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aus unserer „Zitadelle“


Zitate von H.D Thoreau aus folgendem Werk

Titul: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, 1849
Auctoris: Henry David Thoreau
Verlagsmeisterei: diogenes
Komische Nummer: 978-3257200638
Abzuleistendes Schuldgeld: 9 Euro
Seiten pro Buch: 96 Stück
Order: https://www.buch7.de/store/product_details/1063726*

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Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, 1849

Alle Menschen bekennen sich zum Recht auf Revolution; das heißt zu dem Recht, der Regierung die Gefolgschaft zu verweigern und ihr zu widerstehen, wenn ihre Tyrannei oder ihre Untüchtigkeit zu groß und unerträglich wird. Aber fast alle sagen, das sei jetzt nicht der Fall.

Muß der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen?Wozu hat denn dann jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde, wir sollten erst Menschen sein und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit. Nur eine einzige Verpflichtung bin ich berechtigt einzugehen, und das ist, jederzeit zu tun, was mir recht erscheint…

Unter einer Regierung, die irgendjemanden unrechtmäßig einsperrt, ist das Gefängnis der angemessene Platz für einen rechtschaffenen Menschen. Der rechte Platz, der einzige, den er seinen freieren und weniger kleinmütigen Geistern anzubieten hat, ist eben das Gefängnis, wo sie von Staates wegen ausgesetzt und ausgeschlossen werden, nachdem sie sich durch ihre Grundsätze schon selbst ausgeschlossen haben… nur hier sollen sie ihn finden, im Gefängnis; auf diesem abgeschiedenen, aber freieren und ehrbareren Boden, wo der Staat jene hinbringt, die nicht mit ihm, sondern gegen ihn sind- es ist das einzige Haus in einem Sklavenstaat, das ein freier Mann in Ehren bewohnen kann. Vielleicht glauben manche, daß sie dort ihren Einfluß verlieren, daß ihre Stimme das Ohr des Staates nicht mehr erreicht, sie glauben, daß ihre Gegnerschaft innerhalb dieser Mauern unwirksam wäre- aber sie wissen nicht, um wieviel die Wahrheit stärker ist als der Irrtum und wieviel überzeugender und wirkungsvoller sie die Ungerechtigkeit bekämpfen können, wenn sie sie nur ein bißchen an sich selbst erfahren haben. Lege in deine Stimme das ganze Gewicht, wirf nicht nur einen Papierzettel, sondern deinen ganzen Einfluß in die Waagschale. Eine Minderheit ist machtlos, wenn sie sich der Mehrheit anpaßt; sie ist dann noch nicht einmal eine Minderheit; unwiderstehlich aber ist sie, wenn sie ihr ganzes Gewicht einsetzt.

Wenn tausend Menschen dieses Jahr keine Steuern bezahlen würden, so wäre das kein brutaler und blutiger Akt- das wäre es nur, wenn sie die Steuern zahlten und damit dem Staat erlaubten, Brutalitäten zu begehen und unschuldiges Blut zu vergießen. Das erstere ist, was wir unter einer friedlichen Revolution verstehen- soweit sie möglich ist. Wenn nun aber- wie es geschehen ist- der Steuereinnehmer oder irgendein anderer Beamter mich fragt: Was soll ich aber jetzt tun? So ist meine Antwort: Wenn du wirklich etwas tun willst, lege dein Amt nieder. Wenn einmal der Untertan den Gehorsam verweigert und der Beamte sein Amt niedergelegt hat, dann hat die Revolution ihr Ziel erreicht.

Nie wird es einen Staat geben, solange sich der Staat nicht bequemt, das Individuum als größere und unabhängige Macht anzuerkennen, von welcher sich all seine Macht und Autorität ableiten, und solange er den Einzelmenschen nicht entsprechend behandelt.

Die Mehrzahl der Menschen dient also dem Staat mit ihren Körpern; nicht als Menschen, sondern als Maschinen… Andere, wie die meisten Gesetzgeber, Politiker, Advokaten, Pfarrer und Würdenträger, dienen dem Staat vor allem mit ihren Köpfen; doch weil sie selten moralische Urteile fällen, könnten sie- ohne es zu wollen- ebensowohl dem Teufel dienen wie Gott. Nur wenige Helden, Patrioten, Märtyrer, wirkliche Reformer und Menschen dienen dem Staat auch mit dem Gewissen, weshalb sie sich ihm oft widersetzen müssen; sie werden gewöhnlich von ihm als Feinde behandelt.

Das Gesetz hat die Menschen nicht um ein Jota gerechter gemacht; gerade durch ihren Respekt vor ihm werden auch die Wohlgesinnten jeden Tag zu Handlangern des Unrechts. Ein allgemeines und natürliches Ergebnis dieses ungebührlichen Respektes vor dem Gesetz sieht man zum Beispiel in einer Kolonne von Soldaten: Oberst, Hauptmann, Korporal, Gemeine, Pulverjungen und alles, wie sie in bewundernswerter Ordnung über Berg und Tal in den Krieg marschieren, wider ihren Willen, ja wider ihren gesunden Menschenverstand und ihr Gewissen- weshalb es ein recht anstrengender Marsch wird und beträchtliches Herzklopfen verursacht. Sie zweifeln nicht daran, daß es ein verdammenswertes Geschäft ist, mit dem sie sich da befassen; sie möchten alle friedlich sein. Aber was sind sie denn eigentlich? Sind sie überhaupt Männer, oder kleine bewegliche Verschanzungen und Waffenlager, und irgendeinem skrupellosen Menschen, der gerade an der Macht ist, zu Diensten?

Es gibt ungerechte Gesetze: Sollen wir uns damit bescheiden, ihnen zu gehorchen, oder sollen wir es auf uns nehmen, sie zu bessern, und ihnen nur so lange gehorchen, bis wir das erreicht haben, oder sollen wir sie vielleicht sofort übertreten? Die Leute glauben im allgemeinen, unter einer Regierung, wie wir sie jetzt haben, sollten sie warten, bis sie die Mehrheit zu den Änderungen überredet haben. Wenn sie Widerstand leisteten, so glauben sie, wäre die Kur schlimmer als die Krankheit. Aber es ist die Regierung, die allein Schuld hat, daß die Kur tatsächlich schlimmer als die Krankheit ist. Sie macht sie schlimmer. Warum tut sie nicht mehr dafür, Reformen vorzusehen und einzuleiten? Warum achtet sie nicht auf ihre verständige Minderheit? Warum muß sie lärmen und sich sträuben, bevor sie noch Schaden gelitten hat?

Ich weiß: Die meisten Menschen denken anders als ich, die aber, die ihr Leben aus Berufung dem Studium dieser oder verwandter Gegenstände widmen, sind mir am fernsten. Staatsmänner und Gesetzgeber, die so völlig innerhalb ihrer Institution leben, können sie nie klar und deutlich erkennen. Sie reden von einer Gesellschaft, die in Bewegung ist, haben aber keinen Ruhepunkt außerhalb derselben. Vielleicht sind es Männer mit Erfahrung und Urteil, sie haben zweifellos geistreiche und sogar nützliche Einrichtungen erfunden, für die wir ihnen aufrichtig danken; aber all ihr Witz und ihre Brauchbarkeit bleiben innerhalb gewisser, nicht sehr ausgedehnter Grenzen. Sie vergessen gerne, daß die Welt nicht von der Politik und der Nützlichkeit regiert wird.

Mich kostet es in jeder Hinsicht weniger, die Strafe für Ungehorsam gegen den Staat anzunehmen, als wenn ich gehorchen würde. Im zweiten Fall käme ich mir ärmer vor.

Auch wenn ich mich mit dem freisinnigsten meiner Nachbarn unterhalte, stelle ich fest: Was sie auch über die Bedeutung und den Ernst der Frage, über ihre Sorge um den öffentlichen Frieden sagen mögen- die Sache läuft doch immer darauf hinaus, daß sie auf den Schutz der bestehenden Regierung nicht verzichten wollen und sich vor den Folgen des Ungehorsams für ihr Eigentum und ihre Familie fürchten. Was mich betrifft, ich glaube nicht, daß ich mich je auf den Schutz des Staates verlassen werde. Falls ich aber diese Staatsgewalt abweise, sobald sie mir den Steuerbescheid präsentiert, dann wird mir sofort mein Eigentum genommen, und ich und meine Kinder werden endlos gequält. Da ist hart. So wird es dem Menschen unmöglich gemacht, ehrenvoll zu leben und zugleich angenehm, was die äußerlichen Dinge anbetrifft. Es lohnt sich eben nicht, Eigentum zu erwerben, es würde sehr bald wieder verloren sein. Man muß irgendwo tagelöhnern oder pachten, muß eine möglichst kleine Ernte haben und sie bald aufessen. Man muß für sich leben, sich nur auf sich selbst verlassen, immer das Bündel gepackt haben und bereit sein, fortzugehen und sich nicht um viele Dinge kümmern müssen….


Weitere Zitate von H.D Thoreau

aus dem Werk Walden, 1854
Quellen: verschiedene Ausgaben, z. Bsp. erhältlich bei buch7:

Tatsächlich hat der arbeitende Mensch Tag für Tag keine Muße zu einer wahren Integrität; er kann die Zeit nicht aufbringen, die menschlichsten Beziehungen zu den Menschen zu unterhalten; seine Arbeit würde auf dem Markte im Werte sinken, er hat keine Zeit etwas anderes zu sein als eine Maschine.

Aber siehe, der Mensch ist zum Werkzeug seiner Werkzeuge geworden!

Den größeren Teil von dem, was meine Mitbürger gut nennen, halte ich für innerlich schlecht, und wenn ich irgend etwas bereue, so ist es höchstwahrscheinlich meine gute Aufführung. Von was für einem Dämon war ich besessen, dass ich mich so gut benahm?

Der Mensch sollte sich so einfach kleiden, dass er sich im Dunkeln anziehen kann, und sollte in allen Stücken so geschlossen und vorbereitet sein, dass er, wenn der Feind die Stadt einnimmt, ohne Sorge mit leeren Händen, wie jener alte Philosoph, zum Tore hinausgehen kann.

Ziehe einer Vogelscheuche deinen neuesten Anzug an und stelle dich ohne Anzug nebendran, wer würde da nicht zuerst die Vogelscheuche grüßen?

Der Hauptaffe in Paris setzt eine Reisemütze auf, und alle Affen in Amerika tun das gleiche.

Es wäre besser es gäbe auf der Welt immer nur einen Einwohner per Quadratmeile.

Wer weiß, ob nicht, wenn die Menschen mit eigener Hand ihr Haus bauten und sich und die ihrigen auf einfache und ehrliche Weise mit Nahrung versorgten, die poetischen Fähigkeiten allgemein entwickelt würden, wie überall die Vögel bei dieser Beschäftigung singen.

Der Luxus der einen Klasse wird aufgewogen durch die Notdurft der andern. … die in Luxus und Wohlleben Schwelgenden sind es, welche die Mode angeben, der die Herde so willig folgt.

Überflüssiger Reichtum kann nur Überflüssiges erkaufen. Die Lebensbedürfnisse kosten kein Geld.

Wir beeilen uns, den atlantischen Ozean zu durchkabeln, um die alte Welt der neuen um ein paar Wochen näher zu rücken; vielleicht ist es aber das erste, was in das große amerikanische Schlappohr hineinrinnt, die Nachricht, dass Prinzessin Adelheid den Keuchhusten hat.

Kein Zweifel, ein anderer kann für mich denken, es ist aber deswegen noch nicht wünschenswert, dass er es tut und mein selbständiges Denken ausgeschlossen wird.

Dass ich niemals eine denkwürdige Nachricht aus einer Zeitung schöpfte, darüber bin ich ganz sicher… wenn dir das Gesetz bekannt ist, was brauchst du dich um Myriaden von Fällen und Anwendungen kümmern?

Wir sind ein verkrüppeltes Geschlecht von Zwergen, und unser geistiger Gedankenflug reicht nicht viel höher als die Spalten der Tageszeitung.

Nicht alle Bücher sind so stumpf wie ihre Leser.

Ich bin überzeugt, dass der Mensch, dem es je einmal ein Anliegen war, seine höheren oder poetischen Anlagen auf ihrer höchsten Stufe zu halten, sehr geneigt war, sich animalischer Kost und vieler Nahrung irgendwelcher Art überhaupt zu enthalten.

Fügen wir dem Gericht aber ein E-xtragewürz bei, so wird es uns vergiften.(!)

Indem sie ihre Augen schließen und schlummern und sich durch den Schein betrügen lassen, setzen die Menschen überall ihre tägliche Lebens- und Gewohnheitsroutine fest, die stets auf rein illusorischem Grunde aufgebaut ist.

Aus Mangel an Mut und Vertrauen sind die Menschen dahin gelangt, wo sie jetzt sind, sie kaufen und verkaufen und verbringen ihr Leben gleich Leibeigenen.

Man möchte fast sagen, dass die Propheten und Erlöser mehr die Menschen in ihrer Angst getröstet als in ihren Hoffnungen bestärkt haben.

Wir sind nicht, wo wir sind, sondern in einer falschen Lage. Durch eine Schwäche unserer Natur nehmen wir einen Umstand und versetzen uns in diesen und daher sind wir in zwei Umständen zugleich und es ist doppelt schwierig herauszukommen.

In dem Verhältnis, als der Mensch sein Leben vereinfacht, werden die Gesetze des Weltalls weniger verwickelt erscheinen, und Einsamkeit wird nicht Einsamkeit, noch Armut Armut, noch Schwäche Schwäche sein. Hast du Luftschlösser gebaut, so braucht deine Arbeit nicht verloren zu sein. Jetzt lege den Grund darunter.

Da er mit der Zeit keinen Pakt machte, so blieb sie aus seinem Wege und seufzte nur aus der Ferne nach ihm, weil sie ihm nichts anhaben konnte.

Es war Morgen, und siehe! Nun ist es Abend geworden, und nichts Berichtenswertes ward getan. Statt zu singen wie die Vögel, freue ich mich stillvergnügt meines dauernden Glückes.