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Das Gesichte-Büchlein behandelt das Thema Geisterwelt und das Wahrnehmen übernatürlicher Erscheinungen. Es enthält ein paar geistreiche Zitate, die einen Einblick in den Vorgang des sogenannten „Gesichte – Schauens“ geben, denn so nannte man es zu früheren Zeiten, wenn jemand Visionen oder übernatürliche Wahrnehmungen hatte, über seherische Fähigkeiten verfügte, seltsamen Erscheinungen gewahr wurde, Geister sehen konnte und … was zu hören? – achso ja genau, du sagst es: Stimmen zu hören…

 Anmerkung:

Ein paar der nachfolgenden Äußerungen sind mit einiger vorsichtiger Differenzierung zu genießen, da manche der Zitierten, namentlich z.B Goethe, Lessing, Herder, (und J.G. Hamann ?) als Freimaurer, bzw. Illuminaten sicherlich im Geiste selbst allzu vergeistigt manipuliert sind, als daß sie klar wissen könnten, was Erscheinungen von Geistern im weiteren Sinne letztlich bedeuten könnten.

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Geistreiches Gesichte-Büchlein

Jamblichos

Zuweilen umfließt ein unsichtbarer Geist den Schlafenden, so daß man ihn nicht mit Augen, aber sonst durch irgendeine Empfindung gewahr wird; dieser leistet den wunderbaren Dienst, die Leiden der Seele und des Körpers abzuwenden. Wenn die von Gott geschickten Träume vorüber sind, so hören wir eine abgebrochene Stimme, die uns lehrt, was zu tun ist; oft hören wir sie auch im Mittelzustand zwischen Schlafen und Wachen. Zuweilen erscheint ein reines und völlig ruhiges Licht der Seele, wobei doch die Augen geschlossen bleiben, indessen andere Sinne erwachen, welche die Gegenwart, Sprache und Handlungen der Geister vornehmen.

Agrippa von Nettesheim

Wenn die guten Geister uns ihre Kraft und Macht übermitteln, werden in unserem Geiste, der dann mit ihnen in ungeteilter Gemeinschaft lebt, gleiche Kräfte erregt, und unser Geist erhält nicht nur Erleuchtungen, Offenbarungen, Orakel, Vorherverkündigungen, prophetische Träume, Anzeichen, Wunder, göttliche Eingebungen, sondern er wird selbst bis zu der Höhe gebracht, daß er ebenso Wunderbares verrichten kann wie die himmlischen Geister selbst.

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Der Geist nimmt nicht nur die göttliche Kraft in Wissenschaft, Kunst und Prophetie in Anspruch, sondern er erlangt auch eine wundertätige Kraft, durch seine Herrschaft die Dinge umzuwandeln. Daher kommt es, daß wir, in der Natur geboren, doch zuweilen über die Natur gebieten und so wunderbare, so plötzliche, so erhabene Dinge bewirken, daß uns die abgeschiedenen Seelen gehorchen, die Gestirne zerstört, die Geister gezwungen werden und die Elemente uns dienen.

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Es ist in jedem Menschen diese Kraft, und sie ist in dem Menschengeiste, weil er in der Gottheit wurzelt; aber sie ist in den verschiedenen Menschen verschieden an Stärke und wird vermehrt und vermindert durch Übung und Gebrauch. Wer das alles richtig kennt, kann in seiner Erkenntnis steigen bis dahin, wo die Kraft seiner Imagination die allgemeine Urkraft, welche man das Naturleben nennt, erreicht und sich mit ihr verbindet. Dann wird diese Geisteskraft, wenn sie über jene ätherische und himmlische Kraft, durch deren Licht sie gestärkt wird, bis sie die Eigenschaften, Begriffe und wahre Wissenschaft der Dinge erlangt, ausgegossen ist, auf die Höhe ihrer Wirksamkeit gebracht, bis dahin, wo das, was der Mensch im Geiste gedacht, so hervorkommt, wie er es gedacht hat. Dann erlangt er eine solche Gewalt, daß er sich in die Seelen anderer Menschen versenken, sich mit ihnen verbinden, sich ihnen mitteilen, sie von seinen Gedanken vergewissern kann, auch durch große und entfernte Zwischenräume, und daß er vieles das Maß der Zeiten Überschreitende tun kann, als sei es ohne Zeitaufwand geschehen.

Giordano Bruno

…Jedoch werden die Erd- und Wassergeister manchmal sichtbar, wenn sie Lust dazu haben, indem sie gleich darauf verdichten und gerinnen. Auch in ruhigeren Gebieten mit sehr reiner und klarer Luft erscheinen sie. Mir widerfuhr es, daß ich sie an den Bergen Libero und Lauro sah und nicht nur mir alleine, sondern sie erscheinen häufig den dort wohnenden Leuten, denen sie manchmal feindlich gesinnt sind, wenn auch nicht sehr. Sie bringen Tiere weg und verstecken sie, um sie dann nach einigen Tagen wieder in ihren Stall zurückzuführen. In Goldminen und anderen unterirdischen Bereichen, wie in den Bergen Gebenna, ist zur Genüge bekannt und durch Erfahrung bewiesen, daß sie sehr oft Bergleuten begegnen, die sie manchmal ärgern. Bald helfen sie ihnen auch oder sagen Grubenunfälle voraus.

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… Ich selbst und viele andere haben erlebt, wenn wir dort nachts vorbeigingen, daß wir mit vielen Steinen beworfen wurden, die fast ununterbrochen hauptsächlich am Kopf und an anderen Körperteilen mit gr0ßer Wucht zerplatzten, während wir ständig unverschämt verhöhnt wurden. Niemals jedoch verletzten sie irgend jemanden, weder mich noch einen von all den anderen, die dasselbe bezeugen. An diese erinnert Psellus in seinem Buch „von den Dämonen“. Er nennt sie die Lichtscheuen, die Steinewerfenden, wobei sie doch nur die Schatten von Steinen werfen.

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… Daß es unterirdische Dämonen gibt, bestätigen nicht nur die Sinne, die Erfahrung und die Vernunft, sondern auch eine sozusagen göttliche Autorität durch das sehr weise, sehr philosophische und ungeheuer tiefsinnige Buch Hiob.

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… Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch alle Krankheiten böse Dämonen sind. Deshalb werden sie durch Gesang, Gebet, Meditieren und seelische Ekstase vertrieben sowie durch ihr Gegenteil hervorgerufen. Auch kann nicht geleugnet werden, daß bestimmte Menschen Macht über gewisse spirituelle Wesen haben, so daß durch ihre Kraft bestimmte Krankheiten geheilt werden.

→ Weitere Zitate von Giordano Bruno in der Zitadelle

 Paracelsus

Wisset, daß der Geister vielerlei sind und je einer anders als der ander. Dann sind es Spiritus coelestes, Spiritus infernales, Spiritus humani, Spiritus ignis, Spiritus aeris, Spiritus acquae, Spiritus terrae, usw,. Und die Spirtus coelestes sind die Engel und die besten Geister, die Spiritus infernales sind die Teufel, die Spiritus humai sind der abgestorbenen Menschen Geister, die Spiritus ignis sind die Salamander, die Spiritus aquatici sind die Nymphae, die Spiritus terrae sind die Sylphes Pygmaei.

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Was können die Engel? Alle Ding: Dann in ihnen ist alle Weißheit Gottes und alle Kunst Gottes. Nun seind die Künst Gottes bey den Engeln all, und alle dermaßen auff der Erden. Die Engel sind lautter und rein, darumb so seind sie erweckt, ohne allen Schlaff: Der Mensch hatt den Leib, er schlafft, darumb so muß man ihn erwecken, auff daß er komm in die Weisheit der Engel.

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Der Spiritus hominis kan die Kunst offenbaren und lernen den Magum, der ihm in seinen Schlaff kan erscheinen machen, daß er ihm geistlich im Schlaff solches anzeiget und lehret. Also handlet nun Geist mit Geist. Das ist nun die höchste und fürnehmste Concordanz, die geschehen mag in der ganzen Magica.

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Es beweißt sich im Licht der Natur, daß ein jegliches Geschöpff, empfindliches oder unempfindliches, mit einem Natürlichen Geist begabet ist; nit allein die gewachsenen Ding, sondern auch die bleibenden… Wie kein Schatten sein mag ohne ein Corpus, und kein Corpus ohne ein Schatten; Also mag auch nichts sein, das da ist in den Elementen, es habe einen solchen Schattengeist, das ist Visio, und ein Schatten vom selbigen, ein Schein wie in einem Spiegel.

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Der Mensch hat zween Leib, den elementischen und einen syderischen, und die zween Leib geben einen einigen Menschen.

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Wisset, daß des Menschen Fürsichtigkeit zukünftige Dinge weiß und aus geschehenen Dingen das Vergangene und auch das Gegenwärtige. Dabei auch, so ist der Mensch hochbegabt in der Natur, die er in der Empfängniß in die Welt gebracht hat, daß er weiß und sieht, wie es geht seinem Nächsten, seinem Freund in fremden Landen. Das beweist uns die große Gabal. Dieweil nun das im Menschen so ist, so wisset, daß der Traum in der Gabal spielt, und was der Traum anzeiget, das ist ein Schatten solcher Weisheit und Fürsichtigkeit des Menschen. Und wiewohl es ist, daß der Mensch, so er wachet, von solchen Dingen nichts weiß: Ursach, daß er nicht suchet, was ihm Gott gegeben hat, alle Kunst, Weisheit, Vernunft und aller Ding Wissen, Zukünftiges und Fremdes in andern Landen. Wir aber kennen das nicht, was in uns ist, denn wir waren in zeitlichen Dingen; damit verschlafen wir das, was in uns ist. Ein jeglicher hat alle Kunst in ihm und Weisheit als wohl der andere, der aber das nicht siehet, was in ihm ist, der sage nicht, daß derselbige mehr Grund habe als du, du hast’s in dir sowohl als er, du hast’s nur nicht gesucht.

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Schlafen ist solcher Künste Wachen. Denn das ist das Licht der Natur, welches im Schlafe arbeitet, und ist der unsichtbare Mensch und ist doch geboren wie der sichtbare und ist natürlich; mehr aber ist ihm wissend, denn dem Fleisch ist zu wissen.

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So ist also auch zu wissen, daß die Auguria der Vögel von diesen angeborenen Geistern sind, als die Hahnen, die da krähen zukünftig Wetter, und die Pfauen ihres Herrn Tod und anderes mehr. Dies alles ist aus dem angeborenen Geist und ist das Licht der Natur. So es im Tiere ist und ist natürlich, so hat es auch der Mensch in ihm und mit sich auf die Welt gebracht. Diese Ding die die Vögel auch verkündigen, präsagiert auch der Schlaf, denn es ist der Traumgeist, der da ist der unsichtbare Leib der Natur. In dem zu wissen ist, so ein Mensch weissaget, so redt er nicht aus dem Teufel, nicht aus dem Satan, nicht aus dem heiligen Geiste, sondern er redt aus angeborener Natur des unsichtbaren Lebens.

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Euch ist zu wissen, daß im Leib ein Geist ist; und gedenkt, zu was er gut sei: derselbige Geist im Menschen ist wesentlich und sichtlich, greiflich und empfindlich den andern Geistern, und gegen einander zu rechnen sind sie einander verwandt als ein Körper dem andern, also ich habe einen Geist, der Andre hat auch einen Geist; die Geister kennen einander als ich und der Andre; sie üben ihre Sprach miteinander wie wir, aber anders als unsere Red, sondern was sie wollen. Auf das merket, daß es möglich ist, daß die zween Geister einen Zorn tragen auf einander und einer den andern verletzt, gleich wie ein Mensch den andern. Dieselbige Verletzung ist im Geist, der Geist im Leib; nun leidet der Leib und ist krank, nicht materialisch aus materialischem Ens, sondern aus dem Geist.

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Also merket, daß die den vollkommenen Willen haben und verhängen, die gebären in ihnen den wesentlichen Geist und einen gerechten Geist; derselbige wird nicht gegeben oder verordnet dem Menschen aus dem Himmel, er macht ihn aus ihm selbst; wie ein Feuer aus dem Kiesling gemacht wird, also wird durch den Willen dieser Geist auch gemacht.

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Wie nun das also geschieht, daß der Geist dem Leib Krankheit zufügt, das sollt ihr also verstehn: Zween Weg legen wir euch für; der eine ist, wenn die Geister einander selbst verletzen ohne den Willen der Menschen, ohne ihre Gedanken, durch ihren Neid oder anders, so sie zusammentragen usw., aber den andern Weg, dadurch die Geister uns Krankheiten zufügen, wollen wir euch erklären. Anfänglich melden wir das also, daß durch unsre Gedanken und durch unsern Sinn und Willen, die da zusammen vollkommen geschehen, und in uns ein vollkommener Wille beschlossen wird, also, daß wir endlich uns verwilligen und begehren in den Willen, einem andern zu schaden zu sein an seinem Leib. Dieser beschlossene Will und verhängter ist eine Mutter, die da gebieret den Geist.

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So ich begehrend bin eines vollkommenen Willen zu schaden einem andern: nun dieser Will ist ein Geschöpf von mir im Geist, daß mein Geist darnach handelt nach meinem Gefallen wider dessen Geist, den ich meine und nicht wider seinen Leib, sondern allein gegen seinen Geist und schädiget denselbigen Geist: derselbige leidet und duldet im Leib und im Leib wird’s empfunden und ist nit außer dem Leib noch in dem Leib materialisch. Aber hinwider, so stehet ein freier Kampf da zwischen den zween Geistern, welcher überwindet, der trägt’s. Daß aber mein Widersacher unterliegt, das ursacht, daß er des Gemüths wider mich nicht also inbrünstig verfaßt ist als ich wider ihn: wo er aber des Kampfes so hitzig ist in Anzündung des Geistes, alsdann lieg ich unter, so er mehr Hitzigkeit wider mich hat.

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So ich in meinem Willen eine Feindschaft trag wider einen Andern, so muß die Feindschaft verbracht werden durch ein Medium, das ist durch ein Corpus. Also ist es möglich, daß mein Geist, ohne meines Leibes Hülf durch mein Schwert, einen Andern erstech oder verwunde durch mein inbrünstig Begehren.

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Desgleichen sollt ihr auch merken, daß viel von Geistern krank liegen des Willens, die nit durch Figuren, Bilder und dergleichen Media geschehen. Als die unwissenden Leute dieses Wegs und ist doch der Wille in ihnen also groß, daß er den Geist eines Andern entzündet und kränket. Dasselbige geschieht durch das Medium ihres Schlafs, also, daß sie schlafen, so werdn ihre Träume an den Andern vollbracht und erfüllt. Also daß ein Geist den andern Geist im Schlaf zu dir bringt und dann im Schlaf unwissend, als im Traum, denselbigen durch dich selbst verletzet und dann durch das Medium eines Wortes, das dir im Schlafe ausgehet ohne dein Wissen.

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Das sollten wir wissen, daß wir durch den Glauben und unsre kräftige Imagination allein eines jeglichen Menschen Geist in ein Bild mögen bringen. Man bedarf keiner Beschwörung, und die Ceremonien, Zirkelmachen, Rauchwerk usw sind lauter Affenspiel und Verführung. Es ist ein groß Ding um des Menschen Gemüth, daß es niemand möglich ist auszusprechen; wie Gott ewig ist und unvergänglich, also auch das Gemüth des Menschen. Wenn wir Menschen das Gemüth recht kennten, so wäre uns nichts unmöglich auf Erden. Die Imagination wird bekräftiget und vollendet durch den Glauben, daß es wahrhaftig geschehe, denn jeder Zweifel bricht das Werk. Glaube soll die Imagination bestätigen, denn Glaube beschleußt den Willen. Daß der Mensch nicht perfekt imaginiert und glaubt, das macht, daß die Künste ungewiß sind, so doch ganz gewiß sein mögen.

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Alles Imaginiern des Menschen kommt aus dem Herzen, und dieses ist seine Sonne im Mikrokosmus, und aus dem Mikrokosmus geht die Imagination hinaus in die große Welt. So ist die Imagination des Menschen ein Samen, welcher materialisch wird. Die strenge Imagination ist auch der Anfang aller magischen Werke. Also ist auch mein Gedanke ein Zusehen auf eine Zweck. Ich darf das Auge nicht dahin kehren mit den Händen, sondern meine Imagination kehret es dahin, wohin ich begehre. Die strenge Imagination eines andern wider mich mag mich tödten. Die Imagination ist aus der Lust und Begierde. Daraus folgt Neid und Haß; aus der Lust folget also das Werk. Also kann ein Fluch wahr werden, wenn er von Herzen geht, also auch Vater- und Mutterflüche gehen von Herzen. Und wenn einer einen andern lähmen oder erstechen will, so muß er das Instrument erst in sich attrahieren, dann mag er’s imprimieren; denn was hineinkommt, das wird auch wieder hinausgehen durch den Gedanken, als ob’s mit Händen geschähe. Die Magica ist eine große verborgene Weisheit, so die Vernunft eine öffentliche große Torheit ist.

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Darum sollen wir wissen, was die Alten im Alten Testament, so in der ersten Generation gewesen, durch ihre Ceremonien und Conjurationes erlangt und zuwege gebracht haben, sollen wir Christen, so in der andern Generation sind, die Neuen im Neuen Testament, durch das Gebet, das ist durch Anklopfen im Glauben, alles erlangen. In diesen drei Hauptpunkten stehet all unser Grund der magischen und kabbalistischen Kunst, dadurch wir alles, so wir begehren und wünschen, mögen erlangen und zu Wege bringen.

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Darum merket, daß wir durch unseren Glauben zu Geistern werden, und was wir über die irdische Natur handeln, ist der Glaube, der zu einem Geiste durch uns wirket.

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Nun ist nicht zu verwundern, daß die Geister das tun verhänget in Gott, sie wären gar bei uns, damit sie uns dahin brächten, daß wir auf sie recht halten und Gottes vergessen. Darum so reißen’s solch Zoten und solch Figuren, daß mit ihnen die Kurzweil vertrieben wird und nicht mit Gott. Und so wir sehen was es ist, alles das wir sehen, so da Jahr umkommt, so ist es eitel Lumpenwerk ohne Nutz und ohne Frucht, Verderbung an Leib und an der Seele, an der Gesundheit, an Gut, an Leib und Ehre, und nichts als eine Verführung und Betrug und Künste, die auf Lügen gegründet sein.

Johann Baptist von Helmont

Der äußere Mensch ist Tier, allein deswegen doch das wahre Bild Gottes. Wenn daher Gott durch das Wort oder den Wink handelt, so muß es auch der Mensch können, wenn er den Geist Gottes und nicht ein müßiges Wesen darstellen soll; und nennen wir dies nun magische Kraft, so kann nur der Ungebildete über das Wort erschrecken; nenne es, wenn du lieber willst, geistige Stärke. Jene magische Kraft liegt im Innern des Menschen verborgen; sie schläft und waltet wie betrunken in uns; sie ist durch die Sünde schlafen gegangen, daher soll sie wieder erweckt werden; denn Im Innern, im Reich der Seele, ist das Reich Gottes und die verborgene geheime Kraft, bloß durch den Willen und Wink außer sich zu wirken und auch andern diese Kraft einzuprägen, die auf die entferntesten Gegenstände wirkt, was ich als ein großes Geheimnis zu offenbaren bisher vermieden habe.

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Wenn also diese eigentümliche Kraft des Menschen als eine natürliche erwiesen ist, so war es abgeschmackt bisher zu glauben, daß der Teufel hierbei sein Spiel treibe. Öffnet doch die Augen: der Teufel ist bisher in eurer ungeheuren Unwissenheit in großem Ruhm gestanden, in dem ihr ihm sozusagen den Weihrauch des Ruhmes dargebracht, euch aber der natürlichen Würde wieder Augen beraubet, um selbige dem Teufel darzubringen.

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Der menschliche Wille ist aber das Erste und Höchste aller Kräfte, er ist die Grundursache aller Bewegungen, denn durch die Kraft des Willens des Schöpfers wurde alles gemacht, und dieser Wille ist Eigentum aller geistigen Wesen, bei denen jene durch Gegenwirkungen mehr oder weniger beschränkt werden können; wo die Kraft größer, bei dem Einwirkenden oder bei dem Widerstand, da wird sich die Einwirkung mit oder ohne Erfolg zeigen. Die im Menschen verborgene Kraft ist eine gewisse ekstatische Macht, die nicht wirkt, wenn sie nicht durch die durch glühendes Verlangen entzündete Einbildungskraft geweckt wird; sie ist eine geistige Kraft, die nicht vom Himmel herkommt, noch viel weniger von der Hölle, sondern allein von dem Menschen selbst, wie das Feuer aus dem Kiesel.

Jakob Böhme

Vom übersinnlichen Leben

Der Jünger sprach zum Meister: Wie mag ich kommen zu dem Über-Sinnlichen Leben, daß ich Gott sehe und höre reden?

Der Meister sprach: Wenn du dich magst ein Augenblick in das schwingen, da keine Creatur wohnet, so hörest du, was Gott redet.

Der Jünger sprach: Ist das nahe oder ferne?

Der Meister sprach: Es ist in dir, und so du magst eine Stunde schweigen von allen deinen Wollen und Sinnen, so wirst du unaussprechliche Worte Gottes hören.

Der Jünger sprach: Wie mag ich hören, so ich von Sinnen und Wollen stille stehe?

Der Meister sprach: Wann du von Sinnen und Willen deiner Selbheit stille stehest, so wird in dir das ewige Hören, Sehen und Sprechen offenbahr und höret und siehet Gott durch dich; dein eigen Hören, Wollen und Sehen verhindert dich, daß du Gott nicht sehest und hörest.

Der Jünger sprach: Womit soll ich Gott hören und sehen, so er über Natur und Creatur ist?

Der Meister sprach: Wann du stille schweigest, so bist du das, was Gott von Natur und Creatur war, daraus deine Natur und Creatur machete: So hörest und siehest du es mit deme, damit Gott in dir sahe und hörete, ehe dein Wollen, Sehen und Hören anfing.

Der Jünger sprach: Was hällt mich denn auff, daß ich nicht dahin kommen mag?

Der Meister sprach: Dein eigen Wollen, Hören und Sehen, und daß du wider das strebest, daraus, du kommen bist: mit deinem eigen Wollen brichst du dich von Gottes Wollen ab und mit deinem eigen Sehen siehest du nur dein Wollen; und dein Wollen verstopffet dir das Gehör mit Eigensinnigkeit irdischer, natürlicher Dinge und führet dich in einen Grund und überschattet dich mit deme was du willst, auff daß du nicht magst zu dem Über-Natürlichen kommen.

Der Jünger sprach: So ich in Natur stehe, wie mag ich aber durch die Natur in den Über-Sinnlichen Grund kommen ohne Zerbrechung der Natur?

Der Meister sprach: Dazu gehören drey Dinge. Das erste ist, daß du deinen Willen Gott ergebest und dich zu Grund in seine Barmherzigkeit ersenckest. Das ander ist, daß du deinen eigenen Willen hassest und nicht thust, wozu dich dein Wille treibet. Das dritte ist, daß du dich dem Kreuze unterwerffest auff daß du die Anfechtung der Natur und Creatur ertragen mögest: Und so du das thust, so wird dir Gott einsprechen und deinen gelassenen Willen in sich in den übernatürlichen Grund einführen, so wirst du hören, was der Herr in dir redet.

Der Jünger sprach: So müßte ich die Welt und mein Leben verlassen, so ich das thäte?

Der Meister sprach: So du die Welt verlässest, so kommst du in das, daraus die Welt gemacht ist.

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O du sündiges Hauß dieser Welt! Wie bistu mit der Höllen und dem Tode umfangen! Wache auff, die Stunde deiner Wiedergeburt ist vorhanden! Der Tag bricht an! Die Morgenröhte zeiget sich! O du tumme und todte Welt! Was forderst du doch Zeichen? Ist doch dein ganzer Leib erstarret. Willstu nicht vom Schlaffe auffwachen? Sieh es wird dir ein grosses Zeichen gegeben, aber du schläffest und siehest nicht.

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Denn der Geist der grossen Welt hat die Tinctur funden und blühet aus seiner Rosen im Wunder.

Leibniz an die Herzogin Sophie

über die Rosemunde von Asseburg 13./23 Oktober 1691

Madame! Ihre Hoheit hatten die besondere Gewogenheit, mich die Geschichte einer jungen Prophetin aus diesem Lande wissen zu lassen. Nun gibt es Leute, die sehr von oben herunter über sie urteilen und glauben, man sollte sie eher zur Heilung in das Bad Pyrmont schicken. Ich für meine Person aber bin überzeugt, daß all das nur natürlich ist; und es fehlt wohl nicht an verschönender Zutat bei diesem Fall mit dem in englischer Sprache geschriebenen und petschierten Zettel des Doktors Schott, dessen Fragen sie mit Sicherheit beantwortet haben soll, ohne ihn zu öffnen, weil Christus ihr die Antwort diktiert habe. Indessen bewundere ich die Natur des menschlichen Geistes, dessen Fähigkeit wir alle noch nicht kennen. Wenn man solchen Personen begegnet, muß man sie, statt sie zu schelten oder anderen Sinnes machen zu wollen, in diesem geistigen Zustand erhalten, wie man eine Rarität oder ein Kabinettstück aufbewahrt. Wir haben nur zwei Mittel, die Hervorbringungen der Einbildungskraft, unter denen ich Gesichte und Träume verstehe, von wirklichen Wahrnehmungen zu unterscheiden. Das eine ist, daß die wirklichen Wahrnehmungen mit dem allgemeinen Geschehen zusammenhängen, die Träume aber nur ungenügend; denn diejenigen, die wachen, leben in einer allgemeinen Welt, indes jeder einzelne der Träumenden eine Welt für sich hat. Das andere Mittel zu unterscheiden ist, daß die gegenwärtigen Eindrücke von wirklichen Gegenständen lebendiger und deutlicher sind als die Bilder, die nur von einem Rest vergangener Eindrücke herrühren. Jedoch kann eine Person mit sehr starker Einbildungskraft so lebendige und deutliche Erscheinungen haben, daß sie sie für Wirklichkeit hält. Zumal wenn das, was ihr erscheint, mit den Dingen der Welt, den wahren und denen die als wahr gelten, einen Zusammenhang hat. Deshalb sind die jungen Personen, die in Klöstern erzogen werden, wo sie alte Märchen von Gespenstern und Wundern hören, wenn sie eine sehr tätige Phantasie besitzen, dem ausgesetzt, solche Visionen zu haben, weil ihr Kopf voll davon ist, und ihre Gewißheit, daß die Geister oder die Wesen des Jenseits oft vertraut mit uns umgehen, erlaubt ihnen die Zweifel und Skrupel nicht, die wir anderen bei einer solchen Begegnung hätten. Das ist sogar bei den echten Propheten der Fall; denn Gott hat sichihrer Geistesart angepaßt, weil er überflüssige Wunder nicht tut. Ich denke mir zuweilen, daß Ezechiel Architektur gelernt hat, oder daß er Hofingenieur war, weil er prachtvolle Gesichte hat und schöne Bauwerke sieht. Aber ein ländlicher Prophet wie Hosea oder Amos sieht nur Landschaften und bäuerliche Gemälde, indes Daniel, der ein Staatsmann war, die vier Weltmonarchien bestimmt.

Das Fräulein, das Ihre Hoheit gesehen haben, kann nicht in Parallele zu diesen Propheten gebracht werden. Sie glaubt aber, daß Jesus Christus ihr erschienen sei, weil kein anderer Heiliger bei den Protestanten üblich ist. Die glühende Liebe, die sie für den Erlöser hegt, und die erregt worden ist durch Predigten und Lektüre, hat sie endlich der Gnade teilhaftig werden lassen, sein Bild sichtbar zu sehen. Denn warum soll ich dies nicht eine Gnade nennen? Ihr tut es nur wohl, sie ist dessen froh, sie hat dadurch die schönsten Empfindungen der Welt; ihre Frömmigkeit wird in jedem Augenblick davon erwärmt. Wir haben ziemlich authentische Berichte über das Martyrium der h. Perpetua und der h. Felicitas, die zur Zeit der Römer in Afrika Märtyrerinnen wurden… Ich gestehe jedoch, daß die großen Propheten, das heißt diejenigen, die uns die Zukunft genau voraussagen können im Besitz übernatürlicher Kräfte sein müssen. Und unmöglich kann dies einem beschränkten Geist glücken, so sehr er eindringen mag. Eine kleine Bagatelle kann dem Verlauf der allgemeinen Vorgänge eine andere Richtung geben. Eine eiserne Kugel, die tief genug fliegt, kann den Kopf eines geschickten Feldherrn treffen und so die Schlacht verloren gehen; ein König kann von Schildkrötenfleisch sterben, das ihm nicht bekommt. Irgendein Fürst schläft vielleicht nachts wegen der Speisen nicht, die er abends zu sich genommen hat; davon kann er mißmutig werden und einen heftigen politischen Entschluß fassen. Ein Magazin wird von einem Funken in die Luft gesprengt, und Nizza oder Belgrad werden verloren. Weder ein Teufel noch ein Engel können diese kleinen Dinge vorhersehen, die die Ursache so großer Ereignisse sind, weil nichts zu klein ist, daß es nicht aus einer großen Zahl vielfältiger, noch kleinerer Umstände hervorginge, und diese Umstände aus noch anderen und so bis ins Unendliche fort… Es gibt keine Gewißheit über die Einzelheiten irgendeines künftigen Begebnisses durch Erwägung der Ursachen oder durch Ahnung, wenn man nicht mit einem übernatürlichen Geist begabt ist.

Swedenborg

Über Gespräche mit Engeln und Geistern

Engel, welche mit einem Menschen reden, reden nicht in ihrer Sprache, sondern in der Sprache der Menschen; sowie auch in anderen Sprachen, deren der Mensch kundig ist, nicht aber in Sprachen, die ihm unbekannt sind. Der Grund hiervon ist, weil die Engel, wenn sie mit dem Menschen reden, sich gegen ihn wenden und so sich mit ihm verbinden; und die Verbindung des Engels mit dem Menschen bewirkt, daß beide gleichen Denkens sind; und weil des Menschen Denken mit seinem Gedächtnis zusammenhängt und aus letzterem seine Rede hervorgeht, so sind beide auch in derselben Sprache: überdies wird ein Engel oder Geist, wenn sie zu einem Menschen kommen, und mittelst Hinwendung gegen ihn mit ihm verbunden werden, in dessen ganzes Gedächtnis hinein versetzt, in der Art, daß sie kaum anderes wissen, als daß sie aus sich wissen, was der Mensch weiß; so denn auch seine Sprachen. Ich sprach hierüber mit Engeln und sagte: sie meinten vielleicht, daß sie mit mir in meiner Muttersprache sprächen ( weil es so vernommen wird), und doch seien nicht sie es, die sprächen, sondern ich; was der Umstand erweise, daß die Engel nicht ein Wort aussprechen könnten aus einer menschlichen Sprache; (zudem ist die menschliche Sprache eine naturgemäßige, sie aber sind geistig; und Geistige vermögen nichts in naturgemäßer Sprache vorzubringen); sie entgegneten, es sei ihnen bekannt, daß ihre Verbindung mit dem Menschen, zu dem sie sprechen, mit dessen geistigem Denken geschehe, weil aber dieses in sein naturgemäßiges Denken einfließe und letzteres mit seinem Gedächtnis zusammenhänge, so erscheine die Sprache des Menschen ihnen als die ihrige und ebenso all sein Wissen, und dies geschehe darum, weil es dem Herrn gefallen habe, daß eine solche Verbindung und gleichsam Einfügung des Himmels in den Menschen bestehe; es sei aber in letzter Zeit der Zustand des Menschen dahin verändert, daß eine solche Verbindung nicht mehr mit den Engeln, sondern mit Geistern bestehe, die nicht im Himmel sind. Auch mit Geistern sprach ich über diese Erscheinung, die aber wollten nicht glauben, daß der Mensch rede, sondern sie sprächen im Menschen, meinten sie; auch wisse der Mensch, was er wisse, nicht selbst, sondern sie wüßten es, und also sei alles menschliche Wissen von ihnen; meine Bemühung, sie vom Gegenteil zu überzeugen, war umsonst.

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Daß die Engel und Geister sich in so enger Weise mit dem Menschen verbinden, bis zu dem Punkte, daß sie nichts anderes wissen, als daß, was dem Menschen angehört, das Ihrige sein, liegt auch darin, weil die geistige und die naturmäßige Welt sich bei dem Menschen so verknüpfen, daß sie gleichsam eines sind: weil jedoch der Mensch sich vom Himmel getrennt hatte, so ist vom Herrn Vorsehung geschehen, daß bei jeglichem Menschen Engel und Geister seien, und daß der Mensch durch sie vom Herrn geleitet werde, um deswillen besteht eine so enge Verbindung. Ein andres wäre gewesen, wenn der Mensch sich nicht losgetrennt hätte, dann hätte er nämlich, ohne Zugesellung von Geistern und Engeln, mittelst des gemeinsamen Einfließens durch den Himmel vom Herrn können geleitet werden.

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Ich sprach mit Engeln über die Verknüpfung des Himmels mit dem Menschengeschlechte und sagte: die Menschen, welche zur Kirche gehören, sprächen zwar, alles Gute komme von Gott, und es wohnten Engel bei den Menschen, wenige jedoch glauben wirklich, daß Engel mit dem Menschen verknüpft seien: hierauf erwiderten die Engel, sie wüßten, daß ein solcher Glaube und selbst solche Reden sich finden, und zumeist innerhalb der Kirche; sie wunderten sich dessen, da doch in der Kirche das Wort sei, welches vom Himmel und über die Verbindung desselben mit dem Menschen Kunde gebe; sei doch die Verbindung so innig, daß der Mensch reinhin nichts denken könne ohne die ihm zugestellten Geister; und es sei durch sie sein geistiges Leben bedingt; der Grund dieser Urkunde, sagten sie, sei der, daß der Mensch durch sich selbst und ohne Verband mit dem Ur-Sein des Lebens zu leben meine und nicht wisse, daß jener Verband durch den Himmel vermittelt werde; indes doch der Mensch, wenn jener Verband sich löste, entseelt niederfiele.

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Die Rede eines Engels oder Geistes mit einem Menschen wird ebenso vernehmlich gehört als die Rede von Mensch zu Mensch, sie wird aber nicht von denen vernommen, die neben diesen stehen, sondern bloß von ihm selbst; der Grund ist, weil die Rede eines Engels oder Geistes zuerst in das Denken des Menschen einfließt und auf innerem Weg in sein Gehörwerkzeug und so das letztere von innen heraus anregt; indes die Rede von Mensch mit Mensch erst auf die Luft und so auf äußerem Weg auf das Gehörwerkzeug einwirkt und letzteres dann von außen herein anregt.

Karl Phillip Moritz

Zum ersten Male habe ich heute die unaussprechliche Seligkeit empfunden, mich außer mich selbst zu sehen.–

Ich sah mich in einem Winkel der Stube sitzen und schreiben, das Licht mir näherrücken und den Schirm vorschieben.–

Ich war ein Gott in dem Augenblick, – ich hätte mich können sterben sehen– hätte meinen Leib zu Asche verbrennen sehen- und gelächelt. -Ich untersuchte meine Gesichtszüge; und fand mürrischen Ernst mit Bitterkeit vermischt darin.

Dann sahe ich mein Auge aich allmählich erheitern, – und wo war ich, da ich dies sahe?- Wo?– ich hatte keinen Gedanken mehr für das W0- ich war nirgend und doch allenthalben.- Ich fühlte mich aus der Reihe der Dinge herausgedrängt und bedurfte des Raumes nicht mehr.

Nun fühl‘ ich mich wieder eingekerkert in dies Eierhaus, in diese zerbrechliche Hütte von Leimen.

Süße Freiheitsstunde, wann erscheinst du wieder?

Lichtenberg

Notiz aus dem Nachlass

Ich lag einmal in meiner Jugend des Abends um elf Uhr im Bette und wachte ganz hell, denn ich hatte mich eben erst niedergelegt. Auf einmal wandelte mich eine Angst wegen Feuer an, die ich kaum bändigen konnte, und mich dünkte, ich fühlte eine immer mehr zunehmende Wärme an den Füßen, wie von einem nahen Feuer. In dem Augenblick fing die Sturmglocke an zu schlagen, und es brannte, aber nicht in meiner Stube, sondern in einem ziemlich entfernten Hause. Diese Bemerkung habe ich, soviel ich mich jetzt erinnern kann, nie erzählt, weil ich mir nicht die Mühe geben wollte, sie durch Versicherungen gegen das Lächerliche, das sie zu haben scheint, und mich gegen die philosophische Herabsetzung mancher der Gegenwärtigen zu schützen.

Herder

Wir sind nicht allein

Wir glauben allein zu sein und sind’s nie: wir sind mit uns selbst nicht allein; die Geister anderer abgelebter Schatten, alter Dämonen, oder unserer Erzieher, Freunde, Feinde, Bildner, Mißbildner und tausend zudringender Gesellen wirken in uns. Wir können nicht umhin, ihre Gesichte zu sehen, ihre Stimmen zu hören; selbst die Krämpfe ihrer Mißgestalten gehen in uns über. Wohl ihm, dem das Schicksal ein Elysium und keinen Tartarus zum Himmel seiner Gedanken, zur Region seiner Empfindungen, Grundsätze und Handlungsweisen anwies; sein Gemüt ist in einer fröhlichen Unsterblichkeit gegründet.

Johann Georg Hamann

Die Geisterwelt

Alle Werke Gottes sind Zeichen und Ausdrücke seiner Eigenschaften; und so, scheint es, ist die ganze körperliche Natur ein Ausdruck, ein Gleichnis der Geisterwelt. Alle endliche Geschöpfe sind nur imstande, die Wahrheit und das Wesen der Dinge in Gleichnissen zu sehen.

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Unsichtbare Winke sind meinen Augen schätzbarer und gewisser als die sinnlichsten Grundsätze und der Leitfaden der Vorsehung ein treuer Wegweiser als die Größe des Haufens, der vorgeht und nachfolgt.

 Jean Paul

Das Geisterreich

… Ja, es wird, kann man sagen, sobald man nur einmal einen Menschengeist mit einem Menschenkörper annimmt, dadurch das ganze Geisterreich, der Hintergrund der Natur mit allen Berührkräften gesetzt; ein fremder Äther weht alsdann, vor welchem die Darmsaiten der Erde zittern und harmonieren. Ist eine Harmonie zwischen Leib und Seele, Erden und Geistern zugelassen, dann muß, ungeachtet oder mittelst der körperlichen Gesetze, der geistige Gesetzgeber ebenso am Weltall sich offenbaren, als der Leib die Seele und sich zugleich ausspricht; und das abergläubige Irren besteht nur darin, daß wir diese geistige Mimik des Universums, wie ein Kind die elterliche, erstlich ganz zu verstehen wähnen und zweitens ganz auf uns allein beziehen wollen. Eigentlich ist jede Begebenheit seine Weissagung und eine Geistererscheinung aber nicht für uns allein, sondern für das All; und wir können sie darum nicht deuten.

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Erscheinungen von Verstorbenen und Sterbenden

Unter allen Erscheinungen von Verstorbenen sind die von eben Verstorbenen oder von Sterbenden am schwersten rein abzuleugnen. Der Tote der Stunde trägt gleichsam noch Erdenstaub genug in sich, um damit noch einmal im Sonnenstrahle des Lebens vor einem geliebten Auge zu spielen. Über Geistererscheinungen wurde bisher noch nicht mit rechter Religion und Freiheit geurteilt, und am wenigsten können gegen sie sowie gegen den tierischen Magnetismus negative Erfahrungen entscheiden, die eben darum keine sind. Mich besticht jeder Gebildete, der Geistererscheinungen glaubt, weil er mich an die religiöse deutsche Zeit erinnert, wo man sie ebenso glaubte als aushielt.

Eckartshausen

Das magische Experiment

Einige Zeit nach der Abreise des Fremden machte ich selbst dies Experiment für einen meiner Freunde. Er sah auf die nämliche Art und hatte die nämliche Fühlung.

Die Beobachtung, die wir machten, war diese: Sobald der Rauch in die Kohlenpfanne geworfen wird, bildet sich ein weißlicher Körper, der über der Kohlenpfanne in Lebensgröße zu schweben scheint. Er besitzt die Ähnlichkeit mit der zu sehenden Person; nur ist das Gesicht aschfarbig. Wenn man sich der Gestalt nähert, so fühlt man einen Gegendruck, so etwa, als wenn man gegen einen starken Wind ginge, der einen zurückstößt. Spricht man damit, so erinnert man sich des Gesprochenen nicht mehr deutlich; und wenn die Erscheinung verschwindet, so fühlt man sich, als erwachte man asu einem Traum. Der Kopf ist betäubt. Überhaupt fühlt man ein Zusammenziehen im Unterleibe; auch ist sehr sonderlich, daß man die nämliche Erscheinung wieder ansichtig wird, wenn man im Dunkeln ist oder aus dunklen Körpern sieht.

Die Unannehmlichkeit dieser Sensation war die Ursache, daß ich diese Erscheinung, so sehr oft manche in mich drangen, nicht gern machte. Ein junger Kavalier kam einmal zu mir und wollte mit aller Gewalt diese Erscheinung sehen. Da er ein Mensch von feinem Nervenbau und von sehr lebhafter Einbildungskraft war, nahm ich umso mehr Bedenken und zog einen sehr erfahrenen Arzt zu Rate, dem ich das ganze Geheimnis entdeckte. Dieser behauptete, daß die in dem Rauch befindlichen narkotischen Ingredienzien die Phantasie in heftige Bewegung bringen müssen und nach Gestalt der Umstände sehr schädlich sein könnten; auch glaubte er, daß die vorgeschriebene Zubereitung sehr vieles zur Imagination beitrage, und sagte mir, ich sollte einmal in sehr kleiner Dosis für mich ganz ohne Zubereitung den Versuch machen. Ich tat es eines Tages nach der Mahlzeit, da eben der Medicus bei mir zu Mittag aß. Kaum aber war die Dosis Rauch in die Kohlenpfanne geworfen, als sich zwar eine Gestalt präsentierte; allein eine Angst, der ich nicht mächtig war, überfiel mich, und ich mußte sogleich dieses Zimmer verlassen. Ich befand mich gegen drei Stunden sehr übel und glaubte immer die Gestalt vor mir zu sehen. Durch den Geruch vielen Weinessigs, den ich schnupfte und mit Wasser trank, wurde mir abends wieder besser. Aber ich fühlte doch gegen drei Wochen eine Entkräftigung, und das Sonderbarste dabei ist, daß, wenn ich mich noch dieses Auftritts erinnere und auf einen dunklen Körper etwas lang hinsehe, sich dieses aschengraue Bild meiner Augen noch ganz lebhaft darstellt. Seit dieser Zeit wagte ich es nun nicht mehr, weitere Versuche damit zu machen.

Der nämliche Fremde gab mir noch einen anderen Rauch, er behauptete, daß, wenn man demselben Kirchhöfe des Nachts beräucherte, man eine Menge Tote sollte über den Gräben schweben sehen. Da diese Räucherung aus noch viel heftigeren narkotischen Ingredienzien besteht, so wagte ich niemals diesen Versuch.

Sei die Sache nun, wie sie immer wollte, so bleibt sie doch auffallend und verdient, von Physikern untersucht zu werden. Ich holte bereits von verschiedenen Gelehrten und Freunden ihre Meinung darüber ein, vor denen ich auch der Ingredienzien halber kein Geheimnis mache; nur öffentlich sie bekannt zu machen, finde ich nicht ratsam.

Bettina von Arnim an Goethe

Dein Großvater war ein Träumender und Traumdeuter, es ward ihm vieles über seine Familie offenbar, einmal sagte er einen großen Brand, dann die unvermutete Ankunft des Kaisers voraus; dieses war zwar nicht beachtet worden, doch hatte es sich in der Stadt verbreitet und erregte allgemeines Staunen, da es eintraf. Heimlich vertraute er seiner Frau, ihm habe geträumt, daß einer der Schöffen ihm sehr verbindlicherweise seinen Platz angeboten habe; nicht lange darauf starb dieser am Schlag, seine Stelle wurde durch die goldne Kugel Deinem Großvater zuteil. …

Diese Traumgabe schien auf die eine Schwester fortgeerbt zu haben, denn gleich nach Deines Großvaters Tod, da man in Verlegenheit war, das Testament zu finden, träumte ihr, es sei zwischen zwei Brettchen, im Pult des Vaters, zu finden, die durch ein geheimes Schloß verbunden waren, man untersuchte das Pult und fand alles richtig…

Goethe an Lavater, 14.11.1781

…Ich bin geneigter als jemand noch eine Welt außer der sichtbaren zu glauben und ich habe Dichtungs- und Lebenskraft genug, sogar mein eigenes beschränktes Selbst zu einem Schwedenborgischen Geisteruniversum erweitert zu fühlen …

Goethe an Schiller ( 8.11.1798)

Der astrologische Aberglaube ruht auf dem dunklen Gefühl eines ungeheuren Weltganzen. Ich möchte ihn nicht einmal Aberglauben nennen, er liegt in unserer Natur so nahe, ist so leidlich und läßlich als irgend ein Glaube.

Goethe zu Falk (1813)

Der Mensch ist das erste Gespräch, das die Natur mit Gott hält. Auf einem andern Planeten wird das Gespräch höher, tiefer, verständiger gehalten sein.

 Goethe zum Kanzler v. Müller (1821)

So war ich stets und werde es bleiben, solange ich lebe, und darüber hinaus hoffe ich auch noch auf die Sterne; ich habe mir so einige ausersehen, auf denen ich meine Späße noch fortzutreiben gedenke.

 Goethe zu Eckermann (1827)

Dieses Ihr Knabenereignis (ein Traum von einem Vogel) ist allerdings höchst merkwürdig. Aber dergleichen liegt sehr wohl in der Natur, wenn wir auch dazu noch nicht den rechten Schlüssel haben. Wir wandeln alle in Geheimnissen. Wir sind von einer Atmosphäre umgeben, von der wir noch gar nicht wissen, was sich alles in ihr regt und wie es mit unserem Geiste in Verbindung steht. So viel ist wohl gewiß, daß in besonderen Zuständen die Fühlfäden unserer Seele über ihre körperlichen Grenzen hinausreichen können und ihr ein Vorgefühl, ja auch ein wirklicher Blick in die nächste Zukunft gestattet ist…

Wie gesagt, wir tappen alle in Geheimnissen und Wundern. Wir haben alle etwas von elektrischen und magnetischen Kräften in uns und üben, wie der Magnet selber, eine anziehende und abstoßende Gewalt aus, je nachdem wir mit etwas Gleichem oder Ungleichem in Berührung kommen…

Unter Liebenden ist diese magnetische Kraft besonders stark und wirkt sogar sehr in der Ferne. Ich habe in meinen Jünglingsjahren Fälle genug erlebt, wo auf einsamen Spaziergängen ein mächtiges Verlangen nach einem geliebten Mädchen mich überfiel und ich so lange an sie dachte, bis sie mir wirklich entgegen kam.

Goethe

Gott hat sich nach den bekannten imaginierten sechs Schöpfungstagen keineswegs zur Ruhe begeben, vielmehr ist er noch fortwährend wirksam, wie am ersten. Diese plumpe Welt aus einfachen Elementen zusammenzusetzen und sie jahraus, jahrein in den Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte ihm sicher wenig Spaß gemacht, wenn er nicht den Plan gehabt hätte, sich auf dieser materiellen Unterlage eine Pflanzschule für eine Welt von Geistern zu gründen.

Lessing

Der Geisterglaube

Wir glauben keine Gespenster mehr? Wer sagt das? Oder vielmehr: was heißt das? Heißt es so viel: wir sind endlich in unsern Einsichten so weit gekommen, daß wir die Unmöglichkeit davon erweisen können; gewisse unumstößliche Wahrheiten, die mit dem Glauben an Gespenster im Widerspruch stehen, sind so allgemein bekannt geworden, sind auch dem gemeinsten Manne immer und beständig so gegenwärtig, daß ihm alles, was damit streitet, notwendig lächerlich und abgeschmackt vorkommen muß? Das kann es nicht heißen. Wir glauben itzt keine Gespenster, kann also nur soviel heißen: in dieser Sache, über die sich fast ebensoviel dafür als darwider sagen läßt, die nicht entschieden ist und nicht entschieden werden kann, hat die gegenwärtig herrschende Art zu denken den Gründen darwider das Übergewicht gegeben; einige wenige haben diese Art zu denken, und viele wollen sie zu haben scheinen; diese machen das Geschrei und geben den Ton; der größte Haufe schweigt und verhält sich gleichgültig und denkt bald so, bald anders, hört bei hellem Tage mit Vergnügen über die Gespenster spotten und bei dunkler Nacht mit Grausen davon erzählen…

Der Same, sie zu glauben, liegt in uns allen.