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Ob die „Journalisten die Öffentlichkeit über Sachverhalte oder Vorgänge informieren, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind,“ so wie das unser Volkslexikon wikipedia sagt, das ist natürlich augenblicklich zu hinterfragen.

Eher bestimmen sie wohl, was im Angleich an wirtschaftliche Interessen für die Bevölkerung von allgemeiner und kultureller Bedeutung zu sein hat, während sie gleichzeitig sehr darauf bedacht sind, wenig bis kaum positive inspirierende Informationen zu verbreiten.

„Die Berufsbezeichnung Journalist ist rechtlich nicht geschützt und darf auch ohne entsprechende Ausbildung geführt werden“, sagt Schickimiki-media desweiteren. Und: „jeder kann sich Journalist nennen – ohne spezielle Voraussetzungen oder einen bestimmten Ausbildungsweg, da die Berufsbezeichnung vom Gesetzgeber nicht geschützt wurde.“

Wie ich das verstehe, heißt das wohl, daß jeder, der möchte, sich Journalist nennen darf.

Daher will ich mich jetzt auch mal gerne Journalist nennen dürfen, einfach um mit den anderen auf Augenhöhe zu sein. Das ist im Grunde leichter als man denkt:

Zunächst benötigt man ein paar Informationen, also die Zutaten, aus denen der journalistisch veranlagte Bäcker seinen Teig zusammenstellt. Diese Zutaten liegen zum Glück überall kostenlos und leicht zugänglich herum. Dazu genügt es, sich nur die dpa-Meldungen durchzusehen, sich ein Tagesthema herauszupicken, Picki-media aufzuschlagen, ein paar halbwegs verläßliche Informationen zu markieren, die Tasten kopieren und einfügen gekonnt zu bedienen, vielleicht noch einen oder zwei weiterführende links zum Thema anzuclicken, einige der verwendeten Begriffe per Synonym-Suchmaschine auszutauschen, die Absätze umzustrukturieren, den Text ins Internet zu stellen – und schon hat man sich journalistisch eingebracht.

Es ist also gar nicht so schwer, journalistisch tätig zu werden: Informationszutaten müssen lediglich von irgendwoher übernommen und dann an den Empfänger weitergeleitet werden, wie es sich für eine Information gehört.

Nun weist Wiki-medinight also auf den Umstand hin, daß

„ …Journalisten die Öffentlichkeit über Sachverhalte oder Vorgänge (informieren), die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Damit tragen sie zum Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung bei und erfüllen eine wichtige gesellschaftliche und öffentliche Aufgabe. … Die Sorgfaltspflicht zählt ebenso zu ihren Aufgaben. Die Journalisten sind verpflichtet, vor der Verbreitung ihrer Nachrichten diese auf Inhalt, Herkunft und Wahrheitsgehalt zu kontrollieren.“

Jeder, der berufsmäßig Informationen verbreitet, sollte sich spätestens jetzt am Kopf kratzend fragen, was eigentlich zunächst einmal ‚Information‘ überhaupt ist.

Wenigstens könnten wir anhand der folgenden Langenscheidt’schen Definition herauszufinden versuchen, was Information zumindest alles sein könnte:

Unter Information versteht man demnach:

1. Nachricht, Auskunft, Mitteilung

2. Wissen, Bekanntes, Wissenswertes

3. Übertragene Daten, Signale, Signalfolgen

4. Unterrichtung, Kundigmachung

5. Wissensstand, Menge des Bekannten

6. Vorgang der Übertragung von Wissen oder Nachrichten durch ein Medium

7. Auskunftsstelle für Besucher oder Touristen

Interessant.

Fehlt nur noch etwas Senf:

Ob nämlich, wie unter Punkt 2 beschrieben wird, eine Information etwas Wissenswertes sein könnte, ist Ansichtssache, denn wer bestimmt schon, was Wissenswert ist und was nicht. Da eine Definition ohnehin wertfrei geleistet werden sollte, können wir Punkt 2 also getrost abhaken, und gehen zunächst direkt zu Punkt 6 über, denn der scheint am meisten zuzutreffen.

Hier wird nämlich festgestellt, daß Information ein Vorgang der Übertragung von Wissen oder von Nachrichten durch ein Medium ist. Und wenn unter Information desweiteren übertragene Daten, Signale und Signalfolgen (Punkt 3) verstanden werden können, dann erfährt der Informierte spätestens an dieser Stelle, warum er sich heutzutage oftmals unzureichend oder verkehrtrum informatiert fühlt. Bedenkt man nämlich, was eine Information in einem Gehirn bewirkt, das ja durch die Entwicklung von zusätzlichen Gedanken elektronische Impulse aussendet, also ebenfalls Signale sendet, welche wiederum in weiteren Signalfolgen im Umfeld weitere Folgen verursachen – dann kann man schon verstehen, warum die Information, der wir heute begegnen, hauptsächlich in irritierende Desinformation umgewandelt wurde.

Es ist nämlich nicht ohne Grund so, daß die flächendeckende Übertragung von Wissen oder Nachrichten (6) durch ein Medium und seinen Kanälen verläuft. Das Medium sitzt zwischen Sender und Empfänger – wer der Empfänger ist, sollte klar sein, doch wer oder was eigentlich der Sender ist, das haben wir noch nicht herausgefunden.

Offenbar scheint es sich dabei um jemanden zu handeln, der mit gespaltener Zunge spricht. Schließlich ist es ja so, daß uns seine Information als etwas Wissenswertes (2) verkauft wird, was wir ja zum Großteil als Desinformation bereits entlarvt haben.

Zudem haben wir festgestellt, daß Information etwas Wissenswertes aus der Menge des Bekannten (5) darstellt. Gibt der Informant, also der Berichterstatter, ungeprüft etwas Unwahres oder Irreführendes aus der Menge des Bekannten weiter, so ist anzunehmen, daß er die ursprüngliche Information untergräbt und somit eher ein Bericht-Bestatter ist, als ein Berichterstatter. Denn die Menge des Unbekannten bleibt für viele Journalisten weitestgehend uninteressant, weil schon die Menge des Bekannten viel zu unübersichtlich ist. Sollte ein Journalist aber einmal das Gefühl haben, in der Menge des Unbekannten sei etwas Wissenswertes verborgen, so könnte er sich durchaus diesem Thema zuwenden, um es in die Menge des Bekannten zu überführen.

Doch leider gilt es als eine Regel, daß die Menge des Unbekannten den Journalisten nichts angehen soll. Und durch die Vermeidung, das Unbekannte anzupeilen, ergibt sich eine Anhäufung und stetige Umverkleidung eines immer gleich bleibenden Wissenstandes (5), den man stets nur neu umformuliert, während hierzu fortwährend aus der Menge des längst Bekannten geschöpft wird.

Unter dem Deckmantel „wissenswerter“Nachrichten (2) wird zwar auch von Tatsachen berichtet, doch gehen hierbei immer auch ausgewählte negative und überwiegend seelenverstörende Informationen mit einher. Wird zugleich auf das Verteilen erhebender und erhellender Informationen verzichtet, so beeinflußt der Medienmacher, samt seiner “Springer”, das völkische Unterbewußtsein aufs Schädlichste.


→ Der Journalist ist der sechste Teil des sermonischen Pamphlets Medium in Delirium (Information verabreicht)



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