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Hervorgehoben aus aktuellem Ablass/            Veröffentlicht am 16. Mai 2010
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Wahlvieh macht auch Mist, Teil 2

Kürzlich waren sie wieder da. Die braven und stets politisch korrekten Wähler. Die Wähler, die besten schlechtesten Gewissens vorsichtshalber diesmal lieber Grün gewählt haben.

Sie standen aber auch vor einer sehr schwierigen Entscheidung. So als stünde man mit einer alten Batterie in der Hand vor den vielen bunten Mülltonnen und wüßte nicht mehr genau, in welche Tonne sie hinein gehört.

Na, in gar keine natürlich. Der Fehler war, sie überhaupt gekauft zu haben. Nur ganz ohne Batterie geht es ja auch nicht. Und wenn sie leer ist und verbraucht, muß man sie „umweltgerecht“ entsorgen, sich eine neue kaufen und mit der künftigen Altlast weiterleben, im besten Gewissen die alte Last artgerecht entsorgt zu haben. So ist das als modern denkender Sklave. Welche Entscheidung man auch trifft, irgendwas bleibt immer in der Gewissenstonne kleben. 

Immerhin wurde die Entscheidung aber durch eine neuerdings allgemein gebilligte und gesellschaftlich akzeptierte „Protestwahl“ erleichtert. Niemand würde es einem diesmal ankreiden, wenn man die großen Parteien einfach mal nicht wählt. Schließlich ist man ja nicht der erste gewesen, der wirklich schon immer mal zwischendurch auch mitunter das Gefühl hatte, daß alle regierenden Parteien unter einer dunklen Mauscheldecke stecken. Selbst der Nachbar von nebenan hat kürzlich gesagt, daß die Parteien alle das gleiche Programm haben, nur die Farben seien anders. Am Ende wäre das alles aber der gleiche Müll. Man weiß einfach nicht, in welche Tonne man diesmal seine Stimme kloppen sollte.

So war es neulich gar nicht so schwer, auch die SPD nochmal wieder nicht zu wählen. Dem Sozialhaufen geht es schließlich immer noch gut genug und gewiss gibt es noch genügend, die unsere sozialdemokratische Wählerpflicht erfüllen, weiterhin SPD wählen, und die Erinnerung an die gute alte Zeit auf niedriger Flamme warmhalten. Die meisten aber haben entschieden, bis dahin die SPD besser nicht mehr zu wählen. Also bis die SPD gelernt hat, daß die gute alte Zeit, welcher sie künftig wieder zugehören möchte, unwiderbringlich vorüber ist.

Und auch Gelb konnte man dieses Mal guten Gewissens wieder besser nicht mehr zu wählen brauchen. Beim letzten Versuch, der Bundestagswahl, naja … gut, FDP konnte man doch wenigstens mal versuchen. Als Protestwähler gegen die großen Parteien wollte man schon immer richtig in Opposition gehen und so hat man eben sicherheitshalber FDP gewählt.

Nur seither sind die Gelben plötzlich auch Regierung, das haben wir natürlich so nicht gewollt. Denn in der Regierung stimmt was nicht, wie der Nachbar letztens schon sagte. Also besser zunächst wieder in die gelbe Tonne damit und die neue Opposition wählen. Hauptsache nicht [zugefügt, versehentlicher Fehler:] Zum Beispiel die SPD,  die im Grunde nicht viel schlechter dasteht als die CDU, welche ja mit fast genauso wenig Prozent schon seit Jahren Regierung ist.

Abschließend können wir nach der Wahl guten Gewissens von uns behaupten: CDU hab‘ ich bestimmt nicht gewählt, FDP sowieso nicht und die SPD kann man heutzutage auch vergessen. Von daher gesehen, Leute, was habe ich alter CDUSPDFDPler, diesmal Mutiges vollbracht? Ich habe Grün gewählt! Und alle staunen ob des großen Widerständlers in ihren eigenen Reihen. Sie klopfen ihm auf die Hände und klatschen mit den Schulterblättern und sagen ach, so ein mutiger Protestwähler wär ich auch gerne. Man muß als Volk auch wirklich ein Zeichen setzen. Man muß auch den logischen Stuß ziehen und Grün wählen, Grün ist bei der Verbrechensbeteiligung wenigstens noch gut für die Umwelt. Gut für unser Gewissen sowieso. Genauso wie der grüne Punkt auf dem Plastik dafür da ist, daß wir den Becher in den Wald schmeißen dürfen. Manche tun ihn auch vorher noch in die Spülmaschine, damit er sauber ist und den Wald nicht schmutzig macht.

Natürlich könnte man auch ungültig wählen oder irgendwas von den kleinen Parteien und hierdurch zu einem richtigen Protestler werden. Nur bringt das auch wieder nichts, da es immer nur wenige machen und außerdem haben die kleinen Parteien keine Erfahrung damit, wie man ein ganzes Land regiert. Erstmal müssen sie beweisen, daß sie mehr Stimmen verdienen. Und wenn sie dann einmal groß sind, dann könnte man sie vielleicht zur Wahl in Erwägung ziehen.

Jedenfalls haben wir jetzt aus vollster Protesthaltung heraus ordentlich Grün gewählt. Mann, wer hätte das gedacht. Jetzt ändert sich bestimmt was. Auch wegen der Umwelt und so. War damals ja schon eine gute Sache, als wir die Atomkraftwerke abgeschafft haben.

Ist doch auch egal, wenn sich Schwarz dann mit Grün mischt oder Rot mit Grün oder zusätzlich noch mit Gelb oder was für ein Salat am Ende dabei herauskommt. Welche Politik dann betrieben wird, das sollen die Politiker lieber selber entscheiden.

Hauptsache wir haben mal wieder sauber unseren ganzen Gewissensmüll getrennt.

Und sonst:

Mit Kindern kennen sich die grünen aus (wir bringen neue Energie)

 

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