Schlagwörter

, , , , , ,

 

Großer Markt für Google Street-View auf Deutschlands Straßen

Hiermit möchte ich alle Bewohner Deutschlands daran erinnern, beständig und bis auf Weiteres die Fenster ihrer Häuser zu putzen, die Bürgersteige vor dem Haus zu fegen und vor allem die Autos zu polieren, denn in unabsehbarer Zeit werden die Außendienstarbeiter von Google auch hierzulande ihre von der ganzen Weltengemeinschaft gefeierte Foto-Safari fortsetzen und unter dem Reisemotto ‚Street-View‘ kreuz und quer durch die Straßen Deutschlands fahren.

Ziel dieser Unternehmung ist unter anderem das Befahren und Abfotografieren aller bekannten und kaum noch unbekannten Regionen innerhalb von Landstrichen, Dörfern und Städten aller Herren Länder, um mittels der gesammelten Daten und Erfahrungswerte schließlich einen neuwertigen, detailgetreuen und höchst lebendig anmutenden Weltatlas erstellen zu können. Während ein Teil aller Herren Länder für diesen Zweck bereits von Google umfassend heimgesucht wurde, sind heuer mit den 20 größten (d.h. bevölkerungsreichsten) Städten Deutschlands die ersten Etappenziele auch hierzulande gesteckt worden.

Und da dies alles zunächst wie eine nie dagewesene abenteuerliche Entdeckerfahrt zur Überwindung einseitiger Perspektiven anmutet, möchten wir Google und allen beteiligten Interessengemeinschaften eine gute Reise und viele nachhaltige und immerwährende positive Eindrücke auf ihrer Deutschland-Etappe wünschen.

Denn was Google hier mit ihrer Entdeckungsreise über eigentlich längst schon vorhandene Landkarten betreibt, ist einzigartig und neu in der Geschichte der Kartografie, da sich der Betrachter nun mit seiner im Gehirn herumschwebenden kognitiven Karte über eine von oben betrachtete zweidimensionale Karte direkt an einen x-beliebigen Ort in eine dreidimensionale Karte begeben kann, und das ohne sich hierbei aufgrund fortwährend überschlagender Perspektivwechsel irgendwann selbst übergeben zu müssen.

Daher möchten wir das von sämtlichen Auf- und Abbruchsstimmungen hin- und hergerissene Volk in Deutschland dazu aufrufen, zum Zwecke einsehbarer Panorama-View-Karten auf die Vorzüge unseres weltoffenen Landes hinzuweisen – insbesondere natürlich auf die Nutzwerte unserer Autos, Straßen und überall so attraktiven herumstehenden Liegenschaften.

Wir sollten es zu schätzen wissen, daß man sich wieder im großen Stil für unser Land interessiert, passierte so etwas früher doch nur alle Jubeljahre mal. Nun wird es aber jedes Jahr einmal passieren, da die Street-View-Daten natürlich alle zwölf Monate erkundet werden müssen, um aktuelle Inhalte anbieten zu können. Das ist Grund genug, schon jetzt dafür zu üben, wie man sich in einem aufgeschlossenen Deutschland gegenüber auswertigen an uns interessierten Personen zu verhalten hat – seien es nun private, touristische, juristische oder geschäftige Personen – da sollten wir doch keine Unterschiede mehr machen.

Und da neben den 3D-Fotodaten auch andere Daten über Funknetze, wie Netzwerknamen, Verschlüsselungscodes, WLAN-Daten und anderen Angaben gesammelt werden (können), und auch diese sich jährlich aktualisieren, bitten wir die Leser nicht nur regelmäßig ihre Autos zu polieren, die Vorgärten in Schuß zu halten und die Fenster ihrer bewohnten Liegenschaften zu putzen, sondern empfehlen wir desweiteren, Begrüßungsschilder aufzuhängen, Girlanden und Luftballons an die Laternenmasten zu hängen, die Gartenzwerge im Vorgarten artig einzukleiden und sich dann vor dem gemeinsamen Foto-Shooting mit allen Nachbarn auf der Straße zu versammeln. Sobald das Google-Auto dann einfährt, sollte man ihm um ein paar Schritte vorausgehend mit Fanfaren und Kapellen den Weg anführen, während eine fröhliche Kinderschar singend, trötend, trillernd und mit Konfetti werfend um das Auto herum Ringelrein tanzt.

Eigentümliche Unmutsbekundungen

Jedoch steht eine solche von uns erhoffte regelmäßige Begeisterung in Deutschland flächendeckend eher auf wackeligen Füßen. Statt dieses historische Ereignis jährlich gebührend zu zelebrieren, werden die meisten Leute höchstens aus dem Fenster schauen, wenn gerade mal wieder ein Auto filmend vorbeifährt.

Aktuellen Unmutsbekundungen zufolge gibt es offenbar sogar ein paar Bürger, die ihre Häuslein noch nichtmal zur Premiere ablichten lassen wollen. Denn durch die Möglichkeit, über Street-View ihre Besitztümer auszuspähen, wird ein neuer Anreiz für Einbrecher ermöglicht – so befürchten sie. Diesen Hausbesitzern möchten wir daher dringend empfehlen, künftig an ihrer Haustür Bewegungsmelder und Überwachungskameras zu installieren, falls sie dies nicht schon längst getan haben. Denn das schreckt den Einbrecher nicht nur von der ausgespähten güldenen Haustüre ab, sondern vermindert es auch das Risiko, Opfer von lange im Voraus geplanten Plünderungen der Kirschbäume und Hagebuttenteesträucher im Vorgarten zu werden, der möglicherweise künftig von vielen potentiellen Mundräubern heimgesucht wird.

Wahrscheinlich dürfte das auch der Grund dafür sein, daß sich der besorgte Bürger das sogenannte Widerspruchsformular gegen Google Street View nicht beim Bundesministerium der Justiz, beim Bundesministerium des Innern, oder gar beim Bundesministerium der Verteidigung herunterladen darf, sondern beim Bundesministerium für ‚Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz‘. Es ist nämlich trotz weiterhin bestehender höchstgefährlicher Terrorgefahr davon auszugehen, daß es diesmal nicht etwa Terroristen sein werden, die ihre Ziele über Street-View ausspähen können, sondern freiberufliche Einbrecher oder auch andere Personen, die es auf ganze Häuser, Gärten und Grundstücke bishin zu kompletten Ortsbezirken abgesehen haben. Da auch solche Objekte und Ländereien immerzu gepflegt, begrünt, bestellt und zum Wohle der Gemeinschaft geführt werden müssen, wem auch immer sie künftig gehören, ist es doch nur verständlich, daß sich das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz um diese Belange zu kümmern hat, was?

Von einigen Bürgern wird, neben den zu erwartenden Einbrüchen, diesmal natürlich auch das übermäßige virtuelle Betreten der Privatsphäre allerschlimmstens befürchtet. Und eben deshalb können wir dankbar sein, daß hier ein Bundesministerium so schnell zur Stelle war und sogleich den notwendigen Widerspruchsbogen vorgeschrieben hat, mit dem der Bürger sich für alle Zeiten gegen die allgegenwärtige Suchmaschine Google wehren kann, von der die Privatsphäre der Bürger doch so vielseitig eingeschränkt wird.

Es ist ja auch verständlich, daß die Furcht vor dem Niedertreten der Privatsphäre so groß ist, besonders vor allem auch bei denjenigen, die jene Privatsphäre jetzt plötzlich durch Ablichtung ihrer Autos und Häuserfronten bedroht sehen und mit freundlicher Anteilnahme des Ministeriums gegenüber dem Weltkonzern Google bemerken dürfen, sie hätten ab heute jetzt möglicherweise doch etwas zu verbergen.

Was anderes gilt es seitens der Regierung auch zu schützen, wenn nicht die höchstpersönlichen Besitztümer der Bürger? Wie sonst, wenn nicht mit einem vorgefertigten Schreiben an Google soll man ihnen sonst helfen, wenn doch die Vorratsdatenspeicherung, die Onlinedurchsung, sämtliche Kameraüberwachung, alle Chipkarten in Ausweisen und viele weitere Maßnahmen seitens der Regierung zwar dazu ausreichten, vor ganz viel niederträchtigem Terror von äußeren und inneren Terroristen zu schützen, nicht aber vor Dieben und Einbrechern?

Fazit – Widerspruch macht Sinn

Alle Bürger, die also immer noch ein wertvoll ausschauendes Haus besitzen, das aber nicht von hohen Mauern, Kameras und Security umgeben ist, und das trotzdem auf der Street-View-Weltkarte schwer zu erkennen sein soll, all diese Bürger dürfen sich nun beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz um Beihilfe zur Vernebelung ihrer besitztümlichen Privatsphäre bemühen und sich dort ein mustergültiges Widerspruchsformular herunterladen, um dieses dann bis Mitte September an Google zu senden.

Dieses Formular sollte man übrigens unter Angabe seiner richtigen Adresse abschicken, damit das Haus, das man auf der Karte unkenntlich gemacht sehen möchte, überhaupt erstmal von Google gefunden, erkannt und fotografiert werden kann und natürlich auch, um von Google den Eingang eines solchen eindeutigen Widerspruches nachträglich bestätigt zu bekommen.

Hinweis

Wer sich desweiteren über Streetview und Widerspruchsformulare informieren möchte, der sollte bitte nach dem Stichwort „Widerspruchsformular Streetview“ googlen und hierbei ausnahmsweise mal nicht die vielen alternativen und anonymeren Suchmaschinen wie Ixquick, Scroogle oder Search Hotspot, uvm. benutzen, sondern Googles Suchmaschine bedienen – allein zum Dank für die innovativen Ideen und vor allem zur Unterstützung ihrer angestrebten Ziele und Visionen.

Ziele und Visionen, auf die andere Betreiber von Suchmaschinen wohl niemals kommen würden.

Verwandte Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Gro%C3%9Fst%C3%A4dte_in_Deutschland

http://www.tagesschau.de/inland/faqstreetview100.html

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33135/1.html

http://maps.google.de/intl/de/help/maps/streetview/privacy.html

Widerspruchsformular Streetview bei foebud.org als RTF-Dokument:

http://www.foebud.org/Members/Felix/widerspruchgoogle.rtf/view

Oder beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als PDF

http://www.bmelv.de/cln_173/sid_CCAD5AA5FAAA4B146346F2B5252A489E/SharedDocs/Downloads/Verbraucherschutz/Internet-Telekommunikation/MusterwiderspruchGoogleStreetview-PDF.html


NEU 2014: Suchmaschön die Suchmaschin‘