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Beziehungsweise „Jede und jeder hat sieben Tage Zeit, um sich mit der Chronik hoffentlich anzufreunden“, so sagte kürzlich die Facebook-Sprecherin Tina Kulow in Bezug auf die allerneueste Funktion im Rahmen der globalen Datenerhebung via facebook und Co.

Danach macht facebook nämlich „die neue Chronik zur Pflicht“. Alle bisher feilgebotenen Profildaten, die der User in den kommenden Tagen nicht löscht, werden demnach in die neue, fortwährend sich selbst aktualisierende Lebenschronik übernommen – was nach meiner Einschätzung ein Angebot von facebook ist, das insbesondere von den opportunistischen Usern innerhalb der Facebookgemeinde genauso begrüßend entgegen genommen wird, wie die kürzlich eingeführte automatische Gesichtserkennung. (Oder Gesichts-Erscannung)

Zwar bleibt es allen „Nutzern“ (in meinen Augen doch vielmehr „Benutzten“) weiterhin vorbehalten, die öffentliche Einsehbarkeit ihrer Angaben nach bestem Ermessen und schlechtestem Gewissen schleunigst abzuändern, doch wirklich gelöscht wird hierdurch natürlich nichts davon – einen der größten Datenschränke aller Zeiten hat facebook schließlich nicht umsonst gebaut.

Da kann wohl nur Google mithalten. Man müßte beide nur noch geschickt miteinander verknüpfen und schon hätten wir sie alle im Netz.

So langsam könnte man sich schon fragen, wozu facebook (und Co.) letztlich erfunden wurde(n). Als hätten wir nie die Wahl gehabt. Ich meine, es mag ja sein, daß es immer noch Leute gibt, die zum Beispiel den vorab in jeden PC eingebauten Internet Explorer* benutzen oder neuerdings den Google Chrome Browser, und es mag ja auch sein, daß es immer noch Leute gibt, die Google** für die einzig verfügbare Suchmaschine im Internet halten, sowie es desweiteren trotz aller neuzeitlichen Schnüffelmethoden immer noch Leute geben mag, die frank und frei alles von sich (und zwangsläufig ihren „Freunden“) einer Megadatenbank namens facebook anvertrauen –

– doch daß es immer noch Leute gibt, die SOWOHL das eine tun, ALS AUCH das andere UND DAZU NOCH bei facebook angemeldet sind – das mag doch wohl bitte nun wirklich nicht sein!

Sicherlich; für politische oder künstlerisch-kreative Gruppenbildungen mögen solche Netzwerke hilfreich und förderlich sein, (update: oder z.B. für derartige Aktionen) aber was soll man denn von jenen ganzen „privaten“ Grüppchenbildungen halten? Was hier vonstatten geht, ist doch nichts anderes als ein zwanghaftes Ansammeln von Freunden zur Stärkung vielseitiger Profilneurosen, ein aufdringliches Vorzeigen von meistenteils peinlichen bis zu abstossenden Schnappschüssen, ein flatterhaftes Herumwinken vielfach gestalteter Ego-Abziehbildchen, ein zwanghaftes Rumzeigen und Anwerben von Fotos der eigenen Kinder, eine stillschweigende Zustimmung zum Verkauf von Daten und privaten Informationen aller nahestehenden Personen, inklusive der Kinder – und somit der größte Verrat aller Zeiten an eben diesen Mitmenschen – willkommen in der facebook-Gemeinde, einem Gemisch aus „vertrauten“ Personen („Verwandten“), ziemlich unbekannten Personen („Freunden“) und vollkommen unbekannten Personen („Freunden von Freunden“)  – willkommen bei facebook, nehmen Sie Teil am hirnlosen Ausleben der globalen Deformation des menschlichen Geistes!

Ja, ja, man hat ja nichts zu verbergen blabla. Das haben manche Leute seinerzeit wahrscheinlich auch noch gedacht, 10 Jahre vor der Machtergreifung jenes unsäglichen Regimes damals. Und plötzlich war es per Gesetz verboten, anders zu denken, als es den allgemeinen Vorgaben entsprach. Es geht nunmal nicht darum, ob man etwas zu verbergen hat oder nicht zu verbergen hat, sondern darum, wer es wann warum entscheidet und wer sich dem willenlos unterwirft. Die Rechtfertigung, man hätte nichts zu verbergen, ist (auch wenn man tatsächlich nichts zu verbergen hat) nicht nur fadenscheinig, sondern auch von Vornherein feige und im Nachhinein fatal, wird hierbei letztlich doch die Unschuldsvermutung ausgehebelt. Wer hat eigentlich das Recht zu bestimmen, was das Volk verbergen darf und was nicht? Das Volk anscheinend nicht. Jaja, wir sind die Unschuldslämmer, blablabla.

Derjenige aus dem einfachen Volk, der heutzutage sagt, er hätte nichts zu verbergen und man könne dieses oder jenes Gesetz seinetwegen beschließen, es würde ja letztlich dem Kampf gegen den Terror dienen – also so jemandem ist meiner Meinung nach im Grunde nicht zu trauen. So jemand wird wahrscheinlich auch irgendwann seine eigenen Freunde und Verwandten verraten, die nämlich plötzlich das zu verbergen haben, was ein paar Jahre zuvor noch erlaubt war. Ein wenig anders als andere sein oder kritisch denken zum Beispiel.


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