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erstellt am 09.09.2010
Wichtiger Nachtrag vom 22.10.2019 im Kommentarbereich


Ich gehe mit meiner Laterne …

und meine Laterne mit mir…

dort oben leuchten die Sterne …

und unten, da leuchten wir:

mein Licht ist aus, ich geh nach Haus …

Man beachte hierbei den „Sensor mit Kamera und Linse zur Erfassung relevanter Bewegungen“

… Rabimmel

Ra-Bammel

RA-BUMM!


Mit dieser etwas ungewöhnlichen, im Grunde aber doch sehr heiteren Einleitung, möchte ich den Leser dazu ermutigen, sich einmal ganz unbehelligt in eine gemütliche Ecke zurückzuziehen und es sich mit einem warmen Lichtlein an der Seite bequem zu machen.

Hierbei wird er vielleicht sehr bald alte Lieder zu summen beginnen und dann plötzlich auf’s Unerklärlichste ganz feste losweinen mögen. Er würde vielleicht auch für sich entdecken, in welch einem wunderschönen, sicheren und heimelichen Land er die Tage seiner Kindheit genießen durfte und sich rückwirkend bei den Landesherren bedanken, daß sie ihm seinerzeit ein solch unbeschwertes Leben gewährleistet haben.

Selbstverständlich ist es ihm auch heute noch möglich, sorgenfrei und wie ein HansguckindieGruft mit einem Pausenbrot geschultert durch die Landschaften zu wandern und beizeiten getrost am Birnenbaum zu lehnen, wissend, daß eine allseits um sein Wohlergehen besorgte Herrschaftklasse das Böse vor ihm abwehre, wann immer solches ihn aus dem Busch anzuspringen droht.

Da ist keine Gefahr, nirgends ein Terrorist, weit und breit keine Plage, vor der man sich nicht schützen könnte und auch in unmittelbarer Nähe nichts dergleichen zu erkennen. Und wenn er weiter in die Ferne blickt, wird er gar erkennen, wie All-umfassend für seine Sicherheit im Lande gesorgt ist, selbst wenn er unbehelligt bis über so manche Grenze hinauswandern möchte.

Somit möchte ich nun den modernen Leser daran erinnern, wie sehr unsere Regierung selbst heutzutage darum bemüht ist, als der gnädige Herr Beschützer aufzutreten – nicht nur vor bösen Terroristen schützt er uns, die seinerzeit noch als Monster oder der Teufel persönlich die Landstriche verunsicherten – sondern vor allem dort, wo der Bürger von heute sich am allerliebsten vor und zurück bewegt:

Auf den Straßen und Bürgersteigen seines heiligen dämlichen Reiches vereinheitlichter Nationen.

Und auch in seinen eigenen vier Wänden plus Deckenwand zum Einstecken zahlreicher ökologisch abbaubarer Quecksilber-Glühbirnen möchte der Bürger vor verborgenen Gefahren beschützt werden, ob sie nun durch das Fenster steigen oder sich über den WLAN-Router einschleichen, zu dem mancher das passende Kabel höchstwahrscheinlich heute noch nicht gefunden hat.

Gerade aber hier, im privaten Heim samt Internetzugang, ruft er nach einem Beschützer, der die Drachen bekämpft, so wie sich ja einst der heilige Georg sinnbildlich mit den Feinden der Menschheit abzuplagen hatte – oder er ruft nach einem Herkules, der ihm die einarmigen Riesen, die achtäugigen Kraken und die mehrköpfigen Hydranten vom Halse hält, die allesamt das friedliebende Volk auch damals schon in Angst und Schrecken versetzen wollten.

Besonders aber will ein solches Volk weitestgehend unbehelligt den Frieden umher genießen können, den sie mit Sicherheit auch genießen würden können, wenn sie ihn nur in Sicherheit genießen könnten.

Und da sie hierbei nichts zu verbergen haben, ist es ihnen nur sehr willkommen, daß sich die hochwohlgeborene Herrschaftsschar von vornherein um jegliche Bedrohung kümmert, die sich von hinten herein dann heranschleicht. Doch um diese gefährliche Aufgabe meistern zu können, muß der allgegenwärtige Beschützer sich an erster Stelle um die Sicherung der unterschiedlichsten Privatsphären aller Bürger sorgen und die Schwachstellen darin genau kennenlernen, damit es auch keinem Monster jemals gelingt, sie wie immerzu aufs Unflätigste auszuweiden.

Hierzu hatte sich beispielsweise erst kürzlich das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Kampf gegen Google mit breiter Brust an die Seite der Bürger gestellt, indem man der bisher völlig unbehelligten Bevölkerung ein Widerspruchs-Formular zur Verfügung stellte, mit welchem sich nämlich ein jeder hinsichtlich der geplanten Street-View Aktion selber hinreichend widersprechen konnte –

Fast gleichzeitig wurde ein wenig später geradezu frühzeitig die Fragwürdigkeit solcher Aktionen zur öffentlichen Debatte freigegeben und das geschah alles in Allem sogar mit gutem Grund. Denn was soll es überhaupt für einen Sinn machen, sämtliche Straßen und Wohngebiete Deutschlands zu filmen, wo doch schon längst auf allen Autobahnen und relevanten Zufahrtsstraßen Kameras hängen und im Zuge der geplanten PKW-Maut bald jedes Auto samt Insassen biometrisch erfassbar ist?

Überhaupt wurden längst alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Privatsphäre der Bürger samt aller dazugehörigen Daten lückenlos zu sichern und zu verwahren. Schließlich soll er sich doch nicht nur hinter den eigenen vier Wänden ausreichend beschützt fühlen, sondern auch in seinem halb öffentlichen Privatleben, das er ja hauptsächlich am Arbeitsplatz, in Einkaufscentern, Parks, Cafés, Bahnhöfen, Zügen und Bussen und eben auch auf den Straßen und Bürgersteigen auszuleben pflegt.

Insgesamt braucht sich der Bürger um die Möglichkeit zum öffentlichen Ausleben seiner bedrohten Privatsphäre also keine Sorgen mehr zu machen. Der Schutz von Seiten der Regierung wird ihm sogar in Zukunft sicher sein, wurde doch unlängst das „Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit“ damit beauftragt, sich für die Belange des in einer bösen, düsteren Welt völlig orientierungslosen Volkes einzusetzen. Ohne diese Vertrauensbekenntnisse von Seiten der zuständigen Ministerien würde sich das von allen bösen Geistern geblendete Volk sowieso längst im Dunkeln verlaufen haben.

Schließlich ist es nicht mehr nur der gewöhnliche Terror, mit dem hinter jeder Straßenlaterne versucht wird, unsere innere Sicherheit zu bedrohen – wodurch sich ja alle Datenansammlungen und Kameraüberwachungen von selbst rechtfertigten – nein, eine neue Bedrohung des sorgenfreien Auslebens aller Privatangelegenheiten ist bereits am Horizont erkennbar:

Weitblickende Menschen befürchten nämlich von ungefähr hinter dem Horizont ausgehend einen arg heimtückischen Klimawandel auf uns zuströmen, der dann sehr bedrohlich in die umwelttechnischen Belange unseres Landes eingreifen könnte. Daß hierbei von aufspringenden Trittbrettfahrern das bedrohliche Klima natürlich angeheizt werden könnte und somit auch das menschengemachte Gefahrenpotential beständig ansteigt, dürfte jedem besorgten Bürger spätestens zu Mittag sonnenklar werden, vor allem dann, wenn der blaue Morgen mal wieder hinter einem Geflecht aus kilometerlangen Längswolken verschwindet. Jeder, der also die menschenbedingte Gefahr nicht als solche anerkennt, den Klimawandel weiterhin hauptsächlich für eine natürliche Erscheinung hält oder die Vorgehensweise der bedrohlichen Atmosphäre mit gleichen Mitteln tatkräftig unterstützt, allein indem er unverhältnismäßig viel CO2 ausstößt, ist damit selbstverständlich als ein Umwelt-Terrorist zu bezeichnen.

Und vielleicht weil gerade das gefährliche Ein- und Ausatmen überall in der Umwelt problemlos ausgeübt werden kann, wurde wohl eben jenes Bundesmysterium für Unterwelt, Naturschmutz und Reaktionssicherheit auf den Plan gerufen, damit es sich um die Entwicklung und Förderung präventiver Maßnahmen zum Schutze der Privat-atmosphäre aller Bürger kümmert.

Es ist ja längst nicht mehr damit getan, den Terroristen lediglich über das LKW-Mautsystem Wie-Toll-Collect die potentiellen Fluchtrouten über Autobahnen, Landstraßen und dazugehörigen Zufahrtswegen abzuschneiden, sondern sollte ihnen sowieso grundsätzlich das Atmen verboten werden, wo immer sie durch das Auftragen höchst verfassungsgefährdender biometrischer Daten irgendeine Grenze überschreiten.

Daher sollten künftig auch in den Seitenstraßen und dunklen Gassen intelligente Sensoren eingesetzt werden, um in erster Linie eine höchstlöbliche energie- und kosteneffiziente Straßenbeleuchtung zu gewährleisten und später mittels hinzugefügter Sensoren- und Kameratechnik den hinter jeder Straßenlaterne mit CO2 herum experimentierenden Umwelt-Terroristen das Handwerk legen zu können.

Kurze Rede, langer Sinn, der deutsche Bundestag hat jedenfalls beschlossen, die Fördermittel für ein zukunftsweisendes Projekt namens “Energetische Optimierung von Straßenbeleuchtung” bereitzustellen.

Wiederum dürfte dieses Projekt einem Großteil des Volkes kaum bekannt sein, was ihn zunächst zwar nicht weiter verdächtig macht, aber trotzdem nicht gleichzeitig bedeutet, daß der Bundestag die Bereitstellung der Fördermittel nicht im Namen des ganzen Volkes beschlossen hätte:

Optimierung von Straßenbeleuchtungen (u.a. mit Sensor, Kamera und Linse zur Erfassung relevanter Bewegungen) wird gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

 
 
Abschußrede

Nun möchte ich abschiessend und zur allgemeinen Ermunterung noch mit ein paar heiteren Worten für etwas Zerstreuung sorgen.

Es darf nämlich durchaus einmal anerkannt werden, daß sich hierzulande schon immer sehr bürgernah um die bedrohte Privatsphäre aller Bürger gekümmert wurde, vor allem in der ruhmreichen DDR war das bekanntlicherweise so.

Sicherlich hätte man sich auch im Westen längst von den Methoden der Stasi etwas abgucken können, wenn nicht der dumme eiserne Vorhang immer so verhindernd dazwischen gehangen hätte. Doch dürfte man sich wenigstens für die Zukunft inspiriert lassen haben, da man ja auch in der BRD nicht auf ewig sicher sein konnte, ob durch eine vielerorts freizügig ausgelebte Privatsphäre des Einzelnen ohne Zustimmung der Regierung nicht irgendwann die Sicherheit des ganzes Volkes bedroht sein könnte. Zwar wird der Wunsch nach einer vertrauenerweckenden Hinwendung zum gesamtdeutschen Bürgertum schon lange in manchen Regierungskreisen geschlummert haben, doch konnte sich dieser Wunsch wohl erst gänzlich zu erfüllen beginnen, nachdem, pünktlich zur Zeitenwende, die marode Mauer gefallen war.

Überhaupt wurde ein offener Umgang mit vertraulichen Angelegenheiten erst dann möglich, als man grenzüberschreitend eine zeitgemäße Form der Bürgernähe in Angriff nehmen konnte, was sich natürlich nicht von heute auf morgen vollständig umsetzen ließ. Das Gesamtkonstrukt DDR löste sich zwar in ziemlicher Windeseile auf, doch sind sicherlich nicht alle Bestandteile ebenso auf ewig verschütt gegangen. Schließlich war ja nicht alles von der DDR-Führung auf so wackelige Beine aufgebaut worden, daß es sich ohne weiteres Zutun auf immerdar in Luft auflösen würde.

Wenigstens die ein oder andere Errungenschaft wird den Einsturz wohl überdauert haben, die man vielleicht mit etwas Verzögerung in das erfolgreiche System der BRD einzubinden wußte. Gerade hinter einer Mauer und in aller Ruhe und Abgeschiedenheit kann man sich ja Dinge ausdenken und desweiteren unbehelligt erproben, die von einem interessierten Nachfolger möglicherweise erst viel später wieder aufgegriffen werden.

Und das dürfte spätestens dann der Fall gewesen sein, als die von irgendeinem wichtigtuenden Intellektuellen ausformulierte Forderung nach einer neuen “Kultur des Hinsehens” die Runde machte und von den notwendigen Instanzen immer besser verstanden und weitergedacht wurde. Hinzu wurden noch ein paar notwendige Beschlüsse getätigt und endlich war auch der kritischste Geist davon überzeugt, daß unsere Regierung den Kampf zur Beseitigung aller sicherheitsgefährdenden Privatsphären auch hierzulande aufnehmen wird und sich bis auf Weiteres öffentlich, allerorts und immerzu für die inneren Angelegenheiten der Bürger zu interessieren verpflichtete.

Doch erst wenn die Mehrheit des Volkes mit der Regierung weiterhin an einem Strang zieht und die Technologie endlich so weit fortgeschritten sein wird, wie man es noch vor 20 Jahren nicht zu erträumen wagte, werden wir unter der staatlichen Obhut leben können, die sich noch nicht einmal die DDR-Führung in dieser Formvollendung erträumt haben dürfte. Wenn uns dann all die künstliche Beleuchtung zuviel werden sollte und wir uns wieder nach einem wärmenden Sonnenlicht oder gemütlichen Kerzenschein sehnen, werden wir vielleicht das weiter oben bereits angestimmte Kinderlied tiefer unten in unserem Herzen neu verstehen lernen:

Ich gehe mit meiner Laterne

und meine Laterne mit mir

Dort oben leuchten die Sterne

und unten da leuchten wir.

Mein Licht ist aus, ich geh‘ nach Haus‘,
rabimmel rabammel rabumm.

Der Hahn, der kräht, die Katz‘ miaut,
rabimmel, rabammel, rabumm


So geh ich mit meiner Laterne

und meine Laterne mit mir

dort oben, da leuchten die Sterne

und unten

da leuheuchten wir


Links:

http://www.dieechtenvolksvertreter.de/?Giftschrank:Ueberwachungsstaat:Schn%FCffelndeStra%DFenlampe

Klicke, um auf Strassenbeleuchtung.pdf zuzugreifen


https://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2010/08/18/street-view-ein-widerspruch

Hinweis:

Selbstverständlich handelt es sich bei diesem Text um eine Satire, die man getrost als an den Haaren herbeigezogen durchwinken darf, statt sich Jermain Foutre le Camps ernsthafte Gedanken immer allzu sehr zu Herzen zu nehmen.


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