Schlagwörter

, , , ,

Das nachfolgende Gedicht wurde erstmals im Dezember 2009 im Rahmen der Vortragsreihe „2012, was mag mit uns wohl so geschehn?“ vor über hunderttausend Zuschauern im Aztekenstadion halblaut vorgelesen und ist gleichfalls mit derart vielen Pfiffen, Buhrufen und Eierwürfen bedacht worden, daß es seither in ähnlich bruchstückhafter und somit unzulänglichster Weise von etlichen Propheten, Priestern, Pfaffen, Politikern, Partizipanten, so wie auch populären Pop-Ikonen, paranoiden Poeten, pendelnden Proletariern und vielen anderen privatpersönlichen Pappenheimern herausposaunt wurde – woraufhin die ganze lauschende Welt fast in ein von Blut und Tränen überflutetes Jammertal abzusinken drohte.

Da nun der Redner bei dem ganzen Tumult seinerzeit im Aztekenstadion das Gedicht nur unzureichend abzulesen in der Lage war und die benannte Vortragsreihe über das Jahr 2012 allmählich beendet sein dörfte, will an dieser Stelle noch einmal die ersprießliche Urfassung abgedruckt sein, wie sie einstmals auf dem Papiere hingekratzelt und sodann unter größter Mühverwaltung mit dem folgenden Titul zu Werke gerichtet worden war:

Die Untergangslösung

 

Der Untergänger:
Der letzte Tag ist angebrochen!
Ja, das hat man uns versprochen!
Lunte haben wir gerochen!
Das ist worauf wir heute pochen!

Der Übergänger:
Nicht immer wird es immer schlimmer,
als ihr noch immer denkt.
Hört doch auf mit dem Gewimmer
die finstre Macht ist längst verdrängt.

Der Untergänger:
Die alte Ordnung wird gebrochen
und die neue soll entstehn.
Die Guten haben uns versprochen,
das Schlechte wird hierdurch vergehn.

Der Übergänger:
Daran will auch keiner zweifeln.
Doch was ist gut und was ist schlecht?
Das „Schlechte“ dauernd zu verteifeln,
hat auch der „Gute“ nicht das Recht.

Der Untergänger:
Auch eure Tage sind beendet!
Was winkt ihr noch mit weissen Tüchern?
Gott hat sich nunmehr abgewendet,
so steht’s doch in den weisen Büchern.

Der Übergänger:
Das habt ihr sehr falsch verstanden;
Gott ist so nah wie immer.
Das Licht kam nur abhanden
in eurem dunklen Zimmer.

Der Untergänger:
Doch stell’n wir unsere Lichterkerzen
auf den Altar des Abbadon.
Denn jedes Opfer fordert Schmerzen.
So kommen wir davon …

Der Übergänger:
… und verfehlt hierbei das Licht.
Denn wer schaut schon zum Fenster raus,
und bläst zugleich die Kerz‘ nicht aus,
sobald der helle Tag anbricht?

Der Untergänger:
Wie könnt ihr es wagen?
Wir müssen es erleiden, so müssen wir auch klagen!
Es hat sich entschieden.
Leid bleibt nicht vermieden

Der Übergänger:
… denn Krieg ist euer Frieden.
Welch dumme Antwort auf die Fragen.
Ihr seid nunmehr von uns verschieden,
so könnte man es eher sagen.

Der Untergänger:
Wir waren’s nicht, die Gott vertrieben,
doch Hunger, Krieg und Pest sind da.
Der jüngste Tag steht festgeschrieben;
Das Weltenende ist jetzt nah!

Der Übergänger:
So seht ihr euch genötigt,
die „gottgewollte“ Not zu leiden,
weil ihr das Leid benötigt,
anstatt es zu vermeiden?

Der Untergänger:
Wir glauben an das Endgericht,
so ist es vorhergesehen.
Danach erst kommt das neue Licht
und wir werden dann auferstehen.

Der Übergänger:
Ihr glaubt euch also auserkoren?
Und deutet so die Prophezeiung?
Ich glaub, ihr habt euch nur verschworen,
mit dem Teufel – oh Verzeihung.

Zur Nachlese

Lichtgewalt’ge Geisternährung (Eine Rückbetrachtung auf das vorerzählte Gedicht)

Feldzug nach Golgatha