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In der Partie FC Leberpool gegen Westschinken United gings mal wieder um die Wurst.

Es ist das Spiel des Jahres. Darauf haben die Fans  lange gewartet. Kein Wunder, Einlass war ja auch schon vier Stunden vor Spielbeginn.

Dann kam schon bald der Stürmer daher und stellte sich dahin. Zwei drei Doppelpässe mit der Fahnenstange und dann schoss er den Ball frustriert auf die Tribüne. Ein Zuschauer auf dem linken Sitzflügel sprang auf, nahm den Ball mit der Brust an, lupfte ihn in die Luft und versenkte ihn von hier aus mit einem herrlichen Flugkopfball ins Tor. Er wurde dann von den Fans im Parkett aufgefangen und an die Sanitäter nach vorne weitergereicht, man kennt das hier schon von Rockkonzerten.

Nach 30 Minuten kam es zum ersten hochdramatischen Mittelfeldgeplänkel im Mittelkreis. Doch Rene Adler täuschte vor eine Schwalbe zu sein und zeigte dem Johann den Vogel. Der beschwerte sich wie ein Rohrspatz beim Schiri und der Vogel wurde obduziert – doppelter Flügelbruch. Der Schiri zückte sein Kartenspiel und jeder mußte eine ziehen.

Mittlerweile war die erste Halbzeit abgelaufen und der Freistoß im Mittelkreis war noch immer nicht ausgeführt. So gings dann erstmal zum Pausenbrot in die Kantine. Heute gab es pandemiertes Hähnchenbrustfilet aus dem Hochofen in Worchestersauce.

Dann kehrten beide Mannschaften rülpsend zurück in den Mittelkreis. Noch immer mußte ja der Freistoß nachgeholt werden. Wieder kam es zu hochtraumatischen Szenen aber die jubelnden Zuschauer bekamen davon nichts mehr mit. Sie machten so einen Höllenlärm, dass man keine Stecknadel fallen hören konnte.

Nun legte der ballführende Spieler sich denselben zurecht und plante gewiss, ihn nach geradeaus von sich wegzuschießen. Die gegnerische Mannschaft nahm sich bei den Händen und spielte Ringelrein auf dem Mittelkreis. Doch weil sie so ihre Hände nicht vorm Sack halten konnten, wurde ihr Spiel unterbunden. Dann wurde der Freistoß ausgeführt. Der Schütze schnitt das Leder an – sauber gemacht, doch viel zu eigennützig, denn das größte Stück wollte er mal wieder für sich behalten.

Dann gab es den ersten richtigen Eckball. Der Schiri bemalte alle sechs Flächen mit schwarzen Punkten und das Ergebnis wurde mit 6 zu 6 ausgewürfelt.

Nach dem Spiel führte Günter Netzball ein exkursives Interview mit sich selbst. Auf seine Frage hin, ob sich mit solchen eckigen Eckbällen im Fußball künftig etwas ändern werde, schüttelte er nur verständisvoll den Kopf:

„Nein doch sicher, natürlich wird sich etwas ändern, wieso sollte sich was ändern, wie kommen sie denn darauf. Aber diese Frage ist auch nicht gleichberechtigt mit Ja oder Nein zu beantworten. Und wenn Sie sich nicht etwas mehr Mühe mit Ihren Fragen geben, sage ich künftig gar nichts mehr. Daher lassen Sie mal lieber mich die Fragen stellen, ich bin schließlich auch der Dellinquent vor dieser Kamera.

Wenn Sie mich fragen: Wird sich nicht im Fußball künftig etwas ändern und wenn nicht, warum nicht, falls nicht doch gleich, weshalb dann nicht sofort? Dann sage ich, ganz gewiss wird sich der Fußball ändern, zumindest transformieren. Dieses ist ein Novum in der Historie des Fußballspieles. Dieses sollten Sie doch wissen. Der Spieler von Morgen früh muß umdenken. Heute muß nicht mehr das Runde in das Eckige, sondern das Eckige muß in das Eckige. Aber dieses ist nur eine Phase des Übergangs.

In nicht allzu naher Zukunft werden die Bälle wieder rund sein, aber auch die Tore werden rund sein. Nämlich so, dass Latte und Pfosten eines sind und so rund dastehen werden, wie ein gut geöltes Rhönrad, worein man den Torwächter direkt befestigen kann. Die Hintertorkameras werden abgeschraubt und heimlich an die Eckfähnchen befestigt werden, doch auch dieses ist nur ein Übergang. Bald werden die Seiten gewechselt und die Fernsehteams sich gegenseitig filmen. Der Fußball, die rundeste Sache der Welt, wird nur noch von der hochentwickelten Spezie Fanaticus verstanden werden. Der Fußball wird die Politik des Friedens und ich werde der Botschafter sein! Wenn Sie sonst keine Fragen mehr an mich haben, betrachte ich dieses Interview als beendet. Doch Sie müssen zuerst gehen. Vor davonlaufender Kamera sind Sie sowieso nicht so attraktiv wie in meiner Realität.“

Von Stanislaus Zurtelbeck

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