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„Die Telepathie war die erste in der Welt bekannte drahtlose Telegrafie bzw. der erste Telefonservice.“

Diese Aussage traf der 1963 verstorbene Swami Sivananda bereits vor einigen Jahrzehnten, doch erst jetzt, in einer Zeit, in der Internet, Handys und Internethandys als die Kommunikationsmittel schlechthin gelten, ist die Zielrichtung seiner Aussage wohl besser zu verstehen.

Und während wir alle miteinander an den güldenen Strippen und gläsernen Fasern unserer Telefonanbieter hängen, sind diejenigen, die neben der Telephonie auch der Telepathie mächtig sind, entweder in der Uri Geller Show zu finden oder irgendwo in den einsamen Bergen, wo sie im Schneidersitz hockend gedankenlos den eigenen Gedanken nachhängen und sich höchstens einmal in Hundert Jahren von einem Kamerateam dabei filmen lassen.

So unerreichbar, wie die Vertreter beider Extreme jeweils für uns dargestellt werden, zweifeln wir ihre Fähigkeiten entweder an oder glauben sie nur  insoweit, als daß wir sagen: Es ist ja möglich, daß sie übersinnliche Leistungen vollbringen können, doch was habe ich damit zu tun?

Uns selbst sprechen wir diese Fähigkeit ab, da wir keine Zeit für solche Experimente haben und auch nicht die Ruhe, Gelassenheit und Konzentrationsfähigkeit, die von solchen Gedankenmeistern ausgeht. Bei Ausübung ihrer Tätigkeit sehen manche von ihnen zwar so aus, als würden sie ihren eigenen Geist wie einen Luftballon an der Leine spazieren führen, doch gehen sie dabei viel tatkräftiger vor, als es den äußerlichen Anschein hat. Schließlich sind sie dazu in der Lage, friedlich an Nichts zu denken, hierbei hochkonzentriert zu sein und gleichzeitig mit den Yogis auf den anderen Bergspitzen einen telepathischen Plausch darüber abzuhalten, über was man heute mal wieder alles nicht nachzudenken gedenkt.

Und während sie mit dieser Höchstleistung auf dem Gebiet der Geistesarbeit weitab von uns wirken, wird man in unserer Ländergemeinde schon schief angesehen, wenn man solche befremdlichen Worte wie Telepathie oder Teleportation auch nur leise denkt, oder es gar wagt, frei nach Swami Sivananda die althergebrachte Form des Gedankenaustauschs mit der heutigen Telefontechnik in Verbindung zu bringen.

Seltsamerweise wurde schon in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise Anfang der 60er Jahre mit all diesen Themen gearbeitet: Neben einer Vielzahl von außersinnlichen und außerirdischen Phänomenen behandelte man auch das Thema der übersinnlichen Wahrnehmung, zu denen nicht nur fremdartige Wesen fähig waren, sondern auch Menschen oder menschenähnliche Wesen wie Mr. Spock. Und während wir einerseits die übersinnlichen Angelegenheiten noch immer für Humbug halten, scheint uns andererseits die Realität hinsichtlich all der dort vorgestellten technischen Phänomene längst eingeholt zu haben: Man denke nicht nur an die auf- und zu sausenden Türen, sondern insbesondere an das aufklappbare mobile Sprechfunkgerät oder der dort sogenannten „Viso-com“- Bildtelefonie. (Weiter gehts 2019: Damals noch Science-Fiction, heute bereits Realität: Was hat uns Hollywood voraus? von Nomi78, bei dudeweblog am 28.01.2019)

Solange also das Handy mit einer (auf das jeweilige Facebook-Profil abgestimmten) Scotty-beam-me-up-Funktion nicht erfunden wurde, werden wir die Drehbuchautoren von Raumschiff Enterprise wohl weiterhin des übermäßigen LSD-Mißbrauchs bezichtigen und es nicht für möglich halten, daß die Mediamärkte eines Tages auch Transportationsgeräte im Pocketformat für ein Apple oder Eipott massenweise zu den Windows hinausschmeissen werden.

Derweil mag es ja sein, daß wir mithilfe unserer sich stets weiterentwicklenden Kommunikationstechnik in Begriff sind, den Sinn und Zweck von Information und Kommunikation besser zu verstehen und neu zu erlernen – doch vielleicht sind wir bis dato auch nur völlig irre geworden, während wir unaufhörlich in diverse Bildschirme starren, uns die Telefone ins Ohr stecken, jeden Gedanken schon simsen, twittern oder bei facebook verteilen, bevor wir überhaupt recht wissen, an wen genau wir ihn eigentlich richten wollten.  Hierbei wenden wir uns in einem unaufhörlichen Gebrabbel einander zu, als möchten wir bloß an der Tatsache vorbeireden, was für eine Menge an sinnlosem Alltagsgeschwätz wir uns schon in den ganzen Jahren zuvor niemals zu sagen gewagt hätten.

Vielleicht aber stellt dieses dringende und drängelnde Mitteilungsbedürfnis auch nur den etwas unbeholfenen Versuch der Menschheit dar, wieder in die Kommunikation mit dem Ganzen, dem All und AllesNichtsOder einzutreten und zur Urform aller Kommunikationsprozesse zurück zu gelangen. Daß wir hierbei beständig das Thema Telepathie streifen, bleibt uns allerdings noch verborgen. Ich jedenfalls ersehne den Tag, an dem wenigstens facebook mal für ein paar Wochen Urlaub macht und wir darauf verzichten müssen, andauernd unsere Profile abzudaten und auszutauschen, als wären es die neuesten Abziehbildchen unserers Egos.

Wie schön wäre es doch, wenn man nicht immerzu mit den achthundertsiebenundneunzig Freunden konfrontiert wird, wo man doch gerade nur an einen von ihnen dachte und sich für die Belange die restlichen achthundertsechsundneunzig Freunde im Augenblick nicht besonders interessierte.

Wie schön wäre es doch, wenn zusätzlich noch alle Handys ausfallen würden und jeder erstmal eine Weile für sich alleine rumstehen muß und sein zwanghaftes Dauergebrabbel für eine Weile unterbindet, das er im Geiste ja doch nur mit sich selber führt – bis sich eben herausfiltert, um welchen der zwei bis drei Menschen es sich nochmal gehandelt haben konnte, dem er aus der Menge seiner 897 Freunde von Herzen etwas Wichtiges mitzuteilen gehabt hätte –

Zwar will ich die neuen Wege einer konstruktiven Massenkommunikation nicht pauschal verurteilen, schon gar nicht in Zeiten der Revolution, doch was soll ich vom Geisteszustand des einzelnen Menschen halten, wenn er sein Handy öfter benutzt als seinen Geist und seine Geisteskraft täglich – oder gar stündlich – nur dazu nutzt, seinen kompletten Gedankenverkehr ungefiltert in den ohnehin schon ziemlich überlasteten Äther hinauszubeamen?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sich eine Verbindung zu Freunden und Liebsten im Innern verspüren ließ  – wie ich mich also mit vertrauten Menschen, die nicht in der Nähe wohnten, auf eine seltsame Weise verbunden fühlte, weil ich zu ihnen einen guten Draht hatte. Dieser gute Draht beruht auf Vertrauen, Urvertrauen gar, und er will gut isoliert sein, um ein unerwünschtes Ablauschen oder herbeigeführte Irritationen von Außen abzuwehren. Doch im Grunde ist er unzerstörbar, so sensibel er auch ist. Er schwebt wie ein unsichtbares Glasfaserkabel frei im Äther herum und interagiert sogar mit anderen Drähten, die wiederum über weitere Schnittstellten miteinander in Verbindung stehen.

Sobald diese innere Verbundenheit wieder hergestellt wurde und die guten Drähte, die wir stets untereinander haben, so lebensfroh benutzt werden, daß sie im Himmel zu glühen beginnen, stehen wir in wahrhaftiger Kommunikation zueinander. Hier nehmen wir die Informationen ungefiltert entgegen, die uns gut tun, denn es sind Grundinformationen, wie Vertrauen, Liebe, Zuversicht, Beistand, Verständnis und schöne Grüße.

Auf die Wiederherstellung dieser Kommunikationsebene werde ich aktiv warten und auf den ganzen restlichen Schmuh bis dahin möglichst verzichten, denn meine Vorstellungskraft ist größer, deutlicher und reicht weiter, als jedes Bildtelefon, egal was für einen himmlischen Namen es trägt.

Verzichten werde ich künftig vor allem darauf, in irgendwelchen High-Tech-Wohnzimmern herumzusitzen, wo ich anläßlich eines Geburtstages einer mir wildfremden Person herumhocken muß, zu der ich in etwa ein ähnlich inniges Verhältnis verspüre, wie zu irgendeiner Bekanntschaft fünften Grades aus dem Facebook-Clan, den man sich mithilfe zahlreicher Markenfirmen zur Ergänzung seines Profils stets neu zusammenstellen läßt, um sich der allgemeinen Entfremdung anzuschließen.

Auf solche Treffen werde ich also verzichten, vor allem wenn es sich (wie im folgenden Fall) bei dem Geburtstagskind um einen jener stets aufwärtsstrebenden, höchst neuwertigst durchgestylten und völlig kabellos wohnbezimmerten Karriereleiter-Sprösslinge handelt, der anläßlich seines Ego-burtstages seine engstbefreundeten Arbeitskollegen eingeladen hat, damit sie zu seiner persönlichen Ergötzung sein neuestes Smartphone XPQhochdrei bewundern.

Während ich also bei dieser ganzen Zeremonie ziemlich teilnahmslos am hinterem Ende der Couch sitze, führt das gastgebende Geburtstagskind im Augenblick die neuesten Funktionen seines Handys vor, und läßt seinen Gästen im Zuge seiner Ausführungen genügend Raum und Gelegenheit, anerkennende Kommentare abzugeben, neidvolle Blicke abzusenden oder tief im Hals sehnsüchtige Glucksgeräusche zu machen, weil sie spätestens jetzt auch so ein Gerät besitzen wollen.

Als das zentrale Objekt der allgemeinen Begierde dann in der Runde weitergereicht wird und nach einer Weile bei mir ankommt, darf ich es auch mal kurz anfassen – doch bevor mir einfällt, was ich dazu sagen könnte, merke ich, daß es sowieso niemanden mehr interessiert. Denn zu meiner Verwunderung sind sie alle mit einem Mal ganz plötzlich aufgestanden und stehen jetzt so stramm Spalier, als warteten sie auf ein Signal oder irgendetwas, wovon ich im Moment noch keinen Schimmer habe.

Dann zücken sie ihre Handys und lassen alle gleichzeitig mit einem mehrstimmigen Klingeltonchor ein kräftiges Happy-Birthday losbimmeln, so daß ich mich gezwungen sehe, jetzt auch mal aufzustehen und mich in den Chor einzureihen.

Leider jedoch kann ich an dem Geburtstagsständchen nicht teilnehmen, denn ich besitze nur so eine Art Wegwerf-Handy, mit dem man allerhöchstens telefonieren kann. Zum Glück habe ich aber meine Treckinghose angezogen und ich hoffe, daß der Happy-Birthday-Song in etwa so lange dauert, wie ich brauche, um – leicht bestürzt wirkend – in allen sieben Hosentaschen vergeblich nach meinen Handy zu suchen.

Fast schaffe ich es auch, mich auf diese Weise aus der Affäre zu ziehen, doch als sie gleich darauf noch ein mehrfaches ‘For he’s a jolly good fellow’ aus ihren Handys erklingeln lassen und nun obendrein auch noch mitsingen, bleibt mir nichts anderes, als mit vorgespielter Anteilname sehr textsicher die Lippen zu bewegen und dazu rhythmisch den Kopf hin und her zu wiegen.

Kaum ist das Geburtstagsständchen vorbei, werden alle Handys auf die hochpolierte Glasplatte des Wohnzimmertisches abgelegt, so daß ich befürchte, hiermit wurde nun der hauptsächliche Gegenstand der heutigen Gespräche festgestellt und der Themenabend gilt diesbezüglich als offiziell eröffnet. Glücklicherweise ist es aber noch nicht Abend, sondern Nachmittag und während sich nun wie abgesprochen alles ums Handy drehen wird, konzentriere ich mich hauptsächlich auf den Kuchen. Immerhin: Es ist ein Kirschkuchen mit Butterstreuselbelag, welcher zu meinen Favouriten gehört – sofern der Bäcker etwas vom Backen versteht.

Ich muß zugeben, die Debatte um die Neuerungen im Bereich der Kommunikationstechnologie ist gar nicht mal uninteressant; doch kann ich ihr nicht so recht folgen, geschweige denn mich daran beteiligen, da meine Zunge augenblicklich damit beschäftigt ist, herauszufinden, welche der Partikel in meinem Mund als knusperharte Butterstreusel aufzufassen sind und welche davon nicht doch vielleicht fatale Kirschkerne sein könnten.

So kuspert es und cruncht es eine Weile zwischen meinen beiden Ohren, daß ich bei soviel Eigengeräusch nicht ganz sicher bin, ob in der Gesprächsrunde nicht gerade jemand das Wort „Telegrafie“ gesagt hat. Zu dem Thema fällt mir aber ausnahmsweise auch mal etwas ein – allerdings habe ich den Mund noch voller Butterstreusel – und wie ich also sagen will: „Ja ja, die Telegrafie …“, ploppt mir doch glatt beim Buchstaben T einer der Butterstreusel aus dem Mund. Ich versuche noch, ihn wieder einzusaugen, will aber gleichzeitig weitersprechen, wodurch mir mitsamt der letzten beiden Silben -gra und  -fie ein kleiner Sprühregen von bereits zerkleinerten Partikeln aus dem Munde entweicht, die Kraft einer zusätzlich beigefügten Menge von Butter, Säure und Spucke wie im Sturzflug auf den Wohnzimmerglastisch klatschen – wo sie aufgrund des insgesamt ziemlich schleimigen Gemischs geflissentlich noch eine zähe Bremsspur quer über die gesamte Glasplatte nach sich ziehen.

Sogleich ist auch schon der Gastgeber mit einem Lappen zur Stelle und wischt mein Maleur genauso nachdrücklich weg, wie er hierbei den Satz „das braucht dir nicht peinlich zu sein, das kann ja jedem mal passieren“ von mir aus genauso und nachdrücklich wieder wegwischen könnte, wie er ihn während des Wischens unbedingt an mich richten mußte –

Natürlich kann es jedem passieren, doch passiert es immer nur einem und nie allen Gästen gleichzeitig; auch wäre das alles gar nicht so schlimm, wenn die Anwesenden wenigstens lachen würden, statt solange mit leicht zur Seite geneigtem Kopf verstummt dazusitzen, als müßten sie den Vorfall solange mit gewahrsamer Obacht verfolgen, bis der Gastgeber mit dem Wischen fertig ist.

Wenigstens einer von ihnen könnte irgendeine auflockernde Bemerkung machen, doch ist es natürlich der Gastgeber, der das Wort ergreift, während er noch mit dem Lappen in der Hand da steht:

„Ich glaube, du wolltest gerade etwas zum Thema Telegrafie beisteuern“, sagt er tatsächlich, so daß ich mir wünsche, ich hätte wenigstens die beiden Kirschkerne noch im Mund behalten, dann würde ich ihm nämlich jetzt gezielt beide Augen damit ausspucken!

„Na ja“, sage ich also, „als eine Art von drahtloser Telegrafie hat zum Beispiel seinerzeit Swami Sivananda die Telepathie verstanden – was im Umkehrschluß auf des Yogimeisters lehrreiche Feststellung bedeutet, daß ihr wohl nur deswegen ein Handy besitzt, weil ihr unterbewußt lediglich nach einem Draht zu eurem höheren Selbst sucht; doch leider könnt ihr es nie in euch finden, da ihr euch während des Telefonierens ständig selbst davon abhaltet.“

Darauf weiß nun niemand etwas zu erwidern, also nutze ich die Gelegenheit und gehe ein wenig mehr ins Detail:

„Ich kann verstehen, daß euch das nun fremd vorkommt, und ihr habt gewiss viele Fragen, doch bedarf es vielleicht zunächst umso dringlicher einer Ausführung meinerseits. Ich vermute nämlich, daß gewisse Leute die moderne Kommunikationstechnik ja doch nur deswegen nutzen, weil sie sich von ihrer Spiritualität entfernt haben, was eben auch der Grund dafür ist, daß sie sich ihrer übersinnlichen Fähigkeiten nicht mehr erinnern und hierbei nichts anderes tun, als beständig den heiligen Geist oder Gott zu leugnen, zumindest aber sich selbst. Ich meine, ihr müßt nicht an Gott glauben oder so, aber falls ihr an ihn oder Ähnliches glaubt und ihn ab und zu anruft, so dürftet ihr euch nach Anerkennung meiner soeben dargebrachten Argumente eben auch nicht wundern, daß ihr keine Verbindung zu ihm bekommt – falls ihr überhaupt noch irgendwas im Kopf habt, was außerhalb desselben Kopfes stattfindet.

Klar herrscht hier jetzt erstmal Schweigen im Walde, es gibt meiner bestechenden Argumentation ja auch nicht viel entgegenzusetzen, also laßt mich noch fragen, was die ganze Telefonie eigentlich bringt, wenn ihr dabei ja doch nur mit euch selbst redet.

Ihr tut dies sehr wohl, da ihr weitestgehend nur von leblosen Dingen redet, die euch zwar etwas bedeuten, diese Bedeutung aber nur insoweit haben, als daß ihr ihnen selber eine solche beigemessen habt. Ich meine – ja, du kannst dich ruhig erstmal hinsetzten – ich meine, was soll hierbei denn der Sinn sein, wenn nicht der, daß man bloß kein Wort von dem versteht, was sonst noch der Rede Wert wäre? Sogar in der Natur wird heutzutage wie wild herumtelefoniert, obwohl sie einst dazu gedacht war, daß wir sie beseelen und darüber einen kommunikativen Zugang in andere Welten bekommen.

Ehrlich, warum müßt ihr während des Telefonierenmüssens auch noch unbedingt durch die Wälder laufen? Von Spazieren Gehen kann ja keine Rede sein, es ist eher eine Abart des Spazierengehens, die ihr vielleicht als Walken bezeichnet, während ihr euch an euren bunten Sportkrücken festklammert, als wolltet ihr euch selber Glauben machen, dies wären die zwei abgebrochenen Äste vom Baum der Erkenntnis.

Ich meine, seht euch doch mal an, wie falsch gepolt ihr seid: Da gebraucht ihr zum Walken mehr die Hände, als die Füße, und weil ihr die Hände nicht frei habt, benötigt ihr während des Telefonierenmüssens ein Headset, über das ihr jemanden davon berichtet, wie ihr euch im Augenblick das Bauchfleisch abtrainiert, allein um es euch beim nächsten Grillabend guten Gewissens wieder anfuttern zu können.

Ehrlich, ich habe viel Verständnis für das, was die Menschen in bestmöglicher Ausgestaltung ihrer Lebenszyklen für einen Unsinn veranstalten; begegne ich manchen hierbei aber im Wald, und bewegen sie sich auch noch telefonierend darin, so frage ich mich mitunter schon, ob sie sich nicht mittlerweile völlig in ihrem drahtlosen Geiste verheddert haben und nur deswegen eben auch ziemlich an Krücken gehen.

Da brauchst du den Zeigefinger nicht anzuheben, ich weiß schon selber, daß es Menschen gibt, die aus gesundheitlichen Gründen eine Stütze zum Gehen benötigen, natürlich – ein aufrechtes Lob an den Erfinder also; doch daß neben diesen Menschen auch noch zusätzliche Heerscharen überall an Krücken gehen müssen, die angeblich kerngesund sind, erscheint mir überaus unnatürlich.

Achso, ihr geht nicht Walken, sondern joggen, gut, aber ich bin ja auch noch nicht fertig. Meinetwegen kann man das ja hin und wieder tun, aber gerade die Leute, die ohne Sportkrücken überall durch die Gegend rennen, sind in meinen Augen nicht mehr ganz bei Trost – insbesondere, wenn es solche sind, die mir mitten im Wald plötzlich in Heerscharen entgegen schiessen, als wären die Wildschweine hinter ihnen her. Doch es kommen keine Wildschweine, sondern noch mehr von solchen Sportskanonen wie euch, von denen einer nach dem anderen in seinem Gummibein-Turnhöschen an mir vorüberspringt, als wäre das Zwicken seines knackigen Hösleins so unerträglich, wie es unter ästhetischen Gesichtspunkten nämlich auf meine armen Augen wirkt!

Na gut, vielleicht verfolgt ihr ja irgendein Ziel hierbei, ich frage mich nur welches? Es sieht ja doch eher so aus, als würdet ihr die grellen Sportbrillen nur deswegen tragen, weil ihr nicht als die Blindgänger der Nation enttarnt werden möchtet. Ganz ähnlich wie ja auch dieses wohl im ganzen Land bekannte „Team Telekom“ solche Brillen trägt, welches ja allerorts auf 7 bis 12 Rennrädern in immergleichen Trikots plötzlich um die Kurve geschossen kommt, dann hinter der nächsten Kurve verschwindet, und komischerweise an den verschiedensten Stellen zugleich wieder auftaucht, daß man fast denken könnte, es gäbe eine Vielzahl von diesen Teams im ganzen Land, die für unsere Nation den Radrennpokal erringen wollen.

Manche Rennfahrer wissen ein solches Team auch ganz alleine anzuführen, in dem sie sich in ihrem magenta-farbenen Trikot bloß einbilden, hinter ihnen radelt der Teamgeist vom Team Telekom hinterher. Daß so jemandem nur in seiner Fantasie die Kollegen hinterherfahren, läßt sich sogar leicht beweisen, und zwar, indem man ins Auto springt, ihm hinterfährt und sich ihn knapp bis vor die Stoßstange holt, so daß dazwischen nämlich gar kein Platz mehr für den Rest eines Teams wäre, das er sich ihme hinterradelnd noch einbilden könnte.

Also, ich weiß nicht, ob man das alles noch als ein normales Verhalten bezeichnen kann, ich meine, hat denn jemand überhaupt einen Bezug zur Erde, wenn er immer an der Natur vorbeirast wie ein Sputnik? Ja, ein Sputnik, ein Satellit, der wie ein Fremdkörper die Erde umrundet. Aber ein Sputnik spuckt nit immerzu auf die Erde, du Rennfahrer, denn welchen Bezug hast du schon zu ihr, wenn kein einziges Steinchen auf der Straße liegen darf und gleichzeitig jedes kleinste Stöckchen, das dir zwischen die Speichen kommt, dich aus der Bahn werfen könnte?

In welcher schmalspurigen Umlaufbahn bewegt sich so ein rasender Roland eigentlich? Im Orbit seines Egos auf der Flucht vor den Kometen der Erkenntnis? Im schwarzen Loch seiner beklagenswerten Orientierungslosigkeit? In einem Wettlauf mit der Zeit auf der Schwelle der Inversion einer rückswertdrehenden Spirale? Oder bloß auf der Oberfläche der Scheibe eines Kreisels, beschwingt von der Idiotie seiner eigenen Dummheit?

Ich hab keine Ahnung, was es sein könnte, aber sagt mir bescheid, was es bei euch ist, meine Telefonnummer habt ihr ja.“


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Weitere Informationen zur Einsichtnahme für alle Smartphonesklaven hinsichtlich des umweltschädigenden bis lebensfeindlichen Gebahrens, wann immer, wo immer und warum auch immer man mit solchen Teufelsfuchteln herumhantiert:


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