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aus unserer Zitadelle:

Zitate von Giordano Bruno

Der Naturphilosoph Giordano Bruno wurde im Jahre 1600 von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt, das versteht sich ja von selbst

„Es gibt nichts Unerträglicheres, als ein in hochmütiger Willkür habsüchtiges und bäurisches Herrschergeschlecht, welches die Macht besitzt, die Rechte für sich nach Gutdünken zu erfinden. Welches dann glaubt, den Himmel zu berühren, wenn es eher dabei ist, das Recht und was immer vor Tugend und Vornehmheit leuchtet, ungestraft mit Füßen zu treten.

Die Natur ist Gott in allen Dingen. Was ist denn die Natur anderes als die göttliche Macht, welche die Materie antreibt; die allem (Sein) eingeprägte und ewige Ordnung? Das Göttliche ist das Unendliche im Unendlichen, die Allgegenwart in allem, nicht über dem Universum oder außerhalb desselben, sondern auf höchste Weise in allem anwesend, allem immanent, so wie die Einheit nicht außerhalb des Seienden oder über dem Seienden und die Natur nicht außerhalb der natürlichen Dinge ist. Der Geist, der all dies umfasst, ist das Göttliche. Der Geist, welcher allem innewohnt, ist die Natur.

… Alle spirituelle Substanz wird auf eine Einzige zurückgeführt und alle materielle auf drei. Die Seele ist eins, ihr Gott und der höchste Geist sind eins über allem, und die Seele des Universums ist eine einzige.

… Sodann kann eine Ursache geglaubt und in Betracht gezogen werden, durch die es möglich ist, nicht nur auf das für unsere Sinne Nahe, sondern auch auf das Ferne einzuwirken, und zwar dem Wesen nach, … durch Teilhabe an der universalen Spiritualität, die als Ganzes im Ganzen und in jedem beliebigen Teil der Welt ist. Wie verschiedene Lichter zugleich im selben Raum zusammenfließen, ist es daher möglich, und geschieht auch so, daß eine endliche oder auch unendliche Anzahl von verschiedenen Seelen im Universum vereint werden.

… Zuletzt muß bekräftigt werden und in Erinnerung behalten werden, daß alles von Spiritualität, von Seele, von göttlichem Willen, von Gott oder von göttlichem Wesen erfüllt ist, und daß sowohl das Bewußtsein als auch die Seele überall als Ganzes vorhanden sind, jedoch nicht überall alles bewirken.

… Wie dasselbe Urbild oder das Licht in jedem einzelnen Teilchen der Materie als Ganzes widergespiegelt wird, so wird es auch als Ganzes von der ganzen Materie widergespiegelt. Dies kann bei einem großen Spiegel betrachtet werden, der ein einziges Bild eines Dinges wiedergibt, und wenn er in tausend Splitter zerbrochen wurde, trotzdem in jedem Splitter das ganze Bild wiederherstellt und zurückwirft.

… Aus diesem Grund sagen die Philosophen, daß es dem Urzustand entsprechend eine einzige Materie, eine einzige Spiritualität, ein einziges Licht, eine einzige Seele und ein einziges Bewußtsein gibt.

… Wer immer durch etwas Schönes gebannt wird, der wird bezwungen, weil es für ihn schön ist, nicht weil es für einen anderen schön oder gut ist. Hierdurch wird das Urteilsvermögen am meisten getäuscht. Richter sollten das berücksichtigen.

… Auch durch das Sehen wird die Spiritualität gebannt, da es sehr stark auf sie wirkt, wenn ringsumher die Formen immer wieder auf andere Weise vor Augen stehen. … Es gibt andere, Üblere (Empfindungen), die auch der Seele oder dem Körper über die Augen Eindrücke aufdrängen, aber nicht sichtbar, so daß man es nicht bemerken kann. Sie bewegen sich jedoch äußerst wirkungsvoll durch etwas in uns, nämlich durch unsere vielfältige Seele und Spiritualität. Denn obwohl eine einzige Seele im ganzen Körper herrscht, und vor allem einer einzigen Seele alle Körperteile unterstehen, muß doch, da ja durch die ganze Spiritualität das Ganze und durch die ganze Seele auch alle Teile belebt werden, der Grund für viele spirituelle Einwirkungen auf etwas anderes zurückgeführt werden, auf etwas, das in uns erkennt und lebt, und das von Dingen angerührt und aus der Fassung gebracht wird, wodurch wir selbst kaum aus der Fassung gebracht und angerührt werden.

Manchmal werden wir von Angriffen, die wir nicht fühlen, mit größerem Schaden getroffen und verletzt als von Angriffen, die wir fühlen. So werden auch viele Dinge, die wir sehen, und durch die Augen aufgedrängte Störungen des Gemüts nicht deutlich und als von außen kommender Einfluß fühlbar, obwohl sie sogar tödlich wirken können, wenn sie tiefer eindringen. Ihr Inhalt wird direkt unserer inneren Spiritualität wie einem anderen Bewußtsein und Lebewesen überbracht.

… Es ist also offensichtlich eine Dummheit zu glauben, daß von den sichtbaren Eindrücken uns nur diejenigen schaden und beeinflussen können, die offenkundig in den Sinnen und in der Seele eine Störung des Gemüts auslösen. … So ist es kein Wunder, daß vieles so lange unbemerkt durch die Augen aufgenötigt wird und gefangen nimmt, bis die Seele und die Spiritualität daran zugrunde gehen, auch wenn diese Störungen nichts anderes zu sein scheinen als unbedeutende Ereignisse. (Bemerke: >Harfenmusik)

… Denn auch wenn es keine Hölle gibt, so bereitet doch der Glaube an die Hölle und die Einbildung, daß es eine Hölle gibt, wirklich eine wahre Hölle auch ohne zugrunde liegende Wirklichkeit. Denn sie ist auf eine ihre eigene phantastische Art wirklich, woraus folgt, daß sie auch wirkt, als gäbe es sie, und daß der Gebannte wirklich sehr stark durch sie gefesselt wird. Wenn die Einbildung und der Glaube ewig sind, wird auch die Höllenqual ewig sein. Dies geht so weit, daß die Seele sogar noch nach dem Verlassen des Körpers dieselbe Vorstellung aufrecht erhält und dadurch trotzdem, ja sogar manchmal noch stärker wegen ihrer Liederlichkeit oder ihrer Genußsucht oder einer anderen übernommenen Vorstellung jahrhundertelang im Unglück verharrt. Wir rühmen uns nicht, weil gewöhnlich Denkende dies nicht begreifen und so albern sind, dieses äußerst dumme Dogma nicht zu verwerfen, da wir selbst als Kinder und Unerfahrene mit solcherlei Ansichten ebenso vollgepackt waren, wie sie es als Alte und Erfahrene noch sind. Deshalb vergeben wir doch denen in diesem Sinne Erwachsenen nicht weniger, als wir glauben, daß uns als Kindern zu vergeben gewesen wäre.

Die Seele des Menschen ist in spezifischer und genereller Wesenheit dieselbe wie die der Fliegen, der Austern, der Pflanzen, überhaupt jeglichen beseelten Wesens. Denn es gibt keinen Körper, der nicht mehr oder weniger lebendig und vollkommen in sich selber Anteil hätte an der Weltseele. „Von der Gesamtheit“ (heißt es weiter -ist es Unsinn anzunehmen) „irgendein Teil der Welt sei ohne Seele, ohne Leben, ohne Sinn und folglich unbelebt. Es ist ausgesprochen töricht und gemein, zu glauben, es gäbe keine anderen Lebewesen, keine anderen Sinne, keine anderen Intelligenzen, als sie unseren Sinnesorganen erscheinen.

(Das Universum) wurde nicht erzeugt, denn es existiert kein anderes Sein, welches es ersehnen oder erwarten könnte; vielmehr besitzt es selbst alles Sein. Es vergeht nicht, denn es gibt nichts anderes, worin es sich verwandeln könnte- vielmehr ist es selbst alles.“