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Hinweis: Dieser Text ist der 1. Teil des Abschlußreigens. Lesen Sie doch auch nicht den Abschlussreigen 2: Wer ist in meinem Fall schon ich – eine Abhandlung, 24.11.2012
Dem zugehörig: Vorläufernotizen – zu den Abschlussreigen Teil 1 und Teil 2 (2012) 2011#
Herstellungszeit zw März 2010 – Februar 2012
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Briefnotizen März 2010 – Februar 2012, nach Datum sortiert, nach unten aufsteigend (andere Beschreibung für absteigend)

11. März 2010

Ich befinde mich auf der Erde. Aber eben mitunter schreibend…

Ich bin unterwegs im Geiste, wenn ich schreibe, wie jeder, aber die Wirklichkeit des aktuellen Geschehens der (näheren Um)Welt ist dabei weitestgehend ausgeblendet, wenngleich auch nicht immer, und auch wenn ich diese Wirklichkeit der Welt nicht als einzige Wirklichkeit betrachte. Doch bin ich eigentlich nicht im Geiste unterwegs, sondern lediglich im Gehirn, denke ich.

Ich habe mal geschrieben, Schreiben wäre keine Kunst, bzw. Schreiben gehöre nicht zu den Künsten. Eigentlich habe ich aber nur im Anflug innerer Zustimmung dem alten Pessoa was nachgeplappert. Ich bin mir also selber noch nicht darüber einig. Eher sage ich: Schreiben ist im Gegenteil Recht behalten.

Wir

Denn wir befinden uns im Gegenteil, wenn wir schreiben. Vielleicht im Gegenteil des Lebens. Möglicher und weise ist Schreiben die einzige wahre Kunst unter den Künsten. Wiederum ist eigentlich alles Kunst. Wie jede Kunst ist es aber erst eine Kunst durch das Auge des Betrachters.

Man

Doch was ist es, wenn man als Schreiber das lesende Auge des Betrachters in erster Linie gar nicht im Sinn hat? Und wenn man es zutiefst unterbewußt doch irgendwo im Sinn hat, wie alles Veräußerte in unserem Spiegelleben, was ist dann die Absicht, die man hat, sobald man das Geschriebene lesbar macht?

Wenn man es verantwortungsvoll unternimmt, muß im geschriebenen Wort eine Wahrheit sein, wenigstens eine, die man für sich selbst so erfahren hat. Und beim Schreiben ist das eigentlich immer so, außer beim Zeitungen schreiben heutzutage. Unternimmt man das im Zustand, sich dieser Wahrheit hingeben zu wollen, dann denkt man irgendwann nicht mehr darüber nach, ob es schon oder noch Kunst ist, denn zunehmend ist da Nichts. Ich denke beim Schreiben ist das so. Man hat nichts anderes zur Verfügung als die Sprache, wenigstens keine Ausweichmöglichkeiten darüberhinaus. Der Weg zu einer Erkenntnis (um nicht wieder „Wahrheit“ zu sagen) führt durchaus auch über die Kunst, doch hinter der Erkenntnis ist Nichts oder nichts, das man noch in Worte fassen kann, (Kunst kommt von können) und wer davon sprachlich in die Nähe kommt, hat längst die Kunst als solche verworfen. Oder er bleibt bei der Kunst und spielt damit, in ausgeschmückter Dichtkunst, wie Gedichte und Romane – das ist leb-hafte Kunst. Ein Leben in künstlicher Haft.

Die Erkenntnis kommt jedoch über einen anderen Weg, durch das Schreiben macht man sie sich nur bewußt/klar. Einer dieser Wege ist das direkte Leben, Hand in Hand mit seinen Realitäten…, der andere Weg ist das Loslassen von dieser Hand und das schwankende Wandeln und Torkeln oder auch rasante Vorpreschen entlang der künstlerischen Pfade.

Es geht in die Richtung der Kunst, wenn der Schreibende in einen Raum gelangt, der vielleicht gar nicht wirklich existiert, den man aber dennoch füllen kann.

Das ist Schreiben. Dieser Raum ist unendlich und es hängt dann von weiteren Dingen ab, wie weit man ihn beschreiben möchte. Es kann viel oder wenig sein, das ist nicht wichtig.

Das Werk ist dann vollendet (auch wenn es nicht fertig ist, was es sowieso nie ist), wenn man es dem Leser schickt. Mir fällt ein: Niemand tut etwas ohne Absicht. Selbst wenn sie ihm selbst nicht bewußt ist, oder erst im Nachhinein wird, eine Absicht steckte immer dahinter, sie kann im tiefsten Innern liegen, sie kann im Zweifelsfall auch ein wenig von auswärts angetrieben worden sein. Am Ende ist alles nur ein Austausch von Absichten.

So schleiche ich weiter um den Kern des Schreibens herum, wie um den heißen Brei, von dem wir aber nie vergessen dürfen, daß wir es tun, weil er verlockend ist. –

Ist schreiben nicht Selbstlosigkeit? Oder ist Schreiben nur Selbstbezogenheit?

Pessoa

Zunächst muß man anerkennen, Pessoa hat die Gemüter erregt, auf gegensätzliche Weise. DAS finde ich interessant. Was ist aber dran, an der ganzen Sache Buch der Unruhe? Ist es etwa Provokation? Das wäre zu einfach, finde ich. Zu einfach zu behaupten, denn das hätte man einfacher haben können. Man darf nicht vergessen, daß er zwar hin und wieder von einem Buch der Unruhe sprach, dieses aber so nie geschrieben hat, sondern ist es posthuman aus Textfragmenten entstanden, die er über 20(?) Jahre schrieb und in eine Kiste legte. Sie waren nur zum Teil mit Datum oder Überschriften versehen und zum Teil auch schwer zu entziffern, also handschriftlich verfasst. Im Grunde ist das Buch also unvollendet, bzw. nicht vollständig. Wie das Leben, wie das Schreiben, wie die Suche nach einer Erkenntnis.

Aus einer bestimmten Sichtweise sind diese „Empfindungen von Gedanken und Gedanken von Empfindungen“ nämlich konsequent zu Ende gedacht. Und auch konsequent zu Ende empfunden. Aus einer anderen Sichtweise sind sie nicht schlüssig, ergeben zuletzt keinen Sinn, oder sind wenigstens widersprüchlich oder wirken im Widerklang depressiv verstimmt, gar destruktiv.

Man sollte vielleicht nicht nur fragen „was ist Kunst oder Literatur“, sondern „was ist Schreiben?“ Denn das ist ja vorher. Da passiert so vieles. So auch im Buch der Unruhe. Nur ist es bei ihm umgekehrt und er hat sich von der einen wirklichen Welt viel weiter entfernt, während er in der anderen, im Geschriebenen, existiert.

Hier durchlebt er alles. Aus dieser Perspektive heraus spricht er. Beim Leser der Texte ist es dann weiterhin umgekehrt. In einem Roman geht er mit durch die Handlung, doch bei diesen Texten kann er so nicht mitgehen, schon gar nicht, wenn er nicht selber schreibt. Auch wenn er im Augenblick des Lesens nahe bei dem geschriebenen Wort ist, steht der Leser weiter so fest in unserer Wirklichkeit, wie er sich selbst in dieser als Person wahrnimmt. Er liest aber von einem, der nur noch die Buchstaben ist, die er schreibt. Er liest es ebenfalls durch eine Glasscheibe. Selbst wenn er ihn in Gedanken begleitet, es gibt kein Geländer, an das sich der Leser festhalten kann, denn: Pessoa hat kein Geländer aufgestellt.

Er benötigt es auch nicht mehr.

Pessoa, oder der Schreiber, hat sich aus der Wirklichkeit heraus in diese Texte hinein geschrieben und kann sich von dort aus der Welt nur noch aus dieser Perspektive nähern. Er schreibt jedoch keinen Roman und keine Dichtung (im Buch der Unruhe jedenfalls nicht), also keine für sich dastehende literarisch ausgeschmückte Parallelwelt, in der ein Leser geistige Urlaube oder Abenteuer erleben kann, sondern beschreibt er lediglich ein Spannungsfeld. So etwas wie einen Halbleiter, diese spiralförmigen Dinger an Strommästen, die zwischen beiden Auslegungen der Wirklichkeit hängen und vibrieren. Hier kommt der Strom mal aus der einen Richtung, mal aus der anderen, daher auch die Unruhe, die davon ausgeht… Wer sich zu nahe daran begibt, der kann sich auch daran verbrennen. Er, als derjenige, der in diesen Halbleiter eingewickelt ist, kann, je nachdem wieviel Strom zwischen beiden Wirklichkeiten fließt, nur heiß oder kalt sein. Wenn er heiß ist, glüht der Draht und wenn er kühl ist, schlägt die Unruhe in eine Ruhe über, die wie ein Stillstand wirkt oder wie ein leerer Metalldraht leblos in der Luft hängt.

So wirkt es hin und wieder auf mich und es ist auch noch mehr dahinter. Es läßt sich für mich nur nicht mit Worten beschreiben und selbst bei ihm ist es wohl beim Versuch geblieben. Man müßte die Holzkiste mal sehen. Sie ist etwa 2 Meter lang, einsfuffzig hoch und bis oben hin voll mit beschriebenem Papier. Eine riesen Kiste. Nichts darin hat er der Welt gezeigt.

Was er dort tut im Leben, er hat ja einen Job, geht ins Cafe, etc, das tut er zum reinen Lebenserhalt der eigenen Person, die er noch braucht, um im Schriftlichen die Türen zu finden, die unsereins nicht genügend Zeit und Willen hat, sie aufzusuchen. Hinter den Türen aber ist nichts, vermute ich, nur ein leerer Raum mit einer Falltür, und wer da einsteigen möchte, der gibt seine Person im Resultat vollständig auf.

Die meisten? Dichter wissen um diesen Raum und beschreiben ihn neu, richten ihn ein, kleiden ihn mit fantastischen Tapeten aus, auf denen auch viele Motive der wirklichen Welt eingearbeitet sind.
Sie gestalten diesen Raum für den Leser verlockend, vermeiden jedoch den möglichen Fall durch die Falltüre, sorgen aber dafür, daß das Ungewisse der Falltüre stets irgendwo lauert. So ist für ständige Spannung und Faszination gesorgt und der Leser macht in der Regel alles mit, sofern man ihm eine Perspektive gibt, mit der er umgehen kann. Auf solche Kunststücke verzichtet Pessoa im Buch der Unruhe. Er bemüht keine Bilder, noch nicht einmal abschreckende, wie lebensgroße Käfer, Verwandlungen oder abstrakte Prozesse. [Nachtrag: „Lebensgroße Käfer“?! Ob es so was wohl gibt? 🙂 ]
Dagegen ist nichts einzuwenden, doch es ist immer noch ein Geländer. Im Buch der Unruhe gibt es keine Geländer, an denen der Leser sich festhalten kann.

Im Grunde kann man sagen, vielleicht flüchtet er ins Schreiben, doch beim Schreiben flüchtet er nicht. Er analysiert sein Leben und damit auch das Schreiben, wie man es von dem Beispiel mit der Zwiebel kennt; während man sie ergründet, löst man sorgfältig eine Schicht nach der anderen ab und am Ende ist die ganze Zwiebel weg. Verständlich, daß man hierbei weinen muß. Hätte man sie doch nur in der Erde gelassen. Wo das Leben ist.

Ich weiß nicht wo das Leben ist, außer in der Natur, und da müsste man dann nackt sein. Beim Schreiben ist gar nichts nackt, alles nur verkleidet.

Das letzte Wort ist zwar nackt, doch es steht ein Kleiderschrank voller Gewänder in meiner Schreibkammer, die alle von meiner wortführenden Person noch gerne schriftlich aufgetragen werden wollen. Vielleicht ist mein Schreiben ja doch nur eine in Worte gewandte Kunst, mit der ich darüber hinweg täusche, nicht viel mehr als Nichts zu wissen, zu können und zu wollen. Hier sind die Existenzen Schatten oder auch Lichtschatten und längst natürlich keine echten Menschen. Sie können aber auch verhungern oder verwahrlosen oder verrohen.

In meinem Oberstübchen knallen die Türen, während ich schreibe. Auf und zu, auf und zu. Türen des Dichterwahns, Türen der Erkenntnis, Türen der Fehlkenntnis, Türen ins Nichts.
Käme nun aber ein echtes Kind, durch eine echte Tür, das in echt weint, weil es die Welt nicht mehr versteht, so würde ich wohl sagen: „Man weiß es nicht. Ich bemühe mich, literarisch zu bleiben.“
Je besser ich genau das dann tun wollte, und je verantwortungsvoller ich dann weiter mit meiner Arbeit umgehen wollte, desto schneller wäre dann wohl das Jugendamt da.

Ein literarisches Meisterwerk wäre entstanden und das Kind unbemerkt ins Heim verlegt worden.

Pessoa pp:

Im Buch der Unruhe demaskiert P nicht nur manches Verhalten der Leute, sondern auch die Zunft der Schreiber. Ich finde, das ist, was auch dahinter steckt. Es nicht zu veröffentlichen ist dann der konsequente Schritt seiner Verweigerung. Nach dem Motto: Für was, wenn du, Schreiber, doch angeblich kein Ego mehr hast?

Ich habe oft bei dem Buch der Unruhe empfunden, daß es eine Sackgasse ist. Was aber nicht heißt, daß es hier nicht weiter geht. Man muß nur das Gefährt stehen lassen und sich gegebenfalls durch Dornenbüsche zwängen. Ähnliche Sackgassen habe ich auch bei meinem Romanbuch empfunden. Nur bin ich dann meistens doch lieber wieder zurück gegangen. Deswegen ist es auch so lang geworden.

Schreiben geht auch immer an sein eigenes Selbst, denn da kommt es ja auch her und so schrieb ich bald Briefe, die ich nicht mehr abschickte. Ich denke, das ist, wie eine längere Reise, Teil eines Prozesses und als solchen will ich es nur verdeutlichen. Aber ich wiederhole mich. Wir wiederholen uns alle. Will mich jetzt gar nicht selbst erklären. Es steht ja alles geschrieben. Und natürlich gibt es Ähnlichkeiten zwischen dem Kind und dem Kind des Schriftstellers, Malers oder Bildhauers, das man hegt und pflegt, schmückt, erzieht, verzieht, zur Reife verhilft, in die Welt hinausläßt, der Welt und ihren Urteilen ausliefert, steuert, versteuert, unterbindet – oder anderweitig einbindet. Und sei es nur in Leinen. Nur ist das eine ein Lebewesen und das andere nicht.

– Wenn P schreibt, begibt er sich in seine eigene Nähe, nur da ist es warm, nur da ist noch Geborgenheit, selbst wenn die Worte und Erkenntnisse kühl klingen, nur während des Schreibens ist er ganz bei sich selbst, dem Kind, das keins mehr ist.

Er ist zudem ein bekennender Träumer. Er ist auch nicht vom Ganzen ausgeschlossen, wie es vielleicht wirkt, sondern ein Teil des Ganzen und sich seiner Einsamkeit darin bewußt, weder nur traurig, noch nur glücklich über diese Einsamkeit, die auch durch eine Zweisamkeit niemals aufgelöst wäre. Fühlte er sich vollständig erleuchtet, würde noch nicht einmal mehr schreiben, aber er weiß wohl auch, daß irgendetwas immer unerleuchtet bleibt.

PPp

Der Protagonist wird sich bewußt, daß er nur die Erfindung eines Schriftstellers ist. Das stellt alle Perspektiven auf den Kopf. Ein bißchen wie Paul Auster, wo dessen Papierheld plötzlich anfängt, das Leben des Autors, der über ihn schreibt, zu beinflussen. Doch bei mir wäre es eine Geschichte, ausufernd und nach allen Richtungen ausgeschmückt und, wenn es gelingt, oberfächlich genug zur Unterhaltung des Lesergeistes. Wenn man schon Romane liest, nur damit man in erster Linie von ihnen unterhalten wird, dann sollte wenigstens am Ende der Suche der Schuß nach hinten losgehen. Das Wort Unterhaltung meint übrigens nicht unten halten, wie manche Halbweise behaupten.

Stets bleibt das erste Empfinden als echt in der Erinnerung haften, alle weiteren ähnlichen Erfahrungen sind nur, ich sage mal: begrenzt zu ertragen.

Vor allem ist das erste Empfinden eines Gefühls oder ein erster tiefer Eindruck der Gefühle, immer schon eine Erinnerung. Eine genetische vielleicht, oder etwas, das weit zurückreicht in die Urzeit, als wir alle noch unter Hainen wandelnd unser Bewußtsein in Gott zu wissen hatten. Oder so ähnlich.

Jedenfalls führen literarische, künstlerische, spirituelle Erinnerungen, weitweit zurück. Gleichzeitig kenne ich dieses unerträgliche Gefühl, wenn gewisse Momente nicht mehr wiederholbar sind, denn selbst wenn man es einen Tag später noch einmal genau so erfährt, ist man selbst nicht mehr der selbe. Auch gehört das gerade dort Erlebte schon wieder unwiederbringlich der Vergangenheit an, sobald es erlebt wurde. So kommt man zwar von Eindruck zu Eindruck und kann sich „erfahren“ nennen, denn jede Erfahrung ist im Grunde neu, aber sie bleibt eben auch immer ähnlich. Um aus ihr zu schöpfen, als Schreiber zumindest, muß man den ersten unverfälschsten Eindruck nicht ständig im Leben ähnlich wiederholt haben.

Das hält einen ja auch vom Schreiben ab. So wie eben das Leben.

Ein Schriftsteller ist für dieses Leben aber nicht geschaffen. Oder er lernt, auf das großartige Schreiben stattdessen zu verzichten. Vielleicht ist es auch traurig, weil er daran nicht wirklich Teil hat, am Wachstum und der Vergänglichkeit. Denn, im Gegensatz zu Kindern, ist es komischerweise bei Bäumen nicht so traurig oder verstörend, wenn man sie erst jung sah und Jahre später hochgewachsen wiedertrifft.

– Dieser Hang zum Unvergänglichen und die sentimentale Neigung hinsichtlich vergänglicher Erlebnisse und Eindrücke ist ein Antrieb von Schreibern. Sie besingen im Grunde die Werte der guten alten Zeit, der Urzeit, als die Menschen noch heilige Menschen waren. Sie haben einen Draht in die urälteste Vergangenheit, vielleicht ist es auch eine ferne Zukunft, je nachdem, welcher Schreibstil einem eher liegt. Zu diesen Menschentypen solcher fernen Zeiten haben sie eine Verbindung. Und sie erinnern die heutigen Menschen daran. Oder sie spinnen nur und erhöhen diese Werte derart unerreichbar, wie andere sie erniedrigen und zu Geld machen.

P weiß, daß er gar nichts besitzt, doch aus der Distanz kann er alles ersinnen und auf diese Weise besitzen. Dennoch zweifelt er eher sich an, als die anderen.

Es ist etwas Wahres daran, wenn er schreibt:

„Freiheit ist die Möglichkeit zur Isolation. Du bist frei, wenn du dich von den Menschen fernhalten kannst und nichts dich zwingt, ihre Nähe zu suchen, weder Geld noch Herdentrieb, weder Liebe, Ruhm noch Neugier, die in Stille und Einsamkeit keine Nahrung finden können.“

Jemand ist natürlich genauso frei, oder gar freier, wenn er sich den Menschen nähern kannt und hier die Liebe findet. Man sollte sich nur vorher von den Erwartungen getrennt haben, das ist aber schwierig.

Weil es eine absolute Freiheit nie gibt. Zudem bemerke ich dieses Widersprüchliche in jeder Kunst. Auch in der Art zu leben, doch besonders in der Art Kunst zu machen. Ehrlich gesagt, ich traue in weiten Teilen beidem nicht, dieser heutigen Art zu leben, und dieser heutigen Art Kunst zu machen, jedenfalls nicht hinsichtlich dessen, was der Mensch aus beidem gemacht hat. (Liebe ist nicht das, was wir davon denken)

Selbstverständlich kann man die schönen Momente einer Hochzeit nicht alleine empfinden und den schönsten Moment – wie viele sagen – das eigene Kind zum ersten Mal auf dem Arm zu haben, den kann man auch nie alleine erleben. Das kann zwar gegebenenfalls eine bittere Erkenntnis sein oder eine bedauerliche, denn hierbei kann man nur zuschauen, doch zu sagen, die schönsten Momente im Leben könne man nur mit anderen Menschen erleben, finde ich eine leere Behauptung. Die schönsten Momente im Leben können durchaus auch alleine erfahren werden, sie sind nur nicht unbedingt für jeden gleich schön.

Zufriedene jahrelang ununterbrochene Einsamkeit mit sich zum Beispiel oder mit Gott Sonntags durch den Wald spazieren oder ähnliche einsame Freizeitaktivitäten. Am Anfang waren wir doch alle nur ein- Same.

Genausowenig sollte man sich natürlich nicht anmaßen, nur im Alleinsein könnte man zu dieser oder jener Erkenntnis kommen oder die schönsten Momente erfahren. Beides ist möglich, beides scheitert nur an der eigenen Fehlkenntnis, zu der es gekommen ist, da man den jeweiligen Weg nicht bewußt gegangen ist.

Es klingt für mich immer wie eine händeringende Selbstverteidigung, was die Leute einem vorhalten, wenn sie entdecken, daß man schon länger für sich alleine lebt und vor ihnen dann auch noch die Frechheit hat, zu behaupten, man sei damit überwiegend glücklich und zwar dies schon ab circa der dritten Woche der ganzen einsamen Veranstaltung, die seither über Jahre fröhlich fortdauert. Schon mit dem Blick unterstellen sie einem dann, man würde sich nur etwas einreden, wenn man sagt, man sei glücklich oder zufrieden im Alleinsein, und vermuten Unzufriedenheit, denn nur zweisam knne man zufrieden, gar glücklich sein, was sie sich aber eigentlich selber nur einreden. Manche reden sich dies über den Guckkasten eines Partners ein. Meine bessere Hälfte.
Du Feigling.

Auch entsteht Leben in der Verbindung mehrerer Seelen, nicht nur zweier, die sich die Vorzüge ihres Egos widerspiegeln. Ein Mönch, oder eine Nonne, können ebenfalls das Leben fördern. Zum Beispiel durch Bienenzucht. Es müssen ja nicht alle Menschen Bienen züchten.

12. März 2010

Nun muß ich mich erstmal einfinden. Wenn man gerade noch nicht genau weiß wie, fängt man am besten wohl oben an, denn alles Gute kommt ja von oben.

Ich weiß nicht, wie zum Beispiel in Büchern genau zitiert werden muß, womit ich die Angabe der Quelle meine und die Fußnoten am Ende der Seite oder hinten im Anhang. So was macht mich mürbe. Gänsefüßchen setzen glaube ich aber richtig zu machen. Hierbei weiß ich wenigstens, wo man das Komma setzt, was ich sonst nicht immer weiß. Man muß auch nicht immer Doppelpunkte setzen, sondern kann, einen Teilsatz „auch so zitieren, daß er Teil eines eigenen Satzes ist.“

So sagte der Schreiber, als er schrieb, wie man etwas zitiert. „Denn am liebsten zitiere ich mich selbst“, lachte er selbstgefällig, stolperte über die eigenen Worte und schrie: „So ein Mist!“.

Verstimmt

Vielleicht ist es beunruhigend, daß ich derzeit so hypersensibel auf alles Hörbare reagiere, was aus Mündern kommt, was ja hauptsächlich Sprache ist, bezeihungsweise Gelaber. Es gibt Tage, da kann ich allerhöchstens Musik, bzw. Gesang ertragen und auch der nervt mich schon. Irgendetwas ist mit den Stimmen passiert, dachte ich, oder mit meinen Ohren, oder beides im Zusammenstoß der Sinne, die zueinander nicht mehr die Harmonie haben, daß man sich gegenseitig ertragen könnte. Andererseits stören mich andere Stimmen überhaupt nicht, also auch menschliche nicht und es hat oftmals nichts mit meiner eigenen Verfassung zu tun.

Ich finde Münder reden ohnehin zuviel. Auch glaube ich, daß sich die Musik wandeln wird und man irgendwann nicht mehr Sprache singt, also keine Texte mehr singt, sondern anderes. Vielleicht wird deswegen soviel Rap und Hiphop gemacht, der ganze Mist muß ja erstmal raus. Mancher Mist kommt lediglich aus deren Innern, doch wird auch mancher äußere Mist über das Innere behandelt und in Energie umgewandelt, so daß ich tatsächlich nicht jeden Sprechgesang schlecht finde.

Ich bin altmodisch im Grunde meines Herzens sehr. Vertraue auf die Zeit, doch Uhren traue ich nicht. ..

Ich denke auch, daß man von Anbeginn Kunst macht, dieses aber selten gefördert wird. Schließlich hat jeder Talente und bringt Eigenschaften mit, die sie nicht unbedingt immer nur von den Eltern entweder geerbt haben oder mit der Zeit aufgezwungen bekommen – sondern haben sie diese Eigenschaften schon vorher, da die Kinder eben den Eltern nicht gehören. Die haben doch auch die Aufgabe, auf das Kind einzugehen, also ist der Bezug zu ihnen, den sie eigentlich geschenkt bekommen haben, die Aufforderung dazu, sie darin zu fördern, was sie wollen. Denn sie wollen ja lernen und sich erfahren und nicht nur Schokolade essen und Fernsehen schauen. Das wollen sie zwar auch sehr häufig, natürlich, aber ich denke, daß sie von Geburt an viel mehr im Sinn haben.

Es ist schon alles Kunst und vieles ein Scheitern daran, weil man es nicht gelernt hat, da weiter zu machen, wo man ursprünglich hergekommen ist:

Aus dem Bauch heraus.

Und ein Gutteil von ganz weit oben natürlich, wo die Sterne sind.

Ich möchte dahin zurück, wo es noch nicht sinn- und zweckentfremdet wurde. Auch weil ich sehe, daß hinter dieser Entfremdung, die soviele Wesen einfach mitmachen – ohne ihr etwas mehr Bewußtsein entgegenzusetzen – daß dahinter eine Methode steckt und zwar eine, die von anderen Lebewesen herbeigeführt wurde und ausgeweitet wird.

Ob diese Themen, gesellschaftspolitisch gesehen, von meinem Alter Ego (meinem alten Ego) behandelt werden und diese Schriften allgemein als die gefürchtetsten Reden aufgefasst werden, die jemals geschrieben wurden…, äh.. ja bitte? Ich höre? Nein, stellen Sie bitte nicht durch, ich befinde mich gerade in einem Brief …, nein.. das geht jetzt nicht, ich kann Monsieur gerade nicht empfangen, ja, ja, einen neuen Termin … ja, ist gut, auf Wiederhören.

Wir haben die Freiheit uns ohne Schranken nackt scannen zu lassen, weil man so gerne sehen möchte, wie die Seele frohlockend hin und her baumelt. Manchmal glaube ich wirklich, das ist alles satanische Methode, daß sie immer da ihre Knüppel hinwerfen, wo es am meisten weh tut, ohne daß es aber den meisten bewußt ist. Vielleicht ist es auch nur das Resultat all der Ängste und keine Methode von fernen Übermächten, außer eben der Angst, für die jeder die Verantwortung trägt.

Deswegen soll man den Kindern ja auch keine Angst einjagen, bzw. einreden, sonst gibt’s was mit dem Kochlöffel. Stress ist zudem die Flamme der ganzen Teufelsküche und auch da frage ich mich, wer sitzt am Regler?


Spiel mir das Lied vom Kind

Manchmal fühle ich mich schlicht machtlos und dann mache ich auch nichts. Laß es einfach geschehen und tu selber nichts. Bei mir ist es oft so, daß ich die Zeit, die ich habe, nicht wirklich für intensives Schreiben nutze. Ich warte eher, bis ich wirklich Lust/Inspiration habe, zu schreiben, was aber nicht heißt, daß mir dann etwas einfällt und so verrinnt auch meine Zeit – nur anders. Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich sonst machen soll, da ich für anderes noch viel weniger Lust habe und vielen Pflichten von vornherein nicht zugesagt habe oder zusagen möchte.

Ich habe keine Kraft und keine Struktur. Manchmal könnte ich auch nur da sitzen und mich an der Struktur einer Strukturtapete ergötzen, statt zu Schreiben und denke oft, daß es ungefähr denselben Effekt hätte. Vielleicht nur den, daß da etwas ist, das man sich ansehen kann. Ich glaube, ich sollte meinen Texten die Überschrift „Texttapeten“ geben. Das ist wohl die automatisch von mir umgewandelte Version von Pessoas „Gott hat aus meiner Seele etwas Dekoratives gemacht“.

Das mit dem Tapeten ansehen habe ich zum Beispiel als Kind schon gerne gemacht. Im Bett gelegen und aus relativer Nähe gegen die Tapete geschaut. Nicht aber gestarrt, sondern eher wie ein Feldforscher. Es war für mich eine Winterlandschaft von oben mit Schneehügeln und Eisbergen und dazwischen gingen Leute und Tiere und erlebten irgendetwas. Ein paar der Hügel habe ich auch abgeknibbelt.

Illusion

Möglicherweise ist es widernatürlich und es ist besser, man verliert und findet sich in den Augen anderer Menschen als in der eigenen gegenüberstehenden Illusion des Selbst.

Anscheinend gibt es aber Unterschiede bei der Herangehensweise. Ich habe es nämlich seinerzeit Nase an Nase getan, also die Nasenspitze an den Spiegel gedrückt, so daß man nichts anderes sieht, als die Augen an sich. (An wem auch sonst?) Damit vermeidet man es auch, die Augenränder, Falten und ähnliche Äußerlichkeiten mit Schreck oder Eitelkeit zu entdecken. Denn das ist ja nicht Sinn der Übung, wenn es überhaupt eine Übung ist, sondern geht es mehr um die Pupillle und Iris, das heißt, wenn man sich das Augen-Umfeld anschaut, lenkt man sich ja doch wieder ab und schaut sich eben nicht wirklich in die Augen.

Doch mehr als das, was man in den Augen sieht, gefällt mir alleine die Idee, beziehungsweise das Widersinnige darin. Man sieht die Augen, die wissen, daß man sich in die Augen sieht, die wissen, daß man sich in die Augen sieht, die wissen, daß sie wissen, daß sie sich in die Augen sehen und so weiter. Daher ist es wahrscheinlich auch nicht ein ganz falscher Eindruck, nur eine Leere zu sehen, bei der nicht viel mehr herumkommt als eine mehrfach gespiegelte Ansicht, die sich in der Sinnlosigkeit verliert. Hinzu kommt komischerweise die Erkenntnis, daß man sogar sich selbst ohne ein Vorurteil niemals in die Augen sehen kann. Erstaunlich.

Spiegel sind jedoch auch spiritistische Mittel und so kann es natürlich auch abschrecken oder Erkenntnisse hervorbringen oder ermüden oder nur eine abgedrehte Form von Meditation sein.

Es reicht ja, nach Innen zu lauschen und vielleicht ist es auch viel authentischer, was der Atem sagt, wer es überhaupt ist, der atmet und so weiter. Man ist dabei wohl auch näher bei sich, als man über den Spiegel je dahin gelangen könnte.

Ich erinnere mich imer an die Empfindung, nicht aber an den Verlauf der Begebenheit.

Seltsamer Typ eines Typisten.

Wenn es keine Urkunden darüber gibt, weiß ich nie, was genau in welchem Jahr war und auch nicht,in welcher Reihenfolge. Ich erinnere mich weitestgehend nur an Gefühle und Gerüche, doch an Dialoge überhaupt nicht. Erst jetzt fange ich damit an, das heißt, die letzten Jahre ist es besser geworden, weil ich bewußt versuche, mir diese Dinge einfach mal zu merken. So intensiv ich auch das meiste miterlebte und empfand, ich erinnere mich nur an wenig, während die Essenz der Erfahrung aller Erlebnisse aber deutlich geblieben ist.

Es ist, als ob ich durchweg traumatisiert wäre, aber im positiven Sinne;

Es sei denn das ganze Leben ist nur ein Traum, aus dem wir nur ab und zu aufwachen.

Wahrscheinlich ist es so. Zumindest wäre das eine Realität, mit der ich gut zurecht käme. Wer braucht für so einen Kram schon einen Psychologen.

Kommun

Twittern und dergl. ist überhaupt nichts für mich. Habe es nicht so mit Kommunikation im Schnellverfahren. Kommunikation… Auch wieder so ein Thema… Selbst Gespräche mit mehr als insgesamt zwei Beteiligten empfinde ich ja schon als äußert mühsam. Denn das sind zumeist, wie gesagt, Selbstgespräche, eben zu Dritt +mehr. Und Diskussionen finde ich überflüssig, ich beteilige mich in der Regel daran nicht, weil mir das meiste sowieso schon klar ist – das allerdings wird nie debattiert – und das andere meiste interessiert mich überhaupt nicht, denn es sind nur Vorwände. Hört sich arrogant an, aber ich wollte sagen, bei Gruppenaktionen interessieren mich nur die Wände und das dahinter, nicht die Themen, die darauf stehen. Außerdem gerate ich als teilhabender Teil eines zahlreich gedeckten Kaffeetisches dauernd in kontrakommunikative Dingsbumms.


17. März 2010

Sind eigentlich alle Kinder schlau? Einige sind wohl verdummbeutelt, aber wenn man mal eine Ruhephase mit ihnen hat und eine gesunde Vertrautheit sich entwickelt hat, dann müßte man doch merken, daß sie eigentlich schlau sind.
Genauso lachen und spielen und albern wie die Kinder, das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert. Nicht mit anderen zusammen. Alleine geht das hin und wieder, obwohl das nicht so ist, wie mit Gleichaltrigen rumalbern. Aber in meinem Alter mit Gleichaltrigen rumalbern finde ich total albern. Beziehungsweise bringt es mich kaum so zum Lachen, wie damals die Albernheiten als Kind, denn irgendwie war das echter. Stattdessen lache ich manchmal eher, wenn ich alleine bin. Aber das ist was anderes. Man ist insgesamt schon ernst geworden irgendwie und wenn hier jetzt mit „man“ ich gemeint sein soll, dann fühle ich mich schon auch irgendwie angesprochen.
Ich habe gerne alleine gespielt. Draußen spielte ich zwar natürlich viel mit anderen Kindern, aber Drinnen, immer alleine. Oder wenn einer zufällig dabei war, dann habe ich ihn gar nicht wahrgenommen. Sonst, draußen, war ich schon auch fähig im Teamgeist die Bösen zu jagen oder Schätze zu finden. Aber Drinnen nicht, da hat meistens keiner mitgemischt.
Eigenartig. Draußen war ich schon immer etwas anders als drinnen. Der Film Spiel mir das Lied vom Tod ist mein Lieblingsfilm seit meinem 12 Lebensjahr. Fragt mich bloß nicht wieso.


29. März 2010

Musik und Schrift stehen im Austausch, beides kann sich gegenseitig inspirieren oder kann auch das eine sich erst durch das andere ergeben, muß es aber nicht. Ich glaube auch, daß „gegenseitige“ Künstler eher durch die Entfernung im Austausch sind, wenn sie ihre Kunst machen wollen. Alle beziehen ihren Stoff natürlich über die verschiedensten Kanäle, im nahen, wie im weiten Umfeld, und arbeiten auch direkt zusammen, doch die Schreibenden schreiben allein und lesen die Klänge auch allein, während sie ihre Noten schreiben. Musiker können dies auch im direkten Zusammenspiel mit anderen Musikern.
Es gibt natürlich tausend Macharten, auf die man nicht alle eingehen kann, aber Schrift und Musik gibt sich immer etwas, sie existieren zusammen und können auch getrennt voneinander existieren, ohne sie direkt miteinander teilen zu müssen. Wichtig ist nur, daß es beides nach außen weht und die Fenster ab und zu geöffnet werden.

Bilderbuch

Mir ist bewußt, daß meine Schrift eine gewisse Qualität hat, auch eine, die durch äußere Kriterien bestimmt werden könnte. Doch muß ich auch sagen, meine Schreibe besteht oftmals aus vielen Phrasen, vielleicht sogar überwiegend. Ich halte es nur selten für Dichtung oder für Literatur. Noch weniger ist darin ein Handwerk angewandt worden. Es ist ein Spiel mit Sprache und auch mit Gedanken. Dahinter verbirgt sich mein Unvermögen, wirkliche Kunst zu machen. Es ist Schrift, vielleicht auch Überschrift. Talent ist vorhanden, Techniken beherrsche ich nicht. Ich bin ein Lehrling, der sich aber weigert, zur Berufsschule zu gehen.
Gleichzeitig meine ich, daß nicht jeder Schreibfähige an einer Schule etwas lernt, mit dem er zum Dichter wird, das hängt von ganz anderen Dingen ab.
(Die ich meines VErachtens, noch nicht beherrsche. Stand 29.3.2010) Das erste Gedicht von mir ist von 1992. Es sind also 18 Jahre meiner Schreiberei ins Land gezogen.
Ich bin sozusagen volljährig, aber vom Leben habe ich noch keine Ahnung, auch nicht, was das Schreiben betrifft. Gleichzeitig trage ich ab nun Verantwortung für das, was ich tu schreiben. Tu schreiben oder tu not schreiben, das ist die question.
Quest, das heißt die (gezielte) Suche. Vielmehr ist Schreiben nicht. Und Literatur ist es erst dann, wenn man von der Suche so erzählen kann, daß der Leser vor dem inneren Auge Bilder sieht – und nicht nur weise Gedanken liest, denn das ist Belehrung oder schlicht Unterhaltung. Musik, die man mitsingt, ist ebenfalls weitestgehend Unterhaltung, nur die Musik die dir den Atem nimmt und deine Organe berührt, das Wasser rührt, dich innerlich bewegt, ist das, was eigentlich Musik ist. Ein mal davon berührt kann man sie natürlich auch mitsingen.
Meine Literatur ist höchstens Gegenliteratur, da die Literatur nicht das ist, was sie eigentlich ist. Die kann man nämlich auch können, ohne sie zu können, denn gerade mit Sprache kann man vieles überdecken. Auch aus diesem Grund meine ich, daß man meine Schrift nicht laut vorlesen.
Auch leise ist es ohne Nutzen, dennoch waren die 18 Jahre Rhetorik und Polemik notwendig.
Offenbar versuche ich gerade eine Entwicklung bei mir auszumachen. Vielleicht ahne ich auch, daß sich hinter dem Buschwerk in einiger Entfernung ein neues Ziel befindet. Vielleicht wäre es nicht schlecht, mich näher in die Natur zu begeben. Naturdichtung ist eine wahre Kunst, denn eigentlich geht man schweigend durch sie. Zuviel Gerede wird ihrem Zauber nicht gerecht. Ob Kunst, ob Religion, ob Wissenschaft und Lehre, wer hierbei nicht den Bezug zur Natur herstellt, der verfehlt die Aufgabe, die der Mensch gestellt bekommen hat. Der könnte, bevor er sonst irgendetwas etwas tut, auch Fußballer werden, da hat er wenigstens den Bezug zum Rasen.
Ich gerate immer wieder ins Phrasieren. Phrasieren hört sich auch schon an wie Rasen mähen.
Das erste Buch, das ich gelesen habe, war Prinz Eisenherz. Es hatte 400 Seiten oder so und hat mir gefallen, außer die Frisur von Prinz Eisenherz, die fand ich scheußlich, aber daran sind die Zeichnungen schuld. Dabei wurde doch mit keinem Wort erwähnt, daß sie Prinz Eisenherz einen Topfschnitt verpasst haben. Na gut, jedenfalls war ich da bereits 15 Jahre alt. Bis dahin habe ich Comics gelesen. Es ist also nie zu spät.
Die erste literarische Identifikation habe ich erst über Henry Miller erfahren. Da war ich aber schon was älter. Vorher mit 18 oder so, war Charles Bukowski eine gute Sache, abseitig der Erwachsenen sich mit Erwachsenen zu beschäftigen, die einem grundsätzlich nichts Gutes wollen, weil sie eh keine Ahnung haben oder selten beides zusammentrifft. Bis dahin hatte ich trotz Lesens kaum Bezug zu Büchern. Alles was in der Schule dran kam, war (über die Lehrer) langweilig und hat mir die Bücher verleidet. Ich mag die entsprechenden Titel erst seitdem ich sie unabhängig davon gelesen habe. Ich kann Bücher nicht gut empfehlen und könnte daher auch kein Buchhändler sein;
„Guten, Tag, können Sie mir ein Buch empfehlen?“
„Nein, kann ich nicht, wir kennen uns doch kaum.“

„Guten, Tag, können Sie mir als Geschenk für meine Frau ein Buch empfehlen.“
„Was liest sie denn gerne?“
„Ich weiß nicht genau“.
„Dann kaufen Sie ihr Blumen.“
Und wenn es mal Bücher gäbe, die ich würde gut empfehlen können, dann sind die in der entsprechenden Buchhandlung sowieso nie vorrätig, geschweige denn überhaupt noch lieferbar.


14. April 2010

Die Nerven sind stark beansprucht und dann bringen einen schon die kleinsten Dinge zur Verzweiflung oder sie machen einen sogar manchmal wütend, wenn sie nicht funktionieren.
Dann überwindet man die Wut und es klappt immer noch nichts und man gibt auf oder schwächelt oder jammert. Und wenn unbeudeutende Dinge schon nerven, muß man sich vielleicht den noch viel kleineren Dingen zuwenden. Und so wird alles immer kleiner, um das man sich kümmert, während das noch nicht Erreichte aber immer größer wird, was einen wiederum noch kleiner macht, als man eigentlich ist. Wendet man sich von dem Großen ab, das Große, das man hat erreichen wollen, und nimmt sich zunehmend den immer kleineren Dingen an, dann kann es unter Umständen soweit gehen, daß die behandelte Sache nicht nur immer kleiner wird, sondern auch immer unsichtbarer, weniger greifbar, bescheidener oder abstrakter. Im Negativen wendet man sich weiteren Ängsten zu oder, im Positiven, wendet man sich den Blumen zu oder dem Atem und sonst gibt es nicht viel, vor dem man, zufrieden mit allem, bestehen kann. Die großen Pläne und Ideen bleiben weiterhin die Begleiter, die einen weiterhin tragen, doch sie sind in diesem Zustand auch eine Last und ihr großer Schatten überdeckt die kleinen Ideen und kleinen Tagespläne, daß man auch sie nicht mehr richtig wahrnimmt und sich so die Möglichkeit zum Energietanken verleidet.
Wovon soll man also ablassen, wenn es alles immer wieder zuviel wird? Von den großen Plänen? Oder hat man doch die Kraft und den Willen sich gänzlich den großen Ideen hinzugeben, sich in sie zu begeben? Hat man die Kraft, dann allem anderen verloren zu gehen? Dürfte man das überhaupt?
Welche Aufgabe hat man oder welche Aufgabe meint man zu haben? Soll man aufgeben und ist die Aufgabe die Aufgabe? So wie die Lösung ja die Lösung ist.
Ist es die Zeit des Loslassens?


1. Mai 2010

Das Geschriebene ist wohl nur eine Vorlage, ein Wegeplan, den ich von oben sehe, während unter mir aber nicht immer der Weg ist, von dem die Landkarte erzählt, sondern nur der Schreibtisch. Der Schreibtisch dient dazu, die auf der Karte skizzierten Wege in Worte zu fassen, um zu sehen, was der Weg bereithält, welche Schönheiten dort sind und welche Gefahren. Mit der Logik kann man sich alles erschließen und mit dem Wahn alles ersinnen. Man könnte natürlich auch mit der Karte in der Hand losgehen, statt ihre Längen und Breitengrade in Sprache übersetzen zu wollen. Man könnte losgehen, statt darüber zu schreiben, wenn man mehr Mut hätte. Nichts ist in seiner Illusion wahrhaftiger als die Erscheinungen in der Natur.
Ich habe einmal stundenlang in einen sanft rauschenden Bach geschaut. Nein er rauschte nicht, er floß nur dahin, so wie ein Hauch von Wind den Sand in einer Wüste in Bewegung setzt. Nur war es Wasser und kein vertrocknetes Wasser, das man ja in der Wüste findet wie Sand am Meer… Jedenfalls lag um mich herum ein einziges Grün in tausend Variationen, Gräser, Wiesen, Moos und Weiden, doch die nahm ich alle nicht mehr wahr. Ich blickte nur ins Wasser und irgendwann erhob ich mich und ging los, entlang eines schmalen Weges. Doch der Weg war weg, stattdessen sah ich unter mir weiterhin Wasser. Auf diesem sich mir ins Hirn übertragene Bild von Wasser wandelte ich eine zeitlang, bis aus dem Wasser wieder der Boden wurde.
Man könnte also wieder losgehen, wenn man wieder den Mut hätte. An Kraft mangelt es nicht, das bildet man sich nur ein. Ich habe heute mehr Kraft, als ich damals auf dem Weg zu meiner Irrfahrt ins Grüne hatte. Dennoch glaube ich oft, ich habe viel weniger Kraft als je zuvor. Es kommt und geht in Intervallen. Vielleicht kann man auch diese Kraft nutzen, um über das Schreiben wieder zu mehr Mut zu gelangen. Sich kraftvoll mehr Mut zusprechen kann jedenfalls nie schaden. Schreibend begegnen einem hier genauso viel Zweifel, wie ohne Schreiben hin und her denkend. Ist man dann im kraftvollen Schreiben, oder empfindet es wenigstens so, dann muß man sich konsequent genug darum bemühen, daß das Geschriebene genauso radikal ist, wie der Weg durch die reine Natur. Deswegen klingt es kompromisloser als es eigentlich ist. Sogesehen ist es nur Gerede. Obwohl die Aussagen nicht falsch sind, es sind aber nur Aussagen und längst keine Taten. Vielleicht ist es ja eine Brücke, auf der ich versuche, mir etwas klar zu machen.
Zum Weg in die reine Natur führen auch die künstlichen Wege der Gesellschaft. Das heißt, wenn sie überhaupt irgendwohin führen, dann können sie auch dahin führen. Vollkommen hinaus führen sie erst dann, wenn man sich vom freiwilligen wie unfreiwilligen Besitz, Beruf und Bindungen weitestgehend gelöst hat. Sich davon lösen heißt „nur“, sich davon unabhängig im Geiste zu machen, man muß nicht alles aufgeben oder hergeben. Sobald man mit Geist und Seele unabhängig davon geworden ist, fallen die meisten Aspekte allerdings ganz wie von selbst weg.
Doch, wie gesagt, ich schreibe darüber nur, beziehungsweise selbst das noch nicht wirklich.
Zumindest schreibe ich darüber wirklicher, als ich es wirklich im Leben umsetze. Gleichzeitig erscheinen mir die Wege auf der Landkarte in der Hand wirklicher und wahrhaftiger, als die Wege, die ich abhängig vom Besitz-, Berufs- und Bindungsleben (ein)gehe. Das muß aber nicht für jeden gelten.
Ich frage mich nur, von welchem Land erzählt die Karte oder von welcher Umgebung, welchem Umfeld, welcher Umwelt? Läßt es sich in Worte fassen? Wahrscheinlich nicht. In Worte fassen läßt sich nur eine Idee davon, die Utopie.
Noch besser in Worte fassen läßt sich das, was dazwischen steht: Der Vorhang und die Täuschung, die Lüge und der Selbstbetrug und der Verrat an Gott und die Natur. Das alles läßt sich sogar sehr gut in Worte fassen. Auch realtiv leicht; wenn man den schriftlichen Mut hat, im wirklichen Leben an den Aussagen gemessen zu werden, oder sich selbst daran zu ermessen. Es besteht auch die Gefahr, daß es schnell zur Schwarzmalerei wird, wenn man nur über den dunklen Vorhang schreibt.
Daher muß die Utopie dahinter ebenfalls beleuchtet werden, sonst gibt es nur Wut, die vieles durchdringt, aber keine Kraft, die auch erhellend sein kann. Für einen Schreiber sind das zwei Herangehensweisen und das muß einem auch erstmal klar werden; Der eine bekämpft den Vorhang und schreibt darüber, mit Wut und Witz und Ironie, der andere versucht nur hindurchzusehen und über das zu schreiben, was in seiner Vorstellung oder in seinen Halbklarträumen dahinter ist. Er muß ein Dichter sein, während der andere eher ein Redner ist. Also zwei Typen, die von hier aus über das alles schreiben oder versuchen zu schreiben. Auch das muß einem, der diese beiden Typen in sich kennt, im Schreiben klar werden, sonst könnte es zu schizophrenen Anwandlungen im Leben kommen. Das sind zwei Typen, die auf lange Sicht nicht miteinander vereinbar sind, sie könnten sich aber durchaus austauschen. So wäre der eine jemand, der die Rhetorik, Polemik und Parodie benutzt, der andere einer, der die freie Dichtung und Lyrik kunstvoll anwenden sollte, was schwieriger ist.
Beide schreiben in gewisser Hinsicht über das gleiche, doch (wenn es überhaupt gelingt) auf unterschiedliche Weise. Beide müssen unterschiedliche Aspekte haben und beide haben natürlich auch verschiedene Namen. Da diese beiden aber in Wirklichkeit gar nicht existieren, ist zu vermuten, daß sie nur im Sinne eines Erfinders herumgeistern. Dieser steht über den beiden, perspektivisch gesehen, und manchmal bringt er sie durcheinander. Um sie nicht zu oft durcheinander zu bringen, muß er sie deutlicher voneinander trennen. Und das, was beide in ihren kleinen Werken an Erkenntnissen hervorbringen, kann er dann irgendwann zusammenführen – und aus diesem das Hauptwerk machen. Das wäre dann natürlich unter einem weiteren Namen zu veröffentlichen.
Wenn sie nicht schon ihre Namen hätten, könnte man die ersten beiden Schreiber namentlich durchaus auch Pfeffer und Salz nennen. Der Name des noch unbekannten Dritten dürfte etwas mit Wasser zu tun haben und wenn man irgendwann noch das Getreide für Mehl im Schrank findet, am besten Urgetreide, dann wäre das ganze ein etablierter Pfefferkuchen.
Wenn ich mir aber vor Augen halte, an welcher Stelle dieses großen und komplizierten Plans ich mich erst befinde, dann weiß ich nicht, wie das alles zu schaffen sein soll. Übrigens heißt es: Trau keinem Mann mit großen Plänen. Doch mit groß meine ich eher den Arbeitsaufwand, der im Verhältnis zum Ergebnis viel zu groß erscheint. Das Ergebnis ist ein Buch und das ganze Geschreibe im Vorfeld der dazugehörige Aufwand

Vielleicht ist meine Lebensart oder die schriftlich zunehmend ausgeführte Idee davon nur eine Flucht. Zwar nicht ziellos, während das Ziel ebenfalls achtbar ist, aber manchmal so, als ob ich es mir vielleicht im Leben zu leicht mache. Verweigerung und Ablehnung ist immer leichter, als die hingebungsvolle Annahme allen Lebens, sagen manche. Aber das stimmt ja nicht immer, denn Fasten zum Beispiel ist nicht leichter als Schlemmen. Man fühlt sich dann irgendwann nur leichter. Wichtig ist vielleicht nur die bewußte Art, es zu tun, egal ob während des Fastens oder beim Schlemmen. Die bewußte Art bringt einen verantwortungsvollen Umgang mit sich, und so kann man etwas entweder verantwortungsvoll ablehnen und verweigern oder annehmen und ausführen.

Ein saurer Apfel, der erst weg ist, wenn man ihn gegessen hat. Und erst wenn man ihn gegessen hat, entfaltet sich seine gesunde Wirkung im Innern. Alles andere ist nur Theorie.
Man kann natürlich auch nur reinbeissen, ist auch schon gesund, und sich die Kitsche als Glaubensbekenntnis auf den Nachttisch stellen. Wie eben alles andere Beiwerk, das einen auf dem spirituellen Weg zwar nicht vom Weg abbringt, aber auch nicht ans Ziel führt.
Der Gegenüber ist ein Gegenüber des anderen, doch hinter jedem Gegenüber sitzt auch eine höhere Form des jeweiligen Gegenübers und auch die tauschen sich aus, so daß wir, die präsenten Gegenüber, auch aneinander vorbeireden dürfen, da es die hinter uns sitzenden Gegenüber erreicht und diese durchaus etwas damit anfangen können und dies auch wieder an uns übertragen, so daß wir im Großen und Ganzen doch immer bei der Sache bleiben. Das war vielleicht auch mal ein Satz der gesagt wurde.


23. Mai 2010

Und ins Dunkle, Unbeleuchtete, blicken, wer macht das schon? Das hat ja nichts mit dem Schwarzsehen zu tun, was man öffentlich darunter versteht. Ins Dunkle sehen, hat eher etwas mit Hellsehen zu tun.
Aber stimmt, zur Zeit sieht man mal wieder gar nichts und kriegt auch nichts auf die Reihe. Noch nicht einmal einen Plan. Vielleicht gibt es ja schon längst einen Plan. Ich vertraue darauf. Obwohl ich manchmal auch denke, bei mir selbst handelt es sich um einen kleinen Denkfehler des Universums. Man kann sich auch zu wichtig nehmen. Vielleicht ist das Universum ja auch der Denkfehler. Nein, das denke ich eigentlich nicht wirklich. Am besten man denkt einfach gar nicht mehr. Und die anderen sollen erstmal anfangen zu denken, dann können sie ruhig wieder mitreden.
Ich glaube manchmal, und zunehmend, wir müssen derzeit nichts „erledigen“. Wir müssen auch nichts erreichen. Das ist nämlich freier. Wir müssen nur einigermaßen darauf ausgerichtet sein, daß es uns erreichen kann.
Das Publikum verläßt den Saal erst, wenn die Vorstellung zu Ende ist. Wenn einer aus dem Publikum den Saal noch während der Vorstellung verläßt, sind die Schauspieler beleidigt und das Publikum entrüstet sich. Dabei hat er doch einfach nur genug gesehen und die anderen noch nicht.
Die Unzufriedenheit ist also aus sich selbst heraus entstanden. Eigentlich auch ein dummer weiser Satz. Ich meine, sie ist nicht im Vergleich zu anderen entstanden. Was soll man auch lange nach dem Grund suchen. Es geht einfach nur darum, daß man mehr für sich selbst machen möchte oder wenigstens die Zeit dazu hätte. Dies allerdings inmitten einer Wettbewerbsgesellschaft durchzukriegen, ist schwierig, wenn man mit dem Für-sich-selbst-machen nicht gleichzeitig viel Geld „für sich selbst“ verdienen kann. Nur: Kein einziger Pfennig, den man hat, gehört einem selbst. Es sind in Wirklichkeit alles Schulden. Je mehr Geld jemand hat, desto mehr Schulden hat er an der Gemeinschaft. Vor allem in unserem Land ist das so. In diesen Verhältnissen bewegt sich das alles. Und deswegen bewegt sich auch nichts. Es besteht somit zwar ein Vergleich zu anderen, nur entweder ist er trügerisch oder, was die Wahrheit betrifft, indirekt. Ein indirekter Vergleich. Darin findet man sich wieder oder nicht und indem man sich mit anderen vergleicht oder seine Situation darin abgleicht, ist man entweder zufrieden damit oder wird unzufrieden darin.


8. Juni 2010

… Beziehungsweise reicht mir das Drumherum, aus dem sich das Egoselbst zusammensetzt – reicht es mir schon bei mir allein. Mich interessieren die ganzen Tapeten nicht mehr, in die sich jeder einkleidet oder fremdbestimmt eingekleidet wurde. Sie interessieren mich nicht, wenn jemand sich damit identifiziert, sondern das dahinter. Geschieht aber nur über diese Identifikation eine Annäherung zu mir, so sehen sie bei mir auch nur ihre eigene Tapete – und dann hätte man, statt mit ihnen, auch mit der Wand sprechen können.

Was sind aber diese Begegnungen außerhalb davon? Also außerhalb gewachsener Freundschaften oder höchst zutiefst sonderlichen Beziehungen? Und wie beginnen diese wachsenden Freundschaften? Bei mir begannen sie nie so von jetzt auf gleich. An Bekanntschaften bin ich gar nicht interessiert.

Manchmal lese ich in diesem uns allen bekannten Einschlafen- Aufwachen- Einschlafen- Zustand komische Sätze im Geiste. Im Geiste heißt, es sind geschriebene hörbare Leseworte, die einem kurz im Geiste rumprangern, so wie manche vielleicht kurze flackernde Bilder sehen oder Liedlein hören. Bilder sehen ist mir zwar auch nicht gänzlich unbekannt, und eine Melodie habe ich auch schonmal in diesem Zustand gehört, aber das kann man ja alles nicht sofort aufmalen oder (ohne Notenkenntnisse) aufschreiben. Daher sind es bei mir meistens nur Worte, die wieder weg sind, wenn man sie nicht sofort aufschreibt. Gelingt es einem aber, sie halb erwacht hinzukritzeln, so findet man am nächsten Morgen einen Zettel neben dem Bett, wo Sachen draufstehen, mit denen kein Mensch was anfangen kann. Und gestern oder vorgestern oder so, da las ich am nächsten Morgen auf einem Zettel mit meiner Handschrift die Worte: physis de napoli fractetius. Da ich aber gar kein Latein kann, sind die Worte wohl etwas verdummbeutelt bei mir angekommen. Fractetius gibt es zum Beispiel nicht im Latein. Aber fractus gibt es (kraftlos/schwach/matt), und das ist ein Adverb von frango, was wiederum von gotisch brikan/brehhan stammt. Und das heißt wie, man schon germanisch heraushört, brechen, zerbrechlich o.ä.
Da der Begriff physis eindeutig ist, dachte ich also zunächst, ich hätte von meinem Rücken buchstäblich geträumt – aber de napoli passt da irgendwie nicht zu, denn was hat mein Rücken mit Neapel am Hut? Vielleicht gibt es ja einen guten Rückendoktor in Neapel. Neapel ist allerdings ursprünglich nea polis, also die neue Stadt.
Der Körper der neuen Stadt bricht oder ist zerbrechlich? Oder wie?


7. Juli 201

Mein Tor steht weit offen – doch der Raum dahinter ist leer. Jedenfalls wird er immer leerer, was das ganze überflüssige Gerümpel betrifft. Das restliche Gerümpel steht bereits nahe am Tor, manches vielleicht auch noch tief hinten in irgendwelchen Kammern, die ich selber nicht gerne betrete. Und in der Mitte und den offenbaren Ecken finden sich einige Kisten, die nicht für jedermann zugänglich sind. Sie sind nur zugänglich für jene, die den Schlüssel zu einer Kiste vorher bei sich selbst schon gefunden haben. Sie würden die Kisten nicht als verschlossen betrachten, sondern als offen erkennen, doch darin rumzuwühlen brauchen sie nicht mehr. Sie wissen ja von sich selber, was drin ist. Und so werden sie auch nicht plündern oder Unfug mit den Kisten anstellen, wenn sie für einen kurzen oder langen Besuch meinen Hof durch das sperrangelweit geöffnete Tor betreten. Manchmal habe ich das Tor natürlich auch nahtlos zugebrettert und steh oben auf dem Turm und laß höchstens mal mein Haar herunter; dann bin ich das Rapunzelstilchen.

Neue Einflüsse regen an. Alte Muster verstricken einen in dieselben. Wir alle lieben frische Bettwäsche und die meisten wünschen sich das Hotelzimmer mit Meerblick und nicht mit Blick auf den Hof, wo der arme Hund angekettet ist oder die Gaspullen stehen.

Wenn man am Anfang nicht klar nein sagen kann, muß man am Ende irgendwo lügen.
Was ist das Wesentliche? Freundschaft, Liebe auf jeden Fall, auch platonisch, natürlich, aber doch nicht so. Auch sind wir nicht nur zum Spaß hier. Was kann man vielmehr tun? Wir haben ja noch nicht einmal während der Zeit des Schreibens die Zeit, uns über alles Wesentliche auszutauschen, oder es aufzuschreiben, und sich hierdurch im Austausch darüber im Wesentlichen zu begegnen.
Die Natur ist das Wesentliche. Die Menschen gehören möglicherweise dazu. Dazu besinnt man sich auf die Elemente, Erde, Wasser, Feuer, Luft. Ohne sie wär der Mensch doch nichts.
Daher muß man diese Elemente lieben, wenn man schon meint, man liebe die Menschen. Man muß schon konsequent sein. Ohne das wäre es nur materielle Liebe. Und was also für das Wasser gilt, gilt auch für die anderen Elemente. Damit kann man kommunizieren, ja, sogar kann man mit ihnen und den Pflanzen Höflichkeitsfloskeln austauschen, wenn man so etwas gerne macht.
Dieser Austausch kommt aber nicht aus dem Ego, sondern von Herzen, also von der Lebensader. Da ist die Liebe und die Kommunikation zu finden. In jedem Grashalm ist es zu finden. Jeder kann etwas tun.
Sie wird irgendwann erkennbar sein. Doch erstmal müssen viele der Redelsführer stürzen und man muß nur aufpassen, nicht in ihrem selbstkreirten Sog mit unterzugehen.

Es ist zudem immer eine Angst dabei, wenn sich etwas ändert. Und wenn man schon merkt, daß sich etwas ändert, ohne daß man es bereits sieht, da es noch nicht verändert ist, dann fürchtet man auch einen Verlust, den es aber eigentlich überhaupt nicht gibt. Man ist nur noch nicht zur Trennung bereit, und das kann man auch nicht sein, da sie ja noch gar nicht faktisch da ist. Daher dramatisiert man sie manchmal und bereitet sich so auf das Unbekannte vor. Später ist es dann meistens weniger schlimm, als man vorher befürchtet hatte.
Man lebt insbesondere als höchst empfindsamer Mensch in ständiger Vorraussicht und fürchtet sich entweder nach vorne oder sehnt sich nach hinten, da es aktuell nichts zum Be-Greifen gibt, das den erkannten Zustand erklärt. Dieser Zustand ist wiederum fern der gewöhnlichen Alltagssorgen, denn die kann man sich selber wieder wegreden. Das Gefühl aber, dieses seltsame ahnende Gefühl, kann man sich nicht wegreden, man kann es nur abwandeln, am besten in dem man die Furcht in Vertrauen umwandelt.
Zwischendurch noch etwas Ölkatastrophe und allen scheinbar unlösbaren Konflikten auf Erden stehen wir schon wieder aufmerksam gegenüber, bzw. sind abgelenkt von den unseren; Glück gehabt, die Ölkatastrophe erlaubt es uns, sich nicht um sich selbst zu kümmern. und was hat es zur Folge? Weitere Katastrophen im Äußeren.
Nur weil ich kein TV habe, heißt es noch lange nicht, daß ich nicht wüßte, was da läuft.


1. August 2010

Die Seele will die Freiheit. Die Freiheit will die Seele. Tragisch.
Darüber habe ic etwas geschrieben. Habe es aber wieder verworfen und gelöscht. Es war nicht lesbar. Es war nicht so einfach, eine Wanderung über Hügel auf und niederzuschreiben. Ich bleibe stets hängen und bekomme keinen Satz auf die Reihe und suche nach Worten, die beschreiben können, was ich schreiben möchte, doch mir scheint aller Ausdruck abhanden gekommen zu sein.
Schreiben wir doch über was Natürliches, denke ich, doch das ist nicht so einfach wie über das Unnatürliche sich auszulassen. Wie und über was kommt man zum Natürlichen?

Die Sehnsucht nach Wasser ist vielleicht der direkteste Ausdruck einer Sehnsucht nach Leben. Nach Leben, mit all der Klarheit, all der Bewegung, all der Stille, all der Einsamkeit, all der Tiefe. Es ist in Bewegung und ruhelos ist es auch und dann geht der Blick in die gespiegelten Wolken, ins All. All der Bewegung, All der Stille, All der Einsamkeit, All der Tiefe.
Doch in den Städten und Vorstädten fühlt man sich manchmal leblos und eingeengt.
So schrieb auch ich mir die Enge und unnatürliche Lebhaftigkeit vom Halse, doch ich benutze hierzu eine Figur, mit der ich mich über all das auslassen kann, was mir nicht behagt. Reiche meine Beschwerden nur schriftlich ein. Ob das überhaupt was bringt? Vermutlich nicht. Ein Dreizeiler über eine Blume wäre mehr wert, als alle Denkschriften und Streitschriften zusammen.

Perspektivwechsel. Im Augenblick hänge ich mit meinem Laptop im hintersten engen Winkel meines Zimmers, auf der Erde, nur ein kleines Kissen hinter den Rücken ins Eck gedrückt, das einzige Licht kommt aus dem kleinen Bildschirm, alles ringsumher ist abgedunkelt. Doch ich wage es nicht, zu schreiben, wirklich zu schreiben, was ich von hier aus sehe, in der Dunkelheit, durch die Dunkelheit und bis dahinter weit hinaus. Vielleicht würde ich dabei verdursten, weil ich nichts anderes mehr täte, als immer weiter durchzuschreiben. Doch ich wage diesen Schritt nicht.
Oder ist es besser, ich ginge in den Wald und dann immer immer weiter, in die Dunkelheit, durch die Dunkelheit und bis dahinter weit hinaus. Vielleicht würde ich dabei verdursten, weil ich nichts anderes mehr täte, als immer weiterzulaufen. Doch ich wage diesen Schritt nicht.
Nichts von beidem ist wahr. Keinen der beiden Schritte vermeide ich nicht zu gehen… Ich schreibe nur darüber, als wäre es nur so eine Idee, die man nach zwei Sätzen wieder fallen lassen kann. Ich tu nur so und wage die Extreme nicht. Vielleicht brauche ich die Kraft dafür später noch. Geniesse was da ist, solange es da ist. Ich sehe mich um. Hier ist die Extreme nicht.
Ich merke, hier im Eck schreibe ich anders als am Schreibtisch. Vielleicht sollte ich mit dem Laptop mal in der Badewanne unter Wasser schreiben. Zum Glück habe ich keine Badewanne. Ich halte es dadrin auch nur höchstens fünf Minuten aus, insofern lohnt sich eine solche Anschaffung für mich nicht.

Ich glaube, es gibt noch die Rehe und Eichhörnchen. Sie kamen hier schon in den Garten, einschließlich eines Rehs. Es gibt auch einen Fuchs, der hier durch die Gegend streift. Am Tag darauf hatte ich einen Grashüpfer in der Wohnung, einen sehr großen Grashüpfer, so lang wie ein ausgewachsener Teelöffel. Ich habe ihn dann gebeten, auf meinen ausgedienten Badmintonschläger zu steigen, mit dem ich ihn zum Fenster hinaushalten wollte, damit er von da aus weghüpfen kann. Aber so eilig hatte er es gar nicht. Sehr gemächlich ist er zunächst mit in einem langen Bein nach dem anderen auf den Schläger gestiegen und hat sich zum Fenster hinausführen lassen. Von hier aus prüfte er zuerst sämtliche Himmelsrichtungen, hangelte sich vom Schlägerrand hinunter aufs Dach und stiefelte alsbald gemächlich davon.
Während manche Tiere sich gar nicht zeigen, kommen mir andere Tiere in einer eigentümlichen Weise in der letzten Zeit sehr menschennah vor. Als wäre in dem Tier ein Mensch, nur eben nicht so ein doofer Mensch wie der Mensch an sich.

Ich träume, ich liege schlafend im Bett, doch es ist ein angestrengter Schlaf. Gleichzeitig scheine ich mir darüber bewußt zu sein, daß ich zwar schlafe aber hierbei auch wach sein muß. Denn es fliegen mir unablässig Worte zu, auf eine merkwürdige Weise, es sind bereits verfasste Worte vermeintlich berühmter Denker, Geistes-Wissenschaftler oder Philosophen. Ich weiß nicht, ob ich die Worte höre oder sehe, doch sie erreichen mich in ihrer bereits ausformulierten Form. Sie kommen Schlag auf Schlag, eine Passage nach der anderen, in loser Abfolge, wie Zitate, die in sich zwar geschlossen sind, denen aber der Zusammenhang fehlt. Kaum ist der eine Satz des einen beendet, kommt der nächste eines anderen und so weiter. Stets wird vorher auch der Name desjenigen angegeben, der die jeweiligen Worte formulierte. Die Namen sind mir nicht bekannt, und doch erscheinen sie mir gleichzeitig als namhafte Berühmtheiten. Ich schlafe und schlafe gleichzeitig nicht, fühle mich sehr angestrengt, denn während ich die Worte höre, muß ich versuchen, sie im Geiste aufzunehmen und abzuspeichern. Jemand ist an meiner Seite und versucht mich zu wecken oder rät mir, es wäre besser nun aufzuwachen. Auch darauf versuche ich zu reagieren, kann zu der Figur aber nicht sprechen, denn sonst könnte ich die Worte nicht aufnehmen, die weiterhin unablässig bei mir ankommen. Das wäre bedauerlich, denn die Passagen ihrer Vorträge sind höchst interessant oder klingen zumindest so, denn ich habe keine Zeit, sie zu deuten. Sie klingen wie weise Gedanken, die irgendwo schon ausformuliert, aber trotzdem nirgendwo nachzulesen sind. Ich merke bald, ich sollte wirklich besser wach werden und unternehme alle Anstrengung, zurück ins Wachbewußtsein zu kommen, doch es dauert und es ist ein regelrechter Kampf, mich von all den weiter umherfliegenden Zitaten, Vorlesungen oder Diktaten abzulösen. Als ich endlich wach werde, bin ich völlig erschöpft. Und natürlich ist kein einiger Satz und keiner der Namen hängen geblieben.
Die Texte weiß ich nicht mehr. So hochgestochen sie gerade noch wirkten, so sehr denke ich nun, daß es vielleicht doch nur höherer Unsinn war. Stimmen waren hierbei nicht zu hören, sondern eher stimmlose Schablonen, auf denen jeweils etwas geschrieben stand, wie bei einer Diashow, auf denen Zitate stehen, die man wiederum nicht liest, sondern nur im Geiste hört. Am Ende frage ich mich nur, was der ganze Aufwand sollte, wenn ich mir keinen einzigen Satz merken konnte.


14. September 2010

Eine Möglichkeit wäre wohl posthum zu veröffentlichen, aber das ist mir noch zu früh.
Das Leben ist doch viel zu kurz, selbst wenn man nicht viel zu tun hat. Zu Bibelzeiten ist man ja um die 900 Jahre alt geworden. Manches soll man in der Bibel symbolisch verstehen. Hier aber, glaube ich, hat man das wörtlich gemeint, ehrlich.

Ich finde nichts langweiliger als die Fotos und Lebensprofile von Autoren. Sie sind meistens völlig ausdruckslos und gehören meiner Meinung nach nicht veröffentlicht. Die meisten von ihnen sind schließlich keine Bühnenleute. Schriftsteller sollen ihre Persönlichkeiten literarisch ausarbeiten und über ihr langweiliges Ichtum hinaus äußerst interessante Wesenheiten und Begebenheiten beschreiben, was am besten gelingt, wenn man sein eigenes Selbstbildnis überwunden hat. Am besten ist, man hatte von vornherein schon kein gewisses.

Ein Vortasten ins dunkle Nichts, Schritt für Schritt, das ist das wahre Leben. Wir wissen nichts, können nichts wissen, glauben höchstens nur zu wissen, was soll man da noch großartig nachdenken.
Na gut, vielleicht ist das etwas übertrieben. Natürlich denke ich auch nach. Nach und nach kommt dann einiges zusammen, worüber man im Anschluß daran weiter drüber nachdenken könnte.

Alles, was von Herzen kommt, findet seinen Platz an der richtigen Stelle. Vieles, das aus dem Kopf hervor steigt, nimmt Einfluß auf anderes, also sollte man vor allem hin und wieder darüber nachdenken, was man alles so denkt. Das meiste kann man sowieso wegschmeißen. Man muß es gar nicht sortieren und aufräumen. Man muß es einfach wegschmeißen und sofort vergessen. Nur mit dem Herzen soll man denken, auch beim Schreiben.
Das ist auch eine Übung, so irgendwann schreiben zu können. Vielleicht schreibt man dann auch gar nicht mehr. Ich weiß noch nicht. Habe auch keine Lust darüber jetzt nachzudenken, wie oder ob ich später schreiben werde. Ich fühle aber, daß ich irgendwann da sitzen werde und nicht mehr viel anderes tu, als schreiben. Das Gefühl ist stark, doch vielleicht ist es wie mit dem verliebt sein. Es ist nur solange da, bis es weg ist. Daher: Keine Ahnung, was sein wird. Vielleicht werde ich mich ja auch nur fürs Holzhacken begeistern können.

Teile dieser Texte von mir an dich werden auch ins Tagebuch überführt. (Das teile ich immer allen mit denen ich was schreibe. Inzwischen sind da keine mehr, aber ich teils noch immer teils teils mit). Mit Verlaub, denn das gehört zu dem Laub, der im Walde lag, als man noch über etwas schrieb, worüber man damals so schrieb.

Erster Schritt.
Was geschrieben wurde gilt im Augenblick des Lesens. Das heißt genau genommen, der Schriftsteller hat damit nichts mehr zu tun (außer vielleicht weiterhin die Tantiemen zu bekommen). Was er aber einst dachte und nachfühlte oder vorauszusehen glaubte, hat er hinter sich gelassen, sobald es in Form geschrieben wurde, zumindest ist er dabei, es hinter sich zu lassen. Der Wert des Geschriebenen wird nur durch den Leser festgestellt, im Moment des Lesens. Entweder es bedeutet ihm was, oder es bedeutet ihm nichts. Der Schriftsteller jener Bedeutungen spielt hierbei keine Rolle mehr.
Das geschriebene Wort setzt sich über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinaus, der Schriftsteller jener Worte lebt in allen drei Zeiten nicht wirklich. Nur im Augenblick des Schreibens erfüllt er seine Aufgabe oder seinen Lebenssinn, doch wird sein Text erst dann gelesen, sobald er ihn geschrieben hat. Die Worte bleiben, er nicht. Er geht immer weiter und wenn er irgendwo sitzt, sei es im Café, in der Bahn, im Auto, im Büro, im Kinderwagen, in der Kirche, in der Schule, in der Uni, im Schützengraben, im Vorstand, auf dem Thron, auf der Parkbank, auf einem Pferd, in der ersten Reihe, in der Patsche oder auf dem Klo – egal wo er sitzt, er ist nicht da und am allerwenigsten ist er da, wenn er am Schreibtisch sitzt.

Ich mag diese offenen, durchaus wirklich offenen, Gesichtsausdrücke nicht, wann immer ich mir auf Verlagsseiten die Autorenprofile ansehe. In meinen Augen haben sie in diesem Moment ihren Beruf verfehlt, so gut ihr Buch auch immer ist. Das Bild von ihnen hat nichts mit ihrem Buch zu tun. Ob das wohl Neid von mir ist? Ich bin ja nicht so blöd mir diese Frage nicht zu stellen. Ist es Neid, weil sie es „geschafft“ haben und ich mich nur nicht traue, alles Geschriebene samt meiner Person zu veröffentlichen?
Natürlich ist das Neid, doch nicht auf die heutigen Umstände. Sondern eher Bewunderung der Menschen, die in einer Zeit lebten, als noch verstanden wurde, um was es beim Schreiben ging. Natürlich ist es Neid ohne Mißgunst, vielleicht ist Neid das falsche Wort. Eher ist es ein Bedauern, daß die Zustände so sind. Ich freue mich ja für diejenigen mit, die sich freuen, doch im Grunde bedaure ich, daß es so ist. Denn in erster Linie ging es nicht um sie und auch in zweiter Linie nicht. Sobald es um sie geht, haben sie ihre Linie bereits verlassen. In vielen Verlagen wird ihr offenes Antlitz als Verkaufsköder genutzt, bei den Druck und Book On Demand Anbietern ist es eher umgekehrt, da wird sich um den Autoren überhaupt nicht gekümmert.
Die Sache mit der halbwegs geschützten Anonymität als Ausdruck künstlerischer Freiheit bereitet mir ebenfalls Sorgen. Selbst im Internet gibt es schon welche, die eine Abkehr von Pseudonymen und eine zwingende Verwendung von „Klarnamen“ fordern. So ein Blödsinn. Ein Schreiber hat keinen Klarnamen. Vielmehr ist sein Klarname ein Pseudonym, das er mit Personalienausweisung im Alltag verwenden muß, der selbstverständlich für ihn nicht die absolute Realität darstellt.
Somit wäre es letztlich wahrscheinlich wirklich egal, welcher von seinen Namen nun auf seinem Buch steht. Egal wäre es zumindest dann, wenn er alle Verhältnismäßigkeiten, die mit seinem Klarnamen im öffentlichen wie im privaten Leben in Verbindung gebracht werden, überwunden und beseitigt hat. Seine Person spielt eben keine Rolle, bzw. spielt seine Person nur eine Rolle, die er während des Schreibens ablegt, gar ablegen muß.
Manches fällt leicht abzulegen, manches nicht. Und alles, was man ablegt, benötigt man gerade nicht oder auch nie mehr. Hierzu hat man es vorher außerdem in Frage gestellt. Wer also Schriftsteller verteufelt (solche gibt es tatsächlich), die „sich hinter einem Pseudonym verbergen“, der hat nur nicht den Mut, sein eigenes Ego einmal zu hinterfragen. Er fürchtet sich vor der nackten Wahrheit. Er schaut sich nicht offen ins Gesicht. Und ein solches Gesicht wirkt dann auch nicht authentisch, wenn es ganz offen für den geneigten Leser in die Kamera blickt.

Nichts hinterlassen

Selbst wenn Teile des Schaffens in einem blog liegen, sind es Rückstände. Daher liegen auch nur Teile dort. Die anderen Rückstände gehören gedruckt, sonst bleibt man hinter den Rückständen zurück. Beim Arbeiter ist dies ein Problem, da er über seine Leistung definiert wird und die Rückstände eine geringere Anerkennung und somit weniger Leistungsanspruch ermöglichen. Beim Schreiber ist es ein Problem, da die Rückstände längst erledigt sind, sie sind nur noch nicht veröffentlicht. Was er noch nicht geschrieben hat und noch vor ihm liegt, spielt keine Rolle, (außer er ist an Aufträgen gebunden), doch was er geschrieben hat, hat er geschrieben und trotzdem bleiben es Rückstände, wenn es nicht auf irgendeinem Medium gedruckt ist. Wer diesen Gedankengang schließlich noch weiter denken würde, würde am Ende sogar beweisen können, daß ein Schriftsteller tatsächlich nicht existiert. Doch dazu habe ich jetzt keine Lust.
Ich könnte höchstens noch anfügen, daß er zumindest in Ausübung seiner Tätigkeit tatsächlich nicht existiert. Doch da er außerhalb davon nicht der ist, der er ist, nämlich der nicht existierende Schreiber, existiert er auch außerhalb der Ausübung seiner Tätigkeit nicht wirklich. Hä? Na egal.
Ich bin mir jedenfalls sicher, irgendeiner von den Milliarden Menschen wird damit schon was anfangen können. Ob nun hier oder in einer Doppelwelt…
Ich glaube, sie führen erst dann ein normales Leben, sobald sie veröffentlicht haben. Denn erst dann sind sie im normalen Leben angekommen. Oftmals lesen sich die nachfolgenden Bücher dann auch so.
Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen. Doch man muß aufpassen. Es gibt schon einen Grund, warum sich jeder (urwüchsige) Schriftsteller so sehr davor scheut, zu veröffentlichen. Vor allem eben beim ersten Mal. Beim nächsten mal ist es schon ein anderer Reiz.
Vielleicht ist das ja das normale Leben. Man muß sich nun darstellen. Vor allem hat man sich der Struktur anzupassen, wenn man ein normales Leben führen will. Und in den meisten Fällen heißt „sich der Struktur anpassen“ nichts anderes als sich zu verkaufen. Damit haben selbstverständlich die freiheitsliebenden Künstler ein Riesenproblem. Und das ist auch der Grund dafür, daß die meisten großen Künstler Zeit ihres Lebens arm blieben. Es gibt natürlich auch Ausnahmen; Menschen die auf mehreren Ebenen Talente haben – das heißt: geschickt genug sind. Oder gut rechnen können. Oder bescheiden genug sind. Sich nur einmal verkaufen und dann lieber nicht mehr. Einmal in die Bestsellerliste springen und dann wieder ab in die Unterwelt.
Ein Schritt vor einen Schritt zurück.

Ein schlechtes Gewissen macht man sich nur selber.
Ich habe daher mein Gewissen weitestgehend abgelegt. Denn es ist falsch. Ein schlechtes Gewissen ist falsch, ein gutes Gewissen ist richtig. Hat man denn kein gutes Gewissen vor denen man ein schlechtes Gewissen hat? Das ist wohl auch mal wieder so ein Satz.
Ich wollte sagen: Eigentlich hat man im Herzen doch ein gutes Gewissen. Allein deswegen ist das schlechte schon falsch. Vor allem aber ist dies ein schlechtes Gewissen, das jeder haben sollte. Für uns alle gehen Menschen arbeiten, die Besseres verdient hätten. Wir leben immer noch von Sklavenarbeit, das zeigen die neuesten Proteste in asiatischen Textilfabriken zum Beispiel auf.
Man sollte daher nicht nur darauf achten, wohin man sein verdientes Geld ausgibt, sondern auch in welche Richtung man sein schlechtes Gewissen lenkt, das zu haben ein jeder im Land durchaus verdient hätte. Diesem schlechten Gewissen kann man nur abhelfen, in dem man sein Kaufverhalten ändert, das wissen wir ja. Außerdem meine ich: Das Geld das man verdient, hat man nicht verdient. Man hat nur dem Geld gedient. Der Wert des Geldes hat keinen Wert mehr, seitdem es einen seltsamen Mehrwert hat. Mit jedem verdienten Geld vermehren wir dieser Tage nur die Schulden, denn es sind nur noch Schuldscheine. Der eigentliche Wert von Geld war einst der, ein obligatorisches Tauschmittel zu sein. Besitzt man zum Beispiel wie vor ein paar hundert Jahren einen fetten Bauernschrank in Hinterkasachstan und möchte sich zwei Eheringklunker aus Gold in Vorderpersien kaufen, so stellt man den Wert des Schrankes fest und schreibt es auf einen Zettel. Statt also den Bauernschrank durch die Gegend schleppen zu müssen, nimmt man nur den Wisch mit nach Hinterpersien, wofür einem der Typ dann die Klunker aushändigt. Falls es Wertdiskrepanzen zwischen Schrank und Klunker gibt, braucht man natürlich noch einen Verwalter, der aus dem Zettel mehrere kleine macht. Der andere geht sich daraufhin jedenfalls den Bauernschrank abholen oder er kauft für einen Teil davon seinem Nachbarn das Fahrrad ab und fährt damit erstmal nur in die Schweiz. Dort will er jetzt eine Fahrradtour machen, den Bauernschrank hat er mittlerweile schon wieder vergessen, und damit die Scheine nicht alle beim Fahren vom Gepäckträger wegfliegen, hinterlegt er sie solange bei der Bank, bis er wieder zurück ist. Die Bank nimmt für diesen Dienst natürlich ein paar Gebühren, was auch rechtmäßig ist und ihr außerdem zugute kommt, da sie den Safe vorhin erst beim Schmied auf Pump hat anfertigen lassen.
Jetzt bleibt der Fahrradfahrer aber schon eine Weile weg und mittlerweile haben noch 10 andere Leute Wertzettelscheine im Safe hinterlegt. Auch sie zahlen alle Gebühren dafür und so kann die Bank gleich ihre Schulden beim Schmied begleichen. Der Fahrradfahrer hat sich nun doch überlegt, nach Hinterpersien weiterzufahren, braucht sich aber über sein Besitztum in der Bank keine Gedanken zu machen. Nur hat jetzt die Bank wieder ein Problem, denn noch mehr Leute wollten ihren Besitzgeldzettelschein dort lagern und der Safe ist viel zu klein geworden. Also verleiht die Bank den Inhalt erstmal an andere, wofür sie der Bank natürlich einen Zettel ausstellen müßen, daß sie im Augenblick einen Wert in Höhe von so und soviel Bauernschränken bei sich tragen, welche die Bank für andere obligatorisch im Safe aufbewahrt. Bis auf den Fahrradfahrer kommen nach einer Weile dann plötzlich alle auf einmal und wollen ihre Tauschzettelwertpapierscheine abholen. Doch kein Problem für die Bank, sie kann ihnen ja die Schuldscheine von den anderen geben, denen sie das alles gegen Gebühr ausgeliehen hatte, wobei sie natürlich für diese komplizierte Arbeit auch den Bittstellern wieder ein paar Gebühren abnehmen muß.
Nach Jahren kommt der Fahrradfahrer in Hinterpersien an und stellt zu seiner Verwunderung fest, daß die Bank hier schon eine Zweigstelle errichtet hat. Sie scheinen also mit der Verwaltung von Geld, so nennt man es nun der Kürze halber, ganz gute Geschäfte zu machen und können ihm das ganze Geld sogar auszahlen, weil sie auch hier schon ganz vielen Leuten das Geld anderer Leute gegen Gebühr verliehen hatte. Als er dann nach Jahren wieder zu Hause ankommt, stehen auch in Hinterkasachstan überall Filialen. Und überall wechselt das ganze Geld täglich den Besitzer, obwohl es eigentlich sicher im Safe liegen müßte. Da scheint die Bank aber wirklich ganz gute Geschäfte mit den Schuldscheinen zu machen und bald sind es soviele Scheine im Umlauf, daß man nicht mehr weiß, welchen Wert sie ursprünglich vertreten haben. Nur die Bank behält die Übersicht, da sie weiß, wem sie was für wie viel und wie lange geliehen hat und somit getrost immer mehr Gegenscheine ausstellen kann, obwohl das Geld längst den Wert aller vorhandenen Güter übersteigt.
Diese Scheine bekommen dann einen eigenen Wert, mit dem man auch wieder handeln kann, doch da man das alles nicht mehr greifen kann, muß es an Tafeln geschehen, die mit entsprechenden Zahlen bestückt sind, die entsprechende Werte beziffern, so daß man wiederum mit den Ziffern handeln kann, deren Wert keiner begreift und somit auch keinen interessiert, der sich nur einen Bauernschrank kaufen will.
Das Geld, das nichts weiter als ein Wechselschein war, trägt den potentiellen Wert aller Schulden in sich, mit dem wir einen Besitz anhäufen, der somit auch nur geliehen ist, doch nicht von der Bank, die immer weiter daran verdient, sondern von denen, die von diesem Geldsystem nicht profitieren, und dies sind in erster Linie die Ärmsten, desweiteren die Meisten und in keinster Weise die Wenigsten, die am meisten besitzen. Doch das Geld ist hierbei entwertet worden, der Wert ist entwertet worden und wenn wir Geld verdienen, dienen wir nur diesem System, deren Profiteure sich mit den Wechselscheinen anderer bereichern, indem es unlautbar handelt und sich über diesen Weg den Besitz anderer erschleicht, weil diese sich in Anbeteiligung an deren Schuld verschuldet haben, indem sie sich Geld von der Bank holten, von dem sie meinen, es hätte noch irgendeinen ehrlichen Wert, für das es sich zu arbeiten lohnt.
Jeder in diesem System stellt hierbei sein Herzensding zurück und zwar zwangsläufig. Daher hat nur Wert, was von Herzen kommt und das Herz erreicht. Egal ob der eine arbeitet und es von Herzen für den tut, der es von Herzen annimmt oder andersherum. So wie keiner sich etwas darauf einbilden soll, soll sich keiner vor dem anderen schuldig fühlen.
Es gibt keine sofortige Lösung aus dem Kuddelmuddel in dem wir alle leben. Ob im Alleingang oder zweit, es hat wahrscheinlich beides Vor- wie Nachteile..

Thema

Ich bin einer, der so viel schreibt, so wenig er redet, obendrein Probleme hat, sich im Gespräch vernünftig auszudrücken und völlig verstummt, sobald mehr als zwei Personen in der Nähe sind. Besonders viel ist mit mir wohl nicht mehr anzufangen.
Ich verliere auch immer das Interesse an einer Sache, wenn ich mich länger als eine Stunde damit auseinandersetze. So kommt man natürlich nicht weit. Nur beim wandern käme ich weit, weil da ist es etwas anderes. Da ist man ganz das Thema, das an einem vorüberzieht. So habe ich es gern. Es zieht alles vorüber. Und am Ende bleibt nur ein Thema über. Das was man selbst ist, die Natur, und ein paar Dinge im Zusammenhang, die aber plötzlich keine Rolle mehr spielen.
Beim Wandern wird in meiner Anwesenheit auch nicht gesprochen, da sprech ich höchstens mit mir selber und ansonsten muß man auf anderes lauschen. Beim Spazieren ist es was anderes. Dazu sind die Wandelparks vielleicht auch eigens angelegt worden.
Ich habe ein bißchen die Befürchtung, daß ich noch für eine weitere Weile nicht mit vielen Menschen zusammenkomme. Eher scheint sich die Vereinigung zusammengehörender Seelen und Geister noch auf anderen Ebenen abzuspielen. Und da trifft man dann eine ganze Reihe von Leuten.
Es wurde übrigens, das gehört vielleicht auch dazu, nun ein Sternensystem entdeckt, das einen erdballgroßen Planeten in ähnlichen Konstellationen beherbergt, so wie hier bei uns. Daß es sowas gibt, wußte man wohl schon länger, aber jetzt hat man ihn sogar mit dem Fernglas gefunden. Ich glaube an sowas, also an eine parallele Welt, wo ein Ebenbild von jedem von uns ebenfalls gerade auf seinem Planeten durch die Gegend gurkt und irgendwas macht. Vielleicht macht dieses Ebenbild in der Ebenwelt sogar genau das gleiche, was man gerade selber tut, nur etwas anders. Mit einer anderen Einstellung oder Wahrnehmung. Und dadurch gänzlich mit einer anderen Wirkung.


5. Oktober 2010

Früher hat man die Briefe des anderen neben sich auf den Schreibtisch gelegt, wollte man direkt darauf antworten und eingehen. Die Technik hat auch hier Einzug gewonnen. Dennoch, mir hilft diese Methode ganz gut, auf einen Brief in der Reihe des Entstehens einzugehen und ich schweife dadurch weniger ab, als ich es ohnehin schon oft tue.
So gibt im Grunde der vorausgegangene Brief die Richtung des eigenen Schreibens vor. Hierbei greift man das eine direkt auf und das andere weniger oder manches gar nicht, wodurch wieder eine Richtlinie entsteht, auf die nun der andere eingeht. Da man aber (auf dem Papier) Zeit und Raum zur Genüge hat, bleiben die Themenvorgaben erhalten, während man trotzdem die Freiheit hat, Neues und bisher Unangesprochenes auszuführen. Im Gespräch ist das ein wenig anders, denn da zählt vor allen Dingen der augenblickliche Zustand des Gegenübers. Ist eine Harmonie vorhanden, so ist es natürlich egal, wer mehr redet und wer weniger, es hören ja doch beide innig dem anderen zu. Aber es ist manchmal auch interessant zu sehen, wer da sozusagen das Heft in der Hand hat und wer ein wenig hinterherhinkt und allerhöchstens Raum für ein paar Anmerkungen hat. Andererseits geht man ja doch auf den Gegenüber unentwegt direkt ein, durch Blicke und Gesten und das Umfeld wirkt ebenfalls ein.
Im Schreiben hat jeder die Gelegenheit sich auszubreiten, genauso wie er sich aber auch die Zeit nimmt, die Worte des anderen in aller Ausführlichkeit zu lesen, sogar mehrmals zu lesen oder darauf gedanklich zurückzukommen, doch eben ohne den anderen im Redefluß unterbrechen zu müssen. Auf dem Papier ist jedem eine große Freiheit geboten, im Gespräch zählen andere Werte mehr. Dort ist meiner Ansicht nach das Gesprochene weniger wichtig, da das Thema das augenblickliche Beisammensein ist, beziehungsweise die Stimmung wichtig ist, nach der man dann auch das Gespräch ausrichtet, wenn man feinfühlig genug ist. Manche verharren ja nur beim Thema, und merken gar nicht, daß der Gesprächspartner dabei schon abnippelt. Wo man im Gespräch immer beim Thema zu bleiben hat, langweile ich mich meistens ziemlich schnell. Denn es interessiert mich nicht lange, was gesprochen wird. Im Schreiben ist das vollkommen anders.
Im Schreiben ist das Thema zunächst immer das augenblickliche Bei-Sich sein. Oder wenigstens ist der Wunsch danach der Antrieb. Ist das Schreiben aber ein Brief, oder bereits gar ein Brief im Austausch, also ein Wechsel, so ist man zugleich auch beim andern, aber man muß auch bei sich sein und nicht nur beim andern. Hierbei befindet sich der Gesprächspartner nicht so fern von einem, wie es physisch aussieht, sondern ist er etwa fünf bis sieben Zentimeter vor oder hinter dem Kopf sehr anwesend. Daß er seelisch und herzlich außerdem dabei ist, setzt das Briefeschreiben im Grunde auch voraus. Bei mir jedenfalls, auch wenn der Austausch des Geschriebenen sich dann rein geistig äußert.
Genauso aber legt man sich beim Schreiben auch den eigenen Kopf nach Außen, beamt sich sozusagen den eigenen Geist vor die Augen. Und das schreibt man dann einfach ab. Was man schreibt, schreibt man ab. Oder man dichtet eben, dann schreibt man die unerfüllten Stellen des Geistes ab und verdichtet sie mit Wortklängen, derer man in Gottes Himmelsgarten wandelnd begrifflich gewahr wurde.

Beim Freund nimmt man mehr Rücksicht, auch mehr Rückschau auf sich selbst, auch eine Vorsicht. Eine rücksichtsvollere Rücksicht und eine vorausschauende Vorsicht. Hier ist immer auch der Geist des anderen gegenwärtig, spätestens sobald man den Brief aufklappt.
Manchmal ist es auch nicht ganz einfach, das Vorschwebende abzuschreiben, da die Worte fehlen, den erahnten Teil der erkannten Wahrheit umschreiben zu können. Und man kann ihn ja nur umschreiben. Je mehr man aber in die Nähe der treffenden Worte kommt, desto deutlicher schlägt das Herz. Das Herz zeigt, daß es auch ein Wörtchen mitzureden hat. Man kann schreiben und schreiben und schreiben und dabei sehr geistreich sein – die Momente, wenn das Herz schneller schlägt, sind während des Formulierens selten. Doch schreibt man auch nur aus diesem Grund. Lediglich nicht von diesem Grund aus.
Was man dann einmal geschrieben hat, schreibt man dann nur noch mehrmals in immer neuen Wendungen. In jedem Fall hat man es abgeschrieben. Oder man muß es sich abschreiben.
Schreiben ist ein Auflösungsprozeß und andere Künste sind das vielleicht auch. Natürlich ist es Kreation und Schöpfung, aber der grundlegenden Schöpfung geht ein Auflösungsprozeß voraus. Ich meine, schaue man sich doch mal die Vogelscheiße auf dem Dach an. Daraus entsteht Moos. Und ohne Moos nix los.

Man muß nicht nur verdauen, was man gegessen hat, sondern muß man auch gegessen haben, was man verdauen möchte. Beim Schreiben tut man dies im Geiste. Und was man diesem Prozeß aussetzt, ist das eigene Ich – bis zur Erschöpfung oder Sieschöpfung und somit zur Schöpfung der eigentlichen Wesenheit.
Jeder miese Krimi ist ein erster Gehversuch dahin. Man erkennt es schon am ersten Satz. Es ist nicht schlecht oder übel, manche Schreiber können eben den fleischlichen Geist besser verdauen, manche besser einen Salat mit eingestreuten Worthülsen, manche besser Kraut und Rüben.
Das eigentliche Thema aber ergibt sich. Darum geht es dann: Sich ergeben.

Bin ich noch da? Das fragen sich viele Menschen, die einen gewissen Weg eingeschlagen haben. Wer sich das fragt, der ist dabei zu erwachen. Ich frage mich das oft. Beziehungsweise fragt man es sich gar nicht unbedingt, man hat einfach das Gefühl oder den Eindruck, nicht da zu sein. Obwohl man doch ganz offensichtlich da ist. Schließlich quatschen die Leute einen ja noch an. Und sie schauen einen auch an. Nur eben manchmal etwas anders, als man es bisher gewohnt war. Andere sehen einem nicht mehr in die Augen. Andere wiederum, eher wenige, schauen einen zwar auch mitunter anders an als sonst, aber man hat kein dummes, befremdliches Gefühl dabei, sondern eher ein wohliges Gefühl.

Man sieht sich.

Niemand schreibt zwischen 10 bis 20 Seiten weise, erkenntnisreiche Sätze hintereinander auf, sondern gelangt man über das Schreiben dorthin, zum Schlußsatz, der aber auch am Anfang oder in der Mitte stehen kann und eben das eigentliche Thema aufschlußreich zusammenfasst. Diese Sätze passieren, man überlegt sie sich gar nicht.
Nachdenken ist Abtragen der Schicht, in welcher der Kern vergraben liegt. Vor allem beim schreibenden Nachdenken ist das so. Was zwischen den Schlußsätzen oder vereinzelt auftauchenden Kernen beschrieben steht, ist reine Unterhaltung. Unterhaltung ist wieder so ein aufschlußreiches Wort, wovon die deutsche Sprache so viele hat. Man unterhält sich beim Schreiben auch mit sich selbst, und schreibt man einigermaßen lebhaft, nimmt auch der Leser an dieser Unterhaltung gerne Teil. Leider kann man sich damit selten einen angemessenen „Unterhalt“ verdienen, doch vielleicht ist es auch besser so, denn so bleibt es ehrliche Arbeit. Man wird es aber auch bald leid, sich nur mit sich selbst zu unterhalten oder nur der Unterhaltung des Selbst zu dienen, wenn man ehrlich bleibt oder noch ehrlicher sich selbst gegenüber sein möchte. Hier wächst man aus sich heraus, was ein langer Prozeß ist, der vielleicht so beginnt, daß man nur über sich hinauswächst. Man ist ja auch oft selbst verblüfft, ob nun im Positiven oder Negativen, was man da wirklich anscheinend selbst geschrieben hat. Dort unten auf dem Papier. Da stehts geschrieben. Das gibt den Halt auf der Oberfläche. Dort unter dem Halt, was ist da passiert?
Wie kann ich über mich hinausgewachsen sein? Ob nun in schöngeistigster Form oder in einer Art, für die man sich eher schämt. Passiert ist passiert. Nur war man selbst der Passant. Wo geht er hin? Was ist aus ihm herausgewachsen und was bleibt über?
Das ist der individuelle Prozeß. Der gemeinschaftliche geschieht ebenfalls, die alternativen Medien sind voll davon. Sie schreiben es alle auf, was gerade passiert. Passiert. Dabei sind es gar nicht alle unbedingt Schreiber und Schreiberinnen, im Sinne eines Dichters oder Schriftstellers. Und doch werden sie sehr gerne gelesen.

Nicht alle in diesem Prozeß schreiben darüber.
Wieviele lesen es also? Viele würde ich sagen und sie alle sind auf dem Weg. Man liest nach und man liest vor, übersetzt es gar aktiv im Leben. Sie wissen es zu leben, was ein anderer schreibt, oder umzusetzen, was sie lesen. Es gibt einen Austausch, denn der Schreiber weiß zu schreiben, was sie leben und schriftlich umzusetzen. Doch in welcher Sphäre passiert ein gut Teil davon? Doch nicht mehr nur im Geistreich, sondern zunehmend auch auf körperlicher Ebene. Dort gestaltet sich der Umwandlungsprozeß. Selbst der Schreiber, der sonst am aktiven Leben manchmal so unbeteiligt wirkt, bleibt vom Umwandlungsprozeß auf der körperlichen Ebene nicht ausgeschlossen. Denn darüber schreiben sie derzeit „alle“.
Insbesondere das körperliche Empfinden, das man in den letzten Monaten und Jahren wie in Wellen immer spürt.
Wie kann man aber körperlich so stark empfinden, wenn man gleichzeitig das Gefühl hat, gar nicht richtig da zu sein? Fühlt man sich, als sei man nicht da, würde man doch auch den Körper nicht so nachdrücklich fühlen…
Es ist die Ausrichtung auf das Kommende, bzw. das Ablösen vom Alten. Was der Körper, im Innern und Äußern durchmacht, ist eine Art Neu-Formatierung, oder Materie-ierung, oder ein Matern der Materie. Nothing else matters zur Zeit more als das. Auf geistiger Ebene sind wir doch schon länger dabei.
Auf seelischer Ebene … ich weiß nicht, vieles ist schon entschieden, manche entscheiden sich noch, manche scheiden sich, manche sind schon verschieden, manche waren schon immer ganz verschieden, manche verhalten sich abgeschieden, manche sind unentschieden und viele Verhältnisse werden völlig von dem verschieden sein, im Vergleich zu dem wie sie vorher waren.

Manch andere Freundschaft ging hierbei erstmal auseinander.
Vielleicht hat man auch das Gefühl zu altern, während man meint, man käme überhaupt nicht voran. Allerdings glaube ich da eher, daß man das Gefühl hat zu altern, wenn man fürchtet etwas zu verpassen und nicht an der allgemeinen Bewegung teilnehmen kann. Normalerweise nach Einstein altert man ja umso schneller, je schneller man sich bewegt. Rumsitzen und nichts Neues sehen, läßt weniger altern, dafür aber abstumpfen. Jedenfalls wäre man an oben genanntem Prozeß nicht mehr oder weniger beteiligt, wenn man jetzt plötzlich damit anfängt, Sport zu machen. Ein wenig Gymnastik und vielleicht Thai Chi, Chi Gong, Lang Lang oder Ping-Pong würde zwar nicht schaden, doch nun auf übertriebene Weise sich zu verausgaben, käme eher einer Flucht gleich.

Wir verausgaben uns bereits automatisch. Schon im Schlaf wird sehr viel zurechtgerückt, wie man morgens vielleicht merkt. Auch das führe ich nicht auf das Alter zurück und auch nicht nur auf die Position des Bettes, Strahlen oder Wasseradern. Ich glaube, da geht noch etwas anderes vor sich und vor allem glaube ich das nicht nur allein.
Das mit dem Schlaf ist ja auch bereits ein entsprechendes Bild. Die Menschen erwachen aus dem Schlaf. Manche wurden schon früher wachgerufen, manche haben sich den Wecker gestellt, manche haben ihn nicht gehört oder auf etwas später gestellt, noch eine Runde weitergeschlafen, manche haben ein wenig verschlafen und manche pennen heute noch.
Dann ist man erstmal ziemlich gerädert. Es ist ja auch klar warum. Man ist aus einem Alptraum aufgewacht. Was man nun sieht, ist zwar klarer, schöner, ausgeglichener, weiter und auch leuchtender. Aber noch reibt man sich erstmal die Augen und sieht es überhaupt nicht. Auch eine kalte Dusche könnte nicht schaden, das Geradebiegen der Knochen und vor allen Dingen eins: Ruhe. Machma langsam im Bademantel. Bloß nicht, daß jetzt einer anruft oder gar vorbeikommt. Bloß nicht jetzt mehr als „Guten Morgen“ sagen müßen. Erstmal zu sich kommen.
Und dies alles wiederholt sich natürlich mehrmals, hundertfach. Es ist ja nicht an einem Tag geschafft. Es dauert Jahre an.
Den ganzen Traum muß man loslassen, bzw. aus ihm heraustreten. Vielen Menschen, vor allem älteren Menschen, aber auch jungen völlig bereits eingebundenen Systemrädchen fällt es schwer, sich jetzt noch an dem Prozess anzuschließen. Sie klammern auch umso mehr an einem, je mehr sie sich noch an dem Traum festhalten, in dem man eine Rolle spielte. Die Rolle spielt aber jetzt keine Rolle mehr bzw. wird es einem zunehmend bewußter.
Auch die Struktur des einstigen Traumes, der damals die Realität war, zerbröckelt. Bei einem schneller bei anderen langsamer. Es bleibt umso weniger übrig, je mehr man sich an etwas gekettet oder gebunden hatte. Materielle Dinge und persönliche Überzeugungen fallen weg, da die Ketten oder auch zarten Schnüre abfallen, mit denen man sich daran gebunden hatte. Doch sie fallen auf der Seite weg, aus der man herausgetreten ist. Das andere Ende der Schnur hat man noch am Handgelenk. Auch am Kniegelenk. Auch an den Fersen usw. Das ist ja deutlich zu spüren.

Was macht man sonst noch, wenn man aufwacht? Vielleicht Auferstehen? Wenn ja, dann ist das innerhalb von drei Tagen nur wenigen gelungen.
Ich hätte das alles vielleicht schöner beschreiben können, persönlicher, indem ich statt „man“, das Wort „ich“ verwendet hätte oder eine Person erdichtet hätte, die diesen Weg nun farbenfroh und wortfantastisch geht. Doch ich bleibe bei der theoretischen Erklärung, wirklich in Worte fassen kann man es sowieso nicht. Außerdem laber ich das eh nur nach. Aus einem Buch womit ich gerade angefangen.
Ich empfehle eigentlich nicht gerne Bücher. Auch bei Freunden halte ich mich dabei zurück. Durchaus finde ich interessant, darüber zu erfahren und auch selbst zu berichten, was man gerade liest oder gelesen hat. Das ist jedoch etwas anderes als sie jemandem „ans Herz zu legen“. Es ist, in diesem Zustand, nicht leicht, jemanden ein Buch zu schenken. Also sowohl in dem Zustand in dem ich selber bin, als auch in dem der Beschenkte ist.
Aufklappen muß man sie sowieso selbst. Es ist auch egal, ob oder wann man sie liest. Es passiert ohnehin, ob man nun die Bücher liest oder nicht. Wenn man nicht aufwachen will, passiert es nicht, sondern läuft man höchstens einem angeblichen Erleuchtungsprozess hinterher, den es aber so gar nicht gibt, lesend schon gar nicht. Dann das Erlesene selber auszuschreiben, führt bei vielen zur Einbildung, man sei erwacht. Jedenfalls erwachter, als jene, denen man es zum Lesen gibt. Super Logik. So lächerlich kann die Schreiberzunft sein, und sie merken es nicht einmal. Mir ist wenigstens das bewusst und ich bin auch von selbst gerade noch draufgekommen – zum Glück!

Ich finde, die Rolle die man spielte, weiterhin zu spielen, ist irgendwann leicht – doch je leichter dies wird, desto schwerer ist es, die Rolle wieder aufzugeben. Will man sie aufgeben, dann fällt es wiederum schwer, sie noch zu spielen. Der Unterschied ist wohl, daß der Applaus danach eben auch keine Rolle mehr spielt, dann jedenfalls nicht mehr.
Ich habe früher mehr geredet. Mittlerweile habe ich gar kein Bedürfnis mehr danach. Nur unter Gleichgesinnten sagt man noch was, aber da muß man schon gar nicht mehr viel sagen, das Verständnis ist auch so da. Oft gibt es noch Themen zu behandeln. Aber Plausch und Unterhaltung? Ablenkung ist das zumeist. Für mich ist es dann nicht viel anders, als würde ich Fernsehen schauen. Nur daß man zwischendurch auch mal was zum ‘Moderator’ sagen muß.

Nichts ist wichtiger als man selbst, und nie ist man selbst wichtiger als andere.

Und so lese ich im Moment wenig in Büchern. Oder anders. Immer nur zwei oder drei Seiten. Irgendwie liest man auch anders, als früher.
Schreiben, besonders das derzeitige Schreiben, ist ein Auflösungsprozeß. Es ist keine neue Schöpfung, auch wenn man natürlich während des Schreibens aus dem Quell der Sprache schöpft. Aber nicht um etwas zu errichten. Vielleicht kann man es eine Umwandlung nennen. Wir leben im Zeitalter der Wandlung, der Trennung vom Alten ins unbekannte Neue, das durchaus bereits viel umschrieben und umsungen wurde. Wir gehen zurück und gehen dabei immer weiter vor.
Oder lernen wir es neu? Hirnforschung. Wie kann sich ein Hirn eigentlich selbst erforschen? Objektiv meine ich. Aber gerade das ist wahrscheinlich interessant.
Wer alles möchte, bekommt nichts, wer nichts möchte, hat alles.
Dumme kleine Weisheiten, zumindest lebenspraktisch relativ schwer umzusetzen.
Es ist komisch, aber ich möchte eigentlich wirklich nicht viel. Es geht ja auch nicht ums Haben. Wir haben nichts im Eigentum, wir verwalten es nur eigentümlich. Loslassen setzt die Dinge in Bewegung. Mit Geld ist auch so. Zielgerichtet sparen ist vielleicht angesagt.
‘Sonst kommt man ja zu Nichts’, wie manche sagen. Nein, so kommt man auch nicht zu Nichts. ‘Gewisse Anschaffungen sind notwendig’, sagen viele. Vor allem gerade da, wo es eigentlich keine Not gibt. Man muß nur der Norm entsprechen. Man geht für Freier Anschaffen, versteuert seine Lebensernergie.
Natürlich muß man auch schauen, ob man gesund ist. Nur bloß nichts dabei aufschwatzen lassen, das nichts damit zu tun hat oder alles nur schlimmer macht. Denn diese „Symptome“ sind nicht unbedingt schlimm.

Richtig zugehört habe ich glaube ich noch nie im Gespräch. Es ging immer um anderes. Das lerne ich jetzt erst gerade: zuhören. Und dadurch weiß ich auch erst jetzt, was mich eigentlich interessiert und was nicht. Ich war angeblich mal ein sehr guter Zuhörer. Von etlichen Seiten hat man mir das bestätigt und ich bildete mir etwas auf die Bestätigung ein.
Alles nicht mehr wichtig. Jetzt wird richtig zugehört oder gar nicht. Ich kriege auch in Filmen oder ähnliches die Gespräche nicht mit und achte eher immer auf anderes, zumeist auf die Schauspielkunst Gestik und Mimik. Auch wenn der Wirt kommt und auf meine Anfrage hin antwortet, welche Kuchensorten er vorrätig hat. Ich höre vielleicht noch die erste Kuchenvariante, aber um den Rest aufzunehmen und mir vor allem auch noch zu merken, schweife ich spätestens dann direkt wieder ab. Seine Augenbraue zum Beispiel oder ein Grübchen.

Wir spielen noch eine Rolle, aber wir haben offenbar den Text vergessen. Wozu soll man noch ins Theater gehen? Das Theater ist gleich hier, gleich nebenan, auf der Straße, in der Stadt, im Museum, im Cafe, auf der Arbeit ganz besonders – überall. Überall sind Figuren, die sich selbst ausgedacht haben oder ausgedacht wurden. Wenn man da plötzlich nicht mehr ist, ist man einfach nicht mehr da und doch da. Nur, daß es nicht so plötzlich stattfindet, wie in Büchern. Es dauert ewig und ist sehr anstrengend. Man geht tausendmal zurück, statt Schritt für Schritt voraus oder heraus. Und jeder auf unterschiedliche Weise.

Ich gebe nichts auf die Gruppe. Auch nicht im Kindergarten. Nicht bevor die Kinder in ihren Talenten und in sich wurzelnden Aufgaben bestärkt werden, an diesen zu arbeiten, sie herauszufinden. Daraus können sich erst Gruppen bilden, die wirklich der Menschheit dienen – statt wieder nur anderen Gruppen… Denn diese Gruppendynamik funktioniert nur in dem System, aus dem nur die Gruppen erfolgreich hervortreten, die dem System dienen…
Ich war bis zu meinem 28. Jahr viel in Gruppen und lernte, man wird es nicht glauben, Gruppendynamik. Es hat nichts gebracht. Wir waren gar nicht so unspirituell ausgerichtet. Trotzdem sind alle auf der Strecke geblieben, machen, was alle machen und sind unzufrieden oder krank oder auf dem besten Wege dahin. Der ganze Schmu geht im Kindergarten los. Natürlich sollen sie nicht zu Egoisten heranreifen, bevor sie die Werte der Gemeinschaft nicht kennengelernt haben. Aber sie werden ja doch alle zu Egoisten, um in der sogenannten Gemeinschaft überhaupt bestehen zu können. Da läuft was falsch. Es geht zu wenig um den Einzelnen. Gruppen habe wir schon zur Genüge gehabt.
Und die Seelengruppen werden doch gar nicht gefördert, von solchen Institutionen.

Natürlich sind dies alles Gedanken. Vielleicht geht es um die Anstrengung dabei. Beim Schreiben habe ich sie nicht. (So hört es sich wahrscheinlich dann auch lesend an) Ich muß aber zum Beispiel richtig angestrengt nachdenken, wenn man mich fragt, was ich dann und dann gemacht habe. Wo ich war an jenem Tag, zu jenem Datum. Selbst wenn man mich fragt, wie alt ich bin. Ich muß dann von dem Jahr, das wir gerade haben, zurückrechnen, bis zu dem Jahr wo ich mit 0 Jahren auf die Welt kam. Das ist ziemlich kompliziert, wenn man nicht so gut im Kopfrechnen ist.

Irgendwie huschen mir manchmal im Halbwachschlaf die dümmsten Sätze durchs Hirn. Erst gestern wieder. Letztens dieser eine Lateinische mit Neapolis de fractetius, ich weiß gerade nicht mehr ganz genau, wie er ging. Habe ihn aber aufgeschrieben. Meistens gehen sie ja verloren, weil man sie nicht aufgeschrieben hat. Und wenn man sie aufgeschrieben hat, ergeben sie keinen Sinn.
Der gestrige ist auch sehr sinnfrei. Es ist mir völlig unbekannt, um was es da gehen soll. Ich habe dann direkt weitergepennt und als ich ihn später las, habe ich mich inoffiziell für bekloppt erklärt. Der Satz lautet:
‘Reinhold Schüssler, Verantwortlicher der Stenographen-Akademie Mühlheim’.
Allerdings ohne Punkt und Komma. Ich frage mich nur, wer soll das schon wieder sein? Gibt’s sowas überhaupt? Und was habe ich damit zu tun? Ich muß das mal googlen, bzw. ixquicken.

Nunmehr besteht also die Pflicht zur Abnahme der grellen Quacksalber-Giftlampen aus Brüssel.
Es gibt auch Alchimisten im Dienste der Dunkelheit.
Ich war übrigens mal in Brüssel, vor ca. 10 bis 17 Jahren. Es hat mir ganz und gar nicht gefallen, dieser Teil von Bälgien


5. November 201

Bleibe ich beim Allgemeinen. Da kann man schöner Floskeln schreiben. Es gibt nur eine Wahrheit. Sie verbirgt sich hinter der Vermutung, daß wahrscheinlich Nichts wahr ist. Oder eben Alles, so auch die Lüge. Auch das Bewiesene ist noch längst nicht wahr. Da sind alle anderer Meinung und es wird differenziert, womit wieder etwas über bleibt, das dann doch nicht wahr ist.
Eher ist Nichts wahr. Doch mit Nichts ist fast niemand zufrieden. Dieser Satz trifft zu. Doch ist er auch nur eine Beobachtung und längst nicht die Wahrheit. Wenn wir jetzt aber bei dieser reduzierten Herangehensweise blieben, so hätten wir künftig nicht mehr allzuviel zu schreiben.
Außer schreiben wüßte ich derzeit nicht, was ich überhaupt tun soll. Das stand so ähnlich auch in so nem Buch aber ich habs schon 10 Jahre vorher bei mir selbst gelesen. Irgendwo hab ich die Texte noch rumliegen.

Lichtenergie

Ich könnte mir schon vorstellen, daß ein Leben ohne Nahrung möglich ist. Man kann es sich vorstellen, muß es aber nicht glauben. Man kann es glauben, aber sich nur nicht vorstellen. Und während ich dieses schreibe, esse ich gerade übrigens, nehme handfeste Nahrung zu mir. Daher ist meine Meinung über das, was ich mir augenblicklich vorstellen kann, überhaupt nicht relevant.
Aber ich glaube es und kein Beweis könnte mich vom Gegenteil überzeugen, denn ich glaube nicht an der menschlichen Beweisführung mehr als an das, was dem simplen Menschen unerklärlich erscheint.
Ein Leben ohne Nahrung ist zwar nicht möglich… aber für jemanden, der sich von Licht ernährt, ist Licht gleich Nahrung. Es ist daher möglich, wenn wir Licht als abgewandeltes Nahrungsmittel erkennen.
Zumindest was die Nahrung betrifft, halte ich durchaus für möglich, was Yogis tun, wenn sie Licht verwursten. Nahrung ist Materie.
Beim Wasser bin ich mir da nicht so sicher. Ohne Wasser läuft im Leben wohl wirklich nichts. Obwohl. Es gibt auch Pflanzen, die man nicht mal gießen muß. Ohne Licht läuft gar nichts. Dann wiederum gibt es aber Pflanzen, die ohne Licht wachsen. Sie brauchen allerdings Wasser.
Egal, wir sind jedenfalls keine Pflanzen.
Vielleicht hatten wir ja auch früher gar keinen Magen, sondern einen eingebauten Klangapparat und einen MP3-Player als Stoffwechselumwandlungsschalter. Oder eben gar mehrere Mägen. Und dafür dann weniger Gehirn.
Was passiert bei der Nahrungsaufnahme eigentlich wirklich? Erhält sie das Leben oder wird das Leben dadurch lediglich verdaut. Oder wird das Überflüssige des Lebens verdaut? Vielleicht ist die Nahrung nur ein Mittel, ungelöste Geistesdinge zu verdauen und wir Menschen haben die Funktion eines Verdauungsapparates zwischen Geist und Materie. Der Geist kann eigentlich die Materie lenken. Doch bei uns, in unserer Zeit, lenkt die Materie den Geist.
Die Materie kann einen Geist haben, so daß der Geist sich den Geist der Materie einverleibt. Die Vielzahl der Pflanzen, Kräuter und Tiere, die wir essend in etwas umwandeln können, ist ja ein Gottes Segen. Dahinter ist ein Konzept deutlich zu erkennen.
Manche müssen dabei nicht mehr mitmachen, sie sind aus diesem Aspekt der Materie heraus. Sie ernähren sich rein über den Geist. Pflanzen reagieren doch auch auf Musik und Sprache, oder nicht? Jedenfalls reagieren sie in aller (harmonischen) Regel positiver, als wenn man ihnen ein Stück Bauchfleisch an den Ast hängt oder ein Glas Cola in die Topferde schüttet.
Solche Yogis müßten in etwa so zugänglich für unsere Belange sein wie Pflanzen. Wovon ernährt sich ihr Geist, sie dürften ja noch nicht einmal mehr den Drang verspüren, lesen und schreiben zu müssen.
Das ist wohl nochmal eine andere Geschichte und irgendwann kommen wir da auch noch hinter.
Komisch ist aber, daß die ARD ausgerechnet jetzt eine Reihe über Ernährung und Nahrungsmittel gestartet hat. Sehr seltsam finde ich das. Geradezu verdächtig. Ich sagte ja bereits, man muß keinen Fernseher besitzen, um zu wissen was läuft. Ein Blick ins Programmverzeichnis genügt. Entweder die Medien beeinflussen im Vorhinein oder sie hinken mit alten Erkenntnissen hinterher, in Vermeidung der neuen. Auch komisch ist, daß die EU-Komission nun dem Volke verbieten möchte, Heilkräuter zu sich zu nehmen. Die Nahrung haben sie ja schon zum Teil entgeistigt, da sie sie nicht verbieten können. Die Kräuter werden einfach patentiert, dann wird sie nicht mehr jeder kaufen können, geschweige denn anbauen dürfen.
Am Ende schneiden sich solche Kommissäre aber nur ins eigene „Fleisch“.

Filmemacher wollen uns immer „hinters Licht führen“. Sie können gar nicht anders, wenn man bedenkt, daß das sichtbar wird, was sie hinten aus dem Vorführraum über unsere Köpfe hinweg vor unseren Augen auf die Leinwand projezieren. Licht mit Informationen, transportiert durch die Luft. Wie Musik oder Frequenzen…
Wir sind auch so schon unter Dauerbeschuß. Wer weiß, vielleicht vermitteln uns ja irgendwelche Informationen in irgendwelchen Frequenzen über die Luft, daß wir mal wieder tierisch Kohldampf haben. Dazu nimmt man eine Handvoll Stress und Frust und ungelöste Visionen und man hat eine ganze Menge Schwachsinn zu verdauen und frisst wie ein Scheunendrescher. Man muß auch essen, was man verdauen möchte. Wird man über seltsame Umwege ernährt, so wars das wohl mit dem freien Willen. Information bringt uns in Form.
An allererster Stelle muß der Mensch auf jeden Fall erstmal herausfinden, was eigentlich Wasser ist. Die Wissenschaft weiß ja bis heute keine Erklärung dazu. Sie nennen es H2O, na gut und es ist unerläßlich für den Lebenserhalt oder der Entstehung von Leben. Darauf wäre ich aber auch selber noch gekommen. Nur wieso? Wieso Wasser? Was ist es genau? Was ist dadrin? Wo kommt es eigentlich her? Na klar, aus dem Wasserkran. Auch so ein schönes Wort. Mit einem Kran wird etwas transportiert. Was transportiert Wasser. Luft? Welche Information steckt darin? Oder steckte einst?
Eigentlich kommt Wasser ja auch aus der Erde und aus dem Himmel auch.
Klare Sache, welche Information demnach darin stecken müßte. Bestimmt nicht Flour oder was die da immer durch die Hähne fließen lassen. Gut, man kann es abkochen. Aber sonst? Tja. Mensch. Was nun. Keine Verbindung mehr?
Es ist auf jeden Fall ein Umweg, sich einen Film anzuschauen, wenn man informiert werden möchte. Die Information ist in der Luft und wird durch Licht oder Sprache übertragen. Daher auch die viele Desinformation und Krankmacherei. Das Monster hat leider immer noch ein Wörtchen mitzureden.
Manche sagen Wasser auf Erden ward einst hienieden gekommen in Form von Eis aus den Weiten des Alls, möglicherweise in Kollision mit einem Wassermond. Wenn das so ist, sind wir dann nicht alle im Ursprung unseres Seins Außerirdische?
Ich könnte mir endlos dumme Fragen stellen. Ich könnte auch sofort die erstbeste Antwort immer gleich sofort daneben schreiben. Dabei reicht die Fragerei alleine schon aus…
Denke nicht über die Antwort nach, wenn du dir eine Frage stellst, sondern denke über die Frage insoweit nach, warum du sie dir stellst. Das stand auch dann in so nem Buch, passend zu einem Text von mir. Das ist keine Angeberei. Wollte nur sagen, daß man schreibend alles herausfinden kann. Das bedeutet aber nichts.

Spirituell sind viele Menschen. Sie wollen nicht unbedingt alle erleuchtet werden. Immerhin. Aber erwachen wollen sie auch nicht. Erwacht ist fast gar keiner.
Erwachen ist der Übergang von einem Zustand in einen anderen, von einem Bewußtseinszustand in den anderen. Entweder man schläft oder man ist erwacht. Befindet man sich auf dem Weg zum Erwachen, so schläft man ebenfalls noch, ist allenfalls halb wach, jedoch nicht gänzlich erwacht. Ist man beim Erwachen, so wirkt der Schlaf, der Traum immer noch ein. Ist man aber vollständig erwacht, so ist der Traum nicht mehr das, was man von da an als die volle Realität anerkennt. Doch wann ist man vollständig erwacht? Wenn man erkennt, die Realität war nur ein Traum. Vollständig, aber nur ein Traum, in dem man jetzt nicht mehr ist. Sagt Mcenna. Das ist auch so ein Buch, das es mal gegeben haben wird. Jeder ehrliche Schreiber wird dazu sagen: Ja und? Ist mir kaum neu.
Denn:

Ich bin vielleicht gerade mal halbwach. Also nicht erwacht. Zum Erwachen gereicht es eben auch nicht, wenn man weise Bücher liest. Man muß alles überwinden.

Aber was geht wohl bei einem Lichtesser vor sich? Was geht in ihn hinein? Licht. Folglich müßte auch Licht hinausgehen und nicht Urin. Die Wissenschaften sind in meinen Augen größtenteils dumm. Dumm und dämmlich. Wissen ist in diesem Fall nicht Wissen.
Wissenschaftliche Beweise dienen in erster Linie nur zum Erhalt der Existenzberechtigung der Wissenschaften. Was nicht bewiesen werden kann, wird nicht anerkannt. Doch sollte der Ansatz ehrlicher Wissenschaften immer sein, das Alles möglich ist, da, wie sie selber sagen, alles denkbar ist. Wenn die entsprechende Erklärung/Formel dazu nicht gefunden werden konnte, dann beschreibt dies nur den unausgereiften Zustand der Wissenschaft und sie müssen eben weiterforschen. Auf diese Weise hinken sie nur hinterher. Das ist nicht schlimm, doch haben sie nicht den Anspruch, die Instanz zu sein, aus deren Erkenntnissen sich das allgemeine Weltbild ergibt, an das alle zu glauben haben. Vielmehr fungieren sie als Übersetzer, die mithilfe ihrer Sprache ein Phänomen erklären wollen, die Sprache aber solange korrigieren und angleichen bis es auf das Phänomen passt, während der nächste unerklärliche Zustand schon wieder vor der Tür steht.
Ich glaube, wer nach Beweisen sucht, wird sich niemals zufrieden in die Sonne legen. Höchstens selbstzufrieden, ein paar Stunden lang. Ein wissenschaftlich engagierter Mensch würde sich ohnehin nicht „in die Sonne legen“, das dürfte man neben ihm jedenfalls nicht so sagen, sondern würde er sich, wenn überhaupt, ins Licht der Sonne legen, das auf die Erde strahlt, denn in die Sonne legen, das kann man sich nicht.

Aber wie auch immer, wer nach Beweisen sucht, wird immer nur suchen und vielleicht als nächstes den Sonnenbrand erforschen und diesen Vorgang mit Formeln erklären. Das ist gut, um eine Sonnencreme zu entwickeln, andererseits muß man die auch nicht erst erfinden, jedenfalls nicht mit Chemie, denn früher gab es das auch nicht.
Beweise sammeln sie, wie Dosen, sie ordnen sie und bleiben an ihnen haften, auch wenn man sie gar nicht braucht, da es schon wieder neue Beweise zu suchen gibt. Ein Messi des Wissens. Der Mensch, ein Messi des Wissens.
Zudem machen Dinge, die nicht erklärbar sind, nicht nur Angst, sie können auch Hoffnung machen. Doch vielleicht haben sie recht. Letztlich machen sie Angst. Gott ist nicht bewiesen, die Seele ist nicht bewiesen. Manche haben davor Angst, manche schöpfen daraus Lebensmut.
Was man nicht sehen kann, gibt es nicht, sagen viele. Doch ob es das gibt, was man nicht sehen kann, das kann man nunmal nicht wissen. Manches davon gibt es wohl und manches nicht. Und wer fragt sich eigentlich, ob es überhaupt das gibt, was man sehen kann? Vielleicht gibt es das ja ebenfalls nicht. Wer ist der, der das glaubt, was er sieht oder auch glaubt, was er nicht sieht? Gibt es ihn überhaupt? Kann er sich selber überhaupt sehen?
Schwierig. So ganz kommt man nicht dahinter.
Doch klar ist wohl: Das Gesichtete gibt es im Bereich des Sichtbaren desjenigen, der es sieht und der meint, daß es das deswegen gibt.

Kurzum

Oft frage ich mich, wieso die deutsche Geschichte nur ab 1933 aufgearbeitet wird. Was zwischen 1933 bis jetzt passierte ist ein schlechter Witz. Die Grausamkeiten sind nicht zu leugnen. Wirklich aufgearbeitet wurde die Geschichte aber nicht, nur ein Teil der Geschichte, aber vor allem die deutsche Geschichte vergleichsweise eher nicht.

Was mir während der Schulzeit vermittelt wurde, war jedenfalls Brainwashing.
Schnell was anderes

hier wäre mal ein Artikel fällig


11. Dezember 2010
Aus Angst vor der Wahrheit gibt’s keine Wahrheit

 Alles läßt sich bis auf die Wahrheit reduzieren. Alles läßt sich reduzieren, bis auf die Wahrheit. Das habe ich mal irgendwo geschrieben. Ich wiederhole es immer gerne. Aber ich komm einfach nicht dahinter, wie das geht.
 „Glauben bedeutet, nicht wissen zu wollen, was wahr ist“, so sprach zumindest Nietzsche. Nebst der Tatsache, daß dies ein ziemlicher Angriff gegen jegliche Glaubensinhalte ist, stellt sich also mal wieder die Frage: was ist wahr?
Und kann man es glauben? Wenn ich nicht wissen will, was wahr ist, so glaube ich nur an etwas, das gut klingt und mir in den Kram passt. Man kann allerdings so feste glauben, daß es wahr wird. Was darüberhinaus dann auch noch wahr ist, wird jedoch oftmals ausgeblendet.
Klingt die absolute Wahrheit vielleicht gar nicht gut? Auf den ersten Blick? Passt sie uns möglicherweise überhaupt nicht in den Kram?
Die Wahrnehmung zumindest gereicht nicht, der Wirklichkeit gewahr zu werden. Auch Fernando Pessoa schrieb ja schon in seinem Buch der Unruhe:
„… Tatsächlich besitzen wir einzig unsere eigenen Wahrnehmungen; auf sie und nicht auf das, was sie sehen, müssen wir demnach die Wirklichkeit unseres Lebens gründen. Das sage ich mit einer bestimmten Absicht.“

Nehmen wir doch nur zwei von den vielen seit Menschengedenken ungelösten Fragen:
Erstens: Wer sind wir? Und zweitens: Warum sind wir hier?
Oder Erstens: Ich will die Wahrheit darüber wissen; wer ich bin. Und zweitens: Ich will den Grund für diese Wahrheit erfahren, wieso ich hier bin. Denn Fragen allein bringt nicht immer die Antworten. Wollen bringt die Antworten. Will man es, erfährt man es. Die meisten wollen es gar nicht wissen. Sie fordern nicht, sondern fragen. Sie fragen, um mit der Frage eine Antwort zu bekommen, die ihnen halbwegs angenehm gemäß ihres Glaubensinhaltes erscheint.
Welche Richtlinien oder Werkzeuge gibt es, auf den Weg zu kommen, der dorthin führt, über diese Fragen die Wahrheit herauszufinden? Über die Wissenschaften? Über die Religion? Über die Spiritualität? Über eine ausklambüserte Zusammenstellung aus Wissenschaft, Religion und Spiritualiät?
Ich habe lange Zeit so gedacht:
Keines der drei Glaubensinhalte stellt mich vollends zufrieden. Selbst wenn ich sie studiert hätte, würden sie es nicht tun. Folglich müßte doch in allen Theorien ein Funken von Wahrheit sein, die gemeinsam das Stroh entzünden, an dem ich mich wärmen kann, dachte ich. Aber dieser Versuch war eine Fehlzündung. Alles löste sich schneller in Rauch auf, als daß man sich daran wärmen konnte.
Wissenschaft, Religion, Spiritualität suchen im Grunde die gleichen Fragen zu beantworten. Sie schaffen es nicht vollends. Es ergeben sich daraus außerdem Verzweigungen, wie Religionswissenschaft, spirituelle Lehren und natürlich die Philosophie. Ja, die Philosophie, die höchste Kunst, an der Erkenntnis vorbeizuschießen und sich an der Tatsache, daß der Mensch unfähig ist, die Wahrheit über den Sinn des Lebens zu erkennen, redegewandt vorbeizumogeln. Philosophie, die geistreichste Art, die Antworten um das Dasein des Menschen beständig und auf alle Tage elegant zu umgehen.
Nein, ich habe mich also getäuscht, wenn ich dachte, ich könnte aus jeder der Lehren etwas beziehen, nachdem jede Einzelne für sich allein schon nicht zufriedenstellend war. Es war falsch zu denken, ein Potpouri aus ihnen zu erstellen, würde mir Erkenntnisse liefern und ich könnte mir daraus eine grundlegende Wahrheit zurechtbasteln.
Denn ob nun Wissenschaft, Religion, diverse spirituelle Lehren oder Philosophie, sie alle können mir letztlich nicht viel bieten. Sie alle scheitern schon allein an ihrem Selbstverständis und auch eine Zusammenstellung ihrer sinnigsten Inhalte würde mich nicht viel weiter bringen. Nicht um die Wahrheit zu ent-decken. Denn es sind Decken. Mit viel Wissen bestickt. Die Anhäufung von Wissen würde ebenfalls nichts weiter ergeben, als eine Anhäufung von Wissen.
Die großen Lehren beschäftigen sich nicht bedingungslos mit der Wahrheit. Aber sie lügen auch nicht unbedingt. Es spielt sich lediglich alles im gleichen Raum ab. Oder auf der gleichen Bühne und das Publikum ist begeistert oder hin- und her gerissen.
In dunkler Ahnung, mit dieser ziemlich abgewandten Denkweise auf dem richtigen Pfad zu sein, fing ich wohl mit dem Schreiben an. Ich schrieb über diesen Prozeß der Überwindung allgemeiner Lehr- und Glaubenssätze und über die Überwindung an sich, die Überwindung des fälschlichen Selbst. Erst jetzt aber habe ich verstanden, daß die Überwindung des fälschlichen Selbst nicht etwa ein richtiges Selbst ergibt, sondern: gar keins. Schließlich ist es das Selbst, das sich selbst überwindet. Daraus leite ich ab, daß mir die Überwindung somit noch nicht gelungen ist.

Ich würde sagen, ich schrieb 15 Jahre lang nur darüber. Also nur im Sinne von lediglich. Das grundlegende Thema war: Nichts. Texte übers Nichst, Gedichte aus dem Nichts und bald Briefe ins Nichts.
Und es ist grotesk, denn an diesem Thema kann man nur vorbeischreiben.
Ich habe es auf meine Weise auszudrücken versucht und nun, endlich, fand ich Umschreibungen, die mir ganz vertraut erschienen. Es ging um das gleiche mit Leere angefüllte Thema, und es stammte zu meiner Freude aus anderer Feder – will sagen: wenn du innig zustimmend etwas liest, so zitiert dir jemand aus dem Herzen. Er zitiert dich sogar aus dem Herzen heraus. Dort hervorgekommen stehst du dann vor einem Spiegel und plapperst ihm alles nach, bis du merkst, daß es doch wieder nur ein Spiegel ist und mit dir eigentlich sonst nichts zu tun hat. Denn ist es natürlich so, daß man Zitate eigentlich nur nachplappert.
Entliehene Erkenntnisse. Umgeschriebene Worte. Aber ein Austausch auch. Das Erwachen und das Erwachsen zum Beispiel. Habe ich neulich von gehört, aber selber schon längst hingeschrieben. Nur deswegen datiere ich meine Aufzeichnungen. Damit ich für mich weiß, was ich evtl. nachgeplappert habe und was eventuell nicht. Auch Vakuum. Torloses Tor. Lediglich nannte ich es Tür. Eingang und Ausgang.
Man kann über alles schreiben. Und dann solches eben auch lesen.

Man muß immer weiter forschen oder immer tiefer glauben, doch wenigstens bestätigen wir uns alle gegenseitig im Traum und begleiten uns bis zuletzt zum Grab. Wer diesen Zustand als eine Realität anzweifelt, gilt aus verrückt oder wenigstens sonderbar. Wer schonmal an einem Grab gelacht hat, statt geweint, der weiß, was ich ungefähr meine.
Bei aller Trauer, die hier mitschwingt und mit der auch ich mich noch vorbefürchtend herumschlage … ist es doch eigentlich die reinste Komödie.
Die Wahrheit ist einfach, sagt man und es ist wohl auch so. Aber wer hat denn gewagt, Wahrheiten anzunehmen, die zwar ebenso einfach in sich sind, aber ziemlich erschütternd in uns ankommen. Dabei ist gar nicht mal die Wahrheit das Erschütternde, das Erschütternde ist bloß die Erkenntnis, daß man solange einer Lüge oder Täuschung aufgesessen ist.
Wir leben unseren Alltag und übernehmen Verantwortung für irgendwas. Schwer, da herauszukommen. Schwer überhaupt der Verantwortung nachzukommen. Doch Schuldgefühle wären hier das aller Falscheste, egal ob man drin ist oder raus möchte. Loslassen ist ein Weg, sich (und anderen) die Dinge zu erleichtern. Sie sind dann nicht verloren, sondern in die Verantwortung höherer Instanzen überführt worden. Doch übergibt man sie in den Verantwortungsbereich der Institutionen, dann muß man umso besser hinschauen. Sie wurden dazwischen gesetzt – vor die Weisheit des Universums, dem sich solche Institutionen eben in den Weg stellen, so daß der Mensch sein Vertrauen nicht ins Universum beamt – und sich nicht selbst im Innern vertraut.
Auf diese Weise loszulassen, ist schwierig. Doch gerade bei Schwierigkeiten gilt wohl: Vertraue dem Prozeß, in dem du dich befindest, dann wird es leicht.

Streitschrift

Selbstverständlich steckt die Gefahr für die Jugend auch im Internet. Doch sie steckt auch in den anderen Medien und das schon seit Jahrzehnten. Jedenfalls, wenn der politische Staat sagt, das Internet birgt Gefahren für die Jugend, dann meint er eigentlich, das Internet birgt Gefahren gegen den auf die Jugend einwirkenden Staat. Die Medien gehörten bisher dem Staat. Das Internet (bisher) nicht. Ist doch klar, woher der Wind in dieser Debatte weht. Ist doch klar, warum wir weiter schreiben müssen.
Natürlich sind da Sachen drin, die für die Jugend nicht als vollständig gefahrlos betrachtet werden können. Was macht man dagegen? Das Internet verbieten? Oder am besten gleich die Jugend? Frauen mit Pimmelmann dürfen sie sehen, aber sie sollen nicht erfahren, daß manche PolitikerInnen Nutten sind.

Wenn es einen moralischen Verfall der Jugend gibt, so führe ich ihn im Übrigen nicht allein auf die Gefahren des Internets zurück, doch leider gibt es auch Handys.
Das Handy ist in meinen Augen kein Hilfsmittel. Das Internet schon. (Oder noch?)

Eindeutig fehlt den Menschen ein Sinn, mindestens ein Sinn. Derzeit ersetzt das Wissen und Gewissen diesen Sinn.
Das Gewissen hat eigentlich keine glaubwürdige Grundlage. Ich glaube, ich handle oft nicht mehr nach bestem Wissen und Gewissen. Zumindest nicht nach dem Gewissen, nach dem ich früher gehandelt habe. Das Gewissen ist trügerisch. Wer ein gutes Gewissen hat, der hat auch ein schlechtes, nur daß er im Moment eben mal ein gutes hat. Kein Grund, sich mit seinem guten Gewissen besser zu fühlen.
Was ist mit dem Lügen? Ich frage mich ja, ob man nicht schon als Lügner gelten kann, sobald man sich selbst belügt. Aber wann belügt man sich selbst? Wer weiß das schon? Wer sieht sich schon selbst in die Augen?

Es gibt im Internet Seiten mit interessanten Ansätzen. Sie werden aber von offizieller Seite stark angefeindet. Sie sind offenbar nicht politisch korrekt. Von diesem Aspekt abgesehen offenbaren sie aber eine interessante Alternative in Bezug auf Gesundheit und die eigentlichen Bedeutungen von Krankheiten oder deren Symptome. Und zwar mit sehr verständigen Ansätzen zu der Erkenntnis, daß jede Krankheit heilbar ist. JEDE. Das ist eine der wichtigsten (wieder kommenden?) Erkenntnisse. JEDE Krankheit ist heilbar. Sonst gäbe es die Krankheit nicht.


13. Januar 2011

nun steh ich hier ich armer Thor,
und weiß weder zurück noch vor.

Statt zu sagen, ich weiß nicht zurück, könnte man auch sagen: Es gibt kein zurück. Nur ein Zurückblicken. Ob das immer so gut ist?
Wie ist es mit der Vergangenheit außerhalb des Schreibens? Mit den Dingen, die geschehen sind, den Lebewesen, die einst lebten, dem Bügelbrett, das einst dort stand?
Wirkt das Vergangene in die Gegenwart ein, so hat es wohl noch eine Relevanz. Manches wirkt noch in materieller Form mit in die Gegenwart ein, zum Beispiel zurückgebliebene gebügelte Wäsche neben dem gerade entfernten Bügelbrett. Manches wirkt in sinnlicher Form mit ein, zum Beispiel der Duft von gebügelter Wäsche beim Nachbarn, der uns an das heimische Bügelbrett erinnert, das wir gestern der Schrottpresse übergeben haben und seither materiell gesehen verblichen ist, im Geiste aber noch vorhanden. Manches wirkt in geistiger Form mit ein, die Erinnerung an die verblichene Welt. Manches wirkt in seelischer Form ein, über die emotionale Verbundenheit mit demjenigen, der während des materiellen Ausbleibens im Leben, also Zeit seines Todes, nunmehr genauso wenig da ist, wie einst das Bügelbrett.
Der Unterschied des Umgangs damit, besteht wohl darin, daß wir zu dem Bügelbrett keine emotionale Bindung aufgebaut hatten.

Ich versuche, mich nun schreibend dem Thema Zeit zu nähern.
Aus dem, was aus der Vergangenheit in die Gegenwart mit einwirkt, gestalten wir die Zukunft. Zum Beispiel überlegen wir uns gegenwärtig, morgen ein neues Bügelbrett zu kaufen und übermorgen denken wir dann: Ach, was habe ich mir gestern doch für ein schönes Bügelbrett gekauft.
Somit gibt es Vergangenheit, Gegenwart und auch Zukunft. Das Vergangene liegt in der Vergangenheit. Das Zukünftige liegt in der Zukunft. Und das Gegenwärtige? Es ist nicht greifbar oder war nicht lange Teil der Gegenwart.

Wie schon beim Thema Wahrheit spiegelt das Aufstellen von Begriffen, die wir einer abstrakten Sache geben, eine Form von Erklärungsnot wider, die im Versuch mündet, mit der Sprache etwas zu beschreiben, um das Leben mit dem Verstand begreifen zu können.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehören zusammen. Wir benötigen sie für den Erhalt unserer lineraren Denkweise. Verläuft die Zeit linear? Nein, das weiß man heute. Nur unser Zeitmaß verläuft linear, es hat aber bekanntlich mit der Zeit nichts zu tun.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft finden entweder nacheinander statt oder erst nacheinander und dann wieder von vorn. Nach der Vergangenheit kommt die Zukunft und nach der Zukunft kommt wieder die Vergangenheit. Die Gegenwart spielt dann eigentlich keine Rolle mehr oder liegt immer vor uns, wie ein Einkaufswagen, den man vor sich herschiebt. Man steckt etwas hinein und nimmt es gleich wieder heraus, um es irgendwann zu benutzen.
Manche meinen, sie leben nur im Jetzt. Das ist nicht unweise, solange sie meinen, hierdurch die Zukunft zu gestalten, statt sich der Vergangenheit hinzugeben. Es ist ein bewußter Umgang mit seinen Taten und Gedanken in Hinblick auf die relevanten Zeiten. Doch solange sie meinen, sie leben im Jetzt, weil es nur das Jetzt gibt, machen sie sich etwas vor. Diejenigen, die es richtig machen, erkennen ja auch das Gestern und Morgen an, sie richten nur ihre Energie nicht allzu sehr darauf. Und wenn sie es auf das Jetzt richten, für das Morgen, wie es ja manche tun, so leben sie eben nicht nur im Jetzt, sondern im Morgen.
Andere erkennen das Jetzt nur an, indem sie sich darauf versteifen und immerzu denken, jetzt ist jetzt und jetzt ist jetzt ist jetzt ist jetzt. Und jetzt bin ich tot. Was jetzt?
Ich finde, das Jetzt gibt es nicht oder noch weniger als Vergangenheit und Zukunft. Das Jetzt gibt es genauso wenig, wie das Früher und Später, wenn man versucht, es aus dem Kontext von Früher und Später auszuschneiden. (von 2006)
Alle drei Zeiten sind eigentlich jetzt. Im Jetzt-Kontext gibt es die Vergangenheit, so wie es auch das Gegenwärtige zukünftig einmal gegeben haben wird.

Vielleicht sind wir nur ein materialisiertes Gebilde, ein Gedöns, das, sobald es sich auflöst, wieder dem Universum zugehört, wie das Wasser dem Ozean. Doch wozu dann noch das ganze andere Gedöns?
Alles nur Schmuck, mit dem wir uns an die materielle Welt binden. Bindung ist Besitzanspruch. Klamotten, mit denen wir unser Glashaus einrichten und ihm damit eine größere Bedeutung beimessen, als dem Ozean außerhalb des Glashauses. Wir können Dingen Bedeutungen beimessen, die es so nicht gibt. Nur für unser Ego soll es sie geben. Bindung ist Besitzanspruch, doch Verbindung nicht. Verbindung ist Ausdruck von Zugehörigkeit. Denn wir können in den Dingen auch Bedeutungen erkennen, die es sehr wohl gibt. Das geht nur nach Überwindung, bzw. Zurückstellung des Egos. Und auch nach Überwindung der Vorstellung vom Festbestehen der Materie.

Wahrheitslüge

Was Menschen denken und sagen, ist selten wahr, schon gar nicht absolut wahr. Eher ist doch das Leben wahr, wir Menschen aber nehmen es nur unterschiedlich wahr.
Wir nehmen das Leben wahr, können vom Leben aber nichts wissen, solange wir nicht wissen, was der Tod ist. Der Tod ist seltsamerweise ähnlich dem, was wir nur von einem wahren Freund erwarten können: Auf ihn ist Verlass. Er kommt mit Sicherheit.
Zumindest ist noch kein Fall bekannt geworden, bei dem er einen Menschen in Stich gelassen hätte. Mehr Menschen haben den Tod gefunden, als daß sie die Wahrheit gefunden haben. Mehr Menschen haben den Tod gefunden, als daß sie Gott gefunden haben oder mindestens waren es ebenso viele. Zumindest Zeit ihres Lebens werden mehr Menschen den Tod finden, als daß sie Gott gefunden hätten.

Weiter

Woher ich die Kraft nehme, weiß ich nicht, denn es ist eher so, daß ich mir die Zeit nehme. Manchmal kostet es aber Kraft, sich die Zeit zu nehmen. Und immer wieder die Zeit.
Als Zeitverlust betrachte ich dies alles jedoch nicht. Jetzt ist es erledigt und das Schaffen der Vergangenheit kann auch im gegenwärtigen Wirkungsbereich zukünftig gelesen werden.
Schriftsteller, oder sagen wir Schreiber, sind nicht da wo sie sind, während sie schreiben.

Ich sehe das Leben als Teil eines Prozesses, dem ich mich ergebe. Dem wir vielleicht alle mehr oder weniger untergeben sind. Um etwas zu übergeben? Oder um sich zu übergeben? Bitte nicht das Dasein übergeben. Aber sich sollte man übergeben. Sich übergeben – das ist eigentlich eine nette Beschreibung, wenn man sie nicht gerade mit dem persönlichen Vorgang des unwilligen Niederkniens in front of the hochgeklappten Klodeckel assoziiert. Das Dasein ist nicht zum Kotzen.

Viele Menschen sind sich überhaupt nicht darüber bewußt, was eigentlich Zeit ist. Sie ist ja unvorstellbar. Wir können sie nicht vor stellen und auch nicht zurück. Wir können sie nur hinnehmen. Was wissen wir? Wir sind in die Zeit eingebunden. Sie ist unendlich, wahrscheinlich, nach vorn, wie nach hinten. Sie ist also vor allem nicht linear, sondern eher ein Kreis, eine Spirale oder mehrere.

Die Quantenphysik kennt sich da wohl wirklich besser aus und sie weiß, was Zeit ist. Bisher war sie nur Wissenscahftlern zugänglich, aber die Bücher für den völkischen Heinblöd kommen nun nach und nach auf den Markt.
Auf den Gegenstand oder den Aspekt, auf den wir unsere Aufmerksamkeit richten, können wir einwirken, sagt man. So also auch auf die Vergangenheit oder Vergangenes. Auf die Zukunft wirken wir ja beständig ein, das kann man leicht verstehen. Genauso können wir offenbar aber auch auf die Vergangenheit einwirken. Wir tun dies aber wohl nicht, wenn wir ihr nachtrauern oder sie hochleben lassen, denn darin sind ja nur Wunschdenken und enttäuschte Hoffnungen verborgen – und diese Dramen können wir nur in der Gegenwart lösen; müssen wir gar.
Wie genau wir auf das Vergangene einwirken können, weiß ich gerade nicht. Es erfordert dazu ein noch höheres Bewußtsein oder eine andere Form der Wahrnehmung oder eine Perspektive, die man nur aus einer anderen Welt oder Dimension einnehmen kann. Wer weiß, welche Wesen dies können.
Katzen zum Beispiel leben beizeiten in einer ganz anderen Realität als wir und doch sind sie die ganze Zeit in unserer anwesend. Für mich sind solche Dinge die Wunder des Lebens und das war wahrlich nicht immer so. Doch ich denke, als Kind haben wir alle vor einer Katze, einem Hund, einer Taube gestanden und mit dem Finger darauf gezeigt, als wäre es das siebte Weltwunder.
Wenn es Bezeichnungen und gerechtfertigte Verehrungen wie ‘Kulturerbe’ gibt, wieso gibt es dies dann nicht auch in Bezug auf Lebewesen? Auch sie sind alle aus einem ganz bestimmten Grund hier, davon bin ich so überzeugt, wie nie zuvor.
Ist Essen auch ein Reduktionsvorgang? Wie das Erkennen? Der Reduktionsvorgang bezeugt, daß wir etwas der Vergangenheit zuführen, so daß es die Vergangenheit also gibt, nur das Ding, das wir ihr zugeführt haben, gibt es so nicht mehr. Weiterhin gibt es aber den Erinnerungswert des Dings, und den Informationsgehalt, sofern wir ihn noch benötigen und die Energie, sofern es vorher Energie hatte. Die kann man ja nicht vernichten. Nur umwandeln kann man sie, und daher erscheint mir die eventuelle Fähigkeit, in die Vergangenheit einwirken zu können, auch etwas mit Energie zu tun zu haben. Ein interessantes Thema. Energie; da sind wir ja wieder beim Leben und Tod.
Geben wir dies alles vielleicht an die Erde? Und wohin gibt sie es? In die unendlichen Zeitenwelten des Universums? Was geschieht dort mit der Energie? Werden wir uns darüber bald auch noch bewußt? Wie über so vieles?

Es ist natürlich immer das, was man selber damit assoziiert und nicht, was andere dazu sagen. Auch ein Guru kann uns dabei eigentlich nicht helfen. Alles, was wir wahrnehmen, hat unmittelbar mit uns zu tun. Ob es überhaupt etwas zu bedeuten hat, entscheiden wir ebenfalls selbst. Sicherlich muß man nicht gleich jedes Erscheinen einer Mücke auf sich beziehen, zumindest soll man aus ihr ja keinen Elefanten machen. Das Leben ist eben das Leben und im ständigen Austausch. Irgendwo dadrinnen sind wir aber immer positioniert, so wie auch das Tier.
Was nun die von mir ins Spiel gebrachten Mücken betrifft: Wir werden alle von ihnen heimgesucht. Ich denke dabei, was das Leben betrifft, daß man eine Mücke ruhig erschlagen darf, wenn sie gerade Lust auf unser Blut hat. Sie wehrt sich schließlich auch, wenn irgendjemand sie pisackt. So ist das Leben. Irgendwann wird es sowieso der nächsten Mücke gelingen, uns das nötige Blut für irgendeinen Zweck abzunehmen. Gegen Mücken kann man sich wehren. Gegen die ewigen Regeln des Lebens nicht auf Dauer. Wenn es passieren soll, so wird es passieren, ob man zuschlägt oder nicht.
Das Universum hat ohne Ende Geduld. Denn es hat unendlich viel Zeit. Nur wir Menschen meinen, wir hätten sie nicht.


 

 Viellleicht geht die Tendenz in die Richtung der sokratischen Reaktion, nur fiel sie bei ihm evtl nicht ganz so dramatisch aus:
Er nahm am Ende ja den Giftbecher freudig entgegen und lachte sich schief, daß er nun sterben würde. Naja, vielleicht stimmt das so nicht. Überliefert ist aber wohl, daß er zumindest sehr gefasst war und es als göttliche Fügung auffasste.
Falls er dabei gelächelt hat, müssen wir ihm das ja nicht nachahmen. Sinnbildlich ist es aber ganz ähnlich. Hier sind wir nun bei dem Thema Tod angelangt – und das heißt, wir haben die Schnur der Überlegungen folgerichtig immer weiter geknüpft. Natürlich konnten wir auf nichts wirklich eine Antwort finden, doch die Fragestellungen nutzten wir weitestgehend nicht als Fluchtversuche. Eher haben wir sie konsequent weitergedacht, so daß die leidigen Themen eben nicht umgangen wurden und somit sahen wir dem nächsten und allerletzten Folgedanken mutig ins Auge. Dem Tod.
Doch was ist der Tod? Wieder so eine Frage.
Wieder nur so eine Frage? Es ist wie immer Nichts. Hier beginnt das Spekulieren und hier endet es.
Es ist doch so: Noch im Leben wurde Sokrates vom Tode heimgesucht, nämlich von der Erkenntnis des Nichts und man sagt, er hätte die Wahrheit erkannt. Er hat erkannt, was ist und was nicht ist und am Ende spielt es keine Rolle mehr, ob er nun lebt oder stirbt.
Vielleicht betrachtet er den Tod auch als den logischen Schluß seiner Reise. Gelassen nimmt er ihn an und lächelt im Angesicht des Todes, tritt voller Weisheit unwissend über die Schwelle. Er nimmt den Becher ja nicht, weil er depressiv ist, sondern weil es der nächste Schritt ist, den er zu gehen hat. Er erzwingt auch den Becher nicht, sondern kam es letztlich einfach so zustande, was soll er sich dagegen sträuben. Konsequent wie er ist, hat er zu tief in den Becher der Erkenntnisse geschaut und handelt folgerichtig: Von nun an ist er nicht mehr da, spielt keine Rolle mehr.
Und man kann es durchaus als Gift betrachten – die Erkenntnis der Wahrheit.
Gift ist Gift, doch nicht immer, denn im Englischen heißt das Wort gift komischerweise Geschenk. Und wie ein Geschenk nimmt Sokrates den Giftbecher ja auch entgegen. In dem Gebräu, das er trinkt, schwimmen alle Zutaten, deren inneren Werte er längst erkannt, benannt und verinnerlicht hat. Es bringt mich um, was soll’s, ich war ja vorher schon gestorben und bin dabei doch glücklich geworden.
Da Griechen manchmal offenbar wirklich etwas verrückt sind, kann es natürlich auch sein, daß diese Geschichte nur eine Tragik-Komodie ist und der Becher wurde ihm von einem Engländer gereicht, so daß der Grieche mal wieder dachte, gift, das ist ein englisches Geschenkgift und im Becher ist also leckerer Wein – Yamas!

Doch in philosophisch spiritueller Betrachtungsweise verstehe ich es eher so, daß er nun in das übergeht, was er erkannt hatte; der Giftbecher befreit ihn aus dem Leben, das ein Schlaf ist, aus dem er längst erwacht ist und somit wahrhaftig am Leben ist. Ein Leben, in dem ein Erwachter aber nur Probleme bekommt, die für ihn längst keine mehr sind, mit denen alle anderen aber beständig beschäftigt sind, während sie ihn schief angucken, wenn er ausformuliert, was eigentlich hier los ist.

 –

Vielleicht wäre ich noch geneigt dazu, meinem von leicht spirituellen Sichtweisen durchlöcherten Ego noch abzuverlangen, ein Buch zu veröffentlichen, doch vielmehr an irgendwelchen Hinterlassenschaften würde ich ihm nicht abzwacken. Warum auch, denn wenn ich dann irgendwann im nächsten Leben wiederkomme, müßte ich ja doch wieder alles aufräumen, was ich hinterlassen habe. Es bringt ja nichts, bzw. führt zu nichts. Das jedenfalls läßt schon die Angelegenheit mit der “Wiedergeburt“ erahnen, falls es sie denn gibt. Ich glaube wohl, daß es sie gibt: Einer stirbt und kehrt irgendwann als ein anderer zurück, kann sich aber an denjenigen, der gestorben war, nicht mehr erinnern, zudem ist er ja ohnehin ein gänzlich anderer, aber selbst das weiß er nicht; nur im Verzeichnis Gottes, in das er keine Einicht gewinnt, steht geschrieben, daß er früher Peter Meier hieß und nun heißt er Hans Müller, früher war er Schreiber, heute ist er Arzt. Bekommt als Arzt von seinem Patienten nun ein Buch geschenkt, das vor 300 Jahren von einem Peter Meier geschrieben wurde und befindet es als Mist.

Aber so ist es im Prinzip eigentlich auch wieder nicht. Eher war jeder jeder und ist immer jeder gewesen.
 Wir haben vielen Dingen nur den illusiven Hauch dessen eingeflößt, von dem wir meinten, es wäre der notwendige Aspekt, den wir bräuchten, um die Wirklichkeit aufrecht zu erhalten, die wir konstruierten, um darin weiter herumhauchen zu können und so weiter.
Was hilft es auch ob wir nun vom Tod sprechen oder vom spirituellen Erwachen, ob wir nun von der Zeit sprechen oder vom Austritt aus der lineraren Denkweise hinein in die ewige Zeitlosigkeit?

Auch wenn ich noch hier und da hingehen muß, so habe ich doch viele Verpflichtungen und stillschweigende Abhängigkeitsverhältnisse innerlich längst abgesagt. Bei den meisten dieser restlichen Abhängigkeiten würde es mich in keiner Weise irritieren oder verunsichern, wenn ich ihnen von Jetzt auf Gleich den Rücken zukehre und gehe. Es zu tun kostet Überwindung. Selbst-Überwindung. Habe ich es aber dann getan, so ist da kein Trauerschein mehr, den ich mitnehme. Es ist einfach nicht mehr da. Die Verbindung, die ich dazu hatte, die aber eigentlich keine war, habe ich gekappt.
Bei den emotionalen Bindungen sieht es selbstverständlich nochmal anders aus. Gerade was vergangene Glückszustände betrifft, neige ich dazu zu, eine Trauerfahne zu tragen, die es mir erschwert, guter Dinge nach vorne zu schauen. Doch auch das verzieht/vollzieht sich nur langsam. Es kommt immer mal wieder, so wie ein Sausen im Ohr nur da ist, wenn es ringsherum still ist. Andererseits beziehe ich auch Energie aus dem Vergangenen und verschaffe mir damit zunehmend eher einen Schub, als daß es mich hinunterreißt.
Es bringt nicht viel, nach sich Selbst zu suchen, wenn der Suchende mit einem Selbst vorangeht, das er noch gar nicht in Frage gestellt hat.
Die konsequente Hinterfragung wiederum löst dieses Selbst auf, so daß man zunächst erblindet und keinen Anhaltspunkt mehr hat, an dem man sich festhalten könnte. Was überwiegend nur eine Einbildung war, wird hierbei herausgebildet und man wirft es von sich, während es noch an einer Schnur hängt, die wiederum ans Ego angepinnt wurde. Wie ein Angler kann man die Schnur immer weiter verlängern, und immer tiefer nach Fischen angeln – doch letztlich sollte die Schnur gekappt werden.
Eher geht es nämlich darum, die Angel beiseite zu legen und selbst in den See zu hüpfen. Man kann hierzu Anlauf nehmen, mit einem doppelten Salto vom Einmeterbrett hineinspringen, vom Dreier eine Arschbombe machen oder sich einfach nur am Ufer stehend der Länge nach hineinfallen lassen – egal wie man es macht, es gilt, eins mit dem zu werden, worin man nach etwas sucht, statt sich nur hier und da etwas aus der Quelle an Land zu ziehen; wie die meisten, die darüber schreiben, womit auch ich gemeint bin.
In den Tiefen des Sees geht/ginge es dann weiter. Das wahre Finden des Selbst wird nicht dadurch erreicht, daß man es findet, sondern findet man eher heraus, da ist nur der See. Das wahre Selbst, von dem man meinte, daß es das ist, taucht nun auf, um an Land zu gehen, während wir noch unter Wasser sind und es durch die Wasseroberfläche schemenhaft dahinschwinden sehen. Das war ich selbst, sagt man sich, paddelt in der Tiefe und blubbert noch eine Weile leere Luftblasen durch die Gegend.
Was desweiteren passiert, weiß ich noch nicht, werde zum gegebenen Zeitpunkt aber darüber berichten.
Während dieses Prozesses ist jeder Tag, der hierbei vergeht, schon wieder längst Vergangenheit, bevor er ganz zu Ende gedacht wurde.
Gleichzeitig glaubt man nicht voranzukommen, doch in Wirklichkeit steuert man dem Ziel bereits entgegen. Hierbei läßt man so Vieles zurück, daß man sich gar nicht mehr um die Pflege des Vergangenen kümmern kann, so sehr man all diesen Dingen auch hinterhertrauert. Es wird überwunden. Und es geht nur über Wunden.


27. Februar 2011

Die Zeit vergeht anscheinend schneller. Oder vergeht sie anscheinend langsamer? Sie vergeht schneller, je älter wir werden, denken wir. Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit. Vergessen wir einfach mal für einen Moment die Altersfrage, denn auch sie ist nur ein Erklärungsfluchtersuch des Egos. Das Ego hat nur Angst, verloren zu gehen, was spätestens passiert, wenn der Körper vergeht.

Die politischen und gesellschaftskritischen Themen behandle ich hier nicht, oder nicht so sehr, wie „auf der anderen Seite“. Denn im Grunde sind sie überhaupt nicht wichtig. Es ist nur Ablenkung. Nachrichten schreiben ist Ablenkung. Ein Blick zurück, ein Beklagen von Zuständen, ein Schimpfen, auf das was Falsch ist. Im besten Fall ist es Parodie. Die Themen, die in Nachrichten behandelt werden sind reinste Parodie. So schrecklich, grausam, hilfeschreiend, besorgnisserregend und aufwühlend diese Themen auch sind – sie sind nur Parodie. Und zwar nicht in ihrer Aufarbeitung, sondern schon allein in ihrem Geschhen. Der beste Witz an dieser Parodie ist allerdings der, daß es kein Witz ist.
Der Diktator, der seine Gegner erschiessen läßt, erzeugt Schrecken und negative Energie, das Leid ist groß, die Ungerechtigkeit himmelschreiend, das Blut getränkt vom Egowahn eines einzelnen und es erzeugt neues Leid – doch im Grunde ist es eine Parodie aufs Leben. Eine blutige natürlich. Eine altmodische Art, „Probleme zu lösen“. Etwas, das eigentlich gar nicht mehr sein dürfte. Etwas, das keine Existenzberechtigung mehr hat. Etwas, das überhaupt nichts mehr bewirkt – außer das Gegenstück, nicht minder heuchelnd. Es ist nur noch nicht vielen klar geworden. Jeder ungerechte Schuß, der heute abgegeben wird, zerschießt den Mantel der Dunkelheit und läßt mehr Licht hinein. Würde hierbei niemand mehr sterben, so könnten wir uns darüber fast tot lachen. Sie haben nur noch nicht begriffen, was sie da tun. Sie können es nicht töten und wenn sie die halbe Menschheit umbringen, denn es bewirkt letztlich das Gegenteil. Schuldzuweisungen. So werden wir es nicht los.
Zudem kennen die Informatoren auch bereits ganz andere Mittel. Denn nicht nur von den guten Dingen wird viel zu wenig berichtet, auch die wirklich schlimmen Dinge werden nicht berichtet. Vielleicht ist es auch besser so. Die Programme, die bestehen und schon angewandt werden, sind an Bösartigkeit nicht zu überbieten. Die schlimmsten Nachrichten, die wir heutzutage hören, sind dagegen harmlos.
Aber ein Licht ins Dunkel wird zeigen, was dort passiert. Dann erst werden die Menschen sagen: Das wollen wir nicht. Wir wollen wieder herzlich lachen, nicht hysterisch.
Die meisten lachen hysterisch. Ich kann dieses Gegackere nicht mehr hören. Ich habe etwas gegen eine bestimmte Form von schallendem Gelächter und auch jenes hühnermäßige Rumgibbeln ist in seiner Frequenz sehr beunruhigend. Es ist nicht der Ausdruck von Humor und hat auch nichts mehr mit dem Spruch zu tun, Humor sei, wenn man trotzdem lacht. Nein, es schwingt ein Ton von Angst und Wahnsinn darin, und Dummheit, mit Humor hat es nichts zu tun.
Das reine Kinderlachen ist hiermit natürlich nicht gemeint. Das ist ein Gesang aus dem Quell der Schöpfung.

Zen oder die Kunst des Flummiwerfens

Früher als Kind habe ich mit meinem Freund ein lustiges Spiel gespielt. Wir haben uns im Kinderzimmer in die Mitte des Raumes gestellt und mit aller Wucht einen Flummi gegen die Decke geworfen, so daß er im Winkel gegen die Wand flog und von da aus gegen die andere Wand und wieder gegen die Decke, gegen den Boden und wieder gegen die Wand in alle unberechenbaren Richtungen. Ich kann mich an keinen Fall erinnern, wo einer von uns getroffen wurde. Das fällt mir immer ein, wenn ich in den Themen hin und herspringe.

Die Vertreibung aus dem Paradies im biblischen Sinne, auch war sie der Beginn der Illusion. Der Umkehrung der Wahrheiten. Der Apfel ist nicht giftig. Die Schlange ist nicht böse. Der Mensch ist nur leicht zu manipulieren und ein Gewöhnungstier. 2000 Jahre lang, mindestens, dauerte die Illusion.
Für jeden einzelnen dauerts natürlich nur ein Menschenleben. Und dann die darauffolgenden Leben, wenn es sowas wie Reinkarnation gibt. Und dann, kaum aus dem Geburtskanal entkommen, gibt’s die erste Spritze und eine Steuernummer wird dir auf die Stirn geklebt – die Märchenstunde hat begonnen.

Aufrichtig sich selbst gegenüber sein und wenn das Umfeld damit nicht zurechtkommt, dann geht man schon von selbst. Entweder sie verstehen es oder nicht. Wenn sie es nicht verstehen und man ist ihnen deswegen böse, so ist man selbst noch nicht erwacht.
Ich kann es nicht leugnen; ich war schon öfter zornig auf Menschen oder altmodisch ausgedrückt: „böse auf sie“. Es ist viel besser geworden, seit ich weiß, daß ich nicht böse auf sie war, sondern enttäuscht. Ich täuschte mich aber nur selbst, mit Gedanken oder Emotionen ihnen gegenüber; entweder mit Gedanken und Emotionen, die ich vorher hatte, als ich ihnen noch nicht böse war oder mit ebensolchen Illusionen, als ich ihnen dann böse war. So oder so: Mit ihnen hatte es nichts zu tun.
Von Liebe spreche ich dabei nicht. Ich kann mit Gewissheit sagen, ich bin in der Liebe noch nicht enttäuscht worden. Vor allem in meiner Liebe zur Natur und den Tieren bin ich tatsächlich noch nicht enttäuscht worden. Was ich damit sagen will, ist ja wohl klar. Wo man enttäuscht wurde, war es keine Liebe. Oder man war für diese Liebe noch nicht bereit, der/die Geliebte ging fort und man ist deswegen nur von sich selbst enttäuscht.

Und Geld ist Schuld, wissen wir jetzt. Heute habe ich auch noch etwas Wissenswertes gehört, das man schön als Halbwissen zum Rumzeigen übernehmen kann: Geld, sowie es heute funktioniert, bzw. eben nicht funktioniert, da die Menschen meinen, man müsse es sparen!, – Geldscheine sind also Schuldscheine; Geld ist Schuld. Zu der Gruppe der westgermanischen Sprachen, einer der Untergruppen der indogermanischen Sprachen, gehört neben Deutsch auch Englisch und Niederländisch. Schuld ist im Englischen Guilt. Guilt klingt wie Geld. Oder sollte ich sagen Gulden sind Schulden?

Erlaube mir ein Urteil

Wie ist es möglich, ein System zu verurteilen, oder auszuleuchten, ohne die Menschen verurteilen zu wollen, die dieses System unterstützen? Es ist wohl möglich, wenn man es gar nicht gegen sie meint, doch nehmen sie es natürlich/selbstverständlich so auf, als meinte man es gegen sie.
Wenn ein System oder eine Struktur nicht konform geht mit den allgemeinen Menschenrechten und Völkerrechten, ganz zu schweigen von den allgemeinen universellen heiligen Prinzipien und die Menschen diesem System dienen, wie kann man es dann kritisieren, ohne die Menschen darin zu kritisieren?
Am besten bei sich selber anfangen. Doch trotzdem bekommt man ja mit, wie es um einen herum aussieht. Man muß ja nur das Haus verlassen. Noch nicht einmal. Man muß ja nur die Zeitung lesen. Wer das System einmal erkannt hat, oder durchschaut, oder wenigstens in Ansätzen erkennt, wie es funktioniert, der erkennt in vielen Bereichen Schablonen dieses Systems. Diese Schablonen zeitigen Auswirkungen des gleichen Konzepts im Kleinen, geben die Struktur des Großen im Kleinen wieder und sind von dessen Anzeichen nur so übersät. Es zeigt sich im Verhalten vieler Menschen und auch in dem was sie schaffen, selbst wenn sie an etwas mit guter Absicht mitwirken. Und davon bin ich natürlich nicht ausgenommen, was die Sache nochmal erschwert, sich über das System, geschweige denn die Menschen, auszulassen.

Die Brücke ist abgebrochen. Ein Ruf herüber kommt nicht mehr an. Manchmal schallt er gar zurück, durch das Echo; das nimmt man an und irgendwann kommt gar nichts mehr zurück. Schweigen im Walde. So wie man in den Wald hineinschweigt, so kommt es zurück. Wenigstens herrscht einstweilen Ruhe. Erst ein vorsichtiges Nachfragen, ein leises Flüstern, ermöglicht eine Antwort.


Doch wo war ich stehengeblieben? Bei den Schablonen. Es ist ein riesengroßer Kindergarten und die Herrscher und Aufpasser im System sind die Kindergärtner. Sie sind dazu da, die Kinder umzugraben, das Unkraut an ihnen zu jäten, sie zurechtzustutzen, so auch die Lehrer, bzw. das Schulsystem und noch viel schlimmer und um der geistigen Unzucht willen geht es zu, je weiter es nach oben geht. Die Kinder sind nicht nur die Kinder, sondern auch wir alle. In diesem System ist Reife nicht erlaubt. Wachstum sehr wohl. Wachstum bis es platzt. Ich habe etwas Interessantes gehört kürzlich. Die Dinosaurier waren deshalb so groß, weil sie Nahrung zu sich nahmen, um zu expandieren. Körperlich, nicht geistig. Als dann der Körper größer war, als es ihr Geist fassen konnte, gingen sie zu Grunde. Auch gingen sie deshalb zu Grunde, weil sie aufgrund ihrer Größe den Energiebedarf nicht mehr decken konnten, den sie sich selbst konstruierten. So ähnlich jedenfalls wurde es benannt.
Bei uns äußert sich dieses Wachstum in Form von Schuld und Schulden. Und die Kinder sollen in diesem System wachsen und lernen. Gleichzeitig ist das System darauf ausgerichtet, daß sie immer Kinder bleiben – und eben nicht lernen, was sie eigentlich benötigen, um wirklich zu wachsen. Auch die Lehrer und Führer und Herrscher sind in diesem Sinne Kinder. Sie sind nicht erwachsen. Geben nur zurück, was ihnen angetan wurde.
Bei diesem Kindsein geht es nicht allein um das innere Kind, das gepflegt werden soll. Auch das wird zwar nicht getan, doch geht es vielmehr um die spirituelle Reife. Darin sind alle im Vergleich zu den Erwachten wie Kinder im Vergleich zu Erwachsenen. Diese „Kinder“ sollen alle in dieser Illusion weiterleben. Sie sollen nicht erwach(s)en und sie wollen es auch oft selbst nicht. Spätestens bei den alten Menschen wird es deutlich. Sie sind gealtert, aber verhalten sich wie Kinder. Nur wenige sind reife alte Damen und Herren, denen eine Weisheit innewohnt, und denen sogar etwas aus den Augen leuchtet, das man auch in den Augen mancher Babys sieht, vor allem bei denen, die in der Natur geboren wurden. Ein Stern leuchtet dort, wie Licht, das davon zeugt, wo sie herkommen und wieder hingehen. Nicht nur in die Natur, sondern ins Universum, schließlich kommt daher das Licht, das auch die Natur leuchten läßt.
Die Menschen verlieren dieses Licht aus den Augen, wenn sie vom Kind zum Erwachsenen heranreifen. Von dem Moment an, wo sie dieses Licht aus den Augen verlieren, wachsen sie nicht wirklich. Sie bleiben in ihrer Entwicklung stehen.
Man kann diese Entwicklung wieder neu angehen.
Sobald man dann erwachter ist, oder sei es nur halbwegs auf dem Weg dorthin, kommen einem alle Menschen wie gealterte, doch nicht gereifte, Menschen vor. Wie alte Schrumpelkinder. Bis sie 20 oder 25 sind, ist es noch OK. Danach scheinen sie sich zurück zu entwickeln. In allem, was sie tun, denken, sagen und gestalten. Schwierig, mit ihnen in Kommunikation zu kommen, es sei denn, man unterstellt sich dem System, in das sie eingebunden sind und das sich in allen Bereichen schablonenhaft zeigt.
Auch Schriftstücke können solche Schablonen sein. Sie klingen erstmal gut, offen, an den Leser gewandt, lehrreich, einladend. Doch hinter allem verbirgt sich immer nur eine Eigenrede. Ein Erklärungsversuch, der sich unbewußt volllzieht, verborgen hinter Themen, Meinungen oder Gedanken über einen äußerlichen Zustand. Doch in Wirklichkeit ist es die insgeheime Ortsbestimmung desjenigen, der die Worte schreibt – eine Ortsbestimmung darüber, wo er sich auf seiner Reise des Erwachens befindet, wo es noch hakt, wo er sich noch über das Ego veräußert und wo er schon die Perspektive geändert hat.
Ich lese zum Beispiel Nachrichten nur noch so. So objektiv sie auch ein Ereignis in der Welt beschreiben, so sehr erkenne ich in diesem Bericht doch auch den geistig-spirituellen Zustand desjenigen, der die Worte geschrieben hat. Nicht nur in Nachrichten, sondern eben auch bei anderen Schreiben ist dies der Fall, so auch bei – Einladungsschreiben.
Ich fasse die Worte in ihrem Sinngehalt in zweifacher Weise auf und es geschieht automatisch. In erster Form erzählen sie das, was sie eben anbieten. Es ist nichts Negatives dabei, im Gegenteil. Auch in zweiter Weise (die mich aber eindeutig als erstes erreicht) ist nichts Negatives dabei – es geht nur um etwas vollkommen anderes, als dort beschrieben wird.
In meinen Augen wird zum Beispiel dazu eingeladen, gemeinsam mit dem Gastgeber im Dunkeln zu tappen. Es steht noch viel mehr dort, aber ich möchte nicht verurteilend klingen. Es passiert von selbst, wie ein google translator. Gewisse Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Aber wer solche Vorkenntnisse mit sich bringt, hat seine Sinne bereits soweit ausgedehnt, daß er nun daran teilnimmt, wie mancher in den Farbklecksen auf dem Boden Dramen erkennt, die noch nicht gelöst wurden, während es für ihn einfach nur Farbkleckse auf dem Boden sind. Es sei denn, sie wären mir aus irgendeinem Grund selber passiert.

Illusionen ergeben sich auch im gegenseitigen Zusammenspiel.


22. März 2011

Spirituelles Thema

Es sind keine spirituellen „Themen“ mehr im Sinne eines schriftlich zu behandelnen Themas vorhanden, wenn man aus der spirituellen Ausrichtung heraus schreibt, in der man bereits lebt.
Oder, wenn das Äußere nicht in Verbindung mit dem Inneren gesehen wird, hält man es noch auf Distanz und betrachtet es wie etwas, das nichts direkt mit ‘uns’ zu tun hätte, während wir tatsächlich nur einen Teil im eigenen Inneren scheuen, den wir nur noch nicht für uns geklärt haben.
Diese Themen sind zunächst die persönlichste Sache eines jeden , dann erst die Wesentliche, und für viele Menschen sind sie derart wesentlich, daß sie sich noch nicht einmal selbst wissen wollen. Diese Menschen debattieren dann über alles mögliche und ich merke, daß ich mich immer weiter von ihnen entferne. Themen langweilen mich und ich langweile mich auch selbst damit, wenn ich mich über sie von mir selbst ablenke. Ein spirituelles Thema kann nicht nach außen verlegt werden, wenn man es nicht verinnerlicht hat und wenn man es verinnerlicht hat, kommt es beim Veräußern nur bei denen an, die es ebenso verinnerlicht haben.

Dazu die Sache mit den weisen Büchern. Ich lese sie nicht, wills mir selbst herleiten. Lesen ist nachlesen und soll es auch bleiben. Lernen ist nicht lesen.

Wutbürger

Ein blödes Wort. Wollen uns wohl den Wind aus den Segeln nehmen. Verrät nur ihre Angst.
Doch ist es eher Zorn und Ärger. Der Zorn ist im Gegensatz zur Wut zielgerichtet und wenn ich hin und wieder diesen Anflug von Zorn spüre, habe ich das Ziel genau vor Augen. (Ob es trifft oder überhaupt treffen sollte, weiß ich allerdings nicht) Diese Art von zornigen Ironie-Passagen wollte ich hier allerdings heraushalten. Das ist oftmals verkehrt gelaufen.
Neben diesem Zorn war außerdem ein Ärger dabei, der aber auf die Erkenntnis meiner Unfähigkeit abzielte.

Alte Denkstrukturen und Glaubensinhalte sind die Hindernisse, die wie zwei dicke Koffer im Innern vor der Tür stehen. Wir wollen doch die Reise wagen, aber die Tür geht nach Innen auf.

licht

Ich habe gehört, daß es seit 1991 körperlich-technisch für jeden Menschen möglich ist, sich von Licht zu ernähren. Schwer zu glauben, sehr schwer zu begreifen, noch schwieriger es zu tun. Aber schon eigentlich logisch.
Was esse ich so? Wenig Fleisch, Kaffee und Schokolade zunehmend aus Fair Trade oder rein deutschen Firmen, obwohl rein deutschen sollte man vielleicht besser nicht schreiben. Gibt es ja auch gar nicht. Jedenfalls kaufe ich keinen Schrott mehr und esse seither nicht nur etwas gesünder, sondern auch erstens weniger, weil es eben nahrhafter ist und auch günstiger, weil man eben weniger und weniger oft isst. Außer Kaffee, Wasser und Tee, trinke ich nichts. Alkohol ist mir ein bißchen abhanden gekommen, könnte mir aber ab und zu durchaus passieren, doch das hängt von der Stimmung ab. Ist die Stimmung – oder allein schon die Musik – in einer Kneipe schlecht und seelenlos, so habe ich keinerlei Bedürfnis nach einem Bierchen oder Wein. Ich gehe in der Regel auch nach 10 Minuten. Mich ödet es im Grunde an, in Gruppen da rumzusitzen und über Dinge zu debattieren. Ich schlafe dann immer ein oder bin völlig überanstrengt, von dem was sonst in dem Raum ist, während ich den eigentlichen Gesprächsthemen überhaupt nicht folgen kann. (Das jedoch nicht wegen der Lautstärke, denn ich höre trotz meines ‘hohen Alters’ noch ziemlich gut.) Alleine jedenfalls bin ich viel wacher.
Aber zurück zur Ernährung. Eine Familie ernähren zu müssen ist natürlich noch einmal etwas ganz anderes. Da kann man nicht von 3 Dosen Linsen von dm, fünf Bananen von freilaufenden Hühnern, drei Scheiben Dinkelbrot, Reis in allen Farben, ein Fläschchen Acerolasaft, 1 ½ Pfund Kartoffelkürbiskraut (?), 1 Päckchen Weizengras, 1 Tasse Misteltee und 34 Tassen Kaffee in der Woche leben. Und auch nicht von 400 Euro.
Ich verstehe daher das leider notwendige Streben nach Mammon. Wenn es in Energie umgesetzt wird und nicht immer mehr angehäuft, denn (viel) Geld zu sparen ist ein unnatürlicher Vorgang. Aber wer hat schon viel Geld?
Na ist ja klar wer. Unholde! Millionenschwere Viehtreiber!


11. April 2011

Auch wenn es sich direkt über den Äther vollziehen könnte, ziehen wir es doch vor, uns zu schreiben. Wir sind ja auch keine Yogis. Wir schreiben das lieber auf. Immerhin, sage ich.
Wir sind Schreiber oder haben uns zumindest diese Kommunikationsbasis dazu erwählt. Manche ziehen es vor, nur SMS zu schreiben, zu twittern oder kurz zu mailen, wenn sie etwas veräußern wollen – und das ist uns zu eng. Natürlich sehen sie sich auch öfter, telefonieren dazu und können sich insgesamt ausreichend unterhalten. Das habe ich glaube ich verlernt. Macht aber nichts, vielleicht habe ich es auch endlich gelernt. Früher habe ich zum Großteil zugehört und hier und da entspechend kommentiert. Heute rede ich zwar ebenfalls nicht so viel, und es scheint, als höre ich auch immer noch allem zu, doch eigentlich höre ich nur noch Stichworte. Beim ganzen Rest nicke ich freundlich und denke an was anderes.
Wenn ich viel zu erzählen habe oder jemand da ist, mit dem es viel auszutauschen gibt, dann schreibe ich einen Brief, E-mail Schreiben ist bei mir nicht mehr drin. Denn entweder ist mehr drin oder eben nicht.
Ach die Medien. Ach das Medium. Das Medium für die Menschen ist im Delirium, denn sie sind es ebenfalls oder sie sind es eben deswegen.
So sind die Medienkanäle SMS und E-Mail doch auch ein Hindernis, welches der Gedankenübertragung über eine unbekannte feinstoffliche Transportebene von Informationen im Wege steht. Da greifen wir schon zum Handy, bevor wir überhaupt nachgefühlt haben, ob wir im Augenblick eine Verbindung zueinander haben oder nicht. Dabei ist es doch eigentlich so, daß wir zunächst die Verbindung anrufen und erst hierüber den Gesprächspartner. Wir fühlen zuerst die Verbindung zum Freund und dann rufen wir ihn an oder schreiben ihm. Und beim Telefonieren rufen wir zuerst den Satelitten an und sprechen danach über den Kanal zum verbundenen Freund.
Das heißt, die Verbindung ist das Wichtige. Wo keine Verbindung ist, da kann auch nicht viel bei rumkommen. Das wird oft übersehen, doch mich läßt dieses Fehlen einer Verbindung auch Abstand nehmen vom Griff zum Handy und zur Mail.
Doch selbst da, wo eine Verbindung vorhanden ist, also eine spirituelle, wenigstens eine geistige oder mindestens eine emotionale (das heißt vorübergehende) Verbindung zum Gesprächspartner, auch da sehe ich eine Gefahr der Abhängigkeit zum technischen Gerät und zu einer Schwäche des eigenen Geistes. Es sitzt eine trügerische Verlockung darin, immerzu meinen zu müssen, man solle nun zum Gerät greifen, nur weil man gerade die Verbindung zueinander aufleben fühlt. Es kann auch schön sein, wenn beide wie zufällig zugleich zum Telefon greifen oder andere Synchronizitäten entstehen, doch fehlen diese und nimmt die Mitteilungsbedürftigkeit überhand, so ist es letztlich schädlich für die eigentliche Verbindung zueinander. Das wertvolle daran ist die Linie (the line) und nicht die beiden Individuen an den beiden Enden dieser Linie. Das sind nur die Knöpfe und sie sollten sich nicht zu wichtig nehmen.
Ich habe diese Art von Abhängigkeit zwischen Mitteilungsbedürfnis und innerem Austausch am eigenen Geist erfahren und mich seither komplett davon abgelöst. Ich brauche SMS und Mail eigentlich nicht mehr dafür, ich habe kein Verlangen danach, es zu benutzen, egal wie stark ich gerade an den anderen denke, egal wie stark ich gerade empfinde, egal wie nahe ich den oder diejenige fühle, obwohl sie sich Kilometer weit entfernt befindet. Natürlich benutze ich das Gerät als Kommunikationsmittel, doch will ich nur sagen, es drängt mich nichts danach, dieses oder jenes dann über SMS oder Mail schreiben zu müssen. Kommt mir so eine SMS in den Sinn, von der ich im Kopf habe, ich müsse sie nun schreiben, unterlasse ich es meistens. Ich schreibe dann erst recht keine SMS, denn ich mag diesen Zustand nicht, es sei denn, es geht um wichtige Information, wie Treffpunkt o.ä. Wenn ich in unbestimmter Form oder aufgrund eines Ereignisses an jemanden denke, dann denke ich an ihn oder habe eine gefühlte Nähe zu ihm/ihr. Nur ganz selten noch übergebe ich diese Schwingungen der Telekommunikationsindustrie. Doch dies nicht einmal wegen des Aufbegehrens gegen sie, sondern wegen dieser befremdlichen Art von geistiger Abhängigkeit zueinander.
Oder Abhändykeit. Schließlich habe ich es am eigenen Astralleib erlebt, wie ich jedes Erlebnis und jeden Gedanken gleich ins Handy tippen wollte, um diesen Gedanken oder jenen Eindruck sogleich einer mir eng verbundenen Person mitzuteilen, wannimmer sie gerade nicht begriffbereit in der Nähe war. Das muss 2003 gewesen sein.
Irgendwann merkte ich hierbei, daß ich mich zwar im Kopf mit ihr unterhielt, doch dafür schon das Handy benutzte, bevor ich überhaupt wußte, ob sie auch auf Sendung ist – woraus ich mutmaßte, daß es nur meine eigene geistige Abhängigkeit zu ihr war, die mir im eigenen Kopf herumspukte. Es wurde mir klar, daß ich an einem sehr sensiblen Punkt nicht mehr zwischen geistig medialer Kommunikation untereinander und bloßes Eigengeschwätz aufgrund geistiger Abhängigkeit zu der Person unterscheiden konnte. Das traurige daran war, daß die mediale Kommunikation vorher gut funktionierte und äußerst seltsame doch vergnügliche Synchronizitäten an der Tagesordnung waren. Diese wurden aber mit dem handy dann irritiert, so daß in der Konsequenz das Handy baden gegangen ist. Die Batterie und das hochwertige Erz aus dem Kongo habe ich vorher natürlich noch rausgenommen.

Ich finde auch, daß wir eben genau hier, wo die Feder schwingt, auf dem Laufenden sind, während wir schon vorher mitteilbare Gedanken haben, die wir aber erst hier auf das laufende Band legen.
Dazwischen ist der Geist, was anscheinend mein Lieblingsthema ist. Oder besser gesagt, darüber ist der Geist, dazwischen ist manchmal das Ego, das manche Geistarbeiter für den Geist halten.
Ich aber finde, wir schreiben zu allererst an den Geist, selbst im Tagebuch, wo uns sonst keiner zuhört. Wo immer du oder ich einen Satz schreiben, in dem wir das Wort „du“ oder „dir“ verwenden, sprechen wir auch zu dem unbekannten überhöhten Dritten. Das kann auch der unbekannte dritte Leser sein, doch eigentlich ist es der Geist oder das Selbst oder egal wie der Typ heißt. Der Leser ist nur ein Übersetzer oder ein Kanal, der das Geschriebene dann in seiner Auffungsgabe ebenfalls Richtung Geist beamt. Schließlich kommt das Geschriebene auch von dort her, wenngleich wir die Aussagen in viele Eigenworte einkleiden. Dazwischen winken und zwinkern immer ein paar Funken Wahrheit hervor und der Rest ist Ablenkung.

Ich schätze solche Geräte wie I-phon usw. nur bedingt, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist ein Ding mit einem gewissen Wert, doch der eigentliche Wert, den das Ding transportiert, wäre auch ohne das Ding vorhanden. Es sind für mich keine Geräte, die eine Kommunikation ausnahmslos erleichtern oder zu dieser verhelfen, sehr wohl aber Geräte, die eine Arbeit mit Kommunikation erleichtern und zu dieser verhelfen. Kommunikation ist ja auch Austausch von Information und da wir in diesen Zeiten schneller sein müssen, als die Dunkelheit, wollen wir diese Geräte durchaus in einem guten Licht betrachten. Gedanken, Pläne, Empfindungen, Vorhaben und so weiter in Windeseile auszutauschen, ist notwendig in dieser Zeit, da andere hier massivst Richtung Dunkelheit manipulieren.
SMS, Mail, Internet, Radio, Fernsehen wird es ohnehin nicht mehr länger in getrennten Verpackungen geben, das war abzusehen.

Nun soll Schreiben auch eine Arbeit sein, denke ich immer. Oder Kunst, doch das ist ja auch Arbeit. Arbeit an sich selbst durch Innenschau und Außenschau, aus dem dann ein Flickwerk entsteht, von dem man meint, andere könnten sich das mal ansehen.
Ein bißchen ist es auch eine Religion. Man glaubt an ein unbestimmtes Kräfteverhältnis zwischen sich und dem, was einen inspiriert, vorantreibt, zurückwirft, zweifeln läßt, Hoffung gibt, fluchen, klagen, weinen, lachen, aufmucken und wundern läßt. Die mächtigsten Götter wohnen den Künstlern inne und auf dem Weg zu Gott begegnet man auch Dämonen.
Daß Kunst ein Luxus ist, merkt man daran, daß bei der Arbeit am Werk Unmengen von Kaffee fließen und Zigaretten geraucht werden; das hört man immer wieder, besonders bei Schriftstellern. Manche bevorzugen auch Tee oder Wein und Pfeifen. Bei Musikern ist es oftmals Alkohol oder andere Drogen. Kaffee, Tee, Alkohol sind Genußmittel mancher Schreiber, die noch während der Arbeit fließen und nicht nur in der Pause oder erst nach Feierabend. Das ist ein Luxus, wenn auch ein gesundheitsgefährdender Luxus. Gleichzeitig wird anderswo großer Verzicht geübt, denn ein Schriftsteller hat nie Feierabend, andere Kunstwerker vielleicht ebenfalls nicht, das ist eben Berufung.
Natürlich ist dies auch ein Klischee. Viele Künstler sind sehr diszipliniert, essen während der Arbeit höchstens einen Energieriegel und nehmen sich regelmäßige Pausen für den Genuß. Der rauchende und von Kaffeetassen umgebene Schriftsteller, der dann zum Abend hin auf Whiskey umsteigt, während er immer noch schreibt, entspricht einem Klischee. („Dort in Paris hatte ich stille Tage. Stille Tage in Klischee,“ wie Helge Schneider so schön sagt)
Aber man hört es doch immer wieder und offenbar gibt es zwei Arten von Künstlertypen. Egal ob sie nun viel schaffen oder nicht, die eine Art ist sehr diszipliniert, die andere überhaupt nicht. Die dritte Art bewegt sich irgendwo dazwischen und hat ein Problem sich zu entscheiden.
End-Scheidung; was man nicht alles hinter sich lassen muß, um seinen Weg zu gehen.
Doch vielleicht geht es nicht mehr darum, nur seinen Weg zu gehen.

Tatsächlich zeigt uns die Technik, wie die Zukunft funktioniert. Doch würde sie nicht auch ohne eben diese Technik so funktionieren? Oder ist es alles nur Übungsgerät, das wir dann von uns werfen können, wenn wir schlauer sind als sie? Es ist die Frage, ob uns die Technik in eine höhere Dimension begleitet, bis wir von ihr loslassen können, um uns ohne sie darin zu bewegen, oder ob sie uns hindert, dorthin zu kommen, sobald wir uns davon abhängig gemacht haben.

In Bezug dazu etwas zu den Tagebüchern, der unzensierten Eigenrede. Ich schreibe keines und habe es nach etlichen Versuchen endgültig aufgegeben. Doch auch Tagebücher ließen sich literarisch ausarbeiten oder sind bei großen Talenten schon in der Urfassung ein Stück Literatur.
Blogs sind ja eigentlich Tagebücher.
Auch wenn ich selbst kein Tagebuch führe, bin ich doch ein Befürworter des unbefangenen Wortes, mit dem man tief und schonungslos, ohne Acht auf Lesewert ins innere Selbst schürft, um nach einer Wahrheit im Innern zu finden, was oftmals Texte ergibt, die nie jemand lesen würde – weil sie dafür auch nicht gemacht wurden. Dieses nach innen gerichtete Schreiben sind Briefe an das eigene Selbst, auf die manchmal geantwortet wird und manchmal nicht und wenn darauf geantwortet wird, hat man es ja doch allein selber machen müssen. Man könnte diese Briefe nach Innen auch „dringende Einschreiben“ nennen.
Die Frage ist also, was man will, mit dem Schreiben. Ich für meinen Teil denke hierbei, trotz des Wunsches nach Literatur, zunächst nicht an den Leser. Nur an den potentiellen Leser, den ich mir selbst auferlege, um möglichst verständlich das auszudrücken, was in mir ist. Geht es nicht verständlich, so soll es wenigstens den Hauch von Dichtung haben oder eben von Komik.
Die Gefahr hierbei ist aber, daß man sich nur äußeren Dingen oder Themen zuwendet und das Innere gar nicht sieht, selbst wenn man natürlich das Äußere mit den Fühlern des Inneren betrachtet. Doch auch das Innere will so betrachtet werden. Nur wer wagt es schon, darüber öffentlich zu schreiben? Ich nicht, jedenfalls nicht so.
Das sind nur ein paar Fragen, die sich aber mit der Zeit selber klären werden. Wichtig ist vielleicht nur authentisch zu bleiben.
Doch wie gesagt, darum (um Leser) kümmere ich mich nicht und möchte mich nicht um eine Leserschaft kümmern. Und beim blog muß man dies eigentlich tun. Nur Schreiben reicht nicht, um den Besucherzähler zum Wachsen zu verhelfen. Es gibt eine ganze Palette an Funktionen und Vorgehensweisen hierfür, doch ich bediene viele davon nicht, z.B. die Suchmaschinenfunktion ist immer noch auf off. Das gezielte Einsenden mancher Artikel hat verschiedene Beweggründe, denen ich selbst nicht allen über den Weg traue. Jedenfalls sorgen sie ebenfalls nicht für einen Besucherzustrom.
Man muß ständig am Ball bleiben. Kommt drei Tage lang nichts Neues, so gerät man in Vergessenheit. Kommt jeden Tag dasselbe rüber, wird die Nase gerümpft. Redet man zu viel von sich, wird sich abgewendet, wenngleich es natürlich für alle Arten von Schriften auch ein Forum gibt. Doch mit Literatur hat dies alles nichts zu tun, finde ich zumindest und da haben wir den Salat.

Andere Worte und Auszüge

„Es spielt keine Rolle, ob man für oder gegen etwas ist – einzig das Schreiben zählt. Und mit Deiner Erlaubnis werde ich wahrscheinlich die letzte Seite meines Briefes an Dich herausnehmen und in mein Buch einfügen, und noch einiges anfügen. Du wirst feststellen, daß ich Dich gewissenhaft aus meinem Buch heraushalte, obwohl es mir schwerfällt.“
– Henry Miller an Anais Nin, Clichy 10. April 1932 –

Reibefläche

Bei der Sache mit dem CO2 Ausstoß bin ich sehr kritisch. Es geht nur ums Geld und möglicherweise ist ein erhöhter CO2 Ausstoß sogar eher gut für uns, als schlecht. Auch die Sonne ist gut für uns, natürlich, da ist ihre Strahlung, doch ihr Licht gefällt
so manchem nicht,
der dort will Dunkelheit
in unseren Köpfen
um unsre Energie zu schröpfen.
Einst schrieb ich wie im Fluß
heut schreib ich nur noch Stuß
hänge fest im Schilf
Gott hilf!

Lichtschwert

Die Annäherung des Orients mit dem Okzident und umgekehrt ist ein Schritt vor der weiterführenden Bewußtseinserweiterung der Menschheit. Daß diese Annäherung und dieser künftige Austausch mit Konflikten, Kriegen, Mißverständnissen, Auseinandersetzungen, Mißgunst, Habgier, Neid, Vorherrschaftsstreben und so weiter eingeleitet wird – nun, was sollen wir von den Menschen anderes erwarten.
Ich habe dieses Zitat noch gar nicht aufgeführt, sehe ich gerade. Also nun:
„Immer stärker durchdringen sich in diesem Ringen Westen und Osten. Die Geburt der neuen west-östlichen Weltkultur, die Verwirklichung des neuen Menschenbildes, kann sich nicht vollziehen im Gleichmaß der bürgerlichen Welt*, sondern nur im apokalyptischen Donner der Weltgeschichte. Wenig wirkt im Leben der Völker die Lehre, mehr das Beispiel, am meisten Not und Qual. Das Zeitalter der West-Ost-Kriege wird erst dann zu Ende gehen, wenn die Wesensverwandlung des Menschen, die Inkarnation des neuen, ganzheitlichen Menschen, sich vollzogen hat. Dem Kommen des Christus aber geht in der Geschichte stets das Kommen des Anti-Christus voran. Das erleben wir heute als geschichtliche Gegenwart.“

*das „Gleichmaß der bürgerlichen Welt“ ist die diplomatischste Formulierung die ich je gelesen habe, wenn es um diesen Graus geht. Man könnte heutzutage über sie ganze Bücher schreiben.

„In diesem (o.g) Kampf geht es nicht nur um den Ausgleich zwischen Amerika-Europa (mittlerweile zu einem Ameropa geworden, Anm. des Autors) und Rußland, sondern um den Ausgleich zwischen Amerika-Europa und Großasien, zwischen Okzident und Orient. Niemals kann hier der eine Partner den anderen überwältigen, sondern die beiden Gegner müssen einander durchdringen, sich wechselseitig beleben und befruchten. Denn nur die östliche und westliche Geisteshaltung zusammen bilden den ganzen Menschen. In den Kämpfen der Gegenwart und der nächsten Zukunft geht es um die Wiederherstellung des ganzen, heute noch in zwei Hälften auseinandergerissenen Menschen. Das gewaltige Ideal einer alles umspannenden west-östlichen Gesamtkultur steigt vor unseren Augen auf.“
Quelle ?

ANERKUNG Jahre später:  Quelle ist egal, da ist nämlich Schund, was da steht. Mischmasch-Menschen sind gewollt. Gleichsam befinde ich einen Fruchtbaren Ausstausch zw. Ori und Oxi durchaus erstrebenswert, aber der dient hier nur als Vorwand. Was soll man von Büchern aus der Esoterik-Abteilung (denn daher rührte es, sowei kann ich mich noch erinnern, auch halten?)

Persönliche Aufgaben

Ein Schreiber ist kein Musiker, ein Musiker kein Schreiber, doch können sie beides tun, sind aber nur eines von Herzen. Nach vielen Definitionen gemäß bin ich wohl ein Schriftsteller. Dieser gehört, nach Anais Nin, nicht so richtig zu den Menschen, was aber nicht immer unbedingt ein Segen ist, sondern allerhöchstens eine Aufgabe.
„Das gleiche, was Henry unzerstörbar macht, macht auch mich unzerstörbar: nämlich daß wir im Kern Schriftsteller sind und keine Menschenwesen.“
Anais Nin

Wer übrigens nicht weiß, ob er ein Schriftsteller oder Dichter ist, der sollte Henry Miller und/oder Anais Nin lesen und er/sie wird es wissen. Die Erotik in ihren Werken kann man ja überlesen, sowie auch ich mir nur die Stellen ankreuzte, die vom Schreiben erzählen. Von diesen werde ich künftig wohl noch einen ganzen Haufen hier einkehren, doch heute nur noch zwei:
Anais Nin zu June:
„Ich versuche ihr zu erklären, daß der Schriftsteller ein Duellant ist, der sich nie zur vereinbarten Stunde schlägt, sondern eine Beleidigung aufbewahrt, wie ein anderer Kuriositäten sammelt, sie später auf seinem Tisch ausbreitet, um dann ein Duell in Worten zu beginnen. Manche Leute nennen das Schwäche. Ich nenne es Aufschub. Was für den Menschen eine Schwäche ist, wird für den Schriftsteller eine Qualität, denn was er aufbewahrt und sammelt, explodiert später in seinem Werk; er lebt, kämpft und stirbt allein und wird allein wiedergeboren; alle seine Rollen spielt er hinter einem Vorhang. Im Leben ist er eine unpassende Figur.“

„Schriftsteller leben nicht nur ein Leben, sondern zwei. Zuerst leben sie, und dann schreiben sie darüber, das ist ein zweites Erleben, verzögerte Reaktion.“

Tatsächlich ist es als Schreiber so, daß man alles, wovon man schreibt, erst im Schreiben richtig erlebt. Vorher im Leben, beobachtet man es nur. Ich bin zwar oft sehr gefühlsduselig, aber oft nehme ich manches einfach nur zu Kenntnis. Ich erleide oder erfreue mich erst daran, wenn ich darüber schreibe. Ähnlich besagte es auch Fernando Pessoa. Und ich stimme zu, es reicht sogar aus, wenn man manches nur einmal erlebt hat – und zwar auch die schönen Dinge. Sofern sie in ihrer Essenz erlebt wurden, reicht das eine Mal aus. Schließlich wird man noch oft genug darüber schreiben.

Ich kann nicht umhin, mich einen Schreiber nennen zu müssen.

Jeder Künstler muß lernen Stille auszuhalten, Alltäglichkeiten zwar zur Ablenkung nutzen, aber er muß zur Ruhe kommen, ja zur Stille, um inmitten des Getöses Künstlerisches zu schaffen.
Viele Künstler sehnen sich nach einer Waldhütte oder einem Wohnmobil, aber auch nach einer Heizung und fließend Wasser. Der Künstler ist kein Eremit, aber ein Exilant. Ein Leben im Exil, im Schreiben ist er zu Hause.
Vielleicht rede ich hier nur vom Schriftsteller, wenn ich all dies sage und nicht vom Künstler. Was die weibliche Entwicklungsstufe betrifft, weiß ich zu wenig, von der männlichen kann ich nur manches mit Gewissheit sagen. Doch beides ist interessant und der weibliche Schriftsteller ist in jedem Fall anders als die männliche Schriftstellerin.

Stille

Es gibt da ein paar Fotos, von einer Gegend. Sentimentale Stimmen behaupten, dort hätte ich einmal gelebt. Die Bilder sind nicht die schönsten aller Bilder, denn es mutet zum Teil eher trostlos an – im Gegensatz zu den wunderbaren Auenlandschaften, Wasserfällen und Blumenwiesen, wo ich ebenfalls ins tiefste Bewußtsein der Natur vordringen konnte und darin leben durfte. Doch trostlos war es nicht. Ganz im Gegenteil. Diese „Wohngegend“ und die Erlebnisse darin haben mich zutiefst geprägt, ein paar Monate lebte ich dort, bis der Winter dann kam und mein Wohnwagen hatte keine Heizung. Danach lebte ich die restlichen Jahrhunderte woanders.
Ich weiß, anderen werden die Bilder nichts sagen, ich aber schüttele dabei mit dem Kopf, während meine Seele schnurrt und mein Geist völlig still ist.


31. Juli 201

Ich mache mir politische und gesellschaftliche Gedanken, doch darüber schreiben ist müßig. Es sind auch immer dieselben Gedanken und mir reicht im Grunde, zu allem mindestens einmal etwas geschrieben zu haben. Ich mache mir auch spirituelle Gedanken, doch darüber schreiben ist schwierig. Dazu finde ich die Mitte nicht, bzw. sobald ich in der Mitte bin, habe ich gar nicht mehr das Bedürfnis, darüber großartig zu schreiben. Das ist, weil es dann keine Gedanken mehr sind, sondern nur noch ein Ist-Zustand.
Unlängst versuche ich das Spirituelle ins Politische Geschreibe einzubringen und merke aber auch dabei: Das geht nicht zusammen.

Und das literarische Schreiben, was ist überhaupt damit?

Ist es Literatur?
Blöde Frage. Blöde Ansprüche.
Schreib – und denk nicht darüber nach, was du schreibst, wer es liest, was damit geschieht, wer zustimmt, wer nicht zustimmt, wer versteht, wer nicht versteht, wer einschläft, wer sich aufregt, wer lächelt, wer den Kopf schüttelt, wer lacht, wer weint. Kümmer dich nicht um die Reaktionen des Publikums, sage ich mir.

Briefwerk

Ich bin nicht unbedingt überzeugt von “literarischen Austauschen”. Briefe an sich können sehr wohl Literatur sein. Aber Briefe an sich sind (zuletzt) Briefe an sich.
Schreiben zwei Literaten, Dichter, Schreiber sich gegenseitig Briefe, so schicken sie sich im Grunde nur ihre Manuskripte zu. Es klingt hart, aber es ist so. Und es ist weniger hart, wenn man bedenkt, daß dieses Unterfangen ehrlich ist. Es geht gar nicht anders. Auch Liebesbriefe sind ehrlich und können spätestens für die Nachwelt wie Literatur erscheinen, so wie zum Beispiel bei Miller & Nin. Von den privaten Glücksreisen und Höllenfahrten innerhalb der Briefe einmal abgesehen, zogen beide Schreiber hier auch etwas für sich allein, für ihr alleiniges Schreiben, heraus.
Natürlich muß es eine Basis geben zwischen zwei sich Schreibenden, eine Basis auf der beide stehen, ob es Liebe ist, Vertrauen, Freundschaft, geistige Verbindung oder was auch immer. Doch den geistigen Ausflügen sind keine Grenzen gesetzt, das eine bewirkt das nächste. Schreiber, die mit Anderen Briefe geschrieben haben, hatten selten nur eine einzige Korrespondenz geführt. Meistens schrieben sie vielen anderen gleichzeitig, und immer mit dem höchsten Anspruch, daß man während des Austauschs auch bei der Literatur bliebe.
Vorsorglich betont, daß ich mich nun nicht unbedingt als Literat betrachte, ist es nun so, daß ich gerne Briefe schreibe. Wenn man beim Wort bleibt und dazu steht, reicht ein Briefaustausch, egal zu wie vielen Menschen man ein ähnlich vertrautes Verhältnis hat.
Die Anrede oben im Briefkopf ist natürlich mit dem Zauber behaftet, daß dahinter ein Mensch steht, zu dem man eine ehrliche Verbindung hat, den man lieb hat und schätzt, in irgendeiner Verbindung ist oder in einem Bezug steht, der auch über das Schreiben hinaus geht. Im Augenblick des Schreibens geht es aber nicht mehr allein darum. Man schreibt diese Briefe an sich, über den Geist. Warum also mehrfach die Post bemühen, ein Kanal als Verbindungslinie zum Geist reicht doch. Daher ist die namentliche Anrede oben im Briefkopf zwar so gesehen nicht austauschbar, aber zuletzt ist es mehr eine Ausrede, als eine Anrede. Dafür aber eine sehr literarische.
Ich könnte noch einen draufsetzen und sagen: Wenn man sich glücklich schätzen darf, daß es jemanden gibt, mit dem man Briefe schreiben kann und den man oben im Briefkopf ansprechen darf, so kann man sich auch deswegen glücklich schätzen, weil man sich auf diese Weise nicht extra einen Phantasienamen dafür ausdenken muß.

Will man die Welt der Literatur vollständig betreten, so muß man vor dem Eintritt seinen Namen an der Garderobe abgeben. Auch sein Ich und alles was dranhängt. Sonst muß man nicht schreiben. Die Klamotten haben draußen ihre tragende Rolle, drinnen nicht.
Wovon schreibe ich eigentlich?

Zeit

Fred Hageneder (Geist der Bäume; die Weisheit der Bäume; die Eibe in neuem Licht) ist einer meiner Lieblingsbuchstabenbäume.
Was er über die Eibe schreibt, soll man sich merken, denn nicht alle Baumhoroskopisten stimmen da überein, doch er ist meiner Meinung nach mit allem, was er schreibt, am nächsten an der Wurzel der Bedeutungen dran. Zumindest am nächsten an den Empfindungen und Gedanken, die ich habe, und dir mir daher in seiner Lehre stimmig erscheinen.
Die Natur ruft, und die Dunkelmächte schlagen genau deswegen Krach. Denn die Natur ist unser Bindeglied zum Universum (oder eines davon). Bloß sollen wir da gar nicht hinhören, da haben die Angst vor. Hören wir also hin und wir finden immer das bestätigt, was wir im Inneren längst wissen.

Auch in dieser Weise verstehe ich im Grunde nur noch die Zeit. Kommen diese Zeichen zur Erscheinung und kann ich sie wahrnehmen und mitbekommen, daß sie mit dem eigenen Wort und eigenem Handeln stimmig sind, so bin ich halbwegs richtig im Rad der Zeit.
Die Zeit auf diese Weise zu verstehen, läßt die andere Zeit, die mit der hetzenden Uhr, aus dem Rad fallen.
eines der interessantesten Gebiete im Bereich der Literatur. Nämlich das Wort:
Nichts
Wenn man nicht weiß, was man machen soll, soll man vielleicht nichts machen. Wenn man aber nicht weiß, worüber man schreiben soll, soll man nicht etwa nicht schreiben, sondern über das Nichts schreiben. Da gibt es noch viel zu tun. Ich tue im Grunde nichts anderes, bzw. muß ich zugeben, ich möchte wieder mehr dafür tun, über Nichts zu schreiben. Man kommt nur nicht dazu, bei Allem, was man sonst tut, angeblich tun soll und meint, tun zu müssen. Das meiste davon kann ich nicht mehr wirklich nachvollziehen.

So kommt man weniger zu Nichts als vielmehr nie zu „Nichts“.


29. September 2011

Aufklärung, Glaube, Natur, Nichts

Auch meine Schriftrede ist manipulierend. Auch davon sollte man sich immer wieder zurückziehen.
Viele Einflüsse sind nur Manipulation. Manche Manipulation kann zur Inspiration führen. Lieber reine Inspiration als verdeckte Manipulation. Kunst zum Beispiel inspiriert (?), Natur inspiriert, das Leben inspiriert. Irgendwie müssen wir wieder dahin zurück kommen. Neben dieser Inspiration, der man willentlich begegnen muß, sind wir aber dauerhaft einer künstlichen (!) Manipulation ausgesetzt, die zur Zeit noch mit Ach und Krach aufrecht erhalten wird. Manche versuchen, sie zu durchschauen oder den Schleier zu lüften. Das müssen aber keine Engel von Geburt sein, möglicherweise sind es sogar eher gefallene Engel,
Nur, wie geht jeder damit um, mit dem was er macht, denkt und fühlt? Übernimmt man dafür Verantwortung oder nicht? Plappert man nur nach oder nicht? Hat man Angst oder nicht? Welche Ängste hat man, welche nicht? Angst, auf einen Scharlatan, eine Unwahrheit hereinzufallen oder mal wieder hereingefallen zu sein? Woher kommt diese Angst?
Welcher Manipulation ist man schon vorher unterlegen gewesen?
Es ist alles das gleiche, keiner ist besser, keiner weiß mehr, keiner ist nur Licht, keiner ist nur Schatten, und auch wichtige Bücher legt man dann mit dieser Erkenntnis zufrieden wieder weg, grüßt sie allenfalls freundlich, wenn man am Regal vorübergeht.
Hinter den Büchern im Bücherregal ist Nichts. Oder eine nackte Wand. Schreibe selbst was drauf und glaube daran oder laß sie so nackt, wie der Maurer sie schuf. (ob es ein Maurer war oder ein Freimaurer, ist dann auch egal geworden) Und die nächste Frage ist dann, was ist hinter der Wand? Nur Natur**?
Was ist hinter der Wand, wo das Bücherregal vorsteht? Die schöne, die friedliche, die erbarmunglose Natur? Hat sie Geist oder Seele oder nicht? Wenn ja, wo kommt dieser Geist, diese Seele her? Ob darüber vielleicht etwas in den Büchern steht, die da in dem Regal vor der Wand stehen?
Bestimmt.

Wikipedia sollte ein Maßstab sein. Diese Infos sind Abbild eines geduldeten Wissenstandes – Informationen die dann im Google Ranking weit oben landen, wonach sich dann wieder wikipedia richtet. Wir schöpfen nur von der Oberfläche, wo hauptsächlich nur diese reduzierten Wahrheiten verbreitet werden. Nach Hintergründen sucht man länger und Google ist nur die Oberfläche des Internets und kein Buch des Lebens.

Der Sommer kommt zum Herbstbeginn, was macht denn das für einen Sinn?


13. Oktober 2011

Handgelenke & Fußgelenke; das sind auch die sogenannten Fesseln, die vielleicht so heißen, weil wir in früheren Zeiten daran festgebunden wurden. Schmerzen oder ein Ziehen darin muß allerdings nicht heißen, daß wir im früheren Leben einst Gefangene waren, so wie man vielleicht bei Leuten, die an allen zehn Fingern Ringe tragen, vermuten könnte, ihnen wären diese Finger im früheren Leben abgehackt worden. Doch deutet das übermäßige Ringetragen wohl auf Bindungen im weiteren Sinne hin, vielleicht auch im engeren Sinne, wenn es auch, im Gegensatz zur Fesselung eines verurteilten Gefangenen, auf freiweillliger Basis geschehen ist. Nicht zuletzt der Ehering zeigt ja an, welcher Bindung wir uns hergegeben haben. Manche tragen dazu noch einen Ring am kleinen Finger, manche am Mittelfinger, manche sogar am Zeigefinger oder gar am Daumen. Es ist natürlich klar, daß das etwas zu bedeuten hat. Was, das möchte ich nicht beurteilen.
Ein Schmerz am Handgelenk hingegen kann auch heißen, daß wir uns gegenwärtig von Fesseln mühsam oder leidend lösen oder die Fesseln stärker merken, so daß wir uns von ihnen lösen, ein gesunder Schmerz. Es kann desweiteren ein Aufruf zum Erwecken eines schlummernden Aspekts der Persönlichkeit sein, ein Sich befreien von der Decke, die man selbst darüber legte oder durch konditionierende Einflüße mit den Jahren drumherum gehäkelt wurde.
Dies sind dann von Anfang an Rollenverteilungen. Ein Junge und ein Mädchen haben so und so zu sein, eine Frau und ein Mann so und so. Dazu dann die erweiterten Rollenvorstellungen, denen man zu entsprechen hat. Verheiratet oder nicht verheiratet? Welchen Beruf üben Sie aus?
Für das Erwecken der weiblichen Seite sollen Männer keine Zeit haben, für das Erwecken der männlichen Aspekte (und der weiblichen) sollen Frauen keine Zeit haben. Lieber sucht man das im Außen, was nur natürlich ist, doch durch das Vernachlässigen des eigenen männlichen, wie weiblichen Teils in einem selbst, kommt es früher oder später zu Mißverhältnissen mit dem Gegenpart im Äußeren.
Männer, die ihre weibliche Seite nicht angenommen haben, sind in meinen Augen keine Männer, sondern allenfalls blinde Hechte. Bei Frauen verhält es sich noch schwieriger; sie haben ebenfalls ihre männlichen Aspekte in sich selbst zu entdecken, aber in diesen Zeiten vor allem auch wieder ihre weiblichen, denn es gibt neben den vielen männlichen Männern auch viele männliche Frauen – da unsere Gesellschaft seit jeher vom männlichen Prinzip beherrscht wurde. Die männlichen Energien sind völlig überzogen entwickelt worden, wie man am übermässigen Waffenproduktion unschwer feststellen kann, und die vormals weiblichen Energien sind vom männlichen verdrängt oder besetzt worden. Die grundlegende harmonische Ordnung im Universum ist auf Erden durcheinander geraten, hier herrscht Spaltung und das ist – wenn man genauer hinschaut – mit einer bestimmten Absicht geschehen. Harmonie ist natürlich etwas anderes. Alles muß mehr ins Lot. Die Verschmelzung fängt bei jedem im inneren Kern an. Mit Emanzipation ist also etwas anderes gemeint gewesen, als man einst dachte. Das war nur eine Falle. Genauso auch das Gendergezeugs.

Wer schreibt, der bleibt, sagt man, und vielleicht stimmt das in Bezug auf die eventuellen Hinterlassenschaften – doch wer schreibt, ist eigentlich weg. Vor allem während er schreibt.

Ich habe immer mehr Achtung vor den Computerfreaks. Das Internet gehört allen, vorwiegend sollte es dem Volk gehören. Diese freaks sind daher einstweilen unsere Lobby. Interessant wird eben dann auch die weitere Diskussion um facebook sein. Facebook setzt die Gesichts-erkennungssoftware ein, da muß man nichts befürchten, denn es ist ja nur ein harmloses soziales Netzwerk…
Die Polizei hingegen darf Gesichtserkennungssoftware nur mit richterlichem Beschluss einsetzen und für Geheimdienste sollte dies ebenfalls gelten. Facebook darf das aber ohne weiteres Murren. Sie wenden außerdem auch die unbegrenzte Vorratsdatenspeicherung an, so gesehen. Zudem versenden sie Trojaner, oder zumindest Schnüffelcookies, auch das habe ich schon von einem Betroffenen gehört. Und alle seine „ Freunde“ haben gleich einen Cookie mitgeschickt bekommen, über die E-Mail-Funktion. Eine Keksdose für ihn und jeder Freund bekommt einen Keks. Wie freundlich, facebook ist ein harmloses Netzwerk. Im äußeren Erscheinungsbild stimmt das auch. Doch könnte es sich im Inneren um auch einen anderen Dienst handeln, der facebook als ein Deckmäntelchen nutzt, hinter dem man all diese Dinge anwenden kann, ohne eine richterliche Verfügung einholen zu müssen.
Sein Privatleben dort zu hinterlegen, halte ich so oder so für falsch, bzw. für dumm und im Grunde für idiotisch, was nicht heißt, daß man es nicht auch für private Zwecke nutzen kann, z.B. wenn man offene Freundschaften mit echten Freunden in fernen Gegenden über diesen Weg hegen möchte. Hegen, denn Pflegen kann man sie über diesen Weg nicht, das ist ein Trugschluß, denn dazu gehört ja mehr, als nur das Versenden von Updates der persönlichen Alltags-Informationen. Es politisch zu nutzen finde ich daher umso klüger.

Ich vermute, daß in den schwarzen Löchern das Licht wohnt. Also die Quelle. Doch sind schwarze Löcher gekrümmt, so daß man sie von hier aus betrachtet stockdunster vermutet, derweil das Quelllicht verborgen hinter einer Krümmung leuchtet. Wer in ein schwarzes Loch hineinfährt, der sieht nichts vor Dunkelheit und er kommt nicht mehr heraus, wegen der Anziehungskraft. Die Anziehungskraft wirkt aber nur auf alles, was dem schwarzen Loch, wohl dem Nichts, in materieller Form begegnet. Und das wird verschlungen, Materie geht dort Hopps und vermutlich wird derjenige, dem es nach Verlassen seiner materiellen Anhänglichkeiten gelingt, die vielen Kurven innerhalb des schwarzen Loches zu meistern, hinter der letzten Ecke vom grellsten aller grellen Lichter geblendet. Ins Zentrum des Lichts zu schauen, heißt erblinden.

Und ich frage mich immer, was ich denn sonst machen soll. Schreiben ist Zeitvertreib, schreiben ist Zeit vertreiben. Im schwarzen Loch gibt es keine Zeit.
“Da er mit der Zeit keinen Pakt machte, so blieb sie aus seinem Wege und seufzte nur aus der Ferne nach ihm, weil sie ihm nichts anhaben konnte.” H.D Thoreau, 1854

Dies ist auch eine Beschreibung der Empfindungen, die wir innerhalb der Matrix haben, doch vom Quell außerhalb der Matrix stammen, also ein Versuch des gedanklich möglichst klaren, wie empfindsam möglichst deutlichen Durchblicks durch den Schleier.
Die körperlichen Empfindungen spielen hierbei eine große Rolle, es ist diesmal nicht mehr nur ein geistiger Prozeß, sondern insbesondere ein körperlicher.
Hierbei spielen Empfindungen eine große Rolle und Empfindungen sind ja nicht gleich Emotionen.


23. November 201

Abgabe, Angabe, Aufgabe, Ausgabe, Eingabe, Hingabe

Guten Abend liebe Zuschauer.
Nach einer Anfrage beim Amt für innere Verfassungsangelegenheiten können wir Ihnen hiermit freudig mitteilen, daß es mir wohl noch ganz gut geht. Auch die neuesten Umfragen des Forsa-Instituts bestätigen diese Einschätzung. Ich selbst kann dem nur zustimmen. Von hier oben aus betrachtet zumindest. Denn demjenigen, den ich zugleich unten auf Erden darstelle, dem scheint es nicht optimal zu gehen. Ich wüßte zwar was zu tun wäre, damit es ihm besser ginge, auch wenn es ihm ja gar nicht schlecht geht, doch die Folgen meines Rates an ihn, was zu optimieren wäre, sind noch unabsehbar – schließlich ist auch das Umfeld immer mit betroffen. Besser ist daher, er tut erst mal gar nicht viel. Sonst trifft er noch die falsche Entscheidung, bzw. die richtige zum nicht optimalen Zeitpunkt. Ähnlich ist es mit dem, was er schreibt. Lieber soll er einfach nur weiter seine vergilbten Texte präsentieren, statt jetzt nach neuen Worten zu suchen. Die alten Texte reichen aus, an ihnen gibt es kaum etwas anzuzweifeln, wie zuletzt der 2009 ins Blaue hineingeschriebene Artikel nun endlich vom Zeitgeist gesegnet wurde.
Und das ist kein Eigenlob, das ist nur eine persönliche Feststellung aus der gehobenen Position mir gegenüber!
Ha ha Ha, da kippt der Geist vor Lachen fast hinten über!
Doch Spaß beiseite, einen ernstgemeinten Rat könnte ich ihm schon geben. Er sollte ruhig auch die weniger politischen Texte zum Lesen abliefern, denn auch sie treffen zu. Soll er sie doch einfach irgendwo veröffentlichen, wenn ihm ab und zu noch der Sinn nach innerer Genugtuung steht. Den Wunsch nach äußerer Genugttung haben wir längst überwunden, aber fürs Innere kann ein gewisses Maß an Genugtuung trotzdem mal gesund sein, also raus mit den alten längst geschriebenen Kammellen, sonst wurmen sie dich nur.
Das sollte aber auch reichen. Versucht er nämlich stattdessen, jetzt nochmal alles in neuen Worten darzustellen, so ist es der Mühe nicht wert, auch wenn es Tausendhundert Leute lesen. Es geht nicht mehr darum, ob jemand versteht was er liest. Entweder man sieht es bei sich selbst es oder man sieht es nicht wirklich. Doch das sind schon die Worte desjenigen, den ich unten auf Erden darstelle. Besser ich lasse ihn in Frieden, er wird schon von selbst drauf kommen, was jetzt zu tun ist, bzw. was jetzt nicht zu tun ist.
Das waren die Neuigkeiten des Tages. Käme nun eigentlich der Wetterbericht, aber ich habe keinen vorliegen, offenbar hat die Redaktion da geschludert. Immer muß man aber auch alles alleine machen!
Ah, ich sehe gerade, ein Manuskript von ihm liegt uns offenbar doch vor… aber weitere Anfragen unsererseits, wann er es zu veröffentlichen gedenkt, verliefen bisher ins Leere. Ich werde es weiter versuchen, vielleicht kommt ja schon bald eine Rückmeldung.


23. Dezember 201

Ach ist schon fast Weihnachten wieder? Kein Wunder, daß ich so ausgebrannt bin. Die Vorbereitungszeit auf das besinnlichste Fest der Menschheit ist auch ziemlich anstrengend. An was man alles denken muß. Was man alles machen soll. An wen man alles denken muß. Für wen man alles was machen soll. Was man alles besorgen muß. Wen allen man es besorgen soll. Äh, na gut, das bleibt aus. Trotzdem.
Wie unsinnig insgesamt das ist.

Was soll ich sagen. Entschuldigung, Verzeihung, es tut mir leid.
Ja, das kann man dranhängen, aber im Grunde reicht es zu sagen, ich schaffe es nicht, komme nicht dazu, was soll man machen.
Verzeihung und Entschuldigung ist, wenn es aus meinem Mundwerk oder Schriftwerk kommt, nicht aufrichtig genug, wenn es darum geht, mich mal wieder ewig nicht gemeldet zu haben. Ich empfinde das nicht so schuldbewußt. Zumindest wüßte ich nicht warum, da ich doch niemanden verletzt habe. Gleichzeitig spricht hier schon das schlechte Gewissen. Das gefällt mir noch weniger. Doch Entschuldigung ist dafür nicht angebracht. Und immer geht es auch an sich selbst, natürlich.
Wer ist nun „sich“? Die Frage kam bei mal 92 auf. Bis dahin nee seither ist sie unbeantwortet geblieben.
.
Für vieles habe ich keine Worte; will auch keine haben. Wir lassen es vorüberziehen. Worte dafür zu haben wäre, als würden wir versuchen, einen vorbeifahrenden Zug zu besprayen, mit Beschreibungen von unseren Vermutungen darüber, was in dem Zug sein könnte, woher er kommt und wohin er fährt. Das lohnt der Mühe nicht, er tut es sowieso. Tut-tut.
Allenfalls gelingt es uns, schöne Bilder oder astreine Formulierungen zu erschaffen:

Ich komme nicht mehr wirklich ins Schreiben rein. Das Verrückte ist aber: Ich glaube, ich habe gar keine Schreibblockade. Es ist eher eine Zurückhaltung. Auch ein Unwillen sogar. Ich habe manchmal keine Lust. Manchmal auch keine Kraft, manchmal keine Zeit und meistens kommt alles zusammen.

Ich hinterfrage alles. Sogar auch das Wort, das ich geschrieben habe oder gerade geschrieben wird. Wozu? Warum? Was soll es? Was bringt es? Wer oder was hat was davon?

Man versucht ja doch nur, den eigenen Erwartungen zu entsprechen, in Wirklichkeit und Ehrlichkeit Amen.
Geschrieben habe ich nur einen Text, der fast zu lang war, um wahr zu sein. Dafür brauchte ich einen Monat, sage und schreibe einen Monat, Klimaschwankungen einberechnet.
Ab und zu drei bis fünf Sätze hingehäkelt und dann war ich dermaßen ausgelaugt davon, daß ich einen ganzen Tag brauchte, um mich vom Geschriebenen zu erholen.
Und dann war er irgendwann fertig, ein weiteres Thema abgehandelt, abgehakt, fertig, erledigt.

Selbst das dümmste Verhalten wäre wahrscheinlich sogar rein mathematisch zu erklären. Was sie tun ergibt durchaus Sinn. In ihrer Rechenweise. …

Halten wir davon besser Abstand. Es würde uns den Verstand rauben.
Oder soll man doch besser hinblicken. Ins Dunkel soll man blicken, sonst weiß man nicht, was los ist. Wer will schon wissen, was wirklich los ist. Es ist ein tiefer Abgrund. Es ist teilweise abgrundtief schlecht, düster, finster, grauenhaft, widerlich, unmenschlich, unheilig, schlimmer noch als teuflisch.
Doch lassen wir das. Dazu müßte man meisterlich geschult sein, um sich mit diesen Abgründen in guter Absicht auseinandersetzen und es gleichzeitig überleben zu wollen.
Es hat auch jeder eher die Aufgabe, in die eigenen dunklen Ecken zu sehen, das reicht schon. Der direkteste Weg, eine Angst zu besiegen, ist bekanntlich der Weg durch die Angst. Ach nein, das war beim Schmerz so. Der schnellste Weg den Schmerz zu überwinden, ist der Weg direkt durch den Schmerz. Aber vielleicht ist es bei der Angst ja auch so. Es einmal durchstehen und man ist so gut wie durch.
Wir tun dies alle zur Zeit. Die einen sehr bewußt, die anderen unterbewußt, keiner bleibt verschont, alle werden geliebt. Von wem, fragt mancher sich vielleicht. Und hier kommt wieder das sich ins Spiel. Es liegt in weiter Ferne nah und ist immer da, solange wir hier sind, ein ewiges Doppel… eine andere Welt.. ein anderes Da-Sein.
Und hier? Ach, ich sollte soweit es möglich ist, die Stadt meiden, und noch viel mehr den Hauptbahnhof, wo ja immer der gesellschaftliche Wahnsinn aus mehreren Kanälen zu einem Haufen zusammenfließt, bevor er sich zerstreut.

Wir werden zeitgleich anderswo verstärkt gebraucht, was aber nicht heißt, daß man diese Welt dafür verlassen muß. Heutzutage geht das über die andere Schiene, während man auf dieser Schiene ebenfalls gebraucht wird. Beides ist ein Gleis und führt in die gleiche Richtung, doppelte Arbeit, bei doppeltem Lohnausgleich – auch wenn wir das hier unten nicht mitbekommen.
Wir haben viele Aufgaben und tun es einfach, um der Freiheit der Menschen willen und dessen, was sie eigentlich sind. Die anderen da werden es nicht aufhalten können, auch nicht mit Drohnen über den deutschen Dächern.
So anstrengend war es noch nie, oder schon ewig nicht mehr. Je bewußter man hierbei ist, desto häufiger kommen wohl die Müdigkeitsanfälle, bzw. kann man sie sich umso weniger wirklich erklären, je dingsbums man hastenichgesehn.

wenn es doppelte Böden gibt, gibt es auch doppelte Vorhänge.
Und dahinter ist erstmal Nichts. Dann kommt ein Licht und man denkt, nun wüßte man, was vor sich geht. Doch schaut man auch dahinter, sieht man wohl, auch hinter dem Licht geht was anderes vor sich, als man einst dachte, ewig dachte, schon immer dachte. Denn wie kann hinter etwas etwas vor sich gehen?
Doch so ist es wahrscheinlich.

Es gibt auch nichts darüber zu schreiben, zu reden, zu denken.
Es gibt offenbar noch einige Wahrheiten, die man noch nicht einmal vermutet hätte. Es gibt darüber auch nichts im Internet. Allein sie zu vermuten, wäre schon ein Schritt zu weit gewagt. Sie sind evtl. nicht für die Menschen bestimmt, zumindest nicht beim derzeitigen kollektiven Bewußtseinsgrad.
Alles Illusion. Alles Wahrheit. Die Wahrheit ist ebenfalls Illusion, denn die Wahrheit kann der Mensch nicht wissen, es wäre nur seine Wahrheit.

Man ist dennoch nur Auge. Und das Auge ist mit dem Herzen verbunden. Sagte mir mal jemandy.
Noch nicht einmal ist man nur Auge. Man ist nur das, was das Auge befähigt zu sehen – und man ist hierbei vor allem nicht mehr man, aber auch nicht Frau – das sind nur Unterschiede ein und desselben großen Mißverständisses.
Nur manchmal kann ich, wie schon mal erwähnt, mit fast Allem nichts mehr wirklich anfangen. Und sobald ich es kann, zweifle ich mich an, klage mich sogar an, doch nicht im Namen der Kirche, der Religion oder anderer Gehirnwäschereien, sowie esoterischen Lehren, atheistischen Lehren oder sonstwas, es ist alles der selbe Pfuhl in meinen Augen –
nein, allein durch den Blick meiner Augen, denn in meinen Augen ist nämlich alles in Ordnung. In meinen Augen herrscht die absolute Grundordnung aller der Dinge, hier ist das Universum wie es leibt und lebt – ich sollte wohl auch lieber Sonnenbrillen tragen.

..


4. Feb 2012

Beginnend möchte ich gleich sagen: Meine Schreibblockade ist noch immer nicht vorbei. Und ich glaube auch, diese Blockade ganz bewußt errichtet zu haben, allein damit ich nicht schreibe. Damit ich nicht schreiben muß. Damit ich nicht mehr denken muß, ich müßte hierüber und darüber schreiben.
Über was? Über alles Mögliche. Es ist nicht von Belang.
Nur das Unmögliche ist von Belang. Doch darüber zu schreiben, kann kaum gelingen, wenn es das denkbar Unmögliche ist. Früher ist es mir besser gelungen, wenigstens das geahnte Unmögliche hinzuschreiben, als hätte ich es bereits durchdacht. Heutzutage gelange ich noch nicht einmal mehr in den Raum, wo dieses freie Wort lag, das zügellose, teils unverständliche, fast sinnlose Wort – das am Ende aber doch immer am meisten Sinn ergab.
Manchmal ist es deprimierend, keinen Zugang zu haben. Mehr und mehr ist es aber auch ein schönes Gefühl, nicht mehr in der Pflicht zu stehen. Nicht mehr von sich zu meinen, in der Pflicht zu stehen, unbeschriebene Räume betreten zu müssen. Allerdings trage ich einen Hauch von Erinnerung in mir, daß es seinerzeit keine Pflicht gewesen war, sondern eher ein haltloses Vergnügen, und oftmals auch ein durchlittenes Genügen, ein sich selbst Genügen. Heute ist das anders, wem soll man auch genügen wollen..
Ich bin relativ beziehungslos geworden in allen Belangen. Kaum einer versteht das, im Leben, ist ja auch Widerspuch, isnt it?

Briefe sollen den Schreiber an den Schreibtisch locken – die Worte anderer, an einen selbst gerichtet, sollen den Schreiber (oder den naturgemäß Schreibwilligen, der augenblicklich unwillig ist) zur Feder greifen lassen; mithilfe des Briefwerkes soll die vertrocknete Tinte im Tintenfaß wieder flüssiger werden, wenn sie stockt. Das ist aber weniger eine Absicht, als der wohlgefällige Hintergrund eines allgemeinen geistigen Motivs.

Gelichtet

Vielleicht bin ich eher wie die Dunkelheit, ich bin die dunkle Ecke im Lichterschein, dunkel wie ein schwarzes Loch – doch, wer weiß, ob nicht eben dort das Licht auch wohnt? Ich habe das ja schon behandelt – thematisch. Doch habe ich es auch im Leben behandelt, quadratisch, praktisch, gut? Nichts ist quadratisch, es sieht nur so aus… das Kleinkarierte haben wir eigentlich schon längst überwunden..
…ich verliere mich wieder im Wort – im möglichst Unverständlichen, dorthin wo mir keiner folgen kann.
Entleeren steht an, auch Entschleunigen, und im Grunde steht das schon länger an. Es ist auch eine neue Form der Konfrontation mit der Materie. Wir werden die Dinge zunehmend anders wahrnehmen. Wir werden sehen, welcher materielle Teil von etwas Wesentlichem bewohnt ist und welcher nicht. 


Wir werden die Dinge umstellen, verschieben, neu ordnen oder letztlich entsorgen, denn das Umstellen, Verschieben und neu Ordnen ist nur ein insgeheimes Hinauszögern der finalen Handlung des Entleerens, bzw. Entsorgens. Und nach dem Entsorgen werden wir merken, wie wenig Sorgen wir plötzlich haben.
Wir werden auch manchmal denken, wir wären verrückt, denn wir sind entrückt, es gibt manchmal seltsame Zeitverschiebungen, die wir kaum raffen können, denn manches verläuft wie im Zeitraffer bereits vor uns ab, noch bervor wir es in der eigentlichen zeitlichen Abfolge durchleben; manches Gegenwärtiges verschiebt sich zeitlich auf vollkommen unerklärliche Weise, vergeht schneller als es natürlich wäre oder verbleibt länger, als man es empfunden hätte. Manche Dinge, die wir vorher gesehen haben, werden manchmal unsichtbar, manche Dinge, die wir vorher nicht gesehen haben, werden manchmal sichtbar. Und so weiter, zumindest bis eben hierhin ist es nicht nachgeplappert, sondern selbst erlebt, so weiß ich mit Sicherheit, daß es wenigstens für mich so ist, während es auch vielerseits ähnlich bestätigt wird.

Licht gestalten


Wie in dem oben beschriebenen Teil über das materielle Ding, sehen wir nun auch bei vielen Leuten, vielleicht sogar bei allen, das dunkle Wesen mehr als sonst; bei manchen zweifellos neben der eigenen urwüchsigen Dunkelheit auch das dämonische Wesen, oder sagen wir den Teil der Seele und des Geistes, der von solch etwas besessen ist. Es wird auch sichtbarer, da es nun heraustritt, im verzweifelten Versuch, sich durch den Menschen auf Erden zu inkarnieren, der Mensch als Hülle – eine Hülle wie Glas.
Es tritt heraus, da es nicht gelingen wird, die Menschheit derart zu benutzen, doch viele gehen leider auch daran zugrunde, wenn das Dunkle durch sie hindurchfließt.
Es geht durch uns alle durch und die Botschaft ist Loslassen und Einigung auf Frieden, da wird nun niemand mehr den anderen verurteilen können, denn was er sieht, ist das, womit er in Resonanz steht, vielleicht erkennt er es beim anderen in weniger ausgeprägtem Maße, vielleicht bei manchem in weitaus schlimmerer Weise. Es ist weiterhin eine Konfrontation, doch würde eine Kampfansage oder eine Kriegserklärung mit diesem Wesen noch schwerwiegendere Folgen haben, als bisher.
Das sind Erklärungen, die man auf den einschlägigen Seiten nachlesen kann, und für mich sind es zumindest Erklärungen für die Eindrücke, die ich in der letzten Zeit so hatte, wenn ich durch den Bahnhof ging, oder durch die Stadt oder irgendsonstwo sinnlos auf und ab ging.

Auf und Ab

Es ist rückwirkend eine dichterische Klärung gewesen, eine Er-klärung, in Bezug auf eine vermeintlich traumhafte Zweisamkeit meinerseits mit jemandem, die ich namentlich hier gerne lauthals verschweigen möchte – ein Geschehnis, bei dem sich einer der beiden vielleicht blinderen Auges im Anderen verloren hatte als der Andere – um zu erkennen, daß das vermeintliche Bündnis nur ein Verband war, derweil es durchaus eine spürbare Verbindung gab – der Verband ist nun abgelöst, die Wunden wohl verheilt, vielleicht exisitiert die Verbindung noch immer, sie schwebt nun wie schon immer im All herum, nur die beiden Kontaktstellen wissen voneinander nicht mehr, wo sie im Bezug zueinander heute auf Erden stehen.
Auch geht es um das Leid, das entsteht, wenn die Beziehungen zueinander aufgelöst werden, und es geht hintenherum um das umgehende Einfädeln von neuen Beziehungen – besonders das umgehende, denn oftmals beginnt man das Neue nur, um „dem Alten“ zu entfliehen. Manche nennen das Lückenbüßer, dabei büßen am Ende eher die am meisten, die sich einen Lückenbüßer ins Haus geholt haben. Doch das ist alles menschlich, Verdrängen ist menschlich, allerdings kann eine Zeit einsamen Leidens noch viel menschlicher sein.

Zuletzt es geht um das Wort, um etwas, das wir überwunden zu haben meinen – und in der gleichen Wortwahl zu beschreiben versuchen, womit es letztlich nur um die eigentliche Bedeutung bestimmter Worte geht – was zudem etwas ist, wovon wir neuerdings auch im Internet mehr und mehr lesen und hören.
Ich möchte mich anscheinend weiterhin ins richtige Licht rücken, will sagen, ich habe es doch schon immer gesagt, oder wenigstens versucht zu beschreiben, was ich schon immer wußte – was nicht heißt, daß ich es als erster wußte oder zu beschreiben versuchte, ha-blubb,
da sitz ich nun, ich armer Thor, hatte doch so vieles vor,
niemand lieh mir Aug und Ohr,
denn ich enthielt die Texte vor
und steckte nichts davon ins Rohr,
hab doch all das schon beschrieben
und nichts davon bleibt hinterblieben,
solang man es nicht publiziert.
Mein Ego ist so kompliziert
strukturiert und konzipiert,
daß es jeden impliziert…
der sich dafür noch interessiert –
haha-blubb!
Das sollte ich eigentlich veröffentlichen.

Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man am Ende etwas anderes geschrieben hat, als man am Anfang wollte.

Und dann wäre da ja noch die Literatur – die schöne, die gefällige, aber auch die zermürbende, die einsichtige und die im Auge des Lesers wohlgefällige Literatur, die es umso mehr ist, je tiefer der Schreiber in die Einsicht vorgedrungen ist.
Ich glaube, ich hätte wieder Lust, eine Geschichte zu schreiben, was dann ein Roman darstellen soll. Vielleicht komme ich ja irgendwann mal dazu. Erstmal muß vieles noch weiter reduziert werden.

Letzte Worte

Ich wollte noch sagen: Das letzte Wort ist nie gesprochen.


Es sei aber gleichfalls noch die folgende Entwarnung mitgeteilt: Solange wir noch in irgendeiner Weise Teil der aktuellen Gesellschaftsform sind, wird uns nichts Schlimmes passieren, wenigstens sollten wir in regelmäßigen Abständen immer wieder vorgeben, wir seien Teil davon.
Auch sind dieser Art Texte natürlich völlig harmlos, und sie bedeuten nichts, erzeugen allenfalls ein Unverständnis. Wir verfügen auch nicht über ein Geheimwissen und reden nur frei heraus von dem, was uns am Rande unseres geistigen Horizonts als wirklich erscheint, während wir gar nicht einmal wissen, ob es nicht alles eine Fata Morgana ist.
Gewisse Ereignisse sorgen aber dennoch für etwas Beunruhigung und es scheint, als werden uns Zeichen gegeben, vielleicht unbedacht, vielleicht mit bewußt erzeugtem leichten Nachdruck, Zeichen, die sagen, daß hier noch Vorsicht geboten ist, auch wenn wir es nicht als Warnschüsse auffassen möchten.
Diese „Ereignisse“ sind ganz subtile Begebenheiten und wir wissen zumindest, daß es technisch möglich ist – durch Wände zu sehen, zumindest durch virtuelle Wände, denn das ist auch viel interessanter. Es hat vielleicht etwas länger gebraucht, als man ursprünglich vorhatte… aber Troja wurde ja auch nicht an einem Tag besiegt.
Und so hätte ich in einem Anflug von Verfolgungswahn doch fast alle hie und dort befindlichen Briefe und Texte meinerseits glatt gelöscht – wenn ich es dann irgenwann mal tun sollte, werde ich natürlich sagen, es hätte nur organisatorische Gründe gehabt.

Vorausblick

Während ich dies aber tue, scheine ich mich selbst kaum zu verändern, es tut sich nichts, und alles ist immer das Gleiche, die Zustände verändern sich kaum, die Umstände ebenfalls nicht, nur die Abstände werden immer größer. Diese Distanz aber sorgt letztlich für die Nähe, zumindest bei mir ist das so – und umgekehrt merkt man es meistens noch viel schneller.
Weiter geht es immer weiter, könnte man auch sagen, gleichnamig heißt wenigstens einer meiner Texte aus der Anfangszeit, die ich für mich mit Feder und Tinte 1992 began und 2012 in Form einer zusammengeklebten Kollektion abgeschlossen haben wollte.
eine Zusammenstellung der Texte und Gedichte, worin ich sozusagen Innenschau betrieben habe, während der aktuelle politblog nur als Ablage all der Texte dienen sollte, die zusehr von äußeren Auswirkungen und Einwirkungen erzählen oder beeinflußt waren.
Dies sind die zwei Felder, die wie ein geteilter Vorhang links und rechts wohl hängen bleiben, während dazwischen eine leere Leinwand ist. Auf dieser leeren Leinwand ist vielleicht Platz für Literatur, allenfalls für den Versuch eines Romans. Längst wollte ich ihn schon fertig haben, egal, ich kann ja auch noch bis 2015 oder so warten.

ende