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Eigentlich wollte ich mich ja mit diesem ganzen politischen Getöse, Gehabe, Getue, Geschrammel, Geschwafel, Getuschel und Gemunkel nicht mehr allzu viel beschäftigen, durchwurmt es mir doch letztlich nur meinen im Grunde recht wohlgemüt‘ geformten Geist.

Vor allem ist es das ewig gleichlautende politische Gerede, das mir trotz verschiedenster Aussagen und Inhalte so leid geworden ist, als wäre ich von mehreren ausgeleierten Ohrwürmern zugleich befallen worden, die nur gekommen sind, um mir meinen Geist in gleicher Weise auszuleiern.

Zwar wird dieses Gerede stets von einem fortwährenden hintertürigen Gemunkel begleitet, das beim genaueren Hinhören eine gewisse Faszination ausüben könnte, doch klingt mir auch das mittlerweile nur noch wie ein Gebrumme und Gesumme von einem Schwarm Schmeissfliegen, von dem man gar nicht mehr wissen will, wo genau er schon wieder herkommt, was genau ihm schon wieder anhaftet und wohin genau er schon wieder beabsichtigt zu landen.

Letztlich deutet sowieso alles wieder nur auf das bloße Vorhandensein eines großen Haufens Kot hin und irgendwann interessiert einen der ganze Mist nicht mehr. Wenn man sich näher damit auseinandersetzt, stinkt es einem irgendwann und wenn man sich aus der Ferne damit beschäftigt, stinkt es immer noch bis zum Himmel – dieses ganze angebliche politische Wohlgetue im angeblichen Namen des Volkes.

Ganz besonders unflätig riecht und klingt es vor allem immer dann, wenn ein gewisser Teil der politischen Obrigkeit mal wieder versucht, sich in vorgeblicher Vertretung des Volkes um die Angelegenheiten im Internet zu kümmern und hierbei völlig mißtönige Wortschöpfungen in die Luft abläßt, wie zum Beispiel die vermeintlich salbungsvoll lautende Wortkreation ‚Jugendmedienschutz-Staatsvertrag‘.

Beschaut man sich nur einmal die Umsetzung, beziehungsweise das hierzulande angewandte „Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung„, das letztlich wohl mehr zu Spionagezwecken gegen das allgemeine Volk eingesetzt werden dürfte, als daß es jemals der Verbrechensbekämpfung gedient hätte – oder beschaut man sich einmal das „Zugangserschwerungsgesetz“, das wohl keinem Menschen jemals aktuellen Schutz oder wenigstens nachträgliche Gerechtigkeit verschaffen konnte – und beschaut man sich hinzu noch das sogenannteLeistungsschutzrechtbzw.Leistungsschutzgesetz„, das letztlich nur wieder gewisse freiheitsliebende Geistesgrößen entweder eingrenzen oder ausgrenzen wird – so kann ein derartiger Beschluss, wie eben der „Jugendmedienschutz-Staatsvertrag“ dermalen wohl nichts Gutes für die Allgemeinheit bedeuten.

Bekanntlicherweise sollte im Rahmen dieses Jugendmedienschutz-Staatsvertrages anfangs allen Blog- und Webseitenbetreibern anbefohlen werden, ihre Inhalte mit einer angemessenen Altersfreigabe zu kennzeichnen und dafür zu sorgen, ihre Meinungsfreiheit in Wort, Bild und Ton bitte nur noch zwischen 23 Uhr und 6 Uhr früh auszuüben. Dies natürlich nur, falls darunter jugendgefährdende Inhalte zu finden wären, denn zwischen 23 und 6 Uhr, da liegen alle Jugendlichen längst im Bett, weil sie morgen früh zur Schule gehen müssen.

Doch während im Rahmen dieses Jugendmedienschutzvertrages gleichlautend mit zweifelhaften Sperrverfügungen gedroht wurde, die zudem einen kaum zu bewältigenden technischen Aufwand für die jeweiligen Kontrollinstanzen mit sich gebracht hätten, wurde die vollständige Umsetzung des Vertrages einstweilen vertagt. Und zwar bis auf den Tag, an dem irgendjemandem zur Ergänzung des Vertrages ein Plan B einfallen sollte – schließlich besteht ja weiterhin die Gefahr, daß sich die Jugend von heutzutage ebenso unkontrolliert fortbilden könnte – also ebenso unkontrolliert wie das Internet.

Daher ist besagter Plan B nun auch endlich auf der Tagesordnung erschienen: Getragen von der umwerfenden Vorstellung eines „Systems der regulierten Selbstregulierung“, soll hierzu jeder Blogbetreiber seinen Blog fortan mit einem dicken B kennzeichnen – und zwar bitte genauso reguliert, wie es dem Selbstregulierer vonseiten der Oberregulierer vorgeschrieben wurde. Das dicke B, daß dann auf allen Blogs prangern soll, gilt hierbei in erster Linie als Kennzeichnung, die darauf hinweist, daß es sich bei dem Blog nämlich um was handelt? Genau: Um einen Blog!

Unbestätigten Gerichten zufolge könnte das dicke B allerdings auch darauf hinweisen, daß es für Bildung steht und Bildung, tja, das könnte natürlich alles mögliche bedeuten; Frühbildung, pädagogische Bildung, Berufsbildung, politische Bildung, kulturelle Bildung, Gruppenbildung, Bewußtseinsbildung oder was Herz und Verstand sonst noch so an Einbildungen, Ausbildungen und Abbildungen begehren könnten.

Bedenkt man nämlich den ungünstigen Umstand, daß die Medienkonsumenten von heutzutage drohen, sich zunehmend außerhalb staatlicher Einflußnahme weiter zu bilden, so ist die Aufstellung eines derartigen Jugendmedien-Schmutz-Dibumms äußerst notwendig – schließlich wächst hier die nächste Generation heran, die neben der allgegenwärtigen Desinformation der großen Print- und Fernsehmedien auch mal etwas Lehrreiches, Aufschlußreiches oder Sinnvolles vermittelt bekommen möchte.

Und selbst wenn die Medienkonsumenten im Internet nicht immer etwas Lehrreiches bis Sinnvolles lernen, so entfliehen sie durch das Aufsuchen von alternativen Medienangeboten dem Einfluß der staatsdienenden Medien und den Gehirnwäsche- und Bügelprogrammen unserer staatlichen Sondierungs-System-Schulen. Da muß Papi Staat natürlich sofort profilierte Lacktische äh prophylaktische Maßnahmen aufstellen und seinen Kinderlein den Zugang zum freien Internet möglichst mies machen. Ansonsten würde allein schon der Schulzwang keinen Sinn mehr machen, wo das ganze Übel ja im Grunde angefangen hat.

Doch vielleicht sollte man die Idee eines Staatsvertrages, der die Jugend vor gewissen Medieninhalten schützen soll, auch nicht allzu verschwörungstheoretisch berurteilen. In Anbetracht aller derzeitigen Desinformationsstrategien, Volksverdummungsmaßnahmen und der beständigen Verbreitung übeltätiger Medieninhalte vonseiten der Staats- und Konzernmedien, wäre schließlich nichts erforderlicher, als die Jugend oder überhaupt den Medienkonsumenten vor genau diesen schädigenden Einflussnahmen zu bewahren. Zunächst wäre allerdings eine grundlegende Therapie des mittlerweile vollkommen geisteskranken Mediums notwendig, das möchte ich gerne noch einmal betonen.

Ein weiterer Grund für oben genannte Maßnahmen zum Schutze der Jugend mag gewiss auch der weitere Ausbau eines gutgelaunten Überwachungsstaates sein. Zumindest ließe sich dieses Vorhaben erahnen, gibt es doch immer wieder Stimmen, die am liebsten eine Ausweispflicht zum Betreten des Internets einführen würden. Das hatte zum Beispiel jener CDU Abgeheftete Abgeordnete bereits angedeutet, als er seinerzeit ein Vermummungsverbot im Internet forderte und ihm hierbei im gleichen Atemzug das Wort „Personalausweis“ ausrutschte.

Der übergeordnete Grund für all diese Maßnahmen ist natürlich einfach nur die Angst vor der Wahrheit.

Von der Wahrheit wird künftig nämlich noch so einiges zu hören sein und da schlottern unseren Lügenbolden und Nebelmeistern natürlich schon länger mächtig die Knie. Wahrheit ist zwar relativ, wahrscheinlich ist sie sogar relativ relativ, doch heutzutage würde es der Wahrheit ja schon zur eigenen Erquickung absolut genügen, wenn wenigstens erstmal die Lügen aufgedeckt werden – denn wen interessiert letztlich schon die absolute Wahrheit…

Die Wahrheit ist wie ein kleines Kind, das mit den Wahrheitssuchenden manchmal Händchen haltend spazieren geht; es kann ein bißchen anstrengend sein, denn gerne ist es auch frech, doch immer ist es aufgeschlossen und beobachtet neugierig die Welt. Für andere wiederum ist es nur ein ungezogenes Kind und sie möchten es am liebsten mit einem „Koch“löffel ins Erziehungslager treiben.

Ein Teil der Wahrheit kam natürlich erst durch das Internet so langsam auf die Beine, krabbelte lange Zeit über den Boden der Tatsachen und wühlte ganz viel im Dreck -, um sich aber bald zu erheben. Man erwartet, daß sie, nachdem sie sich gewaschen hat, irgendwann sogar selbstständig laufen lernt, um schließlich aufrecht zu gehen – und dann, wenn sie nicht mehr aufzuhalten ist, werden ihr gewiss auch die Mitläufer folgen.

Währenddessen ist der Ruf nach einer Altersfreigabe von blogs und Internetseiten, die an keiner Stelle juristisch definierbare jugendgefährdende Inhalte verbreiten, ein Feldzug gegen das (ohnehin schon spärlich gesäte) Freidenkertum, denn was wird man dem blog-Betreiber künftig als jugendgefährdend auslegen können, wenn er für jeden Artikel prüfen muß, nach welchen Klassifizierungsstufen er dieses oder jenes Wort einzuorden und auszuweisen hat? Hier würden übrigens nicht nur politisch orientierte blogs betroffen sein, sondern alle – und das ist eine Kriegserklärung gegen die Kultur, oder sagen wir, gegen den Geist Deutschlands.

Da dies also eine bedenkliche Entwicklung ist, soll dies wieder nur einmal ein Widerwort darstellen – dabei sollte es doch längst an der Zeit sein, dem Widerwillen den Rücken zu kehren und stattdessen endlich frohen Mutes die schönen, geistreichen und sinnvollen Dinge des Lebens zu befürworten.

Die Zeit und der Raum für neue Perspektiven ist bestimmt schon längst da, das erkennt man daran, daß uns der immergleiche Unfug in immer kürzeren Abständen und immer wahnwitzigeren Ausmaßen aufgetischt wird.


links zum JMSTV:

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/12/01/warum-blogger-gelassen-bleiben-konnen/

https://netzpolitik.org/2012/neue-cdu-idee-b-fur-blogs/

verwandter B- Artikel:

https://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2010/11/22/fur-ein-verdummungsverbot-im-internet/