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Normalerweise schalte ich bei Politikerreden ja immer den Ton ab, weil es für meinen Geist einfach nicht mehr zu ertragen ist, mir ein solches Geschwätz anzuhören, das in seiner hirnlosen Dummheit nur noch von dem nervtötenden Rumgepimmel-Gerede und FlipFlapFlop-Geseiere eines Mario Barth übertroffen wird.

Ich höre mir das alles also gar nicht mehr an … es sei denn die edle Frau Sahra Wagenknecht hat das Wort, denn darin steckt manchmal ein gutes Pfund von selten gehörter Wahrheit drin und Wahrheit hat immer auch etwas mit Mut zum Eingeständnis zu tun.

Folgt also nun ein bemerkenswerter Auszug aus der Rede Sahra Wagenknecht haut auf den Putz:

„… die Frage ist, unter welchen Bedingungen kann und sollte man regieren? Das ist doch die entscheidende Frage. Und hier ist eben der Punkt: Je stärker die Linke ist, und je mehr gesellschaftliche Bewegung sie auch mit in Kraft setzen kann, je mehr es Demonstrationen gibt in diesem Land, je mehr Streiks es gibt, desto größer ist auch die Chance, daß andere Parteien gezwungen werden, sich von ihrem neoliberalen Modell zu verabschieden, von dem sie sich noch nicht verabschiedet haben. Die SPD und die Grünen, die sind noch in diesem Modell. Aber wir müssen sie durch unsere Stärke und gesellschaftliche Bewegung unter Druck setzen, daß ist die einzige Chance, eine andere Politik durchzusetzen. Und was, denke ich, überhaupt nicht sinnvoll ist, ist, uns als Linke unter Verkauf unserer Seele und unter Verkauf im Grunde der Interessen unserer Wähler in Regierungen zu integrieren, weil das nur dazu führt, daß wir unsere Glaubwürdigkeit verlieren und weil das nur dazu führt, daß wir schwächer werden und nicht stärker. Und deswegen finde ich es auch sehr wichtig, daß zumindest ein paar Mindestbedingungen definiert werden, unter welcher Bedingung wir uns nicht an Regierungen beteiligen.“

Wie wahr, Frau Wagenknecht. Ich finde, diese Aussage trifft genau ins Schwarze. Und auch ins Grüne, ins Gelbe und nicht weniger ins Rote: Wer im Sinne des Volkes regieren möchte, kann nicht bis weit nach oben in die Regierungskreise gelangen, bzw. kann nur derjenige stimmhaft an der Regierung beteiligt sein, der seine Seele verkauft, weil und indem er die Interessen der Wähler verkauft, statt sie zu vertreten. Schließlich ist in diesem Sinne das Volk als die Seele des Landes zu betrachten, das regiert werden muß – so daß, in diesem von Frau Wagenknecht bekanntlicher Weise oftmals und in großen Teilen zu Recht kritisierten System, letztlich das ganze Land von den Regierenden verkauft wird. (Auch die Käufer, an die wir verkauft werden, erwähnt sie zum Teil in dieser Rede)

Nun weiß mancher Leser vielleicht, daß ich weder auf der Seite der Linken, noch auf der Seite der Rechten stehe und auch von der Mitte nichts halte, allein weil ich von der Politik an sich nichts halte. Politik bedeutet Kompromisse einzugehen, was im Grunde nicht falsch ist, doch geschieht dies in einem System, das auf Lügen aufgebaut wurde und nur durch Lügen aufrecht erhalten werden kann, so braucht man sich nicht einzubilden, man könne dieses System umso mehr zum Besseren ändern, je mehr (regierungspolitische) Macht man darin errungen hat. Schließlich hat man sich diese Macht wieder nur durch eben diese faulen Kompromisse errungen, die dann auch fürderhin zu vertreten sind, sofern man die Macht behalten möchte. (Bzw. als Vertreter übergeordneter Mächte weiter fungieren möchte)

Daher stimme ich einmal mehr Frau Wagenknecht zu. Der Kern Ihrer leider vollständig zutreffenden Aussage ist: Eine Oppositionspartei kann keine Regierungspartei werden, solange das System so aufgebaut ist, daß die Regierungspartei weniger die Interessen des Volkes vertritt, als die anderer Interessenverbände, von denen wiederum viele der Ausbeutung des Volkes dienen, bzw. dem schnöden Mammon, bzw. dem derzeitigen Geld- und Finanzsystem, welches in dieser Art desweiteren den langen Arm eines äußerst dämonischen Geistes darstellt.

Möchte nun jemand mit guten Gesinnungen mitentscheidend an der Regierung beteiligt sein, so dürfte er nicht etwa Forderungen stellen, unter welcher Bedingung er sich an der Regierung beteiligen möchte, sondern unter welcher Bedingung er sich nicht an Regierungen beteiligen möchte, wie Frau Wagenknecht es richtigerweise formuliert hat. Man könnte auch sagen, geh keinen Pakt mit dem Teufel ein. (Vor allem könnte dies jemand sagen, der Goethes Faust komplett auswendig gelernt und wohl auch verstanden hat)

Natürlich ist jede Politik opportun, insbesondere oppositionelle Parteien sind es oft augenmerklich, nämlich immer dann, wenn sie von einer durch das Volke entstandenen Gegenbewegung meinen, ihre Partei wäre die hierzu inspirierende Kraft gewesen; Atomkraft hin oder her. In Wirklichkeit ist es natürlich so, daß sie sich dem Protest des Volkes nur anschließen, statt ihn in die Wege geleitet zu haben, was meines Erachtens auch auf die Linke zutrifft. Denkt man aber den Ansatz von Frau Wagenknechts Rede weiter, so beinhaltet ihre Aussage bei genauerer Betrachtung ihrer Worte eben genau dieses Eingeständis.

Lediglich ist zu befürchten, daß es vorwiegend allein ihre Worte sind, die sie allein auch vertritt, was eben nicht bedeutet, daß wir nun alle unbedingt die Linke wählen müssen. Es bedeutet nur, daß es sich hier um einen kleinen Lobesartikel auf Frau Wagenknecht handelt und sonst nichts weiter. Daher schließe ich nun diesen Artikel und sage einmal mehr:

Wenngleich jeder vernünftige Bürger auch ohne weiteres Zutun an unserem derzeitigen Wahlprinzip zweifeln sollte und sämtliche Teilnahme am Bundestagsgeseiche vermeiden sollte, mit Ihren Worten, Frau Wagenknecht, kann man immerhin etwas anfangen (falls weitere Ausnahmefälle anwesend sind, bitte umgehend vordrängeln).

Falls Sie also irgendwann einmal aus der Politik herausgemobbt werden sollten – keine Bange, das bürgerliche Lager braucht Menschen wie Sie.

Viel Erfolg und einen lieben Gruß an die irische Landschaft.


Quelle/Links:

→ Zitierte Rede: Sahra Wagenknecht haut auf den Putz
→ Vorangehender Artikel: Aufstand der Knechte (Teil 1)