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→ Dieser Artikel war Teil des Pamphlets Kaum zu glauben (gesperrt) , die aber nunmehr nur noch in der Kurzfassung zu lesen ist


Das Gericht hat bereits getagt. Schuld wurde festgestellt, Schuldige aber nicht gefunden, denn die Wahrheit blickt weiter, als der Mensch es jemals könnte. Kein Mensch kann sie sehen, wir können sie alle nicht sehen und ihre Weisheit nicht immer verstehen. Doch eins ist ja wohl klar: Statt Strafzettel hält sie höchstens Denkzettel bereit, vor allem aber neue Aufgaben für jeden. Der eine kann dann dort weitermachen, wo er aufgehört hat, der ein oder andere wird noch einmal ganz von vorn beginnen müssen. Was er sich aufgeladen hat, nicht an Schuld, sondern an nicht gelösten Aufgaben und nicht aufgelöster Negativität, das wird er in neuer Übersetzung wieder angehen müssen, ob nun jetzt, gleich, später oder sehr viel später.

Selbst wenn ihm auf Erden eine Strafe ausgesprochen wird und er sie im Gefängnis absitzen wird, seine Aufgabe wird er nicht einfach absitzen können und auch nicht mehrfach. Von der Schuld kann ihn niemand befreien, selbst Gott nicht, denn Schuld gibt es dort nicht. Er kann sich nur selber von der Schuld befreien, indem er sich selbst vergibt. Dann erst kann er mit seiner eigentlichen Aufgabe wieder beginnen. Doch solange er sich nicht selbst vergibt, wird er auch anderen nicht vergeben können, sondern stattdessen ihnen die Schuld zuschieben. Und wenn er nicht anderen die Schuld geben kann, dann wird er Gott die Schuld geben. Das tut er, indem er sich nun selbst die Schuld gibt, doch ohne sie sich selbst zu vergeben. Er wankt hier in einem Spiegelkabinett der Selbstprojektion, das er betreten hatte, als er Gott zu definieren begann. Auch die Nicht Gottgläubigen sind hierbei nicht außen vor. Ihnen widerfährt das gleiche, indem sie Negativität auf sich ziehen, und sie verbreiten, nach Außen oder nach Innen richten, statt sie aufzulösen.

Zu sagen: „Na, jetzt bist du aber selber Schuld gewesen“, bedeutet etwas anderes, als zu sagen: „Du bist schuld“. Der Ausspruch „Du bist Schuld“ ist nicht besser als „Du bist Tot“. Doch wer sieht sich zum Beispiel dazu aufgefordert, genötigt, gezwungen, seinem Kind, oder seiner Katze, etwas verzeihen zu müssen, wenn das kleine unschuldige Wesen mal wieder Mist gebaut hat? Ist ihm nicht bereits verziehen, wenn man es nur ansieht? Ist dies nicht der Ausdruck von Liebe? Natürlich wird er das Wesen, das noch lernt, vorher oder nachher eines Besseren belehren können und zurechtweisen und auch schimpfen ist menschlich. Er soll es nicht jeden Mist ausprobieren lassen, ohne daß es die Konsequenzen kennenlernt – und eben dadurch selber lernt, wer Schuld an einer Misere ist. Doch diese Form der Autorität übt er mit Liebe und Voraussicht aus, wenn er das Kind – oder die Katze – wirklich liebt. Mit anti-autoritärer Erziehung hat es nichts zu tun.

Zudem will ein Anti-Autor wie ich noch sagen, daß er mit Begriffen wie Autorität und Antiautorität ansonsten nichts anfangen kann. Auch der Begriff Erziehung ist völlig veraltet. Entweder man besitzt die Weisheit, lehren zu können oder man besitzt sie nicht. Das trifft insbesondere auf den Lehrberuf zu, aber auch auf andere Strukturen.

Die einzige Weisheit, von der auch andere lernen können, entspringt der Liebe. Aus dieser Liebe lehrt der Weise, doch soll er damit weder sich vom Schüler, noch den Schüler von sich abhängig machen. Das ist die schwierigste Aufgabe für einen Lehrer. Die meisten Lehrer sind sich dieser Aufgabe noch nicht einmal bewußt.

Und wenn Gott Liebe hochdrei ist, wie es ja in den Büchern etwa geschrieben steht, dann weil er all seine Kinder liebt und auch nur über diesen Weg kann seine Weisheit sie erreichen.

Nur soll man nicht denken, ich sei der von Liebe durch und durch Erfüllte. Ich denke nur logisch.