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Einleitend möchte ich kurz berichten, was mir auffiel, als ich neulich gegen 23 Uhr im Internet-TV eine Fernseh-Talkshow gesehen hatte. Dort saßen 100 Leute als Publikum vereint nebeneinander und starrten nach vorne, zu hören, was andere debattierten. Das ist ja zunächst nichts Außergewöhnliches, als sie aber deren Arme filmten, wie sie alle klatschten und dann wieder in den Schoß legten, erkannte man an so gut wie allen Handgelenken Armbanduhren. Ich weiß nicht wieso, aber da kam es mir auf einmal so vor, als wären es 100 Armreifen von 100 Gefangenen.

Ich frug mich sodann, was würden wohl die Arbeits-Sklaven von vor 1000 Jahren darüber denken, wenn sie damals einen Fern-seher gehabt hätten? Würden sie nicht denken, „wieso hat in der Zukunft einerseits jeder Sklave das gleiche Ding ums Handgelenk gebunden und wieso sind sie andererseits dennoch nicht alle miteinander verkettet? Und warum schauen sie eigentlich alle 15 Minuten auf dieses Ding?“

Wie ja mindestens 50 Prozent „meiner“ Leser längst wissen (also mindestens einer der beiden) besitze ich schon seit ungefähr 17 Jahren, 2 Monaten, einem Tag, 3 Stunden, 23 Minuten und … Augenblick, in diesem Moment exakt 21 Sekunden keine Armbanduhr mehr. Desweiteren besitze ich seit vielen Jahren weder einen Fernseher, noch werde ich von einem besessen.

Mich stört dieser Zustand nicht, doch seltsam ist, wie verwundert manche Leute immer noch reagieren, wenn ich sage, ich besäße weder Armbanduhr noch Fernseher. Zwar ist die allgemein distanzierte Verwunderung mit den Jahren in eine nachahmenswillige Be-wunderung umgeschlagen, doch viele Leute empfinden meinen Verzicht auf diese Geräte immer noch als altmodisch. Dabei sind sie im Grunde selbst altmodisch, schließlich verfügen wir bereits über Internet-TV und Handys.

Wer braucht da noch Fernseher und Armbanduhren?

Irgendwann wird es natürlich so sein, daß es die Wahl zwischen Fernsehen und Internet nicht mehr gibt und irgendwann wird es auch so sein, daß man sein Handy oder das Handy-Internet wie eine Armbanduhr tragen kann. Neben dem Internet-TV-Bildschirm, den jeder auch in Zukunft noch at home stehen hat, tragen dann alle, statt der guten alten mechanischen Armbanduhr, ein Handy mit direkter WLAN Verbindung durch die Haut bis hinein in die eigene DNS-Strukur, über die man das Fernsehprogramm hallographisch in den freien Äther beamen kann und sich natürlich auch virtuell in diese Welt hinein begeben kann. Zur freiwilligen Pflichtabnahme wird dazu ein persönliches Google-Interface unter die Netzhaut des linken Auges gepflanzt, während das rechte Auge mit Zoomfunkton ins Unter-Ich ausgestattet wird, derweil das dritte Auge weiterhin nur Schnee sendet, falls es aufgrund des unausgereiften kosmischen Bewußtseins mal wieder zu tief im Funkloch steckt. (Fortschreibung 2013: Zeit Erstellung dieses Artikuls hat der Autor von den Google-Brillen allerdings noch keinen blassen Schimmer gehabt)

Noch befindet sich das alles zwar im Übergang, doch ich fürchte, viel Zeit habe ich nicht mehr, meine gute alte Armbanduhr wiederzufinden, sie galt übrigens seinerzeit schon als ein antikes Stück. Ich habe sie einst verloren, bin aber sicher, sie läuft noch heute einwandfrei, während man andere, moderne, Uhren oftmals schon nach zwei Jahren wieder wegschmeißen kann, meistens jedenfalls kurz nachdem die Garantie abgelaufen ist.

Was ist also altmodisch und was ist fortgeschritten? Zwar lassen sich die Vorteile des Fortschritts nicht leugnen und es gibt Technik, die begeistert, doch scheint der Mensch vor lauter Begeisterung nur noch völlig entgeistert hinter der fortgeschrittenen Technik hinterherzuhinken.

Sicherlich, im Vergleich zu früheren Zeiten ist es durchaus als ein Vorteil zu betrachten, daß wir uns beim Transport eines neuen Fernsehgerätes keinen Bandscheibenvorfall mehr zuziehen – doch seit die Medieninhalte mindestens genauso flach geworden sind, wie die Bildschirme der Medien, ist die Gefahr, stattdessen einen Mattscheibenvorfall zu erleiden, umso größer geworden.

Auf jeden Fall haben wir bei der Entwicklung des Fernsehens schon so manchen Streifen mitgemacht, das muß man sagen.

Früher nannte man übrigens einen Fernseher jemanden, der mittels seines hellen Geistes in die Ferne sehen konnte. Ein Fernseher sah in die Ferne der Zukunft, in die Ferne der Vergangenheit, doch auch in die Ferne des gegenwärtig Unbewußten, Außersinnlichen und Übersinnlichen oder bis über alle Grenzen von Raum, Zeit, Sphäre und Materie hinaus.

Neben den Fernsehern gab es natürlich auch die Fernseherinnen, wenn nicht gar mehr von letzteren als von ersteren, während sie sich auf unterschiedliche Weise medial betätigten und sich über verschiedenartige Kanäle in ihre jeweiligen Ereignisfelder begaben oder gar von einem ins andere switchten.

Ganz wie die modernen Fernseher von heute fungierten die FernseherInnen von damals als Mittler zwischen Sender und Empfänger von Informationen – um nicht zu sagen als Medium. Lediglich sind die Fernseher von heute zahlreicher geworden und es macht den Eindruck, es gäbe sehr viel Mitteilungswertes zu berichten, während die Nachfrage oder das Verlangen nach weiterführenden Informationen im Zuge weltumspannender Veränderungen und allgemeiner Bewußtseinserweiterung immer stärker anwächst.

An dieser sollen ja alle Menschen möglichst gleichzeitig beteiligt werden, so daß seither die Endgeräte eines übergeordneten Mediums in jeder nur erdenklichen Ecke herumstehen und uns fortwährend die allerneuesten Botschaften aus uns unbekannten Reichen überbringen. Und es sind ja weitestgehend irgendwelche unbekannten Reichen, die den Mitteilungswert einer Information ermitteln und die Informationsvergabe bestimmen.

Ein Medium im klassischen Sinne erhält die übermittelten Botschaften in der Regel aus dem Geistreich, so war es zumindest früher, als ein Medium sich entweder in fremden Stimmen oder gar mit fremden Wesenheiten sprechend wiederfand – was sowohl helle als auch dunkle Geister gewesen sein konnten. Desweiteren konnte es sein, daß die damaligen Fernseher und Fernseherinnen nicht mit Wesenheiten als solche in Kommunikation traten, sondern mit Energiefeldern, von denen sonst keiner einen blassen Schimmer hatte. Über diese Felder, oder in Kontakt mit diesen Feldern, bekamen sie Bilder übermittelt, mal in Farbe, mal in schwarz-weiß, mal mit und mal ohne Ton, mal deutlich zu interpretieren, mal weniger deutlich und so weiter – Einblicke und Ausblicke in die verschiedensten Bereiche, insgesamt also etwas, das man als Visionen bezeichnen kann.

Visionen bilden vor dem Auge des Betrachters das ab, was ihm aus unbekannter Ferne übermittelt wird, egal ob es sich nun vor dem äußeren oder inneren Auge abspielt. Und da wir wissen, daß dem Begriff „fern“ der griechische Wortstamm „tele“ zugrunde liegt, können wir diesen Vorgang durchaus auch als Tele-Vision bezeichnen. Das ist also fast wie beim Fernsehen, könnte man sagen, mit dem großen Unterschied, daß bei diesen Einblicken das grundlegende Wissensgefühl mit einhergeht, daß es sich bei den Eindrücken um Begebenheiten aus der Wirklichkeit handelt, die sogar nachweisbar ist, obwohl sie in unbekannten Gefilden liegt und somit leider nicht immer für jeden nachvollziehbar erscheint.

Wenn wir also von Television oder Fernsehen reden, ist es doch schön, daß uns wenigstens noch die Sprache erhalten geblieben ist, um in Bezug auf manche Bereiche über den Stamm zurück zu den Wurzeln zu finden.

Hinzu sollte man durchaus annehmen dürfen, daß die oben genannten medial begabten Menschen keine Ausnahme darstellten. Vielmehr ist das Hineinsehen, Hineinhören und Hineinfühlen in ferne, tief liegende (oder auch hochfliegende) Bereiche eine Fähigkeit, die jeder Mensch mehr oder weniger in sich ausbilden könnte. Dazu müssen wir weder FernseherInnen im klassischen Sinne sein, noch Fernseher im modernen Sinne benutzen – es reicht einstweilen, den automatischen Suchlauf zu betätigen, damit über die entsprechenden Kanäle zumindest das übertragen werden kann, was wir als Empfänger von Informationen dringenst benötigen, um den heiligen Geist in uns wenigstens noch irgendwie am Leben zu erhalten.

Wir benötigen daher gar nicht mehr dieses altmodische Medium Fernsehen, zumindest sollten wir nicht mehr die Empfänger von Informationen eines äußerst zwielichten Senders sein, der uns nur seine Krankheiten und Ängste überträgt und zwar dies seit einiger Zeit mit wachsender Entgeisterung.

Zur Fortführung hier noch etwas zum Thema Fernsehen in weiterer Sichtweise, wenn nicht gar aus weiserer Sichtweite:

Fern sehen von Lucky Hans bei Bumi Bahagia/Glückliche Erde


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