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Veröffentlicht am 28.08.2011
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Eidesformel des deutschen Bundespräsidenten, Bundeskanzlers und der Bundesminister nach Art. 56 & Art. 64 GG:

Ich schwurbel schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.*

(*religiöse Beteuerung freiwillig)

Im Namen der stets vom Terror heimgesuchten amerikanischen und europäischen Gemeinde möchte ich zunächst an den August 2008 erinnern.

Denn da war es mal wieder soweit, da tötete das internationale Befreiungsbündnis im Namen der Demokratie 90 Zivilisten in Afghanistan, von denen 50 kurz vorher noch in Kinderschuhen steckten.

Etwa zur selben Zeit kritisierten Bush, Steinmeier, Merkel & Co. (Consorte) das Vorgehen Russlands im Georgienkonflikt. Man war sehr empört, denn Russland würde mit diesem militärischen Eingriff gegen das Völkerrecht verstossen und ebendas dürfe man nunmal nicht so einfach tun. Ja, wo kämen wir denn hin, wenn das jeder machen würde? Sich einfach in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen und deren Grenzen gewaltvoll übertreten, so etwas kann nicht geduldet werden.

Ebenfalls etwa zur gleichen Zeit starb zu allem Überfluß bei einem Angriff der Taliban ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan in Ausübung seiner ruhmhaften Tätigkeit. So traurig wie das eben jedes Mal auf’s Neue ist, zeigten sich alle Verantwortlichen sehr betroffen. Besonders Frau Merkel trug schwer an dieser Last und wechselte mehrmals von beiden verfügbaren Gesichtsausdrücken hin und her, während Außen-Mister-Stein & Innen-Mister-Meier vermittels ihres wirren Augenspiels* noch ein wenig überlasteter um sich schauten.

Doch ich glaube, die Trauer der für die Öffentlichkeit mediengerecht hinplatzierten Trauergemeinde war echt, zumindest ihre Betroffenheit. Das Mitgefühl war nicht aufgesetzt und das Leid auch für die Politiker und Generäle nur schwer hinzunehmen. Allein die bittere Erkenntnis, daß in einem Krieg Menschen sterben müssen, macht auch sie zuletzt betroffen. Wenn man vor den eigenen Augen einen Sarg präsentiert bekommt, in dem ein in Afghanistan gefallener deutscher Soldat liegt, macht dies uns mehr zu schaffen, als wenn wir von den unzähligen Opfern in fernen Ländern lesen, die sich meistens um ein Vielfaches mehr anhäufen, nachdem wir mit unseren internationalen Befreiertruppen in dieselben Länder einmarschiert sind. Doch während diese militärischen Greuel und Morde zwar scheinheilig wegdiskutiert oder vollkommen ignoriert und verschwiegen werden, ist die Betroffenheit beim Tod deutscher Soldaten durch die Konfrontation mit dem, was ein Krieg so mit sich bringt (nämlich Tod und Verderben) von Seiten der Verantwortlichen durchaus als authentisch anzunehmen.

Selbst dem damaligen Verteidigungsstrategen Herrn Jung schien es zu gelingen, sein zutiefstes Mitgefühl in die mutmaßlich richtige Richtung des angepeilten Ziels auf angemessene Weise ausdrücken zu können, nachdem der tapfere Soldat, den man einst schulterklopfend in den Krieg geschickt hatte, nun auf einmal vollkommen tot zurückgekehrt war, um endlich die polierte Tapferkeitmedaille auf die stolze Brust gelegt zu bekommen.

Und während sie alle noch ihre Anteilnahme zum Ausdruck brachten, dachte ich: Mensch Soldat, warum bist du nicht Gärtner geworden, dann wär dir vielleicht nur ein Apfel auf den Kopf gefallen. Doch er ist Soldat geworden und auch wenn ihm eine Beteiligung an Kriegen, Eroberungsfeldzügen, Kreuzzügen und militärischen Mordsritualen laut Grundgesetz untersagt ist, so hat er doch nur das ausgeführt, wofür die Politiker sich eidesgemäß verpflichtet haben. Er hat zwar nicht das Grundgesetz gewahrt und verteidigt, doch hat er tatsächlich Schaden vom deutschen Volke abgewendet.

Diese Behauptung muß ich wohl erklären, schließlich ist das mit dem Schaden abwenden hierzulande keine so einfache Sache. Man weiß ja nie, wer einen bedrohen könnte. Kein Land ist vor Terroranschlägen sicher, das haben wir ja selbst in Norwegen zu sehen bekommen, diesem schnuckeligen Land mit seiner naiven Außenpolitik. Die Norweger (und zwar auch die Regierung) wollten zum Beispiel nicht dabei mitmachen, das libysche Volk zu befreien. Solange es aber Länder gibt, die befreit werden wollen, und man denjenigen nicht hilft, die so etwas dann ausführen, kann man damit rechnen, daß im Nachhinein die Leute auf einen sauer sind, mit denen man im Vorhinein gar nicht gerechnet hatte.

Vor allem als Politiker, der sich dem Krieg gegen den Terror verschrieben hat, muß man umsichtig abwägen, schließlich ist es keine einfache Aufgabe, fortwährend Schaden vom eigenen Volk abzuwenden. Das haben wir ja in Norwegen gesehen, wo das hinführen kann, wenn gewisse Terrorzellen bereits im Inland angesiedelt sind und man ein paar strategisch unkluge Bemerkungen macht. Sich nicht am Krieg gegen den Terror beteiligen zu wollen, kann nämlich mindestens genauso gefährlich werden, als würde man zum Beispiel vor lauter kruden Gedanken orientierungslos durch die tödlichen Minenfelder auf den Golanhöhen irren. Das ist zwar ein abwägiges Beispiel, doch von solchen Feldern soll es dort ja hunderte geben, um eine Art Verteidigungslinie für Israel zu bilden. Also für den Fall eines Krieges gegen Syrien, was natürlich niemand möchte.

Das sind aber alles nur Vorsichtsmaßnahmen. Manche davon wirken zwar nach Außen etwas übertrieben, doch das ist wegen der Angst im Innern. Und wenn man jemand ist, der zu überzogenen Ängsten neigt und gleichzeitig ahnt, daß man erst durch diesen Überzug von Angst das Objekt der Angst an sich zieht, dann ist es doch nur verständlich, daß man sich gegen das vermeintliche Objekt auch ausreichend schützen muß. Hin und wieder muß man das Objekt der Angst natürlich auch herausfordern, um sicherzustellen, daß die Angst vor dem Objekt auch im Zentum der Angst subjektiv begründet ist und man seine ganze Lebensanschauung nicht nach etwas ausgerichtet hat, das es gar nicht gibt.

Da können wir froh sein, daß unser Land nicht von derart feindlichen Nationen umgeben ist, daß wir einen Minengürtel drumherum legen müssten. Ohnehin ist ein Minengürtel nicht immer von Vorteil, wenn man bedenkt, daß der Feind genauso schwer hineingelangt, wie man selbst dort wieder herauskommt.

Außerdem soll es ja schon seit längerer Zeit ein Verbot für das Auslegen von Antipersonenminen geben, welches jeder, der sich nach reiflicher Überlegung an dem Verbot aktiv beteiligen möchte, unterschreiben darf – sofern er eben gewillt ist, keine Antipersonenminen mehr benützen zu dürfen.

Für alle anderen gibt es die Auflage, daß sie nach dem Ende ihrer ausgetragenen Konflikte die ausgestreuten Minen wieder entfernen sollen, weil diese zu Zeiten des Friedens immer noch Schaden anrichten können. Ich weiß leider nicht mehr, welcher Waffenproduzent das war, aber einer davon hatte sich besonders verantwortungsvoll gezeigt und gleich neben der Minenherstellung noch einen Minenräumdienst gegründet – wenn auch mit anderem Namen, vielleicht um die Übersicht nicht zu verlieren. Das Motto dieser Firma hieß glaube ich „mach gute Mine zum bösen Spiel“ und ging desweiteren etwa so:

„Was, dein Land ist voller Minen?
Wer nur hat sie dort verteilt?
Warte nur, ich werd‘ dir dienen,
mein Räumdienst steht schon lang bereit“
 

Wie auch immer; mit Minen und anderen verbotenen Waffen haben wir in Deutschland offiziell zum Glück nichts zu tun. Und wenn wir einmal mit unlauteren Waffen gehandelt haben, so haben wir immer schnell genug dem Verbot zugestimmt, wie zum Beispiel bei den Streubomben, die wir noch zum Verkauf angeboten haben, bevor das Verbot wirksam werden sollte. Wenn bei solch plötzlichen Interventionen niemand für den Schaden aufzukommen gedenkt, müssen doch wenigstens die Herstellungskosten wieder reingeholt werden. In Bezug auf Afghanistan empfand ich es allerdings als sehr fahrlässig, daß man den Einsatz von Streubomben verbieten wollte. Denn der Einsatz von Streubomben in Afghanistan macht schon Sinn, wenn man bedenkt, daß die Taliban doch überall da in den Bergen verstreut sind.

Nach wie vor dürfen wir natürlich auch den internationalen Terror nicht unterschätzen. So international wie er ist, kann er überall auftreten. Heutzutage ist man bei keiner Hochzeit mehr sicher. Längst schon könnten sich gewisse Terrorzellen auch bei uns im Inland angesiedelt haben und damit er sich gar nicht erst entfaltet, muß er bereits im Ausland bekämpft werden. Wie erfolgreich diese Strategie bisher war, läßt sich daran erkennen, daß es wenigstens bei uns daheim bisher nicht zu zivilen Opfern gekommen ist. Oder, um jetzt nicht falsch verstanden zu werden: Solange wir uns an diesen Kämpfen beteiligen, wird es hierzulande weiterhin zu keinen Terroranschlägen kommen. Drohungen oder andere ungeklärte Hinweise bleiben selbstverständlich nicht ausgeschlossen.

Heutzutage muß man eben verdammt vorsichtig sein, wenn man Schaden vom eigenen Volk abwenden will. Für die Verantwortlichen ist dies keine leichte Aufgabe. Es ist eher eine große Last. Vielleicht ist es sogar eine doppelte Last, wenn ständig abgewägt werden muß, welche der beiden Entscheidungen den geringsten Schaden nach sich ziehen könnte.

Trägt man beständig beide Lasten durch die Gegend, so läuft man bald bucklig durch dieselbe. Daher stellt man am besten beide Lasten ab, kümmert sich um andere Angelegenheiten und nimmt sie nur dann wieder auf, wenn sie wieder, „zum Tragen kommen“. Die aufgebürdete Last ist damit jedoch nicht beseitigt und in Gedanken ist man weiterhin damit beschäftigt, sie zu tragen. Der belastende Gedanke, welche der beiden Lasten schwerer wiegt, führt dazu, daß man während des Abwägens mal den rechten Mundwinkel und mal den linken Mundwinkel herunterzieht, bis man die schwere des Gedankens schließlich verdrängt. Von da an trägt man sie im Unterbewußtsein oder gar in der Seele weiter, und da auch sie beim fortwährenden Abwägen zu keiner zufriedenstellenden Lösung kommt, hängen irgendwann beide Mundwinkel herunter.


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*Anlage zum „wirren Augenspiel“ vom ehemaligen (2005-2009/ Seit Dezember 2013 erneut beauftragten) Außen Mister Stein & Innen Mister Meier:


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