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Gefälligkeiten

In den letzten Tagen und Nächten hat es sehr gestürmt und das kann gerade im Wald ein wahres Abenteuer sein. Kräftig wurden die Bäume geschüttelt und unter der Lichtung konnte man erkennen, dass weit oben im Himmel die Wolken vom Winde sehr geschwinde vorangetrieben wurden. Natürlich aber war das nur ein Windchen, im Vergleich zu dem, was da noch kommen mag.

Auch in den Städten hat er das eine oder andere umgedreht und vielleicht war es auch wegen ihm, dass viele Internetze nicht mehr gingen und so auch meines nicht so richtig. Vielleicht vielleicht, wer weiß. Wahrscheinlich trifft es besonders die kleinen Leut‘, welche nur mit bescheidenem Gerät arbeiten, doch die Natur kann ebenso auch die großen Leut‘ von ihren Allmachtssesseln schubsen und deren Throne zum Einsturz bringen. Was soll es also, wenn irgendwann wieder unsere Telepathie-Ersatzkonstrukte gestört oder gänzlich abgeschaltet werden. Mir ist das egal; sofern dies von der Natur veranlasst wurde und über natürliche Wege vonstatten geht.

Und wenn es vonseiten der heeren Obrigkeit getan wird, so tut sie dies zwar, weil sie darüber manipulieren und den Blackout für ihre Zwecke nutzen will, doch letztlich zögern sie selbst nur das heraus, was schon längst im Großen und Ganzen geplant ist und sorgen für das, was längst ins Buch des Lebens geschrieben wurde: Für ihren eigenen Untergang; auf daß sie für Ewigkeiten der Vergangenheit angehören, was eben mit denen geschieht, die sich zu Lebzeiten zutiefst am Leben vergangen haben.

Nicht umsonst sagt man, man soll sich nicht an der Natur vergehen; sie kennt die Regeln der Notwendigkeit besser. Wer aber denkt, er könne diese Naturgewalten zudem für sich nutzen und hintenherum ein paar Drähte legen, während vorne herum andere Drähte der Natur zum Opfer fallen, der hat sich selbst keine Gefälligkeit erwiesen.

Das wollte ich hier nur sagen; so manche Winde wehen, nur um etwas umzudrehen. Und vielleicht auch, um dem einen oder anderen das Denken durchzurütteln. Denn selbst diejenigen, die noch immer im Dienste verschiedener menschen- und naturfeindlicher Obrigkeiten handeln oder denken, selbst die haben noch die Möglichkeit, das Blatt zu wenden und sich für die andere Seite zu entscheiden.

Wenn sie dort bleiben wollen, wo sie sind, was soll’s? Hauptsache sie haben nicht, kurz bevor sie allesamt gänzlich weggespült wurden, noch den einen oder anderen Freiheitsgeist denunziert. Und wenn schon; den Freiheitsgeist wird die Schuldzuweisung kaum treffen, denn er ist ja frei, und der Denunziant ist selber Schuld. (Verstehe: Der Denunziant ist immer selber Schuld)

Traurig ist bei der Schlagkraft der Natur nur, daß auch Bäume umknicken, wenn es zu heftig stürmt, noch viel trauriger jedoch, wenn der Mensch diese Schlagkraft gegen sie ausführt, insbesoindere wenn es ihm bloß um wirtschaftliche Aspekte geht.

Wer aber aus welchem Grund auch immer einen Baum fällen will, der soll immer beachten, dass dem Baum andere Wesen innewohnen. Ist das Fällen notwendig oder unvermeidlich, so soll man den Baum vor dem Fällen immer um Vergebung bitten und den Baumgeistern hiermit Zeit und Gelegenheit geben, sich zu beraten und (in einen anderen Baum) umzusiedeln. Tut man das nicht, erschrickt und verstört man sie, und bis sie sich beruhigt haben, kann das Umherirren gegebenenfalls auf einen selbst zurückfallen. Baumgeister sind Bewohner der ätherischen Welt. Mit ihr sollte man sich nicht anlegen.

Freiheitsbaum

Manche erinnern sich gewiss noch an den schlimmen Tag, als in Dresden eine 200 Jahre alte Rotbuche gefällt wurde, weil sie dem Bau der sogenannten „Wald“schlößchenbrücke im Wege stand. Es gab Baumbesetzer und Demonstranten, die das Fällen verhindern wollten und sie konnten durch ihr Aufbegehren ein paar Tage mehr Lebenszeit für den Baum erringen. Schließlich wurden sie aber von der Polizei abgeführt.

Die Rotbuche ist nun aber die „Mutter des Waldes“ – und vielleicht ist sie eben deswegen gefällt worden und eben auch deswegen herrschte eine sehr traurige Stimmung im ganzen Land.

Doch es hatte ebenso wieder etwas Positives zur Folge. Menschen pflanzten Bäume mit einem Jetzt-erst-Recht-Gefühl und das eben zurecht. Die jungen Bäumchen, die sie gesetzt haben, werden uns alle überleben, auch euch, ihr sogenannten Brückenbauer und tragenden Pfeiler, ihr sogenannten Entscheidungsträger.

Es gibt auch Brücken, die führen ins Verderben.

Und wenn wir alle nicht mehr da sind, werden in den Bäumen wieder Vöglein singen und auf eure heuchlerischen Brücken werden die Tauben immer noch scheißen.

Denkmal

Als der Baum dann gefällt war, dachte ich, man müßte doch an der Stelle ein Denkmal bauen, damit, immer wenn einer die neue Brücke überquert, er die Erinnerung an den Baum mit über die andere Seite trägt.

An diesem Tag habe ich übrigens auch etwas gefällt.

Nämlich eine Entscheidung. Oder ein Versprechen? Einen Schwur? Ein Gelübde?

Vielleicht habe ich mich bloß erinnert. Ich danke jedenfalls dem Geist des Baumes, dass er mich an etwas zurückerinnert hat. Es gibt doch nichts Bedeutenderes als über seine Wurzeln zu stolpern.

Und so bin ich im Zuge aller Gefälligkeiten zudem über das Projekt Freiheitsbaum gestolpert. Hinsichtlich aller Baumschändungen im Lande, die auch symbolisch für den Abbau der Freiheit stehen, pflanzten ein paar vernünftige Menschen einen Baum und nannten ihn den ‚Freiheitsbaum‘. Ich weiß den Link dorthin nicht mehr, es ist aber ein neuer Freiheitsbaum und nicht jener, der irgendwo in Berlin vor dem Bundestag stehen soll. Beides aber sind Bäume; eben Freiheitsbäume, und sie rufen den Menschen in diesem Lande etwas zu.

Gefühlter Verlust zum Neubeginn

Man kann sich schon fragen, ob die Baumfäller, die eine der ältesten Buchen Deutschlands gefällt haben, nicht ein schlechtes Gewissen haben, denn diese Buche war gesund und mußte nur einer modernen Brücke weichen. Doch wo sich das Gewissen einschaltet, ist man bereits falsch abgebogen. Einen gesunden Baum zu fällen, setzt das nicht nur das Fehlen eines Gewissens voraus, sondern auch das Fehlen von Empfindungen.

Leben zu nehmen ist immer eher falsch als richtig. Niemand mit einem wahren Gewissen würde ein gesundes Leben zerstören. Und diejenigen, die den Baum zum Fällen freigeben, haben zwar vielleicht ein Gewissen, nur nicht „im Falle“ des Baumes. Sie haben es wahrscheinlich anderswo. Vielleicht für die Familie, vielleicht für die Firma, irgendwo wird ihnen das Gewissen schon verbieten, irgendwas nicht nur zu denken, sondern auch zu tun. So handeln sie stets entweder aus gutem oder aus schlechtem Gewissen. Jemand aber, der für den Baum etwas empfindet, der fällt ihn nicht, selbst wenn er es guten Gewissens tun könnte. Er käme überhaupt nicht auf die Idee, ihn fällen zu wollen, außer vielleicht, wenn er damit andere Leben retten könnte. Doch selbst dann nicht einmal, sondern wahrscheinlich nur dann, wenn sein eigenes Leben davon abhinge.

Wenn er ein Empfinden für den Baum hat, dann fällt er ihn mit einem schlechten Gewissen und einem schlechten Gefühl.

Hat er dieses Empfinden nicht und so auch nicht das Gefühl, so hält ihn nicht einmal sein schlechtes Gewissen davon ab, es zu tun. Denn wer ein schlechtes Gewissen hat, der hat auch hier und da ein gutes Gewissen. Manchmal gibt das gute Gewissen dem schlechten Gewissen die Legitimation, das zu tun, was man wiederum vor dem Gefühl nicht verantworten würde.

Zu mehr Erkenntnissen gelange ich heute nicht, wenn es überhaupt welche waren. Vielleicht ist aber der Hang des Menschen, und so auch meiner, etwas in gut oder schlecht zu unterscheiden, bloß darauf zurückzuführen, daß die ganze Baumschänderei darin begründet liegt, einstmals den Baum der Erkenntnis gefällt zu haben.


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