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Guten Abend lieber Leser,

das Gedicht Die Untergangslösung zurückbetrachtend möchte ich mich dem darinliegenden Inhalt nochmals in soweit zuwenden, als hierin zu vermuten, es möge vielleicht ein Zeichen vor aller Augen gewesen sein, daß es nicht etwan zu dem dort umschriebenen und von manchen Instanzen erwünschten Kriege kommen möge, sonderdessen zu einer lichtgewalt’gen Geisternährung aller auf Irden umherdümpelnden Menschen, wie das nämlich auch in den alten Büchern* steht. Davon redend muß ein jeder sich besinnen, daß nicht mehr derartige Luftkriege, Schiff-Streitereien und blutige Landnahmen angestrebt werden dörften, Hilf uns Gott, was sollen denn sonstemalen noch für gefährliche Zeiten auf Erden folgen?

In neurer Zeit kann es dem verständigen Menschen wohl nicht gut zu Gesichte stehen, ein Kriegesgeschrey anzuheben, in allen Elementen die Feuersbrunsten toben zu lassen und die herrlichen Gebäude des heiligen Geistes darnieder zu reissen, denn mit dem Kriege kommen gräuliche Wolkenbrüche und blutrote Wasserwogen einher, hilf uns Gott, das kann keinem Menschen wohl gefallen.

So eine waffenschwangere Luft kann weniger vom menschlichen Geschlechte gewollt, als vielmehr unmerklich von darüberhausenden Kräften angestrebet sein, auf daß die Menschenheit sich wieder teilt, in Streit und Leid und Zeitarbeit!

Doch ganz anders, als gedacht, wird sich das Spectacul zutun, wenn sich aus diesen Sphären nämlich eine andere Wesenheit einmengt, um den Händel zu beschwichtigen, hilf uns Gott! Das werde eine große Wunderbesehung ergeben und für manch einen dann würken, als wolle sich gar plötzlich in der Luft ein Wunder-Gesichte hervor gethan haben; ei der Daus, wo käme das nun wieder her?

Doch davon gibt es der Zeitungen nicht viele, die es nachberichten, was da einst geschehen und gesehen, wo etwan ein grosser Schwarm unbeschreiblicher Lufterscheinungen in trefflicher Menge hervor gekommen und aber anfangs in der Runde nur herumb geflogen seyn: wohl bald darauf dann in kurzer Frist zu einem Haufen zusammen geschlossen und dann wieder in alle Himmelsrichtungen zerstreuet. Hernach kam das eine Gefolge von Abend her, das andere von Morgen, insgesampt ein vortreffliches Geschwadere, daß man keine zählbare Zahl hat daraus errechnen können.

Nachdem diese unfeste Maschinerie eine Weile am Himmel herumb geschweifet, sich in langer Abfolge auf’s allerverheerendste bekrieget, und daheraus ein ungläubliches Feuer- und Rauch-Gewölke hervortrat; daß man nicht mehr erkennen kunnte, wer in welcher Folge sich gegen wen hinwendete, rieben sich fortwährend auch die Menschen unten auf Irden gegeneinander auf. Inmitten des ganzen Feuerwerkes ward noch so manch anderes Gesichte gesehen, so nämlich auch gar eigendlich ein Mann gestanden in braunen Kleidern der seinen Hut unter dem rechten Arm und die lincke Hand in der Seiten gesetzt gehabt, also mit Bedachtsamkeit auf die Compagnie sehen. Doch samtliche Compagnien wurden alsbald von einer gewaltigen Kanonade aus Windeskraft von Oben, hilf uns Gott, mit einem Schlag zur Seite geblasen und alle Streithähne sind sodann hinter der Vielheit des ganzen Feuers und Rauchs vor Luftknappheit so schier erstarret, wie einstmals das Säulenwerk von Lot!

In alledem Tumulte geschah, daß urplötzlich alles, was sich noch zuvor niedergeknüppelt, vor Schreck zurücke gewichen; derweil – und nun werde ich für alle die da meinen, sie hätten die Macht auf Erden, den Originaltext ohnverfälscht & zur freien Auslegung an den Tag geben – derweil nämlich

„mitten aus dem Himmel ihnen eine runde platte Form wie ein Teller / und wie ein grosser Mannshut umbher begriffen / vor Augen kommen; von Farben eben / als wenn der Mond verfinstert wird: so schnurgleich stehend geschienen; und alda auch biß auff den Abend verblieben ist. Nachdem sie nun voller Angst und Furcht / dieses erschreckliche und verdächtige Spectacul nicht länger anschauen / noch dessen Ende abwarten können; haben sie sich in ihre Hütten verfügen müssen: drauff sie in nachfolgenden Tagen / theils an Händen und Füssen / theils am Häupt und andern Gliedern / ein groß Zittern und Beschwerden empfunden: worüber viel gelahrte und verständige Leute / sich allerhand Gedancken zwar gemachet; aber die rechte Außdeutung dennoch dem lieben GOtte gelassen haben / und auch wohl lassen werden; bis es die reiffe Zeit ausweisen wird / was der erzürnete GOtt auffs neue für eine Unglücks-Schale außzugiessen beschlossen habe.“

Hilf uns Gott, was soll denn das bedeuten? Und wie ist dann erst zu deuten, was da im Weiteren so unverständlich geschrieben stund:

„Unserm Bedüncken nach hat es freylich das Ansehen / als wenn frühzeitig gnug und mit ehesten sich allerhand Caperische Raubvögel / und diebische Raben / dahinwerts anfinden werden; so Anfang mir ihrem Harpyischen Vor- und Abnehmen wohl gewiß zum öffendlichen Kriege (da GOtt vor sey!) machen dürfften / welchen hernach durch gewiesene Wege unschwer die rechten Außführer folgen können / von allen Oertern der Welt / nach der Ost-See hin. Solche Wiederwertige aber nahmhafftig zu machen / träget vielmehr die Feder / als die Geographische Land-karte / einen Scheu. Nim derendwegen das Europa vor die Hand / da wirstu ohne Fehler innen werden / was erstlich Norden gegen der obgedachten Stadt / und andere Neben-Schwestern zu tentiren gesonnen sey. Weiter wirstu auch den rechten Sudischen vertheidiger und Patronen erkundigen. Ja es werden dir auch die so Westichen / als Ostischen Gehülffen nicht unverspürt bleiben. Der Höchste helffe zum besten / daß nicht drüber zuletzt eine todten Leuchte folge / und dem Oebersten und Gewaltigsten den hellen Tag tunckel mache…“

*Frei nach der „Beschreibung von dem wunderbarlichen Stralsundischen Lufft-Kriege und Schiff-streite / So in diesem 1665. Jahre nach Christi Geburt / den 8. Aprill / umb 2. Vhr nach Mittage / bey der vornehmen See- und Handels-Stadt / Stralsund / oben am Himmel geschehen; und alda von 6. namhafftigen Fischern / in richtigen Augenschein genommen worden“

Nochmals guten Abend.


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