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Es ist schon ein paar Tage her, da berichtete radio-utopie von der Vision einer Zeitschrift mit dem Namen der blogger, welcher man über das Crowdfunding-Projekt startnext.de zur Verwirklichung und Weiterentwicklung verhelfen kann. „der blogger“ soll laut Angaben des Gründers Alex Grossmann in Form eines „monatlichen Printmagazins die Qualität der deutschen Blogosphäre in einem Druckwerk bündeln“, um den bekanntlicherweise bisher nur im Internet zu findenden „unabhängigen Journalismus mitten aus der Gesellschaft“ fortan auch außerhalb des Internets betreiben zu können.

Eine gute Idee, wie ich befand, schließlich versprachen ein paar weiterführende Aspekte in der Vorgehensweise, daß hier eine Zeitschrift entstehen dürfte, die, fern von der Einflussnahme großer Verlagshäuser, unter anderem „für mehr Pressefreiheit und damit mehr Demokratie“ sorgen könnte.

Etwa im gleichen Zeitraum dieser Bekanntgabe erfuhr die Internetgemeinde aber auch von der betrüblichen Neuigkeit, daß einer dieser blogger, der schon seit fast einem Jahrzehnt eine solche Art „unabhängigen Journalismus mitten aus der Gesellschaft“ betreibt, des Schreibens im Internet müde geworden ist und somit gedenkt, das bloggen einstweilen bleiben zu lassen. Seinen nachvollziehbaren Entschluss begründete er u.a. wiefolgt:

„Seit 10 Jahren betreibe ich nun diese Internetseite. Vor 9 Jahren habe ich dann begonnen, über Politik zu schreiben und versucht, die Leser meiner Beiträge mit einem anderen Blickwinkel als die Mainstream-Presse zum selber denken anzuregen.
Heute weiß ich, dass ich gegen eine Wand anlaufe, denn eine Einsicht bleibt den Menschen dieses Landes wohl verwehrt, nämlich dass sie selbst für alles, was passiert, der Auslöser sind. Wenn ich nachfolgend den Terminus „WIR“ verwende, bezieht sich das nicht auf alle Menschen in diesem Land, wohl aber auf eine immer noch große Mehrheit. Ja, ich kenne den Spruch: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Aber der stete Tropfen reicht nicht aus, wenn es ein ganzes Gebirge abzutragen gilt, ein Gebirge aus Korruption, Gier, Machtgier, verbunden offenbar noch immer mit einer devoten Untertanenmentalität. Und gerade die „Untertanen“ sind der schlimmste Faktor aufgrund ihres steten Opportunismus.“ …  (aus „flegels“ Artikel „Zwecklos“)

Wenn sich jemand nach nunmehr 10 Jahren Internetpräsenz aus der bloggerszene verabschiedet oder das Schreiben dieserorts zumindest für eine Zeit ruhen lassen möchte, so finde ich das zwar schade, doch ist der Entschluß für einen Rückzug mehr als nur verständlich. Dem liegen schließlich Ursachen zugrunde, die nicht nur so mancher blogger, sondern auch jeder anderswo denkende, freigeistige, freisinnige, mitfühlende, empfindsame, kreative, desweiteren spirituell schöpferische und derzeit insgesamt über die Maßen geforderte Mensch sehr gut nachvollziehen kann. Wahrscheinlich kommt man nicht nur als schreibende Kraft dann früher oder später zu diesem Schluß:

„… Seit nunmehr 9 Jahren versuche ich mit meiner Webseite, auf die Wirklichkeit hinzuweisen, die so ganz anders ist, als es die Medien oder die „Eliten“ verkünden. Ich habe dabei mal geglaubt, ich könne vielleicht etwas damit bewegen. Inzwischen habe ich erkannt, dass es zwecklos ist, weil eine Mehrheit nur das wahrnimmt, was ihr von den Medien, allen voran vom Fernsehen vorgesetzt wird. Die Deutschen merken offenbar nicht, dass man sie Stück für Stück ihrer kulturellen Wurzeln beraubt. Es beginnt bei der Sprache und der Musik.“

Sprache, Musik, kulturelle Wurzeln. Hier sind wir nun endlich angekommen… abgewandt von aller Politik.

Wozu auch politisch tätig werden (innerhalb der Parteienlandschaft), wenn du dort bereits an der Eingangspforte vor die folgende Wahl gestellt wirst: „Entweder du hast noch genügend Seele in dir und verausgabst dich bei uns vollständig, ohne einen Bruchteil der ehrbaren Ziele zu erreichen oder du läßt dich nach und nach vereinnahmen und legst die ehrbaren Ziele solange beiseite, bis du genügend Kompromisse eingegangen bist, um die Machtposition inne zu haben, diese Ziele zu erreichen – falls du dich dann überhaupt noch an sie erinnerst.“

Am Ende dieser Karriere bist du der Schatten deiner selbst oder es gelingt dir noch, ihn auf eine Wand zu projezieren, dann kannst du wenigstens Schattenboxen betreiben und dich vom Publikum für deine Schlagfertigkeit und Wendigkeit feiern lassen. Hinter der Wand aber ist die natürliche Kultur, hinter der politischen Mauer liegt die kulturelle Landschaft, also schmier entweder Parolen an die Wand und züchte allenfalls ein Mauerblümchen – oder geh, nunmehr als Wähler, an der Mauer entlang – und bieg am Ende der Mauer vollständig um die Ecke.

Laß dich beim Gang dorthin nur nicht aufhalten von den vielen Leuten, die dir im Wege stehen und gegen die Mauer starren, sie lesen noch die Parolen. Geh einfach weiter, ob rechts entlang oder links entlang, das ist egal, hauptsache du läßt dich nicht in Diskussionen verwickeln, von den Leuten, die dir aus der anderen Richtung entgegenströmen. Oder tu es meinetwegen, sie gehen alle ja doch den gleichen Weg, nur eben mit einer anderer Richtung vor Augen. Wenn sie dich überzeugen, ihre Richtung sei die bessere, dann mußt du halt wieder den ganzen Weg zurückgehen, hauptsache ihr habt beide das Ziel, hinter die Mauer zu gelangen. Daher laßt das ganze „rechts herum“ und „links herum“ am besten gleich bleiben und helft euch stattdessen gemeinsam beim Rüberklettern, das ist der direkteste Weg.

Auf der anderen Seite der Mauer ist übrigens schon ein bißchen was im Gange, da wächst schon eine neue Kultur heran, eine neue Lebensweise, die noch fern aller Kontrolle und Überreglementierung ist. Dort kann sich jeder denkende, freigeistige, freisinnige, mitfühlende, empfindsame, kreative, desweiteren spirituell schöpferische Mensch einbringen …

Mit den auffordernden Rufen nach einer Rückkehr zur Menschlichkeit, einer Rückkehr zum inneren wie äußeren Frieden, zur Harmonie, zur Wahrheit, zur Menschlichkeit, zur Rückbesinnung auf alte Werte, wie dem Erhalt der Sprache, der Musik, der Kunst, der Literatur, der vielseitigen Kreativität und allen voran der Rückbesinnung auf die eigene Spiritualität, den geistigen und seelischen Aspekten im Kontext universeller Kräfte-

– mit all diesen Rufen fühlt man sich nicht nur als schreibendes Individuum so, als würde „der stete Tropfen, der den Stein höhlt“ niemals ausreichen, wenn es gleichzeitig gilt, „dieses ganze Gebirge aus Korruption, Gier, Machtgier, verbunden offenbar noch immer mit einer devoten Untertanenmentalität, abzutragen.“

Doch genau das ist, was ein jeder kann: Den hohlen Stein füllen. Und eben nicht gleichzeitig den Berg abtragen – denn statt uns daran abzumühen, ein altes Gebirge zu beseitigen, gilt es nun, sich darauf zu konzentrieren, eine gänzlich neue Landschaft auf einer anderen Ebene zu sichten und weiter zu errichten.

Der leidige Kampf ist vorüber, jetzt wird erschaffen, wende dich dem zu, was aufgebaut werden muß, am besten mithilfe der neuen Energien (womit nicht Windradenergie gemeint ist, während die Sonnenenergie durchaus ihre Rolle dabei spielt)

Bekämpfen ist nicht aufbauen, es ist allenfalls eine Konfrontation mit dem unverbesserlichen Übel, das als ein solches auch ohne unsere entgegenwirkende Kampfesbereitschaft den eigenen Karren in den Dreck fahren wird, denn da kommt es her, dorthin kehrt es zurück. Aus diesem Dreck werden sie uns dann eine (längst vorbereitete) alternativlose Lösung aller Probleme präsentieren, für die wir ihnen danken sein sollen, als wären es die Erlöser.

Daher laßt uns besser andere Perspektiven einnehmen, statt folgsam den vermeintlich alternativlosen Weg mitzugehen, denn er ist nur alternativlos, für die, die da blind sind. Insbesondere die Sehenden unter uns sollten nicht mehr nach dem schauen, was die Blender falsch machen, sondern sich davon abwenden und sich dem zuwenden, was sie selbst im Geist, in der Vision, in der Idee, in der Phantasie, im Herzen, in der Seele (und in den alten Büchern) erkannt oder wiederentdeckt haben. Jede Erkenntnis ist ja doch nur eine Erinnerung.

Betrachtet man die stupide Folgsamkeit mancher Menschen inmitten des Volkes, die es aus unerfindlichen Gründen immer vorziehen, den Parolen an der Wand zu folgen, statt aus sich selbst heraus schöpferisch tätig zu werden, und sei es nur zunächst in Form eines selbständigen Denkens, so ist für mich die Entscheidung eines gesellschaftlichpolitisch aktiven bloggers, nach „etwa zehn Jahren“ die Schreibfeder einstweilen an den Nagel zu hängen, umso mehr nachzuvollziehen.

Vor „etwa 10 Jahren“ begann die dunkle Seite der Macht, ihre altgewohnte Herrschaft noch einmal nachdrücklich bis in die neue Zeit hinüberzuretten – und zeigte durch einige anfangs undurchsichtige, doch zunehmend sich häufende verräterische Aktionen ihr wahres Gesicht, das heißt, eine Fratze, worin geschrieben stand, die absolute Herrschaft auf Erden für sich in Anspruch nehmen zu wollen (was ihr aber zuletzt nicht gelingen wird).

Es begann die Zeit, in der die Lüge deutlicher werden sollte, weil mehr und mehr Licht ins Dunkle schien und somit eine Zeit, in der seither noch einmal kräftig versucht wird, dem Licht einen Schatten entgegenzusetzen, koste es was es wolle.

Daher möchte ich mich wohl bald ebenfalls fast gezwungen sehen, mich vom Kampf gegen das Übel loszusagen, und stattdessen, wenigstens solange das Tintenfass der Motivation noch nicht eingetrocknet ist, in die Bereiche schauen, die es zu fördern gilt. Dies wiederum sind nicht die betrüblichen Entwicklungen, sondern die erhellenden, so daß aus der Motivation eine Inspiration werden kann. Wer gerne schreibt, egal was, der benötigt eine Quelle der Inspiration und sollte nicht stattdessen vor einem Sumpf hocken, von dem er sich fragt, wie man ihn beseitigen könnte.

Ob nun die Plattform startnext.de für manche Schaffenden wenigstens ein Hilfsmittel sein kann, ihre teils kreativen Ideen umzusetzen, mag jedem zu wünschen sein – zumindest als Buchautor, der gewiss viel zu sagen hat, muß man aufpassen, nicht irgendwann penetrant zu wirken, wenn man sich gleich in jede erdenkliche Fläche begibt, die weiteren Zuspruch verspricht. Papier ist geduldig, wenn der Schreiber es ist.

Alex Grossmanns dort unterstützbares Printmagazin der blogger jedenfalls könnte eben auch für die flächenmäßig eher zurückhaltenden und profilmäßig sich zurücknehmenden Schreiber eine Anlaufstelle sein, gerade wenn sie nur unregelmäßig im Internet veröffentlichen und damit meine ich gar nicht einmal mich, das ist ja der Witz an der Sache.

„Der Blogger wird ein Printmagazin, in dem Blogger als freie Autoren tätig werden und exklusiv neue Artikel zu verschiedensten Themen verfassen, die dann exklusiv print, und erst später online zu lesen sein werden.“

Der Stand der Entwicklung sieht im Augenblick so aus:

„Ein paar Tage sind nun vorbei und wir bewegen uns langsam aber sicher auf die 10% Marke zu. Ich halte das für einen ordentlichen Erfolg und hoffe weiterhin auf Eure Unterstützung, indem Ihr das Projekt weiter bekannt macht und damit Euren Teil dazu beitragt für die deutsche Gesellschaft mehr Unabhängigkeit und damit mehr Demokratie zu erreichen.“ (hier unterstützen)

Von diesen Projekten einmal abgesehen gibt es natürlich auch noch andere Ebenen, wo etwas Neues entsteht – andere Arten von Entfaltungen, von denen an dieser Stelle bisher noch kein großes Wort gesagt wurde … vielleicht, weil sie sich auch ohne jegliche bloggerische Tätigkeit zutragen.


Quellen:

http://www.radio-utopie.de/2011/11/02/der-blogger-vielversprechendes-medienprojekt-gestartet/

http://www.startnext.de/blogger

http://www.flegel-g.de/2011-11-10-Zwecklos.html

update: http://www.flegel-g.de/2011-11-14-Reaktionen.html

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