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Na, wer will es denn glauben? Offenbar ist die deutsche Medienlandschaft nach zehn Jahren endlich dort angekommen, an der Wahrheit nicht mehr so ganz vorbeizuschreiben zu müssen, wie bisher gewohnt. Da spricht man jetzt doch tatsächlich vom Afghanistankrieg, eine Sache die etwas verwundert, ist es doch gar nicht mal so lange her, da wurde man noch gerügt, das Wort Krieg überhaupt in den Mund zu nehmen – außer man nannte es Krieg gegen den Terror.

Wollte man aber offen und ehrlich von einem Krieg sprechen, durfte man es allerhöchstens vielleicht eine kriegerische Auseinandersetzung nennen. Und wenn kein Weg daran vorbeiführte, die Bundeswehr auch noch mit einbeziehen zu müssen, nannte man es allenfalls einen Kampfeinsatz. So wie man es heute eben auch NATO-Einsatz nennen kann, wenn es noch nicht Krieg heißen darf. Doch was Afghanistan betrifft, heißt es jetzt immerhin Afghanistankrieg, wie schön.

Allerdings bedeutet das nicht, daß wir den Afghanistankrieg gleichzeitig „Krieg gegen Afghanistan“ nennen dürften. Mit Recht, wie ich finde, denn soweit ich weiß, hat es eine offizielle Kriegserklärung auch gar nicht gegeben. Der Einsatz in Afghanistan war von Anfang an ein Krieg gegen den Terror, nicht daß wir das vergessen. Schließlich ist zwar der Afghanistankrieg so gut wie vorbei, doch der Krieg gegen den Terror ist natürlich noch längst nicht vorbei. Das sieht man zum Beispiel daran, daß der Irakkrieg vorbei ist, aber der in Libyen noch lange nicht. Oder ist der NATO-Einsatz in Libyen gar nicht Teil des Kriegs gegen den Terror? Es ist ja eigentlich nur ein Krieg gegen Gaddafi. Und in Pakistan und Syrien scheint auch so etwas in der Art stattzufinden.

Der Terror ist überall und deswegen ist auch der Krieg gegen den Terror überall. So nennt man das heute, denn humanitäre Kampfeinsätze gehören seit dem Kosovo-Einsatz der Vergangenheit an, für solche diplomatischen Formulierungen haben wir keine Zeit mehr. Humanitäre Kampfeinsätze haben sowieso noch nie was gebracht, außer Hunger und Elend. Und seit wir lieber beim Krieg gegen den Terror mitmachen, ist die Auftragslage auch viel besser geworden. Man kommt mit den Geschäften gar nicht mehr hinterher.

Natürlich ist es auch traurig, wenn man bedenkt, daß in so vielen Ländern ein unfassbarer, nein, ein unglaublicher Terror herrscht, also in all diesen Ländern, in die wir zur Unterstützung der US-Streitkräfte unsere NATO-Hilfspakete hinschicken. So funktioniert nunmal der internationale Terrorismus. Kaum haben wir ein Land überfallen, flieht er von einem Land zum nächsten und wir kommen gar nicht mehr hinterher. Mit unseren Geschäften.

Die 10 Jahre Kampfeinsatz in Afghanistan haben sich aber trotzdem gelohnt, laut Zeit Online haben wir sogar „einen kleinen Sieg“ dort errungen:

„Der Afghanistankrieg war kein Fehler, er war richtig. Wenn der Westen den Glauben daran verliert, verrät er das Land.“

Genau, der Afghanistankrieg war so richtig, wie ein Krieg nur richtig sein kann, das hat die Zeit schon richtig verstanden.

Denn

„der Afghanistankrieg ist vielleicht (durch die Art, wie er geführt wurde), falsch geworden. Aber von Anfang an falsch gewesen ist er nicht.“

Auch das hat Zeit-Online richtig gut erkannt, schließlich kann ein Krieg von Anfang an nie so falsch gewesen sein, wie er am Ende immer falsch gewesen ist.

Allenfalls der Krieg im Irak ist schon am Anfang so falsch gewesen, wie zu dem Zeitpunkt, als der Irak endlich am Ende war. Wie das mit dem Anfang und dem Ende vom Krieg in Libyen aussieht, kann man noch nicht genau sagen, deswegen wird er in dem Artikel auch nicht erwähnt. Genauso wenig wie das Ausmaß der verdeckten Einsätze in Syrien oder Pakistan.

Schließlich kann man ja nicht heute schon wissen, ob wir gestern richtig gehandelt haben, ganz zu schweigen von den Folgen, die unser gegenwärtiges Handeln morgen haben könnte. So ist das eben, erst am Ende der Zeit ist man schlauer, aber das kümmert die Zeit nicht wirklich.


Auch nicht zu vergessen:

Afghanistaneinsatz vom Volke (nachweislich) abgelehnt