Es kostet sehr viel Überwindung, über sich selbst zu schreiben, und genau genommen ist es Selbst-Überwindung.

Tatsächlich verhält es sich aber so, daß ich es bin, der meine Gedanken liest, denn dies geschieht, während ich schreibe. Auch lese (beschreibe) ich meine Empfindungen, Eindrücke und Erkenntnisse, auf die ich entweder zurückgreife oder auch während des Schreibens haben kann
was noch nicht heißt, ich wäre dazu entschlossen. Vollständig entschlossen wäre ich erst, wenn ich vollständig geöffnet wäre. Offenheit ist gefragt, doch meine Türen und Fenster vollständig zu öffnen, wage ich erst, wenn ich hier drin einigermaßen aufgeräumt habe.

Doch unter einem gewissen Gesichtspunkt ist das alles alles ganz interessant zu lesen, schließlich steht alles, worüber man schreibt, immer im Kontext zu demjenigen der schreibt, auch und besonders, wenn es so aussieht, als hätte das Beschriebene gar nichts mit dem Schreiber selbst zu tun. Immerhin aber verrät jedes von ihm behandelte Thema, wo er sich derzeit befindet, also, wo sein Geist sich befindet, in Auseinandersetzung mit dem Herzen. Viele der gewählten Worte können diesbezüglich gedeutet werden, die vorgestellten Motive können diesbezüglich ausgelegt werden. Die angesprochenen Themen sind nur die Auslegeware, über die man schreibend auf und ab durchs Zimmer läuft. Unter der Auslegeware ist der Boden der Tatsachen. Der einst mit bunter Auslegeware verdichtete, nun darunter gesichtete, nackte und kühle Boden der Tatsachen.

Damit man dir künftig nichts mehr fälschlicherweise auslegen kann, gilt es zunächst die Auslegeware zu entfernen und auch auf sonstige Bodenbezüge zu verzichten, so bekommst du zunächst einen wahren Bezug zum Boden, besonders wenn du barfuß läufst.

Stets schreibt man von sich selbst, da gibt es kein Entkommen. Selbst wenn man nie ein Wort über sich selbst verliert, auch in Vermeidung des Ich schreibt man nur über sich, besonders dann, wenn man statt Ich immerzu man sagt –

Nach einer solchen Vermeidung des Ich merke ich dann regelmäßig, meine Güte, was hat sich da schon wieder alles angesammelt. Genug Füllstoff für ein nächstes Schreiben. Genug Worte angehäuft, derer man sich zwar schreibend entledigt, tatsächlich aber bemäntelt man sich damit nur. Wenn es nicht so mühsam und unnütz wäre. Denn Dichtung ist es nicht, Literatur ist es nicht, noch nicht einmal mehr ließe es sich ausfluchtsweise nach außen verlagern, indem ich meine eigenen Unzulänglichkeiten in kritische Abhandlungen über politische oder gesellschaftliche Missstände verpacke.

Würde eigentlich sowieso lieber wieder Dichtung schreiben, doch klappt es nicht. Gibt es etwa Wichtigeres zur Zeit? Bestimmt. Politische Themen ließen sich behandeln, Analysen gesellschaftlicher Mißstände, Ursachenforschungen zu menschlichen Fehlverhalten, man könnte über alles Schreiben. Kein Problem für mich, her mit dem Mehlteig, ich kann was daraus formen. Meine Mühlen mahlen, und die Welt verhungert.
Und während sie verhungert, backen die Schreiber Brot für den Geist, oder Kuchen und Torten. Natürlich aber ist es dabei so: Egal ob man einen Brief schreibt, eine Erzählung, einen Artikel oder sonst einen literarischen Stil beherrscht, das zugrunde liegende Thema ist man immer selbst. Schreibt man über spirituelle Angelegenheiten, so ist es sogar offenkundig, daß man nur von sich selbst schreibt, bedient man sich literarischer Stile, so ist es weniger offenkundig. Doch es gibt keinen Ausweg, es geht auch hier nur um einen selbst.
Die Literatur bietet lediglich einen ganzen Kleiderschrank von Verkleidungen an, mit denen man das Grundthema verwandelt und geschminkt darstellen und ausschmücken kann und je besser man es beherrscht, desto eher wird es dann die hohe Kunst der Literatur genannt.

Sehr viel deutlicher wird dies beim Beschreiben politischer Themen, hier schaut man kaum ins Innere, sondern behandelt das Äußere, doch alles, was dort behandelt wird, hat natürlich auch wieder nur mit einem selbst zu tun. Ich will das im Einzelfall gar nicht weiter vertiefen, denn ein solcher Einzellfall wäre ich schließlich selbst, ein ultimativer Einzelfall sozusagen und an diese Grenze bin ich nun erstmal gestossen.

Mir ist das allerdings auch von vornherein klar gewesen. Bei allem Anprangern unrechtmäßiger Verhältnisse und bei allem Ersehnen besserer Zustände, im Grunde tut da einer nur ultimativ von sich selbst schreiben. Damit dies aber nicht gleich sofort auffällt, habe ich es zum Teil mit literarischen Stilmitteln verwandelt, damit es verkleidet daherkommt.

Schreibt er also von diktatorischen Verhältnissen, die es abzuschaffen gilt, so meint er natürlich die Unterdrückung, die er selbst gegen sich unternimmt, die Unterdrückung seines höheren Selbst. Schreibt er von dem Ziel, das Land zu befreien, so ist er selbst noch nicht frei genug von kontrollierenden Gedanken.

Gleichzeitig sind die herangezogenen Beispiele aus der äußeren Welt leider keine Einbildung. Nur, zu glauben, sie ändern zu können, in dem man sie äußerlich behandelt, das ist Einbildung. Sie sind aber Tatsache und ich denke, man muß hinsehen. Hinsehen heißt nicht das Negative erheben oder dem Negativen dadurch Kraft zu geben (Kraft der Aufmerksamkeit). Hinsehen heißt, es sichtbar machen. Was im Dunkeln liegt, macht unbehelligt immer so weiter und es gibt unnötig Opfer.

Daher, was liegt bei mir noch im Dunkeln? Und wie kann man etwas beschauen das im dunklen liegt.

Das Negativ muß entwickelt werden, um das Motiv sichtbar zu machen, entwickelt wird es in der Dunkelkammer.

Ob das gut ist oder nicht entscheidet wohl das Weltgericht. Doch darum geht es eigentlich nicht. Es macht mir auch nicht wirklich Freuden, meine Zeit so zu vergeuden. Zudem macht vieles keinen Sinn, trotzdem schreibe ich es hin. Und denk dabei, es muß so sein, was andres fällt mir halt nicht ein. Manche Wahrheit ist hier schief und es liest sich negativ, die Helligkeit ist umgekehrt, blau ist grün und farbverkehrt. Und auf dem Foto grinsen schief, die Geister die ich selber rief – wozu also das Rumgejammer, hier in meiner Dunkelkammer, entwickle ich das Negativ und schreib mir selbst nun diesen Brief.

Ich befinde mich noch in der Kammer meiner Eigenrede, schreibe über den Kontext der Ich-Bezogenheit, bin mit mir selbst oder meinem Selbst beschäftigt. Darüber gibt es viel zu schreiben, doch es ist fürchterlich langweilig zu lesen, denn es ist eine zähe Problematik. Die Auflösung der Problematik verlangt beschrieben zu werden, ums Gelesenwerden geht es dabei nicht. Allenfalls geht die Frage mit einher, warum man überhaupt gelesen werden möchte; die Beantwortung ist mühsam und die Antwort kann so ernüchternd sein, daß man wiederum das eigentliche Motiv des Schreibens in Frage stellt.

Und so erübrigt sich eigentlich auch die Frage nach Veröffentlichungen. Denn wenn man sich selbst gelesen hat, wozu sollen es noch andere lesen? Das ist eine Frage, die mich sehr beschäftigt und auch beunruhigt. Auch ist es eine Frage, die aufrichtig zu beantworten mir noch der Mut fehlt.
Gewiss geht mit jeder herausposaunten Kunst auch stets ein bißchen die Suche nach Anerkennung oder Bestätigung einher. Das ist vielleicht menschlich. Ein Austausch von Eindrücken und Ausdrücken ist belebter, wenn etwas auch hier und da mal anerkannt wird, allein dadurch, daß es gesehen wird.

Oftmals kann der Drang nach Anerkennung oder Bestätigung aber auch zur Sucht nach Selbstbestätigung führen. Das wiederum kann dazu führen, daß man sich dafür verkauft, auch als Schreiber. Vom Schreiben sind allerdings nur die wenigsten reich geworden und alle anderen können mit Schreiben nicht wirklich Geld verdienen. Könnte man damit Geld verdienen, so könnte es sein, daß man schreibt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, der es ermöglicht, schreiben zu können. Das wäre ein gutes Motiv. Doch in den meisten Fällen ist es nicht so; die meisten müssen neben dem Schreiben arbeiten gehen. Trotzdem setzen auch sie alles daran, veröffentlicht zu werden – warum? Ist die Bestätigung durch die Leser und Kritiker lebenswichtig? Nährt sie die Hoffnung auf das Ziel, irgendwann vom Schreiben leben zu können? Oder geht es tatsächlich um ein höheres Ziel, um das Erschaffen, Pflegen, Erhalten, Fortentwickeln und Verbreiten geistiger Werte? Was vermitteln diese geistigen Werte? Nicht auch den Erhalt menschlicher Werte? Ist das nicht auch die Aufgabe der Künste? Falls ja, so gerät auch das politische Schreiben in Mühle dieser Analyse. Politische Fehlentscheidungen ergeben gesellschaftliche Missverhältnisse (und oder umgekehrt), sie schreibend anzuprangern, entspringt dem Wunsch nach Besserung, zur Besserung trägt der Erhalt der Künste bei. Die Freiheit menschliche Werte über geistige Werke zu verbreiten, dazu dient jedes

Der geistige Wert aller hier und da veröffentlichten Schriftwerke mag hoch sein, doch da er so hoch ist und der Lohn so gering, stuft man gezwungener Maßen das Lob der Leser, Verlage, Buchhandlungen, Feuilletons und Blogkommentare höher ein, als die vermeintliche finanzielle Zuwendung. Trotz marginaler Entlohnung ist das Künstlerego aber umso zufriedener mit sich selbst, je mehr die geistigen Auswüchse gelesen werden, die wiederum nicht unbedingt dem Ego entsprungen sein müssen. Es ist ein Kompromis, angeleiert vom Ego. Es sagt, na gut, schreibe dir ein wenig aus der Seele und suche nach dem höheren Geist, ich derweil beobachte das Geschehen und prüfe Sinn und Zweck des ganzen Unterfangens. Werden dann Tendenzen erkennbar, die andeuten, daß uns aufgrund unerer geoffenbarten Seelenschau verdiente Anerkennung zuteil wird, so können wir unsere egofreie Kunst bald immer besseren Gewissens an die Menschen weitergeben.

Sie stehen dort an Land und bekräftigen uns bei unseren Schwimmübungen durch den Ozean unseres Verwässerten Selbst. Ob sie es gut finden oder nicht, spielt keine Rolle, hauptsache sie sind da, sie sind wichtig für uns, als Sichtkontakt zur Außenwelt.

Das ständige Interagieren mit dem Publikum (oder den Küstenwächtern) hält die einsame Schreiberseele zwar über Wasser, doch eben weil stets Land in Sicht und Reichweite ist, wird er nicht wirklich tief tauchen können, denn in der Nähe des Küste ist das Meer nicht so tief. Zudem muß er zum Luftschnappen immerzu an die Oberfläche kommen und von dort sieht er dann wieder die Leute an den Küsten ihm zuwinken. Manche geben sich damit zufrieden, weiter hinaus schwimmen wollen sie nicht. Es ist ja auch nicht ungefährlich.

Um aber sich selbst und dem, was Schreiben wirklich ist, ganz und gar auf den Grund gehen zu können, muß er diesem Zuspruch keine Bedeutung mehr beimessen, keine Beachtung mehr schenken; hier an dieser Stelle ist schließlich nicht der tiefste Grund. Dieser tiefste Grund findet sich auf hoher See, da wo erstens niemand mehr ihm zuwinkt und der zweitens so tief liegt, daß der hier eingeholte Atem ebenfalls wieder nicht gereicht, bis ganz nach unten zu gelangen.

Er muß also eine Methode finden, sich anderweitig zu beatmen – oder er läuft Gefahr unterzugehen. Voraussichtlich gelingen ihm dann, dort unten im Todeskampf, die besten Werke und wenn sie irgendwann nach oben treiben und an Land gespült werden, ist er selbst schon lange tot. Will aber weder sein Selbst noch sein Ego vorzeitig absaufen, so benötigt er eine Sauerstoffflasche gefüllt mit einem Odem, der ihn lang genug tief tauchen läßt. Diesen Odem mag es wohl geben, doch er ist feinstofflicher als Luft und sein Ego wird nicht den Hauch einer Ahnung haben, wovon hier die Rede ist. Allenfalls bliebe ihm, bei dem Stoff, mit dem sich nun Kopf und Lunge füllen, selbst die Luft weg oder er wird befürchten, sich selbst in Luft aufzulösen. Doch zeigt sich nur, daß das Ego von nun an nicht mehr der Lotse des tiefseetauchenden Schreibers ist, sondern allenfalls eine auf der Oberfläche wellenwippendens Rettungsfloss, das mit dem Schreiber über eine dünnes Seil verbunden ist und hinter ihm herzieht. Vielleicht eine Heulboje, die noch eine lange Zeit alle sonst so wirksamen Jammersignale erklingen läßt, doch irgendwann verklingen sie unerhöht. Gleichwohl bleibt der Tiefseetaucher mit der Ego-Boje verbunden, sie ist ein Teil von ihm, doch sie lenkt ihn nicht mehr, gibt nicht mehr vor, der Kompass zu sein, sondern hält schweigend den Kontakt zur Oberfläche, jammert nicht mehr von bodenlosen Befürchtungen, sondern beschränkt sich nur noch auf eine Aufgabe, die Angst vor dem Tod – und dient damit dem Überlebensinstinkt – dem Notsignal, dem SOS-Ruf, den sie dann herausposaunt, wenn der Abgetauchte sich in der Tiefe verliert und droht abzusaufen.
Es gibt sicherlich mehr schreibende Leute als man denkt, die so weit heraus geschwommen sind und irgendwo in den Ozeanen tauchen, doch dies geschieht alles außerhalb unserer Sichtweite. Wir die wir hier an mit beiden Beinen auf dem Boden fest an Land stehen, bekommen nur von denen Schreibern was zu lesen, die sich nicht allzu weit nach draußen (bzw. nach Innen) wagen, die nur mit den Füßen durchs Wasser waten, vielleicht bis zum Becken, vielleicht bis zur Brust, doch sobald ihnen das Wasser bis zum Halse steht, kehren auch sie schnell wieder an Land zurück.

Ich zähle mich dazu, bin nur durchs Wasser gewatet, habe Sichtkontakt zum Land gehalten und wenn ich einmal etwas weiter herausgeschwommen bin oder hier und da ein bißchen wie die Enten mit dem Köpchen ins Wasser getaucht bin, so sah ich doch nur meistenteils alles darunten recht verschwommen und wollte ich darnach geifen, so griff ich durch den Knick in der Meeresoptik daneben, wirbelte Wassersand auf und dann war es verschwunden. Manche schöne Muschel und manche feurige Qualle konnte ich zwar an Land holen, doch überall auf den Strandpromenaden hatte man sie schon in vielfachen Variationen zum Trocknen ausgelegt, was sollte ich jetzt meine auch noch dazulegen? Ich will ja wohl offenbar nicht der Vielseitigkeit dienen, sondern vielmehr einzigartig sein. Jaja.

Lieber watete ich dann bis zu den Knien ins Wasser, drehte dem Horizont den Rücken zu und nahm das Land in Sicht, beobachtete das Geschehen von hier aus. Wie sie da alle entlang der Strandpromenaden flanierten, wie sie sich da alle in der Sonnen räckelten, oh, aber feindlich gesonnene Sonne, wie sie sich dagegen politisch korrekt alle einschmierten, um trotzdem so braun gebrützelt zu scheinen wie die Männchen und Weibchen auf den Plakaten. Und wie sie dies alle taten – an ihren freien Tagen – dann alle nach und nach ihre Sonnenschirme wieder zuklappten, hinter den Dünen entschwanden, um morgen wieder den Monstern, die das Land besitzen, unterwürfigst zu dienen, während ihnen das bißchen einer Idee davon, zu wissen, was Leben sein könnte, noch wie Sand aus der Tasche rieselt.

Auch ich gehe wieder dorthin und füge mich, doch ein Teil von mir bleibt schreibend bis zu den Knien im Wasser stehen, doch eine Meeresalge zieht mir bereits am kleinen Zeh. …

Der Entschluß, sich selbst (nach außen) zu verlegen, wird damit erklärt, der Kunst und Kultur zu dienen, ach, was sage ich; dem höheren Geist natürlich. Das höhere Selbst wird dann gefunden sein, wenn es das höher gesteckte Ziel erreicht hat, ein Buch mit einer ISBN herauszubringen und der Literatengott dich in den Kreis der Literaten einberuft.

Bis dahin versorgt man sein hohes Ich über eine Blogbetreibung, sozusagen als fortwährende Instant-Selbstbestätigung. Seht her, hier gibt es mein Ego To Go, irgendwann gibt es vielleicht ein Buch von mir, das ist mein höheres Ziel. Es soll so häufig verkauft werden, daß ich davon leben kann, es verschafft mir Unabhängigkeit.

Unabhängigkeit? Welche? Eine geistige Unabhängigkeit vielleicht? Ist das vielleicht das eigentliche Ziel des Schreibers? Wovon ist er bis dahin abhängig? Wahrscheinlich von allem, wovon er sich noch nicht geistig gelöst hat, von allem, was er schreibend noch nicht für sich gelöst hat und nur deswegen schreibt er. Aber immerhin. Im Gegensatz zu anderen, die sich ihrer Ichbezogenen Antriebe nicht einmal bewußt werden wollen, geschweige denn sie hinterfragen zu wollen, unternimmt er wenigstens den ersten Schritt dorthin.

Ich fürchte, meine Texte sind nur Abhandlungen über das Schreiben in all seinen Formen, wobei das Briefeschreiben noch am Ungeschorensten davonkommt. Während dieser Kritik gegen das Schreiben generell ist mir jedoch klar, daß ich damit nur meine eigene Unfähigkeit thematisiere, Literatur zu schaffen.

Viele Kritiker, das wissen wir ja, suchen in ihrer Kritik an etwas Äußerem nur ihren eigenen Unzulänglichkeiten zu entflüchten. Dabei liegen sie in vielen Fällen gar nicht einmal so falsch mit ihren Beobachtungen; oder besser gesagt, sowohl die eine Beobachtung könnte zutreffen, als auch die andere. Denn diese Beobachtungen hätten sie auch an sich durchführen können. In manchen Fällen könnte man zwar vermuten, sie hätten diese Innenschau bereits betrieben, doch wenn das so wäre, sollten sie wenigstens hier und da auch von sich sprechen, sonst würde es anmaßend wirken.

Ich und du Müllers Kuh
Wir sind natürlich alle ichbezogen und ichbefangen. Es geht nur darum herauszufinden, was dieses Ich sonst noch alles sein könnte und was es nach ein paar Erkenntnissen dann nicht mehr ist. Bei Egozentrikern sitzt das Ego im Zentrum und nur in diesem Zentrum betreibt er die Erkenntnissuche, indem er es alle zwei Stunden betritt wie eine Umkleidekabine, vor ihm der Spiegel, hinter ihm der zugezogene Vorhang. Hier macht er sich regelmäßig aufs Neue zurecht, ja, so könnten wir uns erstmal sehen lassen, die Welt wird mich so sehen, wie mein Spiegelbild mich sieht. Ab und zu passiert mir allerdings das Mißgeschick, daß ein paar seelische Aspekte aus mir herausscheinen, doch bevor mein herumlaufendes Ego noch in schwerwiegende Komplikationen mit meinem höheren Selbst gerät, bekommt es schon den Befehl der Meldezentrale, sich schnellstmöglich wieder im Egozentrum einzufinden, Vorhang zuziehen, Spiegel aufklappen.

Alle Schreiber schreiben, um sich zu orten oder zu sichten; worüber der Schreiber schreibt, zeigt auf, an welcher Stelle er sich momentan befindet und beziehungsweise an welcher zur Zeit beziehungsweise nicht.

Im Moment bin ich also wieder verhangen in Briefen. Aber es ist auch egal, welches Gefilde man umpflügt. Auch auf all den anderen Schreibefeldern behandelt man natürlich weitestgehend nur sich selbst.

wir werden schon säen, was am Ende dabei herauskommt

Was immer man auch von der Einfältigkeit sagt oder denken mag, ich habe vor dem Beruf des Bauers sehr große Achtung. Säen, pflügen, ernten, verkaufen, ein bißchen davon und ein bißchen vom Rest genügsam selber leben, ich finde das macht Sinn. Mit Bauen im Sinne von Errichten, Erschaffen – Konstruieren; also auch Maurern – hat das nichts zu tun. So steht der Beruf des Bauers bei mir ganz oben, doch ich kann es selber nicht, mein Rücken verbietet mir das. Seltsam. Im Namen steckt es drin, doch würde es nicht gehen. Anbauen macht Sinn, Schreiben macht nicht unbedingt Sinn. Zwar geht es um den Geist, das ist auch wichtig, doch vielleicht will sich mein Geist nur nicht die Hände schmutzig machen. Aber gut, wir werden schon säen, was am Ende dabei herauskommt.

Motivation
ich glaube, wer viel geschrieben hat, der weiß selbst, um was es dabei immer auch geht – man entkommt sich selber nicht. Das aber ist das innere Motiv, das innere Selbst. Und die Motivation ist, es zu finden, egal worüber man schreibt. Hat man dies für sich erkannt oder sich erstmal selbst ertappt, so dauert es nicht lang und bald führt es dazu, daß man auch die Texte anderer Schreiber mit zusätzlichen Augen liest, also ein wenig anders als der „durchschnittliche“ Leser es tut.

Von meinen Augen zumindest weiß ich, daß ich mittlerweile vollkommen anders lese, als früher. Es erreichen mich bei fast jedem Schreiben weniger die angesprochenen Themen als vielmehr die insgeheimen Motive. Sie sind zumeist auch viel interessanter. Die inneren Motive sind sehr oft rein menschliche Angelegenheiten, doch da sie so sensibel sind, werden sie insgeheim gemacht, so nämlich vom stets mitschreibenden Ego. Hat man dies einmal bei sich selbst erkannt, so liest man es auch in den Texten anderer heraus. Man liest also einerseits das Ego heraus, was keine negative Abwertung bedeuten soll, und andererseits die innewohnenden anfänglichen Versuche der Seele, sich Wort zu verschaffen, doch sie schneidet hierbei selten gut ab. Worte reichen ihr nunmal nicht, außerdem will sie was erleben. Also beauftragt sie den Geist, soll er die Sache doch klären, Klärung des Geistes, das ist soweiso immer der insgeheime Antrieb eines Schreibers, doch dazu kommt er nicht im geiste, wie er hin und wieder denkt, sondern nur in Gedanken kommt er dazu, und hält es für den Geist.

so mache ich im Grunde auch keinen Unterschied zwischen dem Internetgeschreibe, also dem völkischen Bewußtsein mit seinen vielen tausend blogs, und der allgemeinen Literatur im Buchformat. Diese ist meistens nur mit viel zusätzlichem Intellekt angereichert, was der Sache mit dem Ego aber keinen Abbruch tut. Nur wenig Autoren zähle ich zu denen, die den Egozustand überschritten haben und aus einer höheren Perspektive schreiben. Das kommt nicht immer von selbst. Das kommt vom höheren Selbst. Manche schrieben in derartiger Weise vielleicht noch in jungen Jahren, doch später dann nicht mehr, denn sie achteten auf Lob und Tadel. Beides kommt natürlich aus der gleichen Quelle oder sagen wir aus dem gleichen Eimer.

Selbst wenn ich nicht schreiben würde sind meine Zugänge, über die ich erreichbar wäre und von wo aus ich auf andere zugehen könnte, mit Kisten zugestellt. Die Kisten habe ich zum Teil selber dorthin geschoben und dann gepackt, nun sind sie zu schwer und sie stehen im Weg. Ich muß sie ausräumen und die Teile auf ihren Nutzen prüfen, vielleicht brauche ich all das gar nicht, doch wohin damit, mit dem Wortekrempel, wieder zurück in meine Kammer damit? Vielleicht sollte ich durchs Hintertürchen ausbrechen, einmal ums Haus herumgehen, die Kisten von dort aus ausräumen und das Zeug auf die Straße stellen, jeder der vorbeikommt, kann sich was davon nehmen, liebe Leser.

Oder es vergammelt dort, wenigstens ist mein Zugang wieder frei und ich kann ein- und ausgehen, brauche mich um den Kram nicht mehr zu kümmern.
Die blumigen Worte immer mal zwischendurch sollen nur die Füße kühlen, mit denen man vorher über heißen Sand lief. Doch es spielt auch keine Rolle, wie man es empfindet, denn wir sind hier auf dem Papier. Man kann so kühl oder so heiß schreiben wie man will, was bedeutet es schon? Es ist überhaupt nicht vorhanden und entgegen aller Meinung hat nichts Geschriebenes irgendeine Gültigkeit, es hat keinen Wert für das Leben anderer, allenfalls es ist nur verständige Theorie, zur rückwirkenden Bestätigung geeignet, erfahren muß man es selbst, den Geist der Dinge. Der Geist sitzt in den Elementen, nicht in der Tinte, die davon schreibt, das scheint nur so zu sein und umso mehr es so scheint, desto dingsbums ist die Dichtung.

Entweder wird es geschrieben oder nicht, und entweder wird es gelesen oder nicht. Die Beziehung zum Geschriebenen entsteht während des Lesens, liest man es nicht, so spielt das Geschriebene keine Rolle. Es ist sonst keine Beziehung vorhanden, außer ein ständiger Bezug zu sich selbst, beim Schreiber während des Schreibens, beim Leser während des Lesens, daher ist die Beziehung zwischen Schreiber und Leser bestenfalls zweitrangig, außerhalb davon wäre sie zu pflegen, innerhalb davon gibt es keine Verhältnismäßigkeit, an die es sich zu halten gälte. Ohne diese Verhältnismäßigkeit gibt es auch weder etwas zu kündigen, noch gibt es etwas zu vereinbaren.
Unser Ziel ist, zur Klarheit zu(rück zu) kommen, bei vielem, was wir tun, vergessen wir das Ziel, doch bei allem, das wir tun, ist es unser Ziel. Man kann ständig alles andere tun, doch es kann gar nicht anders sein.

Das Wort Brieffreundschaft besteht aus großen Worten, worauf lege ich denn Schwerpunkt? Auf Brief oder auf Freundschaft?

Wir schreiben uns, wissen aber auch schon, daß wir uns hierbei jeder für sich überwiegend selbst etwas schreiben und versuchen natürlich dem höheren Geist dabei näherzukommen, schreiben also dem höheren Selbst. Doch ist hinter den Worten, die man von anderen geschrieben bekommt, nicht vielleicht ein Mensch zu vermuten? Ist es dem Menschen nicht eine viel schönere Freude gemeinsam mit dem anderen ein Eis mit Schlagsahne essen zu gehen, als sich immer nur Papier mit einem Schlag Tinte desjenigen einzuverleiben?

Was hält mich vom einen wie vom anderen ab? Vielleicht fürchte ich die vielseitigen Bindungsarten vor während und nach jeder freundschaftlichen Begegnung, suche allenfalls nach der richtigen Bindungsart für mein Werk – ach und selbst das nicht mehr, wieder kämen dann Vertragsverhältnisse auf mich zu.

Verantwortungen für menschliche Beziehungen kann ich nicht auch noch im wirklichen Leben übernehmen.

Nach wie vor
Es ist immer etwas seltsam für mich, in die Position desjenigen zu kommen, der auf einen Brief antwortet.
Nach wie vor schreiben wir uns. Es hat Zeiten gegeben, da taten wir es nicht und es wird wieder Zeiten geben, da werden wir uns nicht schreiben. Es gibt ja auch Zeiten, da liest man keiner Bücher, man hat keinen Hang dazu (Abhang oder Anhang) oder sieht keinen Grund dafür (Abgrund) und manchmal denkt man sogar, nie wieder werde ich wohl ein Buch finden, zu dem ich Lust hätte, es zu lesen. Das macht nichts. Hast du keine Lust, dann laß es. Bücher erwarten nichts, Bücher wollen nichts von dir, Bücher sind immer für dich da, wenn du sie brauchst, ob sie dir Antworten geben, ist damit nicht gesagt, aber sie sind da, auf dem Papier, und da bleiben sie auch.
Nun schicktest du mir einen Brief, derweil ich das Ich, das im Zusammenhang mit diesem mir steht, längst in Frage gestellt habe. Das wird mir dann besonders deutlich, wenn ich mit der Materie konfrontiert werde, also auch dem Papiere. Im blog ist das anders, dort sind wir bereits ausreichend verwässert, im Ozean des Internet ist es leichter damit umzugehen, daß wir nur unsere eigene Fata Morgana sind.
Genausowenig wie ich vieles nicht mehr mit diesen entfernten Augen sehe, wenn ich draußen herumlaufe, und mir auch selber immer weniger glaube, wenn ich aus dieser alten Sicht heraus noch spreche. So schreibe, und lese, ich auch nicht mehr mit den Augen desjenigen, den ich von mir ein Stückweit entfernt habe. Doch ich möchte das nicht zelebrieren, solange ich nicht eine andere Sprache gefunden habe, denn das würde zur totalen Entfremdung führen. Auf dem Papier ist diese andere Sprache noch etwas leichter zu finden, als in der Rede, notfalls kann man es einfach als Dichtung abtun, es hat mit der Wirklichkeit sowieso nichts zu tun – wir befinden uns ja auf dem Papier, auch in Briefen, nur auf dem Papier. Daher ist alles gut, wie es ist.

Zurück zum Anfang
Oder kann man sagen, in erster Linie geht es beim Schreiben ums Lesen? Lesen und Gelesenwerden.

Ausnahmen bestätigen die Regel, sagt man, und das stimmt zwar, doch haben die Ausnahmen mit Regeln eigentlich gar nichts am Hut. Sie stehen für sich und für sonst nichts, auch nicht für die Ausnahmen irgendeiner Regel, schließlich haben sie damit ja nichts am Hut, sie stehen für sich und nicht für etwas anderes. Ausnahmen bestätigen nicht die regel, sondern in erster linie sich selbst, weil sie nämlich die regel doof finden. Außerdem ist sowieso schon alles geregelt. Mit Ausnahme des ungeregelten, aber diesen Anspruch hat die Regel, die Ausnahme hat keinen Anspruch, sie steht nur für sich.

Ob ein Anteil von Selbstsucht mitschwingt, wenn man gelesen werden möchte, ist gewiss eine berechtigte Frage, doch selbst wenn man sie bejaht und es deswegen nicht veröffentlicht, selbst dann sollte man trotzdem so schreiben, als ob es mindestens einen Leser gäbe. Denn das führt zumindest dazu, daß man sich etwas mehr Mühe gibt und es kann darüberhinaus zu allem Denkbaren führen. Man könnte also sagen: Schreibe in der Vorstellung, jemand würde es lesen, doch nicht in der Erwartung, es werde jemand lesen.

Mein „Rat an alle Schriftsteller“ also, ab und zu auch Briefe zu schreiben, entspringt dieser Überlegung, doch in Wirklichkeit ist auch dies nur ein Rat, den ich mir wieder nur selber gebe. Schreibe Briefe, an wen ist egal, denn man schreibt nur sich selbst, und man schreibt nur von sich, egal worüber man schreibt. Aus allen Schreiben ist das immer auch herauszulesen. In dieser Weise lese ich mittlerweile jedes beschriebene Blatt, natürlich auch die meinen, umso mehr diese schon, solange sie noch unbeschrieben sind.

Warum sonst sollte man auch meinen, schreiben zu müssen? Es gibt etwas nach Außen zu verlegen, um es anzusehen. Sieht man aber schreibender Weise stets etwas bereits Außenliegendes an, zum Beispiel politische Ereignisse gesellschaftliche (Fehl)Entwicklungen usw., so dient auch dies eigentlich bloß zum Ansehen des Inneren. Und ist jemandem all dieses Außenliegende eher nicht so wichtig, so benützt man eben andere Methoden, insgeheim von sich selbst aus der Seele zu schreiben und erzählt viel von sich mittels weitläufig umschriebener Erlebnisse – doch auch das sind alles nur Allegorien.

Zwischen den Allegorien ergeben sich immer mal Leerstellen, Atempausen, Zuwendungen an den Leser, vorsorgliche Ablenkungen, verhältnismäßig neutrale Bereiche, Füllstoff, Übergänge. Bewegt man sich in diesen neutralen Bereichen, die zwar diesmal tatsächlich mit einem selbst wenig zu tun haben, so sind dies Brücken, die wiederum nur dazu dienen, wieder auf sich selbst zu sprechen zu kommen. Manche beschreiben auch nur beständig diese Brücken, womit dann umso auffälliger wird, worüber sie nicht zu schreiben wagen, denn am Anfang und am Ende jeder Brücke ist jeweils

ein Abgrund.

Gleichfalls ist auf der einen Seite ein verlassenes Land und auf der anderen ein zu erreichendes Land und gewiss, all das ist auch interessant. Die Abgründe sind ebenfalls interessant, der Brückengang auch, doch nur wenige springen in den Abgrund und noch weniger gehen über die Brücke und springen in den Fluß. Vielleicht gibt es von dort auch nichts mehr zu schreiben. Bisher habe ich nur einen Autoren „kennengelernt“, der in den Fluß gesprungen ist und dortheraus noch Bücher zu schreiben wußte.

Ich glaube ja immer, daß droben im Norden irgendwo der heilige Schmelztiegel von Tunichtgut vergraben liegt, Tunichgut ist das nördliche Äquivalent vom ägyptischen Pharao Tutesinarmut oder wie der nochmal hieß. Eine wesentliche Rolle übernimmt allerdings das sagenumwobene Island derweil, sie haben sich vom Finanzmonster befreit, und Grönland dürfte auch interessant sein, wenn das Eis erstmal geschmolzen ist. Finnland ist aber ganz besonders interessant, keine handelsübliche Sprache und auch ein sehr sagenumwobenes Land. Dänemark, da weiß man nie so ganz genau, Schweden ist wie immer auf Abwegen, sie haben jetzt die Schulpflicht eingeführt, sind also neben Deutschland und noch irgendeinem Land die einzigen in Europa, die nix vom Neuen wissen wollen, es sind ja auch neben Deutschland die besten Kontrolleure einerseits und die größten Ignoranten andererseits, hauptsache man hat eine schöne Couch im Wohnzimmer stehen. Und Norwegen? Da weiß ich im Augenblick selber nicht so genau, es könnte aber sein, daß da der Hund begraben liegt. Wahrscheinlich lebendig begraben, denn ab und zu höre ich ihn jedenfalls bellen. Und dann kommt schon wieder Rußland.

Der spirituelle Weg besteht aus einem ständigen Prozess des Loslassens. Auch annehmen ist wichtig, doch je mehr man dem Herzen folgt und vielleicht auch je intelligenter man ist, desto mehr sieht man sich gezwungen, etwas loslassen zu müssen. Das Annehmen folgt nicht auf dem Fuße, man muß es bewußt entscheiden, um das bereits vorliegende Anzunehmende einzulassen. Materielle Werte oder wenigstens die Bedeutung, die man den Dingen zuspricht, Meinungen, Vorstellungen, einsitge Glaubensbekenntnisse, das Ich, das Überich, das höhere Ich, usw., bis gar nichts mehr übrig ist. Man ernährt sich anders, man bewegt sich anders, man denkt anders, man sieht andere anders, man sieht sich anders, nichts bleibt über, nur der Kern einer Sache und den sieht man fortwährend in Allem.
Vermute ich mal.

Um zu erfahren, was Schreiben wirklich ist, muß man geschrieben haben. Doch wer bald herausgefunden hat, was es zum großen Teil in Wirklichkeit ist, der hört unter Umständen auf zu schreiben.
Denn statt einfach nur auf das Geschriebene einzugehen, lese ich bereits schon die Sätze, die ich selbst dazu aufschreiben werde und oftmals schon während ich lese so gut wie vorfomuliert im Kopfe bereitliegen. Ich muß sie mir nicht groß überlegen, doch hinterfrage ich den Sinn dessen, was sie aussagen sollen und prüfe sie auf die jeweilige Absicht, bevor ich sie hinschreibe.

Das ist natürlich nicht bei jedem Satz so. Manchmal sind es anfangs nur drei und das sind die Trägerbalken des ganzen Konstruktes, an einem davon hängt man mit einem Arm dran und steckt von dort aus mit dem anderen Arm weitere Sätze aneinander, die ebenfalls auch schon irgendwie vorher da waren. Das heißt, man hängt mit einem Arm noch am Trägerbalken und hat im anderen plötzlich schon wieder die nächsten fertigen Sätze griffbereit. Ihre Standhaftigkeit und Belastbarkeit prüft man nochmal vor dem Anschweißen ans Konstrukt, steckt sie daran fest und hangelt sich in dieser Weise immer weiter von einem drangesteckten Satz zum nächsten drangesteckten Satz, bis das ganze Konstrukt in etwa so steht, wie man es schon vorher als Skizze im Kopf hatte. Diese Skizze entsteht wie gesagt bereits in meinem Kopf, daher kann ich insgesamt sagen, ich konstruiere nur ein Konstrukt.

Und ich muß sagen, in den letzten Monaten prüfe ich gar nicht mehr die Sätze, sondern stelle schon die Skizzen in Frage, bevor ich anfange zu schreiben, habe also dem Baumeister Urlaub angeordnet und den Architekten drohe ich mit der Kündigung. Ich frage ihn, was aus seiner Fantasie geworden ist, denn früher waren seine Werke zwar irgendwie nur spontan zusammengereimt aber es machte viel mehr Spaß darin zu wohnen, als jetzt, in diesen Gedankenkonstrukten. Jetzt passt zwar jedes Teil ineinander aber das Konstrukt hat an Leichtigkeit verloren, es schwebt gar nicht mehr überm Boden, so wie damals. Der Architket zuckt aber nur teilnahmslos mit den Schultern und als ich ihn frage, wer überhaupt sein Auftraggeber ist, zeigt er auf mich.

Ich denke erst, der spinnt wohl, zeige fragend selber auf mich, er nickt bekräftigend und ich ahne, er hat recht, so ein Mist, es kann ja nicht anders sein, wer sollte sonst auch der Auftraggeber sein. Und als ob nicht schon genug Unruhe wäre, ruft jetzt auch noch ständig der Baumeister dazwischen, was denn nun ist, sein Urlaub wäre längst vorüber, soll er die Stangen jetzt zusammenstecken oder nicht. Ich sage, er soll die Stangen erstmal liegen lassen und rufen Sie nicht nicht immer dazwischen, wir haben hier im Moment andere Fragen zu klären.

zu 2012 dem supertruperWandel

-Im Zuge dessen
Wir warten auf den Zug, der soll genau vor unserer Haustür halten, vollgepackte Koffer vor uns auf der Schwelle, die Jacke am Garderobenhacken, die Hand an der Jacke.

Die Koffer voll mit dem Zeug, das wir mitnehmen möchten, voll mit den Schrottwerten, die sich Zeit unserers Lebens so angesammelt haben und von denen wir bangend hoffen, wir werden sie mitnehmen können. Die Haustür sperrangelweit aufgeklappt, bei manchen auch nur einen Spalt weit, mit dem Kopf lugen wir hinaus, kein Zug am Horizont erkennbar, aber irgendwo, das spüren wir, ist was in Bewegung. Manche sagen, es sei ein Schnellzug und lange hält er nicht, man muß aufspringen oder nicht. Was wir sonst immer konnten, auf das Vertraute Zurückgreifen, werden wir diesmal kaum können. Die Koffer sind zu schwer, zudem stehen sie vor uns auf der Schwelle, also im Weg. So wäre unter Umständen kein Durchkommen.Vielleicht können wir noch schnell die Juppe überziehen – und dann ab dafür.

Dafür oder nicht.

Entscheiden.

Mehr müssen wir nicht tun.

Der Zug verlangt nämlich nicht betreten zu werden. Er hat keine Türen. Nur einen Briefschlitz. Dorthinein sollen wir unseren Zettel werfen, auf dem wir Ja oder Nein angekreuzt haben. Dann düst er sofort wieder weiter. Wirfst du keinen Zettel ein, kommt er nächste Woche wieder. Kommt so oft wieder bis du den Zettel eingeworfen hast. Bald hast du dich entschieden. Dann düst er sofort wieder weiter. Und du stehst, wo du stehst. Koffer umsonst gepackt. Der Zug verschwindet am Horizont, an Bord dein Ja oder dein Nein, das irgendwo ausgewertet wird, ausgelöst wie ein Ticket, ist es echt oder ist es gefäscht, gültig oder ungültig? Koffer umsonst in den Weg gestellt, das Eingepackte in Frage gestellt. Sonst alles beim Alten geblieben. Oder doch nicht? Denn was wird nun geschehen?
Auch darüber läßt sich nicht wirklich schreiben. Und fast alles, was darüber geschrieben wurde, wird hinfällig sein. Für das Neue. Allenfalls hatte jegliches Geschreibe nur den Zweck, das Alte aufzulösen. Auch reden läßt sich nicht wirklich darüber. Die Gespräche darüber dienen nur der einstweiligen Beruhigung von Befürchtungen oder des Teilens von Vorfreude. Die ganze Welt ist betroffen, das nähere Umfeld ist betroffen. Die einen haben Angst, andere freuen sich, manche sind beunruhigt, manche sind vollkommen gelassen, manche schon jetzt zufrieden damit, bald endlich da zu sein, wo sie sowieso schon immer waren. Und sich nicht mehr anhören zu müssen, man hätte sich das alles nur eingebildet.

… Diese Essenz läßt sich schwer beschreiben, es ist wie mit dem Parfüm dessen einzelne Bestandteile wir herausarbeiten und benennen können, doch ist es kaum möglich, den Duft in Worte zu fassen. Denn selbst wenn wir den Duft des Parfüms zu beschreiben wüßten, so würde unser Schreiben noch lange nicht so duften wie das Parfüm – um dies zu erreichen, müßten wir schon das Papier damit besprühen.

Ähnlich wie mit dem Duft eines solchen Parfüms verhält es sich also auch mit der Sache, die uns verbindet oder einst verbunden hat. Es war dies ein höherer Aspekt, über dessen Wesen wir aber beide keine genaue Vorstellung hatten, der aber zumindest mir (und nun wirst du dich wundern) in Form einer vagen Erinnerung kürzlich wiederbegegnet ist. Es hat nicht lange vorgehalten, denn kaum daß ich mir darüber gewahr werden konnte, war er auch schon wieder verschwunden, entwichen, abgezogen oder um weiter dieses Bild zu bedienen: verduftet.

Daher laß mich dir nun von einigen Dingen zu berichten versuchen, die sich in der letzten Zeit diesbezüglich so zugetragen haben. Ob sie dir augenblicklich etwas bedeuten würden, weiß ich nicht, ich vermute aber, daß sie dich mindestens genauso etwas angehen wie mich.

Allerdings handelt es sich hierbei weniger um offenkundige Ereignisse, als vielmehr um wie hinter Nebelschwaden sich zutragende undeutliche Geschehnisse, von denen man nicht weiß, welche Entwicklung sie nach sich ziehen, welche Umstände sie begleiten werden und mit welcher Absicht sie dort überhaupt anberaumt werden.

Ich möchte mich aber mit ihnen befassen, denn es dient unserer gemeinsamen Sache, doch leicht ist es für mich nicht. Schließlich fehlt es mir an Erkennungsmerkmalen, die mir angeben, wohin das alles führen könnte und in wieweit ich davon betroffen sein werde, manchmal wirkt es sogar derart bedrohlich auf mich, daß ich um den Verlust meiner Existenz bange. Vielleicht ist es nur die Ungewissheit, die solche Befürchtungen in mir auslöst, und sicherlich ist es den bisher undeutlichen Signalen geschuldet, daß ich im Augenblick nur daraus schließen kann, ich werde mit dem, was dort vorbereitet wird, später noch viel weniger umgehen können.
Im Laufe dieses Schreibens wird es dir so vorkommen, als werden dir meine Worte sehr selbstgerecht erscheinen und in gewisser Weise ist es auch so. Ich möchte mir selbst gerecht werden, das heißt ich möchte meinem Selbst gerecht werden. Doch solange ich nicht herausfinde, wer oder was dieses Selbst eigentlich ist, kann ich auch nicht wissen, von wem da überhaupt die Rede ist, der diese Dinge herauszufinden versucht.
Vielleicht liegt der Fehler auch im System. Am Anfang war das Wort, sagt man. Anfangs war das vielleicht sogar gut gedacht. Doch letztlich nahm das Unheil dann seinen Lauf. Wir dachten wir beherrschen die Sprache, doch die Sprache beherrschte bald uns. Babylon ist überall. Du aber bist Babylon entflohen. Herzlichen Glückwusch. Jetzt hänge ich hier alleine fest. Ohne dich komme ich nicht da raus. Doch weiß ich auch, ohne mich lebst du im Exil. Ich bin mir nicht sicher, ob es dir dort wirklich gut ergeht, so ganz ohne Orientierung

Dieser Brief ist dies erst die Einleitung. Daraufhin folgt eine Umleitung, aus dieser resultiert eine Ableitung und zuletzt kommt es dann zur Ausleitung. Als Ergebnis erhoffe ich mir eine Anleitung, die mir in späteren Schreiben als Leitfaden dienen soll.

..
Dies zumindest dachte ich eine Weile und meine Selbstzweifel waren groß. Die Logik aber sagte mir etwas anderes. Die Ursache dafür, daß wir nicht mehr miteinander kommunizieren liegt ganz woanders.

ich könnte dich noch weiter von mir fortdrängen, als es meine Absicht ist. Dabei ist doch das Gegenteil meine Absicht. Mit jedem Wort versuche ich dir wieder näher zu kommen und jedes Wort schreckt dich weiter von mir ab.
Unsere Trennung scheint besiegelt zu sein, zumindest solange die Verbindung unterbrochen ist, und sie ist unterbrochen; zwischen uns klafft ein Abgrund. Gleichwohl ich weiß, daß ich dir ebenso fehle, wie du mir. Wir beide wissen, daß keiner von uns ohne den anderen wird bestehen können.

Das Problem ist nämlich, daß wir unterschiedliche Sprachen sprechen, tatsächlich habe wir schon immer zwei unterschiedliche Sprachen gesprochen, lediglich haben wir dies nicht bemerkt, solange unsere Kommunikation noch funktionierte. Und sie funktionierte mithilde eines Mittlers, von dem wir beide nichts wußten und der unsere unterschiedlichen Sprachen jeweils für den anderen simultan übersetzte; das heißt, meine Rede wurde dir so übermittelt, daß sie dich in deiner Sprache erreichte und umgekehrt. Der Abgrund war schon immer zwischen uns, doch es gab eine Verbindung und diese Verbindung müssen wir uns vorstellen wie eine unsichtbare Verbindungskabel darin fungierte der Simultanübersetzer.

dann entspricht das was sie für gott halten ihrem stand des bewußtseins

der grad des völkischen bewutseins schafft die götter, von denen sie sich beherrschen lassen

Sich schreibende Freunde oder miteinander Vertraute schreiben sich oftmals allein der Entfernung wegen, durch die sie voneinander getrennt sind und stets schreiben sie sich der Nähe wegen, die sie zueinander verspüren. Dennoch bezeichnen sie sich nicht unbedingt als Schreiber.

ich das alltagsselbst, unterbewußtes gewahr selbst

So geht es bei der Entfernung zwar um den Abstand oder die Distanz zwischen zwei Punkten, bzw. um die Distanz von einem Punkt zum nächsten, doch stellt es auch den Vorgang des Beseitigens dar und beinhaltet hiermit desweiteren, daß man etwas von sich Entferntes aus der Ferne zurückzuholen möchte, um es von dort wieder zurück in den natürlichen Zustand zu bringen.

die Deutungshoheit hat nicht der Intellekt, sondern das herz, so zumindest sollte es doch sein, und daher darf auch dieses Schreiben nur das Ziel haben, daß der Autor, … denkt: Erstmal muß ich aber aus dem ganzen Gedankenurwald wieder herausfinden?

… Nur der Mensch bringt es fertig, aus einem Rind ein Rindersteak zu verhackstücken.

Schaue ich in mein eigenes Tintenfaß, so schimmert mir augenblicklich hinsichtlich dieser Icherscheinung folgendes Bildnis entgegen. Das Ego ist wie eine bare Münze mit einem gewissen Grad von Bewußtsein, eine Münze zu sein, um die sich alles dreht. Und mit dieser Selbsteinschätzung liegt sie nicht falsch, denn wo immer sie zum Einsatz kommt, dort dreht es sich um sie, wo nicht, wird sie momentan nicht gebraucht, doch irgendwo benötigt wird sie immer. Allerdings kommt sie erst dann als eine Münze in Umlauf, sobald sie als eine solche zu erkennen ist, also mit den entsprechenden Einprägungen versehen wurde. So sollte zumindest auf ihr draufstehen, wo sie herkommt, wann sie gemacht wurde und natürlich welchen Wert sie hat, zudem ist sie oftmals noch mit hübschen Verzierungen oder symbolträchtigen Zeichen ausgestattet. Sie hat stets einen messbaren Wert, unterliegt aber verschiedenen Wertschätzungen als auch entwertenden Abschätzungen. Da in meinem hinkenden Gleichnis die Münze aber mit einem Ego ausgestattet ist, also einem Bewußtsein, das sich weitestgehend nur um sich selbst dreht, entwickelt sie dortheraus eine Art von Selbstwertgefühl und empfindet sich wertgeschätzt oder unterschätzt. Vorausgesetzt sie hätte überhaupt ein solches Empfindungsvermögen, so wäre dies trügerisch, denn das eingeschränkte Bewußtsein, das sich nur um sich selbst dreht, verleidet ihm die Erinnerung an seinen ursprünglichen Wert und den kann sie nur ermitteln, wenn sie wüßte, wo sie eigentlich herkommt. Sie besteht schließlich aus Gold oder Silber, doch dies beschreibt nur den materiellen Wert, tatsächlich aber wurde Gold nicht in der Goldmine geboren, sondern im Berg, im Gestein, in der Erde, es gehört zu den Metallen, und Metalle sind zwar irdisch, doch (und das wird wohl später mal bekannt) doch stehen sie zudem in Verbindung mit universellen, nicht irdischen Kräften, die wiederum nur mit einem ausgeweiteten Bewußtsein erkennbar sind, bzw. könnte man sagen: solange das Bewußtsein kaum ausgeprägt ist oder nur so gemünzt wurde, daß es sich überwiegend an der Materia orientiert oder jeglicher Sache (und Lebensform) nur materielle Werte beimißt und damit auch noch unflätigen Handel oder Wucher betreibt, solange wird man nicht den wahren Wert, sondern nur den Warenwert einer jeglichen Sache und Lebensform ermessen können oder zu schätzen wissen.

Zum Beispiel oben ausgeführtes Gleichnis. Dadran stimmt ja eigentlich vorne und hinten nichts. Zudem hat es als ein Gleichnis sowieso keine Gültigkeit mehr, da die Münzen von heutzutage nur noch Spielgeld sind und die Spielregeln von denen aufgestellt wurden, die mit ihrem Spiel überhaupt keine gemeinnützigen Werte verfolgen, sondern nur egoistische Ziele. Solange wir aber dieses Geld mitbenützen, spielen wir auch mit, je egoistischer wir uns hierbei vehalten, desto mehr Spielgeld wird uns am Ende jeder Runde auch zuteil.

So weiß ich manchmal nicht wie ich mich ausdrücken soll, aber warum soll man sich auch überhaupt ausdrücken, man ist schließlich keine Zigarette. Oder vielleicht ja doch, man zündet sich 20 mal am Tag an und drückt sich 20 mal am Tag aus, nur um den ganzen Tag über einen Hauch seines selbst zu inhallieren und wieder auszustossen, gegebenenfalls seine Umwelt damit zu belästigen.

So bekomme ich, jedesmal wenn ich das Wort ich schreibe, zwar ein schlechtes Gewissen, aber nur mir gegenüber. Ich schreibe, wieso schreibe ich also nicht von mir, warum lenke ich von mir ab, warum lade ich mein Geschriebenes bei dir ab? Und wenn nicht mehr dir, warum meinen Lesern?

Gut, ich bin der schreibende Teil, es fehlt der lesende Teil. Allenfalls der sich angesprochen fühlende Teil. In erster Linie bin ich aber der lesende Teil, der mich selbst lesende Teil, denn während ich schreibe, lese ich mich selbst, egal an wen ich schreibe und egal wer es danach noch liest.

Ich meine, wenn ich schon meine, ich müßte schreiben, dann sollte ich doch über mich schreiben. Sonst sollte ich doch ein schlechtes Gewissen haben. Mir gegenüber.

Und verdiene mir unredlich dieses ach so schlechte Gewissen. Das schlechte Gewissen hat man sich genauso verdient, wie das gute Gewissen, so ist das mit dem Gewissen. Man hat es sich verdient. Und meistens ist es so, daß das schlechte Gewissen das gute Gewissen auf dem Gewissen hat. Und das gute Gewissen hat das schlechte Gewissen auf dem Gewissen. Während man ein gutes hat, hat man kein schlechtes und während man ein schlechtes hat, hat man kein gutes.

Bei diesem ständigen Wechselspiel hätte man doch manchmal lieber gar kein Gewissen.

Gewiss, mitunter befällt es einen natürlich. Vielleicht sollte man auch lieber sagen, ich habe kein gutes Gefühl. Gehabt. Und jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen. Allerdings eher mir gegenüber, und zwar darüber, daß ich im Vorhinein so wenig Gefühl gehabt habe. Wieso habe ich so wenig Gefühl gehabt? Weil ich nicht bei mir war. Ich habe 500.000 Worte geschrieben und in alle Welt verteilt, Bücher, Romane, Gedichte und Artikel und
In Wahrheit ging es um Ich und um Nicht Ich und um Nichts und Nichtig, denn was ist schon wichtig.
Worüber schreibst du, bzw. wieso benutzt du immerzu das Wort ich, wenn es doch nur ein von außen irgendwie definiertes du ist, das von Innen betrachtet gar nichts mit dir zu tun hat?

Ich habe dir schon damals solche Briefe geschrieben und oft sind mir dort die Pferde durchgegangen, du kennst diese Tiraden, vielleicht hast du sie gerne mal überlesen, was willst du einem auch andauernd beim Rodeo-Reiten zuschauen, er ist offenbar ohnehin nur mit sich selbst beschäftigt. Er will die Kontrolle über das Pferd erzwingen – oder will er das Ziel erreichen, mit dem Pferd eine harmonische Einheit zu bilden? Was auch immer, so geht es nicht, nicht mit Rodeo-Reiten, sondern mit einem Gefühl für das Pferd, nicht für seinen Körper, sondern für seinen Geist, für sein Wesen, für seine Essenz – da ist eine ganz andere Annäherung erforderlich und das Pferd weiß von der Annäherung schon bevor man sich ihm genähert hat. Es kommt auf die Art an, wie man es tut und besonders auf die Absicht, die man hat – am besten man hat gar keine Absicht, sondern möchte nur Frieden und Harmonie und Schönheit.

Entfernung ist nicht Vernichtung

Man kennt das ja schon von den unzähligen Völkermorden und Ausrottungen der Urvölker: Die vollkommene Vernichtung scheint die formvollendete Art der Lösung zu sein, wenn man etwas komplett abzuschaffen gedenkt. Eine Weile mag das gelingen, doch etwas Formvollendetes läßt sich im Grunde nie vollständig vernichten. Eine formvollendete Art ist zum Beispiel das Atom und es gibt auch noch viele andere solche Klamotten, die einem umso mehr um die Ohren fliegen, je mehr man darauf rumhackt. Du sollst nicht spalten, zerteilen und trennen, was Gott vereint hat, und damit ist ganz bestimmt nicht die Ehe gemeint, im Gegenteil. Doch über diese Art der Entfernung wollte ich später noch was predigen, bleiben wir erstmal bei der Trennung vernichtender Art.

Denn alle Klamotten, die am seidenen Faden des Lebens hängen, lassen sich im Grunde (des Seins) nicht vernichten. Der seidene Faden ist sozusagen das Leben selbst und dieser Faden wächst immer wieder nach, es ist ein Zauberfaden. Wenn du ein Stück davon abschneidest, kannst du ihn zusammenrollen und dir in den hohlen Zahn stopfen, er würde trotzdem irgendwann wieder in den ewigen Kreislauf der Natur überführt werden und in anderer Form widerkehren, das Leben läßt sich nicht vernichten.
Selbst wenn sich etwas in Luft auflöst, ist es noch nicht weg, sondern hängt es in der losen Luft, egal ob der Faden aus Seide bestand oder aus Polyster. Doch selbst Polyesterfaden entwickelte sich aus dem Ideenreichtum des Geistes und wird sich auch wieder dorthin verflüchtigen, um dann vielleicht irgendwann als eine noch etwas geistreichere Entwicklungsform der anfänglichen Idee zurückzukehren.

Von der Entfernung zur Abschaffung käme man, wenn man sie zunächst verbieten und dann vollständig vernichten lassen würde. Für ein widernatürliches System, das obendrein von Sklavenarbeit lebt, sind solche hirnverbrannten Gerätschaften und Tätigkeiten allerdings erforderlich und die ständige Bedienung davon für die Systemkonstrukteure lebensnotwendig.

Jeder, der schreibt, spricht mit sich und während der Schreibblockaden herrscht eben Stille, kann aber auch sein, daß es nur viel zu laut ist. Jedenfalls ist der Kanal voll oder einfach leer, vielleicht ist der Kanal auch besetzt, denn es ist ein Sendekanal und man kann nicht unentwegt auf Sendung sein. Man muß auch einmal empfangen und am besten ist ein fröhlich Wechselspiel zwischen Senden und Empfangen, wir sind alle Medien, wir brauchen keine Medien-Anstalten. dieser Geist, der dort herrscht, ist erkrankt, geisteskrank. Das wird dann auf die Bevölkerung übertragen, denn Krankheiten können übertragbar sein.

Die Körper der Welt sind ja schon viele krank, die Seelen der Weltenwesen vermutlich schon länger ins Abseits gedrängt und nun kommt der Geist an die Reihe – nur ich glaube, meine Damen und Herren, es sieht alles nur so aus, als ob, in Wahrheit ist hier nämlich alles in bester Ordnung universell gesehen. Und unten wohnen wir zumindest in Deutschland, da ist immer alles in Ordnung.

für lebendige, lebensnahe, freundschaftliche Beziehungen hatte ich kaum Zeit, ich mußte mich um meine zahlreichen Brieffreundschaften kümmern.

Man sagt ja, die Körper der Menschen werden krank, wenn die Seele nicht im Einklang ist, denn die Seele will eine Weile im Körper auf Erden sein, warum ist doch vollkommen egal, sie will es eben gern und da wäre ein gesunder Körper für am besten. Vielleicht ist es aber auch der Seele völlig egal, wenn der Körper krank wird, dann wartet sie halt eine Weile und schweigt solange, sie ist schließlich unsterblich. Doch wenn sie schweigt, ist natürlich der Sinn der Sache verfehlt. Und wenn sie zeitlebens (auf Erden) keinen Sinn in der Sache sieht, so wird sie unselig, vielleicht auch krank mit der Zeit und zeigt es über den Körper, damit der Mensch mal hinkuckt und hilft. Ob sie mit Leid umgehen kann/muß weiß ich nicht, es ist müßig darüber nachzudenken, ob oder wieviel eine Seele davon vertragen muß. Vielleicht muß sie es davontragen, dann darf es aber nie zuviel sein. Aber Gewalt sollte man ihr natürlich nie antun und so auch ihrer augenblicklichen Wohnstätte nicht, dem Körper. Vielleicht wird der Körper aber auch mitunter krank, weil der Geist erkrankt, während die Seele nichts dazu sagt. Sie aber schweigt vielleicht, weil sie selber nichts hört, nichts hört, das von Herzen kommt, erst wenn etwas von Herzen kommt, blüht sie auf und das ist Leben. Der Geist blüht ständig auf, fortwährend, mal sind es Blümchen (Blühmchen) und mal treibt er Unkraut, fortwährend läßt er etwas entstehen und was es ist, ist ihm Wurscht, es hängt nur davon ab, womit er beschäftigt wird. Gibt man ihm Fleisch, macht er daraus eine Wurst, gibt man ihm ein Wort, macht er daraus zwei, gibt man ihm drei Worte, macht er daraus vielleicht sechs oder er reduziert sie auf eins, egal hauptsache er ist beschäftigt. Vielleicht ist es auch der Verstand, und nicht der Geist, der dies alles tut.
Zumindest könnte der Verstand sich genau überlegen, womit er den Geist beschäftigt oder mit welcher geistigen Sache er beschäftigt werden möchte. Immer muß er das aber überlegen und das dauert unter Umständen viel zu lange oder er greift viel zu schnell zu, während die geistigen Dinge beständig überall umherschwirren. Die Seele überlegt überhaupt nicht, sie nimmt alles an, hinterfragt nichts, fühlt sich nur gut oder schlecht, beziehungsweise fühlt sie, was da ist und was da ist, das meldet ihr das Herz.

Im Augenblick meines Schreibens liest du dies hier noch nicht. Es wirkt allenfalls so. In meinem augenblicklichen Zustand ist es ein diese Zeilen schreibender Zustand. Wenn du es irgendwann liest, in deinem Fall jetzt, werde ich schon wieder ganz woanders sein. Im Moment aber schreibe ich und ich kann mir ganz genau überlegen, was du lesen wirst.

Ich könnte dich natürlich anrufen und fragen: wie geht es dir? Meine Erlebnisse würde ich dir dann später erzählen, während wir eben so miteinander sprechen. Die Erkenntnisse ergäben sich dann jeweils im beiderseitigen Austausch. Um nicht zu sagen, wir könnten auch einfach miteinander sprechen. Oder uns meinetwegen beim Eis essen in die Augen schauen. Oder beim Whiskeytrinken. Je nach Gemütslage. Je nachdem, ob es etwas abzukühlen oder aufzuwärmen gibt. Gewiss wäre das ein lebhaftes Beisammensein. Dieses Beisammensein hat eben mit Schreiben nichts zu tun, für dich jedenfalls nicht.
Für den Schreiber hat alles mit Schreiben zu tun.

Nach dem gemeinsamen Treffen muß er darüber auch noch schreiben, sonst hat er das Gefühl, er hätte das gar nicht so ganz wirklich erlebt. Nachmalig bringt er das erlebte Gefühl noch zu Papier, damit er es auch schreibend erlebt und du, nach dem erfreulichen Treffen mit deinem Freund, du ziehst weiter und gehst bestenfalls beflügelt deinen Lebensweg voran. Der Schreiber aber geht nach dem Treffen zurück in seine Schreibestube, muß sich ersteinmal zurückziehen. Er ist ebenfalls beflügelt, oder man kann sagen, er fühlt sich danach auch nicht besser oder nicht schlechter als du. Doch da ist so vieles passiert, wie soll man das alles bloß in Worte fassen. Dazu ist soviel geredet worden, wie soll man das bloß in andere Worte fassen. Und hinzu kommen ja auch noch all die Dinge, über die man nicht geredet hat, nicht weil sie verschwiegen wurden, aber weil wir nie genug Zeit haben.

Genauso magst auch du dich danach vielleicht eine Weile zurückziehen, mit dir alleine sein, vielleicht im Nachklang der erfreulichen Begegnung auch gleich einen Brief noch an deinen Freund schreiben. Denn gerade haben wir zusammen gesessen, auch dir fallen noch so viele Dinge ein und vor allem bist du jetzt noch in diesem Gefühl und schreibst ihm noch ein paar Zeilen hinterher, brieflich winkend, sich bald schon wiedersehend.

Ich rate dir, tu es nicht, schreibe keinen Brief an diesen Freund, wenn er dir zweitens immer wieder bekannt gegeben hat, er sei ein Schreiber und wenn du erstens nicht auch einer bist. Denn dieser Brief, mitten aus dem Leben, den du ihm noch hinterherschickst, mitten aus dem Leben, den versteht er als einen sehnlichen Wunsch von dir, von nun an Teil seiner Schreibewelt sein zu wollen. Eine Aufforderung zum Tanz sozusagen, allerdings auf dem langweiligen Papier, und mit dem Tanzen ist es für ihn genauso wie mit dem Eis essen ein paar Zeilen weiter oben. Dann nämlich greift er den Brief sofort auf und zieht jeden Satz von dir, mitten aus dem Leben, hinein in seine Schreibewelt. Schreibt dir, doch redet doch nur von sich dabei.

ich wage nicht, dich zu besuchen

das könnte dich zum wahnsinn treiben

so will ich wenigstens versuchen

dir einen tollen brief zu schreiben

der brief beinhaltet so vieles

zu dem einem die worte fehlen

verfasst im Sinne eines Stiles

den mancher einer würd verhehlen

es geht darin um religion

um politik und destruktion

um matriarch und patriarch

und um ein fröhlich wechselspiel

und irgendwann wirds halt zuviel

wir wissen auch von den gelehrten

daß manche dinge sich bewährten

das richtige blieb stets erhalten

das falsche mußte bald veralten

so sagen sie, doch stimmt das nicht

die kostenbedingungen sind teilnahmslos

 


Vergleichsentwurf
unveränderte Urfassung

Werbeanzeigen